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Rezension: Risiko Kindheit- Nicole Strüber- Klett-Cotta

#Nicole_Strüber ist Entwicklungsneurobiologin und –psychologin. Im vorliegenden Buch, vermittelt sie den Lesern, wie sich das Gehirn entwickelt und zeigt, wie man #Resilienz fördern kann.

Zielgruppe ihres Werkes sind nicht nur die Eltern, sondern auch Menschen, die sich wundern, weshalb sie selbst Probleme im Bereich #Impulskontrolle, #Belohnungsaufschub, #Bindung, #Stressverarbeitung oder unter Umständen sogar eine psychische Krankheit haben und wieso es ihnen mitunter nicht leicht fällt, mit ihren eigenen Kindern in einer Weise umzugehen, wie es ihnen ihre Vernunft nahelegt. Zudem richtet sich das Buch an diejenigen engagierten Personen, die mit den betroffenen Kindern und Erwachsenen arbeiten und ihnen beistehen.

Erörtert wird, wie das #Gehirn #Psyche und #Persönlichkeit hervorbringt und weshalb eine schwierige Kindheit nicht selten mit Folgen für die eigene #Gefühlswelt und  das eigene #Verhalten verbunden ist. Im Fokus stehen die Entwicklung von #Persönlichkeitsmerkmalen und auch die Entwicklung von emotionaler und sozialer Kompetenz.

Zur Sprache gebracht wird, weshalb frühe, belastende Erfahrungen #Gefühlsblindheit und Schwierigkeiten in der Kontrolle eigener Gefühle hervorzubringen vermögen.

Die Autorin beschreibt #Risikofaktoren, beginnend von vorgeburtlichen Erfahrungen, der Geburt, der für das Hirn wichtigen Darmflora, über problematischem Elternverhalten, Kinderkrippe, Smartphone, bis hin zu extremen Bedingungen wie Armut und Flucht.

Ebenfalls thematisiert wird wie frühe Traumatisierungen von einer Generation an die nächste weitergegeben werden und  auch weshalb gewalttätiges Verhalten von einer auf die nächste Generation weitergegeben wird.

Im 5. Kapitel dann geht es um #Resilienz. Beantwortet werden die Fragen wie Resilienz entsteht, wie sie gefördert werden kann, und was Kinder auszeichnet, die #Stress gut überstehen.

Wissen muss man, dass frühe sichere #Bindungserfahrungen Resilienz fördern. Kinder, die dazu neigen, auf belastende Situationen resilient zu antworten, haben laut Nicole Stüber ein hohes #Selbstbewusstsein, ein ausgeprägtes #Selbstwirksamkeitsempfinden, gute Strategien, ihre Gefühle zu regulieren und Stress zu bewältigen. Hinzu kommt die deutliche Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und mit ihnen zu fühlen.

Dies alles trifft nach Langzeitstudien auch auf Menschen zu, die in der Kindheit sichere Bindungsbeziehungen hatten. 

Die gute Nachricht: Ein Ausweg aus dem Mangel an Resilienz aufgrund unsicherer Bindungsbeziehungen in der frühen Kindheit ist durch Förderung der elterlichen Kompetenzen oder durch Ersatzfamilien möglich. 

Dieses und vieles Wissenswerte mehr können Sie - ausführlich und sehr eloquent  abgehandelt-  diesem empfehlenswerten Buch entnehmen.- 

 Helga König

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Risiko Kindheit: Die Entwicklung des Gehirns verstehen und Resilienz fördern

Rezension: Deutschland verdummt- Wie das Bildungssystem die Zukunft unserer Kinder verbaut.- Michael Winterhoff- Gütersloher Verlagshaus

Dr. med #Michael_Winterhoff ist Facharzt für Kinder- und Jugendpsychatrie in Bonn. 

Für das vorliegende Buch hat er tausende von Gesprächen mit Eltern, Lehrern Schulleitern und Bildungspolitikern geführt, um zu erkunden, was derzeit in Kindergärten und Schulen schief läuft und was sich ändern muss, damit sich Kinder in den Gruppenräumen und Klassenzimmern wieder entwickeln können. 

Wie der Autor schreibt und dokumentiert, seien Kindergärten und Grundschulen zu Stätten organisierten Verwahrens mutiert, in denen  die Kinder auf sich selbst gestellt, keine Entwicklungsmöglichkeiten für ihre emotionale und soziale Psyche mehr hätten. Deshalb würden sie verdummen oder sogar krank werden. Darüber hinaus würden die zu Lernbegleitern degradierten Erzieher und Lehrer in eine völlige Überforderung geraten und nicht wenige in die Frühverrentung rutschen.

Der Lärmpegel an untersuchten Schulen liegt bei 60 bis 85 Dezibel. Unglaublich. Grund hierfür: Kinder sollen nach jüngsten Lernmethoden autonom lernen und dürfen offenbar Emotionen ungezügelt rauslassen. Sie sollen seitens Erwachsener auf dem Weg zur Selbstbestimmtheit nicht unterstützt werden. Ohne Unterstützung aber könne sich die Psyche des Kindes nicht entwickeln, deshalb würden aus vernachlässigten Kindern beziehungs- und arbeitsunfähige Jugendliche ohne Chance auf ein erfülltes Leben aber auch zur Gefahr für die mühsam erkämpften Errungenschaften der Solidar-Gemeinschaft. 

Michael Winterhoff führt im Buch erhellende Interviews, die die Katastrophe verdeutlichen. Eine Lehrerin mit 28 Jahren Berufserfahrung konstatiert, dass die Kinder einst aufnahmefähiger und anstrengungsbereiter waren und einen größeren Forscherdrang besessen hätten. Die vernachlässigten Kinder können nicht mehr abwarten, lassen andere nicht ausreden, können eigene Wünschen nicht zurückstellen. Offenbar gilt: Alles sofort, davon möglichst viel, ansonsten Wutanfälle. 

