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Rezension:Lass los und werde glücklich (Taschenbuch)

Die psychologische Beraterin und Heilpraktikerin Dörthe Huth verdeutlicht in diesem Buch, dass der wirkliche Weg zum Glück nicht selten über das Loslassen führt. Um von etwas loslassen zu können, sind nach ihrer Meinung sechs Schritte notwendig. Diese werden von der Autorin allesamt ausführlich erklärt. Jedem dieser Schritte sind Checklisten, Experimente und ein erhellender Test beigefügt. Ferner wird gezeigt wie mein Protokolle zur Selbstreflektion anfertigt und anhand von Visualisierungen Veränderungen gedanklich vorwegnimmt.

Sich aufgrund eines Loslass-Prozesses auf Veränderungen einzulassen, heißt nicht zuletzt eine neue Richtung einzuschlagen. Loslassen bringt auf Dauer sehr viel Lebensqualität mit sich. Dabei hat Loslassen nichts mit Weglaufen zu tun. Loslassen bedeutet bloß seine Ziele neu zu justieren und entsprechend zu handeln. Die aktive Arbeit an einem Loslass-Prozess macht es erforderlich verbindlich und diszipliniert zu sein und Durchhaltevermögen zu besitzen.


Loslassen birgt- das sollte jedem bewusst sein sowohl Vor- als auch Nachteile. Es ist hilfreich diese einander gegenüberzustellen, um auf diese Weise eine bewusste Entscheidung für oder gegen das Loslassen zu fällen. Wer in seinem Leben permanent das Gefühl hat, Veränderung zu wollen, aber nicht zu können, leidet vermutlich an erlernter Hilflosigkeit. Diese muss kein Dauerzustand sein.


Die Autorin zeigt u.a. wie man die eigene Gefühlswelt in Einklang bringt und wie man mit negativen Gefühlen wie Wut, Selbstzweifel und Enttäuschung am besten umgeht. Es ist immer günstig innere Bilder zu nutzen, um auf gute Gefühlszustände umzuschalten, hilfreiche Gedanken abzurufen und sich durch Aktivitäten abzulenken und neu zu motivieren. Bei allem sollte man sich stets fragen, was einem die eigenen Gefühle sagen wollen. Übrigens bereitet das genaue Hinschauen und Anerkennen was ist, den Lösungsprozess vor. Die Annahme von Enttäuschungen, das Betrauern, Verabschieden sowie das Verzeihen setzt eine körperliche und geistige Lösungsaktivität in Gang.


Sofern es die Aufgabe ist eine desolate Beziehung loszulassen oder aber anders zu gestalten, bringt es nichts in Abwehr zu verharren. Was man benötigt, ist eine Auseinandersetzung auf Gefühlsebene. Mache man sich bewusst, dass verdrängte Gefühle in unserem Gepäck bleiben und uns auf unserer Lebensreise unnötig belasten.


Die Autorin rät, auf die Signale des Körpers zu achten und alles , was im Leben stört, genau zu betrachten und es nicht einfach wegschieben. Stellt man fest, dass man das Störende nicht mehr akzeptieren möchte, ist es sinnvoll loszulassen. Die Belohnung für den Mut zum Loslassen ist eindeutig die Freiheit.


Ein überzeugender Text, der dazu verhilft, recht bald gelassen auf dem eigenen Glückplateau zu stehen und vollkommen im Einklang mit sich selbst zu sein.


Rezension: Anatomie der menschlichen Destruktivität (Taschenbuch)

Der Psychologe Erich Fromm zeigt in diesem Buch die Gründe von destruktivem (zerstörerischem) Verhalten auf und beschreibt detailliert anhand von ausführlichen Studien die Persönlichkeit von Hitler, Stalin sowie Himmler. Destruktive Persönlichkeitsstrukturen und deren individuelle und soziale Ursachen führen dazu Leben entweder absolut zu kontrollieren oder zu zerstören und kennzeichnen das Agieren eines destruktiven Menschen.

Woher kommt die Unfähigkeit zu lieben, Empathie zu empfinden und sich sozial zu verhalten? Im ersten Teil des umfangreichen Buches befasst sich Fromm mit Instinkt- und Trieblehren und in diesem Zusammenhang mit Freuds Aggressionsbegriff, setzt sich mit Konrad Lorenz auseinander und verdeutlicht die Unterschiede im Denkansatz von Freud und Lorenz. Des weiteren thematisiert er die Vertreter der Milieutheorie und die Behavioristen um dann die Unterschiede zwischen Triebtheorien und Behaviorismus herauszuarbeiten.

Im zweiten Teil lotet Fromm die Befunde aus, die gegen die Thesen der Instinkt- und Triebforscher sprechen, beleuchtet dabei neurophysiologische Betrachtungen, das Aggressionsverhalten von Tieren und stellt anthropologische Erkenntnisse vor. Schließlich verdeutlicht er im dritten Teil die verschiedenen Arten von Aggression sowie Destruktivität und ihre jeweiligen Voraussetzungen.


