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Rezension: "Kann ich? Darf ich? Soll ich?" – Philosophische Antworten auf alltägliche Fragen- Christoph Quarch-Legenda Q


Autor dieses wunderbaren Buches ist der Philosoph Dr. Christoph Quarch. Er ist u.a. Denkbegleiter, Redner und Platon-Experte, berät Unternehmen, unterrichtet an verschiedenen Hochschulen und veranstaltet Philosophiereisen. Einem breiteren Publikum ist er bekannt mit seiner SWR-Radiokolumne "Der Frühstücks- Quarch", des Weiteren mit seinen Podcasts, Artikeln und Büchern. Er initiierte und gründete zudem im Jahre 2020 die Neue Platonische Akademie (akademie_3.org) zur Entwicklung eines geistigen Paradigmas für das digitale Zeitalter. 

Im vorliegenden Werk beantwortet der Dr. Christoph Quarch eine Vielzahl von Fragen mithilfe namhafter Philosophen(m/w) aus unterschiedlichen Zeitaltern. Dabei geht er wie folgt vor: 

Er stellt eine Frage. Beantwortet diese mit Ja oder Nein. Erläutert anschließend, weshalb ein bestimmter Philosoph, der sich mit dem jeweils durch die Frage fokussierten Thema befasst hat, zu einem Ja oder einem Nein entschieden hätte und stellt dann stets den jeweiligen Philosophen oder die Philosophin mittels eines Kurzporträts vor. 

Bei den Philosophen handelt es ich um: Marc Aurel, Soren Kierkegaard, Thomas von Aquin, Martin Heidegger, Georg Friedrich Wilhelm Hegel, Immanuel Kant, Edith Stein, Friedrich Nietzsche, Lucius Annaeus Seneca, Hans-Georg Gadamer, Friedrich Schiller, Karl Jaspers, Diotima von Mantineia, Agnolo Firenzola, Socrates, Wilhelm von Humbolt, Aristoteles, Hannah Arendt, Jeremy Bentham, Flora Tristan, Emanuel Levinas, Ralf Waldo Emerson, Albert Schweitzer, Hans Jonas, Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schleiermacher, Mechthild von Magdeburg, Gottfried Wilhelm Leibnitz und Pythagoras. 

Die Fragen sind nachstehenden Themen zugeordnet: 
Ich und die Welt 
Ich und die anderen 
Arbeit und Freizeit 
Partnerschaft und Freundschaft 
Eltern und Kinder 
Politik und Gesellschaft 
Umwelt und Natur 
Gott und Religion 

Philosophische Wegweiser beim Finden von Antworten auf die Fragen, die sich uns stellen können, schaden nicht, wobei man natürlich stets überdenken sollte, ob man nicht selbst aus guten Gründen dennoch zu einem anderen Ergebnis gelangt und weshalb.

Um drei Beispiele zu benennen, möchte ich nachstehende Fragen aus dem Buch und dem, was man dann in der Folge liest, hervorheben.

"Muss ich mit Leuten meine Freizeit verbringen, auch wenn ich sie nicht mag?" Spontan habe ich "ungern" geantwortet. Folgt man Hans Georg Gadamer müsst man die Frage allerdings bejahen. Grund, um sie, was Christoph Quarch ausgiebig über mehr als drei Seiten ausführt, schließlich mit JA zu beantworten, ist die Tatsache, dass wir durch Menschen, die völlig anders als wir sind, lernen und unser Horizont des Geistes und des Herzens sich erweitert, auf diese Weise mithin auch die Seele. Die Bereitschaft sich auf andere einzulassen, war in den Augen Gadamers das eigentliche Geheimnis der europäischen Kultur. Seine Freizeit mit Menschen zu verbringen, die man nicht mag, die einem fremd erscheinen, vielleicht sogar anstößig in ihrem Verhalten sind, bedeutet dazuzulernen und zu erkennen, dass wir uns am Lernen behindern, wenn wir uns nur mit Menschen umgeben, die uns genehm sind, weil sie nicht widersprechen.  Stellt sich die Frage: Habe ich durch Menschen, die ich nicht mag und dennoch Zeit verbrachte, dazugelernt? Ja, habe ich, sogar sehr viel.

In einer Zeit, in der der Egoismus beinahe zur Grundhaltung ganzer Bevölkerungsschichten geworden ist, ist die Frage "Muss man für die Rechte anderer kämpfen?" natürlich mehr als berechtigt. Flora Tristan hätte sie mit Ja beantwortet und es gibt heute Gründe ohne Ende, dies auch heute noch  zu tun. Ihre Anregungen zu lesen, halte ich für sinnvoll. 

Weshalb man sich für Politik interessieren sollte, verdeutlicht Hanna Arendt in ihrem Buch "Vita Activa". Hier schreibt sie, wie Christoph Quarch hervorhebt: "Handelnd und sprechend offenbaren Menschen jeweils, wer sie sind, zeigen aktiv die personale Einzigartigkeit ihres Wesens, treten gleichsam auf die Bühne der Welt“ und Quarch fügt hinzu, die immer eine öffentliche, politische Bühne ist.

Es stimmt, sich zu zeigen, bedeutet, eigene Überzeugungen und Sichtweisen zu vertreten, sprich politisch zu sein.  Dieser Aufgabe friedlich zu folgen, scheint mir mehr als nur notwendig, war sie es immer, nicht erst seit heute.

Ein gelungenes Buch, das ich sehr gerne weiterempfehle. 

Helga König

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Rezension:Think Again- Die Kraft des flexiblen Denkens- Adam Grant -Piper


Adam Grant, der Autor dieses Buches, ist Professor für Organisationspsychologie an der Wharton Business School. Seine Bestseller in Millionenauflage wurden in 35 Sprachen übersetzt. Das macht natürlich neugierig. 

