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"Menschenliebe ist die natürliche Gesinnung des Menschen." (Mengzi), 20. Mai 2012 Rezension bezieht sich auf: Von der Freiheit des Menschen Aufgrund des Engagements des chinesische Philosophen MENGZI (um 370 v. Chr. -um 290 v. Chr.) wurde der Konfuzianismus zur Staatsreligion unter der Han-Dynastie. Seine Lehren befassen sich primär mit der Ordnung der Welt, wobei aufgrund des fortschreitenden Verfalls die Lehre der Ordnung der Welt eine andere Tonart als bei Konfuzius erhält, der noch bestrebt war, diese zu erhalten.

Auf moralischen Sektor strebt Mengzi ein doppeltes Ideal an, als da sind Liebe und Pflicht, wobei ihm die Liebe eine ruhende Grundeigenschaft ist,während die Pflicht der Inbegriff der Normen der Welt darstellt. Mitunter treten an die Seite dieser beiden Begriffe die Ordnung des Ausdrucks und Weisheit als die beiden übrigen Grundtugenden der Menschen.

Nach Auffassung Mengzis ist der Mensch an sich gut, da das eigentliche Wesen von Gott stammt. In seinen Gesprächen verteidigt der Philosoph deshalb die Güte des ursprünglichen Menschenwesens. Für Mengzi gibt es keinen wesentlichen Unterschied unter den Menschen. Was ein Heiliger erreichen kann, vermag jeder zu erreichen, wenn er sich entsprechend verhält. Das Gute ist demnach ein Ideal, das im Kampf mit sich selbst gewonnen werden muss. Besagter Kampf ist die Rückkehr des verloren gegangenen guten Herzens.


 Sofern der Mensch schlecht ist und Fehler hat, besteht seine Pflicht lediglich darin, sich in moralischer Beziehung zu bessern. Jeder, der es möchte, kann sich bessern. Damit zeigt Mengzi, dass er keinem Menschen den Weg zum Guten verbauen möchte.

Von seinen Büchern sind heute noch sieben erhalten. In den ersten drei enthalten sind die Reden und Gespräche, die übrigen enthalten Aphorismen verschiedenen Inhaltes. Die Texte sind im vorliegenden Buch alle nachzulesen. Sie handeln vom milden Regieren, der Macht der Musik im alten China, von den Wegen zur individuellen Selbstverantwortung, von der Verantwortung in Regierungsgeschäften, davon, wie man ein guter Regent wird, vom Wege zum rechten Fürstendienst, vom Wege zur Menschlichkeit, von Fürstendienst, Thron- und Erbfolgefragen, von Weisen, Fürsten und Ministern, von der menschlichen Natur, den Spielarten des Verfalls, den Wegen zur Wahrheit und den sechs Stufen der Sittlichkeit.

 An dieser Stelle möchte ich eine Sentenz aus dem Buch zitieren, die deutlich macht, dass Mengzi viele Jahrhunderte vor anderen uns bekannten Philosophen auch schon wusste, wie sinnvoll es ist seine Wünsche gering zu halten. Er sagt "Um sein Gemüt zu bilden, gibt es nichts besseres als seine Wünsche wenig zu halten. Ein Mann, der wenig Wünsche hat, wird wohl auch einmal die Gewalt über sein Herz verlieren, aber doch selten. Ein Mann, der viele Wünsche hat, wird wohl auch einmal Gewalt über sein Herz behalten, aber doch selten." (Zitat: S. 264). Ein empfehlenswerter Autor in Zeiten der Gier, der deutlich macht, dass der Weg zum Guten jedem Menschen jederzeit möglich ist.


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Rezension:Imagination - Zugänge zu inneren Ressourcen finden (Gebundene Ausgabe)


Professor Dr. Verena Kast ist die Autorin dieses Buches, das sich mit Imaginationen, den Zugängen zu unseren inneren Ressourcen auseinandersetzt. Dabei versteht sie den Raum der Imagination als den Raum der Freiheit und der Möglichkeiten, als einen Raum, in dem auf ganz natürliche Weise Grenzen überschritten, Raum relativiert, Möglichkeiten, die wir nicht mehr oder noch nicht besitzen, erlebbar werden. Den Raum der Imagination begreift Kast als den Raum der Erinnerung, vielmehr noch als Raum, der aktuell in die Gegenwart hereingeholten Zukunft.


Wie die Autorin den Leser wissen lässt, bildet sich in unseren Imaginationen die Seele mit ihren Wünschen, ihren Ängsten, ihren Sehnsüchten und ihren schöpferischen Möglichkeiten ab. Imagination schenkt uns die Möglichkeit, bereits Erlebtes nochmals nachzuerleben und uns in das Gefühlsleben anderer Menschen hineinzuversetzen. Sie helfen uns auch veränderte Situationen vorzustellen und zu zeigen, wie man zu solchen gelangt. Imagination gibt uns die Möglichkeit Kontakt mit dem Fremden in unserer Psyche aufzunehmen und sich damit vertraut zu machen als auch das Fremde zu integrieren.

Imaginative Fähigkeiten zu besitzen heißt, dass es dem Menschen gegeben ist, mehr oder weniger anschaulich ein Bild von etwas zu haben, das nicht mehr präsent ist bzw. möglicherweise niemals präsent sein wird.

Die Vorstellungen können bildhaft sei. Farbe und Form kann dabei eine Rolle spielen. Es kann sich auch um Geruch, Berührung, akustische Erinnerungen oder gedankliche Vorstellungen handeln. Wissen muss man, dass Vorstellungskraft der Motor für schöpferische Gestaltung ist und dass die Sehnsucht nach dem "Ganz anderen" so groß werden kann, dass das an sich befruchtende Zwiegespäch zwischen der Alltagswelt und der Welt der Imagination aus dem Gleichgewicht geraten kann.

Erkennt man die Imagination als Ressource an, versteht man, dass man mittels ihrer die Lebensqualität zu verbessern vermag. Sofern man Vorstellungen mit anderen teilt, bewirken diese Imaginationen Nähe und können die emotionale und soziale Bindung verstärken.

