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Rezension: Kluge Gefühle- Eyal Winter- Dumont

Der Autor des vorliegenden Buches - Prof. Dr. Eyal Winter-    ist Leiter des Zentrums für Rationalität an der Hebräischen Universität von Jerusalem. Er hat bereits an 130 Universitäten in 26 Ländern gelehrt. Übersetzt wurde das Werk aus dem Englischen ins Deutsche von Dr. Harald Stadler.  

Durch die Lektüre dieses Buches sollen auch Leser, die nur bedingt mit der neuesten sozialwissenschaftlichen Forschung vertraut sind, an bemerkenswerten Diskussionen teilhaben können, die momentan über das Verhältnis zwischen Emotion und rationalem Verhalten geführt werden. 

Es wird der Frage nachgegangen, ob die Unmittelbarkeit, Intensität und Anpassungsfähigkeit unserer emotionalen Mechanismen unsere rationalen Systeme der Entscheidungsfindung zu überwältigen drohen oder ob sich diese beiden Mechanismen ergänzen und unterstützen. 

Untergliedert ist das Buch in fünf Teile. Darin abgehandelt werden: 
Unmut und Selbstbindung 
Vertrauen und Großzügigkeit 
Sexualität und Liebe 
Optimismus, Pessimismus und Gruppenverhalten 
Rationalität, Emotionen und Gene 

Sehr spannend fand ich die Betrachtungen zum Thema "Stockholm-Syndrom", das die extremste Manifestation eines umfassenderen Syndroms darstellt, wonach man in Beziehung zu Autoritätspersonen dazu neigt, positive Gefühle zu diesen zu entwickeln, selbst dann, wenn sie uns ungerecht und verletzend behandeln. Je weniger man in der Lage ist, sich aus deren Abhängigkeit zu lösen, umso stärker bekundet man positive Gefühle und gibt sich selbst die Schuld bei Übergriffen. 

Vertieft man sich in das Buch, dann wird klar, dass hinter vielen Gefühlen Überlebensstrategien stehen und "do ut des" beispielsweise unnötige Verteilungskämpfe verhindern lassen. 

Aufschlussreich sind die Fakten  zu Klischeevorstellungen in puncto Männer und Frauen, so etwa zur These, dass Männer konkurrenzorientierter als Frauen oder auch risikobereiter sind. 

Doch ich möchte nicht zu viel verraten. Lesenswert ist das Buch allemal, auch für jene, die wissen möchten, wieso die Evolution die Kunst hervorbrachte. 

Empfehlenswert 

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zu Dumont und können das Buch bestellen http://www.dumont-buchverlag.de/buch/Eyal_Winter_Kluge_Gefuehle/15305.  Sie können es aber auch direkt bei Ihrem Buchhändler umd die Ecke ordern.

Rezension: Freundschaft- Geschichten von Nähe und Distanz- Katja Kraus- S. Fischer

Autorin dieses Buches mit dem Titel "Freundschaft" ist Katja Kraus, die geschäftsführende Gesellschafterin der Sportkommunikationsagentur Jung von Matt/sports. Gesprochen hat sie mit über zwanzig Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Berufsfeldern über deren Freundschaften. Die Gespräche führte sie zwischen den Sommern 2013 und 2014. Auf den letzten Seiten sind die Gesprächspartner alle aufgelistet und zwar nach der Reihenfolge des Erscheinens der Geschichten. 

Das Buch habe ich nicht chronologisch gelesen, sondern mit dem Menschen begonnen, von dem der Satz stammt "Ein neuer Mensch schaut genauer hin, für alte Freunde ist man immer, wer man war." Es ist Roger Willemsen. Katja Kraus hat ihn 2010 kennen gelernt. Sie erfährt, dass viele seiner Freunde Frauen sind, weil diese eine höhere Meinung von der Differenzierung der Gefühle hätten. Er schätzt an seinen Freundinnen Stilempfinden und Ästhetik, auch innere. Doch sie erfährt noch weitaus mehr von ihm im Hinblick auf seine Freundschaftsbetrachtungen. Dies als Einstieg für all die anderen Gespräche zu begreifen, fand ich sehr inspirierend. 

Während ich einzelne Freundschaftsüberlegungen lese, denke ich an Cicero und seinen Text "Über die Freundschaft" und erkenne, dass sich nichts verändert hat seit jenen Tagen als er ihn schrieb. Noch immer versucht der Mensch sich mit den Spielarten der Freundschaft auseinander zu setzen, noch immer ist sie ihm wichtig, noch immer weiß man,  um die Notwendigkeit der gegenseitigen Zuverlässigkeit, der charakterlichen Nähe, des übereinstimmenden Humors und auch der Genussfähigkeit. 

Gefallen haben mir die Überlegungen von Manfred Bissinger, der an einer Stelle sagt "Für mich ist Freundschaft Loyalität, Fürsorge, Liebe aber auch Austausch, Inspiration, Spaß. Ich mag das Leben im Kontext meiner liebsten Menschen, mag sie mit einbeziehen, einbezogen sein, mit ihnen fühlen, wo immer jeder für sich gerade ist." Einige Zeilen danach sagt er noch "Freundschaft heißt für mich, in liebevoller Hinwendung mit dem Menschen beschäftigt zu sein. Halt darin zu finden. Stabilität. Freundschaft ist Familie. Einige Beziehungen wachsen, andere verwildern über die Jahre, manche trocknen aus. Langsam. Still." Sätze wie diese machen es einfach die Rezension zum Buch in der Rubrik "Psychologie und Philosophie" von "Buch, Kultur und Lifestyle" einzubinden, es dort einzureihen in die Freundschaftsbetrachtungen unterschiedlicher Verfasser und mich über diese "Geschichten von Nähe und Distanz" zu freuen, die so ungemein frisch daher kommen, trotz ihres Themas, das so alt ist wie die Menschheit selbst.

Empfehlenswert

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zu den S. Fischer Verlagen und können das Buch bestellen. http://www.fischerverlage.de/buch/freundschaft/9783100021960. Sie können es aber auch direkt bei ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.

