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Rezension: Clusterfuck- Warum Katastrophen uns lieben und eine selten allein kommt- Holm Friebe, Detlef Gürtler- Carl Hanser Verlag

Die Autoren dieses spannenden Buches sind Holme Friebe und Detlef Gürtler. H. Friebe ist Volkswirt und Geschäftsführer der Zentralen Intelligenz Agentur (ZIA). Zudem unterrichtet er Designtheorie an Kunsthochschulen und ist Autor mehrerer Sachbücher. D. Gürtler ist Senior Researcher am Schweizer Gottlieb-Duttweiler-Institut und war bis 2016 Chefredakteur des Zukunftsmagazins GDI Impuls. 

Schon in der Einleitung liest man, dass statistisch betrachtet, Ordnung und Funktionieren weitaus weniger wahrscheinlich sind, als dass alles verhakelt, blockiert und ins Wanken gerät. 

Clusterfucks, wer kennt sie nicht?  Das sind chaotische Situationen, in denen alles schief zu gehen scheint. Solche Situationen werden häufig verursacht durch Inkompetenz, Kommunikationsversagen oder  durch eine komplexe Umgebung

Die Autoren definieren: "Ein Clusterfuck ist ein systemisches Problem, das die Lösungskapazität aller Beteiligten unabwendbar übersteigt."

Es geschieht auf unterschiedlichen Wegen im Großen wie im Kleinen und glaubt man den Autoren, so leben wir  sogar im Zeitalter der Clusterfucks. Man liest von dem Gesetz des Scheiterns, genannt Murphy´s Law. Dieses lautet: "Was schief gehen kann, wird auch schief gehen."

Sobald man begriffen hat, wie Katastrophen ticken, hat man allerdings eine größere Chance, ihnen im letzten Moment auszuweichen, sie auszutricksen oder Anteile an ihrer zerstörerischen Energie in etwas Nützliches zu verwandeln, so die Autoren. Dabei sollte man aber wissen, dass gegen Clusterfucks weniger klare Konzepte als vielmehr offenes Chaos helfen. 

Im Rahmen von 8 Kapiteln werden welthistorische Clusterfucks weitgehend analysiert und klar gemacht, dass sie auch etwas Gutes haben, denn nur so kann Neues entstehen. Man erfährt wie also Katastrophen ticken und weshalb gerade Perfektionismus Clusterfucks zur Folge haben können und auch, wieso sich Niederlagen anziehen. 

Soviel kann gesagt werden, ohne die Neugierde auf das Buch zu nehmen: Wer Clusterfucks vermeiden möchte, muss sich zunächst dafür sensibilisieren, sich die psychologischen Mechanismen bewusst machen, die zu Katastrophen führen und Achtsamkeit lernen. 

Man kann offenbar mittels Organisations- und Denkdesign die Wahrscheinlichkeit minimieren, dass Krisenmomente zu Clusterfucks auswachsen. Darüber klären Friebe und Gürtler auf und man erfährt auch etwas über mögliche Auswege, die es eigentlich  laut Clusterfuckdefinition  nicht geben dürfte. 

Wer schon einmal Clusterfucks er- sowie überlebt und reflektiert hat, weiß um die Problematik und erahnt auch, wie viele Haken man schlagen muss, um dem Gesetz der Serie auszuweichen. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Clusterfuck: Warum Katastrophen uns lieben - und eine selten allein kommt

Rezension: Warum wir unseren Eltern nichts schulden- Barbara Bleisch- Hanser

Barbara Bleisch war bis 2016 über 10 Jahre im Ethik-Zentrum der Universität Zürich tätig. Derzeit ist sie Akademischer Gast am Collegium Helevetium der Universität Zürich und der ETH Zürich. Zudem moderiert sie seit 2010 die Sendung "Sternstunde Philosophie" beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Des Weiteren ist sie Kolumnistin des Philosophie Magazins. 

Die Autorin hinterfragt in diesem Buch, was man seinen Eltern schuldet. Untersucht wird, ob sich Kinder, wenn sie erst einmal erwachsen sind, speziell um ihre Eltern kümmern müssen, allein deshalb, weil sie deren Kinder sind. 

Gerade in Familien sähe man sich leicht mit diffusen Erwartungshaltungen konfrontiert, sowohl von den Eltern selbst als auch von Dritten. Nach moralischen Pflichten zu fragen und in diesem Zusammenhang auch vertraute Konventionen zu hinterfragen, sei wichtig, um sich bewusst zu werden, was man seinen Eltern  tatsächlich schuldet. Folgt man den Überlegungen Barbara Bleischs, dann schuldet man ihnen offenbar nichts. Allerdings geht die Allgemeinheit bekanntermaßen von anderem aus. 

Nichts zu schulden, bedeutet jedoch nicht respektlos zu sein oder seine Eltern mutwillig zu verletzen, auszunutzen oder zu beschämen, denn das grundlegendste Verbot laute, dass man einander nicht ohne Not Schaden zufügen dürfe. Diese Regel gelte natürlich auch in Familienverhältnissen. 

Bleisch sieht also in ihrem Buch kein Plädoyer,  die eigenen Eltern ins Pflegeheim abzuschieben, sie zu ignorieren, kaltherzig über ihre Bedürfnisse und Anliegen hinwegzusehen. Vielmehr sei die Publikation ein Aufruf dazu, Familienbeziehungen als das zu sehen, was sie im Kern sind: "in vielerlei Hinsicht bedeutungsvolle und außergewöhnliche Kontexte, die von unermesslichem Wert für uns sein können.". 

Die Autorin hebt hervor, dass ihr Buch kein psychologischer Ratgeber sei, sondern stattdessen eine philosophische Untersuchung, die dazu auffordert, selbst nachzudenken, in diesem Falle über das Verhältnis zu seinen Eltern. 

Untergliedert ist das Werk in die Kapitel Schuld; Dankbarkeit; Freundschaft; Verwandtschaft; Verletzlichkeit; Das gute Kind.