Wahrnehmung und Vorstellungskraft ergänzen einander. Das wird besonders deutlich, wenn wir ein Wahrnehmungsbild kreieren. Sobald man Emotionen, starke Effekte, Gefühle, Stimmungen in Vorstellungen übersetzt, macht man sie der Imagination zugänglich und vermag seelische Verletzungen hierdurch zu heilen. Therapien, die das Verstehen von Träumen als bedeutsam ansehen, arbeiten mit Imagination, aber auch Verhaltenstherapien tun dies, die an verändernde Möglichkeiten glauben, die in der Vorstellungskraft begründet sind.

Die Autorin erläutert in der Folge die Methoden der Imagination. Hier geht es um die Konzentration auf die inneren Bilder, um das Festhalten dieser Bilder, das bewirkt, dass wir uns mit ihnen auseinandersetzen und darüber nachdenken können, was sie bedeuten.

Kast verdeutlicht wie sinnvoll es ist, die Bilder zum Fließen zu bringen, weil dies zur Entspannung führt und sie lehrt mit dem Bilderfluss gewinnbringend umzugehen. Dabei thematisiert sie "geführte Imaginationen". Das sind solche, in denen der Therapeut Anregungen gibt. Sie schreibt über Bilder der Entspannung sowie über das Selbstbild im Spiegel der Imagination und zeigt, welche Chancen uns Imaginationen, die wir uns bewusst machen, in diesem Zusammenhang bieten.

Imaginationen bilden leider auch Hindernisse ab, die das Verhindern zum Thema haben. Solche Imaginationen muss man sich bewusst machen, um sie überwinden zu können. Bei Krísenintervention geht es darum, zu eruieren, welcher Lebensbereich tatsächlich in die Kríse geraten ist, denn selten ist die Situation, die die Kríse ausgelöst hat, der Grund, weshalb ein Mensch in die Krise geraten ist,(vgl.: S.156)

Sich den inneren Bildern, den Tagträumen bewusst zu werden, sie positiv für sich zu nutzen, darin liegt unsere Chance und auch unsere Verantwortung uns selbst gegenüber.

Empfehlenswert.  
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Rezension:Über Gott und die Welt: Eine Autobiographie in Gesprächen (Gebundene Ausgabe)

Diese Autobiographie des Philosophen Prof. Dr. Robert Spaemann, der am 5. Mai 85 Jahre alt wird, besteht aus autobiographischen Texten und Interviews, die Stephan Sattler mit dem Jubilar führt. Zwölf Sitzungen und eine lange Abschrift haben sich aus den Gesprächen ergeben. Dabei waren viele Kürzungen und Dialoge über Streichungen notwendig bis das Buch schließlich Gestalt annehmen konnte.

Zu Beginn berichtet der Philosoph von seiner Kindheit, dann erfolgt das erste Gespräch, das Spaemanns Jugend im Dritten Reich und sein Hinwenden zur Philosophie thematisiert. Hier erfährt man, wodurch Spaemanns Interesse für Philosophie geweckt wurde und liest Näheres zu seinen Eltern, die zwar gebildet waren, aber keineswegs philosophische Interessen besaßen. Hier auch schreibt der Philosoph, dass er schon als Kind während der Nazizeit den Nationalsozialismus als abstoßend empfand.

Man liest, dass seine Eltern zum katholischen Glauben konvertierten, liest wie er in einem Keller in Köln zwar um sein Leben zitterte, wenn die Bomben fielen, aber er in Augenblicken der Ruhe Nachtigallen hörte, (vgl.: S. 35) und ahnt, wie positiv dieser Mensch in seiner Grundhaltung ausgerichtet ist.


Er berichtet des Weiteren von dem dunkelsten Augenblick seines Lebens, den er im gescheiterten Attentat gegen Hitler am 21. Juli 1944 sieht. Damals stellte er sich die Frage, ob sich das Reich des Bösen über ganz Europa ausdehnen würde. Für ihn stand fest, dass er in diesem Fall Gärtner werden wollte, weil er wusste, dass an der vegetativen Natur der politische Totalitarismus endet, (vgl.: S.36).


Im Wechsel von Lebensabschnittsberichten und Interviews gewinnt der Leser einen sehr guten Eindruck über das Leben und Denken des Philosophen. Man erfährt Näheres zum Studium in der Nachkriegszeit, seinen Eindrücke um das Jahr 1950, liest über die Rückkehr an die Universität Münster, seine Professuren in Stuttgart und Heidelberg, über seine Ankunft in München, das Bewusstsein der Zeit, über Glück und Wollen, sein Leben nach der Emeritierung und den beiden Interessen der Vernunft.


Man erfährt u.a , welche Bücher Spaemann einst zum Philosophieren angeregt haben und wann er selbst seinen ersten philosophischen Text verfasste. Es folgt bei den Fragen ein steter Wechsel von persönlichen Fragen, wie etwa "Wie sehr fühlten Sie sich dem Westfälischen verbunden?" und Fragen zum Thema Philosophie, wie etwa "Hegel hat in seiner Philosophie versucht, Systeme Kants, Fichtes und Schellings zu integrieren, und seinen Versuch als Schlusspunkt einer gedanklichen Entwicklung gesetzt. Wäre das ein Beispiel für einen übermäßigen Anspruch?"

Für Spaemann ist Philosophie übrigens so wenig eine Geisteswissenschaft wie Mathematik. Sie denke nach über das Verhältnis von Geisterwissenschaft und Naturwissenschaft und könne insofern selbst keine Geisteswissenschaft sein, (vgl.: S.237). Dabei könne Naturwissenschaft nicht verstehen, was Intention sei. Sie vermöge etwas über das Denken, nicht aber über Gedanken sagen. Sie könne darstellen, wie der Prozess des Denkens bestimmte Areale im Gehirn involviert, doch was gedacht wird, das könne sie nicht aufklären, (vgl.: S. 240).


Im Rahmen der Interview lernt man das philosophische Denken Spaemanns auch durch Hinweise auf seine Bücher kennen, so etwa, durch die Thematisierung von "Glück und Wohlwollen"" In diesem Zusammenhang erfährt man, dass Wohlwollen seiner Ansicht nach verschiedene Stufen haben kann. Hier betont er, dass das Wohlwollen einem fremden Menschen gegenüber, mit dem man nichts zu tun hat, darin besteht, dass man ihn nicht schädige. Wohlwollen sei gestuft. Man müsse jedem Menschen wohlwollen, jedoch nicht im gleichen Maße. (vgl.: S.268)

Spaemann erläutert, weshalb die Anerkennung für ihn ein so wichtiges Thema ist. Er hält fest:"Im Grunde jeder Erkenntnis liegt ein Akt der Anerkennung. Und in diesem Akt der Anerkennung realisiert die Person ihre eigene Personalität. Nur dadurch ist sie wahrheitsfähig, dass sie zu dieser Selbstentäußerung imstande ist. Als bloßes Naturwesen muss der Mensch gar nichts anerkennen." (Zitat: S.296).

