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Rezension: Sich selbst vertrauen-Kleine Philosophie der Zuversicht- Charles Pépin- Hanser

Der französische Schriftsteller Charles Pépin schreibt nicht nur sehr erfolgreiche Bücher, sondern lehrt zudem Philosophie. Das vorliegende, von ihm verfasste Werk wurde in Frankreich zum Bestseller und ist von Caroline Gutberlet aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt worden. 

Um zu verstehen, wie Selbstvertrauen entsteht, lotet der Autor die Lebenswege von Madonna, Patrick Edlinger, George Sand, John Lennon, Serena Williams und anderen aus und macht auf diese Weise deutlich, dass wir nicht vertrauensvoll auf die Welt kommen, sondern es erst mit der Zeit werden. 

#Selbstvertrauen sei stets eine Errungenschaft, die viel Mühe und Geduld erforderlich mache und mitunter sei es ein Anlass zu tiefer Freude, wenn etwas tatsächlich zu beherrschen, darin gipfele, dass wir es loslassen können. 

Um das Rätsel des Selbstvertrauens zu lösen, wendet sich Pépin an Gelehrte der Antike und Philosophen der Neuzeit wie #Emerson, #Nietzsche und #Bergson. Doch dem nicht genug, liest man Weiteres hierzu von Psychiatern und Psychoanalytikern, von Pädagogen aber auch von Sportlern, Piloten und Notärzten, Dichtern und sogar von Mystikern. 

Im Rahmen von 10 Kapiteln erfährt man also mehr darüber, was man unter der Philosophie der Zuversicht zu verstehen hat. 

Zunächst geht es dabei um zwischenmenschliches Vertrauen, denn Selbstvertrauen komme zuallererst von den anderen. Geliebt und mit liebenden Augen angeschaut worden zu sein, schenke uns Kraft fürs Leben. Nur durch den anderen können wir uns selbst bewusst werden. #Selbstvertrauen habe mit unserem Verhältnis zum Handeln zu tun, mit unserer Fähigkeit, uns trotz aller #Zweifel aufzumachen, uns in die komplexe Welt zu wagen. Dabei wird erkennbar, dass Selbstvertrauen zunächst eine Geschichte von Liebe und Freundschaft ist. 

Anschließend wird man mit der Praxis des Vertrauens vertraut gemacht, liest, dass Vertrauen, den Ursprung im Können habe und dieses im intensiven Üben. An Beispielen verdeutlicht Pépin, dass bei großen Künstlern das Vertrauen zuerst aus der Praxis, einer ausdauernden und geradezu obsessiven Praxis erwachse. Hinzukommen müsse nach dem Ergebnis einer Studie allerdings Freude am Tun. Dann könnten zehntausend Übungsstunden zu Stunden echter Aufmerksamkeit und Gegenwärtigkeit für seine Kunst werden. 

#Können kann dazu befähigen, mit Neuem umzugehen, wenn das Können verinnerlicht ist. Dann ist es möglich sich auf unvorhergesehene Situationen einzustellen.. #Können verwandelt sich so in #Vertrauen. In Selbstvertrauen. Auf sich selbst hören, ist wichtig, um so #Dringliches vom Wichtigen zu unterscheiden. Wer unter dem permanenten Druck der #Dringlichkeit steht, verliert nämlich sein Vertrauen in das eigene Urteilsvermögen. Im Bewusstsein der Unterscheidung zwischen Dringendem und Wichtigem bewahrt man die Fähigkeit, auf sich zu hören, so Charles Pépin. 

Der einzige Philosoph, der die Frage des Selbstvertrauens ernst genommen hat, sei der Philosoph Ralph_Waldo_ Emerson gewesen. Er sagte "Wer Selbstvertrauen hat, vermag selbst inmitten einer Menge auf sich zu hören, als herrschte Ruhe um ihn, als wäre er mit sich ganz allein." Bei allem sei Selbstvertrauen ein Ideal der Moderne, getragen von der Herausbildung demokratischer Prinzipien und der Arbeit der Philosophen der Aufklärung. 

Über das #Staunen und das #Schöne, das Vertrauen schenke, erfährt man  auch viel Wissenswertes und kann sich bewusst machen, dass die#Akzeptanz der Ungewissheit die erste Etappe der inneren Wandlung verkörpert. Dabei muss man wissen, dass je entfernter eine Entscheidung von der einfachen rationalen Wahl ist, sie umso mehr Selbstvertrauen von uns verlange. Jedes Mal, wenn wir uns bewusst entscheiden, lernen wir uns ein wenig mehr zu vertrauen. 

Sich entscheiden zu lernen, ist also die Basis für Selbstvertrauen und für das Vertrauen in das Leben überhaupt.

Der Autor macht dem Leser bewusst, dass tatkräftiges Tun für das Selbstvertrauen sehr nützlich ist, weil unsere Intelligenz keine abstrakte, sondern eine herstellerische sei. Es geht also darum, zu handeln, um Vertrauen zu fassen. Welche Funktion Vorbilder für unser Selbstvertrauen haben, reflektiert der Pépin anhand von Beispielen auch und informiert gut nachvollziehbar über probate Mittel gegen Vertrauenskrisen. 

Wer andere nicht überflügeln, sondern sich stattdessen näherkommen möchte, ist auf dem richtigen Weg. Vertrauen ins Leben zu haben, bedeute auf die Zukunft zu setzen, an die schöpferische Kraft des Handelns zu glauben, das Ungewisse zu lieben, anstatt es zu fürchten, aber auch zu glauben, dass es im Leben etwas Gutes, mehr noch, etwas Gütiges gäbe. 

Wer das Leben weiterhin liebe, auch wenn er die Boshaftigkeit der Menschen oder die Ungerechtigkeit eines Systems habe erfahren müssen oder aufgrund eines Schicksalsschlags einen Neubeginn gewagt habe, entwickele Selbstbewusstsein, ein kreatives Potential, das ihm immer mehr innere Stärke schenke. 

"Wer sich selbst vertraut, findet den Mut, sich dem Ungewissen zu stellen, anstelle vor ihm zu fliehen. Der findet im Zweifel, in Tuchfühlung mit ihm, die Kraft sich aufzuschwingen.", so Charles Pépin am Ende seines Philosophiebuches. 