Sich mit den Überlegungen Barbara Bleisch in den einzelnen Kapiteln ihres Buches intensiver zu befassen, hilft dabei,  sich über familiäre Verantwortlichkeit und deren Grenzen klar zu werden und einen entspannten, fairen Weg mit seinen Angehörigen zu gehen, der alle zufrieden stellen kann. 

Sehr empfehlenswert

Helga König

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Warum wir unseren Eltern nichts schulden

Rezension: Nähe- Giovanni Frazzetto- Hanser

Autor dieses Buches ist der aus Sizilien stammende Molekularbiologe Dr. Giovanni Frazzetto. 

Im Rahmen von acht spannenden Geschichten verdeutlicht er wie Menschen einander näherkommen und welche Rolle dabei Hormone, Gene und soziale Normen spielen. 

In den Geschichten geht es um Einsamkeit, Liebe als Prozess, um Untreue, den Mut zur Nähe, um Trennung von Sex und Liebe, um Vatergefühle, Veränderung und um Bedingungslosigkeit. 

Die Figuren, die dem Leser begegnen, sind solche, deren Ängste und Sehnsüchte sie in die Intimität treiben, durch sie hindurch und aus ihr heraus. So liest man im Zuge der Geschichte einer Single-Frau in den Vierzigern, die verunsichert ist, einen Partner zu finden, zum Thema Einsamkeit, dass diese zum frühen Tod führen könne. Dabei schädige Einsamkeit unseren Körper und verändere unsere Wahrnehmung der Welt und wie wir mit ihr agieren. Einsamkeit gehe mit Stress, Angst und Depression einher und verursache Erschöpfung und Schlafstörungen. Sie werde nicht zuletzt mit erhöhtem Blutdruck und einer Schädigung des Herz-Kreislauf-Systems in Verbindung gebracht. Neben vielem anderen kann sie sogar zu Demenz führen. 

Sofern uns ständig etwas vorenthalten wird, verlieren wir, so der Autor, unsere Zuversicht. Um dies zu verhindern, geht es darum, Raum zu schaffen für das Unerwartete, das nicht selten hinter der nächsten Ecke auf uns wartet.

Man erfährt u.a. wodurch ein höherer Nähegrad zwischen Paaren entstehen kann und dass Gefühle zu teilen, uns helfe, anderen näher zu kommen. Gesprochene emotionale Worte, so etwa beim Erzählen einer Geschichte, bewirken besonders intensiv, dass man Übereinstimmung erreicht. Zwei Personen, die in derselben Sprache miteinander kommunizieren und regelmäßig miteinander sprechen, verfügen über ein gemeinsames Vokabular. Sie sammeln Wissen über die Sprechgewohnheiten des anderen aber auch über dessen Wortwahl und syntaktische Vorlieben. Dies  macht  es den beiden Gehirnen möglich, sich aufeinander einzustellen. 

In Beziehungen werden Entfernungen fortdauernd neu vermessen, speziell dann, wenn ein stillschweigender oder ausdrücklicher Mangel an Verbindlichkeit besteht. Menschen mit ängstlichem Bindungsstil zweifeln ihr Selbstwertgefühl häufiger an, halten sich nicht für liebenswert, so Frazzetto und fürchten das Verlassenwerden und die Ablehnung. So klammern sie sich an die Rückversicherung und die Bestätigung durch ihren Partner. Ist die Bezugsperson  gewissermaßen unerreichbar und erscheint gleichgültig, wird es schwierig Nähe herzustellen. Der Vermeidende scheut den Schmerz, der durch Verwundbarkeit und Abhängigkeit entstehen kann. 

Zwischen ängstlichen und vermeidenden Menschen soll eine starke Anziehungskraft bestehen. Diese beiden Charaktere sind  aber letztlich Gift füreinander. Die gute Nachricht, Bindungsstile sind veränderbar. Auch darüber liest man Wissenswertes. 

Dies und anderes mehr bringt dem Leser die vielen Facetten von Nähe näher und macht das komplexe Zusammenspiel von Körper und Geist deutlich, das notwendig ist, damit  diese überhaupt entstehen kann. 

Überall im Buchhandel erhältlich 

Onlinebestellung bitte hier klicken: Hanser oder AmazonNähe: Wie wir lieben und begehren

Rezension: Von der wandelnden Kraft negativer Gefühle- Anselm Grün, Bernd Deininger- Vier-Türme-Verlag

Das vorliegende Buch ist eine Teamarbeit des Benediktinermönchs Dr. Anselm Grün und Dr. Bernd Deiningers, des Chefarztes für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Krankenhaus Martha in Nürnberg. 

Thema sind die Sieben Todsünden, die die beiden sowohl psychoanalytisch als auch spirituell beleuchten. Es handelt sich dabei um die Grundgefährdungen des Menschen, um krankhafte Züge, die durchaus behandelt, verwandelt, geheilt und in positive Bahnen gelenkt werden können. 

Zur Sprache gebracht werden: Neid, Hochmut, Zorn, Geiz, Wollust, Maßlosigkeit, Trägheit. 

Jede der sieben Grundgefährdungen wird zunächst von Bernd Deininger aus psychologischer Sicht näher erläutert. Im zweiten Schritt dann befasst sich Anselm Grün stets spirituell mit der jeweiligen Todsünde. 

Gerade in unserer Gesellschaft ist es notwendig, sich mit dem Phänomen des Neids näher zu befassen. Dieses hat viele Facetten, die im Buch  sehr präzise aufgezeigt werden. Dabei ist die Bewältigung von Neid an die Fähigkeit geknüpft, Schuld zu empfinden und Scham zu spüren. Anselm Grün interpretiert, wie bei vielen anderen Todsünden-Betrachtungen auch beim Neid Darstellungen des Malers Hieronymus Bosch und  in diesem Fall auch des Künstlers Caspar Meglinger. 