Ein Buch, das neugierig macht auf die Werke des Philosophen und ihn als sehr sympathischen Menschen dem Leser sehr nahe bringt.
Empfehlenswert.
 
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Rezension: Unsterblich: Die Sehnsucht nach dem ewigen Leben als Triebkraft unserer Zivilisation (Gebundene Ausgabe)


Der promovierte Philosoph Stephen Cave befasst sich in diesem Buch mit den vier Wegen zur Unsterblichkeit. Dabei handelt es sich um die Wiederauferstehung des Körpers, die Himmelfahrt der Seele, die Verlängerung des Lebens mittels Medizin oder Magie oder um ein Vermächtnis.

Ich muss zugeben, dass ich mich dem Text nur zögernd geöffnet habe, da ich mich ungern mit dem Thema Tod befasse, nicht aus Angst, sondern weil ich Gedanken an etwas nicht Veränderbares als Zeitverschwendung betrachte. Man kann sich Gedanken, darüber machen, wie man nach Möglichkeit recht lange gesund und fit bleibt, aber Gedanken wie man den Tod durch Unsterblichkeitsvorstellungen überwindet, bringen uns im Leben keinen Schritt weiter und führen nur dazu, dass man im Krankheitsfall in Hoffnung auf ein weiteres Leben zu schnell aufgibt.

Mir fiel Kleist ein, dem nachgesagt wird, dass er sich umgebracht hat, um als Dichter unsterblich zu werden und all die Heroen, die ewigen Ruhm anstrebten. Der Autor schreibt nicht zuletzt von Herostrat und vielen Männern, die Schlachten schlugen und Bücher schrieben, immer beseelt von dem Wunsch der Unsterblichkeit. Sie hinterließen verbrannte Erde oder gute Gedanken, aber letztlich haben sie kostbare Lebenszeit verschwendet, wenn ihr Tun motiviert war vom Gedanken an Unsterblichkeit.

Der Autor schreibt über Nofretete, Dante Alighieri, Platon, Dalai Lama und über diverse Mythen und Überlieferungen, um anhand dieser Beispiele die Jahrtausende alte Sehnsucht nach einem ewigen Leben darzustellen.

So ist beispielsweise die Idee der Seele schon sehr alt und intuitiv. Sie geht davon aus, dass ein Teil von uns spiritueller oder immaterieller Natur sei und zugleich unser eigentliches Ich verkörpere. Aufgrund ihres immateriellen Charakters sei die Seele im Unterschied zum Körper nicht dem Verfall und der Zerstörung ausgesetzt. Stirbt unser Körper, dann vermag die Seele insofern die Reise fortsetzen zu einem neuen Leben und zur Unsterblichkeit. Das körperlose Ich hat viele Namen. Jeder kennt sie, der sich mit dem Selbst jemals intellektuell befasst hat, (vgl.: S. 170).

Übrigens war Platon der erste Mensch, der die Meinung vertrat, dass die Seele ein wesentlicher Teil unserer selbst sei, das wahre Ich, dass von Natur aus unsterblich sei. Für ihn galt die Seele zur unwandelbaren Sphäre des Göttlichen. Deshalb auch sei sie unzerstörbar und ewig, (vgl.: S. 171). Platon glaubte, dass derjenige, der seine intellektuelle Seite hin zum Schönen, Guten und Wahren weiterentwickele, seine Seele stärke, sie näher zum Göttlichen führe und ihr schließlich die Möglichkeit gebe, sie völlig von der körperlichen Existenz zu befreien. Für ihn und später auch für das Christentum war der Mensch letztlich unsterblich, aufgrund der Tatsache, dass er beseelt war, (vgl.. S. 172). Die Reinkarnation bei den Hindus und Buddhisten ist letztlich mit der platonisch-christlichen Tradition identisch, (vgl.: S. 207).

Ich teile mit Dr. Cave die Meinung, dass eine übertriebene Konzentration auf das eigene Ich eine wichtige Ursache für die Angst vor dem Tod ist. All meine bisherigen Beobachtungen gehen in diese Richtung. Es stimmt, die Tugend der Zuwendung zu anderen Menschen hilft uns, der Aufmerksamkeit für das eigene Ich das rechte Maß zu geben und es ist auch wahr, dass es wichtig ist, achtsam im Jetzt zu leben und nicht pausenlos über alle Bedrohungen in der Zukunft nachzudenken. Wer den Tod in Leben holt, stirbt irgendwann, ohne jemals wirklich gelebt zu haben. (vgl. S. 330) Genau so ist es.

Wir sollten alle lernen zu begreifen, dass unser Leben durch seinen Anfang und sein Ende begrenzt ist, es jedoch aus Augenblicken besteht, die weit über unsere eigene Person hinausreichen und in vielfältiger Weise andere Menschen und Orte berührt, konstatiert Dr. Cave zum Schluss seines Buches. Hierin besteht eine Art Unsterblichkeit, über die es letztlich nicht nachzudenken lohnt.

Unsere Aufgabe besteht meines Erachtens darin, Augenblick für Augenblick unseres Lebens zu nutzen und unsere Begabungen zu entfalten. Wer dies tut, sehnt sich nicht nach Unsterblichkeit, sondern ist völlig erfüllt vom Hier und Jetzt.

Empfehlenswert.

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Rezension:Echt schön! - Wie Sie mit Ihrem Körper Freundschaft schließen (Broschiert)

Die Diplompsychologin Dr. Marion Sonnenmoser hat ein bemerkenswertes Buch verfasst, das Lesern und Leserinnen hilft, sich der Selbstentwertung aufgrund der allgemein grassierenden Schönheitswahns zu entziehen und stattdessen mit dem eigenen Körper Freundschaft zu schließen.

