Rezensionen Helga König

Bildausschnitt: Karl Hohlfeld: Baut Brücken; Foto: Helga König

Rezension:Mythos Erotik: Eine Lebenskraft tritt aus dem Schatten (Gebundene Ausgabe)

Dr. Dahlke fragt: "Aber wie wichtig ist den Menschen heute die Liebe? Wer singt noch ihr Hohelied?" (S.22)

Bücher des Psychotherapeuten Dr. Rüdiger Dahlke lese ich mit besonderer Vorliebe, weil sie intellektuell, aber auch spirituell sehr inspirierend sind. Seit einigen Tagen nun wird "Mythos Erotik" vermarktet, ein inhaltsreiches Buch, das mit einer Passage aus Salomons "Hohelied der Liebe" beginnt und in elf Kapitel unterteilt ist.

 Gleich im ersten Kapitel unterstreicht der Autor, dass Eros nicht nur ein Kind der Natur, sondern vor allem eines der Kultur darstellt und Dahlke fragt nicht grundlos, ob es nicht gar erotische Spiele gewesen sind, die die erste urmenschliche Äußerung des natürlichen Spieltriebs verkörpern, der so vielen Kreaturen innewohnt. Der Autor weist darauf hin, dass der Eros als kulturell gebundenes Lebensprinzip Information voraussetzt, denn eine verfeinerte Genussfähigkeit ist bekanntermaßen nicht jedem angeboren. Man muss sich also nicht wundern, dass erotische Literatur schon in der Frühzeit des Druckwesens eine der wichtigen Einnahmequellen in diesem Metier ausmachte.

Im Rahmen der Rezension ist es unmöglich alle Facetten des Themas, die Dahlke im Buch anspricht, zu streifen. Interessant sind die historischen und mythischen Exkurse im Hinblick auf Erotik, auch die Erwähnung der beiden großen Liebesdramen und die Erkenntnis, dass unsere Welt eine seelische ist, die nicht von nackten Zahlen und Fakten lebt, sondern von Gefühlen und Emotionen, (vgl.: S.23)

Nicht unerwähnt bleibt, dass lebendige Erotik auch die archetypisch –männliche Kraft des Mars benötigt und dies nach heutigem Zeitgeist eine eher unpopuläre Nachricht ist. Dem will ich nicht widersprechen. Was Erotik eigentlich ist, wird sehr gut im Buch ausgelotet. Sie lebt von Sex und Liebe gleichermaßen. Ich stimme Dahlke zu, dass man sie mit Begriffen wie etwa Verführung, Zärtlichkeit, Intensität, Intimität, Anmache, Lust und Sinnlichkeit assoziiert. In der Erotik begegnen sich Körper und Seele, um sinnliche Liebesfeste zu feiern, (vgl.: S.42).

Gefallen hat mir, dass Dahlke das "Symposion" und hier das Gleichnis vom Kugelmenschen erwähnt und nicht vergisst zu erwähnen, dass das Herz, bei der Erotik eine große Rolle spielt.

Von den Formen der Liebe liest man und auch davon, was geschieht, wenn die erotische Liebe in Beziehungen und im Leben fehlen, genauer, welche Gefahren dann drohen. Wissen sollte man, dass es das Gefühl der Leichtigkeit des Seins ist, das durch die Liebe heraufbeschworen wird und es genau das Gefühl ist, das der Wahrnehmung der freien Seele entspricht.

 Dahlke verabsäumt nicht anzumerken, dass es das Ego ist, das sich als entscheidendes Problem für den Menschen zeigt, weil es glaubt ohne Grenzen alles zu verlieren und unterzugehen. Ein zentraler Satz im Buch lautet: "Sichverlieben ist ein- zeitlich beschränktes- Hinauswachsen über die eigenen Grenzen, während die Liebe das Auflösen dieser Grenzen bedeutet," (Zitat: S.73).-- Dahlke hat Recht, wenn er sagt, dass je mehr wir in Resonanz gehen, d.h. mit anderen Menschen und Wesen mitschwingen, umso leichter und beschwingter unser Leben wird, (S.75).

 Das Kapitel "Die Macht der Schicksalsgesetze" beginnt der Autor mit Erich Frieds berühmtestem Liebesgedicht, um sich dann über das Resonanzphänomen "Liebe" ausgiebig zu äußern. Dieses Phänomen sollte man nicht unterschätzen.

 Über Liebestechnik und Liebeskunst, auch über die Chemie der Liebe, den Hormonrausch und das Geheimnis erotisierender Düfte liest man Wissenswertes und beginnt zu erahnen, dass man vielmals gelebt und geliebt haben muss, um die Liebe als das zu begreifen, was sie ist: Das Licht, der göttliche Funken, ohne den alles dunkel und tot ist.

 Eine wichtige Passage des Buches möchte ich noch zitieren, weil sie eine zentrale Botschaft enthält:

"Alles beginnt mit der Öffnung unseres Herzens für Eros und seine Pfeile. Wer sich von ihm (be)-treffen lässt, hat den Anfang gemacht, in dem alles gelingt und das Leben kann gelingen. Wenn Liebesfeste zu Ritualen werden, eröffnet sich eine neue Wirklichkeit; wenn das Leben zu einem Liebesfest wird, findet es seine  
Erfüllung." (S. 313) 

Empfehlenswert.

