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Rezension:Tango Vitale: Von Schicksalsschlägen und anderen glücklichen Umständen (Broschiert)

Dr. Eva Wlodarek gilt als eine der renommiertesten Psychologinnen in unserem Lande. In ihrem Buch befasst sie sich ausführlich mit dem sogenannten Schicksal und hier mit seinen Eigenschaften und Bausteinen. Sie zeigt wie man das Schicksal meistert und sogar günstig beeinflussen kann.


Zunächst betrachtet sie die wichtigsten Erscheinungsformen des Schicksals und weist auf historische Beispiele hin, wonach das allgemeine Schicksal das individuelle mit sich reißt, das Schicksal grausam zufällig aber durchaus in Gefahr zu retten im Stande ist und sogar Geschenke verteilt. Interessant ist, dass das Schicksal durch unerwartete Ereignisse nicht selten dafür sorgt, dass Menschen an diejenige Lebensaufgabe herangeführt werden, für die sie die besten Voraussetzungen mitbringen.

Nach Ansicht Dr. Wlodareks können wir mit dem Schicksal Tango tanzen und das Besondere daran ist, das ständig wechselt, wer führt. Entscheidend sei, dass wir genau wissen, wann wir dran sind.

Die Autorin befasst sich u.a. im Buch mit der Magie des Schicksals und hier mit dem Phänomen der Synchronizität. Dabei scheint es charakteristisch zu sein, dass sie uns speziell bei der Erfüllung unserer Bedürfnisse und Herzenswünsche zur Hilfe kommt. So bringt sie uns beispielweise genau das, was wir zu einem bestimmten Zeitpunkt gerade benötigen. Allerdings lässt sich Synchronizität nicht erzwingen, aber durch bestimmte Verhaltensweisen mitunter hervorlocken. Am wirkungsvollsten sollen dabei Gelassenheit, Intuition und Aufmerksamkeit sein, (vgl.: S.34).


Dr. Wlodarek zeigt wie man gelassen bleibt, aufmerksam ist und auch wie man Intuition entwickeln kann. Das ist u.a. möglich, indem man lernt in Metaphern zu denken, Körperimpulse wahrzunehmen und anderes mehr.

Die Autorin verschweigt keineswegs, dass es eine dunkle Seite der Magie gibt und Intuition auch im Falle einer Synchronizität oder Koinzidenz mit negativer Auswirkung eine Rolle spielen kann, in Form von Vorahnungen auf ein unerwartetes Ereignis. Die Psychologin schreibt von den Gesetzen des Schicksals, vom Gesetz des Wandels und dem der Ursache und Wirkung als auch dem Gesetz der Resonanz und lässt dabei nicht unerwähnt, dass unsere Sicht der Dinge unser Verhalten bestimmt. Dies führt dazu, dass wir in unserer eigenen Umgebung das aktivieren, was in uns ist. Insofern ist die Umwelt unser Spiegel.


Man erfährt in der Folge, wie Menschen sich im Einzelnen verhalten, z.B. wenn sie zu der Personengruppe zählen, die hohe Verträglichkeitswerte besitzen.


Die Autorin verdeutlicht, dass man seinen Neigungen nachgehen soll, weil es erfolgreicher macht, wenn man seine Talente auslebt. Sie nennt dabei die Kriterien für Talent und lässt den Leser wissen, dass man trotz Talent stets etwa 10 Jahre benötigt, um in einem bestimmten Bereich exzellent zu werden und in Ranglisten einen oberen Platz zu erreichen, wenn es mit rechten Dingen zugeht. Das wurde in Studien über Schachspieler herausgefunden und gilt immer, nicht nur für Schachweltmeisterschaften, so die Psychologin,(mehr dazu: S. 85ff). Um nicht kurz vor dem Ziel schlapp zu machen, nennt die Autorin eine Fülle positiver Folgen, die eintreten, wenn man durchhält. Diese Folgen sollte man sich zur Motivation stets vor Augen führen.


Wie man Schicksalsschläge meistert, wird auch thematisiert und die Phasen des Nicht-Wahrhaben-Wollens, die Phase der aufbrechenden Gefühle, der Anpassung und der Neuorientierung erörtert. Es ist wichtig, sein Schicksal anzunehmen und einen Sinn darin zu erkennen, um ihm nicht länger emotional ausgeliefert zu sein.
Dr. Wlodarek schreibt auch darüber, dass man seiner Intuition vertrauen soll und listet Signale für Gefahr auf. Was dort zu lesen ist, sollte man sich immer wieder bewusst machen. Man hüte sich davor, sich in irgendeiner Form dominieren zu lassen. So gilt die Faustregel: Über ein Nein wird nicht verhandelt. Wer Verhandlungen zulässt, erteilt dem anderen die Erlaubnis, in auch in anderen Dingen unter Kontrolle zu bringen, (vgl.: S.124).


Man liest, welche Möglichkeiten es gibt, das Schicksal zu beeinflussen und hier auch von sich selbsterfüllenden Prophezeiungen als Endlosschleife und lernt diesen Teufelskreis zu durchbrechen, indem man negative Sichtweisen ändert und zunächst ihre Ursachen erkennt.


Des Weiteren lernt man die Eigenschaften von Glückspilzen kennen, die neben einer guten Intuition und positiver Einstellungen, im Sinne von sich selbsterfüllender Prophezeiungen, vor allem Offenheit für andere Menschen und neue Erfahrungen besitzen.


Man hat Gelegenheit anhand eines Tests auszukundschaften, ob man bereits ein Glückspilz ist oder noch diesbezüglich üben muss.