Die Autorin analysiert zunächst die Ursachen dafür, weshalb so viele Menschen mit ihrem Aussehen unzufrieden sind. Offenbar spielt das Perfektionsdrang eine nicht unwesentliche Rolle. Maßstab sind Models, weil sie dem gängigen Schönheitsideal entsprechen.

Stichpunktartig nennt die Psychologin die Attribute, die Frauen und Männer besitzen müssen, um allgemein als schön zu gelten, sowohl, was das Gesicht und auch den Körper anbelangt. Dabei ist ein wichtiger Bestandteil die Schlankheit und zudem generell das, was unserem Sinn für das Ästhetische entspricht.

Nicht unerwähnt bleiben Ergebnisse aus der Attraktivitätsforschung, wonach Schönheit im Leben Vorteile verspricht und zwar nicht nur den Frauen. Schöne Menschen erhalten häufig einen Sympathiebonus, wodurch Schönheit zu einem begehrten Gut wird, für das nicht selten ein hoher Preis gezahlt werden muss. Bei all dem allerdings darf man nicht vergessen, dass Schönheitsideale vielen Einflüssen unterliegen. Dr. Sonnenmoser listet all die Medien auf, die Interesse am Erschaffen und Verbreiten von Schönheitsidealen haben und macht klar, dass es hier um Marktanteile und Umsatzsteigerung geht.

Verdeutlicht wird, wie unser Körperbild entsteht und wer Einflüsse auf besagtes Bild hat. In diesen Zusammenhang erläutert die Psychologin, dass es sehr destruktiv ist, wenn Schwestern sich ständig vergleichen, um die bessere Figur konkurrieren, neidisch aufeinander sind und die andere durch spitze Bemerkungen treffen möchten oder zu ständigen Diäten aufstacheln, (vgl.: S.27)

Sehr aufschlussreich sind die Erläuterungen der Persönlichkeitseigenschaften im Hinblick auf das eigene Körperbild. Hier zeigt Dr. Sonnenmoser wie sich Perfektionismus, Neurotizismus, Neigung zum Grübeln, Konformismus, ausgeprägtes ästhetisches Empfinden und zwanghafte Züge auf die Eigenbetrachtung auswirken. Hinzu kommt noch die Neigung zum Vergleichen, das Selbstwertgefühl und der Umgang mit sich selbst.

In der Folge erfährt man, wie sich die Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen auswirkt. Es verhält sich so, dass die Unzufriedenheit seelisch krank macht, zur Körperbildverzerrung, zu körperdysmophormen Störungen und zu Essstörungen führen kann.
Sehr ausführlich und gut nachvollziehbar erklärt die Psychologin, welche Wege man gehen kann, um zu mehr Zufriedenheit mit dem eigenen Aussehen zu gelangen und zudem wird man dazu angeregt, Schönheitsmythen zu hinterfragen.

Lobenswert finde ich die kritischen Einwände im Hinblick auf Schönheitsoperationen. Mir sind persönlich immer wieder Frauen begegnet, die sich solcher Operationen unterzogen haben. Glücklicher wurde keine und schöner auch nicht. Stattdessen wuchs die Unzufriedenheit und der Neid auf jüngere Menschen.

Ich teile mit Dr. Sonnenmoser die Meinung, dass es wichtig ist, das Selbstwertgefühl zu stärken, weil dieses entscheidend dazu beiträgt, ein gutes Verhältnis zum eigenen Körper aufzubauen. Auch bin ich der Meinung, dass es notwendig ist, sich der Macht der Medien zu entziehen, ferner negative Selbstgespräche zu beenden und respektvoll nicht nur mit anderen, sondern auch mit sich selbst umzugehen.

Was es heißt, mit seinem Körper Freundschaft zu schließen,erklärt die Psychologin hervorragend und zeigt auch gut, wie man Rückfälle meidet. Ein gutes Buch speziell für junge in ihrem Äußeren, verunsicherte Frauen, aber auch für Frauen im fortgeschrittenen Alter, die aufgrund drohender Falten zu jeder Tollheit bereit sind.
Ausstrahlung kommt von innen und setzt wohl auch voraus, dass man mit sich und seinem Körper Freundschaft geschlossen hat.Wer mit dem Körper Freundschaft geschlossen hat, achtet natürlich auf sein Wohlergehen.

Mein Tipp: Sorgen Sie stets für ausreichend Bewegung. Nichts stabilisiert das Selbstwertgefühl besser als Bewegung in frischer Luft.

Empfehlenswert.
 
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Rezension:Schmerzen gegen den Schmerz - Selbstverletzendes Verhalten verstehen und bewältigen (Broschiert)


Prof. Dr. Laurence Claes und Prof. Dr. Walter Vandereycken sind die Autoren dieses bemerkenswerten Buches, das sich mit selbstverletzendem Verhalten befasst und dabei hilft dieses zu verstehen und zu bewältigen.

Im Text geht in erster Linie um Heranwachsende in der Phase der Pubertät und der Adoleszenz, die sich selbst verletzen.

Die Autoren erläutern zunächst, was man unter Selbstschädigung und Selbstverletzung zu verstehen hat. Selbstverletzung ist ein sozial nicht akzeptiertes Verhalten, mit dem sich eine Person vorsätzlich und unmittelbar verletzt, ohne die Absicht zu haben, sich das Leben zu nehmen, (vgl.: S.14).

Selbstverletzendes Verhalten kommt bei Jugendlichen, die in die Psychiatrie aufgenommen werden zwischen 40-61% vor. Zudem zeigen vergleichende Studien, dass sich Frauen weit häufiger selbstverletzend verhalten als Männer. Das Verhältnis ist 8:1. (vgl.: S.22).

Offenbar tendieren Jugendliche mit einem impulsiven Charakter oder Temperament häufiger zu einem derartigen Tun und es scheint sich so zu verhalten, dass solch impulsive Jugendliche im Erwachsenenalter zu Borderlinern werden. Das Selbstbild soll von starken Selbstzweifeln geprägt sein und die Beziehungen zeigen sich als eher unstet. Den Eltern und Partnern gegenüber wechseln die Gefühle von Hass und Verherrlichung.

