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Rezension: Das Trauma von der Seele schreiben - Eine neue Methode zur Selbstheilung- Stephan Konrad Niederwieser- Kösel

Der Autor dieses Buches untergliedert sein Werk in zwei große Teile und beginnt es mit einer kurzen Einführung. Der 1. Teil befasst sich mit den Hintergründen des Heilschreibens. Hier liest man zunächst, was man unter einem Psychotrauma zu verstehen hat, erfährt aber auch, was ein Monotrauma und was ein Entwicklungstrauma ist. Erläutert werden die Ursachen von Traumata und man wird über postraumatische Belastungsstörungen  genauer unterrichtet. Folge dieser Störungen sind  beispielsweise, dass man sich zurückzieht, den Kontakt mit Menschen meidet, sich betäubt und emotional stumpf fühlt. Hinzu kommt, dass man sich überfordert fühlt und unfähig ist, zuversichtlich in die Zukunft zu schauen. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Zur Sprache gebracht werden: Die Folgen von Schocktraumata und von Entwicklungstraumata und man erfährt auch, was gängige Traum-Überlebensstrategien sind. Diese Strategien aber verhindern die Heilung. Ausführlich erläutert der Autor, was heil sein bedeutet und zeigt die Kriterien auf, die dazu führen, wieder heil zu werden, bevor er sich mit den Grundlagen es Heilschreibens befasst. 

Man liest dann von den Effekten des Heilschreibens und auch von den Langzeitfolgen. Dies allein schon  könnte Traumatisierte überzeugen, mit dem Schreiben zu beginnen. Eine beigefügte Anleitung zum Heilschreiben vereinfacht das Beginnen und der erörterte Ablauf sowie die Gestaltung machen es beinahe zum Kinderspiel, wenn da nicht die vielen Dinge wären, die man beim Heilschreiben beachten muss. Sie erfordern Achtsamkeit, viel Achtsamkeit. 

Im 2. Teil geht es um die Praxis des Heilschreibens. Hier wird zuallererst ein 7- Tage-Basisprogramm offeriert. Dabei geht es beispielsweise am ersten Tag um Mitgefühl für sich und andere und am 5. Tag um Selbstvertrauen. Zur Sprache gebracht wird, wie man verborgene Erlebnisse verarbeitet, wie man sich aktiv erinnert und Zusammenhänge versteht. Es geht im 2. Teil aber auch darum, sich von konkreten Lebensthemen zu befreien. Was macht uns wirklich Angst? Wonach sehne ich mich wirklich? Das sind zwei Fragen von vielen, die uns nachdenklich stimmen sollten. Sich alles von der Seele schreiben, hilft. Doch es gibt noch andere Dinge, die uns helfen, darüber schreibt der Autor auch.

Das Buch in seiner Gesamtheit hat mir gefallen. Stephan Konrad Niederwieser geht sehr differenziert mit dem Thema um. Allein all die Fragen zu beantworten, die er stellt, macht etwas mit dem Leser, auch wenn er nicht traumatisiert ist.

Überzeugen Sie sich selbst. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Das Trauma von der Seele schreiben: Eine neue Methode zur Selbstheilung

Rezension: Und das soll Liebe sein? #Bärbel_Wardetzki, Sonja R. - dtv premium

Dr. Bärbel Wardetzki ist Diplompsychologin, Psychotherapeutin, Supervisorin, Coach und Autorin von diversen Bestsellern. Sie hat gemeinsam mit Sonja R. ein Buch von Frauen für Frauen verfasst, das durchaus auch eine spannende Lektüre für Männer verkörpert, denn bekanntermaßen leben wir derzeit in einer narzisstischen Gesellschaft. Es gibt weiß Gott auch genügend narzisstische Frauen...

Der Untertitel des Buches zeigt bereits an, worum es geht, nämlich, wie es gelingt, sich aus einer narzisstischen Beziehung zu befreien. Dabei wird am Beispiel der Protagonistin Sonja verdeutlicht, wie sich ihre Beziehung zu einem narzisstischen Mann entwickelt hat und welche psychischen Probleme daraus für sie erwuchsen. Die Geschichte soll exemplarisch für viele narzisstische Beziehungen sein. 