Rezension: Selbstmitgefühl entwickeln- Christine Brähler- Scorpio

Die Psychotherapeutin Dr. Christine Brähler hat mit "Selbstmitgefühl entwickeln" ein Buch auf den Weg gebracht, in welchem sie anhand von Fallbeispielen, Übungen und konkreten Tipps verdeutlicht, wie man freundlicher mit sich selbst umgeht und weshalb dies gesünder ist und resilienter macht. 

Ihr Buch hat sie in fünf Abschnitte untergliedert. Dabei weist sie eingangs mittels eines Fragekatalogs darauf hin, für wen der Text hilfreich ist. Danach erläutert die Autorin zunächst den Unterschied zwischen Selbstmitgefühl und Selbstmitleid. Während Selbstmitleid dazu führt, dass man sich unverstanden und allein fühlt und man sich in seiner Leidensgeschichte verstrickt, entwickelt man durch Selbstmitgefühl die Kraft, das Leid anzuerkennen und es zu überwinden.

Anhand eines kleinen Fragekatalogs kann man sein Selbstmitgefühl testen. Ich möchte im Rahmen der Rezension nicht auf die Fallbeispiele näher eingehen, sondern mich mehr der Überlegungen und Übungen widmen. So liest man, dass ein weitverbreiteter Schutzmechanismus die Selbstverurteilung sei. Wer kennt sie nicht, die Stimme des inneren Kritikers? Der innere Kritiker ist es, der Angst und Depression fördert. 

Man liest von drei Aspekten des Selbstmitgefühls nach Kirstin Neff. Genannt und erläutert werden die Komponenten: Gelassenes Gewahrsein, gemeinsames Menschsein und Selbstfreundlichkeit.

Brähler räumt mit Missverständnissen auf, was die Wortneuschöpfung "Selbstmitgefühl" anbelangt und hebt in diesem Zusammenhang hervor, dass es keineswegs egoistisch mache, wenn man dieses Gefühl kultiviert. Man lernt den "Mitgefühlsmuskel" zu trainieren und zu begreifen wie Stressregulation optimal funktioniert. Wenn man in schwierigen Situationen nicht fürsorglich und verständnisvoll miteinander umgeht, dann ist es nicht leicht, sich zu erholen und die Kraft und Zuversicht für weitere Schritte bzw. einen neuen Anlauf zu finden, (S. 39). 

Wichtig ist es, sich selbst zu vertrauen, sich mit den vielen Aspekten des Mitgefühls näher zu befassen. Die Fragen der Autorin auch diesbezüglich bereichern. 

Nachdem man erfahren hat, wie man zum Mitgefühl findet, lernt man die vier Herzqualitäten kennen, die da sind: Liebe, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut. Es ist der Gleichmut, die uns hilft, nicht krampfhaft an Schönem festzuhalten und Unangenehmes vermeiden zu wollen. Gleichmut macht es möglich, sich dem Fluss des Lebens anzuvertrauen. Loslassen, Gefühle durch uns durchfließen lassen, Leid nicht festhalten, sondern dessen Transformation bewusst erleben, das funktioniert durch Gleichmut. 

Mangel ist ein Thema und wie man diesen erforscht. Scham und Verletzlichkeit kommen ebenfalls zur Sprache und auch, weshalb man Mut zur Unvollkommenheit haben sollte. Selbstverurteilung, Selbstisolation und Selbstbezogenheit erhalten nicht bloß emotionales Leid aufrecht, sie verstärken zudem unser negatives Selbstbild (S.77).

Wissen sollte man, dass Mitgefühl das körperliche und seelische Immunsystem stärkt und Entzündungsmarker im Blut minimiert. Neben Scham kann auch Wut emotionalem Leid zugrunde liegen. Dabei vermag Selbstmitgefühl zu helfen, einen heilsamen Umgang mit der Wut zu entwickeln. 

Die Autorin zeigt aktive und passive Formen von Wut. Dass Mobbing eine aktive Ausdrucksform von Wut ist, wird der ein oder andere sich denken können, doch auch Egoismus und Größenwahn sind es, während passives Wutverhalten sich z.B. im Hintergehen oder Anschweigen ausdrückt. 

Verdeutlich wird, wie man die Energie der Wut verwandelt, auch wie man seine Wut erforscht, sie anerkennt und innere als auch äußere Grenzen setzt. 

Der Prozess des Vergebens wird ebenfalls angesprochen und hier auch die Selbstvergebung. 

Es geht bei allem letztlich  um das  Erkennen, denn nur dieses lässt uns reifen und im Einklang mit uns und anderen leben. 

Empfehlenswert 

Helga König


Rezension: #Sex- Eine kleine Philosophie- André Comte-Sponville- #Diogenes

Autor dieses Buches ist André Comte-Sponville. Er war Professor für Philosophie an der Sorbonne, bevor er sich seit 1998 ausschließlich als Verfasser erfolgreicher Bücher einen Namen gemacht hat. Im vorliegenden Text befasst es sich  mit einem Thema, das ursprünglich für einen mündlichen Vortrag angedacht war: Sex- Eine kleine Philosophie

Der Autor definiert Sexualität wie folgt: "Die Gesamtheit der Affekte, Phantasien sowie Verhaltensweisen, die verknüpft sind- und sei es bloß als Vorstellung- mit der Lust des Körpers eines anderen oder dem eigenen, insofern er geschlechtlich ist. Sexualität sei weniger eine Fähigkeit als eine Funktion, weniger ein Instinkt als ein Trieb."

Das wird in der Folge dann auch näher erläutert, wie auch andere Begrifflichkeiten  sehr gut definiert werden, die zum besseren Verständnis des Textes beitragen. Anschließend stellt der Autor einige Philosophen im Hinblick auf ihre Äußerungen zur Sexualität vor, z.B.  Montaigne, dessen Essays ich vor einigen Jahren rezensiert habe. 