Das klingt doch sehr verlockend. Es lädt dazu ein, Entscheidungen zu treffen, auch wenn letzte Zweifel bleiben. 

 Maximal empfehlenswert. 

Helga König

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Sich selbst vertrauen: Kleine Philosophie der Zuversicht

Rezension: #Tugend- Über das, was uns Halt gibt- #Reimer_Gronemeyer- Edition Körber

#Reimer_Gronemeyer ist promovierter Theologe und Soziologe. Er ist seit 1975 Professor für Soziologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Dort wurde er 2018 zum Ehrensenator ernannt. Der Autor zahlreicher Sachbücher befasst sich in seinem jüngsten, hier vorliegenden Werk mit #Tugenden und fragt nicht grundlos in seiner Einleitung, ob diese ein erledigter Fall seien. Vieles sähe nämlich danach aus, als seien zumindest die alten Tugenden dem Untergang geweiht, weil sie nicht mehr in eine Zukunft passten, die von #Computeralgorithmen und #Biowissenschaften geprägt sei.

Alte Tugenden? Was versteht man darunter?

Gronemeyer nennt #Tapferkeit, #Klugheit, #Gerechtigkeit und #Mäßigung. Diese stammen aus der Antike. Dazu kommen die christlichen Tugenden: #Glaube, #Liebe #Hoffnung und neben diesen  sieben alten Tugenden noch die drei Tugenden der Industriegesellschaft: #Fleiß, #Gehorsam und #Sparsamkeit. All diese Tugenden seien in jüngster Zeit über Bord geworfen worden, zu Gunsten der postmoralischen "Tugenden" #Konkurrenz und #Optimierung.

Der Autor möchte sich in seinem Werk auf die Suche nach neuen Tugenden machen, die mittels kluger Selbstbegrenzung auf die entfesselte Konsumgesellschaft reagieren. Im Denkmodus dieser Gesellschaft sei die eigentlich einzig wirkliche Tugend der möglichst exzessive Verbrauch. Der Homo consumens lebe mit den Lastern von einst besser als mit den alten Tugenden. Bescheidenheit, Sparen und Treue passen scheinbar auch nicht mehr. 

Die neue Beliebigkeit in Beziehungen, - eine Folge des Abschwörens von den alten Tugenden, die Flucht aus der Familie, aus den engen nachbarschaftlichen Milieus, ende in der Sackgasse einer nie dagewesenen massenhaften Einsamkeit. Die Leistungsgesellschaft, in der wir heute leben, sei der Sprengsatz für Gemeinschaftlichkeit und Gemeinsinn, sie löse die Gemeinschaft auf, reiße den Einzelnen gewissermaßen heraus und forme ihn zum konkurrierenden Single. Es entstünden Lebenswelten ohne hinreichende Bindungskräfte, Singelwelten, die ihre Weltbilder über Tinder und Facebook realisierten, oder aber reaktionäre, territorial orientierte Wagenburgen, die sich verzweifelt gegen Fremdes wehrten. Dies entspricht auch meiner Wahrnehmung. 

Der Autor schreibt davon, dass die Kinderarmut in Deutschland zugenommen habe und zitiert Jörg Dräger, der konkret sagt, dass "Kinderarmut in Deutschland ein Dauerzustand" sei. Reimer Gronemeyer erwähnt auch Ilja Trojanow, der die Leser wissen lässt "Wenn die globalen Durchschnittstemperaturen so steigen wie zuletzt, werden bis zum Jahre 2030 mehr als hundert Millionen Menschen an den direkten Folgen- Dürre- Trinkwassermangel, Ernteausfall, Armut und Krankheit- sterben."  Warum wird all dies hingenommen? Mangelt es an  neuen Tugenden, die uns den Weg zeigen?

Weil unsere Gewissheiten destabilisiert seien, bräuchten wir neue Tugenden als dynamische, prozessuale, zwischenmenschliche Kräfte. Das leuchtet ein. #Empathie sei möglicherweise die wichtigste neue Tugend "in einer vom Wahn des Konsums, des Geldes und der bezahlten Leistung beherrschten späten Moderne."Aber auch "#Umsonstigkeit" sei wichtig, gemeint sei das, was man früher als Gnade bezeichnet habe. Diese Gnade allein könne die vertrocknenden Seelen in einer von instrumenteller Zweckrationalität durchdrungenen Gesellschaft erneut zum Leben erwecken. 

Im Hier und Heute sei Geld das alles bedeutende, der einzige Wert, der geblieben zu sein schiene und der alles andere in die Flucht geschlagen habe. Alles verliere seinen Eigenwert vor dem Geld. Dazu verschwinde die sinnliche Wirklichkeit in den digitalen Bildern und die Welt werde zu einer alles umfassenden und erfassenden PowerPoint-Präsentation. 

Wir müssen uns selbst beschränken, wenn wir psychisch und moralisch überleben wollen, konstatiert Reimer Gronemeyer. Selbstbeschränkung entstehe, wenn wir die Erde unter unseren Füßen spürten und nicht, wenn uns dieser Boden nur mehr zur Ressource gereicht, wir ihn samt unserem Planeten als Managementprodukt begriffen. 

Die meisten neuen Tugenden, sprich die, mit denen wir uns durch unsere Zeit bewegen können, sind weiblich, so der Autor und erzählt auf: Die Sanftmut, die Freundschaft, die Liebe, die Gelassenheit, die Güte, die Treue, die Selbstbegrenzung, die Einfachheit, die Empathie. 

Was kann man tun, damit die Ich- Besessenheit reflektiert und begrenzt wird?  Nach diesen soeben aufgezählten Tugenden leben.

Welche Tugend müsste am meisten kultiviert werden? 

#Selbstbegrenzung. Eindeutig. 

Sich darin zu üben, sollte Programm für alle werden, denn nur so sind wir als Gemeinschaft überlebensfähig. Wer glaubt, seinen Weg allein gehen zu können, wir nicht weit kommen.

Maximal empfehlenswert.

Helga König

Im Fachhandel erhältlich

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Rezension: Erziehung prägt Gesinnung- Herbert Renz-Polster-Kösel

Der Kinderarzt Dr. Herbert Renz –Polster ist Autor dieses Buches. Er hat die deutsche Erziehungsdebatte während der letzten Jahre wie kaum ein anderer geprägt.