Sonja erzählt im vorliegenden Buch ihre Geschichte und Bärbel Wardetzki kommentiert diese aus psychologischer Sicht. So will sie verständlich machen, wie es dazu kommt, dass nicht wenige Frauen beträchtliche Qualen in einer Partnerschaft ertragen und weshalb sich die Partner gewalttätig verhalten. Gemeinsam möchten die beiden Autorinnen Menschen, die in einer destruktiven Beziehung verstrickt sind, helfen, die negativen Zeichen früher wahrzunehmen und konsequenter zu handeln, anstatt diese länger zu verleugnen. 

Die Psychologin skizziert zunächst das Wichtigste über Narzissmus sowie die Elemente und Charakteristika narzisstischer Beziehungen. Mit Narzissmus, dies vorab, wird eine Beeinträchtigung der Selbstliebe, der Identität und der Beziehungsfähigkeit bezeichnet. Ablehnung aber auch Überbehütung in der Kindheit können zur Enttäuschung eines Kindes führen, deren Folge eine fordernde Haltung der Welt gegenüber ist, zum einen das eigene Minderwertigkeitsgefühl auszugleichen, zum anderen, um der eigenen Grandiosität zu huldigen. Hinter der Grandiosität verberge sich ein hilfloses und inkompetentes Kind, das kein Gefühl für die eigenen Stärken und Fähigkeiten entwickeln konnte, weil die überbordenden Ansprüche der Eltern dies nicht zugelassen haben. Bei Ablehnung und Vernachlässigung reagiert das Kind mit Gefühlsscheu, Verbitterung und Vereinsamung. 

Man erfährt in der Folge mehr über den männlichen und weiblichen Narzissmus und wie man narzisstische Menschen frühzeitig erkennt. Typisch sind z. B. der Wunsch nach permanenter Bestätigung, die Rechthaberei und Kritikunfähigkeit und dann auch Egozentrik. Einem Narzissten geht es niemals um ein Wir. In narzisstischen Partnerschaften gönnt keiner dem anderen etwas. Deshalb auch kann keine Gemeinsamkeit entstehen. Eifersucht sowie Kontrolle sind an der Tagesordnung. 

Skizziert werden die unterschiedlichen Typen narzisstischer Männer. Dabei sollte man wissen, dass ein wesentliches Merkmal narzisstischen Verhaltens und Denkens die Ausbeutung ist. Diese dient dem Erhalt des Selbstwertes. Die Ausbeutung geschieht sowohl seelisch als auch materiell. 

Spannend zu lesen ist die Geschichte von Sonja, die sich in ein ausbeuterisches Verhältnis verstrickt und hier auch wie das Ducken vor Franks Aggression ihr Selbstwertgefühl immer mehr schwächt und die Kraft nimmt, sich von ihm zu lösen. Man liest von Franks Eifersuchtsattacken, die typisch für einen Narzissten sind. Dabei geht es im primär darum, nicht die Macht über sie zu verlieren.

Thematisiert werden die Gründe, weshalb Sonja sich von Frank zunächst nicht trennt, obschon sie sich in einer Spirale der narzisstischen Gewalt befindet. Erst nachdem sie sich mit dem Narzissmus-Thema näher befasst hat, gelingt es ihr, sich abzugrenzen. 

Im Rahmen von neun Punkten lernt der Leser, narzisstische Beziehungsmuster kennen und wie eine Trennung in Würde geschehen kann. 

Sehr wichtig: Auch seelische Gewalt verletzt! Jeder hat Achtung verdient! Deshalb ist es besser, sich von einem narzisstischen Partner zu trennen.

PS: Wer die Augen nicht verschließt, weiß, dass es genügend Frauen gibt, die ihren Partnern, eine ganz ähnliche Hölle bereiten, wie sie hier im umgekehrten Sinne beschrieben wird. Auch in einem solchen Fall heißt es, rechtzeitig Grenzen zu ziehen, wenn man glücklich bleiben oder es wieder werden möchte.

Sehr empfehlenswert.

Helga König


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Und das soll Liebe sein?: Wie es gelingt, sich aus einer narzisstischen Beziehung zu befreien

Rezension: #Würde- #Gerald_Hüther- Knaus

Der Autor dieses Buches, Prof. Dr. Gerald Hüther, ist der bekannteste Hirnforscher in Deutschland. In seinem neuen Werk befasst er sich mit der Würde von uns Menschen und zeigt, dass diese nicht nur ein ethisch-philosophisch begründetes Menschenrecht ist. Wie er eingangs schon betont, passt dieses Buch nicht in unsere heutige, von Effizienzdenken und Erfolgsstreben geprägten Zeit, denn das Bewusstwerden der eigenen Würde ist mit dem, was das Streben nach Anerkennung und Erfolg anbelangt, nicht vereinbar. 

