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Rezension: Entspannt euch!- Michael Schmidt –Salomon- Piper

Dr. #Michael_Schmidt_Salomon ist freischaffender Philosoph und Schriftsteller, darüber hinaus ist er Vorstandssprecher der #Giordano_Bruno_Stiftung. 

Der Untertitel seines neuen Werkes macht deutlich, worum es ihm hier geht. Er stellt seine #Philosophie_der_Gelassenheit vor und das geschieht in 8 Lektionen. Im Vorwort lässt der Autor seine Leser wissen, dass er im vorliegenden Buch auf vieles zurückgreife, was er in den vergangenen 25 Jahren geschrieben habe. Die 8 Lektionen hat er in Dialogform verfasst. Er möchte in den Lektionen nicht nur Wissen vermitteln, sondern dazu ermuntern, dieses Wissen im Alltag anzuwenden, damit wir die innere Wahrnehmung und gegebenenfalls auch unser Verhalten ändern können.

Schmidt –Salomon reflektiert zunächst die #Scham und deren Kehrseite, den #Stolz, wobei sich hinter diesem nicht selten ein tief sitzendes #Minderwertigkeitsgefühl verberge. Scham bringe rasch #Neid und Stolz nicht weniger rasch #Überheblichkeit hervor. Das Wechselspiel von Überheblichkeit und Demütigung sei so lange nicht überwindbar, solange wir an den althergebrachten Überzeugungen festhielten, wonach wir zu Recht stolz auf eigene Leistungen sein könnten und uns zu Recht schämen müssten, wenn wir diese Leistungen nicht erbrächten. Schaue man genauer hin, so werde klar, dass Erfolge und auch Misserfolge keineswegs in unserem Selbst zu finden seien, sondern "in einem chaotischen Netzwerk von Milliarden und Abermilliarden Faktoren, über die wir keine Kontrolle haben." 

Wenn man diese kausalen Zusammenhänge in ihrer Tiefendimension begriffen habe- #Albert_Einstein hatte es-, nehme es viel von der Dramatik, die man normalerweise erlebt, wenn man an einer Sache scheitert. Insgesamt sollte jeder begreifen lernen, dass man nur der sein kann, der man aufgrund seiner Anlagen und Erfahrungen sein muss. Selbst #Leistungsbereitschaft, #Selbstdisziplin und #Frustrationstoleranz fallen nicht vom Himmel, sondern seien auf unendlich viele Faktoren zurückzuführen, die man sich nicht ausgesucht habe. 

Der Autor macht begreifbar, dass man sein Ich nicht so furchtbar ernst nehmen solle, wie dies gemeinhin geschehe. Er hinterfragt, ob es für unser subjektives Freiheitsempfinden tatsächlich von elementarer Bedeutung sei, dass wir an dem Glauben festhalten, unser Ich, unser Selbst und unser Wille sei nicht durch klar benennbare Ursachen bestimmt. Ganz allmählich lernt man im Laufe der Lektionen Abschied zu nehmen von der Idee des ursachenfreien Willens und zu begreifen, dass die ursächliche Bedingtheit unseres Willens ganz neue Freiräume eröffnet. Weshalb das so ist, wird in der 3. Lektion erläutert. Hier geht es um die Kunst des Vergebens. Hier auch wird die Einsteinsche Sichtweise der Trumpschen Perspektive gegenübergestellt und gezeigt, weshalb ein Mensch mit grandiosem Selbstbild seine Welt in Freunde und Feinde einteilt und weshalb es ihm so schwer fällt zu vergeben. #Vergeltungsdrang beruhe stets auf #Geltungsdrang. 

Wenn man begriffen hat, dass Menschen in ihrem Tun oft nicht anders können als sie agieren, hört man auf über moralische Schuld zu reden und ist interessiert daran, dass dazugelernt wird, um unakzeptables Tun in Zukunft zu vermeiden. Wer vergibt- sagt keineswegs Nein zur gesetzlich bedingten Bestrafung eines Täters- sondern vergibt im ethischen Sinne, was ihn aus der Opferrolle befreit und dazu führt, dass er traumatische Ereignisse besser verarbeiten kann. 

Michael Schmidt-Salomon schreibt über das Nazi-Opfer #Eva_Kor und über den hessischen Generalstaatsanwalt #Fritz_Bauer, um zu zeigen, wozu Vergebung führen kann. Ursachenforschung ist stets der klügste Weg, um zukünftig Verbrechen zu vermeiden. In diesem Zusammenhang bin ich schon jetzt neugierig auf die Lektüre "Erziehung prägt Gesinnung" von Herbert Renz-Polster, die heute mit der Post ankam. 

Nimmt man Abschied vom moralischen Denken und bewegt sich zum ethischen hin, ist man auf der Zielgerade. "Ethik" definiert der Autor "als kritische Reflektion der gelebten Sittlichkeit". Wer aufhört zu werten und über faire Konfliktlösungen nachdenkt, wird im "Zeitalter des Empörialismus“ sich dem Teufelskreis des parteiischen Lagerdenkens entziehen und sich - wie von Zauberhand- entspannen. 

In den Folgelektionen wird nicht zuletzt über ein sinnvolles, glückliches und zufriedenstellendes Leben nachgedacht. Schmidt Salomon kommt zu dem Ergebnis, dass man hierzu drei Strategien verfolgen soll. Diese entnehmen sie den Kapitel 7, S. 17 

Was noch? Man bemühe sich, lösungsorientiert zu denken, eine positiv-realistische Einstellung zu entwickeln und das Beste aus jeder Lage zu machen. Je mehr man bei allem von seinem Selbst lässt, umso eher wird man Gelassenheit entwickeln. 