In seiner Einleitung fragt er "Wozu ein pädagogisch-politisches Buch?"  Im Zusammenhang mit dieser Frage macht er eingangs deutlich, dass es  nach seiner Ansicht nicht die "Weltwirtschaftskrise" war, die einen Hitler an die Macht brachte, sondern Menschen mit einer klar definierten Haltung- mit klar artikulierten autoritären Überzeugen. 

Herbert Renz Polster möchte wissen, woher diese Überzeugungen kommen. In der Kindheit machen wir alle die Erfahrung, ob es im menschlichen Miteinander um Macht und Überlegenheit geht oder um Vertrauen und Zusammenarbeit. So der Kinderarzt. Es sei die Kindheit, in der wir unser soziales Vermögen ausbildeten, mit dem wir der Welt und ihren Krisen begegnen. Der Autor benennt in seinem Buch die emotionalen und sozialen Einflüsse, die unsere späteren politischen Überzeugen prägen.

Man lernt in diesem Buch diverse rechtspopulistische Szenen kennen, aber im Kern ist das Werk des Autors weder ein Buch über bestimmte Länder, noch über bestimmte Personen oder Politiker. Der Kern des Rechtspopulismus, der sich quer durch verschiedene Länder nachweisen lasse, sei der #Autoritarismus. Gemeint ist damit die Neigung von Menschen, sich in ein System von Befehl und Gehorsam einzugliedern und zugleich diejenigen abzuwerten, die nicht zu dieser Ordnung gehören, beispielsweise andere Ethnien. 

Renz-Polster zeigt auf, dass in den USA beispielsweise strenge Kindheiten mit "strengen" politischen Überzeugungen einhergehen. Zu den wichtigsten Eigenschaften, die jemand dort haben kann, zähle disziplinierter Gehorsam der Autorität gegenüber. 

Bei welcher Weltanschauung ein Mensch hängen bliebe, habe mit seiner formalen Bildung und seiner Intelligenz nichts zu tun. Der Autor betrachtet die Facetten der autoritären Persönlichkeit und stellt vor allem eine geringe Offenheit fest, sich auf Neues einzulassen. Auch zeigten diese Menschen ein deutlich höheres Bedürfnis nach Vorhersehbarkeit und Struktur und die Ängstlichkeit sei ausgeprägter. Kurzum, bei rechtspopulistischen Haltungen sei das Stresssystem stärker aktiviert, gewissermaßen in einem ständigen, unterschwelligen Alarm- und Bedrohungssystem. Dann liest  man auch, dass rechtsgeneigte Menschen in ihrer Wahrnehmung generell stärker auf negative als auf positive Reize ansprechen, oft auch eine übertriebene Reinlichkeitserziehung in der Kindheit erfahren haben. Wer sich mit autoritären Erziehungsmustern irgendwann befasst hat, weiß dies alles bereits und weiß auch, dass in der Nazi-Zeit und danach die Autorin Hanna Haarer viel  Unheil mit ihrer unsäglichen Erziehungsfibel angerichtet hat. 

Interessant ist die Annahme, dass aus der Kombination geringer Offenheit und stärkerer Ängstlichkeit Vorurteile resultieren und das speziell im Hinblick auf Fremde. Andersgesinnte oder Erscheinende werden gemieden. Letztlich aus Angst.

Herbert Renz-Polster schreibt über Weltbilder und Menschenbilder und macht erkennbar, dass Rechtspopulisten in den Beziehungen zu Menschen auf Konkurrenz, Kontrolle sowie Macht setzen und generell von einer feindlichen Welt ausgehen. Kindern wird mit Misstrauen begegnet und entsprechend werden sie behandelt. Dieses mangelnde Vertrauen wirkt charakterprägend. Je weniger Vertrauen unter den Erwachsenen- dies das Muster- desto stärker werden Kinder zur Bindungslosigkeit erzogen.

Man erfährt u.a. wie die Furcht vor der Freiheit entsteht und damit auch die lebenslange Anhängigkeit von Autorität. Andererseits erfährt man aber auch wie sich emotionale Sicherheit entwickelt, liest wie Beziehungssprachen  zustande kommen und auch, was geschieht, wenn Kinder ihrer eigenen Stimme nicht trauen und stattdessen auf Kontrolle und Unterwerfung setzen. 

Man erfährt des Weiteren, dass ein bestimmter Erziehungsstil das Lachen ersticken lässt und worin fatalerweise ein unterworfenes Kind einen Rettungsanker sieht. Aufgeklärt wird man über die Autoritäre im Wandel, auch über mögliche Unterschiede in der Erziehung in West- sowie Ostdeutschland und über Kindheitsmuster international. Was Toleranz heißt und wie man mit Rechtspopulisten umgeht, kommt ebenso zur Sprache wie auch,  worum es letztlich geht, wenn man das Problem des Rechtspopulismus lösen will. 

Auf den Punkt gebracht, bedeutet das: "Kindheit wagen! Denn Kinder, die ihre Kindheit innerlich unverletzt, mit Selbstvertrauen, wachen Augen, Einfühlungsvermögen und Mut im Herzen verlassen, sind widerstandsfähig- gerade gegen die Verlockungen des Rechtspopulismus. Allen Kindern ist eine solche Kindheit zu wünschen." (S.263)

 Das sehe ich auch so.

 Maximal empfehlenswert 

Helga König

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Erziehung prägt Gesinnung: Wie der weltweite Rechtsruck entstehen konnte - und wie wir ihn aufhalten können

Rezension: Entspannt euch!- Michael Schmidt –Salomon- Piper

Dr. #Michael_Schmidt_Salomon ist freischaffender Philosoph und Schriftsteller, darüber hinaus ist er Vorstandssprecher der #Giordano_Bruno_Stiftung. 

Der Untertitel seines neuen Werkes macht deutlich, worum es ihm hier geht. Er stellt seine #Philosophie_der_Gelassenheit vor und das geschieht in 8 Lektionen. Im Vorwort lässt der Autor seine Leser wissen, dass er im vorliegenden Buch auf vieles zurückgreife, was er in den vergangenen 25 Jahren geschrieben habe. Die 8 Lektionen hat er in Dialogform verfasst. Er möchte in den Lektionen nicht nur Wissen vermitteln, sondern dazu ermuntern, dieses Wissen im Alltag anzuwenden, damit wir die innere Wahrnehmung und gegebenenfalls auch unser Verhalten ändern können.