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Rezension: Psychopathen: Was man von Heiligen, Anwälten und Serienmördern lernen kann (Taschenbuch)

Dieses Buch von Prof. Dr. Kevin Dutton ist ein typisch amerikanisches Sachbuch, in dem Fakten und Lehrreiches in eine Fülle von Beispielen eingebunden sind. Mir geht das stets auf die Nerven, weil ich all diese Geschichten für überflüssig halte. Doch dieser Einwand hat nichts mit der Qualität des Buches zu tun. Diese ist bestens. Der Autor besitzt eine hohe Eloquenz. Daran gibt es nichts zu deuteln.

Vor einigen Jahren habe ich "Die Masken der Niedertracht" rezensiert. In besagtem Buch wird recht gut und sehr erhellend aufgezeigt, wie Psychopathen sich verhalten. Auch in dem vorliegenden Werk erfährt man Wissenswertes über diese Menschen, die nicht zuletzt durch Narzissmus, Impulsivität, Gewissenlosigkeit, Manipulationsfähigkeit, pathologisches Lügen und Kaltherzigkeit auffallen.

 Anhand von vielen Schautafeln hat man Gelegenheit, sich ein Bild zu verschaffen, wie Psychopathen ticken. Es werden u.a. Kriterien aufgezeigt, die sofern sie schon vor der Vollendung des 15. Lebensjahres auftreten, Anzeichen für einen Störung des Sozialverhaltens darstellen. Eltern und Lehrer sollten also genau hinschauen.

Psychopathen sind extrem risikofreudig, weil sie keine Angst kennen und hier sind die gesunden Menschen deutlich im Vorteil, aber auch in manch anderen Punkten. Das aber bedeutet nicht, dass man nun anstreben sollte, ihnen nachzueifern, aber analysieren sollte man deren Verhalten schon, um sie frühzeitig zu erkennen und gewappnet zu sein, speziell vor ihren Manipulationen und ihrer Skrupellosigkeit.

Der Forschungspsychologe macht deutlich, dass diejenigen, die erfolgreich sein möchten, sieben Eigenschaften benötigen, als da sind: Skrupellosigkeit, Charme, Fokussierung, mentale Härte, Furchtlosigkeit, Achtsamkeit und Handeln. Es ist bei diesen Eigenschaften immer nur ein kleiner Schritt, der uns zu Psychopathen werden lässt oder noch schlimmer zu Soziopathen.

Gefallen hat mir die Beschreibung von diversen Persönlichkeitsstörungen in wenigen Worten. Bedauerlich, dass das Morgengebet: "Verschone mich heute vor Psychopathen" zumeist nicht erhört wird. 

 Lesenswert.

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Rezension: Die Narzissmusfalle - Reinhard Haller

Dr. Reinhard Haller ist Chefarzt einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Klinik mit Schwerpunkt Abhängigkeitkrankheiten. In dem hier vorliegenden, äußerst aufschlussreichen Buch beschreibt dieser Autor, wie man Narzissten erkennt, was deren Handlungsmotive sind und wie man sich vor ihnen schützen kann. Narzisstisches Verhalten ist vielschichtig und reicht vom Gefühl eigener Grandiosität bis zum brüchigen Selbstwert, von der Fantasie grenzenloser Macht bis zur kaltherzigen Entwertung der Mitmenschen, von unersättlicher Anspruchshaltung bis hin zu masochistischer Demut, (vgl.: S.21).

Begegnet man Narzissten, spürt man die fehlende Wärme, die mangelnde emotionale Resonanz und die zwischenmenschliche Kühle, die uns von seiner Seite entgegenschlägt, (vgl.: S.25). Es folgen Reaktionsmuster, wie etwa Vorsicht, teilweise Bewunderung, Abschottung oder Unterwerfung. Genau das sind die Erwartungshaltungen des Narzissten, die übrigens unverzeihlich und extrem empfindlich sind und ihren Kritikern mit unerbittlichem Hass begegnen, (vgl.S.27).

Der Autor erzählt den klassischen Narziss-Mythos, weil dieser eine Vielzahl von psychologischen Fakten und tiefenpsychologischen Hypothesen enthält, über die Dr. Haller im Anschluss an die kurze Erzählung berichtet. Was nun ist Narzissmus überhaupt? Er setzt sich aus vier Komponenten zusammen

 -Egozentrizität
 -Empfindlichkeit 
-Empathiemangel 
-Entwertung

 Über die obigen Komponenten wird man ausführlich aufgeklärt. Hier auch erfährt man, dass die schlimmste Art des Narzissmus jene ist, wenn der Narzisst seinen Selbstwert vor allem aus der Entwertung, Erniedrigung und Entwürdigung anderer Menschen bezieht, (vgl.: S. 41). Narzissten ist echtes Hineinfühlen in den anderen nicht möglich. Mitleid ist in seinen Augen ein Gnadenakt bzw. eine noble Geste, die zu seiner großartigen Persönlichkeit zählt. Tatsächliches Mitleid kennen Narzissten nicht, denn dies ist nur ausgereiften Persönlichkeiten vorbehalten.