Maximal empfehlenswert 

Helga König

Im Fachbuchhandel erhältlich
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Entspannt euch!: Eine Philosophie der Gelassenheit

Rezension: Begeisterung- André Stern- Elisabeth Sandmann

Der Autor dieses Buches ist der Musiker, Komponist, Gitarrenbauer und Journalist #André_Stern. Er ist der Sohn des Forschers und Malort-Gründers #Arno_Stern, mit dem er gemeinsam den Bestseller "Mein Vater, mein Freund" verfasst hat. Mit Prof. Dr. #Gerald_Hüther hat er die Initiative "Männer für morgen" gegründet und leitet das "Institut Arno Stern- Labor zur Beobachtung und Erhaltung der spontanen Veranlagung des Kindes." 

Das 15 Kapitel umfassende Werk nimmt seinen Anfang mit dem Kapitel "Die Begeisterung, Dünger für das Gehirn". Diese Worte stammen von Prof. Dr. Gerald Hüther, wie Arno Stern nicht unerwähnt lässt. 

Es sei die #Begeisterung, die uns jene Flügel schenke, die uns erlaubten, über all unsere Grenzen hinauszuwachsen. Neu dabei ist, dass dieses Phänomen jetzt wissenschaftlich erklärt werden kann. Begeisterung führe nämlich dazu, dass im Mittelhirn eine Gruppe von Nervenzellen erregt werden. Diese schütteten dann an den Enden ihrer langen Fortsätze einen Cocktail neuroplastischer Botenstoffe aus. Wer nur seine Pflicht erfüllt, bei dem geschieht dergleichen nie. Bei den Botenstoffen handelt es sich um: #Adrenalin, #Noradrenalin und #Dopamin. Dazu gehören auch Peptide wie Endorphine und Enkephaline. 

Begeisterung löse Emotionen aus und versetze in einen Zustand, in dem die emotionalen Zellen aktiv sind. Nicht zu vergessen, wenn sie aktiv sind, dann eigneten wir uns Informationen an und zwar für immer. Sofern die emotionalen Zentren nicht aktiviert werden, haben die Informationen offenbar keine Chance, sich im Gehirn zu verankern. Es gäbe also nur einen richtigen Moment, um etwas zu lernen und der sei dann gegeben, wenn die emotionalen Zentren aktiv sind. 

Als wichtigste Eigenschaft von Begeisterung nennt Stern: Ansteckung, d.h. richtige Begeisterung weckt Begeisterung auch bei anderen Menschen, dabei nicht zwingend für die gleiche Sache. Begeisterung sei allerdings kein Synonym für Freude oder Lachen. Sie löse herkulische und nachhaltige Selbstüberwindung aus. 

André Stern schreibt, dass beim Spiel das Kind in seinem Element sei. Hier würde es weder Sieger noch Verlierer, noch Stress kennen. Dessen ungeachtet sei das Kind hochkonzentriert beim Spiel. Seine Kreativität sei grenzenlos, aufgrund der Begeisterung und der Tatsache, dass das Ziel des Kindes das Spiel sei, - demnach die Gedanken, das Tun und das Ziel übereinstimmten und dadurch Tiefenbefriedigung entstehe. 

Der Autor vermittelt in seinem Buch viele seiner persönlichen Erfahrungen mit begeisterten Kindern, schreibt über bemerkenswerte, wichtige pädagogische Beobachtungen, so etwa, dass Kinder umso selbstständiger werden, je größer ihre Verbundenheit mit den Bezugspersonen sei. 

Für Kinder sei der Heimatort da, wo man keinen fremden Erwartungen genügen müsse, der Ort, wo man nicht auf Fehler lauere. 

Interessant ist immer wieder,  über die Chancen zu lesen, die Begeisterung in sich birgt. Wer ohne Begeisterung arbeitet, handelt und lebt, entfernt sich mehr und mehr von seinen natürlichen Veranlagungen. Kindern sollte man also Begeisterung aber keineswegs Depression oder gar Burnout vorleben, denn wie schon erwähnt, ist #Begeisterung ansteckend und die Basis für ein erfolgreiches, glückliches, vor allem kreatives  Leben. 

André Stern schreibt in seinem Buch auch über Begeisterung für Musik. Hier nehme man eine Übung, sofern man begeistert sei, nicht als solche wahr, sondern werde von der Musik, den Emotionen und dem Spiel getragen.

Was geschieht, wenn man als Erwachsener seine Begeisterung wiederfindet? Allein um dies herauszufinden, lohnt es sich,  das hervorragende Buch zu lesen, das maximal empfehlenswert ist.

Helga König

 Im Fachhandel erhältlich.

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Begeisterung: Die Energie der Kindheit wiederfinden

Rezension: Glück, Staat und Charakter- Aristoteles-dtv Bibliotek

#Aristoteles, der Autor dieser Schriftensammlung, lebte vor 2400 Jahren in Griechenland. Er war zunächst Schüler und später Forscher sowie Dozent an Platons Philosophieschule. Dort übernahm er wichtige Grundzüge von Platons Denken, wobei seine Schriften weitaus mehr den Dissens mit Platon betonen und diesen für zahlreiche Thesen kritisieren. 

Aristoteles studierte und lehrte insgesamt zwanzig Jahre lang an Platons Philosophieschule, der sogenannten Akademie. Mehr über sein Leben erfährt man in der Einleitung. Ich möchte die Skizzierung seiner Vita hier allerdings nicht verkürzt wiedergeben, sondern nur darauf hinweisen. 

Das wichtigste Werk dieses Philosophen ist die "#Nikomachische Ethik". Es stellt eines der essentiellsten Werke der abendländischen Ethik und Moralphilosophie dar. In diesem Werk entwickelt Aristoteles die Auffassung, dass wir Menschen nach einem glücklichen Leben streben und dieses glückliche Leben (#eudaimonia) in der Betätigung bestimmter seelischer Vorzüge oder Tugenden bestehe. 

