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Rezension: Die Kunst des Miteinander-Redens- Über den Dialog in Gesellschaft und Politik- Bernhard Pörksen/Friedemann Schulz von Thun



Zu den Autoren:

#Bernhard_Pörksen ist Professor für Medienwissenschaften an der Universität Tübingen. Er hat sich einen Namen gemacht durch seine Arbeiten zur Skandalforschung aber auch durch seine Bücher mit dem Kybernetiker Heinz von Foerster und mit dem Psychologen Friedemann von Thun. 

#Friedemann_Schulz_von_Thun war bis 2009 als Professor für Psychologie an der Universität in Hamburg tätig. Seine Trilogie "Miteinander-Reden" gilt als Standardwerk und entfaltet die Kommunikationsmodelle, so etwa das Kommunikationsquadrat, das Innere Team wie auch das Wertequadrat. Er leitet das Schulz von Thun-Institut für Kommunikation und ist als Berater und Trainer tätig. 

Bernhard Pörksen schreibt im Vorwort über den kommunikativen Klimawandel und fragt gleich eingangs, wo die Ursachen für die große Gereiztheit, für die Sofort-Eskalation öffentlicher Debatten, für den Hass und die Wut liegen, die das Kommunikationsklima der Gegenwart zu ruinieren drohen. Selbst ein pöbelnder Populist könne das Klima nicht im Alleingang ändern, sondern profitiere von einer radikal veränderten Medienwelt. 

So seien von 1970 bis 2016 in den USA 500 Zeitungen eingestellt worden, andere hätten ihre Berichterstattung zurückgefahren, Redaktionen hätten fusioniert, Mitarbeiter seien entlassen worden oder man habe sich von der gedruckten Ausgabe ganz verabschiedet. 

Das Kernproblem bestehe darin, dass sich publizistische Qualität immer schwieriger finanzieren lasse. Auf diese Weise hätten sich die Macht- und Einflussverhältnisse zu Lasten eines qualifizierten, rechercheintensiven Journalismus verändert. Seither geht es um Quote und Klicks, seither sei das Miteinander-Reden zum Aufeinander-Einbrüllen verkommen. 

Misstrauen gegenüber den Medien, von denen man annehme, Ursache und Treiber des kommunikativen Klimawandels zu sein, hätten zu einer medienverdrossenen Gegenöffentlichkeit geführt. 

Man erfährt, wie gegenwärtig die Grammatik der Kommunikation umgeschrieben wird, wie durch Twitter, Facebook, YouTube, Instagram etc. sich die Symbole ändern, mit denen wir uns austauschen, aber auch die Inhalte, über die wir sprechen; und das Wesen von Gemeinschaften, d.h. die Arena, in der sich Gedanken und Debatten überhaupt entfalten könnten. 

An die Stelle der Mediendemokratie alten Typs, die sich um klar identifizierbare, publizistische Machtzentren gruppierte, sei allmählich die Empörungsdemokratie des digitalen Zeitalters getreten. In leicht zugänglichen Ad-hoc-Gemeinschaften mit stark individualistischer Note, die sich um ein #Hashtag gruppierten und digital vernetzt kommunizierten, werde entschieden, was als relevant zu gelten hat. Relevant sei, was interessiert. Auf diese Weise würden der Hype und das Spektakel immer dominanter. 

Dazu kommt, dass das Netzmedium der allgemeinen Bestätigungssehnsucht der Menschen sehr weit entgegen komme und die Stabilisierung marginalisierter Positionen erlaube. So entstünden Mehrheitsillusionen und schwinde die regulative Macht sozialer Tabus.  So würden sich die Grenzen des Sagbaren verschieben. Trotz sogenannter #Filterblasen sei #Filterclash nicht zu vermeiden, d. h. das Aufeinanderprallen von Parallelöffentlichkeiten und Selbstbestätigungsmilieus.

Es sei die unerträgliche Gleichzeitigkeit des Seins, die heute auf einem einzigen Kommunikationskanal erlebbar sei, der Schock des Unvereinbaren, der den Dissonanzkoller produziere, ein Bewusstsein für Ungleichheit und Ungerechtigkeit erzeuge und durch die Sofort-Konfrontation mit radikaler Unterschiedlichkeit große Gereiztheit forciere. 

Es entstünde Sehnsucht nach Stille, die Sehnsuchtsmagazine und entsprechende Bücher für sich nutzbar machten und die auch in der Entspannungssehnsucht durch Wellness und Spiritualität zum Ausdruck komme. 

#Achtsamkeit sei ein großes Thema geworden, die als Bemühen um eine zivilisierte Achtsamkeit zur Dauermoralisierung der Kommunikationsverhältnisse geführt und eine beklemmende, humorfreie Hypersensibilität befördert habe, bei gleichzeitiger verbaler Aggression. 

Das Buch ist in folgende Abschnitte untergliedert: 
Dynamik und Polarisierung 
Möglichkeit und Grenzen des Dialogs 
Transparenz und Skandal 
Desinformation und Manipulation 

Es befasst sich in Dialogform zunächst mit dem Versuch, die Dynamik und Mechanik polarisierender Kommunikation zu beschreiben. Es folgt dann im zweiten Kapitel, eine teilweise kontroverse Auseinandersetzung mit der Frage, ob man in einer konkreten Situation und im von strategischen Überlegungen verminten Feld des öffentlichen- mit jedem reden können und mit jedem reden solle. Im dritten Kapitel dann werden die Folgen einer neuen Sichtbarkeit debattiert und zwar unter den aktuellen Medienbedingungen. Es geht darum, auszuloten, wie sich im Spannungsfeld von Wirkungskalkül und Offenheit das richtige Maß von Authentizität und professioneller Effektivität finden lässt. Im vierten Kapitel schließlich wird mittels paradigmatischer Beispiele beschrieben wie Deutungen und Meinungen in einer hochgradigen vernetzen Welt entstehen. 