Schmidt –Salomon reflektiert zunächst die #Scham und deren Kehrseite, den #Stolz, wobei sich hinter diesem nicht selten ein tief sitzendes #Minderwertigkeitsgefühl verberge. Scham bringe rasch #Neid und Stolz nicht weniger rasch #Überheblichkeit hervor. Das Wechselspiel von Überheblichkeit und Demütigung sei so lange nicht überwindbar, solange wir an den althergebrachten Überzeugungen festhielten, wonach wir zu Recht stolz auf eigene Leistungen sein könnten und uns zu Recht schämen müssten, wenn wir diese Leistungen nicht erbrächten. Schaue man genauer hin, so werde klar, dass Erfolge und auch Misserfolge keineswegs in unserem Selbst zu finden seien, sondern "in einem chaotischen Netzwerk von Milliarden und Abermilliarden Faktoren, über die wir keine Kontrolle haben." 

Wenn man diese kausalen Zusammenhänge in ihrer Tiefendimension begriffen habe- #Albert_Einstein hatte es-, nehme es viel von der Dramatik, die man normalerweise erlebt, wenn man an einer Sache scheitert. Insgesamt sollte jeder begreifen lernen, dass man nur der sein kann, der man aufgrund seiner Anlagen und Erfahrungen sein muss. Selbst #Leistungsbereitschaft, #Selbstdisziplin und #Frustrationstoleranz fallen nicht vom Himmel, sondern seien auf unendlich viele Faktoren zurückzuführen, die man sich nicht ausgesucht habe. 

Der Autor macht begreifbar, dass man sein Ich nicht so furchtbar ernst nehmen solle, wie dies gemeinhin geschehe. Er hinterfragt, ob es für unser subjektives Freiheitsempfinden tatsächlich von elementarer Bedeutung sei, dass wir an dem Glauben festhalten, unser Ich, unser Selbst und unser Wille sei nicht durch klar benennbare Ursachen bestimmt. Ganz allmählich lernt man im Laufe der Lektionen Abschied zu nehmen von der Idee des ursachenfreien Willens und zu begreifen, dass die ursächliche Bedingtheit unseres Willens ganz neue Freiräume eröffnet. Weshalb das so ist, wird in der 3. Lektion erläutert. Hier geht es um die Kunst des Vergebens. Hier auch wird die Einsteinsche Sichtweise der Trumpschen Perspektive gegenübergestellt und gezeigt, weshalb ein Mensch mit grandiosem Selbstbild seine Welt in Freunde und Feinde einteilt und weshalb es ihm so schwer fällt zu vergeben. #Vergeltungsdrang beruhe stets auf #Geltungsdrang. 

Wenn man begriffen hat, dass Menschen in ihrem Tun oft nicht anders können als sie agieren, hört man auf über moralische Schuld zu reden und ist interessiert daran, dass dazugelernt wird, um unakzeptables Tun in Zukunft zu vermeiden. Wer vergibt- sagt keineswegs Nein zur gesetzlich bedingten Bestrafung eines Täters- sondern vergibt im ethischen Sinne, was ihn aus der Opferrolle befreit und dazu führt, dass er traumatische Ereignisse besser verarbeiten kann. 

Michael Schmidt-Salomon schreibt über das Nazi-Opfer #Eva_Kor und über den hessischen Generalstaatsanwalt #Fritz_Bauer, um zu zeigen, wozu Vergebung führen kann. Ursachenforschung ist stets der klügste Weg, um zukünftig Verbrechen zu vermeiden. In diesem Zusammenhang bin ich schon jetzt neugierig auf die Lektüre "Erziehung prägt Gesinnung" von Herbert Renz-Polster, die heute mit der Post ankam. 

Nimmt man Abschied vom moralischen Denken und bewegt sich zum ethischen hin, ist man auf der Zielgerade. "Ethik" definiert der Autor "als kritische Reflektion der gelebten Sittlichkeit". Wer aufhört zu werten und über faire Konfliktlösungen nachdenkt, wird im "Zeitalter des Empörialismus“ sich dem Teufelskreis des parteiischen Lagerdenkens entziehen und sich - wie von Zauberhand- entspannen. 

In den Folgelektionen wird nicht zuletzt über ein sinnvolles, glückliches und zufriedenstellendes Leben nachgedacht. Schmidt Salomon kommt zu dem Ergebnis, dass man hierzu drei Strategien verfolgen soll. Diese entnehmen sie den Kapitel 7, S. 17 

Was noch? Man bemühe sich, lösungsorientiert zu denken, eine positiv-realistische Einstellung zu entwickeln und das Beste aus jeder Lage zu machen. Je mehr man bei allem von seinem Selbst lässt, umso eher wird man Gelassenheit entwickeln. 

Maximal empfehlenswert 

Helga König

Im Fachbuchhandel erhältlich
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Entspannt euch!: Eine Philosophie der Gelassenheit

Rezension: Begeisterung- André Stern- Elisabeth Sandmann

Der Autor dieses Buches ist der Musiker, Komponist, Gitarrenbauer und Journalist #André_Stern. Er ist der Sohn des Forschers und Malort-Gründers #Arno_Stern, mit dem er gemeinsam den Bestseller "Mein Vater, mein Freund" verfasst hat. Mit Prof. Dr. #Gerald_Hüther hat er die Initiative "Männer für morgen" gegründet und leitet das "Institut Arno Stern- Labor zur Beobachtung und Erhaltung der spontanen Veranlagung des Kindes." 

Das 15 Kapitel umfassende Werk nimmt seinen Anfang mit dem Kapitel "Die Begeisterung, Dünger für das Gehirn". Diese Worte stammen von Prof. Dr. Gerald Hüther, wie Arno Stern nicht unerwähnt lässt. 

Es sei die #Begeisterung, die uns jene Flügel schenke, die uns erlaubten, über all unsere Grenzen hinauszuwachsen. Neu dabei ist, dass dieses Phänomen jetzt wissenschaftlich erklärt werden kann. Begeisterung führe nämlich dazu, dass im Mittelhirn eine Gruppe von Nervenzellen erregt werden. Diese schütteten dann an den Enden ihrer langen Fortsätze einen Cocktail neuroplastischer Botenstoffe aus. Wer nur seine Pflicht erfüllt, bei dem geschieht dergleichen nie. Bei den Botenstoffen handelt es sich um: #Adrenalin, #Noradrenalin und #Dopamin. Dazu gehören auch Peptide wie Endorphine und Enkephaline. 