Charakterzüge haben demnach einen großen Einfluss auf das Gelingen unserer Handlungen, auf unsere gefühlsmäßige, emotionale Verfassung und auf das Gelingen des Lebens grundsätzlich.

In Aristoteles Schrift "#Politik" analysiert er das Wesen des Staates. Dabei diskutiert er verschiedene Staatsverfassungen unter dem Gesichtspunkt, ob sie dazu geeignet sind, den eigentlichen Zweck des Staates zu erfüllen. Nach seiner Meinung leben die Menschen hauptsächlich zusammen, um ihr Überleben zu sichern und eine gewisse Freiheit von der Beschaffung lebensnotwendiger Dinge zu erlangen. Erst im Zustand der Autarkie, d.h. wenn die Menschen nicht mehr in der täglichen Sorge ums Überleben bestimmt sind, haben sie die Muse, so Aristoteles, nach einem guten, glücklichen Leben zu streben und die dafür erforderlichen Fähigkeiten und Charakterzüge herauszubilden. 

Merke: Glück, Charakter und Staat sind bei diesem Philosophen unauflöslich miteinander verbunden.

Im vorliegenden Buch hat man Gelegenheit eine Auswahl von Texten aus der "Nikomachischen Ethik" und aus der Schrift "Politik" zu studieren. Um sich mit den Texten vertraut zu machen, sollte man sich im Vorfeld allerdings mit einigen seiner Grundbegriffe befassen, die im vorliegenden Buch näher erläutert werden. 

Wissenswertes erfährt man zu den Begriffen: "Das Gute", "Das höchste Gut", "Glück, glückliches Leben", "Lebensform", "Leistung/Werk", "Seele", "Vernunft", "Gutes Leben, Betätigung", "Vortrefflichkeit/Tugend", "Ethische Tugend/Charaktertugend", "(Charakter-) Eigenschaft", "Unbeherrschtheit", "Dianoetosche/intellektuelle Tugend", "Staat", "Muße". 

Die Erläuterungen zu diesen Begriffen vereinfachen das Verstehen der Texte von Aristoteles, die zusätzlich im Vorfeld des jeweiligen Kapitels zu den Schriften nochmals erklärende Einschübe haben. Mit all dem ausgerüstet, kann man sich sehr gut in das Denken dieses Philosophen einfinden und hat einen  bemerkenswerten Erkenntnisgewinn  durch die Lektüre des Buches. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Im Fachhandel erhältlich

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Glück, Staat und Charakter: Ein Lesebuch zur praktischen Philosophie (dtv bibliothek)

Rezension: Die Ästhetik des Alltags- Betrachtungen zur Lebenskunst- Frank Berzbach

Der Autor dieses Buches- Dr. Frank Berzbach- unterrichtet Psychologie an der ecosign Akademie für Gestaltung und Kulturpädagogik in Köln. Tätig war er bereits als Wissenschaftler, Journalist, Fahrradkurier, Technischer Zeichner, in der Psychiatrie und als Buchhändler. Der überzeugte Katholik praktiziert seit Jahren ZEN und arbeitet zu Fragen achtsamkeitsbasierter Psychologie, Arbeitspsychologie, Kreativität, Spiritualität, Mode und Popkultur. 

Das neue Werk von #Frank_Berzbach enthält 29 Essays, die er in vier Abschnitte untergliedert hat:
 -Alltagsbeobachtungen 
-Schöne neue Welt
-Der Glanz im Dunkeln 
-Aufbruch 

Hier reflektiert er  u.a. den Verfall des Schamgefühls. Er erwähnt in diesem Zusammenhang den Soziologen Norbert Elias, der das "Vorrücken der Schamschwelle" als zentrales Moment der Entwicklung der Zivilisation beschrieben hat. Nach Berzbachs Alltagsbeobachtung nimmt die Fähigkeit, sich zu schämen derzeit ab. Als Ursache nennt er das Fehlen an Formbewusstsein und dem Nachdenken darüber, welche zentrale Bedeutung die Formen für die Zivilisation haben. So sei die Schamlosigkeit mancher Eliten zu einer die Zivilisation zerstörenden Bewegung geworden. In der westlichen Welt sei Donald Trump zum Führer einer Bewegung der Schamlosigkeit aufgestiegen. Dabei sei die schamlose Lüge zur zentralen Strategie geworden, um fragwürdige Ziele zu erreichen.

Machthaber ohne Schamgefühl seien nicht fähig Schuld zu empfinden und liebten narzisstisch nur sich selbst, zur Liebe ihrer Nächsten sind sie nicht fähig.

Die Neonationalisten- auch über sie schreibt Frank Berzbach-, seien hingegen nur dann zur Liebe fähig, wenn sie abwerten können. Ohne diese Abwertung hätten sie keine Kraft. 

Für den Autor ergeben sich im Hinblick auf die Neonationalisten  nicht zuletzt auch spirituelle Fragen. Auffallend bei ihnen sei nämlich das atheistisch überspannte Denken und die mangelnde Gefühlskontrolle. Destruktive Emotionen würden durch die Neonationalisten wieder salonfähig. Der Neonationalismus werde vom Spiel der sekundären Emotionen mitbestimmt. Wer sich seinen Ängsten nicht stelle, überdecke sie durch die stärkeren Gefühle Wut und Hass. 

Jene mit den schlimmsten Parolen seien in Wahrheit die größten Feiglinge. Sie hätten Angst vor sich selbst-  speziell vor ihren Lastern und projizierten diese auf andere. Nur wer Zugang zu seinen Ängsten habe, könne sich vom Hass befreien und damit Weltoffenheit und Demokratie leben. 

Frank Berzbach schreibt auch über Geld und merkt an, dass im Leben etwas schief gelaufen sei, wenn es die Hauptrolle spiele. Dabei sei die Entscheidung für ein kreatives Leben zumeist eine Entscheidung gegen den raschen Wohlstand, weil schöpferisch tätig sein zu können, etwas anderes sei als die Fähigkeit, Märkte zu bedienen. 