Fromm grenzt gutartige von bösartiger Aggression ab. Zur gutartigen Aggression zählen u.a. die unbeabsichtigte und die spielerische Aggression und solche, die aufgrund von Freiheitsmangel entsteht. Ausführlich werden dann die Prämissen für bösartige Aggression dargestellt, um letztlich den destruktiven Charakter, der immer auch ein sadistischer ist, zu beschreiben. Sadismus (und Masochismus) stellen, so Fromm, als sexuelle Perversion nur einen Bruchteil des großen Bereichs Sadismus dar, bei dem kein sexuelles Verhalten im Spiel ist. Das nicht sexuelle sadistische Verhalten zielt darauf ab körperlichen Schmerz bis zum äußersten, auch wenn er zum Tode führt zuzufügen. Folter ist das Instrument des körperlichen Sadismus.

Seelische Grausamkeit, der Wunsch einen anderen Menschen zu demütigen und seine Gefühle zu verletzten, ist nach Ansicht des Psychologen noch weiter verbreitet als körperlicher Sadismus. Diese Art des sadistischen Handelns ist für Sadisten viel weniger riskant, denn dabei kommt keine physische Gewalt , sondern "nur" Worte zur Anwendung. Seelisches Leiden kann aber ebenso intensiv oder noch intensiver als körperliches Leiden wirken. Ein Charakterzug des Sadisten besteht darin, dass er stets nur von Hilflosen, nicht von Starken stimuliert wird. Für den sadistischen Charakter gibt es nur eine bewundernswerte Eigenschaft und das ist die Macht. Den Mächtigen bewundert und liebt er. Er duckt sich gerne vor ihm, verachtet den Machtlosen, der sich nicht wehren kann und wünscht ihn zu kontrollieren und zu beherrschen.


Der sadistische Charakter ist durch Angst vor dem Leben gekennzeichnet, so Fromm. Sadistische Menschen sind liebesunfähig, weil Liebe für solche Personen ein unsicheres Terrain ist. Geliebt werden setzt voraus, dass man selbst Liebe erwecken kann und Lieben schließt das Risiko ein abgelehnt zu werden und zu scheitern. Der sadistische Charakter kann nur "lieben", wenn er andere beherrscht, das heisst, wenn er Macht über den Gegenstand der Liebe hat. Ein Sadist fühlt sich stets impotent, unlebendig und machtlos. Deshalb möchte er, dass er den Wurm als den er sich fühlt in einen Gott verwandeln.


Bei allem sind Sadisten immer unterwürfig und hochgradig feige. Sie können töten und quälen, dennoch bleiben sie ungeliebte, isolierte, angstvolle Menschen, die eine höhere Macht benötigen, der sie sich unterwerfen können. Dies wird an den Beispielen Hitler, Stalin und Himmler verdeutlicht. Die Ursachen bösartig destruktiven Verhaltens liegen nach Fromm in psychosozialen Fehlentwicklungen. Durch den Mangel an Liebe entsteht Empathielosigkeit und ihre sadistischen Auswirkungen. Fromm wirbt mit seinem Buch dafür, die gesellschaftspolitischen und familiären Bedingungen so zu verändern, dass zukünftig die Würde der Menschen seitens der Attacken sadistischer Charaktere nicht mehr angetastet wird. Menschen , die in ihrer Kindeit geliebt und akzeptiert werden, mutieren nicht zu Destrukteuren.


Rezension:Menschenkenntnis (Gebundene Ausgabe)

Alfred Adler begreift die Psyche als seelisches Organ, in diesem Sinne eines seelischen Überbaus über dem biologischen Organismus als Ausdruck der individuellen Persönlichkeit. Für ihn ist sie der Ausdruck eines notwendigen Angriffs-, Abwehr, Sicherungs- oder Schutzorgan der Persönlichkeit. Es ist nicht durch Triebeinflüsse oder Umwelteinflüsse bei Geburt festgelegt. Diese Erscheinungen sind Sekundärphänomene. Das Individuum ist von Natur aus gut. Ihm wohnt ein unauslöschlicher Drang nach Weiterentwicklung und Selbstverwirklichung als Leitidee oder Ich-Ideal inne. Dafür wohnt dem Individuum ein ebenso entsprechendes Maß an innerer Freiheit inne, um das Ich-Ideal als Sozialwesen in der Gemeinschaft im "Hinblick auf die Ewigkeit zu verwirklichen und so seinem Lebenssinn zu finden."

Für Adler ist nicht ein in der Sexualität respektive der sexuellen Triebhaftigkeit wurzelndes Lustprinzip, sondern ein im Psychischen innewohnedes Geltungs- oder Machtstreben die Triebkraft der psychischen Entwicklung zur Persönlichkeit. Dem Primat des Willens zur Macht zu Folge gewinnt nach den Untersuchungen Adlers das Geltungsstreben eine spezifische Bedeutung als Ausgleichsfunktion bei Organminderwertigkeit, d.h. Minderwertigkeitgefühlen infolge von angeborenen Körperfehlern.