Die Vorstellung der eigenen Würde sei tief verwurzelt und eingebettet in die innere Überzeugung von dem, was uns als Mensch auszeichne und worin unser eigentliches Menschsein im eigenen Handeln zum Ausdruck kommt. 

Der Autor versucht, das, was als Würde des Menschen bezeichnet wird, aus naturwissenschaftlicher Perspektive zu beleuchten. Dabei lautet die Kernthese seines Werkes: "Wer sich seiner Würde bewusst wird, ist nicht mehr verführbar." 

Nachdem erst einmal geklärt ist, worum es geht, untergliedert Prof. Hüther seine Betrachtungen in zehn Kapitel und  lässt nicht unerwähnt, dass im Hier und Heute die Kopfarbeit zum Fließbandjob geworden ist, der über kurz oder lang von Maschinen übernommen wird. Diese Maschinen bewerten bereits heute menschliches Verhalten, so etwa durch die Stimmlage am Telefon, mittels der Bewegungen beim Entfernen vom Arbeitsplatz oder auch durch die Nervosität in der Stimme. Dieses und vieles mehr wird registriert und katalogisiert und wer hier von der Norm abweicht, sei verdächtig. 

Sobald Menschen nicht mehr optimierbar sind, sind sie nutzlos in dieser schönen, neuen Welt.  Auch das entscheiden die Maschinen.

Man erfährt in der Folge wie unsere Vorstellung von der Würde des Menschen sich über die Jahrhunderte hinweg entwickelt hat. Dabei wird Kant natürlich nicht ausgespart, nach dessen Ansicht der Mensch selbst Würde sei. 

Noch bevor 1949 die Würde des Menschen im deutschen Grundgesetz und dort im 1. Artikel als unantastbar bezeichnet wurde, hatten die Parlamentarier der Bundesländer bereits der Würde Verfassungsrang gegeben. 

Klar wird durch die historische Betrachtung, dass die allmähliche Herausbildung einer Vorstellung und eines Bewusstseins menschlicher Würde keinem Zufall geschuldet ist, sondern vielmehr zwangsläufige Folge der von uns Menschen geschaffenen, jetzt zunehmend komplexer und unüberschaubareren Welt. Prof. Hüther erläutert, weshalb wir eine Vorstellung von Würde benötigen und wieso wir ein tieferes Verständnis davon entwickeln müssen, was uns als Mensch ausmacht. Es mag zwar kurzfristig eine erfolgreiche Strategie sein, sich würdelos zu verhalten, langfristig aber führt dies immer zu furchtbaren Kriegen, so der Autor, "zu einer rücksichtslosen Ausplünderung natürlicher Ressourcen, zu grausamen Formen von Ausbeutung und Unterdrückung und inzwischen eben auch zur globalen Vermüllung, zur Klimaveränderung und zu nicht enden wollenden Flüchtlingsströmen." Dem stimme ich ohne Wenn und Aber zu.

Man liest wie unsere Würdevorstellungen im Gehirn verankert werden und auch woher das Empfinden der eigenen Würde kommt. Schon Kleinkinder haben ein tiefes Empfinden dafür, worauf es im Hinblick auf Würde ankommt. Diesen inneren Kompass habe man bereits mit  auf die Welt gebracht und damit gelinge es uns auch, sich in dieser Welt an dem zu orientieren, was das Menschsein bedeute. 

Begreifbar wird gemacht, wie das Bewusstsein für die eigene Würde entsteht und dass ein Mensch, der sich seiner Würde bewusst geworden ist, weder den Erfolg beim Kampf um begrenzte Ressourcen noch irgendwelche Ersatzbefriedigungen benötigt, die ihm von Werbestrategen angeboten werden. 

Nahezu einig sind sich fast alle Menschen, wenn es um Fälle extremer Verletzung der Menschenwürde geht. Fraglich allerdings ist, ob die Opfer durch die Strafe des Täters tatsächlich ihr Würde wiedererlangen. Interessant auch, dass man würdeloses Verhalten von kirchlichen Würdenträgern beispielsweise viel schlimmer erachtet, als jenes von Bankern... 

Des Weiteren  geht es darum, ob wir uns einander helfen können, unserer Würde bewusst zu werden. 

Prof. Hüter ist erschüttert, dass an Eliteschulen und Eliteuniversitäten oftmals nur Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt werden, die dem Ziele der Verfolgung der nackten Gewinnmaximierung dienen, jedoch keine wirkliche Bildung vermittelt werde. Diese wäre nämlich sehr hilfreich für den Bewusstwerdungsprozess von Würde. 