Irgendwann später liest man in einem weiteren sehr guten Essay, dass es außerhalb der Klöster keine gelebte Philosophie der Freiheit mehr gebe. Allerdings existierten ja noch immer Bücher. Lesen sei (noch) eine Form der Errettung aus dem Lärm der Gegenwart, wahres Lesen bleibe eine Berufung. 

Dieser Berufung mit Frank Berzbachs Essayband nachzugehen ist eine wirkliche Freude, da man immerfort zum Nachdenken angeregt wird. 

Weil die Welt voll von Zeitgenossen ist, die narzisstisch gestört, krankhaft egoistisch, zu laut und pausenlos daherredend, nicht zuhörend oder voller drastischer Erwartungshaltungen sind, muss man lernen, sich abzugrenzen, muss man lernen bei sich zu bleiben, folgt man den klugen  Gedanken des Autors. 

Lesen ist eine gute Übung, um das Lernziel zu erreichen. Weshalb nicht mit der "Ästhetik des Alltags" das neue Jahr beginnen?

Sehr empfehlenswert

Helga König

Im Fachhandel erhältlich

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Die Ästhetik des Alltags: Betrachtungen zur Lebenskunst

Rezension: In dir lebt das Kind, das du warst-Seelische Belastungen bewältigen- Whitney Hugh Missildine- Klett-Cotta

Der Autor dieses Buches ist Dr. W. Hugh Missildine. Er war Direktor des Children´s Mental Health Center in Columbus, Ohio. Dort entwickelte er seinen Ansatz zur Lösung emotionaler Probleme Erwachsener. 

Das vorliegende Werk ist in drei Teile untergliedert und diese in diverse Kapitel. Im ersten Teil geht es darum, dass die Leser ihr inneres Kind erkennen und akzeptieren. Erörtert wird u.a. weshalb unsere Gefühle uns manchmal im Weg stehen und weshalb unser Blick von der Vergangenheit getrübt ist. So versuche das "Kind von früher", uns Erwachsene dazu zu bringen, so zu leben, wie man "daheim" in der Kindheit gelebt habe. Deshalb  auch werden gegenwärtige Umstände und Verhältnisse stets so hingebogen, dass sie dem ähneln, was sie in der Vergangenheit kannten. 

Wie das innere Kind Einfluss auf das Leben des Erwachsenen nimmt, wird an Beispielen gezeigt aber auch, was geschieht, wenn dieses Kind gar das Ruder übernimmt. 

Veranschaulicht wird, dass eine Liebesbeziehung grundsätzlich zwischen vier Personen geschlossen wird und zwar den beiden Erwachsenen, die sich in der Gegenwart begegnen und den beiden Kindern, die sich in ihrem eigenen Familienmilieu tummeln. Welche Konflikte auf diese Weise entstehen können, wird ausführlich dargestellt. 

Im 2. Teil werden elterliche Einstellungen skizziert und welchen Einfluss diese noch heute auf uns haben. Zu Sprache gebracht werden: 
Perfektionismus
Übertriebene Gängelung 
Übertriebene Nachlässigkeit 
Hypochondrie 
Bestrafungseifer 
Vernachlässigung 
Ablehnung
Sexuelle Stimulierung 

Stets werden Beispiele angeführt, die zeigen, wohin die elterlichen Einstellungen und Verhaltensmuster führen können, so etwa wenn man aufgrund von frühkindlicher Ablehnung in quälender Selbstisolation gefangen ist. 

Ablehnung sei eine elterliche Einstellung, die dem Kind jegliche Akzeptanz verweigere; es werde als unerwünschte Last und Störenfaktor betrachtet und behandelt. Menschen, die als Kind abgelehnt wurden, seien rascher verletzt, verbittert und feindselig gestimmt und als Erwachsene sehr schnell gekränkt. Es gehe soweit, dass sie als Erwachsene bewusst die Erfahrung des Abgelehntwerdens herbeiführen, um das ängstliche Kind von einst zufriedenzustellen. Auf die Aussicht akzeptiert, gemocht und bejaht zu werden, reagieren solche vorgeschädigten Erwachsenen mit Unsicherheit und Nervosität. Alkoholismus kann übrigens ein Indiz für Ablehnung in der Kindheit sein. 

Interessant auch, wie sich Vernachlässigung aber auch übertriebene Verwöhnung seitens der Eltern auswirkt. Wie man neue Wege gehen kann und sich von den pathogenen Einstellungen, denen man als Kind ausgesetzt war und sich  dann damit identifiziert hat,  löst, wird auch  dargelegt und zwar im 3. Teil. 

Das Werk leistet einen sehr guten Beitrag, sich seelischer Belastungen aus seiner Kindheit bewusst zu werden, sie genau anzuschauen, um sie zu verarbeiten und konfliktfreier mit Dritten kommunizieren,  vor allem auch leben zu können .

Sehr empfehlenswert

Helga König

Im Fachhandel erhältlich

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In dir lebt das Kind, das du warst: Seelische Belastungen bewältigen

Rezension: Richtig gut rüberkommen - Wie Sie empathisch und erfolgreich kommunizieren- Cornelia & Stephan Schwarz- dtv premium

Das Autorenehepaar Schwarz möchte im vorliegenden Buch aufzeigen wie wir die Schwere aus unserer Kommunikation nehmen und Missverständnisse, peinliches Schweigen als auch Anstrengung vermeiden- zugunsten von mehr Leichtigkeit und Erfolg. 

Den Autoren geht es darum, zu vermitteln wie man bewusst eine emotionale Bindung zum Kommunikationspartner herstellt, in dem man dessen Stimmung, Verhalten, auch dessen Ausstrahlung in sich aufnimmt und zurückspiegelt. Dabei basiert das Konzept der empathischen Spiegelung darauf, dass man Verantwortung für die Beziehung übernimmt. 