Die Eindämmung des Geltungsstrebens, um die Ausbildung eines parasitären, auf Ausbeutung der Mitmenschen abzielenden Charakters zu verhindern, ist für Adler ein Erziehungsproblem. Für ihn ist Erziehung eine Erziehung zu "verstärktem Wirklichkeitssinn, Verantwortung und Ersatz der latenten Gehässigkeit durch gegenseitiges Wohlwollen, die allerdings nur ganz zu gewinnen sind durch die bewusste Entfaltung des Gemeinschaftsgefühls und durch den bewussten Abbruch des Strebens nach Macht."


Nachdem Adler sich eingangs ausführlich mit der Seele befasst und in der Folge Minderwertigkeitgefühl und Geltungsstreben ausgeleuchtet hat, beleuchtet er gedanklich das Phänomen "die Vorbereitung fürs Leben" und das Verhältnis der Geschlechter zueinander. Anschließend wird man mit Adlers Vorstellungen vom Wesen und der Entstehung des Charakters vertraut gemacht.


Er vergleicht die Charakterzüge, die nach seiner Ansicht keineswegs angeboren sind, sondern in der Kindheit erworben werden mit einer Leitlinie, "die dem Menschen wie eine Schablone anhaftet und ihm gestattet, ohne viel Nachdenken in jeder Situation ein einheitliches Persönlichkeitsbild zum Ausdruck zu bringen. Sie ist das Ergebnis eines Kräftespiels, das durch die sich gegenseitig beeinflussenden Faktoren "Gemeinschaftsgefühl" und "Streben nach Macht" bedingt ist. So ist der Charakter eines Menschen...nie die Grundlage zu einer moralischen Beurteilung, sondern eine soziale Erkenntnis, wie dieser Mensch auf seine Umwelt einwirkt aber auch in welchem Zusammenhang er mit ihr steht. Adler thematisiert Charakterzüge aggressiver Natur: Eitelkeit (Ehrgeiz), Eifersucht, Neid, Geiz und Hass aber auch Charakterzüge nicht aggressiver Natur: Zurückgezogenheit, Angst, Zaghaftigkeit und ungezähmte Triebe als Ausdruck verminderter Anpassung.


Als sonstige Ausdrucksformen des Charakter nennt er: Heiterkeit, Denk- und Ausdrucksweise, Schülerhaftigkeit, Prinzipienmenschen und Pedanten, Unterwürfigkeit, Überheblichkeit, Stimmungsmenschen, Pechvögel und Unglücksraben, Religiosität. Der Psychoanalytiker zeigt wie all diese Charakterzüge durch das Verhalten eines Menschen erkennbar werden, welche Probleme durch sie entstehen können. Auch stellt er Vermutungen an, wie die einzelnen Charakterzüge entstanden sein können. Im Anschluss befasst er sich mit Affekten, die für ihn Steigerungen jener Erscheinung sind, die man als Charakterzüge bezeichnet.


Für ihn sind Affekte zeitlich abgegrenzte Bewegungsformen des seelischen Organs, die sich unter dem Druck einer uns bekannten bzw. unbekannten Nötigung wie eine plötzliche Entladung äußern und wie die Charakterzüge eine Zielrichtung besitzen. Die eine Seite ist auch hier ein Minderwertigkeitsgefühl, ein Gefühl der Unzulänglichkeit, das seinen Träger zwingt alle Kräfte zusammenzunehmen und größere Bewegungen als die sonst üblichen zu vollziehen.


Adler unterscheidet vorwiegend unter dem Gesichtspunkt einer sozialen Kommunikation ausgerichteten psychologischen Denkmodell- zwischen trennenden Affekten wie z. B. Zorn, Ekel, Angst, die das Gemeinschaftsgefühl mehr oder weniger beeinträchtigen und verbindenden Affekten, wie Freude, Mitleid und Scham, wobei Schadenfreude ein Missbrauch darstellt, weil sie das Gemeinschaftsgefühl verletzt, und die Scham einen sowohl verbindenden als auch trennenden Affekt darstellt.

Wer mehr über sich und seine Mitmenschen erfahren möchte, macht gewiss keinen Fehler, wenn er diesen Klassiker Alfred Adlers liest.

Rezension:Die Macht der Emotionen: und wie sie unseren Alltag bestimmen (Taschenbuch)

Die französischen Psychologen Francois Lelord und Christophe Andre befassen sich in diesem Buch mit den emotionalen Voraussetzungen der leider nicht immer leicht nachvollziehbaren Handlungen von Menschen. Weshalb geschieht so vieles fernab von Vernunft?

Zu Beginn ihres Buches grenzen die Autoren die Begriffe Emotion und Gefühl stark voneinander ab und erklären in der Folge, was eine so genannte Basisemotion ausmacht. Diese muß abrupt einsetzen und von kurzer Dauer sein. Sie muß bei Babys bereits vorkommen, sich von anderen Emotionen deutlich unterscheiden und sich in irgendeiner Form auf den Körper auswirken. So aktiviert Traurigkeit beispielweise eine andere Hirnzone als Freude. Auch muss ein bestimmter Gesichtsausdruck für eine bestimmte Emotion vorliegen und sie muss in universellen Situationen ausgelöst werden.