Freundlichkeit ist ein guter Weg in die richtige Richtung. Die positive Energie, die man auf diese Weise verbreitet, wirkt sich beim Tango mit dem Schicksal gewiss nicht negativ aus.

Ach ja, vom günstigen Augenblick ist auch noch die Rede. Solche Augenblicke sollte man aus Angst niemals verpassen. Mitunter dauert es lange bis ein Zeitfenster aufgeht, dann aber heißt, es kurz entschlossen zu handeln und sich auf seine Intuition zu verlassen.

Empfehlenswert.
 
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Rezension: Die Macht der Disziplin: Wie wir unseren Willen trainieren können (Gebundene Ausgabe)

Die Autoren dieses Buches sind Prof Dr. Roy F. Baumeister, einer der international bekanntesten Psychologen und John Tierney, Wirtschaftsjournalist bei der New York Times.


Gleich in der Einleitung erfährt man, dass viele unserer persönlichen und gesellschaftlichen Probleme mit mangelnder Selbstdisziplin zusammenhängen. Die Autoren zählen auf: zwanghafter Konsum, Verschuldung, Gewalt, schlechte, schulische Leistungen, mangelnde Produktivität am Arbeitsplatz, Alkohol- und Drogenmissbrauch, ungesunder Ernährung, mangelnde sportliche Betätigung, chronische Angst, Jähzorn etc. (vgl.: S.8) Mangelnde Selbstdisziplin sei die Ursache des verschiedensten persönlichen Traumata und insofern ist es nicht verwunderlich, dass wir pro Tag zwischen drei bis vier Stunden damit zubringen, Versuchungen zu widerstehen.


Am Arbeitsplatz werden Führungskräfte mit ausgeprägter Selbstdisziplin von ihren Mitarbeitern und Kollegen besser bewertet. Offenbar knüpfen Menschen mit größerer Selbstdisziplin stabilere und befriedigendere Beziehungen als andere Menschen. Sie offenbaren mehr Empathie und sind eher in der Lage, Dinge aus der Sicht des anderen zu sehen. Zudem neigen selbstdisziplinierte Menschen weniger zu Angst, Depressionen, Paranoia, Psychosen, zwanghaften Verhaltensweisen, Alkoholproblemen und anderen psychischen Leiden. Auch sollen disziplinierte Menschen seltener mit Ärger reagieren und falls doch, werden sie seltener aggressiv, weder verbal, noch physisch, (vgl.: S. 19).

Selbstdisziplin setzt Willenskraft voraus und diese lässt sich offenbar trainieren wie ein Muskel. Im vorliegenden Buch zeigen die Autoren wie man seinen Willen trainiert. Sich mit einem solchen Training zu beschäftigen, ist gewiss nicht nachteilig, denn Selbstdisziplin ist für ein erfolgreiches Leben vielleicht noch wichtiger als eine hohe Intelligenz.


Nicht jedem wird der Inhalt des Buches schmecken, denn es ist ein Text, der Ausreden nicht akzeptiert, der uns alle mit unseren persönlichen Schräglagen und deren Folgen auf uns selbst zurückwirft und uns Dinge abverlangt, die unserer Bequemlichkeit nicht gefallen werden. Selbstdisziplin begreife ich als Tochter einer Preußin schon immer als unumgänglich. In meinen Augen vereinfacht sie das Leben. Nur sie macht uns stark und lässt uns schwierige Situationen meistern. Die Autoren sagen mir also nichts Neues und ich weiß aus Erfahrung, dass sie mit ihren Untersuchungsergebnissen ins Schwarze getroffen haben, auch damit, wenn sie sagen, dass man seinen Willen trainieren kann. Es funktioniert und es macht Spaß, sich mehr abzuverlangen als anderen. Selbstbeherrschung klappt m.E. nur, wenn man seinem Ego nicht zu viel Raum schenkt, denn das gefräßige Ego ist der fiese Schweinhund, der uns ständig in Versuchung zu führen sucht und uns aus dem Gleichgewicht, das uns die Disziplin schenkt, heraushebeln möchte. Ihm gilt es unseren Willen entgegenzusetzten.

Empfehlenswert.


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Rezension:Das unstillbare Gefühl (Gebundene Ausgabe)

Der Autor dieses Buches ist der Psychologe Prof Dr. Wolfgang Hantel- Quitmann. Er befasst in seinem vorliegenden Werk ausgiebig mit der Bedeutung des Phänomens Sehnsucht für uns Menschen.

Sehnsucht ist für ihn das Sehnen und Suchen nach einem vollkommenen und glücklichen Leben. Sehnsüchte, so der Autor, sagen viel über die Kultur, den Lebensraum, die sozialen Beziehungen und das Denken sowie Fühlen der Menschen aus, deshalb auch sei die Geschichte der Sehnsüchte zugleich auch eine Kulturgeschichte der Völker.

Das Sehnen könne sich als Sucht an alles binden, an Materielles aber auch an bloße Ideen und sei letztlich der ungestillte Hunger und Durst der Seele.

Der Autor hebt hervor, dass die Formen der Sehnsüchte, ihre Art und Intensität stets auch etwas mit dem Alter und Entwicklungsstand des Einzelnen zu tun hätten.

Hantel-Quietmann beleuchtet in seinem Buch viele Facetten der Sehnsucht und verdeutlicht anhand von authentischen Fällen, wozu Sehnsucht einen Menschen bewegen kann.

Nicht unerwähnt lässt er, dass Lebensbilanzen mitunter dazu führen, dass nahezu alle Sehnsüchte im Menschen auf einmal hochkommen und zu einer emotionalen Überschwemmung führen. Das geschieht nicht zuletzt bei allzu großer Verdrängung.

