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Rezension:Liebe: Warum sie so schwierig ist und wie sie dennoch gelingt (Gebundene Ausgabe)

Im letzten Jahr habe ich das hervorragende Buch "Die Liebe neu erfinden" des Autors Prof. Dr. Wilhelm Schmid rezensiert. Das vorliegende Büchlein fasst die wichtigsten Gedanken des soeben genannten Buches zusammen und eignet sich hervorragend für den kleinen Lesehunger während des Tages, nicht zuletzt, weil es sich problemlos in jeder Jackentasche platzieren lässt.

In der Einleitung lässt uns der Autor wissen, dass er sich dreißig Jahre hindurch auf theoretischem und praktischem Gebiet mit der Liebe befasst hat und zu dem Ergebnis gelangt ist, dass die Liebe etwas ist, dessen Wahrheit wir nie so recht kennen. Deutungen von Liebe wirken auf Begegnungen und Erfahrungen zurück. Ganz offensichtlich haben Deutungen der Liebe Enttäuschungen zur Folge, weil Deutungen Erwartungshaltungen nach sich ziehen.

Treffend bemerkt der Philosoph, dass derjenige, der auf der Absolutheit der Liebe besteht, an der Praxis leicht verzweifeln kann, weil diese allzu hohen Ansprüchen nicht genügt. Allerdings gibt Prof. Dr. Schmid auch zu bedenken, dass derjenige, der nur eine Illusion am Werke sieht, das kreative Potential verschenkt, das einer schönen Illusion zu Eigen sei.

Ich stimme dem Autor zu, dass die Liebe nur atmen kann, wenn die Liebenden sich wechselseitig viele Freiheiten zugestehen und aus freien Stücken auf manche verzichten.

Sehr gut werden im Büchlein Fragen, wie etwa "Warum und wozu überhaupt noch Liebe?" beantwortet. Dem folgen viele kluge Reflexionen zur Liebe, sowohl im Fühlen, Denken, Sein, als auch im Alltag. Standartfragen bleiben nicht ausgespart und Fragen der Macht, der Treue und dem Ende einer Liebe wird ein Augenmerk geschenkt.

Im Anhang stellt der Autor Überlegungen an, was zum Programm einer Schule der Liebe gehören könnte. Hier thematisiert er Lebenserkenntnisse, Selbsterkenntnisse, Sprachkenntnisse, Deutungsfähigkeit, Kunst und Ausdruck, Hauswirtschaft, Kulturwissenschaft, Naturwissenschaft sowie weitere Lieben und zeigt damit, wie schwierig der Umgang mit der Liebe ist. Man muss behutsam mit ihr umgehen und sich klar darüber sein, dass Respekt vor dem Du an oberster Stelle steht. Die Liebe benötigt Freiraum, sehr viel Freiraum. Wer diesen Freiraum ihr nicht zu geben bereit ist, wird vermutlich kein Glück in und mit der Liebe haben. Ein weites Feld...

Empfehlenswert.

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Rezension: Liebe in Gefahr- Walter Riso

Der in Kolumbien lebende Autor dieses Buches, Walter Riso, arbeitet als Psychotherapeut mit dem Spezialgebiet der kognitiven Verhaltenstherapie. Riso studierte übrigens Psychologie, Theaterwissenschaften, Philosophie und Bioethik. Der gebürtiger Italiener lebte lange in Argentinien, bevor er in Bogotá ansässig wurde.

Das Buch wurde von Stephanie von Harrach exzellent vom Spanischen ins Deutsche übersetzt. Dafür ein großes Lob.
Riso thematisiert in "Liebe in Gefahr" die Fallstricke in Beziehungen und untergliedert sein Buch in:

1) Die erdrückende Liebe
2) Die misstrauische Liebe
3) Die subversive Liebe
4) Die egoistische Liebe
5) Die perfektionistische Liebe
6) Die gewalttätige Liebe
7) Die teilnahmslose Liebe
8) Die chaotische Liebe

Für den Autor ist eine gute und stabile Liebesbeziehung eine solche, in der beide Partner zufrieden sind, ihre Lebensvorstellungen umsetzen zu können und sich beide nicht in ihren Rechten beschnitten sehen, (vgl.: S.12). Dieser Definition stimme ich gerne zu.

In negativen Beziehungsstilen gibt es ein oder zwei Antiwerte, die einer gesunden Beziehung entgegen stehen. Bestimmte Liebesbeziehungsmuster, wie etwa chaotische oder subversive treten eher bei Frauen, andere eher bei Männern auf. Unter dem Begriff Beziehungsstil versteht Riso eine bestimmte Art und Weise, mit affektiver Information umzugehen: sie zu fühlen, sie einzuschätzen und sie ins Beziehungsleben einzubinden, (vgl.: S.17).

Riso unterstreicht, dass dann, wenn der Umgang mit der Information gestört ist, wenn sie von negativen Rastern in Bezug auf uns selbst, auf die Welt und die Zukunft gesteuert wird, sich dies schädlich auf die emotionale und geistige Gesundheit auswirken kann und zwar die eigene und die des Partners, (vgl:.S.17).