Er soll der wohl einzige Philosoph sein, der sich was den Sex anbelangt, heiter, leicht, tief, luzid und humorvoll geäußert habe. Bei Montaigne gibt es weder Prüderie, noch lässt er Weltfremdheit erkennen. Er verweist nachdrücklich auf die Erotik der Einbildung, Phantasie und Träumerei und will die Freuden des Fleisches keineswegs bekämpfen. Sie sind ihm angenehmer als die zahllosen "quälenden Gedanken" und "schwarzgalligen Kümmernisse", die durch eine negative Haltung zur Sexualität entstehen. 

Auch Schopenhauer, Feuerbach, Nietzsche und Kant werden bezugnehmend auf ihre Gedanken zur Sexualität beleuchtet. Für Nietzsche war die Liebe ein "Krieg" und  "in  ihrem Grunde der Todeshass der Geschlechter". Nach Auffassung dieses Philosophen verbindet die Sexualität im besten Falle Egoismus, Altruismus, Lust und Wohlwollen, Begehren und Großzügigkeit, Gier und Dankbarkeit. 

Nietzsche dokumentiert Erkenntnis, wenn er konstatiert, dass man Liebe lernen muss, um  nach einer Phase der sexuellen Begierde etwas Neuem Platz zu machen, nämlich der Freundschaft, sofern die Liebe Bestand haben soll. Diese Transformation aber gelingt nur wenigen. Die vielen Trennungen und Scheidungen im Hier und Jetzt  verdeutlichen dies.

Auch über Kants diesbezügliche Nachdenklichkeiten liest man und hier gleich zu Anfang eine "bemerkenswert poetische" Definition: "Geschlechtsgemeinschaft (commercium sexuale) ist der wechselseitige Gebrauch, den ein Mensch von eines anderen Geschlechtsorganen und Vermögen macht." Kant war  halt ein Preuße und kein charmanter Franzose.

Comte- Sponville schreibt u.a. über Erotik und weshalb sie einen Teil des Wesens des Menschen ausmacht. Nach Ansicht des Autors ist sie eine Verstärkung des Begehrens durch sich selbst, zugleich reflexiv und transitiv. 

Man liest von der Erotik der Achtung von Liebenden, die bis zur Kränkung gewahrt bleibt, auch der völligen Preisgabe u.a. mehr. Am Ende bleibt das Wissen, dass jede Sexualität, - selbst einsame -Beziehungssexualität ist. Und genau  das macht sie lebendig. Sie ist Sonne und Abgrund zugleich, erhellt jeden, aber nur von innen und nur den, den es zum Leben erweckt, so André Comte- Sponville. 

Dies ist eine  gelungene, wirklich schöne philosophische Betrachtung: Licht und Schatten der Lust und damit die Relativität des Begehrens.

Empfehlenswert

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zu Diogenes und können das Buch bestellen.http://www.diogenes.de/leser/katalog/nach_autoren/a-z/c/9783257069242/buch Sie können es aber auch direkt bei Ihrem Buchhändler um die Ecke oreden.

Rezension: Die #Psychologie der #Intimität- #Tobias_Ruland- #Klett_Cotta

Autor dieses exzellent geschriebenen, äußerst erhellenden Buches ist der Münchener Paar- und Sexualtherapeut Dr. Tobias Ruland, der in sechs bemerkenswert eloquenten Kapiteln erläutert, was eigentlich Liebe und Sex miteinander zu tun haben. 

Gleich zu Beginn des ersten Kapitels listet Ruland häufig genannte Motive bei der Partnerwahl auf und erläutert in der Folge, weshalb selbst dann, wenn Partner "zueinander passen" dennoch Beziehungsprobleme auftreten können. 

Der Paartherapeut unterscheidet zwischen "kollusiven" und "kollaborativen" Allianzen in Beziehungen und macht deutlich, dass bei "kollusiven" Allianzen es offenbar bedeutsam ist, dem Partner ein bestimmtes Wohlgefühl zu vermitteln, wohingegen bei den "kollaborativen" Allianzen es vielmehr um das gute Funktionieren der Partnerschaft geht. 

Um Beziehungsprobleme zu lösen, müssen nicht selten neue Fähigkeiten erlernt werden. Hauptsächlich geht es dabei um die Differenzierung des Selbst. Erlernt werden muss, den Komfortmodus zu verlassen, in Stresssituationen sich angemessen zu verhalten und auf diese Weise mit anderen Menschen in Kontakt zu bleiben, ohne sich dabei selbst zu verlieren. 

Wer im Sinne einer "kollaborativen" Allianz beziehungsfähig sein möchte, muss sich um persönliche Reifung und Entwicklung bemühen. 

Wie aus heißer Liebe gegenseitige Verachtung wird, zeigt das zweite Kapitel. Folge wiederholter, unverarbeiteter Verletzungen in Beziehungen sind wachsende Gleichgültigkeit, Entfremdung und innere Kündigung. Dazu kommen noch härtere Auseinandersetzungen, gegenseitige Abwertungen, absichtliche Verletzungen, Hass und Verachtung. Wenn Paare sich trotz solcher Verhaltensmuster nicht trennen, entstehen Depressionen, Schlafstörungen, Angst- und Panikstörungen, Alkohol- und Drogenabhängigkeit und es kann sogar zu Mord und Suizid kommen, (vgl.: S. 64). 

Ruland listet eine Reihe von Verletzungen in Partnerschaften auf und macht begreifbar, dass allen Verletzungen der Einsatz bzw. Missbrauch von Hierarchie zu Grunde liegt, dadurch aber ist die Kooperation im Team nicht mehr möglich. Der Therapeut verdeutlicht wie Machtspiele und Verletzungen Beziehungen allmählich zerfressen und was geschieht, wenn pausenlos bewertet, blockiert, abgewertet und nicht aufeinander eingegangen wird. 

Die Taktiken des  sogenannten "apokalyptischen Berserkers" führen zu immer häufigeren Störungen und bedingen einen weiteren Schritt in der Abwärtsspirale von Beziehungen. 