Ohne eine Beziehung zwischen Schülern und Lehrer könne Schule nicht funktionieren. Kinder brauchen Zuspruch, sie seien auf positive und negative Spiegelung angewiesen. #Autonomes_Lernen, so wie von der Bildungspolitik vorgeschrieben, schade der geistigen und seelischen Entwicklung von Kindern. Ziel sei Erlerntes zu verstehen. Wissen und Können genüge nicht. 

Eine Lehrerin, die an der 5. Klasse eines Gymnasiums unterrichtet, schreibt, dass es den meisten Kindern heutzutage nach vier Grundschuljahren an den kulturellen Grundlagen in Rechnen, Schreiben und Lesen mangele. Selbst motorische Basisfähigkeiten seien wenig entwickelt. Die jungen Menschen könnten nicht mehr richtig schreiben, sondern würden Buchstaben malen. Was sie besser können? Selbstsicherer auftreten. Doch ihre Selbstsicherheit habe keine Basis. 

Viele Schulabsolventen hätten grundlegende Defizite in ihren methodischen, emotionalen und sozialen Fähigkeiten. Erschreckend ist die Auflistung dessen, woran es laut Ausbildungsbetrieben den Auszubildenden mangelt. Außer einer gewissen Teamfähigkeit sieht es düster aus, besonders im Hinblick auf Leistungsbereitschaft und Belastbarkeit. Zu viele Autisten, Narzissten und Egomanen würden das Zusammenleben in Zukunft nicht einfacher gestalten, so der Autor. Genau aber diese Charaktere scheinen die Folge der derzeitigen Nicht- Erziehung einerseits und symbiotischer Elternbindung andererseits zu sein. 

Für Winterhoff ist klar, dass die Lehrer Kinder wieder anleiten müssen, statt ihr Lernbegleiter zu sein. Wenn ein Kind nämlich bestimmen könne, was es lernen wolle, bleibe sein Weltbild auf Kleinkind-Niveau. Es gäbe mittlerweile Kinder, die auf dem Niveau von 18 Monate alten Kleinkinder stehen geblieben sind,  die jedoch glaubten, alles zu können, doch in Wahrheit verdummt seien. 

Die heutige Bildungspolitik müsse sich ändern, weil die Lehrer in diesem System verschlissen werden und demotiviert wie auch ausgebrannt seien. 

Ein großes Problem scheint zu sein, dass zwischen vielen heutigen Eltern und ihren Kindern eine Symbiose bestehe, Eltern dadurch kritikunfähig im Hinblick auf ihre Nachkommen werden und ihnen weitaus mehr schaden als nützen. 

Der Autor möchte mit diesem Buch vor allem die Eltern stärken, die ihre Intuition noch bewahrt haben und ihren Kindern Orientierung bieten wollen. Klar sollte allen sein, dass sich Eltern erst dann darauf verlassen können, dass sich ein Kind aus eigenem Antrieb an den Schreibtisch setzt, wenn es 14 Jahre alt ist. Von da an begreift ein Jugendlicher bei gesunder psychischer Entwicklung, dass er für sich lernt und unter Umständen eine bestimmte Abschlussnote erreichen möchte. 

Auf allen liegt eine große Aufgabe, was die Reifung der Kinder anbelangt.

Michael Winterhoff  benennt fünf Forderungen, die dazu beitragen, dass die Reifung glückt und erläutert diese zu Ende seines Buches ausführlich. Seine Forderungen überzeugen und sind die logische Konsequenz aus seinem Buch, das alle am Erziehungsprozess  Beteiligten dringend lesen sollten, um die derzeitigen Bildungsprobleme zu lösen. 

Maximal empfehlenswert 

Helga König

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Deutschland verdummt: Wie das Bildungssystem die Zukunft unserer Kinder verbaut

Rezension: Ja heisst ja und…Carolin Emcke- S. Fischer

Die Philosophin #Carolin_Emcke hat, basierend auf einem Bühnenprogramm, das im Dezember 2018 an der Schaubühne in Berlin Premiere hatte, diesen Essay verfasst, der sich mit #sexuellem_Missbrauch und #Gewalt, mit #Verschweigen und mit #Machtfacetten  auseinandersetzt. 

Dabei geht es zunächst um die #metoo-Problematik und die damit verbundenen rhetorischen Verhüllungen, die #Tabuisierungen und die entsprechenden Folgen. 

Wie die Autorin so treffend bemerkt, bleibt Gewalt abstrakt und unvorstellbar, unwahrscheinlich und unantastbar, wenn es keine konkreten Begriffe und Beschreibungen gibt. 

Carolin Emcke weiß, wann man individuell entscheiden muss, ob eine #sexuelle_Grenzüberschreitung harmlos, lustig, flirtiv, herablassend, demütigend oder furchteinflößend zu werten sei. Sie verurteilt nicht vorschnell, sondern wägt subtil ab und bleibt dabei fair.

Sie werde, wie sie sagt, von Männern gerne als androgyner Typ "eingemeindet", weil sie lesbisch ist. Sie gehört also nicht in deren "Beuteschema". Das hindert sie aber nicht daran, Macht- und Ohnmachtsverhältnisse unbeeindruckt auszuloten. Sie benennt unzählige Machtverhältnisse, nennt auch die am wenigsten verstandene Macht und zeigt auf, dass jene, die Macht haben, letztlich auch darüber entscheiden, wer sich zu sprechen traut, wer die erwartete Scham in der Folge  ablehnt oder auch die zugeschriebene Mitschuld an der Demütigung. Den langen Arm der Macht muss man sich erst einmal unbeeindruckt bewusst machen.