 Wir erleben hier im Internet immer wieder abartige Formen von Entwertung (Dr. Haller schreibt in seinem Buch auch darüber). Dieses entwertende Element gibt dem Narzissmus den bösen Charakter. Die fürchterlichen Destruktionen dienen der Rettung des eigenen Selbstwertes und treffen dabei die Mitmenschen. "Entwertung äußert sich in Schuldzuweisung, Mobbing und Zynismus. Am dramatischsten zeigt sie sich bei Sadisten, Serienkillern und bösartigen Diktatoren." (Zitat: S.52).

 Dr. Haller schreibt auch von Hochmut, Eitelkeit, Hysterie und Gier, die mit dem Narzissmus verwandt sind. Dabei muss man aber wissen, dass Hysteriker weniger kränkend sind als Narzissten und auch weniger entwertend, (vgl.: S.59). Die gemeinsame Basisstörung aller Narzissmusformen, ist ein schwer gestörter Selbstwert.

 Der Autor schreibt über die Ursachen und die Entstehung des Narzissmus und lässt auch nicht unerwähnt, dass Macht narzisstisch macht. Dr. Haller definiert ganz konkret die narzisstische Persönlichkeit, der es ein Leben lang an Einfühlungsvermögen mangelt. Er listet alle Eigenschaften einer solchen Persönlichkeit auf und vergisst nicht zu erwähnen, dass es mehr narzisstische Männer als Frauen gibt. Das Verhältnis ist 2:1. Der männliche Narzissmus sei mehr durch Entwertung, Gewaltbereitschaft und Mobbing geprägt, während weibliche eher durch Stolz Eigenliebe und Hysterie gekennzeichnet sei, (vgl.: S.95).

 Wissen muss man, dass ein Narzisst nie vergisst und man kaum eine Chance auf Wiedergutmachung erhält, wenn man ihn beleidigt hat. Es helfen weder Rechtfertigung, Entschuldigungen noch Demutsgesten oder Unterwerfungsrituale.

 Das personifizierte Böse ist der maligne Narzissmus. Ständiger Neid und Entwertung und Entwürdigung anderer zeigt die gesamte asoziale Haltung eines solchen Menschen. Der maligne Narzissmus wird gespeist durch ein hohes Aggressionspotential. Bei Stress und in gespannter Atmosphäre bricht sofort die Aggressivität eines solchen Narzissten durch und zeigt sich in primitiver Machtausübung, (vgl. S. 104). Das Persönlichkeitsprofil der meisten Diktatoren weist bösartig-narzisstische Charakterzüge auf. Solche Personen sind unbarmherzig, ausbeuterisch, sadistisch und destruktiv, (vgl.: S.106).

 Diese Personen geraten leicht in narzisstische Wut, die auf Rachebedürfnisse zurückzuführen ist. Man muss sich klar machen, dass der narzisstische Wüterich im Prinzip ein verletztes, hilfloses, schreiendes Kind ist, (vgl.: S. 106).

 Dr. Haller thematisiert die Möglichkeiten zum destruktiven, narzisstischen Handeln im Internet. Unter Nicknamen entwertet der Narzisst hier rücksichtslos, denn er glaubt hier im vermeintlich rechtsfreien Raum unbehelligt grausam sein zu können.

 Der Autor thematisiert auch die Folterwerkzeuge des Narzissten. Es handelt sich um Mobbing, Stalking, Querulieren und Anonymschreiben. Ach ja, der Narzisst ist Meister des manipulativen Schweigens. Wenn er verletzt ist, demonstriert er so sein Gekränktsein und drückt durch Schweigen Verachtung aus.

Mobbing liegen destruktiv-narzisstische Kräfte zu Grunde. Stalking, das hartnäckige Verfolgen anderer Personen ist strafbar. Nachdenklich stimmt mich, dass auch Dr. Haller schreibt, dass Stalking eine spezielle narzisstische Kränkungsreaktion zurückgewiesener Menschen ist. Ich werde seit sechs Jahren von einem Stalker verfolgt und weiß letztlich nicht, wen ich damals gekränkt haben könnte, vermute aber seit langem, dass diese Person von einer anderen Person zurückgewiesen wurde und mich dafür verantwortlich macht. Aufklärung scheint nicht möglich zu sein. Dr. Haller schreibt von Unversöhnlichkeit.

 Im Buch lernt man Regeln im Umgang mit Narzissten kennen. Gelernt habe ich darauf zu achten, frühzeitig Grenzen zu ziehen und einen großen Bogen machen. Es geht um Lebensqualität.

 Ein sehr gutes Buch, das eine Fülle von Informationen über Narzissten enthält. Hüte man sich vor dem Charme eines Psychopathen. Narzissten sind Energievampire. Das muss man sich klar machen.

 Empfehlenswert.  

Rezension: Die 12 Grundkräfte des Lebens: Heilsame Impulse für jeden Monat - Feste - Meditationen - Rituale (Broschiert)

"Im Vertrauen auf das Wirken guter Mächte finde ich innerlich Ruhe und Frieden." (Affirmation, S. 133) Der Diplom-Psychologe Hans Gerhard Behringer hat ein Buch geschrieben, das den Leser durch das ganze Jahr begleitet. Mittels des Jahreskreises werden Themen und Aspekte eines gelingenden Lebens zur Sprache gebracht. Dabei greift der Autor in jedem Monat einen Festtag heraus. Dieses Fest wird dann mit einem Schwerpunkt betrachtet, der zu einem glücklichen zufriedenen Leben beitragen kann.