Menschen, deren Differenzierungsfähigkeit gut ausgeprägt ist, können Groll und Ängste besser begrenzen und besitzen dadurch eine günstigere Voraussetzung für ein intimeres Erleben von Beziehungen. Intimität im Sinne des Autors bedeutet, dass ein anderer Mensch die Chance erhält, unsere Gefühle, Gedanken und etwas aus unserem Inneren zu erfahren. Je freier, offener und ehrlicher man sein Inneres zeige, desto größer werde das Gefühl der Intimität. Wer sich verschließt, kann das Gefühl der Selbstoffenbarung und damit einhergehend der Intimität nicht erleben, (vgl.: S.111) 

Der Autor zeigt die Vorteile von geglückter Intimität auf und lässt den Leser auch wissen, weshalb viele Menschen ein Problem mit diesem doch eigentlich wunderbaren Zustand haben. Stets dann, wenn sich zwei Menschen begegnen, haben sie die Macht, Distanz zu schaffen oder aber enger zusammenzurücken. Dabei erfordert die Fähigkeit, diese Situationen so zu bewältigen, dass sie die Intimität in der Partnerschaft fördern und nicht hemmen, sehr viel Aufmerksamkeit und Beharrlichkeit, (vgl. S.139). 

Ausführlich macht Ruland begreifbar, was es bedeutet, sich wirklich füreinander zu entscheiden, dazu gehört auch berechtigte Anliegen des anderen zu verstehen und zu respektieren. 

Der Autor thematisiert das Ziel von kollaborativen Konfrontationen. Dabei geht es darum, auf Probleme innerhalb einer kollaborativen Allianz hinzuweisen, ohne die Beziehung zu schädigen. Auch über narzisstisch, leicht kränkbare Menschen liest man Wissenwertes und versteht nun besser, weshalb es so kompliziert ist, mit diesen Menschen eine kollaborative Allianz zu bilden, die letztlich die Voraussetzung für Intimität darstellt, die sich schlussendlich auch in der Sexualität einer Paarbeziehung spiegelt. 

Im Kapitel 5 wird dann klar, dass sexuelle Harmonie eine Form von seelischer und mentaler Hingabe voraussetzt, die nur durch kollaborative Allianz entstehen kann. Zur Sprache gebracht wird "Geben" und "Nehmen" in intimen Paarbeziehungen und auch, weshalb Sexualität keineswegs immer intim ist. 

Sechs Stufen von Intimität werden aufgezeigt, die sofern man sie gemeinsam erreicht, erfüllende Momente selbst in der sexuellen Begegnung erst möglich machen.

Über das Wachsen intimer Paarbeziehungen wird man schließlich im 6. Kapitel sehr gut aufgeklärt. Hier werden die Puzzlesteine für das Gedeihen im Einzelnen beleuchtet und die notwenigen Kompetenzen und Mittel hierfür genannt.

Die Chance in einer langfristige harmonischeren und damit zufriedenstellenderen Beziehung zu leben, ist Grund genug dieses Buch sehr aufmerksam zu lesen und mannigfachen Gewinn daraus zu ziehen. Darüber hinaus werden alle, die gerne ein gedanklich ausgereiftes Buch studieren, hier intellektuell  sehr befriedigt sein.

Sehr empfehlenswert.

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie tum Klett-Cotta Verlag und können das Buch bestellen:http://www.klett-cotta.de/buch/Partnerschaft/Die_Psychologie_der_Intimitaet/55805. Sie können es jedoch auch direkt bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.

Du denkst nicht mit dem Kopf allein- Vom geheimen Eigenleben unserer Sinne - ‪#‎Thalma_Lobel‬- Campus

Die Verfasserin dieser bemerkenswerten Publikation ist Thalma Lobel, eine promovierte Psychologin und Professorin der Universität Tel Aviv. Sie zeigt in diesem Werk erstmals die Verbindung zwischen externen sensorischen Einflüssen und unserem Handeln auf. Die kommunizierten Untersuchungen dokumentieren das sogenannte "Embodiment", wonach sich Körper und Psyche gegenseitig beeinflussen. 

Das Buch ist ein systematischer Rundgang durch die Wahrnehmungen unserer verschiedenen Sinnesorgane. Es verdeutlicht wie unser Denken und unsere vermeintlich rationalen Entscheidungen durch diese beeinflusst werden und zwar ohne dass wir dies bemerken. Es geht konkret um unbewusste Einflüsse unserer Sinneseindrücke auf unser Fühlen, Denken und Handeln. 

Dabei zeigt Lobel zunächst auf, wie sich die Temperatur auf unsere Stimmung und unsere Entscheidungen auswirkt. Es ist mehr als verblüffend, wie Wärme oder wie man später im Buch dann auch lesen wird, beispielsweise Distanz und Gewicht sowie andere subtile Sinneseindrücke unser Urteil beeinflussen. Die Autorin weist auf unzählige Untersuchungsergebnisse hin, die mehr als nur nachdenklich stimmen. Leider ist es unmöglich, hier im Rahmen der Rezension alle zu nennen.

Wer bei einem Rendezvous oder bei einem Geschäftstreffen ein positives Klima erzeugen möchte, sollte seinem Gegenüber ein warmes Getränk offerieren. Die Ergebnisse sprechen für sich. Die Psychologin zeigt des Weiteren, was Oberflächen und Textur bewirken, so etwa ein kleiner Stein im Schuh oder ein stacheliger Bart. Alles, was mit uns in Berührung kommt, beeinflusst unsere Urteile, Wahrnehmungen und Verhaltensweisen, ohne dass uns dies bewusst wird. 

Unsere Redewendungen und abstrakten Konzepte stehen offenbar in einem direkten Zusammenhang mit unserem körperlichen Erleben. In der Folge wird gezeigt, wie uns Gewichte manipulieren. Interessanter Weise haben Menschen mit Geheimnissen auch körperlich das Gefühl, eine Last mit sich herumzuschleppen. Als essentielle Geheimnisse nennt sie: die sexuelle Orientierung, traumatischen Erlebnisse, Untreue u. Krankheit. Sie ziehen uns wie eine körperlich Bürde nach unten, (vgl.: S. 59). Interessant dies sich  optisch bewusst zu machen.