Bei  Meglinger wird klar ersichtlich, dass der neidische Mensch die Verbindung zu seinem Herzen verloren hat. Der Neider muss immerfort vergleichen, ist nicht bei sich und zehrt sich schließlich selbst auf in seinem Neid. Nicht grundlos wird der Neidische oft als hässlich dargestellt. In einem neidischen Menschen und um ihn herum wachse  einfach nichts mehr, so Anselm Grün. Auch sei der Neider stets ruhelos und rastlos, weil es immer Menschen gäbe, die er beneidet. So kommt der Neider niemals an bei sich selbst. Anselm Grün zeigt anhand von drei Geschichten, wie man Neid überwinden kann. Auf Neider nicht zu reagieren, kann deren Neid übrigens auch verwandeln. 

Todsünden sind Leidenschaften, die es zu verwandeln gilt, damit die positive Kraft bleibt. Um Neid verwandeln zu können, darf man ihn nicht werten. Sobald man sich dafür verurteilt, neidisch zu sein, bleibt der Neid an uns hängen, wird zum schlechten Gewissen und zieht uns nach unten. 

Die gute Nachricht: Neid lade allerdings  uns ein, vom Haben in Sein überzugehen. 

Die Wirtschaft nehme den Neid als Stachel in der Werbung, doch die Ausnutzung führe nicht zum inneren Frieden. 

Ähnlich wie beim Neid, ist auch bei der Eifersucht Wandlung möglich. Wer seine Eifersucht auf seine Sehnsucht hin befragt, wird entdecken, dass eine große Liebe darin steckt. Diese aber sei an unrealistische Erwartungen gebunden. Eifersucht sei eine Einladung Gott um Vertrauen zu bitten, dass die Partnerschaft halte und beide einander treu blieben, so der Benediktinermönch. 

Liebe sei ein Geschenk und benötigt Vertrauen. Wer Kontrolle in die Liebe hinein brächte, töte sie ab. Eifersucht in Liebe zu verwandeln, die freilasse, sei die Herausforderung. 

Unmöglich ist es, im Rahmen der Rezension, zu allen 7 Todsünden etwas zu schreiben. Spannend fand ich, was die Autoren über den Hochmut sagen. Bei Narzissten verhält es sich so, dass die Außenwelt auf die Funktion reduziert wird, Anerkennung und Bewunderung zu liefern. Dabei litten Menschen mit pathologischem Narzissmus an der Überbewertung ihres eigenen Selbst und der Unterbewertung anderer Menschen um sie herum. 

Erhält ein Kind zu wenig emphatische Zuwendung der Eltern, könne es kein stabiles Selbst entwickeln und so blieben das kindliche Größen-Selbst und die idealisierten Elternbilder bestehen. Zeichen für eine gestörte narzisstische Entwicklung seien diffuse Wut, mangelnde Abgrenzung des eigenen Selbst von anderen, auch Größenphantasien, die mit der Realität nicht in Einklang zu bringen sind. 

Man lernt in der Folge, wie Hochmut und Stolz als Abwehrfunktionen von Kränkungen und Verletzungen des Selbstwertgefühls entstehen, dass die pathologische Form des Hochmuts in Arroganz eingekleidet ist und die Außenwelt entwertet. In seiner Selbstbezogenheit und Egozentrik hat der Hochmut seinen Ursprung in der frühen Lebensgeschichte eines Menschen. 

Für Anselm Grün ist Hochmut eine Reaktion auf das Gefühl der eigenen Minderwertigkeit. In der Bibel sei die Strafe für den Hochmut die Sprachverwirrung gewesen. 

Wirkliche Gespräche finden auf Augenhöhe statt und sind frei von Hochmut. Hochmut ist ein Ersatz für ein gesundes Selbstwertgefühl. Heilung bzw. Wandlung ist möglich, wenn man sein wahres Selbst entdeckt. Im Gegensatz zum Ego muss es sich nicht darstellen. Das wahre Selbst sei das Gefühl von Gemeinschaft und Verbundenheit, dass Hochmut auflöse.

Dann  gibt es ja noch den Geiz. Der Habgierige und Geizige konzentriere sich auf Materielles, auf das, was er als Schatz bezeichnen könne. Offenbar hängt sein Selbstwertgefühl von diesem Schatz ab. Wenn ein Mensch nur haben möchte, kann er in Beziehungen nichts gewinnen. Auch bei Gier und Geiz lässt sich ein Mangel an Liebe in der Kindheit feststellen. Der Mangel an Liebe ist offenbar stets die Ursache der  sogenannten Todsünden psychologisch gesehen. 

Die gute Botschaft: Wandlung ist immer möglich. Man muss sich aber mit den Untiefen auseinandersetzen und darf sie nicht verdrängen. 

All diese und die anderen negativen Gefühle schaden nicht nur anderen, sondern auch dem, der sie  mit sich herumschleppt. Grund genug, sich ihrer zu entledigen

Seelsorger und Psychologen wissen schon lange wie: durch die Liebe

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Schluss mit Psychospielchen- Cornelia+ Stephan Schwarz- dtv

Cornelia Schwarz ist u.a. NLP-Lehrtrainerin, Coach  sowie Trainerin für Führungskräfte. Stephan Schwarz arbeitet als Psychologe, Pädagoge  und NLP-Lehrtrainer. Er ist ausgebildet in der Transaktionsanalyse. 

Im vorliegenden Buch erläutert das Autorenteam zunächst wie Psychospiele funktionieren, weil solche Spiele bei allen Beteiligten innere Leere erzeugen. Ursächlich hierfür ist der Moment, dass man seinen eigenen Emotionen nicht mehr traut, sich unwohl, unverstanden als auch überfordert fühlt und Dinge tut, die man an sich nicht tun wollte. In der Folge kann man so sehr neben sich stehen, dass man erschöpft ist, Angst hat oder ernsthaft krank wird. 

Man erfährt zunächst wie solche Psychospiele funktionieren und weshalb es sich lohnt,  aus ihnen auszusteigen. Bei diesen Spielen handelt es sich generell um destruktive Rollenspiele. Dabei kristallisieren sich drei spezifische Rollentypen heraus. Opfer, Retter und Verfolger. Diese drei Archetypen sind miteinander verbunden und bilden das Dramadreieck. 