Die Philosophin schreibt in Miniaturen und Fragmenten über Macht, mal erzählerisch, mal analytisch, denn sexueller Missbrauch ist letztlich Machtmissbrauch. Sexualität wird in solchen Fällen zum Mittel andere zu dominieren.

Frau Emcke erzählt wie sie Zeugin von häuslicher Gewalt wurde bei einer Freundin, deren Ehemann diese schlug. Im Nachdenken über die Geschehnisse erkennt die Autorin, dass sie ihre Freundin bereits allein ließ, als sie duldete, wie deren Mann die später Geschlagene zunächst verbal herabsetzte. Um der Harmonie willen schwiegen Emcke und die anderen Gäste der abendlichen Tischgesellschaft und ließen ungewollt zu, was sich später ereignete. 

Wer solche Situationen schon erlebt und darüber nachgedacht hat, wird sensibler und schweigt zukünftig nicht mehr. Das ist nicht nur die daraus gezogene  Lehre Carolin Emckes.

Um fair zu sein, benötige man stets dichte Beschreibungen von Machtmissbrauchssituationen, von dem, was geschehen ist. Doch daran mangelt es offenbar häufig. Wahrnehmungen werden durch deren präzise Verbalisierung erst eindeutig. 

Dann ist da auch noch die Sache mit der Scham. Die Philosophin schreibt:"Niemand soll sich schämen für den verdinglichenden Blick eines anderen".  Das sehe ich auch so.

Es stimmt auch, dass man sich nicht zuschreiben lassen soll, angeblich provoziert zu haben und anderes mehr. Man muss sich nicht zum Täter machen lassen, wenn man Opfer ist.

Carolin Emcke setzt dem Machtmissbrauch sinnstiftende Macht entgegen. Dazu gehört, sich repressiven Strukturen zu widersetzen, d.h. gegen rassistische Ausgrenzung, gegen antisemitische Ressentiments, gegen die Stigmatisierung von Menschen, um nur einige Beispiele zu nennen. Macht sei auch, Geschichten von all den kreativen, zivilen, poetischen Formen des Protests zu erzählen. Diese seien der Quell der politische Hoffnung 

Wichtig scheint zu sein, wann und wo auch immer das Schweigen und damit die Macht derer zu brechen, die dahinter ihr Unwesen treiben und strategisch mit der Scham der Opfer ihre Spielchen spielen,  die die Wahrheit relativieren und Tatsachen durch Verdunklung  gekonnt verdrehen.. 

Maximal empfehlenswert

Helga König

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Ja heißt ja und ...

Rezension: Sich selbst vertrauen-Kleine Philosophie der Zuversicht- Charles Pépin- Hanser

Der französische Schriftsteller Charles Pépin schreibt nicht nur sehr erfolgreiche Bücher, sondern lehrt zudem Philosophie. Das vorliegende, von ihm verfasste Werk wurde in Frankreich zum Bestseller und ist von Caroline Gutberlet aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt worden. 

Um zu verstehen, wie Selbstvertrauen entsteht, lotet der Autor die Lebenswege von Madonna, Patrick Edlinger, George Sand, John Lennon, Serena Williams und anderen aus und macht auf diese Weise deutlich, dass wir nicht vertrauensvoll auf die Welt kommen, sondern es erst mit der Zeit werden. 

#Selbstvertrauen sei stets eine Errungenschaft, die viel Mühe und Geduld erforderlich mache und mitunter sei es ein Anlass zu tiefer Freude, wenn etwas tatsächlich zu beherrschen, darin gipfele, dass wir es loslassen können. 

Um das Rätsel des Selbstvertrauens zu lösen, wendet sich Pépin an Gelehrte der Antike und Philosophen der Neuzeit wie #Emerson, #Nietzsche und #Bergson. Doch dem nicht genug, liest man Weiteres hierzu von Psychiatern und Psychoanalytikern, von Pädagogen aber auch von Sportlern, Piloten und Notärzten, Dichtern und sogar von Mystikern. 

Im Rahmen von 10 Kapiteln erfährt man also mehr darüber, was man unter der Philosophie der Zuversicht zu verstehen hat. 

Zunächst geht es dabei um zwischenmenschliches Vertrauen, denn Selbstvertrauen komme zuallererst von den anderen. Geliebt und mit liebenden Augen angeschaut worden zu sein, schenke uns Kraft fürs Leben. Nur durch den anderen können wir uns selbst bewusst werden. #Selbstvertrauen habe mit unserem Verhältnis zum Handeln zu tun, mit unserer Fähigkeit, uns trotz aller #Zweifel aufzumachen, uns in die komplexe Welt zu wagen. Dabei wird erkennbar, dass Selbstvertrauen zunächst eine Geschichte von Liebe und Freundschaft ist. 

Anschließend wird man mit der Praxis des Vertrauens vertraut gemacht, liest, dass Vertrauen, den Ursprung im Können habe und dieses im intensiven Üben. An Beispielen verdeutlicht Pépin, dass bei großen Künstlern das Vertrauen zuerst aus der Praxis, einer ausdauernden und geradezu obsessiven Praxis erwachse. Hinzukommen müsse nach dem Ergebnis einer Studie allerdings Freude am Tun. Dann könnten zehntausend Übungsstunden zu Stunden echter Aufmerksamkeit und Gegenwärtigkeit für seine Kunst werden. 

#Können kann dazu befähigen, mit Neuem umzugehen, wenn das Können verinnerlicht ist. Dann ist es möglich sich auf unvorhergesehene Situationen einzustellen.. #Können verwandelt sich so in #Vertrauen. In Selbstvertrauen. Auf sich selbst hören, ist wichtig, um so #Dringliches vom Wichtigen zu unterscheiden. Wer unter dem permanenten Druck der #Dringlichkeit steht, verliert nämlich sein Vertrauen in das eigene Urteilsvermögen. Im Bewusstsein der Unterscheidung zwischen Dringendem und Wichtigem bewahrt man die Fähigkeit, auf sich zu hören, so Charles Pépin. 