Ein weiteres Thema ist die Farbe Rot. Hier dokumentiert die Autorin, welche unglaubliche Wirkung die Farbe auf uns hat. Sie kann beispielsweise unsere Leistung und Motivation beeinträchtigen, aber auch völlig anders wirken, so etwa beim Sex oder Sexualverhalten. Durchschnittlich attraktive Frauen erscheinen mittels dieser Farbe attraktiver. Wenn diese Farbe aber zu dick aufgetragen wird, kippt der Eindruck.

Männer sollten sehr vorsichtig mit der Farbe Rot agieren, denn sie könnten zu dominant und aggressiv erscheinen, was auf Ablehnung stößt. 

Man erfährt wie Hell und Dunkel auf uns auswirkt. Dabei sollte man wissen, dass Helles positiver wahrgenommen und Positives heller wahrgenommen wird. Im umgekehrten Fall aber gilt das auch. Offenbar entfesselt die Dunkelheit unsere Schatten, so jedenfalls die Untersuchungsergebnisse. 

Körperlicher Abstand und emotionale Distanz in Bezug auf Entscheidungsfindung werden beleuchtet. Beantwortet wird die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen räumlicher Nähe bzw. Ferne und der abstrakten Vorstellung von emotionaler Distanz gibt. Interessanterweise  kann man selbst dann, wenn ein Esstisch nicht überdimensioniert ist, bei einer formale Sitzordnung und großem Abstand auf mangelnde Intimität der Familie schließen. 

Zur Sprache kommt außerdem der Zusammenhang zwischen Höhe und Macht. Viele Sprachbilder deuten darauf hin und es wird erläutert, wieso man groß und mächtig gleichsetzt. Erstaunlicherweise fühlen sich selbst Erwachsene von großen Menschen eher bedroht als von kleinen und Untersuchungen zeigen, dass selbst heute bei veränderten Geschlechterrollen Männer eine Vorliebe für schwächere Frauen haben, während Frauen starke Männer bevorzugen, (vgl. S.144). 

Es wird ferner auch erörtert, weshalb Menschen, die sich machtlos empfinden, zu größeren Gläsern oder größeren Portionen bei Mahlzeiten neigen und Erfolg bei Verhandlungen von der Sitzhöhe abhängt. Der Zusammenhang zwischen Schuld, Moral und Sauberkeit wird  entschlüsselt.  Dass der Versuch unternommen wird, unmoralische Handlungen wie eine Schmutzschicht abzuwaschen, lässt Putzsucht und Waschzwang noch bedenklicher erscheinen als ohnehin, weil der Handelnde sich tatsächlich auf diese Weise auch vom Gewissen her wieder reiner fühlt. 

Bemerkenswert auch sind die Untersuchungsergebnisse im Hinblick auf Geruch und Geschmack. Dabei wird das Süße mit angenehmen Dingen verbunden. Einige Düfte beeinflussen nicht nur das Verbraucherverhalten, sondern sogar unsere Denkfähigkeit und unser körperliches Leistungsvermögen. Zimtaromen beispielsweise sollen Denkleistung, Konzentrationsfähigkeit und Erinnerungsvermögen steigern, Ähnliches gilt für Pfefferminz. Dass angenehme Düfte die Stimmung beeinflussen, weiß man seit alters her. Erstaunlich aber sind die durchgeführten Experimente. So etwa, welche Düfte zu bestimmten Tätigkeiten anregen.

Im Schlusskapitel verdeutlicht die Autorin nicht zuletzt, wie man mithilfe des Embodiment seine Kreativität vergrößert, wie man Schubladendenken überwinden und ausgetretene Pfade verlassen kann. Die im Buch näher beschriebenen Erkenntnisse zur psychischen Intelligenz lassen den Leser begreifen wie unser Denken und Fühlen funktioniert, doch sie sind auch ein Beitrag zur künstlichen Intelligenz wie Lobel schreibt und begründet. 

Die Experimente im Buch wurden von Wissenschaftlern renommierter Universitäten durchgeführt und von unabhängigen Kollegen überprüft. Mittels der Erkenntnisse aus dieser Publikation kann man stärker auf Umwelteinflüsse wie Farbe, Temperatur und Textur achten. Möglich ist es, aufgrund der Lektüre eine neue Sprache zu sprechen und zwar jene der verkörperten Metaphern. 


Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Campus-Verlag und können das Buch bestellen:http://www.campus.de/buecher-campus-verlag/leben/du_denkst_nicht_mit_dem_kopf_allein-9650.html. Sie können es aber auch direkt bei ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.

Rezension: #für Anfänger von Sokrates bis Sartre Ralf Ludwig dtv

Dr. Ralf Ludwig legt mit diesem Buch eine Lese-Einführung von Sokrates bis Kant vor. Es handelt sich bei diesem Nachschlagewerk um einen Wegbegleiter durch die abendländische Philosophie, der sehr gut aufgebaut und in die Abschnitte

Philosophie der Antike
Philosophie des Mittelalters
Philosophie der Neuzeit
Das 20. Jahrhundert

untergliedert ist.

In den einführenden Gedanken, die dem Wegbegleiter vorausgehen, geht der Autor u.a. der Frage nach, was das Wort Philosophie überhaupt bedeutet und gibt nützliche Hinweise zum Gebrauch des Buches. Hier lässt er den Leser wissen, dass das Werk trotz seines lexikalischen Charakters chronologisch angelegt ist. Auf diese Weise soll  geholfen werden, die einzelnen Denker in ihren jeweiligen Zeitepochen vorzufinden und sie in einem philosophiegeschichtlichen Zusammenhang zu begreifen.