Die Autoren thematisieren die psychischen Probleme und negativen Erfahrungen dieser jungen Menschen und erklären auch die Funktionen der Selbstverletzung, die offenbar in erster Linie in einem entspannenden Effekt beruht. Die Selbstverletzung kann allerdings auch als eine Form der Selbstbestrafung verstanden werden. Das ist dann der Fall, wenn der Mensch emotional, physisch oder sexuell missbraucht wurde, (vgl.: S-39).

Anhand von umfangreichen Tests können junge Menschen überprüfen, wie sie sich selbst im Umgang mit ihren Eltern und Gleichaltrigen wahrnehmen und des Weiteren ob sie sich selbstschädigend verhalten.

Die Autoren zeigen, wie ein solches Verhalten überwunden werden kann, wie man Selbstvertrauen aufbaut oder untergräbt und allmählich lernt, sein eigenes Leben zu führen. Gezeigt wird auch, was Eltern tun können und was sie vermeiden sollten. Lehrer erhalten allgemeine Ratschläge, wie sich auf selbstverletzendes Verhalten von jungen Schülern reagieren sollten und es werden schlussendlich auch Therapiemöglichkeiten aufgezeigt.

Ein sehr gutes Buch, das ich Betroffenen oder deren Erziehungsberechtigten gerne empfehle. 


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Rezension:Machen Sie sich bitte frei: Entdecken Sie Ihre Furchtlosigkeit (Gebundene Ausgabe)

Der Psychoanalytiker Uwe Böschemeyer, dem es in seiner Arbeit um Werteimagination und die an Werte orientierte Persönlichkeitsbildung geht, ist Begründer des Hamburger Institutes für Logotherapie. Der Autor erwarb bereits 1975 bei Prof. Viktor Frankl sein Zertifikat in Logotherapie und Existenzanalyse. Frankels Methodik geht von der Annahme aus, dass der Mensch existentiell auf Sinn ausgerichtet ist und nicht erfülltes Sinnerleben zu psychischen Krankheiten führen kann sowie psychische Erkrankungen von einem eingeschränkten individuellen Sinnbezug begleitet werden, (vgl. hierzu Wíkípedía).

Böschemeyer nun verdeutlicht in diesem Buch, dass jede konkrete Vergegenwärtigung persönlicher Probleme und Schwierigkeiten uns verdeutlicht, was zu tun ist, um davon frei werden zu können und dabei das Zulassen subjektiv empfundener Wahrheiten ein mehr an Freiheit bedeutet.

Freiheit benötigt nach Ansicht des Autors etwas, worauf sie sich ausrichten kann, etwas Wertvolles, wenn sie sich als Freiheit erweisen soll. Sie bedeutet für Böschemeyer vor Problemen, die sich uns in den Weg stellen, nicht zu kapitulieren, sondern alles daran zu setzen, um diese zu verändern, zu lösen und zu überwinden. Freiheit ist für ihn die Kraft, die uns erlaubt, zwar nicht alle, aber manche Grenzen, die unseren Lebensraum einengen, auszuweiten, aber sie ist auch die Kraft, die uns erlaubt, unsere Einstellung so zu verändern, dass wir mit ihr leben können. Daraus ergibt sich für den Autor, dass Freiheit letztlich Freude am Leben bedeutet und genau zu dieser, versucht er dem Leser durch sein Buch zu verhelfen.


Dass uns Freiheit nicht geschenkt wird, sondern dass wir uns diese holen müssen, ist leider nicht allen Menschen bewusst. Wir müssen also nach den Zugängen von Freiheit suchen. Der Autor zeigt wie man einen freieren Umgang mit sich selbst erhält und stellt diesbezüglich Fragen, deren Beantwortung zum Bewusstwerden der eigenen Barrieren führt. Beispiel: "Kann es sein, dass Ihnen der alte Schmerz noch immer Energie raubt?"( Zitat. S.33). Wer kann hier in allen Beziehungen schon unumwunden mit einem Nein antworten?


Böschemeyer zeigt wie man vom Sog der Vergangenheit frei wird und was man tun kann, dass die alten Bilder keine Macht mehr über uns haben werden. Der Autor hebt hervor, dass zu den schwierigsten Aufgaben im Leben zählt, sich von seiner Vergangenheit zu verabschieden und sich mit dieser auszusöhnen. Nur wenn wir diese Aufgabe gemeistert haben, können wir frei und geistesgegenwärtig leben. Wir müssen es also schaffen, schmerzhafte Erinnerungen abzustreifen oder die beglückende Vergangenheit in Dankbarkeit zurückzulassen, (vgl.:S.40).


Welche Möglichkeiten sich für uns auftun, wenn wir uns von der belastenden Vergangenheit befreien, listet Böschemeyer für den Leser vielversprechend auf. Ich zitiere: "Wir lebten nicht mehr in verschiedenen Zeiten. Wir lebten im hier und jetzt. Wir nutzten die Gunst der Stunde und die damit verbundenen Möglichkeiten. Wir wären gesammelt. Wir wären bei der Sache. Wir wären nicht gespalten. Wir wären mit uns eins. Wir wären bei uns selbst. Wir könnten zu uns stehen. Wir fühlten uns für uns zuständig. Wir wären frei für unser Leben. Wir wären frei auch für andere. Wir lebten in der Zeit."(Zitat.: S. 40).



Der Autor rät im Hinblick der Gefühle, die uns an die Vergangenheit binden, sich bei einem Mitmenschen auszusprechen, weil unser Unbewusstes, das unser gelebtes Leben gespeichert hat, nichts vergisst, bis es hinreichend zur Kenntnis genommen wird, (vgl.: S.41).

Eigenverantwortlichkeit ist ein Muss für die Freiheit und es ist auch notwendig, auf das Schuldverschiebespiel zu verzichten.

"Werteimaginationen", den Begriff, den ich eingangs bereits erwähnte, sind bewusste innere Wanderungen in die unbewusste Welt, in dem spezifische menschliche Werte, wie etwa Freiheit, Liebe, die Hoffnung geboren werden, (vgl. S.: 48). Der Autor erläutert, was auf seelischer Ebene geschieht und zwar im Hinblick auf Lebensbejahung und Lebensverneinung und nennt in diesem Zusammenhang die personifizierte Lebensverneinung den "Inneren Gegenspieler". Dabei handelt es sich um den abgespaltenen destruktiv-aggressiven Triebbereich. Der Autor beschreibt in der Folge die beiden inneren Großmächte. Dieses Kapitel sollte man genau lesen, um zu verstehen, was in unserem Inneren geschieht.