Begeisterung löse Emotionen aus und versetze in einen Zustand, in dem die emotionalen Zellen aktiv sind. Nicht zu vergessen, wenn sie aktiv sind, dann eigneten wir uns Informationen an und zwar für immer. Sofern die emotionalen Zentren nicht aktiviert werden, haben die Informationen offenbar keine Chance, sich im Gehirn zu verankern. Es gäbe also nur einen richtigen Moment, um etwas zu lernen und der sei dann gegeben, wenn die emotionalen Zentren aktiv sind. 

Als wichtigste Eigenschaft von Begeisterung nennt Stern: Ansteckung, d.h. richtige Begeisterung weckt Begeisterung auch bei anderen Menschen, dabei nicht zwingend für die gleiche Sache. Begeisterung sei allerdings kein Synonym für Freude oder Lachen. Sie löse herkulische und nachhaltige Selbstüberwindung aus. 

André Stern schreibt, dass beim Spiel das Kind in seinem Element sei. Hier würde es weder Sieger noch Verlierer, noch Stress kennen. Dessen ungeachtet sei das Kind hochkonzentriert beim Spiel. Seine Kreativität sei grenzenlos, aufgrund der Begeisterung und der Tatsache, dass das Ziel des Kindes das Spiel sei, - demnach die Gedanken, das Tun und das Ziel übereinstimmten und dadurch Tiefenbefriedigung entstehe. 

Der Autor vermittelt in seinem Buch viele seiner persönlichen Erfahrungen mit begeisterten Kindern, schreibt über bemerkenswerte, wichtige pädagogische Beobachtungen, so etwa, dass Kinder umso selbstständiger werden, je größer ihre Verbundenheit mit den Bezugspersonen sei. 

Für Kinder sei der Heimatort da, wo man keinen fremden Erwartungen genügen müsse, der Ort, wo man nicht auf Fehler lauere. 

Interessant ist immer wieder,  über die Chancen zu lesen, die Begeisterung in sich birgt. Wer ohne Begeisterung arbeitet, handelt und lebt, entfernt sich mehr und mehr von seinen natürlichen Veranlagungen. Kindern sollte man also Begeisterung aber keineswegs Depression oder gar Burnout vorleben, denn wie schon erwähnt, ist #Begeisterung ansteckend und die Basis für ein erfolgreiches, glückliches, vor allem kreatives  Leben. 

André Stern schreibt in seinem Buch auch über Begeisterung für Musik. Hier nehme man eine Übung, sofern man begeistert sei, nicht als solche wahr, sondern werde von der Musik, den Emotionen und dem Spiel getragen.

Was geschieht, wenn man als Erwachsener seine Begeisterung wiederfindet? Allein um dies herauszufinden, lohnt es sich,  das hervorragende Buch zu lesen, das maximal empfehlenswert ist.

Helga König

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Begeisterung: Die Energie der Kindheit wiederfinden

Rezension: Glück, Staat und Charakter- Aristoteles-dtv Bibliotek

#Aristoteles, der Autor dieser Schriftensammlung, lebte vor 2400 Jahren in Griechenland. Er war zunächst Schüler und später Forscher sowie Dozent an Platons Philosophieschule. Dort übernahm er wichtige Grundzüge von Platons Denken, wobei seine Schriften weitaus mehr den Dissens mit Platon betonen und diesen für zahlreiche Thesen kritisieren. 

Aristoteles studierte und lehrte insgesamt zwanzig Jahre lang an Platons Philosophieschule, der sogenannten Akademie. Mehr über sein Leben erfährt man in der Einleitung. Ich möchte die Skizzierung seiner Vita hier allerdings nicht verkürzt wiedergeben, sondern nur darauf hinweisen. 

Das wichtigste Werk dieses Philosophen ist die "#Nikomachische Ethik". Es stellt eines der essentiellsten Werke der abendländischen Ethik und Moralphilosophie dar. In diesem Werk entwickelt Aristoteles die Auffassung, dass wir Menschen nach einem glücklichen Leben streben und dieses glückliche Leben (#eudaimonia) in der Betätigung bestimmter seelischer Vorzüge oder Tugenden bestehe. 

Charakterzüge haben demnach einen großen Einfluss auf das Gelingen unserer Handlungen, auf unsere gefühlsmäßige, emotionale Verfassung und auf das Gelingen des Lebens grundsätzlich.

In Aristoteles Schrift "#Politik" analysiert er das Wesen des Staates. Dabei diskutiert er verschiedene Staatsverfassungen unter dem Gesichtspunkt, ob sie dazu geeignet sind, den eigentlichen Zweck des Staates zu erfüllen. Nach seiner Meinung leben die Menschen hauptsächlich zusammen, um ihr Überleben zu sichern und eine gewisse Freiheit von der Beschaffung lebensnotwendiger Dinge zu erlangen. Erst im Zustand der Autarkie, d.h. wenn die Menschen nicht mehr in der täglichen Sorge ums Überleben bestimmt sind, haben sie die Muse, so Aristoteles, nach einem guten, glücklichen Leben zu streben und die dafür erforderlichen Fähigkeiten und Charakterzüge herauszubilden. 

Merke: Glück, Charakter und Staat sind bei diesem Philosophen unauflöslich miteinander verbunden.

Im vorliegenden Buch hat man Gelegenheit eine Auswahl von Texten aus der "Nikomachischen Ethik" und aus der Schrift "Politik" zu studieren. Um sich mit den Texten vertraut zu machen, sollte man sich im Vorfeld allerdings mit einigen seiner Grundbegriffe befassen, die im vorliegenden Buch näher erläutert werden. 

Wissenswertes erfährt man zu den Begriffen: "Das Gute", "Das höchste Gut", "Glück, glückliches Leben", "Lebensform", "Leistung/Werk", "Seele", "Vernunft", "Gutes Leben, Betätigung", "Vortrefflichkeit/Tugend", "Ethische Tugend/Charaktertugend", "(Charakter-) Eigenschaft", "Unbeherrschtheit", "Dianoetosche/intellektuelle Tugend", "Staat", "Muße". 

