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Rezension: Philosophie in Italien: Eine Einführung in 20 Porträts (Gebundene Ausgabe)

Professor Dr. Thomas Hoffmann stellt in diesem Buch 20 Portraits italienischer Philosophen vor.
Nach einleitenden Worten und dezidierten Begriffsbestimmungen fasst er in knappen Worten Essentielles über das philosophische Denken in Italien zusammen, benennt Kennzeichen der Renaissance und gibt zudem wertvolle Hinweise zur Literatur. Seine Betrachtungen zur Philosophie in Italien untergliedert er in : "Neoplatoniker in Italien", "Paduaner Aristoteliker", "Humanisten und neues politisches Denken", "Neuer Annäherung an die Natur" und "Von der Geschichte zum Sein".

Neoplatonismus ist das letzte große System der griechischen Philosophie. Außer platonischen Begriffen sind aristotelische, stoische und solche der späten Mystik in der Neoplatonismus eingegangen. Höchster Begriff ist das über alle Bestimmungen Erhabene (Gott) aus dem nicht durch Schöpfung, sondern durch wesensnotwendige Ausstrahlung alle Seinsformen hervorgehen. Der neoplatonische Philosoph und Theologe Nikolaus von Kues (1401- 1464) stand an der Grenze zwischen Mittelalter und Neuzeit. Er suchte auf allen Gebieten die Versöhnung der Gegensätze auf höherer Ebene. Das Wesen Gottes sah er in der Entfaltung, dem absolut unendlichen Zusammenfall aller endlich bedingten Gegensätze.

Er begriff die Welt als Ausfaltung Gottes. Kues war der Meinung, dass Gott nur durch eine die Verstandesbegriffe übersteigernde "gelehrte Unwissenheit" erfahren werden kann. Neuzeitliches wissenschaftliches Denken vorwegnehmend entwickelte er die Erkenntnistheorie, nach der das Wissen auf Vergleichen und Messen beruht. Kues trat für eine Reform der katholischen Kirche ein sowie für ihren Ausgleich mit den Hussiten und der griechischen Kirche.

Picco della Mirandola (1463- 1494) war ebenfalls Neoplatoniker. Er lud 1486 europäische Gelehrte nach Rom zu einer Diskussion über 900 Thesen. Das hatte eine päpstliche Verurteilung zur Folge. Philosophisch von M. Ficino beeinflusst (auch dieser Philosoph wird von Hoffmann porträtiert), erstrebte Mirandola die Überhöhung des christlichen Weltbildes im Sinne eines Bildungshumanismus. Er war überzeugt, dass der Mensch ein "Mikrokosmos" sei, in dem alle Möglichkeiten angelegt sind und der sich entsprechend den Seinsstufen für das Elementarische , Tierische oder Himmlische entscheiden kann.

Aristotelismus ist der Sammelbegriff für Rezeptionen, Aus und Umbau der philosophischen Lehren Aristoteles, deren italienische Hauptvertreter ebenfalls vorgestellt werden und deren Kerngedanken gut nachvollziehbar dargestellt werden. Im Kapitel "Humanisten und neues politisches Denken" werden u.a. die Kerngedanken Francesco Petracas (1304- 1374) aufgezeigt. Humanismus ist eine auf Humanität gerichtete Geisteshaltung. In der europäischen Geistesgeschichte ist der Humanismus eine geistige Bewegung, die im Zeitalter der Renaissance aus der Bildung an dem neu entdeckten geistigen Gut der Antike ein neues Menschenbild und Selbstverständnis gewann und sich damit gegen die Scholastik des Mittelalters wandte.
Der italienische Humanist und Dichter Petrarca begeisterte sich vorübergehend für den Versuch der Wiedererrichtung der römischen Republik und überwarf sich deshalb mit dem Kardinal Colona. Petrarca ist der erste bedeutende Humanist in Italien. Er arbeitete intensiv an der Erforschung und Herausgabe der antiken Autoren und verfasste selbst an Cicero orientierte lateinische Werke, eine umfangreiche Briefliteratur, ein unvollendetes Epos "Africa" sowie philosophische Schriften, auf die der Autor kurz eingeht.

Der Denker Niccolo Machiavelli (1469-1527) ging von einem pessimistischen Menschenbild aus. Er formte den Begriff der Staatsreform vor und verwarf die Vorstellung des den christlichen Tugenden verpflichteten Herrschers. Er sah in der Macht ein konstituierendes Element der Politik. Machiavellis politische Schriften sind zwei Staatsformen gewidmet: den Republiken und den Fürstentümern. Das vierte Kapitel "Neue Annäherung an die Natur" beinhaltet u .a . die Portraits zweier Persönlichkeiten, die ich in der Rezension noch unbedingt erwähnen möchte.

Giordano Bruno (1548-1600) war ein italienischer Naturphilosoph, der vor der Inquisition ins Ausland floh. 1592 fiel er schließlich doch in die Hände der Inquisition, die ihm wegen seiner Lehren von der Unendlichkeit der Welt und der Vielheit und Gleichwertigkeit der Weltsysteme den Prozess machte. Nach siebenjähriger Haft wurde er auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Bruno vertrat das kopernikanische Weltsystem und eine pantheistische Lehre von der Weltseele. Seine metaphysische Kosmologie hatte entscheidende Konsequenzen für die Anthropologie. Der italienische Mathematiker und Philosoph Galilei Galileo (1564- 1642) trat seit 1610 öffentlich für das heliozentrische Weltsystem des Nicolaus Kopernikus ein. 1613 entwickelte er seine Vorstellungen über das Verhältnis der Bibel zur Naturerkenntnis und zum heliozentrischen System, die eine Neuinterpretation der Heiligen Schrift erforderten. Dies führte zur ersten Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche, die 1616 mit dem Verbot dieser Lehre durch den Papst antwortete. Seine Schrift "Dialogo" führte zum Prozess gegen Galileo vor der Inquisition. 1633 schwor er ab und rettete so sein Leben.

Über all diese genannten Philosophen und 14 weitere Denker berichtet der Autor. Man erfährt einiges über deren Leben und deren zentrale Gedanken. Die Portraits können einzeln gelesen werden aber auch im Zusammenhang, denn letztlich korrespondieren sie miteinander und stellen das philosophische Gesicht Italiens dar.

Ich möchte ein sehr beeindruckende Sentenz Marsilo Ficinos noch anfügen:

"Die wahre Liebe ist nämlich nichts anders als ein Aufwärtsstreben der göttlichen Schönheit entgegen." (aus: De amore sive In conviviium Platonis)

Empfehlenswert!

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