In jedem Monat werden Impulse, Rituale und Affirmationen angeboten, die einen Erkenntnis- und Aneignungsprozess unterstützen sollen. Zur Sprache gebracht werden insgesamt zwölf Grundkräfte, zu ihnen zählt die Geborgenheit sowie die Zuversicht, auch die Lebenslust, Lebensfreude, der Genuss und es gibt darüber hinaus zudem noch eine alles umfassende Grundkraft, die darin besteht, das Leben zu lieben, so wie es nun einmal ist

Gute Überlegungen und ebenso gute Fragen bewirken Impulse und eine Fülle von Affirmationen lassen sich meditativ anwenden, Rituale sorgen für mehr Gelassenheit.

 Fast zu Ende des Buchs habe ich einen Text von Antoine de Saint –Exupéry entdeckt, den ich hier wiedergeben möchte, weil er m. E. der Schlüssel zum Werk Gerhard Behringers darstellt

Die Kunst der kleinen Schritte
Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, sondern um die Kraft für
den Alltag,  lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.
Bewahre mich vor dem negativen Glauben, es müsse im Leben alles
glatt gehen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, das Schwierigkei-
ten, Niederlagen, Misserfolge und Rückschläge eine selbstverständliche
Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.
Ich weiß, dass sich viele Probleme dadurch lösen lassen, dass man nichts
tut. Gib, dass ich warten kann.
Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen.
Gib mir nicht, was ich mir wünsche, sondern was ich brauche.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte. (S.177)
Das Buch ist eine Bereicherung für all jene, die auf der Suche nach Erkenntnis sind.
Empfehlenswert.

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Rezension: Krank ohne Befund- Prim. Dr. med Manfred Stelzig

Dr. med Manfred Stelzig leitet den Sonderauftrag für Psychosomatische Medizin der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Salzburg. In der Einleitung seines Buches begründet er, weshalb er es überhaupt verfasst hat. Seine Absicht besteht darin, sogenannte Patientenkarrieren zukünftig zu verkürzen. Nicht selten nämlich werden Menschen, die an körperlichen Krankheiten leiden,  falsch behandelt, weil man keine organischen Ursachen ausloten kann. Dr. Stelzig fordert nicht grundlos, dass die Medizin der Seele mehr Platz einräumen sollte, um sie in die Heilung von Patienten einfließen zu lassen.

Der Leser erfährt, wie Krankheiten entstehen und listet unabhängig von den bestehenden genetischen Faktoren nachstehende Aspekte zunächst auf, um sie anschließend näher zu erläutern:

-die neurobiologischen psychiatrischen Ursachen
-körperliche Funktionsstörungen aufgrund traumatischer Erlebnisse in der Vergangenheit
-der Bereich der Psychosomatik

Man erhält einen Eindruck, welche körperlichen Symptome bei akuten Stresssituationen auftreten und erfährt, was man unter Distress zu verstehen hat. Es handelt sich hierbei um ein Missverhältnis zwischen den gestellten Anforderungen und der vorhandenen Kraft, Energie und Problemlösungsbereitschaft, (vgl.: S. 90). Was sich bei Distress im Körper konkret ereignet, wird seitens des Mediziners sehr gut erklärt und es wird beispielsweise verdeutlicht, dass sich Versagungsängste mit körperlicher Schwäche und Antriebslosigkeit verbinden. Bei fortdauerndem Distress entsteht ein hormoneller Mangelzustand auf allen Ebenen, d. h. bei den Neurotransmittern und beim Cortisol. Da dieses Hormon u.a. auch eine Hemmung von Entzündungsbotenstoffen bewirkt, kann ein durch Distress bedingter Mangel unspezifische Entzündungen und Schmerzzustände auslösen, (vgl.: S.91).

Man erfährt Wissenswertes über körperliche Funktionsstörungen aufgrund traumatischer Erlebnisse in der Vergangenheit. Dabei werden die wesentlichen drei Symptomkomplexe näher erörtert, bevor man Näheres aus dem Bereich der Psychodynamik nachlesen kann. Hier gibt es eine Fülle von Faktoren, die zu Kranksein ohne Befund führen können, so etwa der Mangel an leistungsunabhängiger Liebe, die Opferrolle, der Mangel an Problemlösungsbereitschaft, der Mangel an Abgrenzung, um nur einige zu nennen. 

Eine  Form der positiven Abgrenzung beispielsweise besteht im Schutz gegenüber giftigen, aggressiven und destruktiven Menschen. Wenn man sich nicht bewusst von diesen Menschen distanziert, kann man u.a. Kopf- oder Herzschmerzen bekommen. Das sind unbewusste Strategien, um sich entziehen zu können.

Im dritten Kapitel werden verschiedene Krankheitsbilder thematisiert, deren Ursachen psychisch bedingt sein können, darunter auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die auf belastende Lebensereignisse zurückzuführen sind, auch Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, chronische Schmerzstörungen und schmerzverursachendes Zähneknirschen während der Nacht, aufgrund unverarbeiteter Traumata, Konflikte, Streit, Kränkungen, Sorgen, Demütigungen u.s.w., (vgl.: S.177).