Die Struktur der Artikel zu den einzelnen Denkern sieht zumeist wie folgt aus:

1. Es gibt stets eine Kurzinformation über die Bedeutung und zeitgeschichtliche Einordung
2. Es liegen immer biographische Hinweise vor
3. Es werden  Denkergebnisse des fokussierten Philosophen in gestraffter Form übermittelt, "je nach Bedeutung und urheberrechtlichen Möglichkeiten, mit Auszügen aus Primärtexten."

Da ich  in den nächsten Monaten einige Bücher von Hegel lesen möchte, habe ich mir zunächst im vorliegenden Buch einen ersten Überblick über diesen Philosophen und sein Werk verschafft. Das ist mittels des Textes von Ralf Ludwig problemlos möglich, da er sich um eine verständliche Sprache bemüht, um  höchst komplexem Inhalte wiederzugeben.

An den Beispielen des Empirismus und der Aufklärung, mit denen ich mich im Rahmen meines Politikstudium  bereits näher befasst habe, kann ich beurteilen, dass die Übermittlung der philosophischen Gedanken jener Zeit perfekt gelungen ist.

Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zu  dtv und können das Buch direkt bestellen.http://www.dtv.de/buecher/philosophie_fuer_anfaenger_von_sokrates_bis_sartre_34824.. Sie können es aber auch bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.

Rezension: Der Mann, der sich in die Zebrafrau verliebte- Geschichten über Menschen zwischen Wahn und Wirklichkeit- #Peter_Teuschel- #Ullstein_extra

Im Frühling 2014 rezensierte ich das Sachbuch "Das schwarze Schaf" des Psychiaters Dr. Peter Teuschel und realisierte anschließend  mit dem Autor ein Interview auf "Buch, Kultur und Lifestyle".

Im vorliegenden Buch wartet Peter Teuschel nun mit Geschichten aus seiner Praxis auf. Diese sind überaus spannend, geradezu kurzweilig  zu lesen und stimmen dabei ziemlich nachdenklich. 

Der Autor erzählt zunächst, wie es dazu kam, dass er Psychiater wurde, denn eigentlich wollte er Internist werden. 

Die Geschichten  hat er verfasst, weil er vermitteln möchte, dass es in der Psychiatrie nicht nur um Diagnosen, Tabletten und Therapie geht, sondern auch um die Frage: "Wie gelingt uns unser Leben?" 

Seine Geschichten zeigen, wie vielfältig die Versuche sind, diese Frage zu beantworten. Ich möchte die geschilderten Fälle, deren Protagonisten wirklich in Staunen versetzen, nicht verkürzt wiedergeben, aber  auch nicht unerwähnt lassen, dass  verdeutlicht wird, wie sonderbar, dabei jedoch keineswegs unverständlich Menschen reagieren können, deren Seelenleben aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Dr. Teuschel macht ersichtlich,  dass es selbst für einen Psychiater nicht immer sofort auf der Hand liegt, wieso ein Mensch zeitweilig den Realitätsbezug verliert und in Angstzustände oder Wahnvorstellungen  gerät.

Wie kann ein Psychiater seinen Patienten helfen, selbst angelegte Hürden, traumatische Erlebnisse, Hemmungen, schlechte Erfahrungen, falsche Prägungen durch einseitige Erziehung oder große Angst zu überwinden? 

Der Autor zeigt dies anhand der Beispiele im Buch, zeigt wie er mit seinen Patienten gemeinsam über Brücken geht, die in der Psychotherapie gebaut werden und zwar dann, wenn der Patient nicht aus eigener Kraft eine solche Brücke errichten kann, sei es weil er nicht die richtige Stelle für besagte Brücke findet oder es ihm an Baumaterialien mangelt.  Bei diesen Baumaterialien, so Teuschel, handelt es sich um das Handwerkszeug der Psychotherapie, sprich das Bewusstmachen von Unbewusstem, Trainingsmethoden und heilsame Beziehungserfahrungen. Die Brücke selbst steht für Selbsterkenntnis, für psychologische Lernerfolge, für Mut und mitunter auch für Aussöhnung und Verzeihen.“ (vgl.: S.61ff). 

Erstmals las ich von einer Störung, die den Namen "folie à deux" trägt. Es handelt sich dabei um eine gemeinsame wahnhafte Störung, deren Mechanismus durch den Begriff "psychotische Infektion" deutlich wird. Die Geschichte, in der es um diese Störung geht, habe ich mit großem Interesse gelesen, weil ich zwei mittlerweile verstorbene Menschen kannte, bei denen genau dieses Phänomen vorlag. Der gemeinsam ausgelebte Wahn hatte desaströse Folgen. 

Die Geschichte, die mich besonders fasziniert hat, war jene mit dem Titel  "Eis". Im Rahmen dieser Geschichte macht Dr. Teuschel einen Test, wonach man schnell bemerkt, ob man es mit einem depressiven oder einem narzisstischen Menschen zu tun hat. Auf die Protagonistin trifft beides nicht zu, doch was ist  mit  ihr, die in ihrem Innern ein wildes Mädchen trägt, das im Feuer tanzte?

All die Geschichten, natürlich auch jene der Ordensschwester, machen nachdenklich. Wie ticken Menschen wirklich, die uns im Laufe unsres Lebens sei es real oder virtuell begegnen? Auf was muss man sich gefasst machen? Wie das Buch und damit das Leben selbst verdeutlicht, auf alles. Gelassenheit ist also angesagt.

Peter Teuschel zeigt durch seine Geschichten, in denen er Hand in Hand mit seinen Patienten über eine für diese unüberwindbar erscheinende Brücke geht, dass im Grunde jeder sein seelisches Gleichgewicht verlieren, aber durchaus auch wieder gewinnen kann und nichts gegen die Hilfe eines fachkundigen Dritten spricht. 

Empfehlenswert.

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Verlag Ullstein extra und können das Buch bestellen: http://www.ullsteinbuchverlage.de/nc/buch/details/der-mann-der-sich-in-die-zebrafrau-verliebte-9783864930263.html?cHash=c19209b78c678ce07435e4336c007587. Sie können es aber auch direkt bei Ihrer Buchhandlung vor  Ort  bestellen.