Der einzige Philosoph, der die Frage des Selbstvertrauens ernst genommen hat, sei der Philosoph Ralph_Waldo_ Emerson gewesen. Er sagte "Wer Selbstvertrauen hat, vermag selbst inmitten einer Menge auf sich zu hören, als herrschte Ruhe um ihn, als wäre er mit sich ganz allein." Bei allem sei Selbstvertrauen ein Ideal der Moderne, getragen von der Herausbildung demokratischer Prinzipien und der Arbeit der Philosophen der Aufklärung. 

Über das #Staunen und das #Schöne, das Vertrauen schenke, erfährt man  auch viel Wissenswertes und kann sich bewusst machen, dass die#Akzeptanz der Ungewissheit die erste Etappe der inneren Wandlung verkörpert. Dabei muss man wissen, dass je entfernter eine Entscheidung von der einfachen rationalen Wahl ist, sie umso mehr Selbstvertrauen von uns verlange. Jedes Mal, wenn wir uns bewusst entscheiden, lernen wir uns ein wenig mehr zu vertrauen. 

Sich entscheiden zu lernen, ist also die Basis für Selbstvertrauen und für das Vertrauen in das Leben überhaupt.

Der Autor macht dem Leser bewusst, dass tatkräftiges Tun für das Selbstvertrauen sehr nützlich ist, weil unsere Intelligenz keine abstrakte, sondern eine herstellerische sei. Es geht also darum, zu handeln, um Vertrauen zu fassen. Welche Funktion Vorbilder für unser Selbstvertrauen haben, reflektiert der Pépin anhand von Beispielen auch und informiert gut nachvollziehbar über probate Mittel gegen Vertrauenskrisen. 

Wer andere nicht überflügeln, sondern sich stattdessen näherkommen möchte, ist auf dem richtigen Weg. Vertrauen ins Leben zu haben, bedeute auf die Zukunft zu setzen, an die schöpferische Kraft des Handelns zu glauben, das Ungewisse zu lieben, anstatt es zu fürchten, aber auch zu glauben, dass es im Leben etwas Gutes, mehr noch, etwas Gütiges gäbe. 

Wer das Leben weiterhin liebe, auch wenn er die Boshaftigkeit der Menschen oder die Ungerechtigkeit eines Systems habe erfahren müssen oder aufgrund eines Schicksalsschlags einen Neubeginn gewagt habe, entwickele Selbstbewusstsein, ein kreatives Potential, das ihm immer mehr innere Stärke schenke. 

"Wer sich selbst vertraut, findet den Mut, sich dem Ungewissen zu stellen, anstelle vor ihm zu fliehen. Der findet im Zweifel, in Tuchfühlung mit ihm, die Kraft sich aufzuschwingen.", so Charles Pépin am Ende seines Philosophiebuches. 

Das klingt doch sehr verlockend. Es lädt dazu ein, Entscheidungen zu treffen, auch wenn letzte Zweifel bleiben. 

 Maximal empfehlenswert. 

Helga König

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Sich selbst vertrauen: Kleine Philosophie der Zuversicht

Rezension: #Tugend- Über das, was uns Halt gibt- #Reimer_Gronemeyer- Edition Körber

#Reimer_Gronemeyer ist promovierter Theologe und Soziologe. Er ist seit 1975 Professor für Soziologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Dort wurde er 2018 zum Ehrensenator ernannt. Der Autor zahlreicher Sachbücher befasst sich in seinem jüngsten, hier vorliegenden Werk mit #Tugenden und fragt nicht grundlos in seiner Einleitung, ob diese ein erledigter Fall seien. Vieles sähe nämlich danach aus, als seien zumindest die alten Tugenden dem Untergang geweiht, weil sie nicht mehr in eine Zukunft passten, die von #Computeralgorithmen und #Biowissenschaften geprägt sei.

Alte Tugenden? Was versteht man darunter?

Gronemeyer nennt #Tapferkeit, #Klugheit, #Gerechtigkeit und #Mäßigung. Diese stammen aus der Antike. Dazu kommen die christlichen Tugenden: #Glaube, #Liebe #Hoffnung und neben diesen  sieben alten Tugenden noch die drei Tugenden der Industriegesellschaft: #Fleiß, #Gehorsam und #Sparsamkeit. All diese Tugenden seien in jüngster Zeit über Bord geworfen worden, zu Gunsten der postmoralischen "Tugenden" #Konkurrenz und #Optimierung.

Der Autor möchte sich in seinem Werk auf die Suche nach neuen Tugenden machen, die mittels kluger Selbstbegrenzung auf die entfesselte Konsumgesellschaft reagieren. Im Denkmodus dieser Gesellschaft sei die eigentlich einzig wirkliche Tugend der möglichst exzessive Verbrauch. Der Homo consumens lebe mit den Lastern von einst besser als mit den alten Tugenden. Bescheidenheit, Sparen und Treue passen scheinbar auch nicht mehr. 

Die neue Beliebigkeit in Beziehungen, - eine Folge des Abschwörens von den alten Tugenden, die Flucht aus der Familie, aus den engen nachbarschaftlichen Milieus, ende in der Sackgasse einer nie dagewesenen massenhaften Einsamkeit. Die Leistungsgesellschaft, in der wir heute leben, sei der Sprengsatz für Gemeinschaftlichkeit und Gemeinsinn, sie löse die Gemeinschaft auf, reiße den Einzelnen gewissermaßen heraus und forme ihn zum konkurrierenden Single. Es entstünden Lebenswelten ohne hinreichende Bindungskräfte, Singelwelten, die ihre Weltbilder über Tinder und Facebook realisierten, oder aber reaktionäre, territorial orientierte Wagenburgen, die sich verzweifelt gegen Fremdes wehrten. Dies entspricht auch meiner Wahrnehmung. 