Den beiden Autoren gelingt es, Auswege aus der Polarisierungsfalle aufzuzeigen und eine Ethik des Miteinanders zu entwerfen, die Empathie und Wertschätzung mit der Bereitschaft zum Streit und zur klärenden Konfrontation sinnstiftend verbindet. Damit wird das Werk zu einem klugen Ratgeber für alle, die Demokratie am Leben erhalten möchte und zwar mittels Kontroverse und Kompromiss. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Seelische Trümmer- Bettina Alberti- Kösel

Die Autorin dieses hervorragenden Buches ist die in Lübeck praktizierende Diplom-Psychologin #Bettina_Alberti. Ihr besonderes Interesse gilt der Bedeutung von Kontakt und Bindung für die psychische Entwicklung des Menschen unter Berücksichtigung traumatischer Erfahrungen. 

Bereits in der Einleitung erläutert die Psychologin, weshalb sie ein Buch über die in den 1950er und 1960er Jahre Geborenen aus Sicht der Psychotherapie geschrieben hat. Für die Menschen, die in dieser Zeit hierzulande zur Welt kamen, gehe es um Trauer um die eigene Familiengeschichte, eine Trauer, die die vorherigen Generationen sich aufgrund ihrer psychischen Lebensbedingungen oft haben nicht erlauben können. 

Alberti wartet in ihrem Werk mit vielen Geschichten auf, die auf Gesprächen mit Betroffenen basieren. Hier werden die Gründe für die Trauer dann hinreichend belegt. 

Aufgabe der 1950er und 1960er Jahre Geborenen sei es, einen seelischen Raum ohne Bewertung zu öffnen, damit das über Generationen wirkende innere Leid tatsächlich anerkannt und der bewussten Verarbeitung zugänglich gemacht werden könne. 

Das Buch ist in 7 Kapitel untergliedert. Im Vorfeld wird bereits thematisiert, dass die Folgen elterlicher Kriegsbelastung sich für die erwachsenen Kinder nicht selten hinter einem gut funktionierenden Pseudoselbst verbergen. Die Kriegstraumatisierung und die Prägung durch die NS-Paradigmen hätten viele Eltern, die in der NS-Zeit Kinder waren, dazu gebracht, der Seele ihrer Kinder nicht begegnen zu können. Dies habe #Selbstverleugnung, #Lebensangst und #Einsamkeit zur Folge. 

Der #Bindungssehnsucht Raum zu geben und das eigene Selbst zu besetzen, ohne in Narzissmus abzutriften, sei für die Generation der in den 1950er und 1960er Jahren Geborenen vor den Hintergrund ihrer Kriegsbelastenden Familienbiografie eine kollektive Aufgabe. Neben dem 2. Weltkrieg wirkten  zudem die Teilung Deutschlands und der Kalte Krieg auf diese Generation. Die Aufgabe ist nach Ansicht Albertis  also Heilung, um sich von Vergangenem zu befreien. 

Was wissen wir über unsere Eltern? Wissen wir, was sie während der Kriegsjahre tatsächlich erlebten? Solche Fragen, aber auch "Haben die Kriegserfahrungen meiner Eltern Auswirkungen auf mich gehabt, auf unsere Beziehung, auf meine seelische Entwicklung?" stimmen nachdenklich. Spannend zu lesen ist, was in den Geschichten der einzelnen Betroffenen zum Vorschein kommt. Vieles kam mir sehr bekannt vor, aufgrund meiner eigenen Vita und den Erfahrungen mit meiner schwerst-traumatisierten Mutter. 

Man erfährt in der Folge dann mehr über psychische Traumata und deren Auswirkungen auf die Seele. Diese Traumatisierungen führen zu Verletzungen und langfristigen Veränderungen im seelischen Erleben. Betroffene Menschen komme die innere Ruhe und der Frieden abhanden. Die Frustrationstoleranz für Stress sinke. Die Fähigkeit Leid zu ertragen und zu verarbeiten, scheine ausgeschöpft. Folge sei eine latent gereizte, aggressive oder aber auch eine latent traurige, depressive Stimmung. Die Betroffenen scheinen unerreichbar und unverbunden mit anderen. Schwierig war und ist es für die Folgegeneration mit Vätern oder Müttern der Kriegskindergeneration entspannt umzugehen. Im Alter neigten die Kriegskinder zu körperlichen Beschwerden ohne organische Ursachen. Die Folgegeneration, sprich die in den 1950er- und 1960er Jahren Geborenen zeigten dagegen psychische Symptome wie Ängste, Selbstwertprobleme und Depressionen als Ausdruck der Überbelastung und des Mangels. 

Traumatische Erfahrungen wirkten über die Bindungsbeziehungen innerhalb der Familie in die nächste Generation. Auch das wird durch die Geschichten von Betroffenen deutlich. Belastende Bindungserfahrungen, verursachten seelische Störungen und beeinträchtigten die Entwicklung. Unsere Liebes- und Abgrenzungsfähigkeit, auch unsere Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten hängen damit zusammen. 

Die Autorin listet auf, welchen Traumatisierungen die Kriegskinder während des zweiten Weltkrieges ausgesetzt waren und auf welche Weise sie auf der Bindungsebene erschüttert wurden. Alberti erwähnt mehrfach den nationalsozialistischen Erziehungsratgeber von Johanna Haarer mit dem Titel "Die deutsche Mutter und ihr Kind", der bis Kriegsende eine Gesamtauflage von 690 000 Exemplare erreichte und auch nach 1945 immer noch als Ratgeber in Sachen Erziehung galt. Gedruckt wurde das Monsterwerk bis 1986. Haarer empfahl größtmögliche Distanz zwischen Mutter und Kind und hat mit ihrem Buch viel Leid gestiftet. 

Die Autorin nennt die Gründe für die emotionale Kluft zwischen den in den 1950 und 1960er Jahren Geborenen und deren Eltern. Dazu gehörten beispielsweise eine kollektive emotionale Unerreichbarkeit der Elterngeneration als Folge ihrer Kriegserfahrung, auch die verinnerlichten nationalistischen Erziehungsprinzipien, die eine physische und emotionale Distanz zwischen Eltern und Kindern installierten. Das Problem dieser Eltern: Wenn andere Menschen starke Emotionen zeigen, wie Kummer, Angst oder Freude, kann das zur psychischen Abwehr führen, weil sie dies als bedrohlich empfinden. 