Böschemeyer macht klar, welche Möglichkeiten wir haben, wenn wir in einer Werteimagination erleben, dass wir seinen destruktiven Strebungen nicht ausgeliefert zu sein brauchen. Werteimaginationen können insofern äußerst hilfreich sein, hin zu dem, wir wollen. Die Entscheidung jedoch, ob man die Veränderung auch wirklich will, ist und bleibt eine Angelegenheit der ureigenen Freiheit, ( vgl.: S. 55).

Was es nun heißt, seinen eigenen Weg zu gehen, erläutert der Autor zunächst auf allgemeiner Ebene und führt dann auch ein Beispiel an. Der Leser erfährt, was es bedeutet, unabhängig vom Urteil anderer zu sein, frei zu werden trotz Ungerechtigkeit und schließlich auch freier gegenüber unseren Mitmenschen zu werden.

Böschemeyer schreibt im Zusammenhang mit seinem Anliegen auch über Resilienz und den Fähigkeiten sich verändern zu können sowie offen zu bleiben für das, was kommt. Er vergisst nicht daran zu erinnern, dass auch die Liebe frei macht, zeigt, wie man frei wird von Lebensangst und listet anhand von zwei Selbsterfahrungskursen eine Fülle von Fragen auf, die es sich lohnt zu beantworten, um sich für die eigene Freiheit zu öffnen.

Sehr wichtig auch sind die autosuggestiven Sätze im Buch, weil sie uns innerlich stärken. Wie im Talmud bereits gesagt, sind Gedanken Mächte, mit denen man voll Achtsamkeit umgehen sollte, damit sie hilfreich für uns sind.
Dieses Buch empfehle ich sehr gerne. Es ist tatsächlich erkenntniserweiternd und verhilft dem Leser zu mehr Freiheit. 

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Rezension:Liebe: Warum sie so schwierig ist und wie sie dennoch gelingt (Gebundene Ausgabe)

Im letzten Jahr habe ich das hervorragende Buch "Die Liebe neu erfinden" des Autors Prof. Dr. Wilhelm Schmid rezensiert. Das vorliegende Büchlein fasst die wichtigsten Gedanken des soeben genannten Buches zusammen und eignet sich hervorragend für den kleinen Lesehunger während des Tages, nicht zuletzt, weil es sich problemlos in jeder Jackentasche platzieren lässt.

In der Einleitung lässt uns der Autor wissen, dass er sich dreißig Jahre hindurch auf theoretischem und praktischem Gebiet mit der Liebe befasst hat und zu dem Ergebnis gelangt ist, dass die Liebe etwas ist, dessen Wahrheit wir nie so recht kennen. Deutungen von Liebe wirken auf Begegnungen und Erfahrungen zurück. Ganz offensichtlich haben Deutungen der Liebe Enttäuschungen zur Folge, weil Deutungen Erwartungshaltungen nach sich ziehen.

Treffend bemerkt der Philosoph, dass derjenige, der auf der Absolutheit der Liebe besteht, an der Praxis leicht verzweifeln kann, weil diese allzu hohen Ansprüchen nicht genügt. Allerdings gibt Prof. Dr. Schmid auch zu bedenken, dass derjenige, der nur eine Illusion am Werke sieht, das kreative Potential verschenkt, das einer schönen Illusion zu Eigen sei.

Ich stimme dem Autor zu, dass die Liebe nur atmen kann, wenn die Liebenden sich wechselseitig viele Freiheiten zugestehen und aus freien Stücken auf manche verzichten.

Sehr gut werden im Büchlein Fragen, wie etwa "Warum und wozu überhaupt noch Liebe?" beantwortet. Dem folgen viele kluge Reflexionen zur Liebe, sowohl im Fühlen, Denken, Sein, als auch im Alltag. Standartfragen bleiben nicht ausgespart und Fragen der Macht, der Treue und dem Ende einer Liebe wird ein Augenmerk geschenkt.

Im Anhang stellt der Autor Überlegungen an, was zum Programm einer Schule der Liebe gehören könnte. Hier thematisiert er Lebenserkenntnisse, Selbsterkenntnisse, Sprachkenntnisse, Deutungsfähigkeit, Kunst und Ausdruck, Hauswirtschaft, Kulturwissenschaft, Naturwissenschaft sowie weitere Lieben und zeigt damit, wie schwierig der Umgang mit der Liebe ist. Man muss behutsam mit ihr umgehen und sich klar darüber sein, dass Respekt vor dem Du an oberster Stelle steht. Die Liebe benötigt Freiraum, sehr viel Freiraum. Wer diesen Freiraum ihr nicht zu geben bereit ist, wird vermutlich kein Glück in und mit der Liebe haben. Ein weites Feld...

Empfehlenswert.

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Rezension:Die Angst vor Krankheit verstehen und überwinden (Gebundene Ausgabe)

Dieses bemerkenswerte Buch wurde von dem Psychotherapeuten Hans Morschitzky und dem Journalisten Thomas Hartl auf den Weg gebracht. Ziel der Autoren ist es, bei Betroffenen und deren Angehörigen, ebenso wie bei Fachleuten und Interessierten das Verständnis für Krankheitsängste zu fördern und darüber hinaus konkrete Hilfestellungen im Umgang mit Krankheitsängsten anzubieten.

Die Autoren definieren Krankheitsängste je nach Situation und Persönlichkeit entweder als gesund oder krankmachende Reaktion auf vorgestellte oder reale Bedrohungen von Leib und Leben, (vgl.: S.186).

Ihr Buch untergliedern sie in drei Hauptteile:
Teil 1- Krankheitsängste- normale Sorge und Krankhafte Angst um die Gesundheit
Teil 2 Krankheitsängste- wie sie entstehen und das Leben beeinträchtigen
Teil 3 Krankheitsängste- wie Sie lernen erfolgreich damit umzugehen

Im traditionellen medizinischen Denken wird Krankheit mit dem Begriff Störung gleichgesetzt. Folglich gilt Gesundheit als Störungsfreiheit, als Freisein von körperlichen und physischen Erkrankungen. Nach Meinung der Autoren vernachlässigen diese Definitionen das subjektive Empfinden der Einzelnen, das im Hinblick auf das Krankheitserleben zumeist mehr zählt als das nach Expertenauffassung definierte Störungsausmaß, (vgl.: S. 12).