Zorn, Neid, Eifersucht, Scham, Angst, Traurigkeit, Freude und natürlich die Liebe sind die Grundemotionen eines Menschen. Verwurzelt sind Emotionen im biologischen, aber auch soziologische Bedingungen spielen für ihr spürbares Vorhandensein eine nicht unwesentliche Rolle. Die Autoren verdeutlichen anhand von zahlreichen Beispielen, wie sehr sich Emotionen auf die Handlungen und Entscheidungen von Menschen auswirken können, wenn man sich ihrer nicht bewusst ist.


Thematisiert wird auch, wann beispielsweise Angst oder andere Emotionen natürlich und wann sie es nicht mehr sind. Wozu dienen unsere Ängste? Wozu dient der Zorn? Macht gute Laune kreativer? Macht Traurigkeit krank? Über all dies und vieles mehr reflektieren die Psychologen und helfen dem Leser sich selbst und andere besser zu verstehen.

Empfehlenswert!

Rezension:Massenpsychologie und Ich-Analyse / Die Zukunft einer Illusion (Taschenbuch)

Man könnte ihn definieren als Zusammenschluss einer Anzahl von Menschen aus einem besonderen Anlass und für eine bestimmt Zeit, die durch eine Absenkung der Bewusstseinslage oder Bewusstseinsklarheit ihrer Mitglieder, durch Übereinstimmung in Gefühlen und Handlungsimplulsen und durch eine besondere Disposition zu Affektausbrüchen aller Art gekennzeichnet ist.

Nach Freud bildet sich das Massengefühl zunächst in der mehrzahligen Kinderstube aus dem Verhältnis der Kinder zu ihren Eltern als Folge auf den anfänglichen Neid, mit dem das ältere Kind das jüngere aufnimmt. Offensichtlich möchte das ältere Kind das nächste eifersüchtig verdrängen, von den Eltern fernhalten, es aller Anrechte berauben, doch aufgrund der Gegebenheit, dass auch dieses Kind wie alle folgenden in gleicher Weise von den Eltern geliebt wird und infolge der Unmöglichkeit, auf der feindselige Einstellung ohne negative Konsequenzen zu beharren, wird es zur Identifizierung mit den anderen Kindern gezwungen. So bildet sich lt. Freud in der Kinderschar ein Massen- bzw. Gemeinschaftgefühl heraus.

Massenpsychologie ist die Bezeichnung für Kollektivpsychologie nach analytischen und psychoanalytischen Gesichtspunkten in Unterscheidung zur Psychologie der Massen im Rahmen der Soziologie.
Für Freud entsteht die Masse durch libidinöse Bindung. So kennt er sogar die Masse zu zweit, das Verhältnis zwischen Hypnotiseur und Medium.
Wesentliches Element ist nach Freud für die Massenbildung die Identifikation mit dem Führer.

Unter Identifikation versteht man psychoanalytisch betrachtet die unbewusste Gleichsetzung der eigenen Person mit der anderen Person, so dass diese zu einem unbewussten Vorbild für das Denken, Handeln und sonstige Verhaltensweisen wird.

Über den Führer erfolgt die Identifizierung des Individuums mit den übrigen Massenmitgliedern. Der Führer wird für die Masse zum Ich-Ideal.

Unter dem Ich-Ideal versteht man nach Freud durch die Instanz des Über-Ich unbewusst geprägten Ideale.

Freud führt dazu aus, "Er braucht nur die typischen Eigenschaften dieser Individuen in besonders scharfer und reiner Ausprägung zu besitzen und den Eindruck größter Kraft und libidinöser Freiheit zu machen, so kommt ihm das Bedürfnis nach einem starken Oberhaupt entgegen, bekleidet ihn mit der Übermacht, auf die er sonst vielleicht keinen Anspruch hätte. Die anderen, deren Ich-Ideal sich in seiner Person sonst nicht ohne Korrektur verkörpert hätten, werden dann suggestiv, d.h. ohne Identifizierung mitgerissen."

Allzusehr dem Gedanken verhaftet, dass die Libido eine letzlich sexuelle Kraft für alle Triebe und Antriebe sei, hat Freud Religion und Weltanschauung als treibende Kraft für Massenbewegungen für eine Illusion gehalten, die keine Zukunft hätte. So hat er tragischer Weise die politische Entwicklung in Europa zur Katastrophe hin missverstanden und nicht erkannt.



Rezension: Meister Eckhart

Dr. Gerhard Wehr führt im Rahmen des vorliegenden Büchleins in die Werke Meister Eckharts (1260-1328) ein. Dabei skizziert er in der Einführung u.a. dessen Leben und Werk sowie Aspekte der Mystik und stellt in der Folge eine Auswahl seiner Predigten und Traktate vor.