Kinder der 1950er und 1960er Jahre gehen aufgrund ihrer Erfahrungen mit traumatisierten Vorfahren  mit sich sehr häufig unemphatisch um, legen Wert darauf, ständig zu funktionieren und neigen dazu sich abzuwerten, so die Autorin. Die Gründe hierfür werden erläutert und es wird auch  die innere Einsamkeit angesprochen, die nicht wenige Betroffene spüren. 

Dies und all das, was mit dem Kalten Krieg und der Teilung Deutschlands zusammenhängt. erfordert Frieden mit der familiären Vergangenheit und mit sich selbst zu schließen.Wie man die Verstrickungen löst, erläutert Bettina Alberti sehr gut nachvollziehbar. Deshalb auch empfehle ich das Buch allen, speziell den Betroffenen.

Maximal empfehlenswert.

 Helga König

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Rezension: Wut und Hass- Über die Bedeutung von Aggression bei Persönlichkeitsstörungen und sexuellen Perversionen- Otto F. Kernberg-Fachbuch Klett-Cotta



Otto F. Kernberg ist einer der international führenden psychoanalytischen Forscher. In seinem vorliegenden Werk stellt er die jüngsten Untersuchungen zu Ätiologie, Natur und Behandlung von Persönlichkeitsstörungen vor. Dabei überprüft er zu Beginn des Buches die psychoanalytische Theorie der Motivation und befasst sich in diesem Zusammenhang speziell mit Aggression. Hier versucht er das Verhältnis zwischen Aggression und Wut und zwischen Wut und Hass zu klären.

In den zentralen Abschnitten des Werks aktualisiert er dann seine ichpsychologische Objektbeziehungstheorie und befasst sich primär mit den spezifischen Verzerrungen, welche strukturierte Aggression in der Übertragung und Gegenübertragung, hervorruft, sofern sie als chronischer Hass und sekundäres Abwehrmanöver gegen Hass auftritt. 

Im Schlussabschnitt thematisiert er den spezifischen Einfluss, den psychische Struktur und Aggression auf die Ausgestaltung psychopathologischer Erscheinungsformen ausüben. Darüber hinaus befasst sich der Autor mit Perversionen. Er benennt die Psychodynamik von Perversionen und Persönlichkeitsstörungen und verdeutlicht ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede. 

Den überaus komplexen Inhalt hier ausführlich darzulegen, sprengt vom Umfang her den Rahmen dieser Rezension.

Das Werk ist in sechs Teile untergliedert: 

Teil I: Die Rolle der Affekte in der psychoanalytischen Theorie 
Teil II: Entwicklungsaspekte verschiedenartigster Persönlichkeitsstörungen 
Teil III: Klinische Anwendung von Objektbeziehungen 
Teil IV: Technisches Vorgehen bei massiven Regressionen 
Teil V: Die Psychodynamik der Perversion. 

Dieses Fachbuch ist interessant für alle, die sich mit psychoanalytischer Behandlungslehre befassen 
möchten. Kein leichter Stoff. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Wie wir werden, wer wir sind- Die Entstehung des menschlichen Selbst durch Resonanz- Joachim Bauer - Blessing




Prof. Dr. med. Joachim Bauer, der Autor dieses Buches, erhielt für seine Forschungsarbeiten den renommierten Organon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Biologische Psychiatrie. Der Neurowissenschaftler, Psychotherapeut und Arzt hat zahlreiche erfolgreiche Bücher geschrieben und geht in  seinem neuen Werk den Fragen nach, wie unser Selbst entsteht, das sich später von anderen abgrenzen kann und auch, was einen Menschen zu einem Individuum macht.

Im Rahmen von insgesamt 15 Kapiteln erfährt man konkret mehr über die Entstehung des menschlichen Selbst durch #Resonanz. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass das, was ein Säugling in den ersten Lebensmonaten von Seiten des Du erlebt, zu einem Teil seines Selbst wird.

Was die signifikanten Bezugspersonen tun, denken und beabsichtigen, könne zu einem förderlichen oder fatalen Teil der kindlichen Persönlichkeit werden. Der Autor betont, dass es kein von sich alleine entwickelndes Selbst gibt, das aus dem Urgrund des eigenen Inneren aufsteigt.

Aus neurowissenschaftlicher Sicht sei der Mensch dafür gemacht, am Du zum Ich zu werden. Fatal sei deshalb für Kleinkinder, das Du abzuschaffen. Genau in diese Richtung gehe aber die Entwicklung, "nicht zuletzt wegen der teilweise sehr frühen Abgabe von Kindern an Betreuungseinrichungen und wegen des Einzugs digitaler Endgeräte ins Kinderzimmer", so Prof. Dr. Bauer. Wenn für das einfühlsame Kind das individuell reagierende, Halt gebende Du wegfiele, dann drohten emotionale Labilität, Aufmerksamkeitsstörungen, Depressionen, Suchtkrankheiten und die Zunahme autistischer Störungen.

Aufgabe der Erziehenden sei es, Kinder und Jugendliche auf dem Weg zum Autonomieerwerb zu begleiten. Dabei seien Meinungsverschiedenheiten und Auseinandersetzungen unvermeidlich. Der Autor erklärt, weshalb nur die Menschen frei und autonom werden können, die zuvor das Geschenk der Bindung erlebt haben und macht auch klar, dass neuronale Netzwerke, in denen unsere Vorstellungen über das eigene Selbst gespeichert sind, teilweise deckungsgleich sind mit dem Bild,  das wir uns von anderen Menschen machen.

Die Identitäten zwischen dem Selbst und dem Du in erster Linie dann sehr ausgeprägt, wenn uns die andere Person besonders nahe stehe oder wir uns ihr ähnlich fühlen würden. Unter die Oberfläche der mühsam erarbeiteten Individualität gäbe es eine tiefere Schicht von geteilter Identität. Damit stecke in unserem Selbst immer auch ein Stück "Du" oder "Wir". Der Selbst-Zustand einer anderen Person könne auf unser biologisches System durchschlagen. Das gibt sehr zu denken. 