Die Erläuterungen zu diesen Begriffen vereinfachen das Verstehen der Texte von Aristoteles, die zusätzlich im Vorfeld des jeweiligen Kapitels zu den Schriften nochmals erklärende Einschübe haben. Mit all dem ausgerüstet, kann man sich sehr gut in das Denken dieses Philosophen einfinden und hat einen  bemerkenswerten Erkenntnisgewinn  durch die Lektüre des Buches. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Im Fachhandel erhältlich

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Glück, Staat und Charakter: Ein Lesebuch zur praktischen Philosophie (dtv bibliothek)

Rezension: Die Ästhetik des Alltags- Betrachtungen zur Lebenskunst- Frank Berzbach

Der Autor dieses Buches- Dr. Frank Berzbach- unterrichtet Psychologie an der ecosign Akademie für Gestaltung und Kulturpädagogik in Köln. Tätig war er bereits als Wissenschaftler, Journalist, Fahrradkurier, Technischer Zeichner, in der Psychiatrie und als Buchhändler. Der überzeugte Katholik praktiziert seit Jahren ZEN und arbeitet zu Fragen achtsamkeitsbasierter Psychologie, Arbeitspsychologie, Kreativität, Spiritualität, Mode und Popkultur. 

Das neue Werk von #Frank_Berzbach enthält 29 Essays, die er in vier Abschnitte untergliedert hat:
 -Alltagsbeobachtungen 
-Schöne neue Welt
-Der Glanz im Dunkeln 
-Aufbruch 

Hier reflektiert er  u.a. den Verfall des Schamgefühls. Er erwähnt in diesem Zusammenhang den Soziologen Norbert Elias, der das "Vorrücken der Schamschwelle" als zentrales Moment der Entwicklung der Zivilisation beschrieben hat. Nach Berzbachs Alltagsbeobachtung nimmt die Fähigkeit, sich zu schämen derzeit ab. Als Ursache nennt er das Fehlen an Formbewusstsein und dem Nachdenken darüber, welche zentrale Bedeutung die Formen für die Zivilisation haben. So sei die Schamlosigkeit mancher Eliten zu einer die Zivilisation zerstörenden Bewegung geworden. In der westlichen Welt sei Donald Trump zum Führer einer Bewegung der Schamlosigkeit aufgestiegen. Dabei sei die schamlose Lüge zur zentralen Strategie geworden, um fragwürdige Ziele zu erreichen.

Machthaber ohne Schamgefühl seien nicht fähig Schuld zu empfinden und liebten narzisstisch nur sich selbst, zur Liebe ihrer Nächsten sind sie nicht fähig.

Die Neonationalisten- auch über sie schreibt Frank Berzbach-, seien hingegen nur dann zur Liebe fähig, wenn sie abwerten können. Ohne diese Abwertung hätten sie keine Kraft. 

Für den Autor ergeben sich im Hinblick auf die Neonationalisten  nicht zuletzt auch spirituelle Fragen. Auffallend bei ihnen sei nämlich das atheistisch überspannte Denken und die mangelnde Gefühlskontrolle. Destruktive Emotionen würden durch die Neonationalisten wieder salonfähig. Der Neonationalismus werde vom Spiel der sekundären Emotionen mitbestimmt. Wer sich seinen Ängsten nicht stelle, überdecke sie durch die stärkeren Gefühle Wut und Hass. 

Jene mit den schlimmsten Parolen seien in Wahrheit die größten Feiglinge. Sie hätten Angst vor sich selbst-  speziell vor ihren Lastern und projizierten diese auf andere. Nur wer Zugang zu seinen Ängsten habe, könne sich vom Hass befreien und damit Weltoffenheit und Demokratie leben. 

Frank Berzbach schreibt auch über Geld und merkt an, dass im Leben etwas schief gelaufen sei, wenn es die Hauptrolle spiele. Dabei sei die Entscheidung für ein kreatives Leben zumeist eine Entscheidung gegen den raschen Wohlstand, weil schöpferisch tätig sein zu können, etwas anderes sei als die Fähigkeit, Märkte zu bedienen. 

Irgendwann später liest man in einem weiteren sehr guten Essay, dass es außerhalb der Klöster keine gelebte Philosophie der Freiheit mehr gebe. Allerdings existierten ja noch immer Bücher. Lesen sei (noch) eine Form der Errettung aus dem Lärm der Gegenwart, wahres Lesen bleibe eine Berufung. 

Dieser Berufung mit Frank Berzbachs Essayband nachzugehen ist eine wirkliche Freude, da man immerfort zum Nachdenken angeregt wird. 

Weil die Welt voll von Zeitgenossen ist, die narzisstisch gestört, krankhaft egoistisch, zu laut und pausenlos daherredend, nicht zuhörend oder voller drastischer Erwartungshaltungen sind, muss man lernen, sich abzugrenzen, muss man lernen bei sich zu bleiben, folgt man den klugen  Gedanken des Autors. 

Lesen ist eine gute Übung, um das Lernziel zu erreichen. Weshalb nicht mit der "Ästhetik des Alltags" das neue Jahr beginnen?

Sehr empfehlenswert

Helga König

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Die Ästhetik des Alltags: Betrachtungen zur Lebenskunst

Rezension: In dir lebt das Kind, das du warst-Seelische Belastungen bewältigen- Whitney Hugh Missildine- Klett-Cotta

Der Autor dieses Buches ist Dr. W. Hugh Missildine. Er war Direktor des Children´s Mental Health Center in Columbus, Ohio. Dort entwickelte er seinen Ansatz zur Lösung emotionaler Probleme Erwachsener. 

Das vorliegende Werk ist in drei Teile untergliedert und diese in diverse Kapitel. Im ersten Teil geht es darum, dass die Leser ihr inneres Kind erkennen und akzeptieren. Erörtert wird u.a. weshalb unsere Gefühle uns manchmal im Weg stehen und weshalb unser Blick von der Vergangenheit getrübt ist. So versuche das "Kind von früher", uns Erwachsene dazu zu bringen, so zu leben, wie man "daheim" in der Kindheit gelebt habe. Deshalb  auch werden gegenwärtige Umstände und Verhältnisse stets so hingebogen, dass sie dem ähneln, was sie in der Vergangenheit kannten. 