Das vorliegende Sachbuch ist in vier Teile untergliedert, als da sind: 

Teil 1 Individuelles Umdenken – Das Aktualisieren unserer Ansichten 
Teil 2 Interpersonelles Umdenken- Andere zum Umdenken bewegen 
Teil 3 Kollektives Umdenken 
Teil 4 Fazit 

Voran geht diesen vier Teilen ein Prolog, dem man entnehmen kann, dass dieses Buch dazu einlädt, Wissen und Meinungen loszulassen, die keine guten Dienst mehr leisen und ein Selbstgefühl zu entwickeln, das auf Flexibilität anstelle auf Beständigkeit fußt. Der Autor vermutet, dass man, sofern es uns gelingt, die Kunst des Umdenkens zu erlernen, erfolgreicher im Beruf und glücklicher im Leben sein könne. Mit seinen Ausführungen will er helfen, Dinge zu überdenken, neue Lösungen für alte Probleme zu finden und auf alte Lösungen für neue Probleme zurückzugreifen. 

Ein Kennzeichen von Weisheit sei das Wissen, wann es Zeit sei, einige unserer Kostbarsten Werkzeuge preiszugeben- und einige der geschätzten Teile unserer Identität. 

Grant ist extrem mitteilsam und so stürzt eine Fülle von Informationen auf die Leser ein, die es zu verarbeiten gilt. Was muss man sich merken, um den größtmöglichen Gewinn aus Grants umfangreichem Text zu ziehen? Auf jeden Fall seine Zusammenfassung zum Schluss.

Spaß beiseite. Es gilt, klug zu filtern. 

Mentale Stärke, schreibt der Autor, garantiere keine geistige Beweglichkeit. Das muss man sich erst einmal bewusst machen und akzeptieren. Interessant ist, dass die Wahrscheinlichkeit auf Stereotype hereinzufallen steigt, je intelligenter man ist und zwar deshalb, weil man rascher Muster erkenne. Die treibende Kraft der Muster sind Bestätigungsfehler (zu sehen, was wir zu sehen erwarten) und Erwünschtheitsverzerrungen (zu sehen, was wir sehen wollen). Beide "Bias" hindern daran, unsere Intelligenz einzusetzen. Gut denken zu können, könne dazu führen, dass man schlechter darin ist, Dinge zu überdenken. Es gehe darum, aktiv unvoreingenommen zu denken, so wie Wissenschaftler es tun.

Wissenschaftliches Denken ziehe Demut dem Stolz vor, den Zweifel der Gewissheit und die Neugierde dem Sichverschließen. Sobald man den Wissenschaftlermodus verlasse, weiche der Umdenkzyklus dem Selbstüberschätzungszyklus.

Grant schreibt u.a. vom sogenannten Hochstapler-Syndrom, bei dem die Kompetenz größer ist als das Selbstvertrauen, aber auch vom "Dunning-Kruger-Effekt", wonach das Selbstbewusstsein dann am höchsten ist, je mehr einem die Kompetenz fehle. Mangelnde Kompetenz könne uns inkompetent gegenüber der eigenen Inkompetenz machen. 

Merke: Während Demut ein durchlässiger Filter ist, der Lebenserfahrung absorbiere und Wissen in Weisheit verwandele, sei Arroganz ein Gummischild, von dem Lebenserfahrung einfach abpralle.

Veranschaulicht wird, was man unter dem idealen Maß an Misstrauen zu verstehen hat und verdeutlicht wird, weshalb selbstbewusste Demut die Qualität des Umdenkens verbessert. Selbstbewusste Demut sei eine Korrekturlinse, die uns befähige, unsere Schwäche zu überwinden. 

Sobald unsere Grundüberzeugungen in Frage gestellt werden, neigten wir dazu, dicht zu machen, anstelle uns zu öffnen. Auf diese Weise aber kann man nichts lernen. Sich über Überzeugungen, Ideen und Ideologien zu definieren, führe dazu, dass man seine Meinungen nicht ändere und sein Wissen nicht weiterentwickele. 

Sobald Führungskräfte Macht gewinnen, geschieht es lt. Beobachtungen von Grant nicht selten, dass sie nur noch Speichelleckern zuhören, weil sie Aufgabenkonflikte scheuen. Schwache Führungspersönlichkeiten brächten ihre Kritiker zum Schweigen und würden noch schwächer. Keine Neuigkeit für Menschen, die schon etwas länger leben und  das Treiben in dieser Welt aufmerksam beobachtet haben.

Des Weiteren erfährt u.a. wie man Vorurteile durch Destabilisierung von Stereotypen verringert und man durch die richtige Art zuzuhören, Menschen zum Wandel motiviert. 

Im Buch wird letztlich immer wieder klar gemacht, wie wichtig Aufgeschlossenheit für Neues ist und wie man dem Tunnelblick entkommt, der Neues verhindert. 

Die 20 klugen Ratschläge zum Schluss, sollte man beherzigen, wenn man individuell, interpersonell oder kollektiv umdenken möchte. Nur wer umdenkt, bleibt dem Gestern nicht verhaftet, wo man bekanntermaßen nicht leben kann, wenn man selbst noch nicht gestorben ist.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Wie schleichendes Gift- Christine Merzeder-Scorpio


Christine Merzeder, die Autorin dieses bemerkenswerten Buches ist Dozentin für Gerontologie und Gesundheitswissenschaften an der Fachhochschule Kalaidos in Zürich.

Über Narzissmus sind bereits viele Bücher verfasst worden, einige habe ich auf "Buch, Kultur und Lifestyle" vorgestellt. Das vorliegende Werk gilt es deshalb hervorzuheben, weil es besonders aufschlussreich ist, die Autorin nicht zuletzt aufgrund eigener Erfahrung genau weiß, wovon sie schreibt. 

Der Untertitel des Buches lautet "Narzisstischen Missbrauch in Beziehungen leben und überleben." Christine Merzeder hat den Missbrauch ihres Mannes überlebt, mit dem sie 21 Jahre verheiratet war. Geholfen hat ihr hierbei das "Abuse Recovery Program" (Programm zur Genesung von narzisstischem Missbrauch, NARP)- Die Heilmethoden dieses Programms werden im Buch vorgestellt und erörtert.