Rezension: Philosophische Untersuchung über das Wesen der menschlichen Freiheit- F.W.J. Schelling

Autor dieses Buches ist Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (1775-1854). Neben Fichte und Hegel stellt er den dritten Hauptvertreter des  "Deutschen Idealismus" dar. Herausgeber des Textes ist Dr. Bruno Kern, der die Einleitung mit dem Titel "Die abgründige Kehrseite der Vernunft" verfasst hat.

Hier erfährt man ein wenig über Schellings Herkunft und Entwicklung. Der schwäbische Denker erkannte in den vielfältigen Phänomenen der Natur die Vorformen des Geistes. Für ihn ist das Auftreten des Geistes innerhalb der Welt überhaupt nur möglich, weil Geist und Natur zutiefst identisch sind. 

Es war Goethe, der auf Schellings Naturphilosophie aufmerksam wurde und auf seine Empfehlung ist es letztlich zurückzuführen, dass man Schelling nach Jena berief. Da der Denker Kontakt zu Romantikern aus dem Kreise von Karoline Schlegel hatte, galt er als der Philosoph der Romantik, 

Die Überlegungen Schellings in seiner Freiheitsschrift mit dem Titel "Philosophische Untersuchung über das Wesen der menschlichen Freiheit" gehen davon aus, dass das unabweisbare Gefühl der Freiheit nur dann tatsächlich begründet ist, wenn es in der Natur und Kosmologie verankert werden kann und nicht nur gegen die Natur eingefordert wird. 

Freiheit muss also im Ursprung der Welt angelegt sein, wenn sie  sich als tragfähig erweisen soll. Im Gegensatz zu Hegel lässt Schelling sich irritieren von der faktischen Unvernünftigkeit der Welt und der Geschichte. Das hat zur Folge, dass man seinem Denken das Erschrecken an der Negativität anmerkt.

Schelling fragt nach dem "Woher" und der Natur des Bösen, sieht das Bizarre, Sinnwidrige und auch die Dysfunktionalitäten, die den Menschen in Grausamkeit und Perversion treibe. Wie Kern schreibt, könne man Schellings Freiheitsschrift als Versuch einer Theodizee lesen, sprich als Rechtfertigung Gottes angesichts der Negativität.  Das sehe ich nach der Lektüre des Textes auch so.

Schelling fast das Wesen der Natur neu, indem er den Willen nun im Sinne einer Kraft "naturalisiert", die allem Seienden in Form von Impulsivität, Drang, Durchsetzungskraft und Selbstbehauptung innewohnt. Das Böse entsteht bei Schelling dadurch, dass  der Mensch seine Natur, begriffen als Drang und Begierde gegen den Geist zum Prinzip erhebt. 

Pervertiert die Freiheit des Menschen wird die Vernünftigkeit der Welt in Frage gestellt. 

Nach der Vorrede Schellings hat man die Chance,  sich in die Schrift zu vertiefen, die ich gerne all jenen empfehle, die sich im kommenden Jahr ein wenig näher mit den Protagonisten des Deutschen Idealismus befassen wollen. 

Warum nicht mit Schelling einsteigen? 

Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Marix-Verlag und können das Buch bestellen.http://www.verlagshaus-roemerweg.de/Marix_Verlag.html. Sie können es aber auch bei ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.

Rezension: Das Böse- Wie unsere Kultur aus den Fugen gerät- Notker Wolf, Leo G. Linder.- Gütersloher Verlagshaus.

Auf dieses wunderbare Buch wurde ich auf der letzten Frankfurter Buchmesse aufmerksam. Verfasst haben es der Abtprimas Notker Wolf und sein Co-Autor Leo G. Linder.

Der Benediktiner Notker Wolf ist Doktor der Philosophie und hat in Rom und München Philosophie, Theologie, Zoologie, Anorganische Chemie und Astronomie studiert. Bevor er im Jahre 2000 Abtprimas, d. h. der oberste Repräsentant der Benediktiner wurde, war er u.a. in Rom als Professor für Naturphilosophie tätig. Auch Leo G. Linders Berufsweg ging ein Philosophiestudium voraus.

Was ist das Böse und wie kann man ihm beikommen?

21 Kapitel warten auf den Leser.  Fast jeder wird zustimmen, dass es unerträglich ist, allein schon in Filmen das Böse am Ende triumphieren zu sehen. Natürlich wünscht man sich, dass der Verräter, der Geizkragen, der Killer und der eifersüchtige Neurotiker seine Quittung erhält. Nicht nur im Film.

Es ist wohl wahr, böse Erfahrungen steckt man nicht einfach weg, sie prägen bis ans Ende des Lebens und nichts vermag die Brandzeichen des Bösen aus unserer Seele löschen, selbst viele gute Erfahrungen nicht. Es stimmt, dass der Verrat eines Freundes, der Betrug eines Geschäftspartners, die Gleichgültigkeit einer Mutter genügen können, um uns zu einem misstrauischen, verzagten und auch argwöhnischen Menschen  machen können. Damit dieses nicht geschieht, müssen wir uns Verhaltensmuster klar machen, aufgrund dessen man das Böse frühzeitig erkennen kann.

Die Begegnung mit dem Bösen vermag zu traumatisieren und ein solches Trauma lässt sich schwer auflösen. Es gibt Bosheit, so Wolf, die völlig unberechenbar ist und die keinem anderen Gesetz als dem des größtmöglichen Schadens gehorcht. Solche Formen von Bosheit habe ich bereits zweimal im Leben erlebt und kann das bestätigen.

Diese Form der Bosheit folgt keiner Logik und wo sie einer zu folgen scheint, ist es die Logik der Heimtücke (S.33). Offenbar ist das einzig Verlässliche am Bösen die Willkür. Dies auch ist der Grund, weshalb uns solche Attacken ratlos zurücklassen und das Vertrauen ins Dasein als Ganzes erschüttern.