Der Autor hofft, dass Eltern vor dem Eintritt in die Schule ihren Kindern helfen, das Empfinden für den eigenen Wert und die eigene Bedeutsamkeit zu stärken, um sich ihre Würde in ihrem Leben bewahren zu können. Erkennbar macht er, was aus uns wird, wenn das Bewusstsein unserer Würde zu wachsen beginnt und lässt keinen Zweifel aufkommen, dass nur ein würdevolles Leben uns alle glücklich machen kann, weil dieses Selbstbestimmung impliziert und damit persönliche Freiheit, die ihre Grenze in der Freiheit der anderen findet und diese auch achtet. 

Fazit: Für wirklich gebildete Menschen ist die Würde von uns allen unantastbar. 

Empfehlenswert.

Helga König

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Würde: Was uns stark macht - als Einzelne und als Gesellschaft

Rezension: Clusterfuck- Warum Katastrophen uns lieben und eine selten allein kommt- Holm Friebe, Detlef Gürtler- Carl Hanser Verlag

Die Autoren dieses spannenden Buches sind Holme Friebe und Detlef Gürtler. H. Friebe ist Volkswirt und Geschäftsführer der Zentralen Intelligenz Agentur (ZIA). Zudem unterrichtet er Designtheorie an Kunsthochschulen und ist Autor mehrerer Sachbücher. D. Gürtler ist Senior Researcher am Schweizer Gottlieb-Duttweiler-Institut und war bis 2016 Chefredakteur des Zukunftsmagazins GDI Impuls. 

Schon in der Einleitung liest man, dass statistisch betrachtet, Ordnung und Funktionieren weitaus weniger wahrscheinlich sind, als dass alles verhakelt, blockiert und ins Wanken gerät. 

Clusterfucks, wer kennt sie nicht?  Das sind chaotische Situationen, in denen alles schief zu gehen scheint. Solche Situationen werden häufig verursacht durch Inkompetenz, Kommunikationsversagen oder  durch eine komplexe Umgebung

Die Autoren definieren: "Ein Clusterfuck ist ein systemisches Problem, das die Lösungskapazität aller Beteiligten unabwendbar übersteigt."

Es geschieht auf unterschiedlichen Wegen im Großen wie im Kleinen und glaubt man den Autoren, so leben wir  sogar im Zeitalter der Clusterfucks. Man liest von dem Gesetz des Scheiterns, genannt Murphy´s Law. Dieses lautet: "Was schief gehen kann, wird auch schief gehen."

Sobald man begriffen hat, wie Katastrophen ticken, hat man allerdings eine größere Chance, ihnen im letzten Moment auszuweichen, sie auszutricksen oder Anteile an ihrer zerstörerischen Energie in etwas Nützliches zu verwandeln, so die Autoren. Dabei sollte man aber wissen, dass gegen Clusterfucks weniger klare Konzepte als vielmehr offenes Chaos helfen. 

Im Rahmen von 8 Kapiteln werden welthistorische Clusterfucks weitgehend analysiert und klar gemacht, dass sie auch etwas Gutes haben, denn nur so kann Neues entstehen. Man erfährt wie also Katastrophen ticken und weshalb gerade Perfektionismus Clusterfucks zur Folge haben können und auch, wieso sich Niederlagen anziehen. 

Soviel kann gesagt werden, ohne die Neugierde auf das Buch zu nehmen: Wer Clusterfucks vermeiden möchte, muss sich zunächst dafür sensibilisieren, sich die psychologischen Mechanismen bewusst machen, die zu Katastrophen führen und Achtsamkeit lernen. 

Man kann offenbar mittels Organisations- und Denkdesign die Wahrscheinlichkeit minimieren, dass Krisenmomente zu Clusterfucks auswachsen. Darüber klären Friebe und Gürtler auf und man erfährt auch etwas über mögliche Auswege, die es eigentlich  laut Clusterfuckdefinition  nicht geben dürfte. 

Wer schon einmal Clusterfucks er- sowie überlebt und reflektiert hat, weiß um die Problematik und erahnt auch, wie viele Haken man schlagen muss, um dem Gesetz der Serie auszuweichen. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Clusterfuck: Warum Katastrophen uns lieben - und eine selten allein kommt

Rezension: Warum wir unseren Eltern nichts schulden- Barbara Bleisch- Hanser

Barbara Bleisch war bis 2016 über 10 Jahre im Ethik-Zentrum der Universität Zürich tätig. Derzeit ist sie Akademischer Gast am Collegium Helevetium der Universität Zürich und der ETH Zürich. Zudem moderiert sie seit 2010 die Sendung "Sternstunde Philosophie" beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Des Weiteren ist sie Kolumnistin des Philosophie Magazins. 