Menschen haben, so liest man, häufig keine Wahl. Sie vermögen sich dem Diktat der Sehnsucht nicht entziehen und müssen insofern der Sehnsucht folgen, auch wenn es unvernünftig ist und Schmerzen bereitet.

Interessant sind Hantel-Quitmanns Ausführungen zu weiblichen und männlichen Sehnsüchten und auch seine Betrachtungen zum Tango, der für ihn ein Sehnsuchtstanz darstellt.

Sehr gut gefallen hat mir seine Definition: "Sehnsucht ist ein bitter-süßes Gefühl, das von wiederkehrenden und intensiven Wunschvorstellungen nach einem anderen, alternativen Leben begleitet wird, das als unerreichbar erlebt wird."

Die zentralen Aspekte der Sehnsucht, die in den einzelnen Kapiteln des Buches gut erläutert werden, listet der Autor zum Schluss nochmals auf, zudem hat man Gelegenheit 36 Fragen zu beantworten, die Hantel-Quitmann als kleinen Leitfaden zum Verständnis der eigenen Sehnsucht bezeichnet. Es lohnt sich die Fragen zu beantworten, so etwa jene: "Welche Beziehung hat meine Sehnsucht zur Zeit? Wird darin die Zeit zurückgedreht, vorgestellt, außer Kraft gesetzt oder alles gleichzeitig?"

Empfehlenswert.
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Rezension: Die Macht der guten Gefühle: Wie eine positive Haltung Ihr Leben dauerhaft verändert (Gebundene Ausgabe)

Barbara Fredrickson, die Autorin des vorliegenden Buches, ist Professorin für Psychologie an der University of North Carolina in Chapel Hill.

Die Wissenschaftlerin forscht seit vielen Jahren über den Einfluss und die Wirksamkeit positiver Gefühle auf das menschliche Verhalten, die Psyche und Gesundheit. Sie entwickelte die sogenannte "Broaden- and- Build-Theorie" und wurde dafür mit vielen Preisen ausgezeichnet. Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass der Dalai Lama die Professorin 2010 einlud, um sich von ihr über die Ergebnisse der Studie berichten zu lassen.

Die Autorin befasst sich im ersten Teil des Buches mit dem Guten an positiven Gefühlen. Dabei erläutert sie zunächst sechs Fakten zur positiven Grundhaltung. Bei diesen Fakten geht es um nachstehende Gegebenheiten: Eine positive Grundhaltung vermittelt ein gutes Gefühl. Verändert das Denken, verändert die Zukunft und bremst eine negative Grundhaltung. Die positive Grundhaltung unterliegt dem Gesetz des Tipping-Points und kann ausgebaut werden. Das Gesetz des Tipping-Points wird auf Seite 24 sehr gut erklärt.

Unsere stets erneuerbare Energiequelle, die wir in uns tragen, um unser Leben und unsere Umgebung zum Besseren zu verändern, ist eine tief empfundene positive Lebenseinstellung. Diese positive Grundhaltung erweitert unseren Horizont und verändert unsere persönlichen Beziehungen nachhaltig. Sogar das Selbstbild wandelt sich durch positive Emotionen. Eine positive Grundhaltung (Akzeptanz, Offenheit, positive Gefühle) setzt nicht nur eine Aufwärtsspirale in uns in Gang, sondern sie erlaubt uns, mehr Möglichkeiten zu erkennen und von stets neuen guten Gefühlen durchdrungen zu sein. Des Weiteren öffnen uns positive Gefühle für unsere Mitmenschen, mit denen wir uns dann viel eher eins fühlen können.

Die Autorin belegt in Ihrem Buch ihre diesbezüglichen Aussagen wissenschaftlich und zeigt anhand von Beispielen, wie sich ihre Forschungsergebnisse in der Realität darstellen.

Der "Build-Effekt", den Frederickson im Rahmen ihrer Forschungsarbeiten ermittelt hat, zeigt auf, dass eine positive Lebenseinstellung einen Menschen nicht nur ein erfüllteres Leben führen lässt, sondern ihn auch besser macht.

Die Autorin verdeutlicht u.a., dass man durch häufigen, engen und dabei liebevollen Hautkontakt gesünder bleibt und man durch eine positive Grundhaltung physisch stärker wird.

Auch die Fähigkeit bei Niederlagen sofort wieder aufzustehen, die so genannte Resilienz, wird von einer positiven Lebenseinstellung beeinflusst. Negative Gefühle verengen unsere Perspektive. Hierdurch beschreitet man einen dunklen und einsamen Weg in die Abwärtsspirale, der immer mehr von der heilenden Berührung durch die Gemeinschaft isoliert. Die Autorin unterstreicht, dass es letztlich die positive Haltung ist, die uns zum Stehaufmännchen macht.

Gemeinsam mit Marcial Losada entdeckte und überprüfte die Wissenschaftlerin den 3:1 Quotienten, jenen Tipping-point, der ein erfülltes Leben möglich macht. Dieser unterstreicht, dass auch negative Gefühle für ein erfülltes Dasein in einem angemessenen Verhältnis durchaus vorteilhaft sind. Eine übertriebene positive Haltung kann nämlich zu neuen Problemen führen. Die Frage stellt sich allerdings, wann Negativität angebracht ist und wann nicht. Die Autorin bringt es auf den Punkt, wenn sie konstatiert, angebrachte Negativität sei korrigierbar und spezifisch, während unangebrachte überflüssig und global sei. Letztere sickere tief in das Innere und dominiere die gesamte emotionale Textur des Lebens, (vgl.: S. 167).