Empathische Spiegelung, so erfährt man weiter, setzt auf soziale und emotionale Intelligenz. Diese könne durch ein bewusstes Training wesentlich gesteigert werden. Welche positiven Folgen das hat, wird in der Einleitung ebenfalls bereits verraten und zudem wird auch schon aufgezeigt wie das Coaching funktioniert. 

Das Buch ist in fünf Kapitel untergliedert, die da lauten

1. Warum wir zum Spiegeln geboren sind- und es trotzdem verlernt haben 
2. Wie Sie das Spiegeln perfektionieren- und dabei eine ganze Menge über sich selbst erfahren 
3. Was Spiegeln im Einzelnen bedeutet- Übungen für jeden Tag 
4. Warum Empathie eine Frage des Bewusstseins ist- und wie sie sich auf Ihre Kommunikation auswirkt. 
5. Zusammenfassung: Tipps für mehr Empathievermögen und wie sie dadurch ihren Alltag entstressen. 

Wie die Autoren hervorheben, schwindet das Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit der Spiegelung, wenn man sich daran gewöhnt hat, anderen im immer stereotypen Modus zu bewegen. Dann wirken diese Menschen für ihre Gegenüber gleichgültig, schroff, abweisend und stur. Da man mit solchen Menschen wenig zu tun haben möchte, wird die eigene Spiegelungsfähigkeit ihnen gegenüber leider auch immer geringer. 

Näher erläutert werden nachstehende Gründe für fehlende Empathie: Stress, Ungeduld, Vorurteile, Gleichgültigkeit, problematische Kindheit und schlechte Erfahrung. Gezeigt wird in gut nachvollziehbaren Schritten wie man mittels Spiegelung Konflikte löst und es wird erörtert, worin die Voraussetzungen gelingender Kommunikation bestehen. 

Über die Bedeutung des Zuhörens und hier auch des Fragens wird man ebenso aufgeklärt wie über die Bedeutung der Stimme und der Mimik. Hier sind die Übungen sehr interessant, so etwa wie man die eigene Mimik kontrollieren kann. Auch die Körpersprache wird thematisiert und hier z.B. wie man die Körpersprache anderer lesen kann, jedoch auch wie man die Körpersprache anderer erkundet. 

Wichtig zudem ist es, Wertesysteme und die innere Einstellung zu erkunden, sie zu decodieren und immer mehr zu erkennen, ob man gut spiegelt.

Empathie ist eine Frage des Bewusstseins und sie wirkt sich eindeutig auf die Kommunikation aus. Deshalb sollte man den Unterschied zwischen bewusster und unbewusster Kommunikation kennenlernen und die Wirkung positiver Akzeptanz begreifen. 

Das Meta-Ziel empathischen Verhaltens, so die Autoren, lautet Vertrauen und ist ebenfalls eine Frage des Bewusstseins. 

Ob es gelingt, immer gut zu spiegeln, sei dahingestellt. Mir sind Menschen bekannt, die all ihren Mitmenschen so ablehnend und arrogant begegnen, dass es keinem gelingt,  ihnen ein Lächeln abzuringen. Sich an solchen Energievampiren abzuarbeiten, kostet viel Lebenskraft. Ob man das dauerhaft  akzeptiert, ist eine Frage der Leidensfähigkeit.

Das aber sollte uns nicht hindern, unsere empathischen Fähigkeiten zu trainieren und zu einem guten inneren Zustand zu gelangen. Den benötigt man nicht zuletzt, um solche Dramenpersönlichkeiten abzuwehren, die uns völlig vereinnahmen aber nicht zurückspiegeln wollen. Wenn empathische Kommunikation zur Einbahnstraße wird, sollte man sich abgrenzen, so entgeht man der Manipulation beispielsweise von typischen Machtmenschen. 

Sehr empfehlenswert 
Helga König

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Richtig gut rüberkommen: Wie Sie empathisch und erfolgreich kommunizieren

Rezension: Auch alte Wunden können heilen. Dami Charf - Kösel

Dami Charf  ist die Begründerin der körper- und bindungsorientierten Therapiemethode Somatische Emotionale Integration, SEI. Sie ist Heilpraktikerin für Psychotherapie und arbeitet als Traumatherapeutin in Göttingen. 

In ihrem aufschlussreichen Buch beschreibt sie wie frühe Erfahrungen auf unser Leben und unsere Bindungsfähigkeit wirken und Selbstregulation prägen und macht deutlich, welche Möglichkeiten es gibt, frühe Wunden zu heilen. 

Zunächst aber erfährt man, was man unter "frühen Wunden" überhaupt zu verstehen hat und weshalb diese unser Leben auf vielerlei Arten prägen. "Wunde" heißt im Griechischen übrigens "trauma". Nur sehr wenige Menschen gehen ohne traumatische Erlebnisse durchs Leben, speziell Entwicklungstraumata scheinen weit verbreitet zu sein. 

Man liest u.a. wie eine Traumatisierung entsteht und weshalb unter Trauma-Therapien nahezu immer Schocktrauma-Therapien verstanden werden. Erklärt werden die einzelnen Stressreaktionen, sprich Kampf oder Flucht, vorrübergehende Erstarrung und Totstellreflex. Dabei muss man wissen, dass eine traumatische Reaktion dann eintritt, wenn der Körper keine Meldung bekommen hat, dass das Ereignis vorüber ist und eine Normalisierung der Stressreaktion stattfinden kann. 

Man lernt die Symptome einer Traumatisierung kennen. Die traumatische Achterbahn zwischen Über- und Untererregung wird genau beschrieben und man  wird über die einzelnen Fähigkeiten der Selbstregulation in Kenntnis gesetzt. Dazu gehört auch die Fähigkeit, eine Pause zwischen Reiz und Reaktion zu machen. 

