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Rezension: Wilhelm Schmid - Unglücklichsein: Eine Ermutigung

Ist das Heimweh nach dem Traurigsein dem Menschen immanent?

Der Philosoph Prof. Dr. Wilhelm Schmid hat mit diesem gehaltvollen Büchlein eine Ermutigung für Menschen verfasst, die sich unglücklich fühlen. Wie er in seinem Vorwort schreibt, lässt die Diktatur des Glücks, die uns derzeit allen droht, keinen Raum übrig, um unglücklich zu sein. 

Das Anliegen des Autors besteht darin, die absolut werdende Bedeutung des Glücks für menschliches Leben ein wenig zu relativieren, weil die eigentliche Herausforderung nach seiner Ansicht nicht darin besteht glücklich zu sein, sondern vielmehr mit dem Unglücklichsein zurecht zu kommen, es aufzunehmen und auszuhalten, (vgl. S.13). In den Augen Prof. Dr. Schmids ist genau ein solches Leben heroisch zu nennen.

 Man muss sich darüber klar werden, dass Glück in erster Linie Zufallsglück darstellt und Zufall das ist, was uns zufällt, woher auch immer, günstig oder auch ungünstig, (vgl.: S.15). Wie man erfährt, wurde in älteren Kulturen die Zufälligkeit des Glücks in diesem Doppelsinn als Göttin verehrt und gefürchtet, währenddessen moderne Menschen nur den günstigen Zufall als Glück annehmen. Bleibt das Zufallsglück aus, stellt dies ein Grund dar, um unglücklich zu sein. Zufallsglück kann sich durchaus in das Gegenteil verkehren, denn der Zufall der günstig ausfällt, kann sich als ungünstig erweisen, (vgl.: S.17). 

Die Schattenseite des Glücks als gegeben hinzunehmen, ist nicht immer leicht und erfordert von einem Betroffenen nicht selten sehr viel Kraft. Doch es stellt sich die Frage, ob Glück tatsächlich immer auch glücklich macht. Der Autor erinnert daran, dass je mehr ein Mensch sich auf das Wohlsein festlegt, desto größer wird sein Potential für den Gegenpol, (vgl.: S.23). Wir alle benötigen offenbar ein Quantum an Unglücklichsein, konstatiert Prof. Dr. Schmid und bekommen es in der Liebe zuverlässig geliefert. 

Wir sollten wissen, dass die Chemie des Glücks unglücklich macht, wenn sie überstrapaziert wird. Offenbar werden wir auf diese Weise zum Opfer der Lustwut und sind froh und endlich der Unlust hingeben zu dürfen, die uns nicht die Anstrengung des dauernden Frohsinns abverlangt.

 Erinnern sollten wir uns, dass in vielen Ländern Menschen sich schon glücklich sehen, wenn sie überleben. Klar werden müssen wir uns darüber, dass es nicht die Bestimmung des Menschen ist, immer zufrieden zu sein. Nicht wenige Kulturleistungen sind realisiert worden, weil ihre Vollbringer unzufrieden waren. Wenn wir erst einmal begriffen haben, dass die Fülle des Lebens nicht dem Positiven gehört, sind wir schon ein Stück weiter, denn es ist die Eindimensionalität des Positiven wie des Negativen, die der Mehrdimensionalität des Lebens nicht gerecht werden kann, (vgl.S.47). 

Wissenswertes schreibt Professor Dr. Schmid über die Melancholie, die nach seiner Definition eine Seinsweise der Seele darstellt, die wesentlich zur Existenz des Menschen gehört, ohne dass sie in irgendeiner Weise als krankhaft gelten könne, (vgl.: S. 51) Gerade denkende und kreative Menschen werden von der Melancholie erfasst und psychologische Studien zeigen, dass Menschen mit melancholischer Stimmung offenbar Denkaufgaben gründlicher angehen und klügere Entscheidungen treffen, (vgl.: S.55). 

 Neben der Melancholie thematisiert der Autor auch die Depression als Krankheit, um schließlich eine Anleitung zum Leben mit dem Unglücklichsein zu erteilen. Hier wird dann deutlich, dass Glück im Leben zwar wichtig ist, aber weit wichtiger scheint der Lebenssinn zu sein. Nicht nach Glück, sondern Lebenssinn gilt es zu streben. So sorgt bereits ein vertrautes Gespräch für geistigen Sinn, der gestärkt wird vom Interesse an anderen Sichtweisen und Möglichkeiten der Deutung. Kunst, Literatur, Bildung und Weiterbildung halten ein unerschöpfliches Material für Deutungen und Interpretationen, die unabschließbar sind, bereit und halten uns offen für weitere, nie gesehene, unerhörte Zusammenhänge, (vgl. S. 82). 

Es stimmt, die gedankliche Beschäftigung mit dem Leben, kann zu der Auffassung führen, dass zu den Zusammenhängen, die dem Leben Sinn verleihen, auch Polarität gehört. Prof. Dr. Schmid vermutet, dass die Bedeutung der Melancholie in der kommenden Zeit wachsen wird. Es ist uns also geraten, das Unglücklichsein als Möglichkeit des Menschsein zu akzeptieren und uns mehr mit dem Lebenssinn zu befassen, denn wer seinem Leben sind verleiht, ist erfüllt und fragt nicht mehr nach dem Glück. Empfehlenswert.

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Rezension: Vorgeburtliches Bewusstsein

Autor dieses Buch ist der Psychologe Dr. Arthur Janov, der durch seinen Bestseller "Der Urschrei" weltweit Bekanntheit erlangte. In seinem Buch verdeutlicht er, dass die Weichen für die psychische und physische Gesundheit eines Menschen im Mutterleib und in den ersten fünf Lebensmonaten gestellt werden. 

Der erste Teil des Buches befasst sich mit dem Leben vor der Geburt. Hier berichtet der Autor von der "Uterus-Sprache", in der eine werdende Mutter mit ihrem Kind kommuniziert. Obgleich diese Sprache eine Sprache ohne Worte ist, verfügt sie über viel Macht, möglicherweise die größte, die wir in unserem Leben erfahren haben, (vgl. S.15). Offensichtlich hat jede Äußerung der Mutter eine bedeutende Auswirkung. Aus neurologischer Sicht, haben Zuneigung und Ruhe der Mutter während der Schwangerschaft die Stärkung des kindlichen Hirns zur Folge und fördern zudem die Bildung von Rezeptoren für körpereigene Opiate, die dem Kind dazu verhelfen, mit Schmerz besser zurechtzukommen, (vgl.: S.17).