Im vierten Kapitel zeigt der Autor therapeutische Möglichkeiten auf und nennt nicht zuletzt die sechs Grundregeln für eine positive Konfliktlösung der Autorin Hedwig Kellner. Sehr gute Übungen zum Aufbau eines Seelenhauses warten auf den Leser, dem am Ende des Buches spätestens klar wird, wie wichtig es ist, der Seele Raum und Achtung zu schenken, denn nur dann haben wir eine Chance wirklich körperlich gesund zu bleiben oder es zu werden.

 Empfehlenswert. 

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Rezension:RQ RISIKOINTELLIGENZ: Wie wir richtige Entscheidungen treffen (Gebundene Ausgabe)

Dylan Evans bietet weltweit Risikointelligenz-Trainingsprogramme an, weil die meisten Menschen ihrem eigenen Urteilsvermögen misstrauen, wenn es sich um unwägbare Ausgangslagen handelt. Nicht selten begehen wir dann nämlich Denkfehler und treffen die falschen Entscheidungen.

Der Autor erläutert zunächst, wieso überhaupt Risikointelligenz wichtig ist und definiert diese ganz grundlegend als Fähigkeit Wahrscheinlichkeiten genau einschätzen zu können, (vgl.: S.35). Aufgrund von Wahrscheinlichkeiten lässt sich das eigene Maß an Überzeugtheit relativ exakt zahlenmäßig ausdrücken. Dabei ist genau diese Fähigkeit ein Ausdruck der Risikointelligenz.

Für die meisten Menschen ist der Begriff Risiko untrennbar mit "Gefahr" verbunden, doch Risiko und Chance ist das Begriffspaar, das eigentlich zusammen gehört. Risikointelligenz beurteilt keineswegs nur Gefahren, sondern dreht sich darum, das richtige Maß an Gewissheit zu besitzen, (vgl.: S.36).

Evans zeigt, wie man seine Risikointelligenz messen und optimieren kann und erläutert dies sehr ausführlich. Er nennt Gründe dafür, dass Wahrscheinlichkeitsschätzungen oft zu Extremen von null und hundert verzerrt sind. Einer der Gründe ist die Denkfalle "Alles oder Nichts". Diesbezüglich klärt es ebenso auf, wie über mentale Störmanöver und die sogenannte Verfügbarkeitsheuristik, das Wunschdenken, das zur Optimismus-Verzerrung führen kann sowie über viele andere Denkfallen, die Rolf Dobelli bereits in seinem letzten Buch besprochen hat.

Sehr gut sensibilisiert der Autor im Hinblick auf den Wahn der Massen und den Herdentrieb, die die Risikointelligenz trüben können und lehrt den Leser Wahrscheinlichkeiten abzuwägen, indem wir Schwellen an eigenen Grenzwerten festmachen.

Es führt zu weit, im Rahmen der Rezension ins Detail mancher Überlegungen einzusteigen, die man noch neugieriger liest, sobald man den Risikointelligenztest zu Schluss gemacht und sich mit den weiteren Anhängen auseinandergesetzt hat.

Klar ist, dass man mit den Ungewissheiten im Leben umzugehen lernen muss, weil sie maßgeblich über unseren Erfolg entscheiden. Angst ist immer der schlechteste Ratgeber. Das wird durch das Buch deutlich. Wer seine Angst überwindet, reagiert beispielweise auf Drohkulissen angemessen und lernt das Risiko für erfolgsversprechene Wege realistischer einzuschätzen.

 Empfehlenswert.

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Rezension:Die gestresste Seele: Neue Kraft bei Burnout und Erschöpfung. Mit 2 CDs (Gebundene Ausgabe)

Dr. Bertold Ulsamer wartet mit einem sehr guten "Ratgeberpaket" auf, das aus 2 CDs und einem Büchlein besteht und uns hilft, unsere gestresste Seele wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Im letzten Jahr sind eine Anzahl von Büchern veröffentlicht worden, die sich mit dem Thema "Burnout" befassen. Einige davon habe ich gelesen und einige auch rezensiert, um mich stets aufs Neue zu informieren, wie man sich am besten vor Erschöpfung schützen kann. Die beiden CDs enthalten ein fundiertes Arbeitsprogramm und viele sinnvolle Übungen, dies schon mal vorab.

 Der Autor begreift Burnout als eine Grenzerfahrung. Die Erkenntnis, dass es Grenzen, Beschränkungen und auch ein Ende gibt, stellt einen Teil von Reife und auch vom Alter dar. Burnout muss man als Segen verstehen, denn er bewahrt vor Schlimmerem. Er ist sozusagen die Notbremse, die der Körper zieht. Pausenlose körperliche und geistige Überforderung gehen an die Substanz. Beim Zusammenbruch wird die Botschaft vermittelt: "Es reicht jetzt!"

Alternative zum Burnout ist ein Herzinfarkt oder ein Verkehrsunfall. Klar muss uns sein, wenn uns Burnout heimsucht, das wir kein Opfer sind. Wir müssen den gnadenlosen Antreiber in uns erkennen und unsere Psyche verstehen lernen, uns mit den verschiedenen Teilen in uns auseinandersetzen und uns dabei freundlich unserem inneren Wesen nähern. Wir müssen unsere innere Zerrissenheit beenden, um dadurch Kraft zum Handeln zur Verfügung zu haben.