"Kranke Gesunde" leiden offensichtlich unter der Diskrepanz zwischen Befund und Befinden. Obschon sie gesund sind, fühlen sie sich krank. Bei diesen Menschen handelt es sich nicht um "eingebildete Kranke", sondern vielmehr um Personen, die aufgrund ihres Krankheitsverhaltens, zahlreiche Beeinträchtigungen entwickeln, die längere Krankheitsstände und Arbeitsunfähigkeit zur Folge haben können. Krankmachend sind in solchen Fällen nicht die Krankheitssymptome, sondern die Art des Krankheitsverhaltens, (vgl.: S.13).

Nur eine bestimmte Gruppe der Betroffenen, die Gruppe der sogenannten Hypochonder weist Krankheitsängste in dem Sinne auf, das sie weniger unter den Symptomen an sich leiden als an den Befürchtungen der vermeintlichen Folgen der Beschwerden, (vgl.: S.14). Solche Menschen denken pausenlos an eine befürchtete schwere Krankheit. Es mangelt ihnen an Vertrauen in die Selbstverständlichkeit der körperlichen und geistigen Funktionsabläufe. Sie suchen immerfort in überängstlich-quälender Selbstbeobachtung nach vermeintlichen Krankheitsanzeichen und interpretieren jede kleine Veränderung als Ausdruck einer lebensgefährlichen Entwicklung, (vgl.: 14). Anders hingegen verhalten sich "gesunde Kranke", die aus medizinischer sich tatsächlich krank sind, weil sie lange Zeit keine Symptome spüren oder nicht wahrnehmen möchten. So wissen beispielsweise die meisten Menschen um die Anzeichen eines Herzinfarktes. Trotzdem wartet die Hälfte der Patienten mit typischen Symptomen viel zu lange bis sie den Notarzt ruft oder zum Arzt geht, (vgl.: S.15).

Man erfährt Wissenswertes über Krankheitsängste von einst und heute und auch darüber, dass der Begriff "Hypochondrie" im Laufe der Medizingeschichte viele Änderungen durchlief. Thematisiert werden in diesem Zusammenhang auch Krankheitsängste im Wellness- Zeitalter. Hier wird nicht zuletzt auf Gesundheitswahn, Fitnesskult und Ernährungsstress, einem durchaus nicht unbedenklichen Gesundheitsstreben aus Krankheitsfurcht abgestellt.

Die Autoren lassen "Den eingebildeten Kranken" von Moliere nicht unerwähnt und analysieren dessen Verhalten. Zudem berichten sie auch über Krankheitsängste vieler Personen der Zeitgeschichte und machen deutlich, dass die Diagnosekriterien die Häufigkeit der Verbreitung von Krankheitsängsten bestimmen.

Wissen sollte man, dass krankheitsängstliche Menschen alle zehn Tage einen Arzt aufsuchen und drei Viertel der Ärzte den Patienten mit unbegründeten Krankheitsängste mindestens doppelt so viel Zeit wie anderen Patienten widmen, (vgl.:S. 37).
Als Formen krankhafter Krankheitsängste werden genannt: Krankheitsphobie, Hypochondrie, Krankheitswahn und Krankheitsängste bei psychischen, somatoformen und körperlichen Störungen. Was das im Einzelnen ist wird gut nachvollziehbar erläutert.
Im Rahmen der Darstellung der zehn Gesichter von Krankheitsangst kommen zur Sprache:

-Die Angst vor lebensbedrohlicher Krankheit- Herzinfarkt, Krebs und Aids als tödliche Gefahr

-Die Angst vor körperlicher Behinderung- Schlaganfall und Multiple Sklerose als bleibende Beeinträchtigung

-Die Angst vor Leiden und Schmerzen- schmerzbetonte Krankheiten als Ausdruck von Hilflosigkeit und Ohnmacht

-Die Angst vor Ansteckung-Wasch und Reinigungszwang als Mittel der Angstbewältigung

-Die Angst vor unerklärlichen Alltagssymptomen- Schwindel und Übelkeit als Anlass für einen Ärzte-Marathon

-Die Angst vor umweltbedingten Schädigungen- Umweltgifte und falsche Ernährung als Gefährdung der Gesundheit

-Die Angst vor psychischem Zusammenbruch- Schizophrenie und Depression als gesellschaftliche Stigmatisierung

-Die Angst um den Verstand- Alzheimer-Krankheit als Verlust der Selbstverfügbarkeit

-Die Angst vor Rückfall oder Krankheitsverschlimmerung- sekundäre Hypochondrie als nicht verarbeitete Krankheitserfahrung

-Die Angst vor dem Älterwerden und körperliche Verfall- das Alter als gefürchtetes Krankheitsrisiko.

Diese Themen werden mit Fallbeispielen illustriert, die für die Leser sehr erkenntnisreich sind.

Zwanzig häufige Ursachen , die zu Krankheitsängsten führen, werden sehr gut näher erläutert. Des Weiteren werden zehn Folgen von Krankheitsängsten näher betrachtet.

Im dritten Teil des Buches schließlich lernen Betroffene mit ihren Krankheitsängsten umzugehen. Zunächst müssen Fragebögen ausgefüllt werden, die mich beim Durchlesen mehr als nur überrascht haben, weil ich solche Verhaltensmuster aufgrund von Ängsten bislang nicht für möglich gehalten habe. Meines Erachtens schaffen die Fragen das Bewusstsein, das notwendig für Veränderungen solcher Verhaltensmuster ist. Diesbezüglich werden zudem in der Folge sehr gute Hilfestellungen erteilt.

Dieses Buch empfehle ich all jenen, die von Krankheitsängsten geplagt sind, ständig Ärzte aufsuchen, ihre Familie, Freunde und Bekannte mit ihren Ängsten behelligen und sich auf diese Weise immer mehr in die Isolation schaffen, weil Verständnis für diese Ängste letztlich immer wieder auf Grenzen stößt.