Ein Kind benötigt in seinen ersten Jahren viel Zuneigung und Förderung, aber das Bedürfnis beginnt schon früher. In der Schwangerschaft teilen sich neben hormonellen Unregelmäßigkeiten der Mutter auch deren Lebensrhythmus und Stimmungsschwankungen dem Gefühlszentrum des Kindes mit. Dabei fördert die Entwicklung und Reifung diese neurologischen Strukturen. Diese haben eine direkte Auswirkung auf die Ausschüttung von Hormonen, (vgl.: S.17). 

Der Autor stellt in der Folge in seinem Werk die Erforschung der pränatalen Entwicklung vor, thematisiert hier u.a. das Hormon der Liebe sowie das Leben vor der Geburt in Bezug auf die Serotonin-Ausschüttung. In der allerersten Lebenszeit besitzt Serotonin beim Aufbau der kindlichen Anatomie eine steuernde Funktion. Sinkt der Spiegel, kann man Veränderungen der Körperstruktur erwarten. Die niedrige Serotonin-Ausschüttung geschieht infolge einer Prägung, die offenbar während des späteren Lebens unverändert bleibt. Durch einen den Mangel wird die Bewältigung unserer täglichen Arbeiten erschwert, (vgl.S.126). 

 Der Autor beleuchtet u.a. auch frühe Auslöser zu Suchtkrankheiten. Sofern eine Frau während der Schwangerschaft Alkohol trinkt, kann dies den Serotoninhaushalt eines Kindes nachhaltig beeinflussen. Die Folge sind eine geringere Verdrängungsfähigkeit und schwächere Abwehrmechanismen. Ein solcher Mensch kann unter chronischen Ängsten leiden und benötigt dann u.U. ebenfalls Alkohol, um sich entspannen zu können, (vgl.: S.157). 

 Teil drei behandelt die Hintergründe psychischer Störungen und Krankheiten. Zur Sprache gebracht wird nicht zuletzt Sauerstoffmangel bei der Geburt und Verhalten im Erwachsenenleben. Offenbar ist noch nicht genügend untersucht wie Sauerstoffmangel zu Störungen des Immunsystems und zu Persönlichkeitsstörungen beiträgt, (vgl. S. 200). 


Man liest ferner über Ängste, deren Ursprünge schwer zugänglich sind. Das Wesen der Angst wird hier breitgefächert erläutert. Wenn die Mutter während der Schwangerschaft an Ängsten litt, war deren Serotoninspiegel niedrig, was zur Folge hat, dass das Kind von Geburt an über geringe Abwehrmöglichkeiten gegen Schmerz verfügt. 


 Bei Psychopathen sind offenbar die Nervenverbindungen, die Gefühle auf höherer Ebene vermitteln, gestört. Wenn nicht aufgrund eines pränatalen Traumas die Nervenverbindungen zwischen Gefühl und Verstand gestört wären, könnte ein Mangel an Körperkontakt und Zuwendung nach der Geburt nicht solch verheerende Folgen haben, (vgl.:S.256). 

Weiter aufgeklärt wird man über die Zusammenhänge vorgeburtlicher Schwierigkeiten in Bezug auf das Hyperaktivitätssyndrom und auf Alzheimer sowie schwere Depressionen, um im vierten Teil einen Entwurf einer neuen Gefühltherapie vorgestellt zu bekommen und sich schließlich zum Schluss in das Manifest für eine neue Psychotherapie zu vertiefen, wonach biologische Wahrheit primäre Bedeutung haben und eingeprägte Gefühle nicht durch Gedanken beeinfluss werden können, jedoch Gefühle sehr wohl ihrerseits Gedanken zu beeinflussen vermögen und dies auch tun, (vgl.: S.328).

 Empfehlenswert.

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Rezension: Seeleninfarkt- Dr. Rüdiger Dahlke

Dr. Rüdiger Dahlke, der Autor dieses bemerkenswerten Buches, ist Ganzheitsmediziner und Psychotherapeut. 60 Millionen Einträge bei Google und alleine 100 deutschsprachige Publikationen  in Sachen Burn-out zeigen die Brisanz dieses Themas. Dr. Dahlke möchte durch seine tiefgehenden Betrachtungen betroffenen Menschen aus dem Seeleninfarkt heraushelfen, bzw. diesen verhindern, u.U. sogar das Lebensgefühl völlig verwandeln. Gelingen kann dies aber nur, so der Autor von insgesamt 50 Büchern, wenn man sein bisheriges Weltbild infrage stellt und einer Revision unterzieht.

Der Seeleninfarkt ist eine Eskalation von Burn- und Bore-out. Die Depression in der Folge zeigt an, dass alle Systeme zusammenbrechen. Burn-out (von engl. ausbrennen) und seine Kehrseite, Bore-out (von eng. Bore Langweiliges Lästiges) kommen im Buch ausgiebig zur Sprache. Beleuchtet wird, wer vom Burn-out betroffen ist. Hier auch liest man, dass die Betroffenen nicht selten Defizite im Selbstbild wie mangelnde Eigenakzeptanz bei gleichzeitig übersteigertem Bedürfnis nach Anerkennung, überzogenem Idealismus mit Selbstüberschätzung und Perfektionismus zu verzeichnen haben. Hinzu kann erschwerend eine verringerte Widerstandskraft bezüglich Druck und Stress kommen, (vgl.: S.27).

Dr. Dahlke beschreibt die sieben Stufen in den Seeleninfarkt, nennt individuelles Erleben und Fallbeispiele und zeigt, wie man Infarkten vorbeugen kann. Vorbeugung ist möglich. Dazu ist es wichtig, die Grundsituation zu analysieren, um die Weichen entsprechend stellen zu können. Wissen sollte man, dass Ermahnungen, Drohungen und Vorhaltungen keine Besserung herbeiführen, selbst dann nicht, wenn die innere Flamme bereits schwächelt, (vgl.:S.42).

Gegenpol des Burn-out ist der Bore-out. Wer sich nicht mehr engagiert, langweilt sich, schlägt die Zeit tot und schadet hierdurch ebenfalls der Seele. Bore-out-Menschen sind satt, haben genug Zeit und Geld und wenden sich der Spaßgesellschaft zu. Ihr Verhalten führt zu Überdruss und tödlicher Langeweile. Unterforderung kann zu deprimierender Leere führen und Betroffene in eine ernste Krise stürzen. Dieses kann bis zu anspruchsvollen Krankheitsbildern wie Krebs führen, die das Leben wieder herausfordern wollen. In Deutschland sind übrigens psychosomatisch gesehen die Verwaltungsbeamten die kränkste Bevölkerungsgruppe. Ihre Seele soll geradezu beleidigt aufgrund der Unterforderung und Missachtung bei der Arbeit reagieren, (vgl.: S.45-46).