Der Autor schreibt davon, dass die Kinderarmut in Deutschland zugenommen habe und zitiert Jörg Dräger, der konkret sagt, dass "Kinderarmut in Deutschland ein Dauerzustand" sei. Reimer Gronemeyer erwähnt auch Ilja Trojanow, der die Leser wissen lässt "Wenn die globalen Durchschnittstemperaturen so steigen wie zuletzt, werden bis zum Jahre 2030 mehr als hundert Millionen Menschen an den direkten Folgen- Dürre- Trinkwassermangel, Ernteausfall, Armut und Krankheit- sterben."  Warum wird all dies hingenommen? Mangelt es an  neuen Tugenden, die uns den Weg zeigen?

Weil unsere Gewissheiten destabilisiert seien, bräuchten wir neue Tugenden als dynamische, prozessuale, zwischenmenschliche Kräfte. Das leuchtet ein. #Empathie sei möglicherweise die wichtigste neue Tugend "in einer vom Wahn des Konsums, des Geldes und der bezahlten Leistung beherrschten späten Moderne."Aber auch "#Umsonstigkeit" sei wichtig, gemeint sei das, was man früher als Gnade bezeichnet habe. Diese Gnade allein könne die vertrocknenden Seelen in einer von instrumenteller Zweckrationalität durchdrungenen Gesellschaft erneut zum Leben erwecken. 

Im Hier und Heute sei Geld das alles bedeutende, der einzige Wert, der geblieben zu sein schiene und der alles andere in die Flucht geschlagen habe. Alles verliere seinen Eigenwert vor dem Geld. Dazu verschwinde die sinnliche Wirklichkeit in den digitalen Bildern und die Welt werde zu einer alles umfassenden und erfassenden PowerPoint-Präsentation. 

Wir müssen uns selbst beschränken, wenn wir psychisch und moralisch überleben wollen, konstatiert Reimer Gronemeyer. Selbstbeschränkung entstehe, wenn wir die Erde unter unseren Füßen spürten und nicht, wenn uns dieser Boden nur mehr zur Ressource gereicht, wir ihn samt unserem Planeten als Managementprodukt begriffen. 

Die meisten neuen Tugenden, sprich die, mit denen wir uns durch unsere Zeit bewegen können, sind weiblich, so der Autor und erzählt auf: Die Sanftmut, die Freundschaft, die Liebe, die Gelassenheit, die Güte, die Treue, die Selbstbegrenzung, die Einfachheit, die Empathie. 

Was kann man tun, damit die Ich- Besessenheit reflektiert und begrenzt wird?  Nach diesen soeben aufgezählten Tugenden leben.

Welche Tugend müsste am meisten kultiviert werden? 

#Selbstbegrenzung. Eindeutig. 

Sich darin zu üben, sollte Programm für alle werden, denn nur so sind wir als Gemeinschaft überlebensfähig. Wer glaubt, seinen Weg allein gehen zu können, wir nicht weit kommen.

Maximal empfehlenswert.

Helga König

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Rezension: Erziehung prägt Gesinnung- Herbert Renz-Polster-Kösel

Der Kinderarzt Dr. Herbert Renz –Polster ist Autor dieses Buches. Er hat die deutsche Erziehungsdebatte während der letzten Jahre wie kaum ein anderer geprägt.

In seiner Einleitung fragt er "Wozu ein pädagogisch-politisches Buch?"  Im Zusammenhang mit dieser Frage macht er eingangs deutlich, dass es  nach seiner Ansicht nicht die "Weltwirtschaftskrise" war, die einen Hitler an die Macht brachte, sondern Menschen mit einer klar definierten Haltung- mit klar artikulierten autoritären Überzeugen. 

Herbert Renz Polster möchte wissen, woher diese Überzeugungen kommen. In der Kindheit machen wir alle die Erfahrung, ob es im menschlichen Miteinander um Macht und Überlegenheit geht oder um Vertrauen und Zusammenarbeit. So der Kinderarzt. Es sei die Kindheit, in der wir unser soziales Vermögen ausbildeten, mit dem wir der Welt und ihren Krisen begegnen. Der Autor benennt in seinem Buch die emotionalen und sozialen Einflüsse, die unsere späteren politischen Überzeugen prägen.

Man lernt in diesem Buch diverse rechtspopulistische Szenen kennen, aber im Kern ist das Werk des Autors weder ein Buch über bestimmte Länder, noch über bestimmte Personen oder Politiker. Der Kern des Rechtspopulismus, der sich quer durch verschiedene Länder nachweisen lasse, sei der #Autoritarismus. Gemeint ist damit die Neigung von Menschen, sich in ein System von Befehl und Gehorsam einzugliedern und zugleich diejenigen abzuwerten, die nicht zu dieser Ordnung gehören, beispielsweise andere Ethnien. 

Renz-Polster zeigt auf, dass in den USA beispielsweise strenge Kindheiten mit "strengen" politischen Überzeugungen einhergehen. Zu den wichtigsten Eigenschaften, die jemand dort haben kann, zähle disziplinierter Gehorsam der Autorität gegenüber. 