Die Schriften des Philosophen Meister Eckhart (um 1260- 1328) sind von der Intention getragen, die Einheit des Gerechten und der Gerechtigkeit, Gottes und des menschlichen Geistes zu beweisen und als Gottesgeburt im Menschen - die Wahrheit der Inkarnation Gottes in der Seele - philosophisch zu begründen. Für Meister Eckhart ist Gott so extrem der schlechthin Gute, der Eine, der Absolute, der ganz Jenseitige, das es nicht gelingt über ihn etwas in Erfahrung zu bringen. Alles, was wir ihm an Eigenschaften zuschreiben, kommt ihm wohl eher nicht zu. Sofern besteht die Theologie in erster Linie aus negativen Aussagen. Für den Philosophen ist dieser völlig jenseitige Gott eine "ungenaturte Natur". Die Gottheit ist zu unterscheiden von der "ungenaturten Natur". Die urprüngliche Gottheit ist aufgrunddessen, dass ihr auch das Prädikat des Sein an sich nicht beigelegt werden kann, wie der Abgrund des Nichts. Damit die Gottheit sich offenbaren kann, muss sie sich erst bekennen, gewissermaßen das "Wort sprechen". Auf diese Weise wird aus der Gottheit der dreieinige Gott des Christentums. Die Gottheit teilt sich in eine Subjekt und ein Objekt. Das Subjekt ist Gottvater, das Objekt ist der Gottessohn. Der Heilige Geist ist das Band der Liebe, das Vater und Sohn verbindet.

Der zweite große Gedanke reflektiert die mystische Lehre von der Einheit Gottes und der Menschenseele. Die Seele ist nach dem Ebenbild Gottes geschaffen und insofern nach Meister Eckhart ebenfalls dreieinig. Sie begründet sich durch die drei Seelenkräfte des Erkennens, Zürnens und Wollens. Diesen Seelenkräften sind die drei christlichen Haupttugenden Glaube, Liebe und Hoffnung zugeordnet. So wie über dem dreieinigen Gott die ursprüngliche Gottheit steht, thront über den drei Seelenkräften der göttliche Funke. In besagtem Funken wohnt nur Gott mit seiner göttlichen Natur.

Der dritte Grundgedanke von Eckharts Mystik liegt in der Selbstäußerung und dem Aufgehen in Gott begründet. Man kann nur dann mit Gott eins werden, wenn man sich von der Sünde lossagt, weil diese uns generell von Gott trennt. Ziel ist es Gelassenheit, innere Gelöstheit und Abscheiden von allen irdischen Dingen und schließlich vom eigenen Selbst zu erlangen, seinen eigenen Willen aufzugeben und im Willen Gottes aufzugehen. Wenn die Seele diesen Zustand erreicht, dann wird sie Gott gleich.


Die Seele erkennt, dass alles außer Gott nicht bloß wertlos ist, sondern gewissermaßen nichts ist, dass alles nur existieren vermag, wenn es in Gott ist. In diesem Zustand erhebt sich die Seele über Raum und Zeit. Sie erkennt, dass das allem zugrundeliegende Wesen auf keinen Fall zeitliche Vergänglichkeit ist, sondern ewige zeitlose Gegenwart. Jetzt! Aber sie erkennt auch die allem zugrunde liegende ewige Notwendigkeit, selbst im Erlösungsprozess, durch welche die Seele in Gott eingeht.


Die Texte Meister Eckharts sind von großer geistiger und religiöser Tiefe und sprachlich auf höchstem Niveau. Auf jeden Fall lesenswert.



Rezension: Von der Liebe , Freundschaft und Feindschaft

Dieses Buch habe ich mit großem Interesse am Wochenende gelesen, weil der griechische Philosoph und Schriftsteller Plutarch zu meinen erklärten Lieblingen zählt. In der Einleitung wird man über die Herkunft und Geburt, die Jugend und Ausbildung des 45 n.Chr. geborenen Denkers informiert und erfährt danach auch alles Wesentliche über sein Leben und seine Werke.

Anschließend kann man sich mit folgenden Texten näher befassen:

-Wie man den Schmeichler vom Freund unterscheiden kann
-Wie man von seinen Feinden Nutzen ziehen kann
-Von der Menge der Freunde
-Von der Bruderliebe
-Über die Liebe zu den Kindern
-Von Neid und Hass
-Trostschreiben an seine Gattin
-Gespäch über die Liebe
-Liebesgeschichten

Da die Liebe, wie Platon schon sagte, blind für den Gegenstand der Liebe macht, ist es nach Plutarch sinnvoll sich mit der Selbstliebe zu befassen, um Schmeichlern den Boden für Manipulationen zu entziehen. Der Philosoph betrachtet in seinem diesbezüglichen Text Freundschaft von seinem Beginn an, um den Freund vom Schmeichler unterscheiden zu können. Ein Schmeichler appelliert an unsere Selbstliebe, um für sich Vorteile zu beschaffen, während der Freund dies niemals tun würde. Besonders im Betragen des Schmeichlers gegen andere Freunde, lässt sich der immense Unterschiede zum Freund erkennen. Ein falscher Freund, ein Schmeichler also, hat immer Neid auf andere Freunde, weil er Angst um seine Vorteile hat. Wie so oft teile ich auch hier mal wieder Plutarchs Meinung, der in all seinen Texten zeigt, dass er ein großer Menschenkenner war.