Die Autorin hinterfragt in diesem Buch, was man seinen Eltern schuldet. Untersucht wird, ob sich Kinder, wenn sie erst einmal erwachsen sind, speziell um ihre Eltern kümmern müssen, allein deshalb, weil sie deren Kinder sind. 

Gerade in Familien sähe man sich leicht mit diffusen Erwartungshaltungen konfrontiert, sowohl von den Eltern selbst als auch von Dritten. Nach moralischen Pflichten zu fragen und in diesem Zusammenhang auch vertraute Konventionen zu hinterfragen, sei wichtig, um sich bewusst zu werden, was man seinen Eltern  tatsächlich schuldet. Folgt man den Überlegungen Barbara Bleischs, dann schuldet man ihnen offenbar nichts. Allerdings geht die Allgemeinheit bekanntermaßen von anderem aus. 

Nichts zu schulden, bedeutet jedoch nicht respektlos zu sein oder seine Eltern mutwillig zu verletzen, auszunutzen oder zu beschämen, denn das grundlegendste Verbot laute, dass man einander nicht ohne Not Schaden zufügen dürfe. Diese Regel gelte natürlich auch in Familienverhältnissen. 

Bleisch sieht also in ihrem Buch kein Plädoyer,  die eigenen Eltern ins Pflegeheim abzuschieben, sie zu ignorieren, kaltherzig über ihre Bedürfnisse und Anliegen hinwegzusehen. Vielmehr sei die Publikation ein Aufruf dazu, Familienbeziehungen als das zu sehen, was sie im Kern sind: "in vielerlei Hinsicht bedeutungsvolle und außergewöhnliche Kontexte, die von unermesslichem Wert für uns sein können.". 

Die Autorin hebt hervor, dass ihr Buch kein psychologischer Ratgeber sei, sondern stattdessen eine philosophische Untersuchung, die dazu auffordert, selbst nachzudenken, in diesem Falle über das Verhältnis zu seinen Eltern. 

Untergliedert ist das Werk in die Kapitel Schuld; Dankbarkeit; Freundschaft; Verwandtschaft; Verletzlichkeit; Das gute Kind.

Sich mit den Überlegungen Barbara Bleisch in den einzelnen Kapiteln ihres Buches intensiver zu befassen, hilft dabei,  sich über familiäre Verantwortlichkeit und deren Grenzen klar zu werden und einen entspannten, fairen Weg mit seinen Angehörigen zu gehen, der alle zufrieden stellen kann. 

Sehr empfehlenswert

Helga König

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Warum wir unseren Eltern nichts schulden

Rezension: Nähe- Giovanni Frazzetto- Hanser

Autor dieses Buches ist der aus Sizilien stammende Molekularbiologe Dr. Giovanni Frazzetto. 

Im Rahmen von acht spannenden Geschichten verdeutlicht er wie Menschen einander näherkommen und welche Rolle dabei Hormone, Gene und soziale Normen spielen. 

In den Geschichten geht es um Einsamkeit, Liebe als Prozess, um Untreue, den Mut zur Nähe, um Trennung von Sex und Liebe, um Vatergefühle, Veränderung und um Bedingungslosigkeit. 

Die Figuren, die dem Leser begegnen, sind solche, deren Ängste und Sehnsüchte sie in die Intimität treiben, durch sie hindurch und aus ihr heraus. So liest man im Zuge der Geschichte einer Single-Frau in den Vierzigern, die verunsichert ist, einen Partner zu finden, zum Thema Einsamkeit, dass diese zum frühen Tod führen könne. Dabei schädige Einsamkeit unseren Körper und verändere unsere Wahrnehmung der Welt und wie wir mit ihr agieren. Einsamkeit gehe mit Stress, Angst und Depression einher und verursache Erschöpfung und Schlafstörungen. Sie werde nicht zuletzt mit erhöhtem Blutdruck und einer Schädigung des Herz-Kreislauf-Systems in Verbindung gebracht. Neben vielem anderen kann sie sogar zu Demenz führen. 