Bei welcher Weltanschauung ein Mensch hängen bliebe, habe mit seiner formalen Bildung und seiner Intelligenz nichts zu tun. Der Autor betrachtet die Facetten der autoritären Persönlichkeit und stellt vor allem eine geringe Offenheit fest, sich auf Neues einzulassen. Auch zeigten diese Menschen ein deutlich höheres Bedürfnis nach Vorhersehbarkeit und Struktur und die Ängstlichkeit sei ausgeprägter. Kurzum, bei rechtspopulistischen Haltungen sei das Stresssystem stärker aktiviert, gewissermaßen in einem ständigen, unterschwelligen Alarm- und Bedrohungssystem. Dann liest  man auch, dass rechtsgeneigte Menschen in ihrer Wahrnehmung generell stärker auf negative als auf positive Reize ansprechen, oft auch eine übertriebene Reinlichkeitserziehung in der Kindheit erfahren haben. Wer sich mit autoritären Erziehungsmustern irgendwann befasst hat, weiß dies alles bereits und weiß auch, dass in der Nazi-Zeit und danach die Autorin Hanna Haarer viel  Unheil mit ihrer unsäglichen Erziehungsfibel angerichtet hat. 

Interessant ist die Annahme, dass aus der Kombination geringer Offenheit und stärkerer Ängstlichkeit Vorurteile resultieren und das speziell im Hinblick auf Fremde. Andersgesinnte oder Erscheinende werden gemieden. Letztlich aus Angst.

Herbert Renz-Polster schreibt über Weltbilder und Menschenbilder und macht erkennbar, dass Rechtspopulisten in den Beziehungen zu Menschen auf Konkurrenz, Kontrolle sowie Macht setzen und generell von einer feindlichen Welt ausgehen. Kindern wird mit Misstrauen begegnet und entsprechend werden sie behandelt. Dieses mangelnde Vertrauen wirkt charakterprägend. Je weniger Vertrauen unter den Erwachsenen- dies das Muster- desto stärker werden Kinder zur Bindungslosigkeit erzogen.

Man erfährt u.a. wie die Furcht vor der Freiheit entsteht und damit auch die lebenslange Anhängigkeit von Autorität. Andererseits erfährt man aber auch wie sich emotionale Sicherheit entwickelt, liest wie Beziehungssprachen  zustande kommen und auch, was geschieht, wenn Kinder ihrer eigenen Stimme nicht trauen und stattdessen auf Kontrolle und Unterwerfung setzen. 

Man erfährt des Weiteren, dass ein bestimmter Erziehungsstil das Lachen ersticken lässt und worin fatalerweise ein unterworfenes Kind einen Rettungsanker sieht. Aufgeklärt wird man über die Autoritäre im Wandel, auch über mögliche Unterschiede in der Erziehung in West- sowie Ostdeutschland und über Kindheitsmuster international. Was Toleranz heißt und wie man mit Rechtspopulisten umgeht, kommt ebenso zur Sprache wie auch,  worum es letztlich geht, wenn man das Problem des Rechtspopulismus lösen will. 

Auf den Punkt gebracht, bedeutet das: "Kindheit wagen! Denn Kinder, die ihre Kindheit innerlich unverletzt, mit Selbstvertrauen, wachen Augen, Einfühlungsvermögen und Mut im Herzen verlassen, sind widerstandsfähig- gerade gegen die Verlockungen des Rechtspopulismus. Allen Kindern ist eine solche Kindheit zu wünschen." (S.263)

 Das sehe ich auch so.

 Maximal empfehlenswert 

Helga König

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Erziehung prägt Gesinnung: Wie der weltweite Rechtsruck entstehen konnte - und wie wir ihn aufhalten können

Rezension: Entspannt euch!- Michael Schmidt –Salomon- Piper

Dr. #Michael_Schmidt_Salomon ist freischaffender Philosoph und Schriftsteller, darüber hinaus ist er Vorstandssprecher der #Giordano_Bruno_Stiftung. 

Der Untertitel seines neuen Werkes macht deutlich, worum es ihm hier geht. Er stellt seine #Philosophie_der_Gelassenheit vor und das geschieht in 8 Lektionen. Im Vorwort lässt der Autor seine Leser wissen, dass er im vorliegenden Buch auf vieles zurückgreife, was er in den vergangenen 25 Jahren geschrieben habe. Die 8 Lektionen hat er in Dialogform verfasst. Er möchte in den Lektionen nicht nur Wissen vermitteln, sondern dazu ermuntern, dieses Wissen im Alltag anzuwenden, damit wir die innere Wahrnehmung und gegebenenfalls auch unser Verhalten ändern können.

Schmidt –Salomon reflektiert zunächst die #Scham und deren Kehrseite, den #Stolz, wobei sich hinter diesem nicht selten ein tief sitzendes #Minderwertigkeitsgefühl verberge. Scham bringe rasch #Neid und Stolz nicht weniger rasch #Überheblichkeit hervor. Das Wechselspiel von Überheblichkeit und Demütigung sei so lange nicht überwindbar, solange wir an den althergebrachten Überzeugungen festhielten, wonach wir zu Recht stolz auf eigene Leistungen sein könnten und uns zu Recht schämen müssten, wenn wir diese Leistungen nicht erbrächten. Schaue man genauer hin, so werde klar, dass Erfolge und auch Misserfolge keineswegs in unserem Selbst zu finden seien, sondern "in einem chaotischen Netzwerk von Milliarden und Abermilliarden Faktoren, über die wir keine Kontrolle haben." 

Wenn man diese kausalen Zusammenhänge in ihrer Tiefendimension begriffen habe- #Albert_Einstein hatte es-, nehme es viel von der Dramatik, die man normalerweise erlebt, wenn man an einer Sache scheitert. Insgesamt sollte jeder begreifen lernen, dass man nur der sein kann, der man aufgrund seiner Anlagen und Erfahrungen sein muss. Selbst #Leistungsbereitschaft, #Selbstdisziplin und #Frustrationstoleranz fallen nicht vom Himmel, sondern seien auf unendlich viele Faktoren zurückzuführen, die man sich nicht ausgesucht habe. 

