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Rezension: Das Böse-Reinhard Haller-Ecowin

#Reinhard_Haller, der Autor dieses Buches, ist Psychiater und Psychotherapeut sowie gefragter Experte als auch forensischer Gutachter. 

In seinem neuen Werk geht es um das sogenannte Böse. Was genau muss man sich darunter vorstellen? Unterliegt es unter Umständen im Laufe der Jahrhunderte einem Wandel? Stirbt es am Ende niemals aus? 

Mit dem Bösen haben sich seit alters her Theologen, Philosophen, Soziologen, Biologen, Juristen und Kriminogen befasst. Dabei ragen unter den mannigfaltigen Interpretationen der Philosophie zum einen jene des unabwendbaren Übels, zum anderen die aus dem selbst herbeigeführten Missbrauch der menschlichen Freiheit heraus. 

Kant beispielsweise sieht den Ursprung des Bösen, schreibt Haller, in der durch Egoismus, Gier und Hass geprägten menschlichen Natur. In metaphysischer Sicht wird das Böse im Willen zum Bösen ausgelotet und in der Morallehre gilt als böse, wenn sich der Mensch unmittelbar durch die Triebe und momentanen Bedürfnisse leiten lässt. 

Der Autor zeigt an unzähligen Fallbeispielen, welche Merkmale für das Böse möglich sind. Dabei geht es aus kriminalpsychiatrischer Sicht um: 

Fehlende Empathie 
Einseitige Machtverteilung
Psychopathische Charakterstruktur (Sadismus, Maligner Narzissmus) 
Entwürdigung der Opfer 
Planungsgrad 
Schwere der Folgen für die Opfer 
Missachtung des Moralinstinktes 

Je klarer der Verstand, umso größer sei der Wille zur bösen Entscheidung, umso bösartiger auch ist das Tatverhalten. 

Offenbar gibt es eine Art genetisch angelegte Unterscheidungsmöglichkeit zwischen Gut und Böse. Dieses Phänomen nennt man "Moralinstinkt". Gemeint sind die Einhaltung bestimmter sozialer Regeln, die im Zusammenleben von Menschen unabdingbar sind, die Achtung der Rechte des anderen, auch die Eindämmung eigener egoistischer Ansprüche, vor allem aber das Verhindern der Zerstörung menschlichen Lebens. 

Die bösesten Taten sind jene, die präzise geplant, mit eiskalter Berechnung durchgeführt und auf den qualvollen Tod des Opfers zielen. 

Haller erwähnt den Philosophen Albert Camus dessen Hauptfigur im Roman "Der Fremde" ohne Motiv einen Mann tötet. Camus soll in dem Verbrechen einen Aufschrei gegen die Lehre des Lebens sehen. Der Gedanke, der dahinter steht: "Wenn das Leben keinen Sinn hat, braucht das Verbrechen keine Erklärung."

Der Autor schreibt zudem über die Banalität des Bösen und erwähnt hier die Philosophin Hannah Arendt aber er nennt auch die amerikanische Soziologin Troy Duster, die bei Untersuchungen von Vietnam-Kriegsverbrechern die Vorbedingungen für den Mord ohne Schuldgefühle herausfanden. 

Die allgemeinste Bedingung sei, dem Opfer jeglichen menschlichen Status abzusprechen. Die Entmenschlichung verwende Ausdrücke wie Rassenschande, Volkshygiene und Säuberung. Eine weitere Bedingung bestehe darin, das eigene Unglück oder das einer Gesellschaft auf eine Minderheit zu beziehen. Erstaunlich sei, dass sich der Mensch an die Normalität des Bösen gewöhne.  Das gibt mir am meisten zu denken.

Der Autor reflektiert  u,a, weiter böse Ideen und auch entsprechende Gefühle. Wie er schreibt, wird das Gefühl des Gekränktseins maßlos unterschätzt. Demütigung als folgenschwerste Form der Kränkung sei von jeher ein fester Bestandteil von Machtausübung, Unterdrückung, Sklaverei, von Kriegsführung, Verbrechen- und des Bösen. 

Amok, Terror und Massaker kommen zur Sprache und es werden innerpsychische Abläufe in einer Grafik dargestellt. Man erfährt auch, was man unter bösem Schweigen zu verstehen hat, liest über böse Väter und Mütter, auch über entsprechende Partnerschaften, die keine sind und erkennt, was Minderwertigkeits- oder Ohnmachtsgefühle auslösen können. 

Über böse Gene gepaart mit schlechten Umwelteinflüssen wird man auch informiert, zudem kommt Neurobiologisches zur Sprache, um schließlich zu erahnen, wie abgründig Menschen sein können, ob nun alle oder fast alle, sei dahingestellt 

Viel Böses kann meines Erachtens verhindert werden, wenn  man sich um Augenhöhe bemüht und  dadurch Kränkungen minimiert.

Sehr empfehlenswert 

Helga König 
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Rezension: Narzissenkinder- Monika Celik-Kösel

Monika Celik, die Autorin dieses Buches, bloggt regelmäßig Beiträge zum Thema "Narzissmus und narzisstischen Missbrauch" und leitet die Facebookgruppe "Narzisstischen Missbrauch überwinden".

Ihr hervorragendes Werk mit dem Titel "Narzissenkinder" ist im Verlag Kösel erschienen und befasst sich mit Töchtern, die an narzisstischen Müttern leiden. Es handelt sich bei solchen Müttern um Personen, die kein Mitgefühl für andere Menschen haben und immerfort von perfekten Beziehungen, Macht und Erfolg fantasieren. Es sind Mütter, die sich übergriffig verhalten, indem sie stets zu wissen scheinen, was für andere gut ist und wie sich diese zu verhalten haben. 

Solche Mütter sind leicht kränkbar und schnell tief verletzt. 

Dabei sind ihre Ansprüche an ihr näheres Umfeld überzogen und unrealisisch. Fehler bei sich selbst suchen sie allerdings nie. Denn Schuld sind stets die anderen. Narzissten, so erfährt man weiter, lassen sich nicht kritisieren, denn sie halten sich für unfehlbar.  

Man erfährt in diesem Buch, dass es hauptsächlich drei verschiedene Erscheinungsformen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung gibt. Genannt und näher erläutert werden: 
Offener Narzissmus 
Verdeckter Narzissmus 
Magliner Narzissmus 

Im Buch geht es hauptsächlich um den verdeckten Narzissmus, der bei narzisstischen Frauen häufig vorkommt. Diese Narzisstinnen gelangen selten beruflich in Spitzenpositionen, verhalten sich passiv – aggressiv, lügen, betrügen, manipulieren, intrigieren und machen das Zusammenleben speziell in Familien, sehr schwierig.