Sofern uns ständig etwas vorenthalten wird, verlieren wir, so der Autor, unsere Zuversicht. Um dies zu verhindern, geht es darum, Raum zu schaffen für das Unerwartete, das nicht selten hinter der nächsten Ecke auf uns wartet.

Man erfährt u.a. wodurch ein höherer Nähegrad zwischen Paaren entstehen kann und dass Gefühle zu teilen, uns helfe, anderen näher zu kommen. Gesprochene emotionale Worte, so etwa beim Erzählen einer Geschichte, bewirken besonders intensiv, dass man Übereinstimmung erreicht. Zwei Personen, die in derselben Sprache miteinander kommunizieren und regelmäßig miteinander sprechen, verfügen über ein gemeinsames Vokabular. Sie sammeln Wissen über die Sprechgewohnheiten des anderen aber auch über dessen Wortwahl und syntaktische Vorlieben. Dies  macht  es den beiden Gehirnen möglich, sich aufeinander einzustellen. 

In Beziehungen werden Entfernungen fortdauernd neu vermessen, speziell dann, wenn ein stillschweigender oder ausdrücklicher Mangel an Verbindlichkeit besteht. Menschen mit ängstlichem Bindungsstil zweifeln ihr Selbstwertgefühl häufiger an, halten sich nicht für liebenswert, so Frazzetto und fürchten das Verlassenwerden und die Ablehnung. So klammern sie sich an die Rückversicherung und die Bestätigung durch ihren Partner. Ist die Bezugsperson  gewissermaßen unerreichbar und erscheint gleichgültig, wird es schwierig Nähe herzustellen. Der Vermeidende scheut den Schmerz, der durch Verwundbarkeit und Abhängigkeit entstehen kann. 

Zwischen ängstlichen und vermeidenden Menschen soll eine starke Anziehungskraft bestehen. Diese beiden Charaktere sind  aber letztlich Gift füreinander. Die gute Nachricht, Bindungsstile sind veränderbar. Auch darüber liest man Wissenswertes. 

Dies und anderes mehr bringt dem Leser die vielen Facetten von Nähe näher und macht das komplexe Zusammenspiel von Körper und Geist deutlich, das notwendig ist, damit  diese überhaupt entstehen kann. 

Überall im Buchhandel erhältlich 

Onlinebestellung bitte hier klicken: Hanser oder AmazonNähe: Wie wir lieben und begehren

Rezension: Von der wandelnden Kraft negativer Gefühle- Anselm Grün, Bernd Deininger- Vier-Türme-Verlag

Das vorliegende Buch ist eine Teamarbeit des Benediktinermönchs Dr. Anselm Grün und Dr. Bernd Deiningers, des Chefarztes für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Krankenhaus Martha in Nürnberg. 

Thema sind die Sieben Todsünden, die die beiden sowohl psychoanalytisch als auch spirituell beleuchten. Es handelt sich dabei um die Grundgefährdungen des Menschen, um krankhafte Züge, die durchaus behandelt, verwandelt, geheilt und in positive Bahnen gelenkt werden können. 

Zur Sprache gebracht werden: Neid, Hochmut, Zorn, Geiz, Wollust, Maßlosigkeit, Trägheit. 

Jede der sieben Grundgefährdungen wird zunächst von Bernd Deininger aus psychologischer Sicht näher erläutert. Im zweiten Schritt dann befasst sich Anselm Grün stets spirituell mit der jeweiligen Todsünde. 

Gerade in unserer Gesellschaft ist es notwendig, sich mit dem Phänomen des Neids näher zu befassen. Dieses hat viele Facetten, die im Buch  sehr präzise aufgezeigt werden. Dabei ist die Bewältigung von Neid an die Fähigkeit geknüpft, Schuld zu empfinden und Scham zu spüren. Anselm Grün interpretiert, wie bei vielen anderen Todsünden-Betrachtungen auch beim Neid Darstellungen des Malers Hieronymus Bosch und  in diesem Fall auch des Künstlers Caspar Meglinger. 

Bei  Meglinger wird klar ersichtlich, dass der neidische Mensch die Verbindung zu seinem Herzen verloren hat. Der Neider muss immerfort vergleichen, ist nicht bei sich und zehrt sich schließlich selbst auf in seinem Neid. Nicht grundlos wird der Neidische oft als hässlich dargestellt. In einem neidischen Menschen und um ihn herum wachse  einfach nichts mehr, so Anselm Grün. Auch sei der Neider stets ruhelos und rastlos, weil es immer Menschen gäbe, die er beneidet. So kommt der Neider niemals an bei sich selbst. Anselm Grün zeigt anhand von drei Geschichten, wie man Neid überwinden kann. Auf Neider nicht zu reagieren, kann deren Neid übrigens auch verwandeln. 