Der Autor macht begreifbar, dass man sein Ich nicht so furchtbar ernst nehmen solle, wie dies gemeinhin geschehe. Er hinterfragt, ob es für unser subjektives Freiheitsempfinden tatsächlich von elementarer Bedeutung sei, dass wir an dem Glauben festhalten, unser Ich, unser Selbst und unser Wille sei nicht durch klar benennbare Ursachen bestimmt. Ganz allmählich lernt man im Laufe der Lektionen Abschied zu nehmen von der Idee des ursachenfreien Willens und zu begreifen, dass die ursächliche Bedingtheit unseres Willens ganz neue Freiräume eröffnet. Weshalb das so ist, wird in der 3. Lektion erläutert. Hier geht es um die Kunst des Vergebens. Hier auch wird die Einsteinsche Sichtweise der Trumpschen Perspektive gegenübergestellt und gezeigt, weshalb ein Mensch mit grandiosem Selbstbild seine Welt in Freunde und Feinde einteilt und weshalb es ihm so schwer fällt zu vergeben. #Vergeltungsdrang beruhe stets auf #Geltungsdrang. 

Wenn man begriffen hat, dass Menschen in ihrem Tun oft nicht anders können als sie agieren, hört man auf über moralische Schuld zu reden und ist interessiert daran, dass dazugelernt wird, um unakzeptables Tun in Zukunft zu vermeiden. Wer vergibt- sagt keineswegs Nein zur gesetzlich bedingten Bestrafung eines Täters- sondern vergibt im ethischen Sinne, was ihn aus der Opferrolle befreit und dazu führt, dass er traumatische Ereignisse besser verarbeiten kann. 

Michael Schmidt-Salomon schreibt über das Nazi-Opfer #Eva_Kor und über den hessischen Generalstaatsanwalt #Fritz_Bauer, um zu zeigen, wozu Vergebung führen kann. Ursachenforschung ist stets der klügste Weg, um zukünftig Verbrechen zu vermeiden. In diesem Zusammenhang bin ich schon jetzt neugierig auf die Lektüre "Erziehung prägt Gesinnung" von Herbert Renz-Polster, die heute mit der Post ankam. 

Nimmt man Abschied vom moralischen Denken und bewegt sich zum ethischen hin, ist man auf der Zielgerade. "Ethik" definiert der Autor "als kritische Reflektion der gelebten Sittlichkeit". Wer aufhört zu werten und über faire Konfliktlösungen nachdenkt, wird im "Zeitalter des Empörialismus“ sich dem Teufelskreis des parteiischen Lagerdenkens entziehen und sich - wie von Zauberhand- entspannen. 

In den Folgelektionen wird nicht zuletzt über ein sinnvolles, glückliches und zufriedenstellendes Leben nachgedacht. Schmidt Salomon kommt zu dem Ergebnis, dass man hierzu drei Strategien verfolgen soll. Diese entnehmen sie den Kapitel 7, S. 17 

Was noch? Man bemühe sich, lösungsorientiert zu denken, eine positiv-realistische Einstellung zu entwickeln und das Beste aus jeder Lage zu machen. Je mehr man bei allem von seinem Selbst lässt, umso eher wird man Gelassenheit entwickeln. 

Maximal empfehlenswert 

Helga König

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Entspannt euch!: Eine Philosophie der Gelassenheit

Rezension: Begeisterung- André Stern- Elisabeth Sandmann

Der Autor dieses Buches ist der Musiker, Komponist, Gitarrenbauer und Journalist #André_Stern. Er ist der Sohn des Forschers und Malort-Gründers #Arno_Stern, mit dem er gemeinsam den Bestseller "Mein Vater, mein Freund" verfasst hat. Mit Prof. Dr. #Gerald_Hüther hat er die Initiative "Männer für morgen" gegründet und leitet das "Institut Arno Stern- Labor zur Beobachtung und Erhaltung der spontanen Veranlagung des Kindes." 

Das 15 Kapitel umfassende Werk nimmt seinen Anfang mit dem Kapitel "Die Begeisterung, Dünger für das Gehirn". Diese Worte stammen von Prof. Dr. Gerald Hüther, wie Arno Stern nicht unerwähnt lässt. 

Es sei die #Begeisterung, die uns jene Flügel schenke, die uns erlaubten, über all unsere Grenzen hinauszuwachsen. Neu dabei ist, dass dieses Phänomen jetzt wissenschaftlich erklärt werden kann. Begeisterung führe nämlich dazu, dass im Mittelhirn eine Gruppe von Nervenzellen erregt werden. Diese schütteten dann an den Enden ihrer langen Fortsätze einen Cocktail neuroplastischer Botenstoffe aus. Wer nur seine Pflicht erfüllt, bei dem geschieht dergleichen nie. Bei den Botenstoffen handelt es sich um: #Adrenalin, #Noradrenalin und #Dopamin. Dazu gehören auch Peptide wie Endorphine und Enkephaline. 

Begeisterung löse Emotionen aus und versetze in einen Zustand, in dem die emotionalen Zellen aktiv sind. Nicht zu vergessen, wenn sie aktiv sind, dann eigneten wir uns Informationen an und zwar für immer. Sofern die emotionalen Zentren nicht aktiviert werden, haben die Informationen offenbar keine Chance, sich im Gehirn zu verankern. Es gäbe also nur einen richtigen Moment, um etwas zu lernen und der sei dann gegeben, wenn die emotionalen Zentren aktiv sind. 

Als wichtigste Eigenschaft von Begeisterung nennt Stern: Ansteckung, d.h. richtige Begeisterung weckt Begeisterung auch bei anderen Menschen, dabei nicht zwingend für die gleiche Sache. Begeisterung sei allerdings kein Synonym für Freude oder Lachen. Sie löse herkulische und nachhaltige Selbstüberwindung aus. 