Skizziert wird die  Ausgestaltung der einzelnen Rollen und nicht unerwähnt bleibt, dass im Verlauf des Spiels die Beteiligten die Rollen wechseln. Die Muster dieser Psychospiele entstehen in der Kindheit, wenn Kinder zu wenig geliebt werden, bzw. ihnen Zuneigung vorenthalten wird. Dann nämlich fühlen sie sich übersehen, vernachlässigt und abgelehnt. Um dennoch Aufmerksamkeit zu erhalten, entwickeln diese Kinder auffällige Interaktionsmuster. Es handelt sich im Grunde um Verzweiflungstaten, deren Ziel irgendeine Form von Nähe ist. 

Man lernt diese Psychospiele zu durchschauen und zwar durch Selbsterkenntnis und  mittels acht Aufgaben, die es zu lösen gilt,  um aus dem Dramaspiel auszusteigen. Wer Psychospiele spielt, verfügt über kein Einfühlungsvermögen, sondern möchte Beziehungen kontrollieren bzw. steuern. Wer aufgrund von Dramaspielen manipuliert oder manipulieren lässt, leidet unter unverarbeiteten Gefühlen. Versagensängste, Minderwertigkeitsgefühle und dergleichen spielen eine entscheidende Rolle. Offenbar werden Ängste schon früh gespeichert und formen negative Verhaltensmuster. Die gute Nachricht: Bearbeitete Ängste verlieren ihre Macht. 

An  sehr gut nachvollziehbaren Beispielen wird gezeigt wie man Psychospiele überwindet und dramafreie Interaktion möglich wird. Sobald man beginnt, den eigenen positiven Kern zu stärken, ist man für dramaorientierte Menschen nicht mehr interessant. Wer dramafrei agiert, übernimmt Verantwortung, lässt sich nicht provozieren, bevormunden oder einschüchtern. 

Gezeigt wird, wie man sein inneres Kind mit seinem Erwachsenen-Ich in Einklang bringt und welche Schritte uns davor bewahren, in ein Dramaspiel zu geraten. Sehr gut wird erläutert wie man aktiv ein Gespräch gestaltet, das dramafreies Kommunizieren zulässt.

Dann lernt man Opfer- Retter- und Verfolgerspiele und entsprechende Lösungsperspektiven kennen. Dies ist überaus erhellend. Spielgewinne und -verluste werden sehr gut aufgezeigt und die Taktiken werden bestens beleuchtet. 

Damit das Ich zukünftig dramafrei bleibt, ist es notwendig, es zu stärken. Dramafreie Kommunikation basiert auf bewussten Haltungen, sich und anderen und dem Leben gegenüber. Hierzu liest man Wissenswertes zum Schluss des Buches. 

Ganz wichtig sind klare Ansagen, denn durch diese lassen sich Missverständnisse vermeiden, aus denen Dramen oft resultieren. 

Bestimmte Grundhaltungen sollte man kultivieren. Zu diesen zählt auch die ethische Disziplin und die Weisheit. 

Alles in allem ein sehr empfehlenswertes Buch, das auf buddhistischem Wissen und psychologischen Coachingtechniken aufgebaut ist. 

Helga König 

Überall im Fachhandel erhältlich 

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Rezension: Die Weisheit der Stoiker- Ein philosophischer Leitfaden für stürmische Zeiten- Massimo Pigliucci- Piper

Der Autor dieses Buches ist Prof. Dr. Massimo Pigliucci. Er lehrt Philosophie am Lehmann College der City University in New York. Schwerpunkte seines Tuns sind Wissenschaftstheorie, Evolutionsbiologie und Stoizismus. 

Zunächst zeigt er, worum es im Stoizismus geht und fasst zusammen, dass wir im Leben Tugend und Vortrefflichkeit in dem Maße praktizierten, wie es die eigenen Fähigkeiten erlaubten- dass wir also unser Bestes geben. Von Bedeutung dabei sei zudem, auf die moralische Dimension all unserer Handlungen zu achten. 

In der Praxis und im Lebensalltag, verkörpere der Stoizismus eine dynamische Kombination von Nachdenken über theoretische Grundsätze, Lektüre über inspirierende Texte und Beschäftigung mit Meditation, Achtsamkeit und anderen spirituellen Übungen. Einer der wichtigsten Grundsätze sei dabei, den Unterschied zwischen dem, was für uns beherrschbar sei und dem, was wir nicht kontrollieren können, zu erkennen und unsere Anstrengungen auf Ersteres zu konzentrieren. 

Der Autor hebt hervor, dass entgegen gängiger Meinung der Stoizismus stets im hohen Maße eine Philosophie des sozialen Engagements gewesen sei, die dazu aufgefordert hat, das gesamte Menschengeschlecht wie auch die Natur zu lieben. 

Für Pigliucci ist der Stoizismus deshalb besonders attraktiv, weil die Stoiker den wissenschaftlichen Grundsatz der universellen Kausalität akzeptierten. Generell gilt, dass der Stoizismus mit der Suche nach einem glücklichen und sinnerfüllten Leben begann und immer als eine solche Suche verstanden wurde. 

Der Autor vermittelt im vorliegenden Buch die leicht anwendbaren Prinzipien des Stoizismus selbst bei komplexen Krisen. Dabei geht es um drei Grundfragen. Die erste habe ich bereits erwähnt, sie lautet: 

1. Was kann ich ändern, was entzieht sich meinem Einfluss? 

2. Wofür lohnt es sich auf die Barrikaden zu gehen? 

3. Geht es mir wirklich um die Sache oder nur um meinen verletzten Stolz? 

Im Rahmen von 14 Kapiteln lernt man sich stoischem Denken und Handeln zu nähern. Die einzelnen Kapitel beginnen jeweils mit Gedanken von Epiktet. So beginnt Kapitel 14 "Praktische spirituelle Übungen" mit einem Auszug aus den Lehrgesprächen III von Epiktet und zwar "Die Goldenen Verse des Pythagoras". Hier auch liest man den Satz "Werde beschämt, wo Böses geschehn; des Guten erfreu dich." 