Die Professorin zeigt, wie man den positiven Quotienten steigern kann. Bei Personen, bei welchen der Wert 1 zu 1 liegt, ist professionelle Hilfe angesagt, weil sie hochgradig depressiv sind.

Wie man negative Gefühle reduzieren kann, wird auch erörtert. Achtsamkeitstraining ist hier sehr sinnvoll. Klatsch und Sarkasmus sollte man ebenso meiden, wie den Umgang mit negativen Menschen. Dass es sich hierbei um Energievampire handelt, habe ich folgendem Buch entnehmen können: "Energievampire mit Liebe besiegen: Neue Methoden gegen psychischen Energieraub."

Wer seine Positivität steigern möchte, sollte sich um Folgendes bemühen:
-Offenheit
-Innige, zwischenmenschliche Beziehungen
-Fünf gute Taten am Tag
-Für Ablenkung sorgen
-Gegen negative Gedanken Argumentieren
-Kraft tanken in der Natur
-Stärken erkennen und nutzen
-Die Achtsamkeitsmeditation
-Die Metta-Meditation
-Dankbarkeit ritualisieren
-Positive Gefühle auskosten
-Die Zukunft visualisieren.

Sinnvoll ist es, positive Portfolios zu erstellen und über deren Inhalte bewusst zu reflektieren und sich des Weiteren bewusst zu machen, dass es viele gute Gründe gibt, einen positiven Quotienten über 3:1 anzustreben, nicht zuletzt, weil wir auf diese Weise widerstandsfähiger, weitblickender, resilienter und sozial besser integriert werden.

Empfehlenswert.
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Rezension:Aufgewacht!: Wie Sie das Leben Ihrer Träume finden Mit Lebenstraum-Navigator (Broschiert)

Die Diplompsychologin Angelika Gulder hat ein bemerkenswertes Selbstcoaching-Buch vorgelegt. Mittels eines von ihr erarbeiteten Lebenstraum-Navigators erhält man Klarheit über die eignen Lebensträume. Dies ist eine entscheidende Voraussetzung, um diese leben zu können.

Viele Menschen werden bitter, weil sie kein authentisches, selbstbestimmtes, erfülltes Leben führen, sondern stattdessen eines, das fremdbestimmt ist und unglücklich macht.

Gulder definiert zunächst den Begriff "Lebensträume". Diese sind für sie langfristig wiederkehrende, intensive, hoch positiv besetzte Wünsche, Bedürfnisse und Gedanken hinsichtlich Dingen, Lebensumständen und Inhalten, (vgl.: S.26). Auf der Ebene der Phantasie sollen sie ein Gespür für andere bessere Möglichkeiten vermitteln und insofern auf neue Richtungsänderungen in unserem Leben verweisen.

Die Autorin konstatiert, dass genau dann, wenn wir unsere Träume leben und unseren wahren Motiven folgen, wenn wir also "echt" sind, unser Reden, Denken und Handeln im Einklang ist, wir unser wahres Selbst leben. Dann nämlich leben wir alle Talente, Fähigkeiten und Möglichkeiten, die tief in uns angelegt sind und bleiben uns selbst treu.

Gulder erläutert weiter, dass sich selbst und seine Träume zu erkennen, Stabilität und Sicherheit schenkt und Personen, die ihre Träume aufgeben, nicht zur ihre Ziele verlieren, sondern, was weitaus schlimmer ist, den Sinn des Lebens.

Wissen sollte man, dass man ohne Lebensträume nicht existieren kann, gleichgültig, ob wir sie wahrnehmen oder nicht.

Die Autorin erläutert in der Folge dem Leser das sogenannte Zwiebelmodell der Persönlichkeit, wonach in der Mitte unserer Persönlichkeit unser wahres Wesen lokalisiert ist. Hier befindet sich das gesamte Potential eines Menschen, welches auf Verwirklichung wartet. Das Buch hilft die Zwiebel Schicht um Schicht zu schälen, damit man zum Schluss des Lebenstraum-Navigators am wahren Kern angekommen ist.

Sieben Lebenstraum-Navigatoren erörtert die Psychologin. Dabei handelt es sich um:

-Die "guten" Überzeugungen
-Der Blick zurück
-Unsere Lebensphasen und deren Träume
-Die sieben Traumfelder
-Unsere Lebensmotive
-Was wirklich zählt
-Unsere Träume im Überblick.

Wenn man sich mit der Gesamtproblematik, die die Autorin hier ausbreitet, ernsthaft auseinandersetzt, hat man eine gute Chance an den Wesenskern zu gelangen und in Erfahrung zu bringen, was uns tatsächlich glücklich macht. Auf den Buchdeckelinnenseiten kann man an einem Test teilnehmen und in Erfahrung bringen, wie erfüllt das eigene Leben ist. Die 98 Punkte als Ergebnis des Tests sagten mir, das ich das Buch eigentlich nicht lesen müsse. Habe es aus Neugierde dann dennoch getan.:-))

Die Autorin schreibt u.a. von den inneren Stimmen- der Intuition und Inspiration- , auch von der Erfahrung der Stille, die Eckart Tolle ja ebenfalls als sehr wertvoll erachtet. Gulder thematisiert unsere Lebenslernaufgaben, diese sollte man stets angehen, damit sie uns bei der Verwirklichung unserer Lebensträume nicht im Wege stehen. Radikale Vergebung ist wichtig, denn nur so können alte Wunden heilen und nur so kann man sich ungestört der Realisierung der Lebensträume widmen. Das kann ich aus Eigenerfahrung bestätigen.