Plutarch fragt in der Folge, wie man von seinen Feinden Nutzen ziehen kann. Eine interessante Frage, wie ich finde. Der Philosoph verdeutlicht, dass ein Feind sich hauptsächlich an unsere Fehler hält und diesen nachspürt. Alles, was krankhaft, schlecht und leidend an uns ist, zieht den Feind an. "Er eilt voll Hass demselben zu, packt es an und zerfleischt es." Plutarch macht klar, dass ein solches Verhalten uns im Grunde nützt, weil wir durch das Verhalten des Feindes lernen besonnener und überlegter zu handeln. Der Feind macht uns, ohne es zu wollen, zu einem besseren Menschen, indem wir ihm den Boden für jeglichen Angriff entziehen. Am Ende steht er, geächtet von allen, als übler Intrigant da, aber nur dann, wenn man bereit ist, durch entsprechend lauteres Verhalten Nutzen aus dem Gehacke eines Feindes zu ziehen. Das funktioniert immer, wenn man sich bemüht, seine Mitmenschen gerecht und liebevoll zu behandeln.

In der Schrift "Wie man Schmeichler vom Freunde unterscheiden kann, lässt Plutarch Diogenes sagen: "Wer dem Verderben entgehen will, muss entweder echte Freunde oder heftige Feinde besitzen. Die einen halten durch Ermahnungen die anderen durch Schmähnungen von Verfehlungen ab."

Im Kapitel über Neid und Hass macht Plutarch deutlich, dass sich neidische Menschen durch das vermeintliche Glück ihrer Mitmenschen gekränkt fühlen und deshalb aus anderen Motiven unangenehm agieren wie Menschen, die hassen und aus dieser Leidenschaft heraus Böses tun. Ein neidischer Mensch ist, folgt man Plutarchs Gedanken, niemals so bösartig wie ein hassender. Wirkliche Niederträchtigkeiten hat man stets nur von hassbesetzten Menschen zu erwarten. Das sehe ich auch so.

Plutarchs Reflektionen über die Liebe haben mir gefallen. Ich möchte eine bemerkenswerte Stelle zitieren, die mich an Dumas "Kameliendame" denken lässt: "In der wahren Liebe ist so viel Enthaltsamkeit, Sittsamkeit und hingebende Treue, dass sie selbst eine noch ungereinigte Seele, die sie ergreift, von anderen Liebhabern abzieht" und ihr Scham, Schweigsamkeit und züchtige Haltung einflößt. Auch hier stimme ich Plutarch zu. Liebe ist immer auch Läuterung.

Der große Philosoph empfiehlt zu lieben, weil uns aktives Lieben vor Fehlern behütet. Er spricht in diesem Zusammenhang von der Ehe, aber ich denke seine Empfehlung ist in allen zwischenmenschlichen Beziehungen sinnvoll.


Ein Buch, das ich sehr gerne empfehle.

Rezension: Arthur Schopenhauer - Das große Lesebuch

Nach einer sehr erhellenden Einführung des Philosophen Rüdiger Safranski in das Werk des Philosophen Arthur Schopenhauer hat man im vorliegenden Lesebuch Gelegenheit, sich in eine Auswahl der Texte des Denkers aus dem 19. Jahrhundert zu vertiefen.

Safranski untergliedert in:
Frühe Erfahrungen
Inspirationen, Ideen (Im Tagebuch)
Grundgedanken
Die Ansicht des Lebens
Stufen der Verneinung
Der Sinn und die Sinne des Schönen
Der Mensch - Das metaphysische Tier
Die Metaphysik der Geschlechtsliebe
Über die Grundlagen der Moral
Zur Lebenskunst
Schopenhauer über sich selbst

Schopenhauer, Hauptvertreter des Pessimismus, knüpfte an Kants Unterscheidung von Erscheinung und Ding an. Soweit ich begriffen habe, ist ihm die gesamte Welt Erscheinung, in der sich das Ding an sich, das er als sinnfreien Daseinsdrang interpretiert, festmacht. Der Wille ist offensichtlich in der Lage sich auf höherer Ebene sich als böse und unvernünftig zu durchschauen und von seinem Drang zu erlösen.

Das passiert in der Kunst als auch im Handeln aus Mitleid. Insgesamt ist es aber offenbar nur möglich seinen Daseinsdrang durch Suizid und den Übergang ins Nichtsein auszulöschen.

Auf die vielen Texte im Buch näher einzugehen ist im Rahmen einer Rezension nicht möglich. Erstaunt haben mich die Jugendgedichte, die den Philosphen in ihm bereits erkennen lassen.

Über einzelne Sentenzen in der Folge musste ich länger nachdenken. Er sagt u.a.: "Damit der Mensch eine erhabene Gesinnung in sich halte, seine Gedanken vom Zeitlichen auf das Ewige richte, mit einem Wort, damit das bessere Bewusstseyn in ihm rege sey, ist ihm Schmerz, Leiden und Misslingen so nothwendig, wie dem Schiffe der es beschwerende Balast, ohne welchen es keine Tiefe ermisst, ein Spiel der Wogen im Winde keinen bestimmten Weg gehet und leicht umschlägt."