Über das Selbst und die Sexualität liest man in der Folge Wissenswertes, bevor man sich abermals bewusst machen kann, dass unser Selbst nur dann zu einem kreativen Akteur wird, wenn das entsprechende Ausgangsmaterial vorhanden ist. Mangelt es an Hilfe durch die Bezugspersonen, entsteht innere Leere. 

Das Selbst wird dann eine Quelle von Angst und Qual. Um die Leere zu füllen, werden sich Dinge einverleibt. Der Ursprung der Gier und des Suchtverhaltens sei innere Leere. 

Der Autor schreibt von Pädagogik als Öffnung von Möglichkeitsräumen und von der Arbeit, die dem menschlichen Selbst in ganz besonderer Weise verbunden sei, denn sie bietet ihm die Chance des Selbst-Wachstums und der Selbst-Erweiterung. Die Anerkennung auf geleistete Arbeit übertrage sich auf ihren Schöpfer und löse biologische Prozesse aus. Das führt dazu, dass das Gehirn soziale Wertschätzung mit einer Aktivierung der Motivations- und Belohnungssysteme beantwortet und soziale Erfahrungen in biologische Antwortreaktionen verwandelt.

Diese Systeme produzieren Botenstoffe, ohne die es zu einem alsbaldigen psychischen und physischen Zusammenbruch der Arbeitskraft kommen würde. Dies geschieht beim Burn-out. 

Burn-out-Erkrankte können dazu noch depressiv werden. Dabei kommt es zum Verlust des Selbstwertgefühls, zu Antriebsverlust, Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen, Schlafstörungen mit morgendlichem Früherwachen und Lebensüberdruss. 

Um gesund zu werden, muss das leidvolle Selbstproblem gelöst werden. Das ist nur möglich, wenn man seinen Gaben eine Chance gibt, d.h. etwas tut, was unseren Anlagen entspricht. Was Resonanzroutine in Partnerschaften bewirkt und wie man das Du neu entdecken kann, aber auch was es mit einem leidvollen Selbst auf sich hat, kommt  ebenfalls zur Sprache. 

Hier schreibt der Autor sehr viel Wissenswertes im Hinblick auf Narzissten, deren Selbst aufgrund von Demütigungen in der Kindheit mit "Selbstbeweihräucherungszirkus" antwortet. Da keiner freiwillig diesen Zirkus mitmache, reagiere der #Narzisst damit, Bewunderung erzwingen zu wollen, andere zu demütigen, zu unterwerfen, sie in Angst zu versetzen und von sich abhängig zu machen. 

Auch von dem Gegenstück des Narzissten schreibt der Autor. Es handelt sich um die Menschen, die sich gerne abhängig machen. Auch hier liegt ein nicht ausbalanciertes Selbst vor. 

Das Selbst kann erschüttert und aufgelöst werden durch Traumatisierung, Gaslighting und Demenz schreibt Prof. Dr. Bauer und führt dies in einem  sehr  der Kapitel sehr verständlich näher aus, um schließlich auch über marginalisierte Migranten und ihre psychischen Probleme zu schreiben und schlussendlich  dann über Selbst-Fürsorge zu informieren. 

Gemeint ist die vom Selbst ausgeübte Fürsorge und die Fürsorge für das Selbst. Das Selbst sei das Kostbarste, was ein Mensch besitzt, so der Autor. Es sei verbunden mit den in unserem Kulturraum lebenden Menschen. Es sei immer auch ein Wir. 

Gewalt beschädige oder zerstöre unser Selbst. Was allen bewusst werden sollte: Unser Selbst- und das unserer Mitmenschen-  benötigen vor allem die Liebe, um zu gesunden und kreativ zu sein.

Maximal empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Wer bin ich?- Erkenne Dich selbst- Ein Übungsbuch für Neugierige- The School of Life- Süddeutsche Zeitung Edition



Das Team von "The School of Life", deren Gründer der Schriftsteller Alain de Botton ist, widmet sich der Entwicklung emotionaler Intelligenz. Grund: Das Team ist überzeugt, dass unsere größten Probleme durch fehlende Selbsterkenntnis, zu wenig Mitgefühl und durch den Mangel an Kommunikation entstehen. 

"The School of Life" ist weltweit an zehn Orten tätig, produziert Filme, unterrichtet, bietet Therapien an und erstellt eine Reihe von Produkten zur Geistesbildung. "The School of Life Press" veröffentlicht zudem Bücher zu den wichtigsten Themen unserer Gefühlswelt. 

Im vorliegenden Übungsbuch "Wer bin ich?" kann man eine Fülle von Fragen schriftlich beantworten, die uns helfen, uns bewusst zu machen, wie wir eigentlich ticken. 

Der Grundgedanke, der dem Buch zugrunde liegt, ist der, dass die meisten Probleme der Welt darauf beruhen,  dass wir unfähig sind, uns anderen zu erklären und untereinander herauszufinden, wer wir wirklich sind. 

Wir würden uns leider von Äußerlichkeiten ablenken lassen, anstatt uns darauf zu konzentrieren, was jeden tatsächlich ausmacht, so das Team. Sich anderen so zu zeigen, wie wir wirklich sind, hat zur Folge, dass die Illusionen geringer werden, mehr Mitgefühl auch weniger Frustration entstehen und insofern mehr Liebe in unsrem Leben und in der Welt sich zeigen könnten. 

Fragen zu den Themen Psychologie, Beziehungen, Sex, die anderen, Arbeit, Wunschvorstellungen, Kultur, Leid und Mitgefühl, aber auch zur Wiederverzauberung können schriftlich im Buch ausführlich beantwortet werden und machen einem, indem man intensiv nachdenkt und ehrlich antwortet, mancherlei bewusst. 

Die einzelnen Bereiche sind dann nochmals untergliedert. Fragen wie: "Wie aktiv ist ihr Gewissen?"  oder "Was ruft in ihnen Nostalgie hervor?" lassen sich einfach beantworten. Schwieriger wird es, die Fragen zu unseren Idealvorstellungen von Medien oder von unserem Bildungssystem und zur Kultur zu beantworten. Beispiel: "Welche Härte Ihres Lebens wurde Ihnen erst durch die Güte in der Kunst bewusst?" 