Kinder narzisstischer Mütter werden benutzt und zwar  aus mannigfachen Gründen, die man aufgelistet nachlesen kann, dazu gehört auch, dass eine solche Mutter sich allmächtig fühlt, indem sie das Kind kleingemacht und kleinhält. Diese Mütter betrachten ihren Nachwuchs wie eine Art Leibeigene, liest man. Die Kinder müssen funktionieren, Schwächen und Fehler werden nicht geduldet und nie ist etwas gut genug. 

Anpassung an die Gefühle der Mutter ist angesagt, eigene Bedürfnisse und Gefühle sollen verleugnet werden. 

Monika Celik zeigt an vielen  Beispielen wie narzisstische Mütter agieren. Wer solche Frauen kennt, wird zu entsprechenden Aha-Erlebnissen gelangen. 

Man liest von der Ungleichbehandlung von Geschwistern seitens solcher Mütter, liest von den Goldkindern und schwarzen Schafen und erfährt, dass solche Mütter es nicht schätzen, wenn sich ihre Kinder untereinander verstehen.Verbundenheit betrachten sie als Allianz, die es zu durchkreuzen gilt. 

Wissen muss man, dass auf eine narzisstische Mutter kein Verlass ist, insofern auch das Goldkind in die Position des Sündenbocks gebracht werden kann und entsprechend perplex ist, wenn es seine Position verliert.

"Gaslighting" ist ein weiteres Thema. Man erfährt auch, was man darunter zu verstehen hat und wie sich dieses Phänomen in der Realität zeigt. Alles wird verdreht und auf den Kopf gestellt. Angeblich wird sich alles nur eingebildet, z. B., dass man sich unerwünscht fühlt. 

Man erfährt Wissenswertes über die Aggression einer narzisstischen Mutter. Zwar kann sie auch mal euphorisch sein, aber positive Gefühlswelten gibt es bei ihr nicht, stattdessen Ärger, Hass, Verachtung und Rage. Kinder narzisstischer Mütter müssen, so die Autorin, mit offenen und unterschwelligen Aggressionen zu leben lernen. Dabei sind Vergleiche mit anderen an der Tagesordnung, des Weiteren Grenzüberschreitungen und Sabotage. 

Interessant auch, dass diese Mütter häufig Krankheiten simulieren, um auf diese Weise Arbeiten an andere, selbst an die Kinder delegieren zu können. Wer narzisstische Menschen kennt, weiß um deren Sabotagegebaren z.B. bei Familienfeierlichkeiten und kennt selbst als Gast die ewigen Nörgeleien bei Tisch, um anderen die Laune zu vermiesen. Das Können anderer gelten zu lassen, selbst das Können der eigenen Kinder ist bei solchen Typen unmöglich. 

Narzisstische Lügen, üble Nachrede und Demütigung sind an der Tagesordnung. Auch daran erkennt man Narzissten sehr gut und ahnt wie deren Kinder leiden müssen. Ein Kind einer narzisstischen Mutter wird, sofern es nicht das Goldkind ist, permanent niedergemacht. 

Narzisstische Personen,  auch das muss man wissen, reagieren auf Kritik sehr aggressiv und sofort mit einem Gegenangriff. Zudem wollen  sie stets Aufmerksamkeit. 

Eine narzisstische Mutter hat immer Komplizen, die in der Regel kein besonders gutes Verhältnis zueinander haben. Es finden Intrigen statt, die die Familienmitglieder und Freunde untereinander entzweien. Das ist das Ziel der Narzisstin.

Generell lässt ein Narzisst  die sogenannte  Drecksarbeit von einem anderen machen, denn er/sie wäscht stets seine Hände in Unschuld. 

Monika Celik nennt auch die Folgen von narzisstischem Missbrauch im Elternhaus: Essstörungen, Suchtgefährdung, kein Urvertrauen sind u.a. solche Folgen. 

Ein Mangel an Urvertrauen wirkt sich auf spätere Beziehungen aus durch extreme Verlustängste und entsprechende Unterstellungen.

Erläutert wird, weshalb eine Aussprache mit einem Narzissten sinnlos ist und es wird auch aufgezeigt, wie man narzisstischen Missbrauch überwinden kann. 

Das Buch finde ich überaus erhellend und hilfreich, auch die mehrseitige Checkliste zum Schluss, wonach man Narzissten generell sehr gut erkennen kann.

Meine Erfahrung: Einen großen Bogen um Narzissten (m/w)  zu machen,  erspart viel Kummer.

Maximal empfehlenswert 

 Helga König


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Narzissenkinder: Wenn Töchter unter narzisstischen Müttern leiden

Rezension: Ghosting- Vom spurlosen Verschwinden des Menschen im digitalen Zeitalter- Tina Soliman- Klett-Cotta

#Tina_Soliman, die Autorin dieses Buches, ist Journalistin, Autorin und Regisseurin. Tätig ist sie als regelmäßige Autorin für die ZDF-Senderreihe "37 Grad", "Die Story im Ersten" (ARD) und für das Politikmagazin "Panorama" (ARD). Ihre preisgekrönten TV-Dokumentationen für ARD und ZDF werden seit den 90er Jahren weltweit ausgestrahlt. Ihre beiden erfolgreichen Bücher zum Thema "Kontaktabbruch" mit dem Titel "Funkstille" und "Der Sturm  vor  der Stille"  habe ich auf  "Buch, Kultur und Lifestyle" rezensiert und jeweils ein Interview mit der Autorin dort auch realisieren können. 

Ihr neues Werk trägt den Titel "#Ghosting". Bereits in der Einleitung erklärt Tina Soliman ausführlich, was man unter diesem Begriff zu verstehen hat. Vielleicht an dieser Stelle so viel nur: Während bei der "Funkstille" der Ausbrecher, hier zumeist aus einer Situation, die für ihn unlösbar, vielleicht sogar ausweglos ist, flieht, weil er empfindet, nur so überleben zu können, verhält es sich bei "Ghosting" weniger emotional. Hier geht es um eine neue Form der Umgangskultur, die Entwicklung und Reifung verhindert. Auch geht es darum, Beziehungen nach dem Bestellprinzip zu realisieren und sie wortlos abzubrechen, wenn sie nicht das halten, was man erwartet hat.  Hier wird vermittelt, die Beziehung- der Andere oder gar man selbst- habe nie existiert. 