Narzissten (m/w) und ihre Opfer können sich in verschiedensten Konstellationen begegnen. Im hier besprochenen Buch geht es zwar um narzisstischen Missbrauch in Paarbeziehungen, aber die beschriebenen Verhaltensweisen können auch auf andere Beziehungen übertragen werden. 

Zunächst wird das Wesen eines Narzissten (m/w) exakt benannt, seine Selbstherrlichkeit, übermäßige Egozentrik und sein Egoismus, auch seine extreme Empfindlichkeit. Narzissten sind stets gekränkt und reagieren extrem wütend oder zutiefst beleidigt, mitunter, ohne dass dem vermeintlichen Beleidiger klar wird weshalb. Empathiemangel sei typisch für Narzissten. Hinzu komme noch die Neigung, andere abzuwerten um das eigene Ego aufzuwerten und auf diese Weise narzisstische Zufuhr zu erhalten.

Genannt werden die Ursachen von Narzissmus und ausführlich wird der bösartige, sogenannte maligne Narzissmus beschrieben. Hier fallen speziell Selbstherrlichkeit, Selbstdarstellung, Überheblichkeit, Empathiemangel und Anspruchsdenken auf. Dazu kommen Gefühlskälte, Menschenverachtung, Paranoia und Aggressivität, die sich in zerstörerischer Wut und Hass äußern könne. Die Autorin unterstreicht weiter das antisoziale Verhalten, das Lügen, Betrügen, Ausbeuten, Belästigen, Stalken, Schlagen, Schaden und Zerstören. 

Der Narzissmusforscher Otto Kernberg, den die Christine Merzeder erwähnt, schreibt, dass die Aussichten einen malignen Narzissten zu therapieren,  sehr begrenzt seien. 

Das Selbst baue sich beim Narzissten durch narzisstische Zufuhr auf. Leider erkennt man, solange man nicht Menschenkenner geworden ist, Narzissten nicht auf Anhieb, denn sie sind Meister darin, eine Fassade aufzubauen. Im Frühstadium des Kennenlernens sei das Mittel das Gegenüber gefügig zu machen, das sogenannte "Love Bombing". Das Umgarnen mit Worten sei jedoch bloßes Kalkül und diene dazu, andere zu manipulieren. 

Im nächsten Schritt des Dramas dann bröckele die Fassade, nun folge abwerten und schließlich wegwerfen. Erwartet werde weiterhin, dass man den Narzissten bewundere und vor allem nicht kritisiere. Kritik laufe generell ins Leere. Die Kommunikation mit einem Narzissten verdient es demnach nicht, so genannt zu werden, so mein Fazit. 

Was stattfindet, ist Mikrogewalt, die bei den Opfern tiefe Verunsicherung als Ergebnis hat. 

In der Folge zeigt die Autorin wie die Risse in der Maske immer größer werden, wie immer mehr gelogen wird und Sachverhalte verdreht werden. Die Opfer seien oft so manipuliert, dass sie sich selbst nicht mehr trauen. Verächtliches Desinteresse, unfaire Schuldzuweisungen, Leugnen von Verantwortung, Wutanfälle, das ist das Programm, das der Narzisst präsentiert. Schuld sind natürlich stets die anderen, dies der narzisstische Klassiker.

Fordern und drohen sei auch typisch für Narzissten, selbst negative Aufmerksamkeit, die durch Streit entsteht, sei erwünscht. Dann auch noch das sogenannte "Gaslighting", das dazu führt, dass das Opfer seiner eigenen Wahrnehmung nicht mehr traut... 

Seite für Seite wird man mehr mit dem Handwerkszeug eines Narzissten vertraut gemacht und versteht, wie tiefgehend der Missbrauch sein kann. 

Thematisiert wird auch die Coabhängigkeit von einem Narzissten, bei der der Coabhängige die Realität negiert. Erst wenn es dem Opfer gelingt, sich vollständig vom Narzissten zu lösen und nach einer Trennung keine Annäherung mehr zuzulassen, ist der Teufelskreis des schleichenden Giftes überwunden, so die Autorin.  Diese schreibt  auch vom Nachbeben einer solch toxischen Beziehung  und listet häufige Symptome während der Beziehung und nach der Trennung von narzisstischen Partnern auf, zeigt  damit umfassend wie zersetzend die Beziehung zu einem Narzissten sein kann. 

Narzissten haben einen sicheren Instinkt, die Verletzlichkeiten anderer Menschen aufzuspüren und einen Vorteil für sich daraus zu ziehen. Man erfährt, welche Menschen besonders gefährdet sind an einen Narzissten zu geraten und was man unternehmen kann, dass dies auch bei einer bestimmten Veranlagung oder momentanen Befindlichkeit nicht geschieht. 

Je selbstbewusster und selbstsicherer ein Mensch ist, um so weniger hat ein Narzisst Interesse an ihm. An sich zu arbeiten, seine Schwächen erkennen, ist also der Weg, der uns  davor bewahrt, in die Fänge eines solchen Energievampirs zu geraten.

Sehr empfehlenswert

Helga König

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Rezension: Besser Leben ohne Stress-Erik Pigani, Christel Petitcollin-Scorpio


Dieses Buch stammt aus der Reihe "Der kleine Selbstcoach", die ich bislang noch nicht kannte und deren Inhalte mich allesamt neugierig machen. 

Zu den Autoren: Erik Pigani ist Psychotherapeut. Er forscht auf dem Gebiet veränderte Bewusstseinszustände und Christel Petitcollin ist Beraterin und Trainerin für Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung. 

Zunächst lernt man 30 Symptome kennen, die typisch sind für Stress. Im Rahmen eines Selbsttestes  kann man in Erfahrung bringen wie gestresst man tatsächlich ist und ob es besser ist innezuhalten. Auch vermag man sich Klarheit darüber verschaffen wie man Zeit empfindet, was unsere persönlichen Zeitdiebe sind und zwar solche, die man mag aber auch solche, die uns aufgezwungen werden. 