Alles in allem ein großartiges Buch, das ich sehr gerne weiterempfehle. 

Helga König

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Rezension: Ein sinnvolles Leben- The School of Life- Süddeutsche Zeitung Edition


Das Team von "The School of Life", deren Gründer der Schriftsteller Alain de Botton ist, widmet sich der Entwicklung emotionaler Intelligenz. Grund: Das Team ist überzeugt, dass unsere größten Probleme durch fehlende Selbsterkenntnis, zu wenig Mitgefühl und durch den Mangel an Kommunikation entstehen. 

"The School of Life" ist weltweit an zehn Orten tätig, produziert Filme, unterrichtet, bietet Therapien an und erstellt eine Reihe von Produkten zur Geistesbildung. "The School of Life Press" veröffentlicht zudem Bücher zu den wichtigsten Themen unserer Gefühlswelt. 

In der vorliegenden Publikation werden verschiedene Aspekte präsentiert, mittels derer wir erkennen, welchen Sinn unser Leben haben mag. Aus diesem Grund werden acht sinnstiftende Aktivitäten ausführlich diskutiert. Es handelt sich dabei um: Liebe, Familie, Arbeit, Freundschaft, Kultur, Politik, Natur und Philosophie. 

Gezeigt wird aber auch, welche Hindernisse bei der Sinnerfüllung auftauchen können. Hier wird u.a. "provinzielles Denken"  zur Sprache gebracht aber auch "Selbstlosigkeit". Verdeutlicht wird diesbezüglich, dass man zwischen gesundem und schädlichem Egoismus unterscheiden muss. Dabei verhält es sich beim gesunden Egoismus so, dass man anderen nicht schadet, sondern längerfristig auf bessere und engagierte Art helfen kann, wohingegen hinter der schädlichen Art von Egoismus keine edleren Motive und Ziele stehen. 

Sinnsuche ist ein Teil unseres Entwicklungs- und Wachstumsprozesses. Sich darüber konkret klar zu werden, was dies bedeutet, erspart uns viel Kummer.

Das Buch sollte man bereits jungen Menschen an die Hand geben, um zu erkennen, welche Quellen  der Sinnerfüllung zu ihnen passen, um ein zufriedenes Leben führen zu können.

Maximal empfehlenswert.

Helga König

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Rezension: Das Böse-Reinhard Haller-Ecowin

#Reinhard_Haller, der Autor dieses Buches, ist Psychiater und Psychotherapeut sowie gefragter Experte als auch forensischer Gutachter. 

In seinem neuen Werk geht es um das sogenannte Böse. Was genau muss man sich darunter vorstellen? Unterliegt es unter Umständen im Laufe der Jahrhunderte einem Wandel? Stirbt es am Ende niemals aus? 

Mit dem Bösen haben sich seit alters her Theologen, Philosophen, Soziologen, Biologen, Juristen und Kriminogen befasst. Dabei ragen unter den mannigfaltigen Interpretationen der Philosophie zum einen jene des unabwendbaren Übels, zum anderen die aus dem selbst herbeigeführten Missbrauch der menschlichen Freiheit heraus. 

Kant beispielsweise sieht den Ursprung des Bösen, schreibt Haller, in der durch Egoismus, Gier und Hass geprägten menschlichen Natur. In metaphysischer Sicht wird das Böse im Willen zum Bösen ausgelotet und in der Morallehre gilt als böse, wenn sich der Mensch unmittelbar durch die Triebe und momentanen Bedürfnisse leiten lässt. 

Der Autor zeigt an unzähligen Fallbeispielen, welche Merkmale für das Böse möglich sind. Dabei geht es aus kriminalpsychiatrischer Sicht um: 

Fehlende Empathie 
Einseitige Machtverteilung
Psychopathische Charakterstruktur (Sadismus, Maligner Narzissmus) 
Entwürdigung der Opfer 
Planungsgrad 
Schwere der Folgen für die Opfer 
Missachtung des Moralinstinktes 

Je klarer der Verstand, umso größer sei der Wille zur bösen Entscheidung, umso bösartiger auch ist das Tatverhalten. 

Offenbar gibt es eine Art genetisch angelegte Unterscheidungsmöglichkeit zwischen Gut und Böse. Dieses Phänomen nennt man "Moralinstinkt". Gemeint sind die Einhaltung bestimmter sozialer Regeln, die im Zusammenleben von Menschen unabdingbar sind, die Achtung der Rechte des anderen, auch die Eindämmung eigener egoistischer Ansprüche, vor allem aber das Verhindern der Zerstörung menschlichen Lebens. 

Die bösesten Taten sind jene, die präzise geplant, mit eiskalter Berechnung durchgeführt und auf den qualvollen Tod des Opfers zielen. 

Haller erwähnt den Philosophen Albert Camus dessen Hauptfigur im Roman "Der Fremde" ohne Motiv einen Mann tötet. Camus soll in dem Verbrechen einen Aufschrei gegen die Lehre des Lebens sehen. Der Gedanke, der dahinter steht: "Wenn das Leben keinen Sinn hat, braucht das Verbrechen keine Erklärung."

Der Autor schreibt zudem über die Banalität des Bösen und erwähnt hier die Philosophin Hannah Arendt aber er nennt auch die amerikanische Soziologin Troy Duster, die bei Untersuchungen von Vietnam-Kriegsverbrechern die Vorbedingungen für den Mord ohne Schuldgefühle herausfanden. 

Die allgemeinste Bedingung sei, dem Opfer jeglichen menschlichen Status abzusprechen. Die Entmenschlichung verwende Ausdrücke wie Rassenschande, Volkshygiene und Säuberung. Eine weitere Bedingung bestehe darin, das eigene Unglück oder das einer Gesellschaft auf eine Minderheit zu beziehen. Erstaunlich sei, dass sich der Mensch an die Normalität des Bösen gewöhne.  Das gibt mir am meisten zu denken.

Der Autor reflektiert  u,a, weiter böse Ideen und auch entsprechende Gefühle. Wie er schreibt, wird das Gefühl des Gekränktseins maßlos unterschätzt. Demütigung als folgenschwerste Form der Kränkung sei von jeher ein fester Bestandteil von Machtausübung, Unterdrückung, Sklaverei, von Kriegsführung, Verbrechen- und des Bösen. 