Merkmale einer posttraumatischen Belastungsstörung  werden zur Sprache gebracht und auch die Möglichkeiten der Regulation der emotionalen "Temperatur". 

Die Selbstregulation ist erlernbar und die Selbstregulationsfähigkeit ist eng mit unserer Bindungsfähigkeit verknüpft. Diese Fähigkeit ist von großer Bedeutung. Dabei entstehen Bindungsmuster auf zweierlei Art: 

1. durch unbewusstes Lernen und 
2. durch die bewusste Aufnahme von Information 

Man wird mit vier Bindungsmustern vertraut gemacht. Dabei ist ein wichtiges Kennzeichen sicher gebundener Kinder, dass sie neugierig und offen für Neues und die Erforschung der Welt sind. Menschen, die Angst vor Nähe haben, haben sich als Kinder eine Art Schein-Autonomie angeeignet und wirken unabhängig und sicher, obschon sie es nicht sind. Diese Menschen haben den Wunsch nach Bindung an andere schon früh aufgegeben, weil sie gelernt haben, dass Bindung sich nicht lohnt. Wenn solche Menschen mit Personen unsicher-ambivalenten Bindungsstils aufeinander treffen, wird es kompliziert, weil eine Spirale der Enttäuschung in Gang gesetzt wird, die ohne fremde Hilfe nicht zu stoppen ist. 

Gesunde Bindungen entwickeln sich laut der Autorin in 5 Schritten: 
1. Kennenlernen 
2. Sicherheit 
3. Nähe 
4. Bindung 
5. Intimität 

Wer umgekehrt vorgeht, gerät in Probleme. 

In der Folge wird man mit 5 Lernaufgaben vertraut gemacht und hier auch liest man vom Mangel an Zuwendung und dessen Folgen. Wenn in der frühen Lebensphase ein solcher Mangel besteht, entstehen Glaubenssätze wie etwa: Ich kann nicht- Niemand ist für mich da- Es gibt nie genug. Solche Personen reagieren auf Zurückweisung nicht selten mit Resignation. 

Wie man lernt, Hilfe anzunehmen und mit Unterstützung die Welt zu entdecken, ist ebenso ein Thema wie die innere Leere durch falsche Spiegelungen. Doch das Buch enthält noch viele weitere, wichtige Gesichtspunkte, durch die gezeigt werden wie frühe Wunden verheilen können und Integration möglich wird. 

Wer sein Verhalten ändern möchte, muss lernen, seinen Körper zu spüren und in ihm eine Heimat zu finden. Es gilt die Selbstregulation zu erhöhen und die Emotionen zu regulieren lernen, wie auch die eigene Kontakt- und Beziehungsfähigkeit zu stärken. Alle die dann noch folgenden Überlegungen hier verkürzt aufzuzählen, führt zu weit. Gesagt werden kann allerdings, dass dieses Buch überzeugt und tatsächlich Wege aufzeigt, die das verletzte Kind in uns zu überwinden vermögen. 

Maximal empfehlenswert 

Helga König

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Auch alte Wunden können heilen: Wie Verletzungen aus der Kindheit unser Leben bestimmen und wie wir uns davon lösen können

Rezension: Das Trauma von der Seele schreiben - Eine neue Methode zur Selbstheilung- Stephan Konrad Niederwieser- Kösel

Der Autor dieses Buches untergliedert sein Werk in zwei große Teile und beginnt es mit einer kurzen Einführung. Der 1. Teil befasst sich mit den Hintergründen des Heilschreibens. Hier liest man zunächst, was man unter einem Psychotrauma zu verstehen hat, erfährt aber auch, was ein Monotrauma und was ein Entwicklungstrauma ist. Erläutert werden die Ursachen von Traumata und man wird über postraumatische Belastungsstörungen  genauer unterrichtet. Folge dieser Störungen sind  beispielsweise, dass man sich zurückzieht, den Kontakt mit Menschen meidet, sich betäubt und emotional stumpf fühlt. Hinzu kommt, dass man sich überfordert fühlt und unfähig ist, zuversichtlich in die Zukunft zu schauen. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Zur Sprache gebracht werden: Die Folgen von Schocktraumata und von Entwicklungstraumata und man erfährt auch, was gängige Traum-Überlebensstrategien sind. Diese Strategien aber verhindern die Heilung. Ausführlich erläutert der Autor, was heil sein bedeutet und zeigt die Kriterien auf, die dazu führen, wieder heil zu werden, bevor er sich mit den Grundlagen es Heilschreibens befasst. 

Man liest dann von den Effekten des Heilschreibens und auch von den Langzeitfolgen. Dies allein schon  könnte Traumatisierte überzeugen, mit dem Schreiben zu beginnen. Eine beigefügte Anleitung zum Heilschreiben vereinfacht das Beginnen und der erörterte Ablauf sowie die Gestaltung machen es beinahe zum Kinderspiel, wenn da nicht die vielen Dinge wären, die man beim Heilschreiben beachten muss. Sie erfordern Achtsamkeit, viel Achtsamkeit. 

Im 2. Teil geht es um die Praxis des Heilschreibens. Hier wird zuallererst ein 7- Tage-Basisprogramm offeriert. Dabei geht es beispielsweise am ersten Tag um Mitgefühl für sich und andere und am 5. Tag um Selbstvertrauen. Zur Sprache gebracht wird, wie man verborgene Erlebnisse verarbeitet, wie man sich aktiv erinnert und Zusammenhänge versteht. Es geht im 2. Teil aber auch darum, sich von konkreten Lebensthemen zu befreien. Was macht uns wirklich Angst? Wonach sehne ich mich wirklich? Das sind zwei Fragen von vielen, die uns nachdenklich stimmen sollten. Sich alles von der Seele schreiben, hilft. Doch es gibt noch andere Dinge, die uns helfen, darüber schreibt der Autor auch.