Immer wieder werden kluge Fragen gestellt, die es zu beantworten gilt, auch gibt es die Möglichkeit für Eintragungen, die das Bewusstsein für eigenes Stressverhalten schärfen. Man liest von der sogenannten Slow-Bewegung und wird mit 25 Schritten vertraut gemacht, die dazu beitragen, zu lernen, die Dinge langsamer anzugehen. Zu diesen Schritten gehört nicht zuletzt, anderen zuzuhören, weil, so die Autoren, dies die beste Art zu lernen, vor allem selbst zu denken sei. Ein interessanter Ansatz, in einer Zeit, in der selbst zu denken, zum Umdenken führen muss, der Zukunft aller wegen… 

Ein anderer Schritt besteht darin, einen Garten zu bepflanzen. Dadurch nämlich kann man selbstvergessen in die innere Ruhe kommen, weil man vollständig im Hier und Jetzt agiert. Das kann ich aus Erfahrung nur bestätigen. 

Christel Petitcollin klärt im zweiten Teil des Buches sehr gut über Stress auf, erläutert die beiden Stress-Arten und verdeutlicht unter welchen Bedingungen Stress negativ wird. Sie macht die Leser die fünf Stressoren vertraut und nennt deren charakteristische Merkmale sowie deren Gegenmittel. Das ist sehr erhellend und problemlos nachvollziehbar. 

Außerdem erhält man fünf Schlüssel zum Verwirklichen eines lohnenswerten Ziels. In diesem Zusammenhang werden gute Fragen gestellt, die es - am besten schriftlich - zu beantworten gilt. Wichtig ist, unsere Energien stets aufs Neue darauf zu konzentrieren, was innerhalb unseres Handlungsspielraums liegt. 

Auch in puncto Motivation und Organisation liest man Wissenswertes und wie man relativ stressfrei für Prüfungen lernt.  Was noch? Sehr gut auch ist das 7. Kapitel, das sich mit Ausmisten befasst, das gilt für Hausrat ebenso wie für Teile der Garderobe, die man ungenutzt jahrelang hortet, aber u.a. auch  für  toxische Beziehungen, die das Leben erschweren.  Ballast abwerfen, erleichtert und entstresst ungemein.

Eine sehr schöne Entspannungsübung in Lektion 8 rundet das hilfreiche Buch dann ab.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Aufbrechen- Prof. Dr. Michaela Brohm-Badry- Beltz


Prof. Dr. Michaela Brohm-Badry, die Autorin dieses Buches, ist Deutschlands führende Motivationsforscherin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Motivation, Lernen, Positive Psychologie und Persönlichkeitswachstum. 

Der Untertitel des vorliegenden Werkes lässt bereits erkennen, wohin die Reise gehen soll, denn er heißt nicht grundlos:"Die Freiheit zur Selbstentfaltung gewinnen." Brohm-Badry möchte konkret mit dieser Publikation dazu beitragen, “sich selbst zu ermächtigen, ein freies, der Liebe zu allem Lebendigen zugewandtes Leben zu leben.“ Mit diesen Ideen stehe unser Leben in der jahrtausendealten Tradition des europäischen Humanismus. "Folge deinem Traum, alles andere findet sich von selbst."

Motiviert genug, um das Buch zu lesen? Ich war es schon. 

Die Professorin beantwortet u.a. die Frage, wodurch wir uns entwickeln und reflektiert das sogenannte eudainomische Leben, das sich darin zeige, zu sich selbst zu stehen, selbst in schwierigen Situationen, etwas Gutes beizutragen; Menschen zu helfen um ihrer selbst willen; in wirklich wichtigen Dingen nicht nachlässig zu sein, sondern im Streben nach Selbstvervollkommnung zu denken, dass man etwas gut oder besser könne; sich immer weiter zu entwickeln, wissen zu wollen, was man nicht wisse, etwas herauszufinden, damit man es wisse, zu üben, was man entwickeln möchte, aber auch, was man bereits gut könne. Diese Entwicklungsziele gilt es, im Auge zu behalten. 

Die Autorin erwähnt die renommierte Eudaimonie-Forscherin Veronika Huta aus Ottowa, die bereits 2016 vier Elemente benannt hat, die notwendig sind, um von einem eudaimonischen Leben zu sprechen, als da sind: authentisch sein, nach Sinn suchen, nach Exzellenz streben und wachsen. Was dies im Einzelnen bedeutet, wird von Brohm-Badry näher ausgeführt. 

Neben eudaimonischen werden auch, auch organismische und humanistische Perspektiven beleuchtet. Dabei gelangt die Motivationsforscherin zu dem Ergebnis, dass wir Menschen ein natürliches Wachstumsmotiv haben und unser Bestreben darin bestehe, uns zu entwickeln. Dies geschehe durch Erfahrungen, Erkenntnisse, körperliche und geistige Impulse, die das Selbst veränderten. 

Auf Erich Fromm verweisend, schreibt sie, dass wir unser Leben lang danach streben, uns zu vereinen und uns in unserer Ganzheit zu fühlen und uns auf dem Weg dorthin in ständigen Wachstums- und Entwicklungsprozessen befänden. Wachstum erreiche man durch Aktivität, die nicht als Geschäftigkeit begriffen werden soll, sondern als produktiver Gebrauch der menschlichen Kräfte als inneres Tätigsein.

Man liest von der Liebe zum Leben und allem Lebendigen, die das Wachstum fördere, von der Natur, die Glück und Menschlichkeit schenke und schließlich auch, dass man sich selbst verwirkliche, indem man aus seinem inneren Selbst heraus ein körperlich, geistig und seelisch aktives Leben führt.

Autonomie, Kompetenz und Verbundenheit sind die Bedürfnisse, die befriedigt werden sollten, um uns entfalten zu können. Es liege im Wesen der menschlichen Natur, nicht fremdgesteuert zu werden. Dabei sei das Autonomiebedürfnis dann befriedigt, wenn wir selbstbestimmt, aus freiem Willen handeln. Man erfährt, was genau fremdbestimmte und was autonome Motivation ausmachen und begreift sofort, weshalb fremdbestimmte Motivation nicht zielführend sein kann für die Selbstentfaltung.