Wie die Autorin schreibt, haben Digitalisierung, die Partnervermittlungs- und Dating-Plattformen "Ghosting" als Tool zur Option gemacht, so wie sie aus den Nutzern selbst Optionen gemacht haben. Obschon 80 % aller Singles zwischen 18 und 33 Jahren  mit "Ghosting"  bereits  Erfahrung gesammelt haben, ist für etwa 95% der Bevölkerung "Ghosting"  als Methode eine langfristige Beziehung zu beenden, unakzeptabel. 

Tina Soliman hat sich auf ihr Thema sehr gut vorbereitet und wartet nicht nur mit einer Vielzahl von Fallbeispielen auf, sondern zudem mit einer beeindruckenden Menge an Sekundärliteratur, mit der sie ihre  persönlichen Recherchen im Text gekonnt abfedert. 

Im Rahmen von 7 Kapiteln beleuchtet die Autorin dieses fatale Verhaltensmuster, das in seiner Kompromisslosigkeit erschreckt. Das Problem beim "Ghosting" sei, dass es sich um eine einseitige Bewusstwerdung des Endes handele und nicht um einen gemeinsam durchstandenen Prozess. 

Man wird im Buch  u.a. mit Geschichten von Verlassenen konfrontiert. Dabei wird klar, dass sich die Gedanken des oder der Verlassenen täglich um den Geist, der sie verlassen hat, drehen, sich tief in die Seele oder den Körper eingraben und krank machen können. Verlassene, so der Psychologe Oskar Holzberg, auf den Tina Soliman sich u.a. bezieht, hebt hervor, dass ein  "Ghost" schlichtweg unreif ist und sich dem Konflikt nicht stellt. Wortloses Verlassen wird schon nach kurzer Beziehungsdauer als Vernichtung, Verunsicherung und massiven Angriff auf das Selbstwertgefühl begriffen. Im Dating- Zeitalter werden laut dem Parship-Berater Hegmann solche Verletzungen zunehmen, weil verlassen so einfach geworden sei. 

Tina Soliman geht in der Folge u.a. der Frage nach, weshalb jemand spurlos verschwindet. In diesem Kapitel formuliert sie "Ghosting" in erster Linie als Vermeidungstaktik und führt aus: "Vermieden wird die lästige Konfrontation, eine ehrliche Betrachtung eigener Unzulänglichkeiten, und ja, zumindest die teilweise Preisgabe seines Selbst- und nicht zuletzt ist Ghosting eine effektive Strategie, um Aufwand zu vermeiden, der sich vermutlich nicht lohnt."

Nicht unerwähnt lässt die Autorin, dass die digitalen Kommunikationsmittel es möglich machen,  auf Knopfdruck zu verschwinden und sich rasch, ohne großen Aufwand neu zu orientieren. Sich festzulegen, bedeute in dieser Denklogik: Optionen zu verpassen, in erster Linie bessere. Insofern bleibe jeder im Stand-by-Modus, weil der Traumpartner jede Minute aufpoppen könne. 

Das Suchen und Finden der Liebe im digitalen Zeitalter, auch das Gefundenwerden wird im 2. Kapitel zur Sprache gebracht. Thematisiert wird die Suche nach dem Gleichen, auch nach dem Einen sowie nach dem Besten und was dies im Einzelnen zu  bedeuten hat. So liest man nicht grundlos in diesem Kapitel die berechtigt kritische Anmerkung: "Was beim Online-Dating passiert, treibt die Vermarktung des Menschen auf die Spitze. Beziehungen werden unter den Kriterien von Ertrag und Rentabilität betrachtet. Sie müssen perfekt sein, weniger ist nicht akzeptabel."

Die Algorithmen bringen uns Menschen entgegen, die uns scheinbar nicht fremd sind. Deshalb wird auf diese Weise auch rascher Nähe hergestellt, die, wenn man auf einen Ghost trifft,  eben fatal enden kann. 

Nicht selten treffen Nähe-ängstliche und Nähe-vermeidende Typen aufeinander. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass es beim "Ghosting" immer um Nähe, um das Fehlen derselben und eine Vorstellung davon geht, was Nähe sein könnte. Stellt sich die Frage, woher die neue Bindungsangst kommt? Hier ist der Abschnitt "Generation Mute- die stumme Generation" aufschlussreich. 

Dass beim Ghosting Ausgeliefertsein und Trennung zusammenkommen, soll nicht unerwähnt bleiben Immer wieder  nennt Tina Soliman Narzissten als typische Ghosts, die den anderen bestimmen, kontrollieren und manipulieren wollen. 

Den Narzissten mangelt es an Empathie. Sie haben Bindungsangst. "Ihnen ist Kontrolle und Selbstbestimmung wichtiger als Bindung, weil ihr verletzter Selbstwert nicht ertragen kann, seine Autonomie zu verlieren." Die Zunahme des narzisstischen Kontaktabbruchs betont die im Buch erwähnte Psychologin Lisa Fischbach. 

Was Schweigen bedeutet und was hinterlassen wird, wenn der Abschied verschwindet, wird  auch reflektiert. Auf den Punkt gebracht, bedeutet es "Ghosting zerstört und bringt Schmerz- oft für beide Seiten". Grund genug, über "Ghosting" aufzuklären, um es überwinden zu können. 

"Ghosting"  habe nicht nur Folgen für den Einzelnen, sondern auch für das soziale Miteinander, für die Gesellschaft. Von daher forderten Psychologen auch Kindern und Schülern bereits Konfliktfähigkeit, Fairness und Empathie zu vermitteln, und wenn nicht von Eltern gelebt, dann eben als Schulfach. Durch Mitgefühl entstehe sozialer Zusammenhalt und genau der wird durch "Ghosting" ausgehebelt. 

Wer Beziehungen abbricht, sollte dies erwachsen tun.  Hierfür hat der Psychiater #Markus_Horvath 
fünf Regeln aufgestellt, die Tina Soliman ihren Lesern an die Hand gibt. Zurecht kritisiert die Autorin die Dating- und Partnerschaftsvermittlungs-Plattformen, die ungute Entwicklungen im Zwischenmenschlichen verstärken, weil sie Entwicklungsschritte aussparen, Nähe vortäuschen, Manipulationtechniken erleichtern, das Lückenhafte und Bindungslose verstärken. 

Im Nachwort fasst die Autorin  zusammen, was sie von den "Ghosts" und  "Ghosting"  hält. Ich teile ihre Meinung  in allen Punkten  aus langjähriger Erfahrung im Internet.

Maximal empfehlenswert, nicht zuletzt, weil die jüngste Publikation von Tina Soliman für einen kultivierten, wertschätzenden Umgang untereinander wirbt.