Amok, Terror und Massaker kommen zur Sprache und es werden innerpsychische Abläufe in einer Grafik dargestellt. Man erfährt auch, was man unter bösem Schweigen zu verstehen hat, liest über böse Väter und Mütter, auch über entsprechende Partnerschaften, die keine sind und erkennt, was Minderwertigkeits- oder Ohnmachtsgefühle auslösen können. 

Über böse Gene gepaart mit schlechten Umwelteinflüssen wird man auch informiert, zudem kommt Neurobiologisches zur Sprache, um schließlich zu erahnen, wie abgründig Menschen sein können, ob nun alle oder fast alle, sei dahingestellt 

Viel Böses kann meines Erachtens verhindert werden, wenn  man sich um Augenhöhe bemüht und  dadurch Kränkungen minimiert.

Sehr empfehlenswert 

Helga König 
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Rezension: Narzissenkinder- Monika Celik-Kösel

Monika Celik, die Autorin dieses Buches, bloggt regelmäßig Beiträge zum Thema "Narzissmus und narzisstischen Missbrauch" und leitet die Facebookgruppe "Narzisstischen Missbrauch überwinden".

Ihr hervorragendes Werk mit dem Titel "Narzissenkinder" ist im Verlag Kösel erschienen und befasst sich mit Töchtern, die an narzisstischen Müttern leiden. Es handelt sich bei solchen Müttern um Personen, die kein Mitgefühl für andere Menschen haben und immerfort von perfekten Beziehungen, Macht und Erfolg fantasieren. Es sind Mütter, die sich übergriffig verhalten, indem sie stets zu wissen scheinen, was für andere gut ist und wie sich diese zu verhalten haben. 

Solche Mütter sind leicht kränkbar und schnell tief verletzt. 

Dabei sind ihre Ansprüche an ihr näheres Umfeld überzogen und unrealisisch. Fehler bei sich selbst suchen sie allerdings nie. Denn Schuld sind stets die anderen. Narzissten, so erfährt man weiter, lassen sich nicht kritisieren, denn sie halten sich für unfehlbar.  

Man erfährt in diesem Buch, dass es hauptsächlich drei verschiedene Erscheinungsformen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung gibt. Genannt und näher erläutert werden: 
Offener Narzissmus 
Verdeckter Narzissmus 
Magliner Narzissmus 

Im Buch geht es hauptsächlich um den verdeckten Narzissmus, der bei narzisstischen Frauen häufig vorkommt. Diese Narzisstinnen gelangen selten beruflich in Spitzenpositionen, verhalten sich passiv – aggressiv, lügen, betrügen, manipulieren, intrigieren und machen das Zusammenleben speziell in Familien, sehr schwierig.

Kinder narzisstischer Mütter werden benutzt und zwar  aus mannigfachen Gründen, die man aufgelistet nachlesen kann, dazu gehört auch, dass eine solche Mutter sich allmächtig fühlt, indem sie das Kind kleingemacht und kleinhält. Diese Mütter betrachten ihren Nachwuchs wie eine Art Leibeigene, liest man. Die Kinder müssen funktionieren, Schwächen und Fehler werden nicht geduldet und nie ist etwas gut genug. 

Anpassung an die Gefühle der Mutter ist angesagt, eigene Bedürfnisse und Gefühle sollen verleugnet werden. 

Monika Celik zeigt an vielen  Beispielen wie narzisstische Mütter agieren. Wer solche Frauen kennt, wird zu entsprechenden Aha-Erlebnissen gelangen. 

Man liest von der Ungleichbehandlung von Geschwistern seitens solcher Mütter, liest von den Goldkindern und schwarzen Schafen und erfährt, dass solche Mütter es nicht schätzen, wenn sich ihre Kinder untereinander verstehen.Verbundenheit betrachten sie als Allianz, die es zu durchkreuzen gilt. 

Wissen muss man, dass auf eine narzisstische Mutter kein Verlass ist, insofern auch das Goldkind in die Position des Sündenbocks gebracht werden kann und entsprechend perplex ist, wenn es seine Position verliert.

"Gaslighting" ist ein weiteres Thema. Man erfährt auch, was man darunter zu verstehen hat und wie sich dieses Phänomen in der Realität zeigt. Alles wird verdreht und auf den Kopf gestellt. Angeblich wird sich alles nur eingebildet, z. B., dass man sich unerwünscht fühlt. 

Man erfährt Wissenswertes über die Aggression einer narzisstischen Mutter. Zwar kann sie auch mal euphorisch sein, aber positive Gefühlswelten gibt es bei ihr nicht, stattdessen Ärger, Hass, Verachtung und Rage. Kinder narzisstischer Mütter müssen, so die Autorin, mit offenen und unterschwelligen Aggressionen zu leben lernen. Dabei sind Vergleiche mit anderen an der Tagesordnung, des Weiteren Grenzüberschreitungen und Sabotage. 

Interessant auch, dass diese Mütter häufig Krankheiten simulieren, um auf diese Weise Arbeiten an andere, selbst an die Kinder delegieren zu können. Wer narzisstische Menschen kennt, weiß um deren Sabotagegebaren z.B. bei Familienfeierlichkeiten und kennt selbst als Gast die ewigen Nörgeleien bei Tisch, um anderen die Laune zu vermiesen. Das Können anderer gelten zu lassen, selbst das Können der eigenen Kinder ist bei solchen Typen unmöglich. 

Narzisstische Lügen, üble Nachrede und Demütigung sind an der Tagesordnung. Auch daran erkennt man Narzissten sehr gut und ahnt wie deren Kinder leiden müssen. Ein Kind einer narzisstischen Mutter wird, sofern es nicht das Goldkind ist, permanent niedergemacht. 

Narzisstische Personen,  auch das muss man wissen, reagieren auf Kritik sehr aggressiv und sofort mit einem Gegenangriff. Zudem wollen  sie stets Aufmerksamkeit. 