Ich möchte bezweifeln, dass eine erhabene Gesinnung nur durch entsprechende Negativerfahrungen möglich ist. Ganz im Gegenteil, zu viel Schmerz, Leiden und Misslingen, lässt Menschen verbittern und gallig werden.

Schopenhauers Pessimismus finde ich furchtbar: "Das Leben gleicht einer Seifenblase, die wir so lang als möglich erhalten und aufblasen, doch mit der festen Gewissheit, dass sie platzen wird." Ich denke, das Leben ist weitaus mehr als eine Seifenblase: Sie wird es nur dann, wenn man sie nicht mit gelebtem Leben füllt.

Sehr interessant ist das Kapitel: "Über die Grundlagen der Moral". Hier stimme ich Schopenhauer in allen Punkten zu, was die Prämissen anbelangt, die die Voraussetzung für Beweisführung sind.

"Keine Handlung kann ohne zureichendes Motiv geschehen; sowenig, als ein Stein ohne zureichenden Stoß oder Zug sich bewegen kann." Ähnliches hat Seneca schon gesagt, soweit ich mich erinnere und stimmt mit meinen Beobachtungen überein.

Es gibt, so sagt er an anderer Stelle, nur drei Grundtriebfedern der menschlichen Handlungen:

a) Egoismus, der das eigene Wohl will (ist grenzenlos)
b) Bosheit, der das fremde Wehe will (geht bis zur äußersten Grausamkeit)
c) Mitleid, welches das fremde Wohl will (geht bis zum Edelmut und zur Großmut)

Über dieses Phänomen reflektiert Schopenhauer auf subtile Weise. Hier lohnt es sich im Anschluss mit Dritten den Denkinhalt zu diskutieren, speziell, was dies in der Konsequenz bedeutet.

Ein interessantes Lesebuch, sehr gut ausgewählte Texte, die ich gewiss noch oft zur Hand nehmen werde.

Rezension:Wenn Du mich wirklich liebst: Die häufigsten Beziehungsfallen und wie wir sie vermeiden (Taschenbuch)

Die Psychologin Julia Onken lotet in diesem Buch die häufigsten Ursachen aus, die in Beziehungen zu Ärger, Verdruss oder gar Trennung führen. Sie zeigt, wie man besagte Beziehungsfallen geschickt umgeht und sich auf diese Weise eine angenehme Zeit beschert. Wie immer illustiert die Autorin ihre Erkenntnisse mit Beispielen und stellt es im vorliegenden Buch dem Leser anheim Testfragen zu beantworten, die ihm, sobald er - jeweils rückseitig- die Antworten dazu liest, aufzeigen, wo er sinnvoller Weise an sich arbeiten möge. Onken verdeutlicht, dass Liebe nur dort gedeihen kann, wo sich eine Brücke zwischen zwei Menschen ausspannt. Sobald man zu nah aufeinander rückt, kracht allerdings der Spannungsbogen zusammen. Das Motto lautet: Deine Welt ist nicht meine Welt.
Jeder bleibt in einer Beziehung ein selbstverantwortliches Wesen, das sich eigene Aktivitäten, eigene Lebensgestaltung und individuelle Entwicklung zugestehen sollte. Der Sinn der Partnerschaft, so Onken, liegt darin durch die Auseinandersetzung mit der anderen Person inneren Reichtum dazu zu gewinnen und seinen Handlungsspielraum zu vergrößern, nicht aber seinen Wahrnehmungsspielraum und Aktionsradius einzuschränken. Sehr witzig ist Onkens Analyse zum Thema Auto und Fahrweise. Die unterschiedlichen Sichtweisen, die sich in der Regel bei Männern und Frauen auftun, sorgen offenbar nicht selten für Auseinandersetzungen, die sich durchaus vermeiden lassen.


Diskussionen um die Finanzen haben nicht selten tiefere Ursachen. Zumeist will sich einer der beiden Partner der Verantwortung entziehen und nicht erwachsen werden. Es ist grundsätzlich falsch davon auszugehen, dass ein anderer für einen sorgen und aufkommen soll, ebenso falsch, wie zu meinen, man könne diese Aufgabe für einen anderen erledigen. Desweitern ist es absurd zu glauben man könne Harmonie in der Partnerschaft wie ein Produkt herstellen. Man sollte sich darüber klar werden, dass das krampfhafte Bemühen Harmonie erzeugen zu wollen auf direktem Weg dorthin führt, was man vermeiden möchte, nämlich Disharmonie.


Misstrauen dem "Du" gegenüber ist immer fatal. Wer davon ausgeht, vom Partner hintergangen zu werden, hat ein angeschlagenes Selbstwertgefühl und rechnet damit, durch einen beliebigen Menschen ersetzt werden zu können. Wer sich selbst so gering schätzt, kann auch durch Treuebeweise des Partners nicht geheilt werden.