Gleiches gilt für Kompetenz und Verbundenheit, auch diese Bedürfnisse werden gut erklärt und man liest zudem, wodurch Kompetenzerleben schwindet. Man erfährt fernerhin mehr über die Wirkung der Selbstentfaltung und was alles durch die Erfüllung der drei Grundbedürfnisse Autonomie, Kompetenz und Verbundenheit möglich wird. 

Die Motivationsforscherin hat enge Zusammenhänge zwischen hoher Autonomie, Kompetenzerleben und Verbundenheit mit Wohlbefinden und Leistungsmotivation entdeckt. Bedürfnisfrustration hingegen, habe beispielweise sucherzeugende Ablenkungen oder Aggression zur Folge. 

Weiter wird zur Sprache gebracht, was uns die Freiheit nimmt. Hier geht es u.a. um inneren und äußeren Druck, um Belohnungen etc. 

Es wird reflektiert, weshalb autoritäre Charaktere die Selbstentfaltung behindern und schließlich wodurch die Freiheit wächst, d.h. welche Techniken angewendet werden können. Man liest über die sogenannten "Big –Five", dazu kann man im Internet auch einen erhellenden Test durchführen und begreift, dass bestimmte Charakterstärkenkombinationen für bestimmte Vorhaben nützlich sind. 

Wie man Motivationsressourcen stärkt, wird auch gezeigt, so dass am Ende klar ist, dass man sich nicht davon abhalten sollte, Dinge zu tun, die unserer Selbstentfaltung förderlich sind. Vieles ist möglich, mehr als Zweifler für möglich halten.

Eine Aktivitätsliste zum Schluss zeigt, wohin die Reise gehen könnte, für den Fall, dass man noch unschlüssig ist und zögert seinem Selbst Freiraum zu schenken. 

Maximal empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Das empathische Gen- Joachim Bauer-Herder



Autor dieses Buches ist der Universitätsprofessor Joachim Bauer. Der Arzt, Neurowissenschaftler und Psychotherapeut ist Facharzt für Innere Medizin und Psychiatrie. Er ist in beiden Fächer habilitiert worden. 

Joachim Bauer möchte mit seinem neuen Werk verdeutlichen, dass der Mensch nicht nur durch seinen Geist, sondern auch durch seine Biologie, ein auf Humanität- auf Menschlichkeit-ausgerichtetes Wesen ist. Dabei verhält es sich so, dass eine Sinn-geleitete Grundhaltung und eine prosoziale Einstellung gegenüber seinesgleichen, sprich Gemeinsinn, bei uns Menschen ein positives, gesundheitsdienliches Aktivierungsmuster der Gene zur Folge haben. Entscheidend für die Gesundheit oder Krankheit des Menschen sei, von wenigen Ausnahmen abgesehen also nicht die Frage, ob jemand "gute" oder "schlechte" Gene geerbt habe, sondern wie Gene im Leben eines einzelnen Menschen in ihrer Aktivität reguliert werden. Darauf könne jeder Mensch selbst Einfluss nehmen. 

Die große Mehrheit von Erkrankungen im Hier und Jetzt seien die Folge von Entzündungen. Bei Entzündungen handelt es sich Abwehrreaktionen, die der Körper selbst in Gang setzt, um sich mit einer Schädigung auseinanderzusetzen. Bei den möglichen Schädigungen geht es um Verletzungen, Infektionen, Strahlung, Gifte, Allergene und psychischen Stress. Entzündungen werden auf den Weg gebracht, indem der Körper Gene für die Herstellung von Entzündungsbotenstoffen aktiviert. Der eigene Körper also ist es, der – sobald er etwas als schädigend wahrnimmt, Entzündungsbotenstoffe entwickelt und das Entzündungsgeschehen startet. Folge von Entzündungen sind beispielsweise schwere Arterienverkalkungen, Krebsleiden, Demenzerkrankungen, Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Wie Untersuchungen gezeigt haben, sind es Angst und Stress, die schleichende Entzündungen auslösen. Je stärker die Aktivität der Angstnetzwerke und der erlebte Stresslevel, desto stärker ausgeprägt ist im gesamten Körper, vor allem an den Innenwänden der Blutgefäße, die ablaufende Entzündungsaktivität. Ungewollte Einsamkeit, soziale Ausgrenzung oder Isolation, Überforderung und zu hoher Leistungsdruck, Demütigung oder Bedrohungen, Misshandlungen oder Missbrauch, auch Nahrungsmangel, das Fehlen einer sicheren Unterkunft oder ungewollte Arbeitslosigkeit. Arbeiten und zur Ruhe kommen, könne ein Mensch nur, wenn er sich geliebt fühle und lieben dürfe. Liebe öffne die Tür zu allem, was den Menschen ausmache: zur Kreativität, sinnvoller Arbeit, zur Anstrengungsbereitschaft, zum Engagement für das Gute und - nicht zuletzt- zum Genuss. 

Aus Sicht des Körpers sei soziale Verbundenheit besonders in schwierigen Zeiten ein Wert an sich. Jeder Verlust einer Bindung sei ein Ereignis, das Kraft koste, zum Auslöser einer Erkrankung oder bei alten Menschen sogar zum Startpunkt einer Demenz werden könne. Joachim Bauer zeigt wie es zu Schmerz durch Diskriminierung kommen kann. So rufe das Erleben sozialer Ausgrenzung nicht nur irgendwelche flüchtigen Gefühle hervor, sondern hinterlasse in den betroffenen eine biologische Spur. Schmerz begünstige Aggression. Aggression wiederum aktiviere den Kreislauf. Unaufgelöste Kränkungen können zu Bluthochruck führen.