Bei acht psychologischen Profilen (histrionisch-theatralisch, paranoid -überwachend, passiv-aggressiv, zwanghaft, antisozial-streitsüchtig, schizoid-einsiedlerisch und emotional instabil) werden jeweils die wichtigsten Merkmale und ihre Auswirkungen auf das Paarleben aufgezeigt. Thematisiert werden des Weiteren die persönlichen Dispositionen, die erklären, wieso sich Menschen auf Beziehungen dieser Art einlassen. Aufgezeigt wird, bis wohin und um welchen Preis es möglich ist, eine gesunde Beziehung mit jemand zu führen, der einen krankhaften Beziehungsstil aufweist. Ferner wird gezeigt, wie man Liebesmuster erkennt, bevor man sich verliebt und man erhält Hilfe, wenn man selbst die erwähnten Charakterzüge aufweist.

Auf alle psychologischen Profile im Rahmen einer Rezension einzugehen, führt zu weit. Besonders enervierend scheint mir ein paranoid-überwachender Partner zu sein, bei dem man pausenlos Treue- und Loyalitätsbeweise liefern muss. Das Problem ist, dass Argwohn zur Lebensform wird. Riso verdeutlicht, dass der paranoide Stil sich in Erinnerungen an negativen Vorkommnissen suhlt, absurde Schlüsse zieht und schließlich gnadenlos urteilt. Der Psychotherapeut verdeutlicht, dass bei sehr eifersüchtigen und rachdurstigen Menschen die Zeit keine Wunden heilt, sondern sie vielmehr verschlimmert und ewig offen hält. Wer mit einem Kontrollmenschen eine Beziehung eingeht, fühlt sich wie bei einem KGB-Verhör. Am Ende wird man, so Riso, vor allem eine große Leere verspüren und das unangenehme Gefühl, mehr gegeben als empfangen zu haben nicht mehr leicht los werden.

Mit einem Narzissten in einer Beziehung zu leben, dürfte auch wenig spaßig sein. Die meisten Narzissten wollen lieber verehrt als geliebt werden, von daher betört sie ein Kniefall eher als eine Umarmung. Applaus ziehen Narzissten einer zärtlichen Berührung vor, (vgl.S. 139). Wer eine gute Beziehung mit einem Narzissten haben möchte, muss ihn dauerhaft bewundern. Für eine solche Verbindung sind nur ich-schwache Menschen tauglich und solche, die sich mit Vorliebe grenzenlos hingeben. Eine untergeordnete Position einzunehmen, damit die Selbstzufriedenheit des Partners nicht gefährdet ist und jeden Tag auf Selbstbehauptung zu verzichten, ist gewiss nicht einfach.

Der absolute Horror jedoch scheint mir, eine Liebes-Beziehung mit einem unerbitterlichen Pedanten einzugehen. Das ist Hölle pur, wie die ausführlichen Schilderungen des Psychotherapeuten klar machen. Riso bringt es auf den Punkt: "Trägt dir jemand eine solch genaue, knauserige, unflexible, skrupulöse, strenge, moralinsaure, formale, rechtschaffene, strukturierte und organisierte Liebe an, dann suche das Weite!" (Zitat S. 168) Das Beziehungsmuster ist ein solches, bei dem ein Partner sich vom "Fehlerausräumer" immer mehr zum Buchprüfer steigert und eine Art Inquistionstribunal schafft. Da man zwanghafte Menschen sehr leicht erkennt, geht man ihnen besser aus dem Weg.

Mit antisozialen Menschen sollte man sich per se nicht abgeben und mit schizoid-einsiedlerischen ebenfalls nicht. Allerübelst auch sind Borderliner, deren emotionale Instabilität zu ertragen, ich mir qualvoll vorstelle.

Ich teile mit Riso die Meinung, dass eine gesunde Liebe auf Menschenwürde basiert und beide Partner davon ausgehen, dass Liebe das menschliche Potential fördert und entwickelt. Irrationale Beziehungsmuster lassen die beglückende Liebe zerbrechen, weil Werte wie etwa Einfachheit, Grundvertrauen, der gute Glaube, Selbstbehauptung, emotionale Offenheit, Bescheidenheit, Solidarität, Einfühlungsvermögen, Flexiblität, Respekt, Sanftheit, Friede, Zärtlichkeit, Selbststeuerung und Empathie nicht gelebt werden können.

Das Buch verdeutlicht sehr gut, was in Beziehungen schief laufen kann, woran es liegt und welche Maßnahmen zu ergreifen sind, um eine Veränderung herbeizuführen. Ob die Hinweise auf die Schräglagen einen jungen, verliebten Menschen dazu bringen können, einen großen Bogen um ein Beziehungsmonster, wie im Buch beschrieben zu machen, möchte ich allerdings in der Regel bezweifeln. Dies hängt nicht mit der Qualität des Buches zusammen, sondern mit den Hormonen, die den Kopf bei jungen Menschen lahmlegen und nicht nur bei jungen.
Dennoch, empfehlenswert. 

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