Das Buch in seiner Gesamtheit hat mir gefallen. Stephan Konrad Niederwieser geht sehr differenziert mit dem Thema um. Allein all die Fragen zu beantworten, die er stellt, macht etwas mit dem Leser, auch wenn er nicht traumatisiert ist.

Überzeugen Sie sich selbst. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Das Trauma von der Seele schreiben: Eine neue Methode zur Selbstheilung

Rezension: Und das soll Liebe sein? #Bärbel_Wardetzki, Sonja R. - dtv premium

Dr. Bärbel Wardetzki ist Diplompsychologin, Psychotherapeutin, Supervisorin, Coach und Autorin von diversen Bestsellern. Sie hat gemeinsam mit Sonja R. ein Buch von Frauen für Frauen verfasst, das durchaus auch eine spannende Lektüre für Männer verkörpert, denn bekanntermaßen leben wir derzeit in einer narzisstischen Gesellschaft. Es gibt weiß Gott auch genügend narzisstische Frauen...

Der Untertitel des Buches zeigt bereits an, worum es geht, nämlich, wie es gelingt, sich aus einer narzisstischen Beziehung zu befreien. Dabei wird am Beispiel der Protagonistin Sonja verdeutlicht, wie sich ihre Beziehung zu einem narzisstischen Mann entwickelt hat und welche psychischen Probleme daraus für sie erwuchsen. Die Geschichte soll exemplarisch für viele narzisstische Beziehungen sein. 

Sonja erzählt im vorliegenden Buch ihre Geschichte und Bärbel Wardetzki kommentiert diese aus psychologischer Sicht. So will sie verständlich machen, wie es dazu kommt, dass nicht wenige Frauen beträchtliche Qualen in einer Partnerschaft ertragen und weshalb sich die Partner gewalttätig verhalten. Gemeinsam möchten die beiden Autorinnen Menschen, die in einer destruktiven Beziehung verstrickt sind, helfen, die negativen Zeichen früher wahrzunehmen und konsequenter zu handeln, anstatt diese länger zu verleugnen. 

Die Psychologin skizziert zunächst das Wichtigste über Narzissmus sowie die Elemente und Charakteristika narzisstischer Beziehungen. Mit Narzissmus, dies vorab, wird eine Beeinträchtigung der Selbstliebe, der Identität und der Beziehungsfähigkeit bezeichnet. Ablehnung aber auch Überbehütung in der Kindheit können zur Enttäuschung eines Kindes führen, deren Folge eine fordernde Haltung der Welt gegenüber ist, zum einen das eigene Minderwertigkeitsgefühl auszugleichen, zum anderen, um der eigenen Grandiosität zu huldigen. Hinter der Grandiosität verberge sich ein hilfloses und inkompetentes Kind, das kein Gefühl für die eigenen Stärken und Fähigkeiten entwickeln konnte, weil die überbordenden Ansprüche der Eltern dies nicht zugelassen haben. Bei Ablehnung und Vernachlässigung reagiert das Kind mit Gefühlsscheu, Verbitterung und Vereinsamung. 

Man erfährt in der Folge mehr über den männlichen und weiblichen Narzissmus und wie man narzisstische Menschen frühzeitig erkennt. Typisch sind z. B. der Wunsch nach permanenter Bestätigung, die Rechthaberei und Kritikunfähigkeit und dann auch Egozentrik. Einem Narzissten geht es niemals um ein Wir. In narzisstischen Partnerschaften gönnt keiner dem anderen etwas. Deshalb auch kann keine Gemeinsamkeit entstehen. Eifersucht sowie Kontrolle sind an der Tagesordnung. 

Skizziert werden die unterschiedlichen Typen narzisstischer Männer. Dabei sollte man wissen, dass ein wesentliches Merkmal narzisstischen Verhaltens und Denkens die Ausbeutung ist. Diese dient dem Erhalt des Selbstwertes. Die Ausbeutung geschieht sowohl seelisch als auch materiell. 

Spannend zu lesen ist die Geschichte von Sonja, die sich in ein ausbeuterisches Verhältnis verstrickt und hier auch wie das Ducken vor Franks Aggression ihr Selbstwertgefühl immer mehr schwächt und die Kraft nimmt, sich von ihm zu lösen. Man liest von Franks Eifersuchtsattacken, die typisch für einen Narzissten sind. Dabei geht es im primär darum, nicht die Macht über sie zu verlieren.

Thematisiert werden die Gründe, weshalb Sonja sich von Frank zunächst nicht trennt, obschon sie sich in einer Spirale der narzisstischen Gewalt befindet. Erst nachdem sie sich mit dem Narzissmus-Thema näher befasst hat, gelingt es ihr, sich abzugrenzen. 

Im Rahmen von neun Punkten lernt der Leser, narzisstische Beziehungsmuster kennen und wie eine Trennung in Würde geschehen kann. 

Sehr wichtig: Auch seelische Gewalt verletzt! Jeder hat Achtung verdient! Deshalb ist es besser, sich von einem narzisstischen Partner zu trennen.

PS: Wer die Augen nicht verschließt, weiß, dass es genügend Frauen gibt, die ihren Partnern, eine ganz ähnliche Hölle bereiten, wie sie hier im umgekehrten Sinne beschrieben wird. Auch in einem solchen Fall heißt es, rechtzeitig Grenzen zu ziehen, wenn man glücklich bleiben oder es wieder werden möchte.

Sehr empfehlenswert.