Erläutert werden in diesem Kapitel u.a. die Grundprinzipien des Stoizismus als da sind: 

Tugend ist das höchste Gut, und alles andere ist indifferent 
Folgen Sie der Natur!
Die Dichotomie der Kontrolle (Praktische) 
Weisheit 
Mut 
Gerechtigkeit 
Mäßigung 

Der Erläuterung folgen 12 Übungen, so etwa zur Reflektion der Unbeständigkeit der Dinge oder auch wie man sich in andere Menschen hineinversetzt. Stoiker raten dazu, dass man seine Freunde und Bekannten gut auswählt und Beleidigungen mit Humor erwidert. Wichtig aber auch ist, nicht zu sehr von sich zu sprechen, wenn man mit anderen Menschen zusammen ist und sich zu bemühen, nicht zu urteilen. 

Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen immerfort urteilen wollen. Das Ritual "Daumen hoch und Daumen runter" führt nicht zu einem Miteinander, sondern ist eine der Hauptursachen für die Zwietracht überall in unserer Welt. 

Sehr empfehlenswert,

Helga König

Im Fachhandel erhältlich

Onlinebestellung bitte hier klicken: Piper oder Amazon Die Weisheit der Stoiker:  Die Weisheit der Stoiker: Ein philosophischer Leitfaden für stürmische Zeiten

Rezension: Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen- Axel Hacke- Kunstmann

Axel Hacke, der Autor des Buches arbeitet als Schriftsteller und als Kolumnist des Süddeutschen Zeitung Magazins in München. Im vorliegenden Buch befasst er sich mit dem etwas angestaubten Begriff des Anstands, der in allen Zeiten von überaus unanständigen Menschen, nicht zuletzt von den Nazis, zweckentfremdet wurde. 

Wie Hacke verdeutlicht, sollte man einen Begriff, der uns etwas bedeutet, nicht einfach aufgeben, weil dies eventuell bereits der Beginn einer Kapitulation vor jenen wäre, deren Verhalten man als unanständig empfindet. 

Hacke versucht unter Zuhilfenahme von Philosophen und Literaten den Begriff inhaltlich zu durchleuchten. Dies unternimmt er fast im Plauderton und schafft es so, ein eher doch ernstes Thema dem Leser kurzweilig zu unterbreiten.

Um zu verstehen, was Menschen antreibt, selbst die minimalsten Standards zwischenmenschlichen Verhaltens nicht zu akzeptieren und sich gegenläufig zu verhalten, sollte man zunächst einmal begreifen lernen, dass wir alle in vieler Beziehung das Gefühl verloren haben, eine Gesellschaft zu sein, zusammenzugehören, sich auseinanderzusetzen, eben mündiger Bürger zu sein. 

Hacke erinnert daran, dass wir von der technischen Entwicklung, von der Nötigung durch Selbstdarstellung und von diffusen Ängsten getrieben werden, die wir uns nicht eingestehen oder völlig übertreiben. Deshalb würden wir uns hysterisch verhalten, dort wo wir nüchtern sein müssten und unaufmerksam, dort wo wir wachsam sein sollten. 

Ungewissheit und Ängste treiben Menschen leider nicht selten Unanständigen zu, deren Strategie darin besteht, Hoffnungen zu nähren. Im Kreise Unanständiger anständig zu bleiben, bedarf großer innerer Stärke.

Für Hacke ist es klar, dass Tarnung hinter einem erfundenen Namen, Menschen ganz offenbar dazu verführt, Dinge zu tun, die sie ansonsten nicht tun würden, so etwa andere zu beleidigen, zu verleumden und den Respekt zu verweigern. Weil dies mittlerweile schon fast Normalität geworden ist, scheint eine Art Gewöhnungseffekt entstanden zu sein. Hacke berichtet von abgründigen Verhaltensmustern in den sozialen Netzwerken und verdeutlicht, dass durch das Prinzip der Likes drastische Botschaften erst Fahrt aufnehmen und sich vervielfältigen. Den Betreibern der Netzwerke geht es um Likes, weil diese für die Werbeeinnahmen wichtig sind. Was gelikt wird, ist im Grunde sekundär. 

Und allen geht es um Zuwendung - negativ wie positiv - und genau dabei kann der anständige Umgangston auf der Strecke bleiben. Wer diesen Umgangston eines anderen übernimmt, ist bereits auf dessen unanständiger Ebene angekommen, "in der Welt, in der man Menschen beleidigt, herabwürdigt, verhöhnt, sofern es den eigenen Zwecken dient", so der Autor. 

Menschen möchten wahrgenommen werden, weil sie nur auf diese Weise ein Gefühl für sich selbst erhalten. Um wechselseitige Aufmerksamkeit geht es in den sozialen Netzwerken, aber auch leider darum, sich die Aufmerksamkeit zu verschaffen, die der ein oder die andere im negativen Bereich benötigt. Die Rede ist von der Selbstradikalisierung vieler Menschen, die in anderen in erster Linie den Feind sehen. Die Suche nach Halt treibt diese Menschen in Gruppierungen, in denen Anstand, Gerechtigkeit, Solidarität nur noch für Gleichgesinnte gilt. 

Im Netz aber auch außerhalb hat sich der Ton verschärft, offenbar genau aus den genannten Gründen. Was kann man tun, um sich und anderen im positiven Sinne  Halt zu geben?

Sich vernünftig benehmen, wäre eine sinnstiftende Maßnahme. Vernunft und Anstand stehen nie im Widerspruch zueinander. Das beweisen die Kernaussagen des vorliegenden Buches.

Sehr empfehlenswert.

Helga König

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Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen

Rezension: Schulen brauchen gute Lehrer- Verhaltens-Ratgeber- Peter Denker

Der Autor dieses Buches, Peter Denker, hat Schulen aus unterschiedlichen Perspektiven kennengelernt und benennt diese auch: Abiturient, Lehramtsstudent, Praktikant, Referendar, Vater von drei Kindern, Gymnasiallehrer, Fortbildungsmoderator für "Schulentwicklung", Schulaufsichtsbeamter, Schulleiter und Autor von pädagogischen Publikationen. 