Todsünden sind Leidenschaften, die es zu verwandeln gilt, damit die positive Kraft bleibt. Um Neid verwandeln zu können, darf man ihn nicht werten. Sobald man sich dafür verurteilt, neidisch zu sein, bleibt der Neid an uns hängen, wird zum schlechten Gewissen und zieht uns nach unten. 

Die gute Nachricht: Neid lade allerdings  uns ein, vom Haben in Sein überzugehen. 

Die Wirtschaft nehme den Neid als Stachel in der Werbung, doch die Ausnutzung führe nicht zum inneren Frieden. 

Ähnlich wie beim Neid, ist auch bei der Eifersucht Wandlung möglich. Wer seine Eifersucht auf seine Sehnsucht hin befragt, wird entdecken, dass eine große Liebe darin steckt. Diese aber sei an unrealistische Erwartungen gebunden. Eifersucht sei eine Einladung Gott um Vertrauen zu bitten, dass die Partnerschaft halte und beide einander treu blieben, so der Benediktinermönch. 

Liebe sei ein Geschenk und benötigt Vertrauen. Wer Kontrolle in die Liebe hinein brächte, töte sie ab. Eifersucht in Liebe zu verwandeln, die freilasse, sei die Herausforderung. 

Unmöglich ist es, im Rahmen der Rezension, zu allen 7 Todsünden etwas zu schreiben. Spannend fand ich, was die Autoren über den Hochmut sagen. Bei Narzissten verhält es sich so, dass die Außenwelt auf die Funktion reduziert wird, Anerkennung und Bewunderung zu liefern. Dabei litten Menschen mit pathologischem Narzissmus an der Überbewertung ihres eigenen Selbst und der Unterbewertung anderer Menschen um sie herum. 

Erhält ein Kind zu wenig emphatische Zuwendung der Eltern, könne es kein stabiles Selbst entwickeln und so blieben das kindliche Größen-Selbst und die idealisierten Elternbilder bestehen. Zeichen für eine gestörte narzisstische Entwicklung seien diffuse Wut, mangelnde Abgrenzung des eigenen Selbst von anderen, auch Größenphantasien, die mit der Realität nicht in Einklang zu bringen sind. 

Man lernt in der Folge, wie Hochmut und Stolz als Abwehrfunktionen von Kränkungen und Verletzungen des Selbstwertgefühls entstehen, dass die pathologische Form des Hochmuts in Arroganz eingekleidet ist und die Außenwelt entwertet. In seiner Selbstbezogenheit und Egozentrik hat der Hochmut seinen Ursprung in der frühen Lebensgeschichte eines Menschen. 

Für Anselm Grün ist Hochmut eine Reaktion auf das Gefühl der eigenen Minderwertigkeit. In der Bibel sei die Strafe für den Hochmut die Sprachverwirrung gewesen. 

Wirkliche Gespräche finden auf Augenhöhe statt und sind frei von Hochmut. Hochmut ist ein Ersatz für ein gesundes Selbstwertgefühl. Heilung bzw. Wandlung ist möglich, wenn man sein wahres Selbst entdeckt. Im Gegensatz zum Ego muss es sich nicht darstellen. Das wahre Selbst sei das Gefühl von Gemeinschaft und Verbundenheit, dass Hochmut auflöse.

Dann  gibt es ja noch den Geiz. Der Habgierige und Geizige konzentriere sich auf Materielles, auf das, was er als Schatz bezeichnen könne. Offenbar hängt sein Selbstwertgefühl von diesem Schatz ab. Wenn ein Mensch nur haben möchte, kann er in Beziehungen nichts gewinnen. Auch bei Gier und Geiz lässt sich ein Mangel an Liebe in der Kindheit feststellen. Der Mangel an Liebe ist offenbar stets die Ursache der  sogenannten Todsünden psychologisch gesehen. 

Die gute Botschaft: Wandlung ist immer möglich. Man muss sich aber mit den Untiefen auseinandersetzen und darf sie nicht verdrängen. 