Wie das innere Kind Einfluss auf das Leben des Erwachsenen nimmt, wird an Beispielen gezeigt aber auch, was geschieht, wenn dieses Kind gar das Ruder übernimmt. 

Veranschaulicht wird, dass eine Liebesbeziehung grundsätzlich zwischen vier Personen geschlossen wird und zwar den beiden Erwachsenen, die sich in der Gegenwart begegnen und den beiden Kindern, die sich in ihrem eigenen Familienmilieu tummeln. Welche Konflikte auf diese Weise entstehen können, wird ausführlich dargestellt. 

Im 2. Teil werden elterliche Einstellungen skizziert und welchen Einfluss diese noch heute auf uns haben. Zu Sprache gebracht werden: 
Perfektionismus
Übertriebene Gängelung 
Übertriebene Nachlässigkeit 
Hypochondrie 
Bestrafungseifer 
Vernachlässigung 
Ablehnung
Sexuelle Stimulierung 

Stets werden Beispiele angeführt, die zeigen, wohin die elterlichen Einstellungen und Verhaltensmuster führen können, so etwa wenn man aufgrund von frühkindlicher Ablehnung in quälender Selbstisolation gefangen ist. 

Ablehnung sei eine elterliche Einstellung, die dem Kind jegliche Akzeptanz verweigere; es werde als unerwünschte Last und Störenfaktor betrachtet und behandelt. Menschen, die als Kind abgelehnt wurden, seien rascher verletzt, verbittert und feindselig gestimmt und als Erwachsene sehr schnell gekränkt. Es gehe soweit, dass sie als Erwachsene bewusst die Erfahrung des Abgelehntwerdens herbeiführen, um das ängstliche Kind von einst zufriedenzustellen. Auf die Aussicht akzeptiert, gemocht und bejaht zu werden, reagieren solche vorgeschädigten Erwachsenen mit Unsicherheit und Nervosität. Alkoholismus kann übrigens ein Indiz für Ablehnung in der Kindheit sein. 

Interessant auch, wie sich Vernachlässigung aber auch übertriebene Verwöhnung seitens der Eltern auswirkt. Wie man neue Wege gehen kann und sich von den pathogenen Einstellungen, denen man als Kind ausgesetzt war und sich  dann damit identifiziert hat,  löst, wird auch  dargelegt und zwar im 3. Teil. 

Das Werk leistet einen sehr guten Beitrag, sich seelischer Belastungen aus seiner Kindheit bewusst zu werden, sie genau anzuschauen, um sie zu verarbeiten und konfliktfreier mit Dritten kommunizieren,  vor allem auch leben zu können .

Sehr empfehlenswert

Helga König

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In dir lebt das Kind, das du warst: Seelische Belastungen bewältigen

Rezension: Richtig gut rüberkommen - Wie Sie empathisch und erfolgreich kommunizieren- Cornelia & Stephan Schwarz- dtv premium

Das Autorenehepaar Schwarz möchte im vorliegenden Buch aufzeigen wie wir die Schwere aus unserer Kommunikation nehmen und Missverständnisse, peinliches Schweigen als auch Anstrengung vermeiden- zugunsten von mehr Leichtigkeit und Erfolg. 

Den Autoren geht es darum, zu vermitteln wie man bewusst eine emotionale Bindung zum Kommunikationspartner herstellt, in dem man dessen Stimmung, Verhalten, auch dessen Ausstrahlung in sich aufnimmt und zurückspiegelt. Dabei basiert das Konzept der empathischen Spiegelung darauf, dass man Verantwortung für die Beziehung übernimmt. 

Empathische Spiegelung, so erfährt man weiter, setzt auf soziale und emotionale Intelligenz. Diese könne durch ein bewusstes Training wesentlich gesteigert werden. Welche positiven Folgen das hat, wird in der Einleitung ebenfalls bereits verraten und zudem wird auch schon aufgezeigt wie das Coaching funktioniert. 

Das Buch ist in fünf Kapitel untergliedert, die da lauten

1. Warum wir zum Spiegeln geboren sind- und es trotzdem verlernt haben 
2. Wie Sie das Spiegeln perfektionieren- und dabei eine ganze Menge über sich selbst erfahren 
3. Was Spiegeln im Einzelnen bedeutet- Übungen für jeden Tag 
4. Warum Empathie eine Frage des Bewusstseins ist- und wie sie sich auf Ihre Kommunikation auswirkt. 
5. Zusammenfassung: Tipps für mehr Empathievermögen und wie sie dadurch ihren Alltag entstressen. 

Wie die Autoren hervorheben, schwindet das Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit der Spiegelung, wenn man sich daran gewöhnt hat, anderen im immer stereotypen Modus zu bewegen. Dann wirken diese Menschen für ihre Gegenüber gleichgültig, schroff, abweisend und stur. Da man mit solchen Menschen wenig zu tun haben möchte, wird die eigene Spiegelungsfähigkeit ihnen gegenüber leider auch immer geringer. 

Näher erläutert werden nachstehende Gründe für fehlende Empathie: Stress, Ungeduld, Vorurteile, Gleichgültigkeit, problematische Kindheit und schlechte Erfahrung. Gezeigt wird in gut nachvollziehbaren Schritten wie man mittels Spiegelung Konflikte löst und es wird erörtert, worin die Voraussetzungen gelingender Kommunikation bestehen. 

Über die Bedeutung des Zuhörens und hier auch des Fragens wird man ebenso aufgeklärt wie über die Bedeutung der Stimme und der Mimik. Hier sind die Übungen sehr interessant, so etwa wie man die eigene Mimik kontrollieren kann. Auch die Körpersprache wird thematisiert und hier z.B. wie man die Körpersprache anderer lesen kann, jedoch auch wie man die Körpersprache anderer erkundet. 

Wichtig zudem ist es, Wertesysteme und die innere Einstellung zu erkunden, sie zu decodieren und immer mehr zu erkennen, ob man gut spiegelt.

Empathie ist eine Frage des Bewusstseins und sie wirkt sich eindeutig auf die Kommunikation aus. Deshalb sollte man den Unterschied zwischen bewusster und unbewusster Kommunikation kennenlernen und die Wirkung positiver Akzeptanz begreifen. 