Geschrieben hat er das Werk für angehende- einschließlich "Seiteneinsteiger"- als auch für gestandene Lehrkräfte. Dabei möchte er angehenden Lehrkräften das Buch nicht zuletzt als Entscheidungshilfe für oder gegen diesen Beruf an die Hand geben. Das halte ich für sehr wichtig, denn oft ist es Lehramtsstudenten nicht wirklich klar, was auf sie später mal zukommt, wenn sie ihr Studium beginnen. 

Das Buch ist in 5 Kapitel untergliedert, denen ein umfangreicher Anhang, ein Stichwortverzeichnis und das Dankeschön folgen. Dabei hat das 1. Kapitel den Lehrer im Fokus und in diesem Zusammenhang zuallererst den Lehrerberuf. Hier erklärt der Autor detailliert, weshalb eine gute Eignung für diesen Beruf so wichtig ist und hinterfragt, weshalb man überhaupt Lehrer werden möchte. Um eine Vorstellung von dem zu bekommen, welche Anforderungen der Lehrerberuf an Pädagogen stellt, listet Peter Denker stichpunktartig diverse Belastungen auf. 

Der Autor weiß aus Erfahrung, dass Lernen in der Schule ein Prozess ist, bei dem die Lehrerpersönlichkeit zumindest ähnlich bedeutsam ist wie ihre didaktisch-methodischen Fähigkeiten. Hier lässt Denker den Leser nicht im Ungewissen, was man unter einer Persönlichkeit zu verstehen hat und welche Eigenschaften mit einer überzeugenden Lehrerpersönlichkeit verbunden sind. 

Will der Leser wirklich etwas von dem Buch haben, sollte er vor allem ehrlich zu sich selbst sein und sich ausloten in all den Belangen, die der Autor zur Sprache bringt, speziell auch bei den zahlreichen Tests. 

Immer wieder stößt man beim Lesen auf Warnungen und Übungen, die dazu dienen, wirklich wohlüberlegt den Lehrerberuf zu erwählen und als ausgebildeter Lehrer, der bereits seinem Beruf nachgeht, zu erkennen, was zu tun ist, um aufkommende Unzufriedenheit zu minimieren und dadurch nicht in den Teufelskreis des Burn-Out zu geraten. 

Sehr gut gefallen haben mir die Überlegungen, Übungen und Warnungen zum Thema "Können Sie gut mit anderen umgehen?" Wichtig ist hier, zu begreifen, dass schulisches Lernen personengebunden ist und deshalb der Lehrer sympathisch wirken sollte, um Schüler begeistern zu können und Lernfreude zu wecken. Sympathisch wirkt allerdings nur der, der bestimmte positive Eigenschaften lebt. Um welche es sich handelt, kann man dem Buch entnehmen. 

Im Rahmen eines überzeugenden Selbsttests lernt man mehr über sich kennen und kann sich in der Folge mit dem interessanten Phänomen "Perspektivwechsel" und "Selbstbeherrschung" auseinandersetzen. Im ersten Kapitel geht es zudem um Balance und Augenmaß, die zu besitzen für einen Lehrer von unschätzbarem Wert sind, um als fair agierende Autorität akzeptiert zu werden. Dabei ist es wichtig, dass Schüler lernen, dass Interessenausgleich sinnstiftender ist als unbedingt Recht zu bekommen. 

Peter Denker befasst sich in seinem umfangreichen Werk auch mit der "emotionalen Intelligenz", die ein guter Lehrer ebenso besitzen sollte wie Geduld, Gelassenheit und Resilienz. Man staunt, wie viel philosophisches, psychologisches und pädagogisches Wissen in geballter Form in diesem Werk verarbeitet worden ist und wünscht sich, dass alle Lehramtsstudenten mittels dieses Buches gecoacht werden, bevor sie erstmals mit Schülern in Kontakt kommen. 

Sehr gut gefallen hat mir übrigens der Abschnitt über Kommunikation. Was man unter ihr versteht und wie sie sinnstiftend im Unterricht stattfinden sollte, kommt zur Sprache und es wird verdeutlicht wie "Win-Win –Strategien"  funktionieren. Zwei Regeln, die dazu beitragen, sind fett gedruckt. 

 Ich erlaube mir, sie an dieser Stelle zu zitieren: 

"Behandle niemanden von oben herab" 

"Stemple niemand zum Verlierer!"

Es führt zu weit, sich in die vielen Aspekte dieses oder die anderen Abschnitte des Buches im Rahmen der Rezension zu vertiefen. Ich teile- so viel sei gesagt- die Meinung des Autors zu den Fragen in punkto Kommunikation ohne Wenn und Aber und damit auch seine Ansicht, was die Verständlichkeit der gesprochenen Sprache eines Lehrers anbelangt. 

Dass Lehrer Orientierung geben sollten, steht außer Frage. 

Im zweiten Kapitel geht es um die Motive, Erwartungen, Eigenschaften, Einstellungen und Verhaltensweisen von Schülern, denen man als Lehrer begegnet. Dazu gibt es wieder einen Selbsttest mit entsprechender Auswertung. Interessant ist, wie der Autor auch immer wieder die Schülerperspektive einnimmt, um die Wirkung von Verhaltensmuster der Lehrer zu begreifen, so etwa beim Umgang mit Fehlern. Über Schülernamen und Sitzordnung, auch über die Anrede der Schüler liest man Wissenswertes und die gegenseitige Höflichkeit kommt zur Sprache. All das ist sehr wichtig, wenn Unterricht erfolgreich sein soll, denn gegenseitige Achtung ist die Voraussetzung, dass Menschen einander  aufmerksam zuhören. 

Lernbedingungen sind auch ein Thema und hier nicht zuletzt Lob und Tadel. Dass individuelles Lob vor der Klasse zu Mobbingattacken führen kann, sollte Lehrer nachdenklich stimmen und sollten bei solch  individuellem Lob besser vertraulich vorgehen. 