Dr. Dahlke lotet drei Faktoren als Hauptursachen für Seeleninfarkte aus: den Umgang mit der Zeit; den Wertewandel und das Arbeitsumfeld, den Lebenssinn und Lebensinhalt. Unter den typisch anerkannten Burn-out-Patienten findet man überwiegend Männer im Leistungsstress, (vgl.: S.57). Solange man von seiner Arbeit überzeugt ist, kann Burn-out nicht entstehen. Arbeit muss Freude bereiten. Nur dann kann man sich völlig darauf konzentrieren und im Hier und Jetzt völlig aufgehen.

70% aller moderaten seelischen Störungen bleiben heute in Industriestaaten laut OECD-Daten unbehandelt. So kommt es auch nicht zu einer rechtzeitigen Diagnose, wenn sich Frühwarnzeichen für den Seeleninfarkt zeigen. Solche können sein: Frustration, Antriebslosigkeit, Motivationsmangel, Empfinden von Monotonie, Unlust beim Gedanken an die Arbeit, auch Konflikte mit Vorgesetzten und Kollegen oder in der Hierarchie zu erduldende Respektlosigkeiten am Arbeitsplatz, (vgl.: S.63.)

Man verausgabt sich, wenn sich alles nur noch um Quantität, so etwa bei der Industrieproduktion und Gewinnmaximierung dreht, wenn die Frage der Quantität ebenso zurück tritt, wie die Moral, ( vgl.: S.69). Die Seele tritt in den Streik. Sie macht auf Dauer das Spiel nicht mit 

Dr. Dahlke listet im Hinblick auf den Wert der eigenen Arbeit Fragen auf und verdeutlicht, dass in einer Schadenswirtschaft die der Seele schadende Arbeit nicht selten sehr hoch bezahlt wird. Doch die hohe Entschädigung schützt keineswegs vor dem Seeleninfarkt. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Es führt zu weit auf die Betrachtungen Dr. Dahlkes in punkto Beruf und Berufung einzugehen. Ich bezweifele es nicht, wenn er schreibt, dass ein Leben ohne sinnstiftende Beschäftigung potentiell gefährdet ist. Die Seele ist ausschließlich darauf bedacht zu lernen und sich zu entwickeln und durchschaut Rationalisierungen und Verführungstricks (vgl.: S.111).

Der Autor schreibt über die Gefahren durch Informationsüberflutung und Multitasking, schreibt wie wichtig es ist Grenzen zu setzen, denn wer Entgrenzung zulässt, stellt die Weichen auf Burn-out, weil er absehbar in Rollenkonflikte gerät, (vgl.: 121).

Man erfährt, was die Seele und damit das Wohlbefinden nährt und wie sich der Mangel an sinnstiftenden Instanzen auf uns auswirkt. Zudem schreibt Dr. Dahlke über die hermetische Philosophie als Basis und Hilfe und unterstreicht die Kraft der Hoffnung. Aus seiner Erfahrung als Arzt weiß er: „Solange die Hoffnung lebt, ist alles möglich.“(Zitat: S.159).

Der Autor thematisiert auch die Burn-out-Verstärker Ernährung, elektromagnetische Felder, Störzonen. Dies sind die äußeren Einflüsse. Innere Einflüsse kommen aber auch zur Sprache. Hier handelt es sich um Angst, Mobbing, Energielöcher, emotionale Problemfelder, und um die Tatsache, im Widerstand mit sich und der Welt zu leben, (vgl. S. 160-187).

Der zweite Teil des Buches befasst sich mit praktischen Schritten in ein erfülltes Leben. Hier auch kann man nachlesen wie das Ideal eines vom Seeleninfarkt nicht bedrohten Lebens ausschaut. Am liebsten würde ich die Seite vollständig zitieren. Doch das führt zu weit. Dr. Dahlke vergisst nicht zu erwähnen, dass die Gefahr des Seeleninfarkts desto größer wird, je mehr Abstriche man machen muss im Hinblick auf das beschriebene Ideal.

Anhand eines Tests kann man checken, on man Burn-out-gefährdet ist und Dr. Dahlke zeigt sehr gut nachvollziehbar Auswege aus dem arbeitsbedingten Seeleninfarkt auf. Wie man wieder zu Kräften kommt und kraftvoll leben kann, beschreibt der Autor bestens.

Es ist sinnvoller mit Energiespendern in Resonanz zu treten, als zu jammern, zu klagen zu streiten und zu prozessieren, weil die Erfahrung von Leid oder Schwere nicht leichter wird, wenn man sie auf andere abzuladen sucht. Letztlich verbiestert man nur sein eigenes Lebensumfeld und die eigene Stimmung, (vgl.: S.219). Dr. Dahlke verdeutlicht wie man bewusst in einer Welt aus Schwingungen und Feldern leben kann und wie man es schafft,sich in ein positives Schwingungsfeld zu begeben. Es ist überhaupt nicht schwer und im Ergebnis ganz ungemein wohltuend.

Empfehlenswert.

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Rezension: Ich hasse dich - verlass mich nicht: Die schwarzweiße Welt der Borderline-Persönlichkeit - Komplett aktualisierte und erweiterte Neuausgabe

Prof. Dr. Jerold J. Kreismann und der Journalist Hal Straus haben dieses Buch auf den Weg gebracht, das die schwarzweiße Welt der Borderline-Persönlichkeit sehr gut aufzeigt. Der Leser lernt zunächst auf Seite 26 die neun Symptome kennen, die auf eine Borderline-Persönlichkeit hinweisen. Ich gebe diese nicht grundlos wortgetreu für Grenzgänger wieder: 

-Verzweifelte Bemühungen, die reale oder eingebildete Angst vor dem Verlassenwerden zu verhindern.
-Unbeständige und unangemessen intensive zwischenmenschliche Beziehungen 
-Das Fehlen eines klaren Identitätsgefühls 
-Impulsivität bei selbstschädigenden Verhaltensweisen, beispielsweise Drogen
- und Alkoholmissbrauch, Sex. Ladendiebstahl, rücksichtsloses Fahren, übermäßiges Essen 
-Wiederkehrende Selbstmorddrohungen oder –versuche oder Selbstverstümmelungen 
-Starke Stimmungsschwankungen und extreme Reaktionen bei situationsbedingtem Stress.
 -Chronische Gefühle von Leere und Langeweile
 -Häufige und unangemessene Wutausbrüche. 
-Vorübergehende stressbezogene Gefühle von Irrealität und Paranoia. 