All diese und die anderen negativen Gefühle schaden nicht nur anderen, sondern auch dem, der sie  mit sich herumschleppt. Grund genug, sich ihrer zu entledigen

Seelsorger und Psychologen wissen schon lange wie: durch die Liebe

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Schluss mit Psychospielchen- Cornelia+ Stephan Schwarz- dtv

Cornelia Schwarz ist u.a. NLP-Lehrtrainerin, Coach  sowie Trainerin für Führungskräfte. Stephan Schwarz arbeitet als Psychologe, Pädagoge  und NLP-Lehrtrainer. Er ist ausgebildet in der Transaktionsanalyse. 

Im vorliegenden Buch erläutert das Autorenteam zunächst wie Psychospiele funktionieren, weil solche Spiele bei allen Beteiligten innere Leere erzeugen. Ursächlich hierfür ist der Moment, dass man seinen eigenen Emotionen nicht mehr traut, sich unwohl, unverstanden als auch überfordert fühlt und Dinge tut, die man an sich nicht tun wollte. In der Folge kann man so sehr neben sich stehen, dass man erschöpft ist, Angst hat oder ernsthaft krank wird. 

Man erfährt zunächst wie solche Psychospiele funktionieren und weshalb es sich lohnt,  aus ihnen auszusteigen. Bei diesen Spielen handelt es sich generell um destruktive Rollenspiele. Dabei kristallisieren sich drei spezifische Rollentypen heraus. Opfer, Retter und Verfolger. Diese drei Archetypen sind miteinander verbunden und bilden das Dramadreieck. 

Skizziert wird die  Ausgestaltung der einzelnen Rollen und nicht unerwähnt bleibt, dass im Verlauf des Spiels die Beteiligten die Rollen wechseln. Die Muster dieser Psychospiele entstehen in der Kindheit, wenn Kinder zu wenig geliebt werden, bzw. ihnen Zuneigung vorenthalten wird. Dann nämlich fühlen sie sich übersehen, vernachlässigt und abgelehnt. Um dennoch Aufmerksamkeit zu erhalten, entwickeln diese Kinder auffällige Interaktionsmuster. Es handelt sich im Grunde um Verzweiflungstaten, deren Ziel irgendeine Form von Nähe ist. 

Man lernt diese Psychospiele zu durchschauen und zwar durch Selbsterkenntnis und  mittels acht Aufgaben, die es zu lösen gilt,  um aus dem Dramaspiel auszusteigen. Wer Psychospiele spielt, verfügt über kein Einfühlungsvermögen, sondern möchte Beziehungen kontrollieren bzw. steuern. Wer aufgrund von Dramaspielen manipuliert oder manipulieren lässt, leidet unter unverarbeiteten Gefühlen. Versagensängste, Minderwertigkeitsgefühle und dergleichen spielen eine entscheidende Rolle. Offenbar werden Ängste schon früh gespeichert und formen negative Verhaltensmuster. Die gute Nachricht: Bearbeitete Ängste verlieren ihre Macht. 

An  sehr gut nachvollziehbaren Beispielen wird gezeigt wie man Psychospiele überwindet und dramafreie Interaktion möglich wird. Sobald man beginnt, den eigenen positiven Kern zu stärken, ist man für dramaorientierte Menschen nicht mehr interessant. Wer dramafrei agiert, übernimmt Verantwortung, lässt sich nicht provozieren, bevormunden oder einschüchtern. 

Gezeigt wird, wie man sein inneres Kind mit seinem Erwachsenen-Ich in Einklang bringt und welche Schritte uns davor bewahren, in ein Dramaspiel zu geraten. Sehr gut wird erläutert wie man aktiv ein Gespräch gestaltet, das dramafreies Kommunizieren zulässt.

Dann lernt man Opfer- Retter- und Verfolgerspiele und entsprechende Lösungsperspektiven kennen. Dies ist überaus erhellend. Spielgewinne und -verluste werden sehr gut aufgezeigt und die Taktiken werden bestens beleuchtet. 

Damit das Ich zukünftig dramafrei bleibt, ist es notwendig, es zu stärken. Dramafreie Kommunikation basiert auf bewussten Haltungen, sich und anderen und dem Leben gegenüber. Hierzu liest man Wissenswertes zum Schluss des Buches. 

Ganz wichtig sind klare Ansagen, denn durch diese lassen sich Missverständnisse vermeiden, aus denen Dramen oft resultieren. 

Bestimmte Grundhaltungen sollte man kultivieren. Zu diesen zählt auch die ethische Disziplin und die Weisheit. 

Alles in allem ein sehr empfehlenswertes Buch, das auf buddhistischem Wissen und psychologischen Coachingtechniken aufgebaut ist. 

Helga König 

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