Über Schülerverhalten klärt der erfahrende Autor auch bestens auf und verdeutlicht, weshalb Bewusstseinsbildung Strafen vorzuziehen ist. Lehrerverhalten und hier beispielsweise  der Umgang mit Kritik ist auch ein spannendes Thema, das von einem noch spannenderen getoppt wird: den Elternerwartungen. 

Gefallen hat mir hier speziell, die Auflistung dessen, was gute Eltern mit ihren Kindern unternehmen und auch wie Gespräche  von Seiten der Lehrer mit Eltern ausschauen sollten. Wie mit Beschwerden umgehen? Hier mehr zu erfahren, ist gewiss hilfreich, nicht nur für junge Lehrer. 

Kapitel 4 und 5 befassen sich mit dem Umgang mit Kollegen und den Chefs. Diese Kapitel sind für Studienanfänger noch nicht von aktuellem Interesse, werden aber später eine Rolle spielen. Kooperationsbereitschaft kann nicht früh genug eingeübt werden und Kenntnisse im Umgang mit dem Kollegium sollte man sich auch schon frühzeitig aneignen. Wie die Zusammenarbeit mit dem Schulleiter, dem Schulträger der Schulaufsichtsbehörde relativ reibungslos verlaufen kann, ist letztlich auch eine Frage des Wissens wie, über das man in dem Buch auch unterrichtet wird. Der Sekretärin, dem Hausmeister und dem Reinigungspersonal in der Schule Respekt und Dankbarkeit entgegenzubringen, ist auch ein Thema in Kapitel 5. "Behandle niemanden von oben herab".  Dies ist der Merksatz, der, sobald er im täglichen Tun gelebt wird, ein gutes Team zum Ergebnis  hat, das sich gegenseitig hilfreich zur Seite steht und voneinander lernt.

Das Werk enthält 17 Abbildungen, die wichtige Zusammenhänge verdeutlichen, zudem zahlreiche URL-Angaben und 36 QR-Codes, die auf Quellen im Internet verweisen. 23 hervorgehobene "Warnungen" vor Eigenschaften oder Haltungen für angehende Lehrer zeigen, was der Berufsausübung entgegensteht. Zum Umgang mit sich und anderen werden zu 31 Szenarien des Schulalltags jeweils drei mögliche Verhaltensweisen als "Selbsttest" zur Auswahl gestellt. Diese werden anschließend analysiert und bewertet. Fernerhin werden im Rahmen von 26 "Übungen" Aufträge formuliert. Sie sollen helfen, sich individuell oder in Gruppen in die jeweils zuvor dargestellten Methoden und Verhaltensweisen einzuüben, sie zu variieren oder zu vertiefen. 

Mich hat dieses Buch von der ersten bis zu letzten Seite inhaltlich und damit auch didaktisch überzeugt. Wenn es über die sozialen Netzwerke die Zielgruppen und dort  viele hilfesuchende, angehende Pädagogen und  bereits berufstätige Lehrer (m/w) erreicht, ist nicht nur diesen geholfen, sondern auch den Schülern und Eltern, weil es zu einem besseren Miteinander beiträgt. Es ist genau dieses Miteinander, das zu dem gewünschten Lernerfolg führt.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Überall im Fachhandel erhältlich

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Schulen brauchen gute Lehrer: Verhaltens-Ratgeber zum Umgang mit sich selbst, Schülern, Eltern, Kollegen, Chefs

Gastkolumne:http://gastkolumne.blogspot.de/2018/05/gastkolumne-peter-j-reichard-gewalt.html

Rezension: Voltaire. Stürmischer als das Meer-Diogenes

Der französische Philosoph Voltaire war der Sohn eines wohlhabenden Notars, der nach einer humanistischen Ausbildung Jura studierte, Spottverse gegen die Obrigkeit schrieb und 1717 deshalb elf Monate in Haft saß. Voltaire beherrschte alle Literaturgattungen seiner Zeit. Stets ging es ihm darum aufzuklären, so auch in seinen Briefen aus England. Die vorliegenden Briefe, die vor fast 300 Jahren von Voltaire verfasst wurden, gehören zu den Texten, die die Französische Revolution auslösten. Voltaire schrieb sie nach seiner Flucht nach England. Von dort aus betrachtete er Frankreich von außen. Insgesamt erwarten den Leser 25 Briefe. Diesen schließt sich das Nachwort des Verlagsbuchhändlers und Journalisten Rudolf von Bittner an. Im daran angefügten Personenverzeichnis werden alle in den Briefen genannten Personen kurz vorgestellt, so dass auch historisch weniger kundige Leser das Textpersonal gut verorten können. 

Wie man erfährt, wurde das Buch nach seiner Veröffentlichung zur Verbrennung auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Zudem wurden die weitere Verbreitung und der Besitz dieser Publikation auch unter körperliche Bestrafung gestellt. Die Briefe sind laut von Bittner einer der Zündfunken an der einst langen Lunte, die die große Explosion, sprich die Französische Revolution auslöste, der wir die Ideen von Menschenrechten, Toleranz, Gleichheit und Freiheit verdanken und in deren Folge Demokratie und Rechtsstaatlichkeit wie auch alle zivilisatorischen Werte entstanden sind, die uns heute für ein vernünftiges Leben unabdingbar erscheinen. 

Wissen sollte man, dass Voltaire Passagen seiner Briefe aus England in spätere Werke übernommen hat, so etwa die letzten Zeilen des ersten Briefs über die Quäker. Wie man erfährt, sind die Briefe eine Momentaufnahme des intellektuellen Status Quo Voltaires. Er schreibt hier von Persönlichkeiten wie John Locke, Decartes, Newton und über die Gedanken von Blaise Pascal, auch von der Tragödie und der Komödie, vom Handel und vom Regieren und lässt selbst die Pockenimpfung nicht aus, um dem damaligen französischen Regime solche Nadelstiche zu versetzen, die zur Genesung des Landes  beitragen sollten. Seine Briefe dokumentieren wie weit die Wissenschaften und die zivilisatorische Entwicklung Westeuropas im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts gediehen waren, denn Voltaire geht  es darin um Glauben, Literatur und Philosophie. Wie man erfährt, hat sich der Philosoph  sein ganzes Leben  mit dem Philosophen Blaise Pascal befasst und wenige Jahre nach den Briefen  aus England 16 weitere Anmerkungen zu Pascal publiziert und später nochmals 94 Anmerkungen zu dessen Gedanken verfasst.  Das geschah nicht grundlos. Geistige Anziehung hat bei diesen beiden Geistesgrößen viele Gründe. Eine spannende Aufgabe diese herauszufinden!