Der Autor erläutert wie man den inneren Spielraum erweitert, verdeutlicht auch, wer anfällig für Burnout ist und hilft dabei den eigenen Weg zu finden und über die Kraft der Gegenwart und Bewusstheit klar zu werden.

Bei den Übungen auf den beiden CDs geht es darum zu erkennen, wie nah man dem Burnout ist, wie man mittels eines realistischen Blicks auf die eigene Situation Motivation für Veränderung schafft. Man lernt mit seinen körperlichen Beschwerden Kontakt aufzunehmen und Kraftquellen sowie Kraftdiebe zu erkennen. Man lernt des Weiteren mit der Seite Kontakt in uns aufzunehmen, die auf uns aufpasst, lernt den Mut und die Kraft dafür zu finden, ein angemessenes aktuelles Nein zu formulieren, ferner den inneren Antreiber in uns auszuloten und nimmt Kontakt mit der Anpassung, Renitenz und der Freude in uns auf. Dann geht es darum, übergroße Verantwortung loszulassen und um die Gefühle in der Tiefe, auch um Erschöpfung, um das Entspannen, das Annehmen, das Bejahen, Aufgeben, Innehalten und schließlich darum, sein Herz zu spüren.

Wir müssen erkennen, dass wir uns nicht ausbeuten dürfen, wenn der innere Antreiber auf der Matte steht. Es geht auch anders und man ist bei Weitem kreativer.

 Empfehlenswert.

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Rezension: Warum folgten sie Hitler- Die Psychologie des Nationalsozialismus- Dr. Stephan Marks

Im Zuge der Lektüre der Ausgaben GEO Epoche Nr. 57 und Nr. 58, die ich demnächst rezensieren werde, habe ich dieser Tage "Warum folgten sie Hitler?- Eine Psychologie des Nationalsozialismus" von Dr. Stephan Marks gelesen.

Der Autor zeigt mithilfe von Interviews mit ehemaligen HJ-Funktionären, SS-Offizieren und NSDAP-Mitgliedern wie die Machtmechanismen des NS-Staates funktionierten. Die Grundthesen des Buches werden in sechs Kapiteln präsentiert, die ich an dieser Stelle kurz auflisten möchte:
Magisches Bewusstsein
Hypnotische Trance
Schamabwehr
Narzissmus und narzisstische Kollusion
Das Traumata früherer Generationen
Abhängigkeit

Dr. Marks erläutert zunächst, was man unter einem Tabu zu verstehen hat. Dieser Begriff nämlich spielt beim magischen Bewusstsein eine Rolle. Das magische Denken wird von der Vorstellung beherrscht, dass Übertretungen des Tabuverbotes zu Unheil führen, sofern das Unglück nicht durch Reinigungsrituale abgewendet wird. Die Haltung großer Teile der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft gegenüber Nazi-Verbrechen bestand darin, diese zu verschweigen. Dieses Verbot, über Naziverbrechen zu sprechen, wurde schon während der NS-Zeit geschaffen, (vgl.: S.27)

Alle Deutschen wurden damals als Geheimnisträger zur Schweigsamkeit aufgefordert. Überwacht wurde diese mittels sozialer Kontrolle, ohne die der Apparat der Gestapo nicht funktionieren konnte, (vgl.: S.28). Wie Dr. Marks unterstreicht, sind Schweigegebote charakteristisch "für alle Geheimbünde, Sekten und alle Formen von emotionalem, körperlichem, sexuellem, geistigen oder Macht- Missbrauch." (Zitat: S.28). Das Sprechverbot wurde zumeist befolgt und soll so tief verankert gewesen sein, dass es noch Jahrzehnte nachwirkte. Das Tabu besteht heute noch und blockiert eine klare Benennung der Naziverbrechen, wie die Interviews dokumentieren. Dem sozialen Mechanismus der Tabuisierung entsprechen auf der individualpsychologischen Ebene Mechanismen der Abwehr, (vgl.: S.32), über die der Autor in der Folge sehr erhellend schreibt.

Dr. Marks erklärt die Wechselwirkung von Nazi-Programmen und seinen Anhängern im Hinblick auf die magischen Vorstellungen und erläutert zunächst auf welche Weise das magische Bewusstsein produziert wurde. Die magische Bewusstseinswelt des Nationalsozialismus war vor allem anti-aufklärerisch. Denk-Verbote gehörten zum Tabu und zur magischen Welt, (vgl.: S.44).

Thematisiert werden die Hypnose und der Nationalsozialismus. Hier geht es u.a. um hypnosefördernde Sprachmittel. Die Merkmale des Bewusstseinszustandes der hypnotischen Trance werden genau erläutert und im Rahmen von sechs Themen abgehandelt. Dabei ist ein wesentliches Merkmal die Regression. Der Autor zeigt wie die hypnotische Trance durch das NS-Programm produziert wurde und bringt die Mittel Propaganda, Rhetorik, Rituale und Musik zur Sprache, bevor er sich mit dem Begriff "Scham" näher auseinandersetzt und hier speziell erläutert, was man unter traumatischer und pathologischer Scham zu verstehen hat.