Helga König

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Ghosting: Vom spurlosen Verschwinden des Menschen im digitalen Zeitalter

Website:  Tina Soliman

Rezension: Der werfe den ersten Stein- Mythologisch-philosophische Verdammungen- Michael Köhlmeier, Konrad Paul Liessmann- Hanser

Zu den Autoren: Der in Hohenems und Wien lebende Michael Köhlmeier erhielt 2017 den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung und den Marie- Luise Kaschnitz-Preis.2019 wurde er mit dem Ferdinand-Berger-Preis ausgezeichnet. 

Konrad Paul Liessmann lehrt als Professor emeritus für Philosophie an der Universität Wien und ist wissenschaftlicher Leiter des Philosophicums Lech. Der Autor erhielt 2004 den Ehrenpreis Buchhandels. 2010 den Donauland-Sachbuchpreis und 2016 den Paul-Watzlawick-Ehrenring. 

Im vorliegenden Buch erzählt Michael Köhlmeier - stets sehr kurzweilig-  Geschichten, die eigentlich zum Wissen gebildeter Menschen zählen sollten. Diese trugen sich zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten zu  und  wurden als Sagen, Legenden, Märchen oder auf der Bühne  von Generation zu Generation weitergegeben. 

So liest man beispielsweise die Geschichte der Nibelungen und freut sich, dass diese, wie übrigens alle anderen Geschichten mit einem Augenzwinkern übermittelt und so zu einem echten Lesevergnügen werden.

Langeweile gibt es also nicht, sondern stets Neugierde auf die nächste Story. 

Den Geschichten folgen jeweils philosophische Betrachtungen zum Thema Rache, denn jede der Storys, zeigt, dass sie als Folge von Betrug, Lüge, Eifersucht, Unterwerfung, Misstrauen, Kränkung, Intrige, Niedertracht. Teufelspakt, Verrat, Vergewaltigung und Schuld geradezu selbstverständlich ausgelebt wurde und weshalb diese, ihrer eigenen Logik folgend, vielleicht auch nachvollziehbar und allzu menschlich ist. Dennoch steckt in all dem Bösen etwas Ambivalentes, sehr gut von Gaius Julius Caesar einst am Beispiel des Verrats festgehalten: "Wir lieben den Verrat, nicht aber den Verräter".

Tugend verträgt sich nicht mit Vorteilsdenken. Das  scheint nicht jedem bewusst zu sein.

Sehr empfehlenswert.

Helga König

Onlinebestellung bitte hier klicken: Hanser oder Amazon Der werfe den ersten Stein: Mythologisch-philosophische Verdammungen

Rezension: Mütter sind eben Mütter- Claudia Haarmann- Kösel

Claudia Haarmann, die Autorin dieses Buches, ist Psychotherapeutin (HP) mit Schwerpunkt Bindungs- und Beziehungsdynamiken in Familien und deren Auswirkungen im Erwachsenenalter. Dabei setzt sie primär körperorientierte Psychoverfahren und Gesprächstherapie ein.

"Was Töchter und Mütter voneinander wissen sollten" lautet der Untertitel des 2008 erstmals erschienen Werkes, das sie nun überarbeitet hat, indem sie neueste Erkenntnisse aus der Hirnforschung und Traumtherapie dafür heranzog. In Gesprächen mit Experten aber auch in der Betrachtung von Lebensgeschichten gelingt es ihr aufzuzeigen, wie eine respektvolle Ablösung und gegenseitige Annahme aussehen könnte.

Wie die Psychotherapeutin schreibt, prägt uns alle keine Beziehung mehr als die zur Mutter, denn bereits vor der Geburt beginnt unsere Biographie. Zu diesem Zeitpunkt waren wir nicht nur psychisch, sondern auch psychisch mit ihr verbunden. Das, was die Mutter in der Schwangerschaft berührt, beeinflusst das Kind, so die Autorin. Man schwingt als Kind bereits vorgeburtlich mit dem Gemütszustand der Mutter und lernt man von ihr wie Bindung und Beziehung funktioniert.

Töchter lernen zudem in ihrer Kindheit wie ihre Mutter sich auf den Vater und Männer überhaupt bezieht. Auch dies prägt. Es gibt Bindungsmuster, die über Generationen hinweg wirken. Diese generationenübergreifende Weitergabe der Bindungsmuster bewegt sich, so Studien, zwischen 65 und 85 Prozent, schreibt Haarmann. 

Eine prägende Beziehungserfahrung besteht darin, nicht erwünscht zu sein. Damit ein Kind sich gefühlt fühlt, benötigt es den Blickkontakt der Mutter. Darin bestehen für den Säugling die Augenblicke der totalen Hingabe. 

Wenn die Mutter gestresst ist, überträgt sich dies auf das Kind. Dabei sollte man wissen, dass Kinder unter emotionalem Stress kaum etwas lernen und ihre Umwelt erkunden, weil sie sich primär damit befassen, sich selbst zu beruhigen. Wenn die Bindungsfähigkeit in irgendeiner Generation wackelig wurde, neigt das Bindungsmuster dazu, sich in dieser Weise fortzupflanzen. 

Sichere Bindungen bringen Menschen hervor, die bei sich bleiben können, die es aushalten, allein zu sein, die sich selbst sicher sind und mit Haut und Haar auf andere einlassen. Ganz anders der gestörte und vermeidende Bindungsreigen. So hält beispielsweise bei der vermeidenden Bindung die Mutter ihr Kind auf Distanz. Hierdurch entsteht ein problematischer Prozess, der es diesen Kindern, wenn sie erwachsen sind, nicht leicht macht mit Emotionen umzugehen, stattdessen denken sie viel und sind sehr analytisch, schreibt Haarmann. Das mag für den ein oder anderen vorteilhaft klingen, ist es aber nicht, weil der Mangel in einem solchen Menschen nagt. 

Thematisiert wird zudem die ambivalente und die desorientierte Bindung. Desorientiert gebundene Kinder haben Eltern, die traumatische Erfahrungen nicht verarbeiten konnten. Unverarbeitete traumatische Erlebnisse fixieren den Menschen und halten in Schockstarre fest, aus der heraus er wenig Kontakt herstellen kann. Solche Eltern können ihre Gefühle nicht richtig regulieren und agieren unkontrolliert und heftig, was auf das Kind verstörend wirkt. Das Vertrauen des Kindes wird beschädigt und das innere Bild vom menschlichen Miteinander ist stark davon berührt. Wie die Autorin schreibt, ist der Platz, der dem Kind zusteht, durch das Trauma okkupiert. Das kann ich bestätigen, denn ich habe eine kriegstraumatisierte Mutter und wurde so zu einem Vaterkind, das die weibliche Seite nie wirklich ausleben konnte.