Für mich stellt sich die Frage, inwiefern Krankheitsängste seitens der Ärzte und der Pharmaindustrie geschürt werden. In diesem Zusammenhang besteht ein immenser Diskussionsbedarf, wenn man an die immer höher werdenden Krankenkassenbeiträge denkt.
Lesenswert.
 
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Rezension:Tango Vitale: Von Schicksalsschlägen und anderen glücklichen Umständen (Broschiert)

Dr. Eva Wlodarek gilt als eine der renommiertesten Psychologinnen in unserem Lande. In ihrem Buch befasst sie sich ausführlich mit dem sogenannten Schicksal und hier mit seinen Eigenschaften und Bausteinen. Sie zeigt wie man das Schicksal meistert und sogar günstig beeinflussen kann.


Zunächst betrachtet sie die wichtigsten Erscheinungsformen des Schicksals und weist auf historische Beispiele hin, wonach das allgemeine Schicksal das individuelle mit sich reißt, das Schicksal grausam zufällig aber durchaus in Gefahr zu retten im Stande ist und sogar Geschenke verteilt. Interessant ist, dass das Schicksal durch unerwartete Ereignisse nicht selten dafür sorgt, dass Menschen an diejenige Lebensaufgabe herangeführt werden, für die sie die besten Voraussetzungen mitbringen.

Nach Ansicht Dr. Wlodareks können wir mit dem Schicksal Tango tanzen und das Besondere daran ist, das ständig wechselt, wer führt. Entscheidend sei, dass wir genau wissen, wann wir dran sind.

Die Autorin befasst sich u.a. im Buch mit der Magie des Schicksals und hier mit dem Phänomen der Synchronizität. Dabei scheint es charakteristisch zu sein, dass sie uns speziell bei der Erfüllung unserer Bedürfnisse und Herzenswünsche zur Hilfe kommt. So bringt sie uns beispielweise genau das, was wir zu einem bestimmten Zeitpunkt gerade benötigen. Allerdings lässt sich Synchronizität nicht erzwingen, aber durch bestimmte Verhaltensweisen mitunter hervorlocken. Am wirkungsvollsten sollen dabei Gelassenheit, Intuition und Aufmerksamkeit sein, (vgl.: S.34).


Dr. Wlodarek zeigt wie man gelassen bleibt, aufmerksam ist und auch wie man Intuition entwickeln kann. Das ist u.a. möglich, indem man lernt in Metaphern zu denken, Körperimpulse wahrzunehmen und anderes mehr.

Die Autorin verschweigt keineswegs, dass es eine dunkle Seite der Magie gibt und Intuition auch im Falle einer Synchronizität oder Koinzidenz mit negativer Auswirkung eine Rolle spielen kann, in Form von Vorahnungen auf ein unerwartetes Ereignis. Die Psychologin schreibt von den Gesetzen des Schicksals, vom Gesetz des Wandels und dem der Ursache und Wirkung als auch dem Gesetz der Resonanz und lässt dabei nicht unerwähnt, dass unsere Sicht der Dinge unser Verhalten bestimmt. Dies führt dazu, dass wir in unserer eigenen Umgebung das aktivieren, was in uns ist. Insofern ist die Umwelt unser Spiegel.


Man erfährt in der Folge, wie Menschen sich im Einzelnen verhalten, z.B. wenn sie zu der Personengruppe zählen, die hohe Verträglichkeitswerte besitzen.


Die Autorin verdeutlicht, dass man seinen Neigungen nachgehen soll, weil es erfolgreicher macht, wenn man seine Talente auslebt. Sie nennt dabei die Kriterien für Talent und lässt den Leser wissen, dass man trotz Talent stets etwa 10 Jahre benötigt, um in einem bestimmten Bereich exzellent zu werden und in Ranglisten einen oberen Platz zu erreichen, wenn es mit rechten Dingen zugeht. Das wurde in Studien über Schachspieler herausgefunden und gilt immer, nicht nur für Schachweltmeisterschaften, so die Psychologin,(mehr dazu: S. 85ff). Um nicht kurz vor dem Ziel schlapp zu machen, nennt die Autorin eine Fülle positiver Folgen, die eintreten, wenn man durchhält. Diese Folgen sollte man sich zur Motivation stets vor Augen führen.


Wie man Schicksalsschläge meistert, wird auch thematisiert und die Phasen des Nicht-Wahrhaben-Wollens, die Phase der aufbrechenden Gefühle, der Anpassung und der Neuorientierung erörtert. Es ist wichtig, sein Schicksal anzunehmen und einen Sinn darin zu erkennen, um ihm nicht länger emotional ausgeliefert zu sein.
Dr. Wlodarek schreibt auch darüber, dass man seiner Intuition vertrauen soll und listet Signale für Gefahr auf. Was dort zu lesen ist, sollte man sich immer wieder bewusst machen. Man hüte sich davor, sich in irgendeiner Form dominieren zu lassen. So gilt die Faustregel: Über ein Nein wird nicht verhandelt. Wer Verhandlungen zulässt, erteilt dem anderen die Erlaubnis, in auch in anderen Dingen unter Kontrolle zu bringen, (vgl.: S.124).


Man liest, welche Möglichkeiten es gibt, das Schicksal zu beeinflussen und hier auch von sich selbsterfüllenden Prophezeiungen als Endlosschleife und lernt diesen Teufelskreis zu durchbrechen, indem man negative Sichtweisen ändert und zunächst ihre Ursachen erkennt.


Des Weiteren lernt man die Eigenschaften von Glückspilzen kennen, die neben einer guten Intuition und positiver Einstellungen, im Sinne von sich selbsterfüllender Prophezeiungen, vor allem Offenheit für andere Menschen und neue Erfahrungen besitzen.


Man hat Gelegenheit anhand eines Tests auszukundschaften, ob man bereits ein Glückspilz ist oder noch diesbezüglich üben muss.

Freundlichkeit ist ein guter Weg in die richtige Richtung. Die positive Energie, die man auf diese Weise verbreitet, wirkt sich beim Tango mit dem Schicksal gewiss nicht negativ aus.

Ach ja, vom günstigen Augenblick ist auch noch die Rede. Solche Augenblicke sollte man aus Angst niemals verpassen. Mitunter dauert es lange bis ein Zeitfenster aufgeht, dann aber heißt, es kurz entschlossen zu handeln und sich auf seine Intuition zu verlassen.

Empfehlenswert.
 
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