Helga König


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Und das soll Liebe sein?: Wie es gelingt, sich aus einer narzisstischen Beziehung zu befreien

Rezension: #Würde- #Gerald_Hüther- Knaus

Der Autor dieses Buches, Prof. Dr. Gerald Hüther, ist der bekannteste Hirnforscher in Deutschland. In seinem neuen Werk befasst er sich mit der Würde von uns Menschen und zeigt, dass diese nicht nur ein ethisch-philosophisch begründetes Menschenrecht ist. Wie er eingangs schon betont, passt dieses Buch nicht in unsere heutige, von Effizienzdenken und Erfolgsstreben geprägten Zeit, denn das Bewusstwerden der eigenen Würde ist mit dem, was das Streben nach Anerkennung und Erfolg anbelangt, nicht vereinbar. 

Die Vorstellung der eigenen Würde sei tief verwurzelt und eingebettet in die innere Überzeugung von dem, was uns als Mensch auszeichne und worin unser eigentliches Menschsein im eigenen Handeln zum Ausdruck kommt. 

Der Autor versucht, das, was als Würde des Menschen bezeichnet wird, aus naturwissenschaftlicher Perspektive zu beleuchten. Dabei lautet die Kernthese seines Werkes: "Wer sich seiner Würde bewusst wird, ist nicht mehr verführbar." 

Nachdem erst einmal geklärt ist, worum es geht, untergliedert Prof. Hüther seine Betrachtungen in zehn Kapitel und  lässt nicht unerwähnt, dass im Hier und Heute die Kopfarbeit zum Fließbandjob geworden ist, der über kurz oder lang von Maschinen übernommen wird. Diese Maschinen bewerten bereits heute menschliches Verhalten, so etwa durch die Stimmlage am Telefon, mittels der Bewegungen beim Entfernen vom Arbeitsplatz oder auch durch die Nervosität in der Stimme. Dieses und vieles mehr wird registriert und katalogisiert und wer hier von der Norm abweicht, sei verdächtig. 

Sobald Menschen nicht mehr optimierbar sind, sind sie nutzlos in dieser schönen, neuen Welt.  Auch das entscheiden die Maschinen.

Man erfährt in der Folge wie unsere Vorstellung von der Würde des Menschen sich über die Jahrhunderte hinweg entwickelt hat. Dabei wird Kant natürlich nicht ausgespart, nach dessen Ansicht der Mensch selbst Würde sei. 

Noch bevor 1949 die Würde des Menschen im deutschen Grundgesetz und dort im 1. Artikel als unantastbar bezeichnet wurde, hatten die Parlamentarier der Bundesländer bereits der Würde Verfassungsrang gegeben. 

Klar wird durch die historische Betrachtung, dass die allmähliche Herausbildung einer Vorstellung und eines Bewusstseins menschlicher Würde keinem Zufall geschuldet ist, sondern vielmehr zwangsläufige Folge der von uns Menschen geschaffenen, jetzt zunehmend komplexer und unüberschaubareren Welt. Prof. Hüther erläutert, weshalb wir eine Vorstellung von Würde benötigen und wieso wir ein tieferes Verständnis davon entwickeln müssen, was uns als Mensch ausmacht. Es mag zwar kurzfristig eine erfolgreiche Strategie sein, sich würdelos zu verhalten, langfristig aber führt dies immer zu furchtbaren Kriegen, so der Autor, "zu einer rücksichtslosen Ausplünderung natürlicher Ressourcen, zu grausamen Formen von Ausbeutung und Unterdrückung und inzwischen eben auch zur globalen Vermüllung, zur Klimaveränderung und zu nicht enden wollenden Flüchtlingsströmen." Dem stimme ich ohne Wenn und Aber zu.

Man liest wie unsere Würdevorstellungen im Gehirn verankert werden und auch woher das Empfinden der eigenen Würde kommt. Schon Kleinkinder haben ein tiefes Empfinden dafür, worauf es im Hinblick auf Würde ankommt. Diesen inneren Kompass habe man bereits mit  auf die Welt gebracht und damit gelinge es uns auch, sich in dieser Welt an dem zu orientieren, was das Menschsein bedeute. 

Begreifbar wird gemacht, wie das Bewusstsein für die eigene Würde entsteht und dass ein Mensch, der sich seiner Würde bewusst geworden ist, weder den Erfolg beim Kampf um begrenzte Ressourcen noch irgendwelche Ersatzbefriedigungen benötigt, die ihm von Werbestrategen angeboten werden. 

Nahezu einig sind sich fast alle Menschen, wenn es um Fälle extremer Verletzung der Menschenwürde geht. Fraglich allerdings ist, ob die Opfer durch die Strafe des Täters tatsächlich ihr Würde wiedererlangen. Interessant auch, dass man würdeloses Verhalten von kirchlichen Würdenträgern beispielsweise viel schlimmer erachtet, als jenes von Bankern... 

Des Weiteren  geht es darum, ob wir uns einander helfen können, unserer Würde bewusst zu werden. 

Prof. Hüter ist erschüttert, dass an Eliteschulen und Eliteuniversitäten oftmals nur Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt werden, die dem Ziele der Verfolgung der nackten Gewinnmaximierung dienen, jedoch keine wirkliche Bildung vermittelt werde. Diese wäre nämlich sehr hilfreich für den Bewusstwerdungsprozess von Würde. 

Der Autor hofft, dass Eltern vor dem Eintritt in die Schule ihren Kindern helfen, das Empfinden für den eigenen Wert und die eigene Bedeutsamkeit zu stärken, um sich ihre Würde in ihrem Leben bewahren zu können. Erkennbar macht er, was aus uns wird, wenn das Bewusstsein unserer Würde zu wachsen beginnt und lässt keinen Zweifel aufkommen, dass nur ein würdevolles Leben uns alle glücklich machen kann, weil dieses Selbstbestimmung impliziert und damit persönliche Freiheit, die ihre Grenze in der Freiheit der anderen findet und diese auch achtet. 

Fazit: Für wirklich gebildete Menschen ist die Würde von uns allen unantastbar. 

Empfehlenswert.

Helga König

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Würde: Was uns stark macht - als Einzelne und als Gesellschaft