Eine narzisstische Mutter hat immer Komplizen, die in der Regel kein besonders gutes Verhältnis zueinander haben. Es finden Intrigen statt, die die Familienmitglieder und Freunde untereinander entzweien. Das ist das Ziel der Narzisstin.

Generell lässt ein Narzisst  die sogenannte  Drecksarbeit von einem anderen machen, denn er/sie wäscht stets seine Hände in Unschuld. 

Monika Celik nennt auch die Folgen von narzisstischem Missbrauch im Elternhaus: Essstörungen, Suchtgefährdung, kein Urvertrauen sind u.a. solche Folgen. 

Ein Mangel an Urvertrauen wirkt sich auf spätere Beziehungen aus durch extreme Verlustängste und entsprechende Unterstellungen.

Erläutert wird, weshalb eine Aussprache mit einem Narzissten sinnlos ist und es wird auch aufgezeigt, wie man narzisstischen Missbrauch überwinden kann. 

Das Buch finde ich überaus erhellend und hilfreich, auch die mehrseitige Checkliste zum Schluss, wonach man Narzissten generell sehr gut erkennen kann.

Meine Erfahrung: Einen großen Bogen um Narzissten (m/w)  zu machen,  erspart viel Kummer.

Maximal empfehlenswert 

 Helga König


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Narzissenkinder: Wenn Töchter unter narzisstischen Müttern leiden

Rezension: Ghosting- Vom spurlosen Verschwinden des Menschen im digitalen Zeitalter- Tina Soliman- Klett-Cotta

#Tina_Soliman, die Autorin dieses Buches, ist Journalistin, Autorin und Regisseurin. Tätig ist sie als regelmäßige Autorin für die ZDF-Senderreihe "37 Grad", "Die Story im Ersten" (ARD) und für das Politikmagazin "Panorama" (ARD). Ihre preisgekrönten TV-Dokumentationen für ARD und ZDF werden seit den 90er Jahren weltweit ausgestrahlt. Ihre beiden erfolgreichen Bücher zum Thema "Kontaktabbruch" mit dem Titel "Funkstille" und "Der Sturm  vor  der Stille"  habe ich auf  "Buch, Kultur und Lifestyle" rezensiert und jeweils ein Interview mit der Autorin dort auch realisieren können. 

Ihr neues Werk trägt den Titel "#Ghosting". Bereits in der Einleitung erklärt Tina Soliman ausführlich, was man unter diesem Begriff zu verstehen hat. Vielleicht an dieser Stelle so viel nur: Während bei der "Funkstille" der Ausbrecher, hier zumeist aus einer Situation, die für ihn unlösbar, vielleicht sogar ausweglos ist, flieht, weil er empfindet, nur so überleben zu können, verhält es sich bei "Ghosting" weniger emotional. Hier geht es um eine neue Form der Umgangskultur, die Entwicklung und Reifung verhindert. Auch geht es darum, Beziehungen nach dem Bestellprinzip zu realisieren und sie wortlos abzubrechen, wenn sie nicht das halten, was man erwartet hat.  Hier wird vermittelt, die Beziehung- der Andere oder gar man selbst- habe nie existiert. 

Wie die Autorin schreibt, haben Digitalisierung, die Partnervermittlungs- und Dating-Plattformen "Ghosting" als Tool zur Option gemacht, so wie sie aus den Nutzern selbst Optionen gemacht haben. Obschon 80 % aller Singles zwischen 18 und 33 Jahren  mit "Ghosting"  bereits  Erfahrung gesammelt haben, ist für etwa 95% der Bevölkerung "Ghosting"  als Methode eine langfristige Beziehung zu beenden, unakzeptabel. 

Tina Soliman hat sich auf ihr Thema sehr gut vorbereitet und wartet nicht nur mit einer Vielzahl von Fallbeispielen auf, sondern zudem mit einer beeindruckenden Menge an Sekundärliteratur, mit der sie ihre  persönlichen Recherchen im Text gekonnt abfedert. 

Im Rahmen von 7 Kapiteln beleuchtet die Autorin dieses fatale Verhaltensmuster, das in seiner Kompromisslosigkeit erschreckt. Das Problem beim "Ghosting" sei, dass es sich um eine einseitige Bewusstwerdung des Endes handele und nicht um einen gemeinsam durchstandenen Prozess. 

Man wird im Buch  u.a. mit Geschichten von Verlassenen konfrontiert. Dabei wird klar, dass sich die Gedanken des oder der Verlassenen täglich um den Geist, der sie verlassen hat, drehen, sich tief in die Seele oder den Körper eingraben und krank machen können. Verlassene, so der Psychologe Oskar Holzberg, auf den Tina Soliman sich u.a. bezieht, hebt hervor, dass ein  "Ghost" schlichtweg unreif ist und sich dem Konflikt nicht stellt. Wortloses Verlassen wird schon nach kurzer Beziehungsdauer als Vernichtung, Verunsicherung und massiven Angriff auf das Selbstwertgefühl begriffen. Im Dating- Zeitalter werden laut dem Parship-Berater Hegmann solche Verletzungen zunehmen, weil verlassen so einfach geworden sei. 

Tina Soliman geht in der Folge u.a. der Frage nach, weshalb jemand spurlos verschwindet. In diesem Kapitel formuliert sie "Ghosting" in erster Linie als Vermeidungstaktik und führt aus: "Vermieden wird die lästige Konfrontation, eine ehrliche Betrachtung eigener Unzulänglichkeiten, und ja, zumindest die teilweise Preisgabe seines Selbst- und nicht zuletzt ist Ghosting eine effektive Strategie, um Aufwand zu vermeiden, der sich vermutlich nicht lohnt."

Nicht unerwähnt lässt die Autorin, dass die digitalen Kommunikationsmittel es möglich machen,  auf Knopfdruck zu verschwinden und sich rasch, ohne großen Aufwand neu zu orientieren. Sich festzulegen, bedeute in dieser Denklogik: Optionen zu verpassen, in erster Linie bessere. Insofern bleibe jeder im Stand-by-Modus, weil der Traumpartner jede Minute aufpoppen könne. 