Stimmungsschwankungen sollen bei Borderlinern schnell und explosiv auftreten und die Unfähigkeit, die Ursachen zu erkennen, soll zu Selbsthass und Depressionen führen. Dabei ist die Welt der Borderline-Persönlichkeit wie die Welt des Kindes in Idole und Bösewichte aufgeteilt, (vgl.S.29). 

Wenn für einen Borderlinern ein vormals idealisierter Mensch zur Enttäuschung wird, dann muss er sein eindimensionales Denken drastisch umstrukturieren. Dies führt dazu, dass er sein Idol gewissermaßen ins Verließ verbannt oder aber sich selbst verbannt, um das Image seines Idols aufrechtzuerhalten.

Die Beziehung von Borderlinern halten nie sehr lange, weil der Borderliner durch Nähe zu ersticken droht. Erlebt der Borderliner aber Distanz, erinnert er sich an das Gefühl des Verlassenseins, das er als Kind erlebte und reagiert in beiden Fällen extrem stark, (vgl.: S.31). Aufgezeigt werden in der Folge Borderline-Persönlichkeitsstörungen in verschiedenen Altersgruppen, auch das Borderline-Verhalten bei berühmten Persönlichkeiten und Romanfiguren. Es werden die oben angeführten Symptome ausführlich erläutert und genetische sowie neurobiologische Wurzeln erörtert. 

Schwere Traumata in den ersten Jahren der Entwicklung können übrigens zu einer Borderline-Persönlichkeitsstörung führen. Man hat Gelegenheit, u.a. mehr über die recht problematische Kommunikation mit Borderlinern in Erfahrung zu bringen. 

Die Ausbrüche der Borderline-Persönlichkeit sind in der Regel angsterregend und geheimnisvoll, (vgl.: S. 155). Diese Wutanfälle kommen ohne Vorwarnung und erscheinen Dritten in der Situation als unangemessen. "Je lauter und wütender eine Borderline-Persönlichkeit wird, umso ruhiger und besänftigender sollte der andere sein", (Zitat: 159). Der Zorn von Borderlinern lässt sich nicht mittels vernünftigen Argumenten lösen. Jede Form von Debatte verschlechtert die Situation. 

 Die Autoren informieren sehr gut über therapeutische Möglichkeiten und über spezifische psycho-therapeutische Ansätze. Betroffene sollten sich hier kundig machen, denn eine Therapie hilft nicht zuletzt zu erkennen, welche positive Auswirkung Veränderungen auf sich und andere haben können. 

 Empfehlenswert.

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Rezension: Peter Sloterdijk Zeilen und Tage: Notizen 2008-2011

"Gehirn, freu dich, heute darfst du ein Foto sehen von der Parade der Indischen Kamel-Kavallerie",  (Zitat: Peter Sloterdijk, Seite 555)

Prof. Dr. Peter Sloterdijk hat sich Ende 2011 entschlossen, seine Tagebuchnotizen zu veröffentlichen. Dabei nahm er sich Heft 100 aus dem Jahre 2008 vor und transkribierte seine Niederschriften bis zum Mai 2011.

 Nach einer Vorbemerkung untergliedert er seine Hefte in zwei Bücher. Das erste der Bücher nennt er "Spuren ins Posthumien". Dieser Begriff will zum Ausdruck bringen, dass die eigentliche Endlichkeit nicht alles ist. "Aus der besten Welt" titelt er dann das zweite Buch. Dieser Titel soll an das Leibnizsche Theorem erinnern, wonach die real existierende Welt- unter der Prämisse ihres Hervorgehens aus einem Ursprung, der nicht besser sein könnte- mit unumgänglicher Notwendigkeit als die beste aller möglichen Welten zu begreifen sei, (vgl.: S.9).

 Das Buch enthält Notizen aller Art, zeigt was dem Philosophen wichtig erscheint, worüber er sich Gedanken macht und was er Wert hält, spontan festzuhalten. Nicht jede Notiz outet ihn als Philosophen, viele wohl eher als gedanklichen Spaziergänger und analytischen Beobachter seiner Umwelt.

 Sloterdijk steigt vom Olymp und wird Mensch, wenn er schreibt: "Abends zu einer nachträglichen Geburtstagsfeier mit arabischer Küche bei Uta. Geschenke: Der Graf von Monte Christo mit Depardieu, schon ziemlich übergewichtig, auf DVD und eine Whisky-Rarität aus der Destilliere in Bayern." (Zitat: Seite 59).

 Eine große Anzahl von Aphorismen sind es Wert, dass Sloterdijk ein Bändchen mit diesen für Freunde von Zitaten herausgibt. Sehr bezeichnend finde ich dabei den Gedankensplitter "Wie jede Macht hat auch die Macht der Schwachen ihre Parasiten." (Zitat: S.188). Es wäre interessant, über diese Parasiten ein Buch zu verfassen und deren Tun genau zu beleuchten. Das könnte auch eine Aufgabe für einen Philosophen sein.

 Auf Seite 353 notiert der Autor erneut einen Gedanken zum Thema Macht. Der Gedanke ist nicht von ihm, sondern von Aristoteles:"Wenn sich Mangel an Bildung (apaideusía) zur Macht gesellt, entsteht Größenwahn,"(Aristoteles, Protreptikos). Die Frage, die sich mir stellt ist, wie ein größenwahnsinniger Parasit die Macht der Schwachen im Herbst 2012 in Europa für seine Zwecke benutzen könnte?

 Ich versuche zu verstehen, weshalb Sloterdijk sich notiert, dass er beim Versuch Ursula (wer auch immer das sein mag) anzurufen, nur deren Anrufbeantworter erreicht habe. Am gleichen Tag liest man, was Frank Schirrmacher ihm am Telefon berichtet hat. Er notiert die Essenz des Telefonats, kommentiert aber nicht. Wie ging es Sloterdijk an jenem Tag? War er philosophisch gelassen?

 Er fragt ketzerisch in Interlaken "Wozu eine Seele besitzen, wenn sie ihre Kompetenz als Erlebnisveredlungsanstalt nicht unter Beweis stellt?"

 Auch lässt er nicht unerwähnt, wann Fritz Teufel starb und dass dieser unweit von Herbert Marcus ruht. Welche Gedanken mögen Sloterdijk zu den beiden Personen in den Kopf gekommen sein? Kannte er in jungen Jahren Fritz Teufel?