Beleuchtet wird die objektive und ebenfalls die subjektive Seite des Bösen. Es werden Überlegungen auch dahingehend angestellt wie sich das Böse aus Sicht des Akteurs zeigt. Dabei wird den Fragen nachgegangen, ob diese Personen in der Absicht, Schaden anzurichten, Entsetzen zu verbreiten und weh zu tun böswillig agieren. 

Offenbar ist das Böse nicht der Endzweck, sondern stets nur Mittel zu einem Zweck. "von dem sich der Täter einen Vorteil, einen Gewinn, einen Genuss oder Befreiung verspricht. Mit anderen Worten: Für den Bösen ist das Böse in aller Regel eine Lust.“ (S.36)

Das Böse an sich lässt sich-  wenn überhaupt-   nur schwer fassen. Der Handelnde hat kein Schuldbewusstsein, das ihn aufhalten kann. Seine Motive (beispielsweise Vorteile zu erhaschen) erscheinen ihm gut, dafür nimmt er die negativen Begleitumstände in Kauf. 

Im Gegensatz zum Bösen, bleibt das Gute stets gleich. Wie im Buch betont wird, gibt es eine Logik des Bösen, die darauf abzielt, das Zerstörerische oder Selbstzerstörerische plausibel erscheinen zu lassen. Des Weiteren gibt es eine Vernunft des Guten, welche die Logik des Bösen als Scheinrationalität entlarvt. Darüber erfährt man im Buch Wissenswertes und liest zudem, dass derjenige, der für fremdes Leid nicht ansprechbar ist, dem Bösen Vorschub leistet, wie auch umgekehrt auf dieser Welt nichts Gutes geschieht, das nicht aus der Quelle eines umfassenden Mitgefühls fließt.

Es führt zu weit,  auf all die Facetten historischer Exkurse im Buch näher einzugehen. Festgehalten aber werden kann, dass sich die Griechen und Juden der Antike nicht nur in ihrer Strategie zur Bekämpfung des Bösen unterscheiden, sondern dass sie das Wesen des Bösen auch verschieden einschätzen.

Man lernt an Beispielen kennen, wann verantwortliches in unverantwortliches Verhalten umschlägt. Bemerkenswert finde ich das Beispiel von Sanson, dem Henker von Paris während der Französischen Revolution. Er, der täglich Dutzende von Menschen unter das Fallbeil legte und ihnen den Tod brachte, zeigte stets Mitgefühl mit den Opfern und versuchte sie zu trösten.

Der Milgram –Versuch aus den 1960er Jahren kommt auch zur Sprache und stimmt ebenfalls nachdenklich. Viele haben von diesem Versuch gehört, der dokumentiert, dass obrigkeitshörige Menschen leichter ihr Gewissen und ihr Mitgefühl verdrängen können als andere.

Es geht letztlich immer darum, zu erkennen, dass die eigene Seele Schaden nimmt, wenn man um seines Vorteils willen anderen Schaden zufügt und darum ging es in allen Zeiten.  Im Benennen des Vorteils darf man nicht realtivieren   und ihn  schon gar nicht mit dem Pflichtargument hinwegzumogeln  suchen. Brav zu tun, was eine menschenverachtende Obrigkeit möchte, dient in der Regel auch einem Vorteil: dem persönlichen Fortkommen und wenn dieses auch vordergründig nur darin besteht, nicht attackiert zu werden.

Man erfährt des Weiteren Sachverhalte aus dem Alten Testament, liest vom Sündenfall und der Geburtsstunde des Gewissens, die aber auch die Geburtsstunde der Freiheit war, weil der Mensch von da an die Wahl hatte, zwischen dem Guten und dem Bösen zu entscheiden. Der Preis der Freiheit war der Bruch mit Gott. Wer in Übereinstimmung mit Gott lebt, für den existiert das Böse nicht. 

Man liest u.a. über Thomas Hobbes für den der Mensch eigentlich nicht böse, sondern vollkommen asozial war und auch von Jean -Jacques Rousseau, der überzeugt war, dass die Zivilisation nichts als Konkurrenzdenken und Selbstsucht produziere und deshalb der "zivilisierte" Mensch hasse, betrüge und ermorde.

Der zivilisierte Mensch war nach Ansicht dieses französischen Philosophen böse, deshalb auch sollten sich die Menschen aus der Zwangsjacke der Zivilisation befreien. Es werden noch weiteren Theorien angerissen und über die Menschenwürde philosophiert.

Bei allen Überlegungen aber ist klar, dass man das Problem des Bösen nicht dadurch zu lösen vermag, indem man die Augen vor ihm verschließt. Gier, eine Facette des Bösen, gibt es nicht erst seit heute. Im 16. Jahrhundert soll sie neben dem Geiz in Antwerpen wie eine Seuche um sich gegriffen haben. Zusammenfassend liest man. dass Habsucht mit dem Reichtum einhergeht und wahrhaft unersättlich nur der Satte erscheint.

Auch die Todsünden kommen zur Sprache und hier der Neid, der am Anfang aller Laster steht. Dabei muss man wissen, dass der Neid seit jeher Glück in Unglück verwandelt. Ohne Neid kann es keine Gier geben. Erst in der Gier wird der Neid aktiv. Wo die Gier sich verselbstständigt, wird sie zum eigentlichen Lebenssinn und tritt meiner Beobachtung nach nicht selten im Umfeld von Hybris auf. 

Hybris überrage alle Todsünden und habe nichts von der Banalität des Neids und der Gier des Narzissmus. Sie kann zu einer extremen destruktiven Kraft werden, weil sie kein Halten mehr kennt und sich über alles, die Vernunft, die Nachhaltigkeit etc. etc. hinwegsetzt, im Glauben stets die besten Lösungen parat zu haben, weil man der/die Größte, Beste oder Schönste ist.

Wie das Buch deutlich macht, verbündet sich jeder, der sich für das Gegeneinander entscheidet, wo sich das Problem der Verbundenheit in elementarer Form stellt, mit dem Bösen. Daran hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert. 

In dieser Beziehung ist täglich Achtsamkeit angesagt.

Sehr empfehlenswert.

Helga König

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