Im Rahmen von Interviews und biographischen Einblicken kann sich der Leser noch intensiver in die Thematik begeben und sich klar darüber werden, was Mutter und Tochter trennt auch Facetten von Tochterrollen kennenlernen und über Kontaktabbruch und den Zaubersatz "Es tut mir leid" Wissenswertes in Erfahrung bringen. 

Alles in allem ein lesenswertes Buch, das ich gerne weiterempfehle.

Helga König

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Mütter sind eben Mütter: Was Töchter und Mütter voneinander wissen sollten

Rezension: Denkfehler- Reiner Neumann-Hanser

#Reiner_Neumann, der Autor dieses spannend zu lesenden Buches ist Diplom-Psychologe mit langjähriger Berufserfahrung als Manager. Als Trainer und Berater arbeitet der erfolgreiche Autor mit Menschen aus vielen Unternehmen und Institutionen im In- und Ausland.

Der vorliegende #Ratgeber richtet sich an alle, die #Selbsttäuschungen erkennen und steuern wollen. Besagte #Selbsterkenntnis führt dabei auch zur Erkenntnis, was in Teams falsch läuft oder aber wie #Synergieeffekte tatsächlich zustande kommen könnten.

Der Autor zeigt, welche Einflüsse auf unser aller Verhalten wirken, welche #Denkfehler wir häufig machen. Dies geschieht im Rahmen von acht Kapiteln. Dabei erfährt man zunächst, weshalb unsere #Wahrnehmung selektiv und von situativen Faktoren geprägt ist. Obschon wir glauben, unsere Umwelt gut wahrzunehmen, sehen wir immer nur einen kleinen Ausschnitt, unterliegt unsere Wahrnehmung eingebauten Fehlern, ist sie durch Emotionen und Erwartungen erheblich verzerrt. Hinzu kommt, dass wir auch Dinge wahrnehmen, die gar nicht vorhanden sind.

Man erfährt z. B. wie #Wahrnehmungen über einen komplexen Prozess zu #Erinnerungen werden, wie diese Erinnerungen unterschiedliche Formen annehmen, letztlich dann nur Ausschnitte der Realität spiegeln und lernt zu begreifen wie diese sich kontinuierlich verändern. #Erinnern ist keine Replik der Realität, es ist eine Neuschöpfung auf der Basis des seinerzeit Wahrgenommenen, so Reiner Neumann.

Warum die Wahrnehmung lückenhaft ist, wird auch vermittelt und auch weshalb es für uns stets nur unsere Realität gibt, die wir uns aus vielen Versatzstücken zusammengebastelt haben. Zudem wird erläutert, weshalb wir fest an unsere Vernunft glauben, dennoch aber zumeist emotional entscheiden Bewusstes Denken findet primär in linearen Ursachen-Wirkungsketten statt, dabei werden vorzugsweise stetige Zusammenhänge wahrgenommen. Auf diese Weise machen wir uns ein Bild von der "Wirklichkeit" und entscheiden bevorzugt so, dass wir Risiken vermeiden.

Es ist falsch zu meinen, dass möglichst viele Zahlen, Daten und Fakten zu den richtigen Entscheidungen führen, weil nur selten das gesamte Zahlenmaterial vorliegt. Leider haben wir die Tendenz, zufällig erzeugte Muster als regelhaft zu interpretieren und eine bestimmte Intension dahinter zu vermuten. Zudem überschätzen wir unseren Einfluss auf Ereignisse. Das allerdings ist noch nicht alles.

Es ist unmöglich, die vielen Denkfehler, die im Buch zur Sprache kommen,  hier zu benennen Gefallen haben mir besonders die Betrachtungen im Hinblick auf "Einfachheit"  und hier etwa wie man Verständlichkeit erreicht, auf welche Weise man sich mit seiner Zielgruppe befassen und worauf man bei Kernaussagen achten sollte.

#Einfachheit trotz #Komplexität kann man erreichen, wenn man auf eine bestimmte Ausdrucksweise achtet. Über diese erfährt man im Buch mehr. Weshalb es wichtig ist, Bilder zu posten oder Geschichten zu erzählen, wenn man etwas beispielsweise in den sozialen Medien vermitteln möchte, wird ebenfalls erläutert und darüberhinaus tausend andere Dinge mehr. Die Liste der Denkfehler ist geradezu endlos.

Dennoch: Genau diese vielen Fehler werden in dem Ratgeber allesamt näher erläutert. #Selektive_Wahrnehmung, #Selbstüberschätzung, #Projektionsfehler, #Logikfehler, #Trägheitsfehler und und und.

Die gute Botschaft: Man ist Denkfehlern nicht hilflos ausgeliefert, denn es gibt Techniken, mittels derer man ihnen entgegenwirken kann. Der Schlüssel ist, wie Neumann schreibt, das entsprechende Bewusstsein. Ein wichtiger Schutz vor Fehlern ist die Zusammenarbeit. Durch das Hinweisen auf Fehler kann man sich und anderen helfen, mehr richtige Entscheidungen zu treffen. Wichtig ist es, die richtigen Fragen zu stellen, bevor man entscheidet. Dazu kann man im Kapitel "Mit Denken Denkfehlern ein Schnippchen schlagen", Wissenswertes lesen.

Tipps für das Management gibt es zum Schluss auch noch.

Ein wirklich gutes Buch, das man immer wieder zur Hand nehmen sollte, um sich daran zu erinnern, welche Fehler wir tagtäglich machen.

Kein Buch für Narzissten also, denn diese sind bekanntermaßen fehlerlos.

Maximal empfehlenswert

Helga König

Im Fachhandel erhältlich

Rezension: Risiko Kindheit- Nicole Strüber- Klett-Cotta

#Nicole_Strüber ist Entwicklungsneurobiologin und –psychologin. Im vorliegenden Buch, vermittelt sie den Lesern, wie sich das Gehirn entwickelt und zeigt, wie man #Resilienz fördern kann.

Zielgruppe ihres Werkes sind nicht nur die Eltern, sondern auch Menschen, die sich wundern, weshalb sie selbst Probleme im Bereich #Impulskontrolle, #Belohnungsaufschub, #Bindung, #Stressverarbeitung oder unter Umständen sogar eine psychische Krankheit haben und wieso es ihnen mitunter nicht leicht fällt, mit ihren eigenen Kindern in einer Weise umzugehen, wie es ihnen ihre Vernunft nahelegt. Zudem richtet sich das Buch an diejenigen engagierten Personen, die mit den betroffenen Kindern und Erwachsenen arbeiten und ihnen beistehen.