Das Meta-Ziel empathischen Verhaltens, so die Autoren, lautet Vertrauen und ist ebenfalls eine Frage des Bewusstseins. 

Ob es gelingt, immer gut zu spiegeln, sei dahingestellt. Mir sind Menschen bekannt, die all ihren Mitmenschen so ablehnend und arrogant begegnen, dass es keinem gelingt,  ihnen ein Lächeln abzuringen. Sich an solchen Energievampiren abzuarbeiten, kostet viel Lebenskraft. Ob man das dauerhaft  akzeptiert, ist eine Frage der Leidensfähigkeit.

Das aber sollte uns nicht hindern, unsere empathischen Fähigkeiten zu trainieren und zu einem guten inneren Zustand zu gelangen. Den benötigt man nicht zuletzt, um solche Dramenpersönlichkeiten abzuwehren, die uns völlig vereinnahmen aber nicht zurückspiegeln wollen. Wenn empathische Kommunikation zur Einbahnstraße wird, sollte man sich abgrenzen, so entgeht man der Manipulation beispielsweise von typischen Machtmenschen. 

Sehr empfehlenswert 
Helga König

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Richtig gut rüberkommen: Wie Sie empathisch und erfolgreich kommunizieren

Rezension: Auch alte Wunden können heilen. Dami Charf - Kösel

Dami Charf  ist die Begründerin der körper- und bindungsorientierten Therapiemethode Somatische Emotionale Integration, SEI. Sie ist Heilpraktikerin für Psychotherapie und arbeitet als Traumatherapeutin in Göttingen. 

In ihrem aufschlussreichen Buch beschreibt sie wie frühe Erfahrungen auf unser Leben und unsere Bindungsfähigkeit wirken und Selbstregulation prägen und macht deutlich, welche Möglichkeiten es gibt, frühe Wunden zu heilen. 

Zunächst aber erfährt man, was man unter "frühen Wunden" überhaupt zu verstehen hat und weshalb diese unser Leben auf vielerlei Arten prägen. "Wunde" heißt im Griechischen übrigens "trauma". Nur sehr wenige Menschen gehen ohne traumatische Erlebnisse durchs Leben, speziell Entwicklungstraumata scheinen weit verbreitet zu sein. 

Man liest u.a. wie eine Traumatisierung entsteht und weshalb unter Trauma-Therapien nahezu immer Schocktrauma-Therapien verstanden werden. Erklärt werden die einzelnen Stressreaktionen, sprich Kampf oder Flucht, vorrübergehende Erstarrung und Totstellreflex. Dabei muss man wissen, dass eine traumatische Reaktion dann eintritt, wenn der Körper keine Meldung bekommen hat, dass das Ereignis vorüber ist und eine Normalisierung der Stressreaktion stattfinden kann. 

Man lernt die Symptome einer Traumatisierung kennen. Die traumatische Achterbahn zwischen Über- und Untererregung wird genau beschrieben und man  wird über die einzelnen Fähigkeiten der Selbstregulation in Kenntnis gesetzt. Dazu gehört auch die Fähigkeit, eine Pause zwischen Reiz und Reaktion zu machen. 

Merkmale einer posttraumatischen Belastungsstörung  werden zur Sprache gebracht und auch die Möglichkeiten der Regulation der emotionalen "Temperatur". 

Die Selbstregulation ist erlernbar und die Selbstregulationsfähigkeit ist eng mit unserer Bindungsfähigkeit verknüpft. Diese Fähigkeit ist von großer Bedeutung. Dabei entstehen Bindungsmuster auf zweierlei Art: 

1. durch unbewusstes Lernen und 
2. durch die bewusste Aufnahme von Information 

Man wird mit vier Bindungsmustern vertraut gemacht. Dabei ist ein wichtiges Kennzeichen sicher gebundener Kinder, dass sie neugierig und offen für Neues und die Erforschung der Welt sind. Menschen, die Angst vor Nähe haben, haben sich als Kinder eine Art Schein-Autonomie angeeignet und wirken unabhängig und sicher, obschon sie es nicht sind. Diese Menschen haben den Wunsch nach Bindung an andere schon früh aufgegeben, weil sie gelernt haben, dass Bindung sich nicht lohnt. Wenn solche Menschen mit Personen unsicher-ambivalenten Bindungsstils aufeinander treffen, wird es kompliziert, weil eine Spirale der Enttäuschung in Gang gesetzt wird, die ohne fremde Hilfe nicht zu stoppen ist. 

Gesunde Bindungen entwickeln sich laut der Autorin in 5 Schritten: 
1. Kennenlernen 
2. Sicherheit 
3. Nähe 
4. Bindung 
5. Intimität 

Wer umgekehrt vorgeht, gerät in Probleme. 

In der Folge wird man mit 5 Lernaufgaben vertraut gemacht und hier auch liest man vom Mangel an Zuwendung und dessen Folgen. Wenn in der frühen Lebensphase ein solcher Mangel besteht, entstehen Glaubenssätze wie etwa: Ich kann nicht- Niemand ist für mich da- Es gibt nie genug. Solche Personen reagieren auf Zurückweisung nicht selten mit Resignation. 

Wie man lernt, Hilfe anzunehmen und mit Unterstützung die Welt zu entdecken, ist ebenso ein Thema wie die innere Leere durch falsche Spiegelungen. Doch das Buch enthält noch viele weitere, wichtige Gesichtspunkte, durch die gezeigt werden wie frühe Wunden verheilen können und Integration möglich wird. 

Wer sein Verhalten ändern möchte, muss lernen, seinen Körper zu spüren und in ihm eine Heimat zu finden. Es gilt die Selbstregulation zu erhöhen und die Emotionen zu regulieren lernen, wie auch die eigene Kontakt- und Beziehungsfähigkeit zu stärken. Alle die dann noch folgenden Überlegungen hier verkürzt aufzuzählen, führt zu weit. Gesagt werden kann allerdings, dass dieses Buch überzeugt und tatsächlich Wege aufzeigt, die das verletzte Kind in uns zu überwinden vermögen. 

Maximal empfehlenswert 

Helga König

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Auch alte Wunden können heilen: Wie Verletzungen aus der Kindheit unser Leben bestimmen und wie wir uns davon lösen können