Die Grundlagen für traumatische Scham werden übrigens in der Kindheit gelegt, wenn die frühe Kommunikation aufgrund von Gegebenheiten, die der Autor alle benennt, gestört ist. Sofern Scham (diese hat mit Kränkung zu tun) kaum auszuhalten ist, muss sie abgewehrt werden. Das geschieht, wenn man sich der Psychologie nicht bewusst ist, u.a. durch emotionale Erstarrung, Projektion, Verachtung, dissoziales Verhalten, Zynismus und Negativismus, Arroganz, Idealisierung und Größenfantasien, Perfektionismus etc.

Wie die Nazis Schamabwehr gestaltet haben, wird sehr gut erklärt. Die Furcht als Feigling ausgeschlossen zu werden, spielte bei den Methoden der Schamabwehr eine nicht unbedeutende Rolle. Die Niederlage im 1. Weltkrieg hatte Scham zur Folge und zwar mit all den oben angeführten Abwehrmethoden, die Juden und Andersdenkende zu Opfern der Beschämten machten.

Beleuchtet wird im weiteren Verlauf nicht zuletzt der Narzissmus. Hier kommt die Charakterisierung dieses Phänomens seitens des Psychoanalytikers Otto Kernberg zur Sprache, der die narzisstische Persönlichkeit als "extrem selbstbezogen, misstrauisch, übermäßig der Bestätigung und Bewunderung durch andere bedürftig" skizziert und zusammenfasst, dass solche Personen durch Größenideen und Minderwertigkeitsgefühle zeitgleich gekennzeichnet sind, ( vgl.: S. 104).

Narzissten sind nicht bereit, die Welt mit den anderen zu teilen. Beurteilen kann man sie letztlich nach ihrer Dialogbereitsschaft und- fähigkeit. Pathologisch-narzisstische Menschen sehen, hören und spüren nicht die Präsens anderer Personen, (vgl.: S.106). Die Beziehung narzisstischer Menschen sind nur nach dem Muster "Unterwerfung und Herrschaft" vorstellbar.( vgl.: S.107).

Der Mangel an Selbstwertgefühl wurde seitens der damaligen Polit- Strategen durch Identifikation, durch die Vermittlung des Gefühls des Auserwähltseins, durch Elitebewusstsein, durch Anerkennung durch Ränge, Ehrungen, Beförderungen und Uniformen ausgeglichen.

Zur Sprache gebracht wird ferner das Trauma des ersten Weltkrieges und in der Folge die Weitergabe von Derealisierung, Gefühlskälte, Idealisierung und Heroisierung, die Groß-Gruppendynamik und wie durch Gruppenerlebnisse Abhängigkeiten geschaffen wurden.

Die sechs Themen im Buch zeigen, dass der Nationalsozialismus nicht darauf abzielte, die Menschen kognitiv zu überzeugen, sondern sie vielmehr emotional einzubinden. Der Autor verdeutlicht sehr gut, wie die Scham das Annehmen von Schuld blockierte und hat mit diesem Buch einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, die Psychologie des Nationalsozialismus zu begreifen.

 Empfehlenswert.

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Rezension:Von Natur aus kreativ: Die Potenziale des Gehirns entfalten (Gebundene

Prof. Dr. Ernst Pöppel und Dr. Beatrice Wagner stellen in ihrem Buch wissenschaftliche Erkenntnisse vor, die Mut machen sollen, die eigene Kreativität zu entdecken. Die zentrale Botschaft lautet: "Jeder Mensch ist kreativ."

Das Buch ist in fünf Teile untergliedert, in denen es um nachstehende Themen geht:

Vom Sinn der Kreativität
Bedingung der Kreativität
Vier Milliarden Jahre
Kreativität Wissenschaftliche
Kreativität in Gedichten
Kreativität in den Augen anderer

Im Anschluss an die einzelnen Kapitel hat man Gelegenheit Interviews zu lesen und zwar mit Personen, die aufgrund ihrer kreativen Leistungen sehr bekannt geworden sind.

Merkmale einer kreativen Personen sind Neugierde und eine Sensitivität für ungelöste Probleme, ein ungehemmter Gedankenfluss, der sich nicht durch Banales unterbrechen lässt, die Fähigkeit sich zu konzentrieren und mit dem ganze Herzen bei der Sache zu sein, die Fähigkeit die Dinge zusammenzufassen und sich keinesfalls in Einzelheiten zu verlieren, Flexibilität, um seine Ziele zu erreichen, die Fähigkeit zur Abstraktion und auch die Fähigkeit, Sachverhalte analysieren zu können, die Kompetenz sich etwas sehr lebendig vorstellen zu können, eine hohe Frustrationstoleranz, der Glaube an sich selbst und innere Freiheit, (vgl.: S.11).

Man ist nicht kreativ um der Kreativität willen, sondern wir sind es, um unsere Ziele zu erreichen. Kreativität hat die Aufgabe, dass wir zu unserer Mitte gelangen. Die Autoren möchten verdeutlichen, dass das kreative Herstellen einer Mitte für jeden Lebensbereich gilt, ganz konkret für das Denken, Bewerten, für die Bewegung und für das Handeln. Wissen sollte man, dass Kreativität eine persönliche Angelegenheit ist, die nicht mit Innovation verwechselt werden sollte, denn das einmalig Neue kann immer nur nur einem Gehirn entspringen, (vgl.: S.11).

