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Rezension: Die Narzissmusfalle - Reinhard Haller

Dr. Reinhard Haller ist Chefarzt einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Klinik mit Schwerpunkt Abhängigkeitkrankheiten. In dem hier vorliegenden, äußerst aufschlussreichen Buch beschreibt dieser Autor, wie man Narzissten erkennt, was deren Handlungsmotive sind und wie man sich vor ihnen schützen kann. Narzisstisches Verhalten ist vielschichtig und reicht vom Gefühl eigener Grandiosität bis zum brüchigen Selbstwert, von der Fantasie grenzenloser Macht bis zur kaltherzigen Entwertung der Mitmenschen, von unersättlicher Anspruchshaltung bis hin zu masochistischer Demut, (vgl.: S.21).

Begegnet man Narzissten, spürt man die fehlende Wärme, die mangelnde emotionale Resonanz und die zwischenmenschliche Kühle, die uns von seiner Seite entgegenschlägt, (vgl.: S.25). Es folgen Reaktionsmuster, wie etwa Vorsicht, teilweise Bewunderung, Abschottung oder Unterwerfung. Genau das sind die Erwartungshaltungen des Narzissten, die übrigens unverzeihlich und extrem empfindlich sind und ihren Kritikern mit unerbittlichem Hass begegnen, (vgl.S.27).

Der Autor erzählt den klassischen Narziss-Mythos, weil dieser eine Vielzahl von psychologischen Fakten und tiefenpsychologischen Hypothesen enthält, über die Dr. Haller im Anschluss an die kurze Erzählung berichtet. Was nun ist Narzissmus überhaupt? Er setzt sich aus vier Komponenten zusammen

 -Egozentrizität
 -Empfindlichkeit 
-Empathiemangel 
-Entwertung

 Über die obigen Komponenten wird man ausführlich aufgeklärt. Hier auch erfährt man, dass die schlimmste Art des Narzissmus jene ist, wenn der Narzisst seinen Selbstwert vor allem aus der Entwertung, Erniedrigung und Entwürdigung anderer Menschen bezieht, (vgl.: S. 41). Narzissten ist echtes Hineinfühlen in den anderen nicht möglich. Mitleid ist in seinen Augen ein Gnadenakt bzw. eine noble Geste, die zu seiner großartigen Persönlichkeit zählt. Tatsächliches Mitleid kennen Narzissten nicht, denn dies ist nur ausgereiften Persönlichkeiten vorbehalten.

 Wir erleben hier im Internet immer wieder abartige Formen von Entwertung (Dr. Haller schreibt in seinem Buch auch darüber). Dieses entwertende Element gibt dem Narzissmus den bösen Charakter. Die fürchterlichen Destruktionen dienen der Rettung des eigenen Selbstwertes und treffen dabei die Mitmenschen. "Entwertung äußert sich in Schuldzuweisung, Mobbing und Zynismus. Am dramatischsten zeigt sie sich bei Sadisten, Serienkillern und bösartigen Diktatoren." (Zitat: S.52).

 Dr. Haller schreibt auch von Hochmut, Eitelkeit, Hysterie und Gier, die mit dem Narzissmus verwandt sind. Dabei muss man aber wissen, dass Hysteriker weniger kränkend sind als Narzissten und auch weniger entwertend, (vgl.: S.59). Die gemeinsame Basisstörung aller Narzissmusformen, ist ein schwer gestörter Selbstwert.

 Der Autor schreibt über die Ursachen und die Entstehung des Narzissmus und lässt auch nicht unerwähnt, dass Macht narzisstisch macht. Dr. Haller definiert ganz konkret die narzisstische Persönlichkeit, der es ein Leben lang an Einfühlungsvermögen mangelt. Er listet alle Eigenschaften einer solchen Persönlichkeit auf und vergisst nicht zu erwähnen, dass es mehr narzisstische Männer als Frauen gibt. Das Verhältnis ist 2:1. Der männliche Narzissmus sei mehr durch Entwertung, Gewaltbereitschaft und Mobbing geprägt, während weibliche eher durch Stolz Eigenliebe und Hysterie gekennzeichnet sei, (vgl.: S.95).

 Wissen muss man, dass ein Narzisst nie vergisst und man kaum eine Chance auf Wiedergutmachung erhält, wenn man ihn beleidigt hat. Es helfen weder Rechtfertigung, Entschuldigungen noch Demutsgesten oder Unterwerfungsrituale.

 Das personifizierte Böse ist der maligne Narzissmus. Ständiger Neid und Entwertung und Entwürdigung anderer zeigt die gesamte asoziale Haltung eines solchen Menschen. Der maligne Narzissmus wird gespeist durch ein hohes Aggressionspotential. Bei Stress und in gespannter Atmosphäre bricht sofort die Aggressivität eines solchen Narzissten durch und zeigt sich in primitiver Machtausübung, (vgl. S. 104). Das Persönlichkeitsprofil der meisten Diktatoren weist bösartig-narzisstische Charakterzüge auf. Solche Personen sind unbarmherzig, ausbeuterisch, sadistisch und destruktiv, (vgl.: S.106).

 Diese Personen geraten leicht in narzisstische Wut, die auf Rachebedürfnisse zurückzuführen ist. Man muss sich klar machen, dass der narzisstische Wüterich im Prinzip ein verletztes, hilfloses, schreiendes Kind ist, (vgl.: S. 106).

 Dr. Haller thematisiert die Möglichkeiten zum destruktiven, narzisstischen Handeln im Internet. Unter Nicknamen entwertet der Narzisst hier rücksichtslos, denn er glaubt hier im vermeintlich rechtsfreien Raum unbehelligt grausam sein zu können.

 Der Autor thematisiert auch die Folterwerkzeuge des Narzissten. Es handelt sich um Mobbing, Stalking, Querulieren und Anonymschreiben. Ach ja, der Narzisst ist Meister des manipulativen Schweigens. Wenn er verletzt ist, demonstriert er so sein Gekränktsein und drückt durch Schweigen Verachtung aus.

Mobbing liegen destruktiv-narzisstische Kräfte zu Grunde. Stalking, das hartnäckige Verfolgen anderer Personen ist strafbar. Nachdenklich stimmt mich, dass auch Dr. Haller schreibt, dass Stalking eine spezielle narzisstische Kränkungsreaktion zurückgewiesener Menschen ist. Ich werde seit sechs Jahren von einem Stalker verfolgt und weiß letztlich nicht, wen ich damals gekränkt haben könnte, vermute aber seit langem, dass diese Person von einer anderen Person zurückgewiesen wurde und mich dafür verantwortlich macht. Aufklärung scheint nicht möglich zu sein. Dr. Haller schreibt von Unversöhnlichkeit.

 Im Buch lernt man Regeln im Umgang mit Narzissten kennen. Gelernt habe ich darauf zu achten, frühzeitig Grenzen zu ziehen und einen großen Bogen machen. Es geht um Lebensqualität.

 Ein sehr gutes Buch, das eine Fülle von Informationen über Narzissten enthält. Hüte man sich vor dem Charme eines Psychopathen. Narzissten sind Energievampire. Das muss man sich klar machen.

 Empfehlenswert.  

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