Der Autor schreibt weiter über das Selbst und in diesem Zusammenhang über Empathie als integralen Teil der Person. Die Kunst im sozialen Raum so zu navigieren, dass sowohl ein freundliches Nebeneinander als auch ein verbindliches Miteinander möglich ist, erfordere vor allem Empathie. Dabei sei Empathie eine kognitive (gedanklich-intellektuelle) und eine fühlende (emotional-intuitive) sowie eine Handlungsebene. Was das im Einzelnen bedeutet, wird auf den Folgeseiten des Buches gut erklärt. Empathie sei ohne liebevolle Erziehung nicht möglich. 

Joachim Bauer reflektiert, was Biotope der Empathie sind und warum ein "Gutes Leben" ohne den Empathie-Anspruch der Natur nicht möglich ist. Interessant auch ist die Antwort auf die Frage "Gibt es eine Lust auf gesundes Leben?" Selbstfürsorge spielt hier eine nicht unwesentliche Rolle. 

Wer sich nicht mehr bewegen dürfe, verliere die Lebensfreude und wer sich des Lebens nur noch eingeschränkt erfreue, bewege sich weniger. Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Absterben der Bewegungslust und den Aufkommen von Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die vaskuläre Demenz und die Alzheimerkrankheit sind weitere Themen dieses Buches. Wie man diesen und anderen Krankheiten entkommen kann? Möglicherweise durch bestimmte innere Grundhaltungen, denn diese beeinflussen die gesundheitsrelevanten Genaktivitätsmuster. In Krisenzeiten benötige das "Selbst" Resonanz. Das Fehlen sozialer Resonanz lasse Menschen in die Krise kommen und krank werden. 

Auch wenn die Natur des Menschen empathisch ist, stiften Gene keine Moral, aber sie reagieren auf eine Sinn-geleitete, menschenfreundliche, prosoziale Einstellungen gegenüber dem Leben, so Joachim Bauer, der mit seinem neuen Buch, das die Leser erkenntnisreicher werden lässt, somit eine bereichernde Lektüre auf den Weg gebracht hat. 

Deshalb: 
Maximal empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Happy Hour-Silke Franzen-Campus


Die Autorin dieses Buches, Dr. Silke Franzen, arbeitet derzeit als Psychotherapeutin in ihrer eigenen Praxis und als selbstständige Beraterin und Trainerin in verschiedenen Unternehmen, unter anderem zu den Themen Krisenmanagement, Führungsmanagement, Konflikt- und Stressbewältigung und Change-Management. Des Weiteren führt sie Assessment-Center für unterschiedliche Auftraggeber durch.

Der Untertitel des vorliegenden Buches lautet "Wie wir gesund und gestärkt persönliche Krisen durchstehen". Im Rahmen von drei Etappen wird dem Leser dies dann sehr gut nahegebracht. 

Zunächst werden einschneidende lebensverändernde Ereignisse thematisiert und festgehalten, welche Reaktionen diese hervorrufen. Gewiss ist, dass wir durch eine Krise in unseren Grundfesten erschüttert werden. Die Autorin stellt kluge Fragen im Hinblick auf unsere Reaktion während einer Krise und erläutert in der 2. Etappe dann zehn Fähigkeiten, mit der man eine Krise bewältigen kann. 

Dabei handelt es sich um: 

-Unabänderliche Reaktionen annehmen 
-Aus dem Teufelskreis der hinderlichen Gedanken kommen 
-Dem Grübelkabinett entkommen 
-Umgang mit Emotionen in der Krise 
-Mit Humor Distanz bekommen
-Den Blick auf die eigenen Stärken richten 
-Wege zur Achtsamkeit finden 
-In der Krise Glücksmomente suchen 
-Helfen und sich helfen lassen
- Zuversicht finden 

Besonders wichtig scheint mir die radikale Akzeptanz dessen zu sein, was ist, weil dies uns die Selbstwirksamkeit zurückgibt. Man hat zwar nicht immer Einfluss auf das, was geschieht, wohl aber wie man damit umgeht. 

Wichtig: Radikale Akzeptanz heißt, in der Realität angekommen zu sein, heißt aber keineswegs deshalb zu resignieren. 

Dr. Franzen zeigt wie man sich die einzelnen Fähigkeiten, die sie stets ausführlich und gut nachvollziehbar auslotet, aneignen kann, benennt Denk- und Wahrnehmungsfehler und macht deutlich, wie nachteilig in der Krise das Grübeln ist. Dabei zeigt sie den Unterschied zwischen Denken und Grübeln auf und weist auf Auswege aus der Grübelei hin. 

Auch erklärt sie die Funktionen von Emotionen und wie beispielsweise Gefühle wie Angst, Trauer, Ärger, Einsamkeit, Schuld und Scham entstehen und wie man mit diesen Emotionen umgehen sollte.

Jede einzelne Fähigkeit, das wird spätestens beim Lesen klar, ist wichtig, um eine Krise zu bewältigen. Vor allem aber die Fähigkeit, Zuversicht zu finden. 

Wie es dann weitergeht, wird in der 3. Etappe aufgezeigt. Doch ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Lesen Sie bitte selbst. 

Ein kluges, hilfreiches Buch, das ich gerne weiterempfehle. 

Helga König

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Rezension: Keine Macht den Psychopathen- Jackson Mac Kenzie- Kösel


Der Autor dieses lesenswerten Buches, Jackson MacKenzie, ist Mitbegründer der Online-Unterstützungsgruppe "PsychopathFree", die jeden Monat Millionen von Menschen erreicht. Offenbar gibt es einen großen Beratungsbedarf zu diesem Thema.

Manipulative Menschen trifft man allerorten. Die Frage ist: Wie geht man mit ihnen um? 

Das wirkungsvollste Abwehrsystem, so der Autor, sei eine starke Intuition, die geschult werden will. MacKenzie beschreibt 30 Alarmsignale, die erkennen lassen, ob man es mit einem Psychopathen zu tun hat. Zu diesen zählen: Pathologisches Lügen und Ausreden, Selbstsucht und ein verheerendes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, Arroganz, rasches Gelangweiltsein und auch der Mangel an Selbsterkenntnis, (Schuld sind immer die anderen). 