Wer sich entschieden hat, seine Lebensträume zu leben, muss auch den Mut aufbringen, Risiken einzugehen. Doch gemessen an dem Glück, ein erfülltes Leben zu leben, ist dieser Einsatz im Grunde gering.

Ein Leben ohne Risiko gibt es nicht und es scheitert am Ende nur der, der jenseits seiner Gaben lebt. Diese gilt es zu entdecken und auszuleben.
Die Psychologin begleitet Sie auf ihrer Suche nach Ihrem Wesenskern. Dort wartet u.a. Kreativität darauf, als unser wertvollster Schatz gehoben zu werden.

Empfehlenswert.

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Rezension:Wege zur Weisheit: Der Traum vom richtigen Leben (Gebundene Ausgabe)

Hanne Tügel beginnt ihr Buch mit einem Zitat der Königin von Saba, die dort auszuloten versucht, womit man Weisheit vergleichen könne und was sie sei.

Nach einem neugierig machenden Prolog mit dem Titel "Und die mich suchen, finden mich", gliedert die Autorin ihr Anliegen "Wege zur Weisheit" in drei Abschnitte:
Das Ideal
Die Annäherungen
Der Weg

Seit etwa 5000 Jahren geistere, so Tügel, der Begriff Weisheit durch die Weltgeschichte, ohne dass die Gelehrten sich darauf einigen können, wie man ihn einzugrenzen vermöge.

Das Ideal der Weisheit fächere sich in ein Mosaik begehrenswerter Eigenschaften auf. Zu diesen zählen Gelassenheit, Humor, Großzügigkeit, liebevolle Nachsicht für die Unwägbarkeiten des Lebens.

Tügel stellt eine ganze Reihe weiser Menschen aus unterschiedlichen Jahrhunderten und unterschiedlichen Kulturkreisen vor und fragt, was man von ihnen lernen kann.

Was macht einen weisen Menschen aus und weshalb ist das Weisheitsideal seit 4500 Jahren kulturübergreifend lebendig?

Um solche Fragen also geht es in diesem Buch, während die Autorin sich durch die Zeitläufte bewegt.

In der Antike ersannen Weisheitsfreunde ihre Theorien nicht um deren Selbstzweck, sondern um ethisches Handeln zu begründen. Im Buch begegnen uns viele Weisheitslehrer, natürlich auch Salomo und das nach ihm benannte Urteil.

Das moderne westliche Weisheitskonzept orientiert sich nach wie vor an Philosophen wie Sokrates, Platon und Aristoteles. Diese haben die kognitiven Aspekte hervorgehoben, während die östliche Weisheit den Schwerpunkt auf eher emotionale Faktoren legt, (vgl. S.74/75).

Die Delphistudie besagt, dass laut Befragung in den Augen vieler Menschen Weisheit eine persönliche Eigenschaft sei, die man als Form fortgeschrittener geistiger und emotionaler Entwicklung begreifen müsse, die von Erfahrung getragen werde. Sie sei ausschließlich menschlich und könne erlernt werden. Das klingt etwas wage, wird aber durch Salomo (siehe unten) m.E. gut begreifbar.
Gefallen hat mir der Hinweis auf dessen Betrachtungen im Hinblick auf "Timing". Meines Erachtens sind dies die weisesten Aussagen, die ein Mensch je gemacht hat und wenn man ihnen gemäß gelassen und achtsam lebt, ist man vielleicht schon ein wenig weise.

"Ein Jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel seine Stunde:

Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit;
pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist,
hat seine Zeit,
töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit;
abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit;
weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit;
klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit;
Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat
seine Zeit;
herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit;
behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit;
zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit;
schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit;
lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit;
Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit."

Klar muss uns sein, dass uns mitunter nur das Warten hilft und wir nichts übers Knie brechen dürfen. Schade, dass man unendlich alt werden muss, um Geduld zu besitzen.

Tügel nennt in ihrem Kapitel "Annäherungen" die Hilfsmittel, mit denen man sich auf Weisheitssuche begeben kann. Dazu zählen Erkenntnislust, Versenkung, Poesie, Eros und Kunst und anderes mehr. Auch liest man Wissenswertes über die Wege, so etwa Achtsamkeit, Humor, Gelassenheit, Geduld und Erfahrung und beginnt zu begreifen, dass Weisheit seinen Preis hat.Sie setzt voraus, dass man bewusst lebt, dass man sich selbst sehr gut kennt, dass man sehr diszipliniert handelt und wirklich begreift und akzeptiert, dass nichts, absolut nichts von Dauer ist. Wer sich mit dieser Tatsache nicht abfinden kann, wird niemals weise werden.

Empfehlenswert.

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Rezension:Die heilende Kraft des Schreibens (Broschiert)

Prof Dr. Lutz von Werder und Dr. Barbara Schulte-Steinicke haben dieses Buch verfasst, das sich facettenreich mit der heilenden Kraft des Schreibens auseinandersetzt.

Der Leser wird zunächst unterrichtet, was man unter einer Schreibtherapie zu verstehen hat. Hier lernt man dann auch Beispiele berühmter Dichterinnen und Denker der abendländischen Geschichte kennen, die den selbstanalytischen Weg des Schreibens wählten. So erfährt man, dass der Philosophenkaiser Marc Aurel es war, der für die Methode der Selbsterforschung das Selbstgespräch wählte und damit die Tradition der Selbsterforschung als Selbstkritik einleitete.