 Auf Seite 562 fand ich folgenden sarkastischen Gedanken: "Autismus, moraltheoretisch definiert, besteht in der endogenen Unfähigkeit, die Goldene Regel zu befolgen. Wer als Autist beschimpft wird, sollte sich freuen. Man hält ihn nicht für krank, nur für böse."

 Sloterdijk notiert Gedanken und Begebenheiten, mit denen er sich ganz nebenbei vermutlich auseinandersetzt. Mitunter beginnt er beim Notieren schon nachzudenken, so formuliert er dann Fragen wie etwa "Ob es wahr ist, dass die Liebkosung, wie Sartre suggeriert, nicht ohne einen subtilen Anschlag auf die Freiheit des anderen auszuführen sei? Wenn das Gegenteil der Fall wäre- und die Liebkosung würde uns selbst zur Quelle der Freiheit?"

 Ja dann, lieber Herr Sloterdijk, wären wir in einem paradiesischen Zustand, umgeben von friedlichen Menschen, deren Philosophie die Liebe wäre und müssten nicht argwöhnisch auf den bevorstehenden Herbst schielen.

 Sehr neugierig gemacht hat mich Sloterdijks Sentenz "Andere nehmen Tabletten, du lässt das Licht an". Ich gehe mal davon aus, dass es das der Autor hier mit sich selbst spricht und frage mich, was er im Bett Spannendes liest, bis ihm die Augen zufallen. Ob es Dumas ist? Auch ein Philosoph braucht seine 
Auszeiten:-))

 Ein amüsant zu lesendes Buch, streckenweise sehr ironisch. 

 Empfehlenswert.

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Rezension: Bärbel Wardetzki- Nimm`s bitte nicht persönlich

Die Diplompsychologin Dr. Bärbel Wardetzki zeigt in diesem Buch, dass es durchaus möglich ist, gelassen mit Kränkungen umzugehen. Gleich zu Beginn weist die Autorin darauf hin, dass man zwischen Kränkungsreaktion und Kränkungshandlung, bzw. zwischen erlittener und erteilter Kränkung differenzieren muss. 

Kränkungsreaktionen erleben Menschen dann, wenn sie sich zurückgewiesen, abgelehnt, ausgeschlossen und verachtet fühlen. 

Unter der Kränkungshandlung oder dem Kränkungsereignis versteht man hingegen die erteilte Kränkung, also das, wodurch sich andere verletzt fühlen. Man muss sich bewusst machen, dass eine Kränkung im Sinne einer Kränkungshandlung nichts Objektives ist. 

Ob man etwas als Kränkung erlebt, ist abhängig davon, ob man sich verletzt oder entwertet fühlt durch eine Kränkungshandlung. Verhindern kann man eine Kränkungsreaktion dadurch, dass man eine Äußerung eines anderen nicht auf sich bezieht, auch wenn diese auf die Entwertung unserer Person abzielt. Man ist Kränkungen keineswegs hilflos ausgeliefert, wie die Psychologin sehr gut verdeutlicht.

 Der springende Punkt am Kränkungskonflikt ist der Angriff auf die Schwächung des Selbstwertgefühls. Das muss man sich bewusst machen. Kränkungen schwächen das Selbstwertgefühl und sind mit Selbstzweifeln sowie der Verunsicherung unserer Person und unseres Identitätsgefühls verbunden. Die Schwächung beruht auf dem Gefühl benachteiligt und weniger wert zu sein und damit letztlich weniger geliebt zu werden, (vgl.: S.20). 

 Menschen mit stabilem Selbstwertgefühl reagiert nicht so rasch gekränkt wie ein Mensch mit minderem Selbstwertgefühl. Dennoch muss uns klar sein, dass jeder Mensch kränkbar ist, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß.

 Dr. Wardetzki erläutert u.a. die Schritte, wie Kränkungen ablaufen. Dabei wird verdeutlicht, dass Reaktionen in der Kränkung Rache, Gewalt gegen sich und andere und auch Beziehungsabbruch bedeuten können.Sofern Kränkungserlebnisse unbearbeitet bleiben, können sie zu psychosomatischen Krankheiten führen. Wenn erlittene Kränkungen nicht verheilt sind, können sie aufgrund neuer Verletzungen ähnlichen Inhalts aktiviert werden. Die Reaktion bei erneuter Kränkung wird dann weitaus heftiger ausfallen und für Dritte kaum nachvollziehbar sein. 


 Man muss sich bewusst darüber werden, welcher wunde Punkt bei einer Kränkung berührt wird, auch dass man mittels Wut, Vorwürfen und Anklagen das eigene Problem nicht lösen kann. Fühlt man sich gekränkt, sollte man einen Tag verstreichen lassen, bevor man reagiert. Fragen stellen ist angesagt und nicht Rache üben.

 Selbstunsichere Menschen sind offenbar leichter kränkbar. Sie fühlen sich pausenlos schuldig, auch dann, wenn sie es nicht sind. Die Autorin zeigt, wie man eine solche Haltung überwindet. Hier sollte man sich besonders bewusst machen, dass ein versöhnlicher Blick auf die anderen uns auch versöhnlicher stimmt.

 Chronische gekränkte Menschen verhindern leider konstruktive Konfliktlösungen. Damit machen sie nicht nur anderen, sondern auch sich selbst das Leben schwer. Wichtig ist, damit aufzuhören anderen die Schuld zuzuschreiben, denn dies führt zu gegenseitigen Kränkungen, die Konflikte zementieren. Stattdessen sollte man sich darüber klar werden, dass der äußere Konflikt auf einen ungelösten inneren Konflikt verweist.

 Nicht wenige Konflikte in Beziehungen entstehen durch Nähe- Distanzprobleme, dem Wunsch nach Nähe und der Angst vor Abhängigkeit, dem Wunsch nach Autonomie und der Angst vor dem Verlassen werden. Zurückweisungen durch geliebte Menschen treffen uns dabei besonders heftig. 


 Wissen sollte man, dass Suchtkrankheiten nicht selten vor dem Hintergrund früher Kränkungserlebnisse entstehen. Zugrunde liegt der Versuch, sich mit Süchten aus der Realität zu stehlen, weil das die Illusion vermittelt, vor neuen Krankheiten gefeit zu sein. Klar muss sein, dass Sucht keine Lösung, sondern eine Krankheit darstellt. 