"Zeigen, nicht erzählen" ist die Regel, die man anwenden kann, wenn man ausloten möchte, ob man es mit einem Psychopathen zu tun hat, denn dieser erzählt fortwährend, weil er nichts zu zeigen hat. Nicht grundlos empfiehlt der Autor, den Menschen aus dem Weg zu gehen, die erzählen wie nett, großzügig, erfolgreich, ehrlich und wichtig sie sind, sondern stattdessen nach den Stillen Ausschau halten, deren Charakter sich tagtäglich in ihrem Handeln zeigen. 

Bei Psychopathen kann man keinen Seelenfrieden finden, denn sie vermitteln einem das Gefühl nichts wert zu sein. Es handele sich bei deren Tun um eine eiskalte einkalkulierte seelische Vergewaltigung, die dazu diene, systematisch und mit Vergnügen die Identität des ahnungslosen Opfers zu zerstören.

Jackson MacKenzie verdeutlicht wie die indirekte Gehirnwäsche funktioniert. Es geht dem Psychopathen letztlich darum, das Selbstwertgefühl seiner Gegenüber zu rauben. Nach einer Charme-Offensive zu Anfang, folgt dann der Albtraum. Dabei dient die Charme-Offensive dazu, die Grenzen aufzuweichen, bevor die Provokationen beginnen. 

Es gibt zahlreiche Verhaltensmuster, die erkennen lassen, ob man es mit einem Psychopathen zu tun hat, dazu zählt ein verächtlicher und herablassender Ton, wie das Phänomen, sich als ewiges Opfer zu präsentieren. Gaslighting und Projektionen sind ebenfalls typische Verhaltensmuster, die im Buch gut erklärt werden. 

Sehr präzise skizziert werden die Beziehungen zu einem Psychopathen und die typischen Erfahrungen zu Behelfsopfern. Psychopathen versuchen stets ihre Opfer in die Defensive zu drängen und nutzen sie als Objekt, um ihre Langeweile zu vertreiben. Zu ihren typischen Verhalten gehört auch Schweigen, um die Identität anderer zu untergraben. Wie der Autor bemerkt zerstören empathische Menschen unter der Schweigefolter sich oft selbst und grübeln über alles nach, was sie falsch gemacht haben. 

Der Autor zeigt anschaulich Wege der Genesung auf. Wichtig ist dabei, die Selbstfürsorge während des Heilungsprozesses. Wie diese ausschaut wird bestens erläutert. Im Rahmen von zwei Trauerphasen findet die besagte Genesung statt. Hier auch lernt man zu begreifen, was in einem Psychopathen vorgeht. Wichtig zu wissen ist, dass der Psychopath angebetet werden möchte und sonst nichts. Es gibt keinen weichen Kern in ihm, nur endlose Dunkelheit. 

Gezeigt wird auch, was es bedeutet, erneut frei zu sein und die Selbstachtung wiederzuerlangen. Zehn Affirmationen helfen dabei, zukünftig vor toxischen Verbindungen gefeit zu sein. 

Sehr gut beschrieben sind die dreißig Anzeichen von Stärke, mittels derer man empathische Menschen erkennt, ganz ähnlich wie eingangs mittels 30 Anzeichen deren Gegenteil. Ebenfalls gut skizziert werden am Ende dann noch diverse Persönlichkeitsstörungen, die dem Leser bewusst machen, dass z B. in den USA jeder 7. ungesunde, unangemessene, vorgetäuschte sowie fehlende menschliche Emotionen aufweist und unfähig ist, natürliche Bindungen mit anderen einzugehen. Zu glauben, hier bei uns in Europa wäre es weniger schlimm, scheint wohl eher eine Wunschvorstellung zu sein.

Ganz zum Schluss gibt es noch einen aufschlussreichen Psychopathen- Test, um gewappnet zu sein vor zerstörerischen Beziehungen. Ob dies gelingt, muss jeder selbst  ausloten...

Maximal empfehlenswert. 

Helga König

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Rezension: Undinge-Umbrüche der Lebenswelt-Byung-Chul Han- Ullstein


Wie der Philosoph Byung-Chul Han seine Leser gleich zu Beginn seines neuen Werkes wissen lässt, wird derzeit die terrane Ordnung durch die digitale abgelöst. Letztere entdingliche die Welt, indem sie sie vorrangig informiere. Deshalb auch bestimmten nicht mehr Dinge, sondern Informationen unsere Welt. 

Die ehemaligen Ruhepole auf unserer Erde- die Dinge- werden nun gänzlich von Informationen überlagert. Diesen und den Daten gelte die neue Obsession. Es geht nun gewissermaßen um "Undinge".

Wahrheit gehöre zu der vormaligen terranen Ordnung. Sie spiele in der digitalen Ordnung keine Rolle mehr, denn diese habe stattdessen die postfaktische Informationsgesellschaft eingeläutet. Nivelliert sei jetzt die Unterscheidung von wahr und falsch. Fake-News seien letztlich auch Informationen. Was zähle sei die kurzfristige Wirksamkeit. Damit ersetze Wirksamkeit Wahrheit. 

In der postfaktischen Erregungskultur beherrschten Affekte und Emotionen die Kommunikation. Diese destabilisierten das Leben. Jegliche zeitintensive Praktiken verlören an Bedeutung. Zu diesen zählten Vertrauen, Versprechen, Verantwortung, auch Bindung und anderes mehr. Das Jagen nach Informationen mache kurzsichtig und kurzatmig. 

Byung-Chul Han reflektiert des Weiteren die heutige Hyperkommunikation, die die Einsamkeit der Menschen vertiefe und stellt auch Überlegungen zu Selfies an, denen jegliche Aura fehle. Sie seien in erster Linie keine Zeugnisse der abgelichteten Person. Das Weshalb erklärt der Philosoph gut nachvollziehbar. 