Ausführlich wird man anschließend über die tiefenpsychologischen Grundlangen des therapeutischen Schreibens unterrichtet. Zur Sprache gebracht werden Siegmund Freud, C.G. Jung, Alfred Adler und Karen Horney. Sie übrigens unterscheidet zwei Typen der Selbstanalyse: die gelegentliche Selbstanalyse bei Situtationsneurosen und die systematische Selbstanalyse, (vgl.: S.31).

Im zweiten Teil des Buches erhält man eine sehr hilfreiche Anleitung zum heilenden Schreiben, das sich aus Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten ergibt. Hier lernt man anhand von Übungen die Schreibmethoden der gelenkten Assoziation, der freien Assoziation, des Freewriting, des seriellen Schreibens, der Literarisierung und des Clustering kennen und sie für die eigenen Zwecke einzusetzen.
Anhand vieler Übungen begreift man, wie heilsam es sein kann, seine Erfahrungen schreibend zu wiederholen und sich auf diese Weise an Körper und Seele gesünder zu schreiben. Schreiben heißt in diesem Falle loszulassen, sich von seelischen Lasten zu befreien, indem man sie nochmals neu durchlebt, aber diesmal bewusst.

Empfehlenswert.

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Rezension: Warum gibt est alles und nicht nichts?

Den Philosophen Richard David Precht habe ich auf der Frankfurter Buchmesse 2011 mehrfach mit seinem Einverständnis fotografiert, nachdem sich unsere Wege nachmittags am Messestand von Randomhouse und abends auf einer Messeparty abermals kreuzten. Das hübscheste Foto habe ich auf meiner Website in die Rubrik "Events" eingebunden.

Precht ist ein sehr schöner Mann mit leuchtenden Augen. Er könnte ebenso gut als Fotomodell für eine der großen Modeagenturen tätig sein und würde dort mit Sicherheit viele lukrative Aufträge erhalten. Doch Precht ist Philosoph geworden, ein Philosph mit schönen Gedanken in einem schönen Körper. Das gibt es nicht so häufig.

Dieses Stimmige zwischen seinem Inneren und dem Äußeren fasziniert mich sehr. In seinem neuen Buch lernen wir den Philosophen als liebevollen Vater kennen, der seinem Sohn Oskar Geschichten erzählt, ihn im anschließenden Dialog zum philosophischen Nachdenken anregt und die Denkergebnisse jeweils in Form von kurzen philosophischen Einsichten zu Papier bringt.

Richard und Oskar Precht unternehmen Ausflüge an verschiedene Orte in Berlin. Über diese Orte, so etwa über das Museum für Naturkunde, das Technikmuseum , über Sanssouci, über den Mauerpark etc. liest man Wissenswertes. Dabei konstruiert Precht auf der Plattform dieser Ausflugsziele die Geschichten für seinen Sohn. Es sind sehr informative Geschichten, die ich übrigens mit großem Interesse gelesen habe.

Die Geschichten beginnen immer mit einer Frage. Eine beispielsweise lautet "Warum können Gorillas unsichtbar sein?" Im Rahmen der Geschichte berichtet Precht von einem Experiment, das seitens amerikanischer Forscher vor etwa 10 Jahren durchgeführt worden ist und bei dem die Zuschauer dazu gebracht wurden, sich bei dem Spiel zweier Basketball-Mannschaften völlig auf das Aufspringen des Balles zu konzentrieren und mitzuzählen. Die Probanten waren so sehr auf den Ball fokussiert, dass sie den Gorilla, der die ganze Zeit auf dem Spielfeld war und auf seine Brust trommelte, nicht sahen.

Precht vermittelt durch diese Geschichte seinem Sohn und seinen Lesern die philosophische Einsicht, dass der Mensch ein Tier mit begrenzter Aufmerksamkeit sei, unser Gehirn zwar das Bewusste und das Unbewusste speichere, wir aber an das Unbewusste selten herankommen.

Die Geschichte finde ich  deshalb so bemerkenswert, weil sie zeigt, wie Personen, die uns manipulieren wollen, arbeiten. Nicht immer spielt die Musik dort, wo mit dem Finger heftig drauf gezeigt wird.

Weitere Fragen lauten beispielsweise: "Bin ich wirklich ich?", "Gibt es Moral im Gehirn?", "Sind fünf Menschen mehr wert als einer?", "Warum stören Spiegel beim Klauen?", "Darf man Tiere essen?", "Was ist Schönheit"?, "Was ist Freiheit?"

Precht schafft es, durch seine Geschichten nicht nur junge Leser nachdenklich zu stimmen. Dennoch meine ich, dass man das Büchlein besonders jungen Menschen an Weihnachten auf den Gabentisch legen sollte, weil es für wichtige philosophische Fragen sensibilisiert und mit solchen Fragen kann man nicht früh genug konfrontiert werden.

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Rezension:Wie wollen wir leben? (Broschiert)

Prof. Dr. Peter Bieri wartet in der Reihe "Unruhe bewahren" mit drei Vorlesungen auf.
Diese tragen die Titel:

Was wäre ein selbstbestimmtes Leben?

Warum ist Selbsterkenntnis wichtig?

Wie entsteht kulturelle Identität?

Der ersten Vorlesung kann man u.a. entnehmen, dass unser Leben dann selbstbestimmt ist, wenn wir es schaffen, es innen und außen in Einklang mit unserem Selbstbild zu leben- wenn wir es schaffen, im Handeln, Denken, Fühlen und Wollen der zu sein, der wir sein möchten. Die Selbstbestimmung gelangt an ihre Grenzen bzw. scheitert völlig, wenn zwischen Selbstbild und Realität eine Kluft bleibt, (vgl.: S.13).