 Die Psychologin verdeutlicht nicht nur, was geschieht, wenn man gekränkt ist, sondern auch, wenn wir andere kränken. Hier zeigt sie, was hilft, mit dem gekränkten Menschen wieder ins Reine zu kommen. Dr. Wardetzki weist nicht zuletzt auf Kränkungsfallen hin und wie diese zu vermeiden sind. Auch macht sie deutlich, wie man mit Mimosen umgeht. Man muss sich darüber klar werden, dass Gekränktheit auch ein Machtmittel darstellen kann, mit dem wir seitens eines Gekränkten subtil manipuliert werden sollen. Möglicherweise macht man aus Angst vor Konfrontation das Spiel sehr lange mit. 

 Unzufriedene, verbitterte Menschen kränken andere häufiger als zufriedene. Bei den Kränkungen kann es sich um Ironie, Witze, aber auch um offene Entwertungen handeln. Motive können Neid, Eifersucht, Unzufriedenheit, Minderwertigkeitsgefühle, Überheblichkeit, Angst etc. sein. Kränkende Menschen verursachen zumeist eine ungute Stimmung, die die Beziehungen beeinträchtigen. Durch deren Verhalten werden Ja-Sager, Anpasser oder Ablehner produziert. Ehrliche Kommunikation kann nicht zustande kommen, weil immer wieder Streit droht und Menschen sich wegen drohender Verletzungen zurückziehen. 

Wenn über Probleme nicht offen geredet werden kann, so die Psychologin, leiden die Beziehungen erheblich oder zerbrechen. Die Autorin bringt dem Leser nahe, wie man sich am besten gegenüber uns kränkenden Menschen verhält. Man muss vorsichtig sein im Hinblick auf Menschen, die ein minderes Selbstbewusstsein haben, denn es besteht die Gefahr, dass man sie kränkt, ohne es zu wollen, einfach nur deshalb, weil man selbstbewusster oder erfolgreicher erscheint. 

 Gekränkte reagieren mitunter auch passiv-aggressiv. Dabei erfüllt sie die Vorstellung andere müssen ebenso leiden, wie sie mit Genugtuung. In der Rache verletzen sie andere dann so, wie sie sich selbst verletzt fühlen. Um Versöhnung herbeizuführen, hilft Verständnis am meisten. 


 Dr. Wardetzki zeigt auf den letzten Seiten, wie man gelassener mit Kränkungen umgeht und hier auch wie man Kränkungsleichen birgt. Zum Schluss dann hat man Gelegenheit an einem Test teilzunehmen. Hier erfährt man, welcher Kränkungstyp man ist. 

 Dieses Buch empfehle jedem, der an einem positiveren Miteinander interessiert ist.

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Rezension: Bas Kast: Ich weiß nicht, was ich wollen soll: Warum wir uns so schwer entscheiden können und wo das Glück zu finden ist

Das Buch von Bas Kast habe ich in Etappen gelesen, weil mich der Inhalt sehr interessiert hat und ich einzelne Kapitel immer wieder mit Freunden diskutierte. Der Untertitel lautet "Warum wir uns so schwer entscheiden können und wo das Glück zu finden ist". Aha, dachte ich, wieder ein Glücksratgeber mehr auf dem Buchmarkt und las erst mal das Inhaltsverzeichnis, bevor ich mich dann doch entschied, mich auf dieses Buch einzulassen. Wieso sind in den reichsten Ländern der Erde Angsterkrankungen, Depressionen, Stress und Burnout auf dem Vormarsch? Wieso sind nicht alle glücklich, denen es materiell gut geht?


 Kast analysiert ausführlich von dem "Freiheitsparadox", wonach wir immer unzufriedener werden, je größer unsere Wahlfreiheit bei den vielen angebotenen Alternativen ist. Mit der Zahl der Alternativen steigen beispielsweise nicht nur die Alternativkosten, sondern auch die Erwartungen an die gewählte Alternative. Je mehr Optionen uns zur Verfügung stehen, desto mehr "Hätte-ich-dochs" lassen sich auftun. Und je mehr dieser "Hätte ich dochs" sich finden lassen, desto größer wird die Reue und die Zufriedenheit mit der tatsächlich getroffenen Wahl sinkt, (vgl.: S.45).


 Bei allem wird klar, dass mit der gestiegenen Freiheit der Druck auf die Psyche nicht geringer wird, sondern stattdessen das Gegenteil der Fall ist. So wundert es nicht, dass je stärker das Gefühl von Freiheit und Kontrolle unter den Jugendlichen dieses Landes vorherrscht, desto häufiger diese jungen Menschen Selbstmord betreiben, (vgl.: S.52).

 Neben dem Freiheitsparadox handelt der Autor des Weiteren das "Wohlstandsparadox" ab, wonach zwar der Lebensstandard gestiegen ist in unserem Land, aber die Menschen immer häufiger an Angstpsychosen und anderen psychischen Krankheiten leiden.

Interessant auch wie das Geld unsere Psyche verändert. Geld distanziert und zwar nicht nur physisch. "Geld kapselt ab, macht autonom, ja Geld macht tendenziell asozial." (Zitat: S. 127)

 Wie Kast sehr gut verdeutlicht, zeichnet sich die Welt, in der das Geld regiert, im Vergleich zur Freundes- und Intimwelt durch eine im Wortsinn absolute Charakterlosigkeit aus. Warum das so ist, erklärt der Autor sehr gut nachvollziehbar und so lernt man zu begreifen, weshalb wir uns noch so erfolgreich in der Geldwelt bewegen und durchschlagen können und dennoch dort kaum Feedback über uns als Mensch erhalten.

 Der dritte Teil des Buches gilt den rastlosen Stadtneurotikern, die pausenlos unruhig und dadurch gestresst sind. Kast spricht vom zwischenmenschlichen Wettrüsten. Wer es wagt einen Gang herunterzuschalten, fällt in der Hierarchie der Gesellschaft zurück. Alle werden zum Maus im Rad und das Glück bleibt auf der Strecke. Wer in der modernen, namenlosen Massengesellschaft in seiner sozialen Umwelt einigermaßen erträglich behandelt werden möchte, muss hart arbeiten und chronisch rastlos sein, so Bastian Kast.


 Auf den Seiten 240/241 wartet der Autor mit eindringlichen Fragen auf, die sich nicht nur Rastlose ehrlich beantworten sollten. Eine dieser Fragen lautet "Was verliere ich, wenn ich die nächsten zehn, zwanzig Jahre so weitermache wie bisher?" Was verliert man, was gewinnt man, wenn man sein Verhalten ändert, sich beschränkt, weniger rastlos ist, beispielsweise zu bewusstem Singletasting übergeht und andere Maus im Rad sein lässt? Bastian Kast gibt gute Antworten auf diese Frage.