Das Suchen und Finden der Liebe im digitalen Zeitalter, auch das Gefundenwerden wird im 2. Kapitel zur Sprache gebracht. Thematisiert wird die Suche nach dem Gleichen, auch nach dem Einen sowie nach dem Besten und was dies im Einzelnen zu  bedeuten hat. So liest man nicht grundlos in diesem Kapitel die berechtigt kritische Anmerkung: "Was beim Online-Dating passiert, treibt die Vermarktung des Menschen auf die Spitze. Beziehungen werden unter den Kriterien von Ertrag und Rentabilität betrachtet. Sie müssen perfekt sein, weniger ist nicht akzeptabel."

Die Algorithmen bringen uns Menschen entgegen, die uns scheinbar nicht fremd sind. Deshalb wird auf diese Weise auch rascher Nähe hergestellt, die, wenn man auf einen Ghost trifft,  eben fatal enden kann. 

Nicht selten treffen Nähe-ängstliche und Nähe-vermeidende Typen aufeinander. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass es beim "Ghosting" immer um Nähe, um das Fehlen derselben und eine Vorstellung davon geht, was Nähe sein könnte. Stellt sich die Frage, woher die neue Bindungsangst kommt? Hier ist der Abschnitt "Generation Mute- die stumme Generation" aufschlussreich. 

Dass beim Ghosting Ausgeliefertsein und Trennung zusammenkommen, soll nicht unerwähnt bleiben Immer wieder  nennt Tina Soliman Narzissten als typische Ghosts, die den anderen bestimmen, kontrollieren und manipulieren wollen. 

Den Narzissten mangelt es an Empathie. Sie haben Bindungsangst. "Ihnen ist Kontrolle und Selbstbestimmung wichtiger als Bindung, weil ihr verletzter Selbstwert nicht ertragen kann, seine Autonomie zu verlieren." Die Zunahme des narzisstischen Kontaktabbruchs betont die im Buch erwähnte Psychologin Lisa Fischbach. 

Was Schweigen bedeutet und was hinterlassen wird, wenn der Abschied verschwindet, wird  auch reflektiert. Auf den Punkt gebracht, bedeutet es "Ghosting zerstört und bringt Schmerz- oft für beide Seiten". Grund genug, über "Ghosting" aufzuklären, um es überwinden zu können. 

"Ghosting"  habe nicht nur Folgen für den Einzelnen, sondern auch für das soziale Miteinander, für die Gesellschaft. Von daher forderten Psychologen auch Kindern und Schülern bereits Konfliktfähigkeit, Fairness und Empathie zu vermitteln, und wenn nicht von Eltern gelebt, dann eben als Schulfach. Durch Mitgefühl entstehe sozialer Zusammenhalt und genau der wird durch "Ghosting" ausgehebelt. 

Wer Beziehungen abbricht, sollte dies erwachsen tun.  Hierfür hat der Psychiater #Markus_Horvath 
fünf Regeln aufgestellt, die Tina Soliman ihren Lesern an die Hand gibt. Zurecht kritisiert die Autorin die Dating- und Partnerschaftsvermittlungs-Plattformen, die ungute Entwicklungen im Zwischenmenschlichen verstärken, weil sie Entwicklungsschritte aussparen, Nähe vortäuschen, Manipulationtechniken erleichtern, das Lückenhafte und Bindungslose verstärken. 

Im Nachwort fasst die Autorin  zusammen, was sie von den "Ghosts" und  "Ghosting"  hält. Ich teile ihre Meinung  in allen Punkten  aus langjähriger Erfahrung im Internet.

Maximal empfehlenswert, nicht zuletzt, weil die jüngste Publikation von Tina Soliman für einen kultivierten, wertschätzenden Umgang untereinander wirbt.

Helga König

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Ghosting: Vom spurlosen Verschwinden des Menschen im digitalen Zeitalter

Website:  Tina Soliman

Rezension: Der werfe den ersten Stein- Mythologisch-philosophische Verdammungen- Michael Köhlmeier, Konrad Paul Liessmann- Hanser

Zu den Autoren: Der in Hohenems und Wien lebende Michael Köhlmeier erhielt 2017 den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung und den Marie- Luise Kaschnitz-Preis.2019 wurde er mit dem Ferdinand-Berger-Preis ausgezeichnet. 

Konrad Paul Liessmann lehrt als Professor emeritus für Philosophie an der Universität Wien und ist wissenschaftlicher Leiter des Philosophicums Lech. Der Autor erhielt 2004 den Ehrenpreis Buchhandels. 2010 den Donauland-Sachbuchpreis und 2016 den Paul-Watzlawick-Ehrenring. 

Im vorliegenden Buch erzählt Michael Köhlmeier - stets sehr kurzweilig-  Geschichten, die eigentlich zum Wissen gebildeter Menschen zählen sollten. Diese trugen sich zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten zu  und  wurden als Sagen, Legenden, Märchen oder auf der Bühne  von Generation zu Generation weitergegeben. 

So liest man beispielsweise die Geschichte der Nibelungen und freut sich, dass diese, wie übrigens alle anderen Geschichten mit einem Augenzwinkern übermittelt und so zu einem echten Lesevergnügen werden.

Langeweile gibt es also nicht, sondern stets Neugierde auf die nächste Story. 

Den Geschichten folgen jeweils philosophische Betrachtungen zum Thema Rache, denn jede der Storys, zeigt, dass sie als Folge von Betrug, Lüge, Eifersucht, Unterwerfung, Misstrauen, Kränkung, Intrige, Niedertracht. Teufelspakt, Verrat, Vergewaltigung und Schuld geradezu selbstverständlich ausgelebt wurde und weshalb diese, ihrer eigenen Logik folgend, vielleicht auch nachvollziehbar und allzu menschlich ist. Dennoch steckt in all dem Bösen etwas Ambivalentes, sehr gut von Gaius Julius Caesar einst am Beispiel des Verrats festgehalten: "Wir lieben den Verrat, nicht aber den Verräter".

Tugend verträgt sich nicht mit Vorteilsdenken. Das  scheint nicht jedem bewusst zu sein.

Sehr empfehlenswert.

Helga König

Onlinebestellung bitte hier klicken: Hanser oder Amazon Der werfe den ersten Stein: Mythologisch-philosophische Verdammungen