Erörtert wird, wie das #Gehirn #Psyche und #Persönlichkeit hervorbringt und weshalb eine schwierige Kindheit nicht selten mit Folgen für die eigene #Gefühlswelt und  das eigene #Verhalten verbunden ist. Im Fokus stehen die Entwicklung von #Persönlichkeitsmerkmalen und auch die Entwicklung von emotionaler und sozialer Kompetenz.

Zur Sprache gebracht wird, weshalb frühe, belastende Erfahrungen #Gefühlsblindheit und Schwierigkeiten in der Kontrolle eigener Gefühle hervorzubringen vermögen.

Die Autorin beschreibt #Risikofaktoren, beginnend von vorgeburtlichen Erfahrungen, der Geburt, der für das Hirn wichtigen Darmflora, über problematischem Elternverhalten, Kinderkrippe, Smartphone, bis hin zu extremen Bedingungen wie Armut und Flucht.

Ebenfalls thematisiert wird wie frühe Traumatisierungen von einer Generation an die nächste weitergegeben werden und  auch weshalb gewalttätiges Verhalten von einer auf die nächste Generation weitergegeben wird.

Im 5. Kapitel dann geht es um #Resilienz. Beantwortet werden die Fragen wie Resilienz entsteht, wie sie gefördert werden kann, und was Kinder auszeichnet, die #Stress gut überstehen.

Wissen muss man, dass frühe sichere #Bindungserfahrungen Resilienz fördern. Kinder, die dazu neigen, auf belastende Situationen resilient zu antworten, haben laut Nicole Stüber ein hohes #Selbstbewusstsein, ein ausgeprägtes #Selbstwirksamkeitsempfinden, gute Strategien, ihre Gefühle zu regulieren und Stress zu bewältigen. Hinzu kommt die deutliche Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und mit ihnen zu fühlen.

Dies alles trifft nach Langzeitstudien auch auf Menschen zu, die in der Kindheit sichere Bindungsbeziehungen hatten. 

Die gute Nachricht: Ein Ausweg aus dem Mangel an Resilienz aufgrund unsicherer Bindungsbeziehungen in der frühen Kindheit ist durch Förderung der elterlichen Kompetenzen oder durch Ersatzfamilien möglich. 

Dieses und vieles Wissenswerte mehr können Sie - ausführlich und sehr eloquent  abgehandelt-  diesem empfehlenswerten Buch entnehmen.- 

 Helga König

Im Fachhandel erhältlich

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Risiko Kindheit: Die Entwicklung des Gehirns verstehen und Resilienz fördern

Rezension: Deutschland verdummt- Wie das Bildungssystem die Zukunft unserer Kinder verbaut.- Michael Winterhoff- Gütersloher Verlagshaus

Dr. med #Michael_Winterhoff ist Facharzt für Kinder- und Jugendpsychatrie in Bonn. 

Für das vorliegende Buch hat er tausende von Gesprächen mit Eltern, Lehrern Schulleitern und Bildungspolitikern geführt, um zu erkunden, was derzeit in Kindergärten und Schulen schief läuft und was sich ändern muss, damit sich Kinder in den Gruppenräumen und Klassenzimmern wieder entwickeln können. 

Wie der Autor schreibt und dokumentiert, seien Kindergärten und Grundschulen zu Stätten organisierten Verwahrens mutiert, in denen  die Kinder auf sich selbst gestellt, keine Entwicklungsmöglichkeiten für ihre emotionale und soziale Psyche mehr hätten. Deshalb würden sie verdummen oder sogar krank werden. Darüber hinaus würden die zu Lernbegleitern degradierten Erzieher und Lehrer in eine völlige Überforderung geraten und nicht wenige in die Frühverrentung rutschen.

Der Lärmpegel an untersuchten Schulen liegt bei 60 bis 85 Dezibel. Unglaublich. Grund hierfür: Kinder sollen nach jüngsten Lernmethoden autonom lernen und dürfen offenbar Emotionen ungezügelt rauslassen. Sie sollen seitens Erwachsener auf dem Weg zur Selbstbestimmtheit nicht unterstützt werden. Ohne Unterstützung aber könne sich die Psyche des Kindes nicht entwickeln, deshalb würden aus vernachlässigten Kindern beziehungs- und arbeitsunfähige Jugendliche ohne Chance auf ein erfülltes Leben aber auch zur Gefahr für die mühsam erkämpften Errungenschaften der Solidar-Gemeinschaft. 

Michael Winterhoff führt im Buch erhellende Interviews, die die Katastrophe verdeutlichen. Eine Lehrerin mit 28 Jahren Berufserfahrung konstatiert, dass die Kinder einst aufnahmefähiger und anstrengungsbereiter waren und einen größeren Forscherdrang besessen hätten. Die vernachlässigten Kinder können nicht mehr abwarten, lassen andere nicht ausreden, können eigene Wünschen nicht zurückstellen. Offenbar gilt: Alles sofort, davon möglichst viel, ansonsten Wutanfälle. 

Ohne eine Beziehung zwischen Schülern und Lehrer könne Schule nicht funktionieren. Kinder brauchen Zuspruch, sie seien auf positive und negative Spiegelung angewiesen. #Autonomes_Lernen, so wie von der Bildungspolitik vorgeschrieben, schade der geistigen und seelischen Entwicklung von Kindern. Ziel sei Erlerntes zu verstehen. Wissen und Können genüge nicht. 

Eine Lehrerin, die an der 5. Klasse eines Gymnasiums unterrichtet, schreibt, dass es den meisten Kindern heutzutage nach vier Grundschuljahren an den kulturellen Grundlagen in Rechnen, Schreiben und Lesen mangele. Selbst motorische Basisfähigkeiten seien wenig entwickelt. Die jungen Menschen könnten nicht mehr richtig schreiben, sondern würden Buchstaben malen. Was sie besser können? Selbstsicherer auftreten. Doch ihre Selbstsicherheit habe keine Basis. 

Viele Schulabsolventen hätten grundlegende Defizite in ihren methodischen, emotionalen und sozialen Fähigkeiten. Erschreckend ist die Auflistung dessen, woran es laut Ausbildungsbetrieben den Auszubildenden mangelt. Außer einer gewissen Teamfähigkeit sieht es düster aus, besonders im Hinblick auf Leistungsbereitschaft und Belastbarkeit. Zu viele Autisten, Narzissten und Egomanen würden das Zusammenleben in Zukunft nicht einfacher gestalten, so der Autor. Genau aber diese Charaktere scheinen die Folge der derzeitigen Nicht- Erziehung einerseits und symbiotischer Elternbindung andererseits zu sein. 