Im zweiten Teil erfährt man u.a. , weshalb für unsere Kreativität ein Ort mit durchlässigen Grenzen so wichtig ist. Diesbezüglich erfährt man auch Wissenswertes von dem Stararchitekten Gunter Henn. Aufgeklärt wird man auch darüber, wie das Gehirn die Sinneswahrnehmung verändert, wie wir Zufälle kreativ anwenden und hier auch, dass es die Kreativität ist, die uns hilft unsere Erwartungen an die Gegebenheiten anzupassen und ein Gefühl der inneren Balance zu erzeugen, (vgl.: S. 40).

Man erfährt, dass innerhalb von kreativen Prozessen stets unterschiedliche Gedächtnisinhalte miteinander verknüpft werden und dass das episodische Gedächtnis bedeutsame Situationen unseres Lebens speichert. Sein episodisch bildhaftes Gedächtnis kann man sehr gut kreativ einsetzen. Darüber liest man im Gespräch mit Hubert Burda Näheres, bevor man sich mit der Lüge als Überlebensprinzip vertraut machen kann, die Aufschluss gibt über das Wesen und den Sinn von Kreativität. Neue Ideen benötigen immer Mut. Weshalb das so ist, erfährt man in der Folge und hat Gelegenheit bei Henryk M. Broder zu lesen, weshalb Kreativität für ihn ein Prozess des Staunens ist.

Kreatives Vergessen ist ein Thema und man erfährt zudem, weshalb Ethik und Biologie zusammengehören und liest des Weiteren dass nicht nur die Fenster der Vergangenheit kreativitätsfördernd sind, sondern auch der Blick aus dem Fenster, wo man tätig ist. Offenbar soll der Blick auf eine belebte Straße dabei kreativitätsfördernder sein als der Blick ins Grüne, (vgl.: S.137).

Kreativität als aktiver Prozess wird beleuchtet und man wird ermahnt, die kreative Gedankenflucht zu meiden. Immer und immer wieder wird dick unterstrichen, dass die Kreativität ein wirksames Mittel darstellt, die eigene Mitte zu finden.

Interessant zu lesen war für mich auch das vierte Kapitel, das sich u.a. mit der Frage befasst, weshalb es eigentlich Gedichte gibt.

Alles in allem ein Buch mit erfreulichem Inhalt, das uns zeigt, dass unser Gehirn uns in jeder Krise Mittel zur Verfügung stellt, diese kreativ zu bewältigen. Eine gute Nachricht, wie ich meine. Wenn wir uns schon auf sonst nichts verlassen können, so doch auf unser kreatives Gehirn.

Empfehlenswert.

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Rezension:Kleine Philosophie der Faulheit: (Fischer Klassik) (Taschenbuch)

Mit "Kleine Philosophie der Faulheit" stelle ich an diesem Wochenende das dritte und damit einstweilen letzte Taschenbuch und aus dieser bemerkenswerten Reihe vor. Herausgegeben wurde es von David Dilmaghani und Nassima Sahraoui.

Die Texte stammen von Demokrit, Seneca, Aristoteles, Meister Eckhart, Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Hölderlin, Walter Benjamin, Salomo, Friedrich Schlegel, Immanuel Kant, Friedrich Nietzsche, Denis Diderot, Ernst Bloch, Theodor Adorno, Hannah Arendt, Theodor Adorno, Fernando Pessoa und vielen anderen mehr

Untergliedert sind sie in die Kapitel: 
Von der rechten Einstellung zum Leben 
Göttlicher Rausch und mystische Gelassenheit
Verteufelung der Faulheit 
(Un-)Recht auf Arbeit Schein des Müßiggangs 
Verfaulen und Faulseinkönnen 
Sich gehen lassen Physik der Faulheit 

Es ist erst einige Tage her, seit ich das Buch von Thomas Hohensee mit dem Titel "Lob der Faulheit" rezensiert habe und mich seither der Thematik nicht mehr verschließe, sondern stattdessen mehr darüber wissen möchte.

Hier im Buch wird man sensibilisiert für das Ethos der Gelassenheit, liest von der Seelenruhe, auch über die Erziehung zur Muße, vom Eifer, über die Wahrheit des Taugenichts, über die moderne Unruhe des Müßiggängers, über Oblomow und so weiter und so fort.

Von Demokrit hatte ich bislang noch nichts gelesen. Er schreibt sehr Kluges über das rechte Maß, auch von der Lust am Leben und vom rechten Gut und lässt seine Leser wissen "Nicht jede Lust, sondern nur die Lust am Schönen sollte man erstreben."

Nicht alle Autoren sehen in der Faulheit ein Laster, es gibt auch einige, die das Faulsein ohne schlechtes Gewissen als Grundbedingung für schöpferisches Tun betrachten.

Lesen Sie die eloquenten Texte am besten bequem auf der Couch und gehen Sie anschließend flanieren, wenn Sie mit kreativen Ideen zurückkehren und diese dann erfolgreich umsetzen, können Sie ein Loblied auf vorübergehende Faulheit anstimmen und werden zukünftig gewiss nicht mehr eilfertig der Sentenz zustimmen, dass Müßiggang aller Laster Anfang sei.

 Empfehlenswert.

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