Wer zur Selbstbestimmung gelangen möchte, muss einen inneren Umbau vornehmen. Das bedingt laut Bieri, Kulissenwechsel, neue Erfahrungen, neue Beziehungen, auch die Arbeit mit Therapeuten und Trainern. Das Gesamte sei ein Kampf gegen die innere Monotonie, gegen eine Starrheit des Erlebens und Wollens, (vgl.:S. 14).

Der Philosoph unterstreicht, dass Selbstbestimmung sehr viel damit zu tun habe, dass wir uns selbst verstehen, insofern sei Selbsterkenntnis dasjenige, das dazu führe, dass wir eine transparente seelische Identität ausbilden und wir uns aufgrund dessen zu einem "empathischen Autor und Subjekt unseres Lebens" entwickeln können. (vgl.: S.15). Wer im Denken selbstständiger und mündiger wird (das gelingt nur durch kritische Distanz zu sich selbst, d. h. indem man sein Denken immer wieder auf den Prüfstand stellt), wird lt. dem Autor auch wacher im Hinblick auf blinde sprachliche Gewohnheiten, die uns letztlich nur vorgaukeln, etwas zu denken, (vgl.S.17). Bieri erwähnt nicht von Ungefähr, dass so mancher grammatisch wohlgeformte Satz keinen echten gedanklichen Inhalt ausdrückt. Für ihn gilt deshalb, dass die Philosophie diejenige Disziplin sei, in der die Idee des Gedankens ernster genommen wird als in jeder anderen und insofern auch die Idee der Selbstbestimmung, (vgl.: S.18).

Mittels Selbstbeschreibung arbeiten wir, so der Autor, an unserer persönlichen Identität. Dies geschieht auch dann, wenn wir Unbewusstes mittels Sprache in das Bewusste überführen. Durch eine neue Beschreibung eines Erlebten, ist es möglich einen neuen Grad von Bewusstheit zu erlangen. Das bedingt beispielsweise verleugnete Gefühle in voller Klarheit zu erleben und hierdurch unsere seelische Identität zu wandeln.

Bieri reflektiert das erzählerische Selbstbild, und ihnen zugrunde Erinnerungen, die zu verständlichen Erinnerungen werden, wenn wir sie zu Wort kommen lassen. Sie bleiben nur ein Kerker, wenn sie sich keinen erzählerischen Ausdruck verschaffen können, nur dann besitzen sie den Geschmack der inneren Selbstbestimmung, nur dann belagern sie uns als Gegner, (vgl.: S.23).

Der Autor meint, dass für den Weg der Selbstbestimmung das Lesen literarischer Texte uns gedanklich ein Spektrum an Möglichkeiten eröffne, indem wir hierdurch erkennen, was es alles gibt. Noch mehr als das Lesen würde das Schreiben einer Geschichte dazu beitragen, über das eigene Leben zu bestimmen und es im Sinne einer klareren Identität zu verändern, (vgl.: S.25 ). Es sei das Entdecken der eigenen Stimme und des eigenen Klangs, die es ermöglichten, uns zu verändern.

Bieri macht in der Folge auf einen wichtigen Moment aufmerksam, den er die moralische Intimität nennt. Dieser ereignet sich dann zwischen zwei Menschen, die sich nicht als auszurechnende Gegner sehen, sondern, die eine auf Loyalität begründete Beziehung zueinander haben. Solche Beziehungen gefährden die Selbstbestimmung niemals, sondern sie sind ihr natürlicher Ausdruck.

Wer selbstbestimmt leben möchte, muss lernen den Blick der Anderen auszuhalten. Wissen muss man allerdings, dass das Bedürfnis selbst sein Leben zu bestimmen, mit dem Bedürfnis einhergeht, nicht manipuliert zu werden. Insofern geht es um Authentizität, "darum, nicht das zu leben und zu sagen, was andere uns vorleben und vorsagen, sondern das, was der Logik der eigenen Biographie entspricht",(Zitat: S.33).

Nachdem Bieri in seiner ersten Vorlesung verdeutlicht hat, was man unter einem selbstbestimmten Leben zu verstehen hat, geht er in der zweiten Vorlesung der Frage der Selbsterkenntnis nach. Diese setzt immer Achtsamkeit voraus. Bieri weiß, dass Selbstbilder stets anfällig sind für Selbsttäuschungen, die interessengeleitete Irrtümer über uns selbst darstellten. Das erläutert der Autor in Einzelnen sehr gut. Eng verwoben ist Selbsterkenntnis mit Selbstbestimmung und auch diese erklärt Bieri gut nachvollziehbar, auch dass es bei Gefühlen und Wünschen einen Zusammenhang zwischen Erkennen und Verändern gibt.

Die Erweiterung von Selbsterkenntnis deutet der Philosoph als einen Prozess, bei dem Unbewusstes ins Bewusste überführt wird. Selbsterkenntnis vermag zu wachsen, indem man nachdenkt und auch schreibt. Dabei sollte man sich bewusst machen, dass sie die Quelle von Freiheit und Glück ist. Selbsterkenntnis ist nicht nur für uns selbst wichtig, sondern auch im Hinblick auf den Umgang mit anderen, weil sie uns die Möglichkeit schenkt, mit diesen in moralischer Intimität zu leben. Bieri unterstreicht zum Schluss der Vorlesung, dass Menschen, die sich mit sich selbst auskennen, ihre eigenen Projektionen durchschauen und auch einfacher die Projektionen ihrer Mitmenschen erkennen, woraus sich ein besseres Miteinander herbeiführen lässt.