Für Winterhoff ist klar, dass die Lehrer Kinder wieder anleiten müssen, statt ihr Lernbegleiter zu sein. Wenn ein Kind nämlich bestimmen könne, was es lernen wolle, bleibe sein Weltbild auf Kleinkind-Niveau. Es gäbe mittlerweile Kinder, die auf dem Niveau von 18 Monate alten Kleinkinder stehen geblieben sind,  die jedoch glaubten, alles zu können, doch in Wahrheit verdummt seien. 

Die heutige Bildungspolitik müsse sich ändern, weil die Lehrer in diesem System verschlissen werden und demotiviert wie auch ausgebrannt seien. 

Ein großes Problem scheint zu sein, dass zwischen vielen heutigen Eltern und ihren Kindern eine Symbiose bestehe, Eltern dadurch kritikunfähig im Hinblick auf ihre Nachkommen werden und ihnen weitaus mehr schaden als nützen. 

Der Autor möchte mit diesem Buch vor allem die Eltern stärken, die ihre Intuition noch bewahrt haben und ihren Kindern Orientierung bieten wollen. Klar sollte allen sein, dass sich Eltern erst dann darauf verlassen können, dass sich ein Kind aus eigenem Antrieb an den Schreibtisch setzt, wenn es 14 Jahre alt ist. Von da an begreift ein Jugendlicher bei gesunder psychischer Entwicklung, dass er für sich lernt und unter Umständen eine bestimmte Abschlussnote erreichen möchte. 

Auf allen liegt eine große Aufgabe, was die Reifung der Kinder anbelangt.

Michael Winterhoff  benennt fünf Forderungen, die dazu beitragen, dass die Reifung glückt und erläutert diese zu Ende seines Buches ausführlich. Seine Forderungen überzeugen und sind die logische Konsequenz aus seinem Buch, das alle am Erziehungsprozess  Beteiligten dringend lesen sollten, um die derzeitigen Bildungsprobleme zu lösen. 

Maximal empfehlenswert 

Helga König

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Deutschland verdummt: Wie das Bildungssystem die Zukunft unserer Kinder verbaut

Rezension: Ja heisst ja und…Carolin Emcke- S. Fischer

Die Philosophin #Carolin_Emcke hat, basierend auf einem Bühnenprogramm, das im Dezember 2018 an der Schaubühne in Berlin Premiere hatte, diesen Essay verfasst, der sich mit #sexuellem_Missbrauch und #Gewalt, mit #Verschweigen und mit #Machtfacetten  auseinandersetzt. 

Dabei geht es zunächst um die #metoo-Problematik und die damit verbundenen rhetorischen Verhüllungen, die #Tabuisierungen und die entsprechenden Folgen. 

Wie die Autorin so treffend bemerkt, bleibt Gewalt abstrakt und unvorstellbar, unwahrscheinlich und unantastbar, wenn es keine konkreten Begriffe und Beschreibungen gibt. 

Carolin Emcke weiß, wann man individuell entscheiden muss, ob eine #sexuelle_Grenzüberschreitung harmlos, lustig, flirtiv, herablassend, demütigend oder furchteinflößend zu werten sei. Sie verurteilt nicht vorschnell, sondern wägt subtil ab und bleibt dabei fair.

Sie werde, wie sie sagt, von Männern gerne als androgyner Typ "eingemeindet", weil sie lesbisch ist. Sie gehört also nicht in deren "Beuteschema". Das hindert sie aber nicht daran, Macht- und Ohnmachtsverhältnisse unbeeindruckt auszuloten. Sie benennt unzählige Machtverhältnisse, nennt auch die am wenigsten verstandene Macht und zeigt auf, dass jene, die Macht haben, letztlich auch darüber entscheiden, wer sich zu sprechen traut, wer die erwartete Scham in der Folge  ablehnt oder auch die zugeschriebene Mitschuld an der Demütigung. Den langen Arm der Macht muss man sich erst einmal unbeeindruckt bewusst machen.

Die Philosophin schreibt in Miniaturen und Fragmenten über Macht, mal erzählerisch, mal analytisch, denn sexueller Missbrauch ist letztlich Machtmissbrauch. Sexualität wird in solchen Fällen zum Mittel andere zu dominieren.

Frau Emcke erzählt wie sie Zeugin von häuslicher Gewalt wurde bei einer Freundin, deren Ehemann diese schlug. Im Nachdenken über die Geschehnisse erkennt die Autorin, dass sie ihre Freundin bereits allein ließ, als sie duldete, wie deren Mann die später Geschlagene zunächst verbal herabsetzte. Um der Harmonie willen schwiegen Emcke und die anderen Gäste der abendlichen Tischgesellschaft und ließen ungewollt zu, was sich später ereignete. 

Wer solche Situationen schon erlebt und darüber nachgedacht hat, wird sensibler und schweigt zukünftig nicht mehr. Das ist nicht nur die daraus gezogene  Lehre Carolin Emckes.

Um fair zu sein, benötige man stets dichte Beschreibungen von Machtmissbrauchssituationen, von dem, was geschehen ist. Doch daran mangelt es offenbar häufig. Wahrnehmungen werden durch deren präzise Verbalisierung erst eindeutig. 

Dann ist da auch noch die Sache mit der Scham. Die Philosophin schreibt:"Niemand soll sich schämen für den verdinglichenden Blick eines anderen".  Das sehe ich auch so.

Es stimmt auch, dass man sich nicht zuschreiben lassen soll, angeblich provoziert zu haben und anderes mehr. Man muss sich nicht zum Täter machen lassen, wenn man Opfer ist.

Carolin Emcke setzt dem Machtmissbrauch sinnstiftende Macht entgegen. Dazu gehört, sich repressiven Strukturen zu widersetzen, d.h. gegen rassistische Ausgrenzung, gegen antisemitische Ressentiments, gegen die Stigmatisierung von Menschen, um nur einige Beispiele zu nennen. Macht sei auch, Geschichten von all den kreativen, zivilen, poetischen Formen des Protests zu erzählen. Diese seien der Quell der politische Hoffnung 

Wichtig scheint zu sein, wann und wo auch immer das Schweigen und damit die Macht derer zu brechen, die dahinter ihr Unwesen treiben und strategisch mit der Scham der Opfer ihre Spielchen spielen,  die die Wahrheit relativieren und Tatsachen durch Verdunklung  gekonnt verdrehen.. 