Ein gutes Buch.Empfehlenswert.

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Rezension: Die seelenlose Gesellschaft: Wie unser Ich verloren geht.


Auf Seite 74 dieses lesenswerten Büchleins findet man ein Zitat von Marie Luise-Ebner Eschenbach. Dieses lautet "Die größten Feinde der Freiheit sind die glücklichen Sklaven". Der Autor Dr. med. Till Bastian kommentiert im Anschluss daran: "Diese glücklichen Sklaven der modernen Erlebnisgesellschaft und ihrer glitzergrellen Konsumwelt registrieren kaum noch, wie sehr ihnen das eigene Ich verloren geht, wie es ihnen aus der Seele gesaugt wird durch die beständig ihr Zerstörungswerk verrichtenden Vakuumpumpen des "sekundären Systems", die an Stelle seelischer Strukturen innere Leere zurücklassen und uns damit immer wirkungsvoller der "Außenleitung" überantworten." (Zitat: S.74).

Bastian zeigt in einem ersten Überblick, was unsere Seele bedroht und verdeutlicht, dass die mangelnde Übereinstimmung unserer Lebensrealität mit dem von uns selbst entworfenen Ideal-Bild, dem "Selbst-Ideal", mit seinen immanenten Wunschvorstellungen und Größenphantasien es in erster Linie ist, das uns peinigt, weitaus mehr quält als unser Gewissen, sprich das schmerzliche Gefühl gegen moralische Normen zu verstoßen. Die Kluft zwischen dem Wunschbild von sich selbst und der nicht selten als unerfreulich erfahrenen Wirklichkeit der tatsächlich eigenen Person hat zur Folge, dass die Herausbildung einer stabilen Ich-Identität erschwert wird. Im Ergebnis ziehen sich Menschen in die Passivität oder in virtuelle Welten zurück, wo sie sich nicht selten Wunschidentität schaffen, (vgl.: S.23).

Vormals innere Konflikte, die sich aufgrund von seelischer und sozialer Einschränkung ergaben, gibt es heute nicht mehr in diesem Maße, stattdessen werden lt. Dr.Bastian die Bürden neuerdings von außen auferlegt. Es sind, wie er festhält, die vielen alltäglichen Gebote, die erfüllt werden müssen, um sich alltagspraktisch zu verhalten, die Forderungen, die wir erfüllen müssen, um einer bestimmten Kultur oder Subkultur anzugehören, das pausenlose Konkurrieren, dass unsere Seele aus Dauer zerstört. Überanstrengung, Erschöpfung, Überdruss, Frustration und innere Leere kennen wir alle und keiner ist damit glücklich.

Der Autor möchte mit seinem Buch Verschüttetes, Überschriebenes und Übertünchtes freilegen, um auf diese Weise seinen Lesern neuen inneren Halt zu geben. Er bemüht in seinem Text viele kluge Leute, wie etwa den Soziologen Norbert Elias, schreibt u.a. davon, dass der Zwang zur Selbstdisziplin und Selbstkontrolle, unter dem wir dauern stehen, unser Nervensystem überaus beansprucht und wir ständig Entscheidungen treffen müssen, zu denen wir gar nicht in der Lage sind. Bas Kast, dessen Buch "Ich weiß nicht, was ich wollen soll", ich gerade zu lesen begonnen habe, bestätigt anhand von Fakten die von Dr. Bastian getroffene Aussage.

Das Ringen um Identität wird immer schwieriger. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass es mittlerweile zum modernen Einsiedlertum kommt. Die Japaner nennen dieses Phänomen "Hikkikomorie". Bei uns spricht man bei einem solchen Verhalten von "sozialer Phobie", neben "Nesthockerei" ist das ein weiteres Verhaltensmuster, um sich den pervertierten Anforderungen unserer Gesellschaft nicht zu stellen.

Dr. Bastian skizziert die Merkmale seelischer Stagnation. Dazu gehört u.a. eine oft sehr weitgehende Abkoppelung vom Tag-Nacht-Rhythmus, exzessiver Aufenthalt in virtuellen Welten, um dort beispielsweise an Computerspielen teilzunehmen, die Unfähigkeit sein Leben angemessen zu organisieren, bei einer mehr oder minder deutlichen Tendenz zur Verwahrlosung, (vgl.: S.50).

Der Autor schreibt u.a. über moralische Verwahrlosung und steigende Gewaltbereitschaft, auch über das Verschwinden von körperlicher Fitness, um sich dann mit der sogenannten Mobilitätsmaschine, Datenmaschine, Bedeutungsmaschine und der Geldmaschine, dem so genannten Sekundären System, das ich eingangs erwähnte, auseinanderzusetzen und deren systematisches Zusammenwirken aufzuzeigen. Dieses Wirkungsgefüge scheint sich in der Wechselwirkung sehr negativ auf unsere Seele auszuwirken, sodass man klug daran tut Außenreize zu reduzieren, sein Leben zu vereinfachen, sich Zeit zur Muse, Besinnlichkeit und Selbstreflexion zu gönnen und sich den nötigen Respekt für die eigene innere Ambivalenz, für die Vielschichtigkeit und Mehrdimensionalität des zu erforschenden eigenen Seelenlebens einzuräumen, (vgl: S.143.)
Sehr empfehlenswert.
  

Rezension: Umarme deine Angst und verwandle sie in positive Lebenskräfte: Ein Selbsthilfeprogramm (Gebundene Ausgabe)

Autorin dieses Selbsthilfeprogramms gegen überbordende Ängste ist die Diplompsychologin Prof. Dr. Gina Kästele. Sie erläutert zunächst das Wesen von Angst- und Hilflosigkeitsgefühlen und macht begreifbar, dass Angst völlig normal ist und als Reaktion auf bestimmte Lebensumstände ausgelöst wird, aber auch auftreten kann, obschon es objektiv keine Gefahrensituation gibt. 

 Die Psychologin macht den Leser mit den Gefühlen von Angst und Hilflosigkeit vertraut und erläutert in der Folge realistische Lebensängste, Handlungsängste, Hilflosigkeitsängste sowie phobische Ängste und verdeutlicht, dass bei aller Unterschiedlichkeit der Ängste es auch gewisse Gemeinsamkeiten gibt. Diese bestehen in einem unangenehmen, spannungsreichen emotionalen Zustand. 