In der dritten Vorlesung beantwortet Bieri die Frage wie kulturelle Identität entsteht und verdeutlicht hier zunächst die Wichtigkeit von Sprache, die uns zu Kulturwesen macht. Für ihn ist die wichtigste Leistung einer Kultur das Verstehen und nur die Sprache befähigt uns zu hierzu. Kulturelle Identitäten werden durch das Empfinden von Nähe und Ferne zu anderen definiert, durch die Vorstellung von Intimität und Fremdheit, (vgl.: S.70). Bieri erklärt in dieser Vorlesung den Prozess der Aneignung der kulturellen Identität, die nie etwas Endgültiges sein kann, sehr facettenreich und verdeutlicht, auf welche Weise ein selbstbestimmtes Leben, Selbsterkenntnis und kulturelle Identität positiv zusammenwirken können und den Einzelnen zum Kulturwesen machen, dass aus dem Schatten blinder Prägungen hinaustritt und innerlich frei am Prozess der Bildung teilnehmen kann, die für uns alle von großer Bedeutung ist, weil nur sie uns frei macht.

Empfehlenswert.

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Rezension:Der Weg zur authentischen Persönlichkeit (Gebundene Ausgabe)

Das vorliegende Buch habe ich mit großem Interesse gelesen. Der Autor Winfried Hille ist der Gründer der 1998 auf den Weg gebrachten, heute führenden Zeitschrift für ganzheitliche Lebenskunst "Bewusster Leben".

Ziel des Buches ist, dem Leser zu zeigen, wie er sich zu einer authentischen Persönlichkeit entwickeln kann. Hille weiß, wovon er schreibt, denn er hat zunächst eine Banklehre absolviert, dann Germanistik und Erziehungswissenschaften studiert und lange an verantwortlicher Stelle im Verlagswesen gearbeitet, bevor er das tat, was er eigentlich schon in jungen Jahren tun wollte. Erst nach der Trennung von seiner Frau und seinen Kindern hörte er auf seine innere Stimme und entwickelte sich zu dem Menschen, der er heute ist und lebt seither mit sich und seinem Tun im Einklang.

In seinem Buch reflektiert er zunächst, was es heißt, authentisch zu leben. Für den Autor bedeutet es, sich immer wieder neu zu erfinden und um die eigene Identität neu zu ringen. Dies heißt aber auch, zu begreifen, dass es im Leben keine Sicherheiten gibt, außer unserem Vertrauen in unsere Fähigkeiten und dem Mut Dinge zu tun, die uns wichtig sind sowie unserer inneren Bestimmung in diesem Leben entsprechen, (vgl.: S.30).

Ein authentischer Mensch ist das Gegenteil eines Menschen, der sich permanent selbst inszeniert und den Helden im Alltag mimt, (vgl.: S.31). Authentisch ist man dann, wenn unsere rationalen und emotionalen, verbalen und nonverbalen Signale und Äußerungen übereinstimmen. Ein solcher Mensch handelt auf der Basis seiner eigenen Überzeugungen und diese bedingen eine umfassende Selbstkenntnis, sowie den Mut zur Individualität, (vgl.: S. 33).

Menschen, die immer nur Rollen spielen und sich selbst verleugnen, verlieren auf Dauer ihre Ausstrahlung, erhalten im Gegenzug heutzutage noch nicht einmal mehr eine sichere Laufbahn mit unbefristeten Arbeitsverträgen inklusive Krankenversicherung und Absicherung im Alter und sollten sich insofern überlegen, ob sie nicht umgehend nach Authentizität streben sollten, denn diese ist die Voraussetzung, um kreativ zu sein.

Der Autor verdeutlicht, dass Authentizität kein Lernziel ist, das man durch Einhaltung strukturierter Schritte erreichen kann. Es geht stattdessen darum, wiederzufinden, was in uns verborgen ist. Hille hält fest, dass Authentizität dann entsteht, wenn man mit sich und anderen bewusst, ehrlich, konsequent und aufrichtig umgeht, (vgl.: S.38).

Hille berichtet immer wieder von seinen persönlichen Erfahrungen, um zu zeigen, worum es ihm eigentlich geht und was er seinen Lesern vermitteln möchte. Er möchte, dass wir aus seinen Lebenskrisen die richtigen Schlüsse ziehen und erkennen, dass solche Krisen stets die Chance zur Neuorientierung bietet.

Man muss sich stets auf Neue bewusst machen, dass man den Boden für eine existentielle Krise bereitet, wenn man seine eigentliche Berufung, sein wahres selbst vergisst. Mit dieser Erkenntnis steht Hille nicht alleine. Ich sehe es auch so.

Immer wieder wartet der Autor mit Rubriken, die Selbstbefragungen und Selbstbeobachtungen beinhalten, auf. Die Fragen sollte man sich ehrlich beantworten, denn sie bringen uns auf dem Weg zur Authentizität weiter.

Man muss sich klar machen, dass man sein Leben selbst in die Hand nehmen kann und zwar immer und zu jedem Zeitpunkt und in jeder Lebensphase, (vgl.: S.72) und dass man immer Entscheidungen treffen und handeln muss, wenn man frei sein möchte.

Es ist wohl wahr, dass Frustration, Depression, Langeweile und unterdrückte Wut, deren Herkunft auf den ersten Blick unverständlich erscheinen, typische Symptome verkörpern, die durch Selbstverleugnung entstehen, denn es gibt nichts Erschöpfenderes als auf Dauer gegen die innere Berufung zu leben, (vgl.:S.154).

Wie man Authentizität erlangt, zeigt Hille in acht gut nachvollziehbaren Schritten, die man mutig genug sein sollte zu gehen.

Ein gelungenes Buch, dessen Inhalt ich völlig zustimme.

Empfehlenswert.

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