Maximal empfehlenswert

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Ja heißt ja und ...

Rezension: Sich selbst vertrauen-Kleine Philosophie der Zuversicht- Charles Pépin- Hanser

Der französische Schriftsteller Charles Pépin schreibt nicht nur sehr erfolgreiche Bücher, sondern lehrt zudem Philosophie. Das vorliegende, von ihm verfasste Werk wurde in Frankreich zum Bestseller und ist von Caroline Gutberlet aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt worden. 

Um zu verstehen, wie Selbstvertrauen entsteht, lotet der Autor die Lebenswege von Madonna, Patrick Edlinger, George Sand, John Lennon, Serena Williams und anderen aus und macht auf diese Weise deutlich, dass wir nicht vertrauensvoll auf die Welt kommen, sondern es erst mit der Zeit werden. 

#Selbstvertrauen sei stets eine Errungenschaft, die viel Mühe und Geduld erforderlich mache und mitunter sei es ein Anlass zu tiefer Freude, wenn etwas tatsächlich zu beherrschen, darin gipfele, dass wir es loslassen können. 

Um das Rätsel des Selbstvertrauens zu lösen, wendet sich Pépin an Gelehrte der Antike und Philosophen der Neuzeit wie #Emerson, #Nietzsche und #Bergson. Doch dem nicht genug, liest man Weiteres hierzu von Psychiatern und Psychoanalytikern, von Pädagogen aber auch von Sportlern, Piloten und Notärzten, Dichtern und sogar von Mystikern. 

Im Rahmen von 10 Kapiteln erfährt man also mehr darüber, was man unter der Philosophie der Zuversicht zu verstehen hat. 

Zunächst geht es dabei um zwischenmenschliches Vertrauen, denn Selbstvertrauen komme zuallererst von den anderen. Geliebt und mit liebenden Augen angeschaut worden zu sein, schenke uns Kraft fürs Leben. Nur durch den anderen können wir uns selbst bewusst werden. #Selbstvertrauen habe mit unserem Verhältnis zum Handeln zu tun, mit unserer Fähigkeit, uns trotz aller #Zweifel aufzumachen, uns in die komplexe Welt zu wagen. Dabei wird erkennbar, dass Selbstvertrauen zunächst eine Geschichte von Liebe und Freundschaft ist. 

Anschließend wird man mit der Praxis des Vertrauens vertraut gemacht, liest, dass Vertrauen, den Ursprung im Können habe und dieses im intensiven Üben. An Beispielen verdeutlicht Pépin, dass bei großen Künstlern das Vertrauen zuerst aus der Praxis, einer ausdauernden und geradezu obsessiven Praxis erwachse. Hinzukommen müsse nach dem Ergebnis einer Studie allerdings Freude am Tun. Dann könnten zehntausend Übungsstunden zu Stunden echter Aufmerksamkeit und Gegenwärtigkeit für seine Kunst werden. 

#Können kann dazu befähigen, mit Neuem umzugehen, wenn das Können verinnerlicht ist. Dann ist es möglich sich auf unvorhergesehene Situationen einzustellen.. #Können verwandelt sich so in #Vertrauen. In Selbstvertrauen. Auf sich selbst hören, ist wichtig, um so #Dringliches vom Wichtigen zu unterscheiden. Wer unter dem permanenten Druck der #Dringlichkeit steht, verliert nämlich sein Vertrauen in das eigene Urteilsvermögen. Im Bewusstsein der Unterscheidung zwischen Dringendem und Wichtigem bewahrt man die Fähigkeit, auf sich zu hören, so Charles Pépin. 

Der einzige Philosoph, der die Frage des Selbstvertrauens ernst genommen hat, sei der Philosoph Ralph_Waldo_ Emerson gewesen. Er sagte "Wer Selbstvertrauen hat, vermag selbst inmitten einer Menge auf sich zu hören, als herrschte Ruhe um ihn, als wäre er mit sich ganz allein." Bei allem sei Selbstvertrauen ein Ideal der Moderne, getragen von der Herausbildung demokratischer Prinzipien und der Arbeit der Philosophen der Aufklärung. 

Über das #Staunen und das #Schöne, das Vertrauen schenke, erfährt man  auch viel Wissenswertes und kann sich bewusst machen, dass die#Akzeptanz der Ungewissheit die erste Etappe der inneren Wandlung verkörpert. Dabei muss man wissen, dass je entfernter eine Entscheidung von der einfachen rationalen Wahl ist, sie umso mehr Selbstvertrauen von uns verlange. Jedes Mal, wenn wir uns bewusst entscheiden, lernen wir uns ein wenig mehr zu vertrauen. 

Sich entscheiden zu lernen, ist also die Basis für Selbstvertrauen und für das Vertrauen in das Leben überhaupt.

Der Autor macht dem Leser bewusst, dass tatkräftiges Tun für das Selbstvertrauen sehr nützlich ist, weil unsere Intelligenz keine abstrakte, sondern eine herstellerische sei. Es geht also darum, zu handeln, um Vertrauen zu fassen. Welche Funktion Vorbilder für unser Selbstvertrauen haben, reflektiert der Pépin anhand von Beispielen auch und informiert gut nachvollziehbar über probate Mittel gegen Vertrauenskrisen. 

Wer andere nicht überflügeln, sondern sich stattdessen näherkommen möchte, ist auf dem richtigen Weg. Vertrauen ins Leben zu haben, bedeute auf die Zukunft zu setzen, an die schöpferische Kraft des Handelns zu glauben, das Ungewisse zu lieben, anstatt es zu fürchten, aber auch zu glauben, dass es im Leben etwas Gutes, mehr noch, etwas Gütiges gäbe. 

Wer das Leben weiterhin liebe, auch wenn er die Boshaftigkeit der Menschen oder die Ungerechtigkeit eines Systems habe erfahren müssen oder aufgrund eines Schicksalsschlags einen Neubeginn gewagt habe, entwickele Selbstbewusstsein, ein kreatives Potential, das ihm immer mehr innere Stärke schenke. 

"Wer sich selbst vertraut, findet den Mut, sich dem Ungewissen zu stellen, anstelle vor ihm zu fliehen. Der findet im Zweifel, in Tuchfühlung mit ihm, die Kraft sich aufzuschwingen.", so Charles Pépin am Ende seines Philosophiebuches. 

Das klingt doch sehr verlockend. Es lädt dazu ein, Entscheidungen zu treffen, auch wenn letzte Zweifel bleiben. 

 Maximal empfehlenswert. 

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Sich selbst vertrauen: Kleine Philosophie der Zuversicht