Die digitale Kommunikation beeinträchtige letztlich die menschlichen Beziehungen erheblich, denn Vernetzung sei nicht gleich Beziehung. Im Zeitalter des Abstandslosigkeit weiche die Beziehung dem distanzlosen Kontakt. Dieser erweist sich kontraproduktiv auf Beziehungen. 

Der Philosoph stellt Überlegungen an zur Dingvergessenheit in der Kunst, schreibt über Herzensdinge und die Stille, die viel mit sich zurücknehmen zu tun hat. Die digitale Landnahme im Netz erzeuge viel Lärm. Dies hänge damit zusammen, dass Informationen uns die Stille rauben und letztlich die Aufmerksamkeit zerstückeln. 

In einer Zeit, in denen Dinge nicht mehr ge- sondern nur verbraucht werden, hätten Dinge keine Seele mehr. So treffen entseelte Dinge auf entseelte Menschen im entseelten Raum in unserer schönen neuen Welt, die Byung- Chul Han mit großer Skepsis beobachtet, weil Menschsein in ihr auf Dauer nicht möglich ist. Dieses Menschsein nämlich setzt tatsächliche Begegnung voraus, die über ein geselliges Beisammensein hinausgeht.

Maximal empfehlenswert. 

Helga König

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Rezension: Rache- Gefangen zwischen Macht und Ohnmacht-Reinhard Haller-ecowin


Der Psychiater und Psychotherapeut Dr. Reinhard Haller hat mit "Rache-Gefangen zwischen Macht und Ohnmacht" ein sehr erhellendes Buch verfasst, in dem er sich mit einem Gefühl beschäftigt, das nicht einfach zu beschreiben ist. Wie der Autor konstatiert, reicht sein Spektrum von spontaner Revanche bis zu zwanghaft bohrenden Rachegedanken, von diffusen Rachebedürfnissen über Rachlust bis zu unstillbarer Rachsucht, von verständlichem Vergeltungswunsch bis zu nicht vorstellbarer Grausamkeit. Rache entspringe dem Verlangen nach Gerechtigkeit und soll der Wiedergutmachung und dem Ausgleich dienen. Ihre Triebfedern seien Kränkung und enttäuschtes Vertrauen, Eifersucht, Neid und Narzissmus. 

Rache habe soziologisch gesehen etwas mit Ausgleich zu tun. Sie tauche in unterschiedlicher Form auf. Genannt werden Schadenfreude, Revanche, Denkzettel, Vergeltung, Vendetta-die Blutrache und der Rachfeldzug sowie der Rachekrieg. All diese Formen werden gut verständlich erläutert. 

Rachsüchtige Personen scheinen mit einem ängstlichen, hortenden, zwanghaft-aggressiven oder extrem narzisstischen Charakter ausgestattet zu sein. Je geringer die Kultur in einer Gesellschaft entwickelt sei, umso größer die Rachsucht. 

Bei Rache geht es u.a. um das Wiederherstellen des Selbstwertes. Wenn ein Mensch das Gefühl habe, Opfer von Benachteiligung, Übervorteilung, Schädigung geworden zu sein, möchte er das frustrierte Ego auf Augenhöhe bringen, möchte also einen Machtausgleich schaffen, indem er den Schädiger schwächt. 

Prof Dr. Haller zeigt an vielen Beispielen im Buch, um was es eigentlich geht. Er schreibt über Rachefantasien und wie es schließlich zu Racheaktionen kommt. Er erwähnt auch Dürrenmatts "Besuch der alten Dame", um zu zeigen, welchen Weg Rache gehen kann, um ihr Ziel zu erreichen.

Dann schreibt er über einzelne Mittel, Rache zu nehmen und nennt zuallererst das Schweigen. Wenn ein Mitmensch kein Wort mehr wert sei, dann soll durch das Schweigen zum Ausdruck gebracht werden, dass er nicht mehr existiere. Der Fachausdruck hierfür heißt #Ostrazismus. Der Ausschluss aus der schützenden Gruppe sei bei unseren Ur-Vorfahren einem Todesurteil gleichgekommen. 

Der Autor geht Ursachen und Motiven für Rache nach und nennt  fünf Punkte, weshalb aus wissenschaftlicher Sicht gerächt wird. Rache sei keine Krankheit und Rachemotive seien niemals krankheitsauslösend. Aber die Motive können krankhaft sein. Dies gilt für Fanatismus und Querulanz.

Man erfährt mehr über Rache als Strafe und deren Formen wie etwa die Todesstrafe, aber auch die Selbstbestrafung und liest zudem Wissenswertes zu den großen Triebfedern wir Zorn, Wut, Neid, Hass und Hassliebe. Dabei sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Hass sehr viel positive Lebensenergie aufzehrt und den Hassenden unfrei macht. 

Der Autor lotet die unterschätzen Ursachen für Rache aus. Hier geht es um Nichtbeachtung, fehlende Wertschätzung, Undankbarkeit, Schuldzuweisung und Beschämung. Dabei sind die wichtigsten Beschämungsarten Erniedrigungen, die das Ziel haben, einen Menschen "klein zu machen" und zu entwerten, des Weiteren Beziehungsabbrüche, die die Botschaft enthalten "Du bist minderwertig, wir mögen und wollen dich nicht."

Sehr lesenswert auch ist Kapitel 11 "Die Rache des Narzissten".  Hier  sind die bösartigen Folterwerkzeuge neuerdings Mobbing und Stalking. 

Neben diesen  und einigen anderen Aspekten schließlich gelangt der Autor zu Kapitel "Bewältigung der Rache". Lösungsorientiert, macht er 10 Vorschläge, die jeder beherzigen sollte, der von Rachegedanken geplagt ist. 

Gelassenheit durch Loslassen ist ein gutes Mittel, nachdem man sich der Rachegefühle und -motive bewusst geworden ist. Vergeben und Verzeihen ist nicht immer einfach, auch wenn es gewiss vernünftig ist.


Maximal empfehlenswert. 

Helga König

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