Sich in Voltaires Gedankenwelt zu vertiefen, ist immer bereichernd, Briefe von ihm zu lesen, verdeutlicht dem Lesenden, was einen französischen Intellektuellen ausmacht. Vielfalt und extrem differenzierte Überlegungen ohne Wenn und Aber, die immer punktgenau auf ein Problem zielen, um  zu dessen Lösung beizutragen. Dafür liebt man sie und im Speziellen  den scharfzüngigen Voltaire.


Sehr empfehlenswert.

Helga König 

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Stürmischer als das Meer: Briefe aus England

Rezension: In Schopenhauers Gegenwart- Michel Houellebecq- Dumont

Der zeitgenössische französische Autor Michel Houellebecq befasst sich in seinem neuesten Werk mit dem deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer (1788-1860). Dabei wurde der vorliegende Text von Stefan Kleiner ins Deutsche übertragen. 

Houellebecq lässt die Leser zunächst wissen, dass er als junger Mensch Schopenhauers "Aphorismen zur Lebensweisheit" gelesen habe, zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits mit anderen großen Geistern wie etwa Dostojewski, Thomas Mann, Blaise Pascal, Verlaine und Baudelaire auf Tuchfühlung gegangen war, selbst Gedichte schrieb und durch Schopenhauers Aphorismen glaubte, in Bezug auf seine literarischen Entdeckungen eine Kreisbewegung vollzogen zu haben. 

In der Folge las der Franzose Schopenhauers Werk "Die Welt als Wille und Vorstellung". Dieser Text beeinflusste das Denken Houellebecqs nachhaltig. In der vorliegenden Publikation unternimmt Houellebecq den Versuch, mittels seiner Lieblingsstellen aus "Die Welt als Wille und Vorstellung" zu zeigen, dass Schopenhauers Geisteshaltung nach seinem Dafürhalten nach wie vor dazu geeignet ist, allen nachfolgenden Philosophen als Vorbild zu dienen und weshalb man ihm gegenüber dankbar sein sollte. 

Sein Buch untergliedert er in sechs Kapitel und tritt in allen Kapiteln in den Dialog mit Schopenhauer und anderen Denkern, indem er einzelne Textstellen betrachtet und hier zunächst Textstellen aus Schopenhauers "Die Welt als Wille und Vorstellung“. Wie Houellebeqc hervorhebt, wendet sich Schopenhauer mit dem Satz "Die Welt ist meine Vorstellung" vom eigentlichen Geist der Philosophie ab, weil er dadurch bekundet, dass seine Philosophie nicht im Tod wurzelt. 

Houellebecq stellt im Geiste Schopenhauers eine Reihe interessanter Fragen, die das Hier und Jetzt betreffen, so etwa auch im Hinblick auf Künstler und ihre innere Verfasstheit. Auf Schopenhauer Bezug nehmend, deutet er das Wesen eines Künstlers als eigentlich passiv und dessen Betrachtung der Welt als gleichsam gefühllos. Der Künstler sei stets einer, der ebenso gut gar nichts tun könnte und allein mit der Versenkung in die Welt und einer damit verbundenen vagen Träumerei zufrieden wäre. Was den wahren Künstler von anderen Menschen unterscheide, sei dessen Begabung einer reinen, unverdorbenen Beobachtung. Sowohl der Künstler als auch dessen Kritiker sollten das Kunstwerk, das eine Art Naturprodukt sei, "mit derselben kontemplativen, unschuldigen Aufmerksamkeit betrachten, die der Künstler den Schöpfungen der Natur zuteil werden lässt". 

Schopenhauer begründet in seinem Text, weshalb das Reizende in der Kunst zu vermeiden sei. Er möchte offenbar weder durch Reflexion noch durch Begierde in der Betrachtung der Dinge der Welt in ihrer Gesamtheit gestört werden. Es geht ihm offenbar um das Staunen, das für Begierde und Reflexion keinen Platz lässt. Damit etwas schön bzw. ästhetisch bleiben kann, dürfen wir es nicht in einen emotionalen oder intellektuellen  Bezug zu uns setzen, so sein Gedanke. 

Es führt zu weit, die einzelnen Schopenhauer-Textstellen und die jeweiligen Betrachtungen Houellebeqcs hier alle zu beleuchten, zumal auf verschiedene andere Geistesgrößen Bezug genommen und darin erinnert wird, dass man Schopenhauer eher irrtümlich in die Nähe Balthasar Graciáns oder die französischen Moralisten gerückt habe, sein Buch "Die Welt als Wille und Vorstellung" stattdessen in seinen besten Passagen an einen Kommentar zum Buch Kohelet erinnerten. 

Nicht wenige Metaphern Schopenhauers seien der Welt des Theaters entliehen, insofern nennt Houellebecq eines der Kapitel "Welttheater". Im weiteren Fortgang seiner Überlegungen - Houellebecq zieht hier auch Schopenhauers "Aphorismen zur Lebensweise" zu Rate -  macht er deutlich, dass es der eher als sauertöpfisch verschriene Philosoph Schopenhauer war, der erkennt, wer der im Grunde glücklichste Mensch sei. 

Für humorlose deutsche Intellektuelle ist Schopenhauers Verortung des glücklichsten Menschen natürlich niederschmetternd. Houellebeqc hingegen nimmt es gelassen. Wieso? Michel Houllebeqc ist bekanntermaßen ein französischer Intellektueller mit viel Esprit und Hintersinn, der seinem Glück amüsiert entgegen lebt. Alles eine Frage der Zeit… Das wusste Salomo bereits.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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