Dabei wird stets erläutert, worin die Angst besteht und es wird geschildert, was es zu begreifen gilt und wie die Heilung ausschaut. Die Autorin empfiehlt immer wieder gewisse Sachverhalte und Beobachtungen aufzuschreiben, um sie sich auf diese Weise bewusst zu machen. Sie thematisiert die körperlichen Auswirkungen von Angst und zeigt dabei wie der Herz-Kreislauf-Typ, der Magen-Darm-Typ und der diffuse Erregungstyp auf Angst reagieren. 

 Man erfährt wie sich Angstgefühle im Verhaltensbereich auswirken. Zumeist wird versucht angstauslösende Situationen zu vermeiden. Allerdings hemmt Ausweichen die persönliche Entwicklung, was zur Folge hat, dass man das Selbstvertrauen verliert und mit erhöhter Hilflosigkeit und Unsicherheitsgefühlen konfrontiert wird. 

 Kästele bringt die Auswirkungen der Gedanken und das Angsterleben zur Sprache und zeigt verschiedene Gedankenfehler auf. Zu diesen Fehlern zählt das Alles-Oder-Nichts 'Denken, das Katastrophendenken, die Selbstabwertung und handlungsblockierende Einstellungen sowie anderes mehr. Dabei zeigt die Psychologin, was man im Einzelnen begreifen muss und wie es zur Heilung kommen kann. 

 In der Folge lernt man den Angstkreislauf kennen und diesen zu verändern. Aufgeklärt wird man über unsere Angst- und Hilflosigkeitsdämonen. Hier werden die körperlichen Ursachen von Angst erläutert, traumatische Ereignisse im Erwachsenenalter lernt man kennen und begreift, dass Angst stets das Ergebnis eines Lernprozesses ist, der unter bestimmten Umständen stattgefunden hat, in denen Einsichten und Erfahrungen gemacht wurden, die Angstentwicklung begünstigen. 

 Ausführlich wird man über die in der Kindheit entstandenen Ängste unterrichtet. Hier lernt man auch den Begriff des "inneren Kindes" kennen und erfährt, dass besagtes Kind in uns zahllose Angstprogramme verinnerlicht hat und in Situationen, die das alte Programm auslösen, die damit verbundenen Gefühle gesetzt werden. 

Die Autorin zeigt, wann Eltern ungünstige Erziehungsmodelle darstellen und weshalb eine hohe Erwartungshaltung Angstgefühle begünstigt. Die Psychologin unterstreicht, dass Medikamente und Alkohol Angstgefühle nicht auflösen, sondern der beste Weg, Angst und Angstgefühle zu überwinden, darin besteht, diese "negativen" Gefühle bewusst anzunehmen. Ein Ausweg aus der Angst findet man in einer neuen Lebensphilosophie. Wie diese aussehen kann, erläutert die Autorin gut nachvollziehbar und zeigt an einem Schema wie aus der Position der Hilfslosigkeit eine Position der Handlungsfähigkeit wird. 

 Im praktischen Übungsprogramm lernt man zunächst unterschiedliche Wahrnehmungs- und Bewältigungstypen kennen und hat Gelegenheit sich Gedanken zu machen, wie man selbst tickt. Anschließend werden Veränderungstechniken erklärt und der Zweifler in uns wird ausgelotet. Man lernt einen Dialog mit dem inneren Dialog zu führen, sich durch kreatives Schreiben von der Angst zu befreien, die Sprache als Helfer zu begreifen und sich mit Bejahungstechniken vertraut zu machen. Die Psychologin wartet mit vielen hilfreichen Wahrnehmungsübungen gegen Angst auf, die man dann, wenn man sich bedroht fühlt, anwenden kann. Weitere Helfer sind innere Bilder, der Atmen und die Haltung. Dahingehend wird man auch bestens informiert. 

 Man muss lernen mit seinen Ängsten umzugehen, denn nur so gelingt es keinem, uns einzuschüchtern. Nur auf diese Weise wird man frei und handlungsaktiv. 

 Empfehlenswert.

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Rezension:Auf einen Wein mit Seneca: Gespräche über Gott und die Welt (Gebundene Ausgabe)


Dieses Buch habe ich heute Vormittag mit allergrößtem Vergnügen gelesen. Die Idee, die den fiktiven Interviews Karl-Wilhelm Weebers mit Seneca zugrunde liegt, finde ich sehr originell. Weber bringt in seinen Dialogen mit dem römischen Philosophen dem Leser diesen auf geschickte Art näher. Plötzlich lebt Seneca wieder auf und plaudert fast ein wenig amüsiert mit Weeber über Gott und die Welt.

Als Leser von Texten längst verstorbener Menschen steht man mit diesen während des Lesens ja immer in einem fiktiven Dialog, zumindest dann, wenn man sich ernsthaft mit deren Denken auseinandersetzt. Hier im Buch ist das, was ansonsten in unseren Köpfen stattfindet, für jeden nachlesbar dokumentiert.

Weeber beginnt den Dialog zu einem Thema stets mit einer Frage und Seneca antwortet. Die Antwort ist in lateinischer und in deutscher Sprache abgedruckt. Erwähnt wird auch immer, aus welchem Text die einzelnen Sentenzen Senecas sind. Die einzelnen Dialoge erstrecken sich dann zumeist auf 3-4 Seiten. Weeber entwickelt geschickt passende Fragen zu den Sentenzen zu einem Thema, die aus unterschiedlichen Texten des Philosophen stammen und erweist sich als Kenner der Gedankenwelt des alten Römers.

Gespräche über Zeitverschwendung, über die Frage, ob Geld glücklich macht, über den Sex, die Frau und die Unmoral, über Mobbing, über Solidarität, Freizeitstress, Freundschaft u.a. mehr, werden hier dem Leser präsentiert und verdeutlichen, dass sich zwar die Zeiten, aber die Menschen nicht geändert haben.

Irgendwann zum Schluss fragt Weeber Seneca: "Wie eng verbindet echte Freundschaft zwei Menschen? Seneca antwortet (ich zitiere an dieser Stelle nur die ins Deutsche übersetzte Sentenz): "Ich bin kein echter Freund, wenn nicht alles, was dich betreffend geschieht, auch meine Sache ist. Die Freundschaft stiftet eine Gemeinschaft aller Dinge zwischen uns, und weder ein Glück noch ein Unglück gibt es nur für den einen von uns: Man lebt gemeinsam: Keiner Kann glücklich leben, der nur auf sich schaut, der alles nur auf seinen eigenen Nutzen bezieht. Du musst für den anderen leben, wenn Du für dich leben willst." (Zitat: S. 166)

Empfehlenswert.

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