André Stern schreibt, dass beim Spiel das Kind in seinem Element sei. Hier würde es weder Sieger noch Verlierer, noch Stress kennen. Dessen ungeachtet sei das Kind hochkonzentriert beim Spiel. Seine Kreativität sei grenzenlos, aufgrund der Begeisterung und der Tatsache, dass das Ziel des Kindes das Spiel sei, - demnach die Gedanken, das Tun und das Ziel übereinstimmten und dadurch Tiefenbefriedigung entstehe. 

Der Autor vermittelt in seinem Buch viele seiner persönlichen Erfahrungen mit begeisterten Kindern, schreibt über bemerkenswerte, wichtige pädagogische Beobachtungen, so etwa, dass Kinder umso selbstständiger werden, je größer ihre Verbundenheit mit den Bezugspersonen sei. 

Für Kinder sei der Heimatort da, wo man keinen fremden Erwartungen genügen müsse, der Ort, wo man nicht auf Fehler lauere. 

Interessant ist immer wieder,  über die Chancen zu lesen, die Begeisterung in sich birgt. Wer ohne Begeisterung arbeitet, handelt und lebt, entfernt sich mehr und mehr von seinen natürlichen Veranlagungen. Kindern sollte man also Begeisterung aber keineswegs Depression oder gar Burnout vorleben, denn wie schon erwähnt, ist #Begeisterung ansteckend und die Basis für ein erfolgreiches, glückliches, vor allem kreatives  Leben. 

André Stern schreibt in seinem Buch auch über Begeisterung für Musik. Hier nehme man eine Übung, sofern man begeistert sei, nicht als solche wahr, sondern werde von der Musik, den Emotionen und dem Spiel getragen.

Was geschieht, wenn man als Erwachsener seine Begeisterung wiederfindet? Allein um dies herauszufinden, lohnt es sich,  das hervorragende Buch zu lesen, das maximal empfehlenswert ist.

Helga König

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Begeisterung: Die Energie der Kindheit wiederfinden

Rezension: Glück, Staat und Charakter- Aristoteles-dtv Bibliotek

#Aristoteles, der Autor dieser Schriftensammlung, lebte vor 2400 Jahren in Griechenland. Er war zunächst Schüler und später Forscher sowie Dozent an Platons Philosophieschule. Dort übernahm er wichtige Grundzüge von Platons Denken, wobei seine Schriften weitaus mehr den Dissens mit Platon betonen und diesen für zahlreiche Thesen kritisieren. 

Aristoteles studierte und lehrte insgesamt zwanzig Jahre lang an Platons Philosophieschule, der sogenannten Akademie. Mehr über sein Leben erfährt man in der Einleitung. Ich möchte die Skizzierung seiner Vita hier allerdings nicht verkürzt wiedergeben, sondern nur darauf hinweisen. 

Das wichtigste Werk dieses Philosophen ist die "#Nikomachische Ethik". Es stellt eines der essentiellsten Werke der abendländischen Ethik und Moralphilosophie dar. In diesem Werk entwickelt Aristoteles die Auffassung, dass wir Menschen nach einem glücklichen Leben streben und dieses glückliche Leben (#eudaimonia) in der Betätigung bestimmter seelischer Vorzüge oder Tugenden bestehe. 

Charakterzüge haben demnach einen großen Einfluss auf das Gelingen unserer Handlungen, auf unsere gefühlsmäßige, emotionale Verfassung und auf das Gelingen des Lebens grundsätzlich.

In Aristoteles Schrift "#Politik" analysiert er das Wesen des Staates. Dabei diskutiert er verschiedene Staatsverfassungen unter dem Gesichtspunkt, ob sie dazu geeignet sind, den eigentlichen Zweck des Staates zu erfüllen. Nach seiner Meinung leben die Menschen hauptsächlich zusammen, um ihr Überleben zu sichern und eine gewisse Freiheit von der Beschaffung lebensnotwendiger Dinge zu erlangen. Erst im Zustand der Autarkie, d.h. wenn die Menschen nicht mehr in der täglichen Sorge ums Überleben bestimmt sind, haben sie die Muse, so Aristoteles, nach einem guten, glücklichen Leben zu streben und die dafür erforderlichen Fähigkeiten und Charakterzüge herauszubilden. 

Merke: Glück, Charakter und Staat sind bei diesem Philosophen unauflöslich miteinander verbunden.

Im vorliegenden Buch hat man Gelegenheit eine Auswahl von Texten aus der "Nikomachischen Ethik" und aus der Schrift "Politik" zu studieren. Um sich mit den Texten vertraut zu machen, sollte man sich im Vorfeld allerdings mit einigen seiner Grundbegriffe befassen, die im vorliegenden Buch näher erläutert werden. 

Wissenswertes erfährt man zu den Begriffen: "Das Gute", "Das höchste Gut", "Glück, glückliches Leben", "Lebensform", "Leistung/Werk", "Seele", "Vernunft", "Gutes Leben, Betätigung", "Vortrefflichkeit/Tugend", "Ethische Tugend/Charaktertugend", "(Charakter-) Eigenschaft", "Unbeherrschtheit", "Dianoetosche/intellektuelle Tugend", "Staat", "Muße". 

Die Erläuterungen zu diesen Begriffen vereinfachen das Verstehen der Texte von Aristoteles, die zusätzlich im Vorfeld des jeweiligen Kapitels zu den Schriften nochmals erklärende Einschübe haben. Mit all dem ausgerüstet, kann man sich sehr gut in das Denken dieses Philosophen einfinden und hat einen  bemerkenswerten Erkenntnisgewinn  durch die Lektüre des Buches. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Glück, Staat und Charakter: Ein Lesebuch zur praktischen Philosophie (dtv bibliothek)