Onken betont, dass Selbstentwertung ein ernst zu nehmendes Thema ist, weil mangelndes Selbstwertgefühl in einem schlechten Selbstbewusstsein zum Ausdruck kommt. Man achte, dass Liebe sich darin zeigt, das "Du" als eigenständiges Wesen zu respektieren, dem man zugestehen muss, dass es seine Vorlieben pflegt, egal in welche Richtung sich diese bewegen. Beide Partner sollen ihren persönlichen Lebensplan erkennen und die damit verbundenen Aufgaben in Angriff nehmen. Verhaltensänderungen des anderen dürfen nicht als Liebesbeweis eingefordert werden. Wem das Verhalten des Gegenübers nicht passt, muss sich trennen.


Weitere Themen des Buches sind Offenheit in Beziehungen und deren Grenzen, Psychoterror(ganz schlimm!!!), Nörgerlei (auch nicht lustig), die lieben Schwiegereltern, der Seitensprung (ausführlich und sehr gut abgehandelt in Onkens Buch " Die Kirschen in Nachbars Garten"), Sex, die Schwierigkeiten, die durch Ex-Gatten und ebensolchen Gattinnen, sowie Stiefkinder entstehen können, sowie ferner die Problemfelder Symbiose und das Schweigen.


In Partnerschaften führt Sprachlosigkeit langfristig in den sicheren Untergang. Wenn man nichts voneinander weiß, ist man auf Projektionen, Fantasien und Interpretationen angewiesen. Wahrnehmungen können nicht überprüft und es können keine Korrekturen vorgenommen werden. Mit der Zeit entwickelt man ein Feindbild vom anderen und deutet all seine Verhaltensweisen in die feindselige Richtung.


Wer sich hinter Schweigen verschanzt muss erkennen, dass dies keine Stärke, sondern Schwäche ist. Die Sprache nicht einzusetzen, so Onken, welche Kommunikation zu anderen Menschen möglich macht und letztlich auch den Zugang zum eigenen Wesen erschließt, ist ein ausgesprochener Mangel und nicht etwa als Zeichen von besonderer Intelligenz, Kompetenz oder der Fähigkeit, über allem zu stehen, zu werten.

Wer Liebe als Lernprozess begreift, findet in diesem Buch interessante Anregungen.
Empfehlenswert.

Rezension:Feindbilder - Psychologie der Dämonisierung. Mit einem Vorwort des Dalai Lama (Taschenbuch)

Die drei Autoren des vorliegenden Buches Haim Omer, Professor für Psychologie an der Universität von Tel Aviv, Nahi Alon, Klinischer Psychologie und Schüler des tibetischen Buddhismus, sowie der Diplompsychologe Prof. Dr. phil Arist von Schlippe befassen sich im Text mit dem Phänomen so genannter Feindbilder. Sie erhellen durch ihre Betrachtungen die Psychologie der Dämonisierung der anderen, die immer wieder zu Disharmonie, Streit und Gewalt führt und zeigen wie man mittels entdämonisierender Strategien destruktive Eskalationen verhindern kann.

Das Vorwort dieses erkenntnisreichen Buches hat Dalai Lama geschrieben, der davon überzeugt ist, dass der Zweck des Lebens darin besteht, glücklich zu sein, man dies aber nur erreichen kann, wenn man sein Leben der Liebe und dem Mitgefühl widmet. Feindbilder und Dämonisierung unserer Opponenten wirken kontraproduktiv im Hinblick auf ein glückliches Leben und sollten von daher nicht kultiviert werden. Was versteht man unter Dämonisierung?

Die Autoren konstatieren, dass damit eine Form der Beschreibung eines anderen Menschen gemeint ist, die diesen in einem zunehmend negativ gefärbten Licht wahrnimmt, bis der andere zu einem "Monster" wird, welches es zu bekämpfen gilt, gegen das man sich mit aller Macht wehren muss. Dämonisierung ist demnach die Haltung einer Person oder einer Gruppe gegenüber einer anderen Person oder Gruppe, die mit Zweifeln beginnt, sich mit Verdächtigungen fortsetzt und mit der scheinbaren Gewissheit über die grundlegende Schlechtigkeit des anderen endet.

Daraus resultieren dann nicht selten entschlossene feindselige oder militante Aktionen. Sofern Dämonisierung in einer Beziehung Einzug hält, entsteht eine Schritt für Schritt negativ werdende Sicht des anderen und ein entsprechendes Verhalten, das im Gegenzug Gegenanschuldigungen nach sich ziehen kann. Misstrauen und Destruktivität sind das Ergebnis, bei dem beide Seiten sich in ihren negativen Einstellungen verbunkern. Die Autoren fragen u.a. wie es dazu kommen kann, dass Menschen sich dergestalt in Konflikte verrennen und Opfer ihrer eigenen Beschreibungen werden können.

Wie ist es möglich Konflikte so weit eskalieren zu lassen, dass man bereit ist, selbst unterzugehen, wenn man damit erreicht, dass dem anderen ein noch größerer Schaden zugefügt wird? Wann trocknet der positive Dialog aus? Die Autoren wissen, "wenn die Furcht, der andere könnte uns verletzen, in das Denken eingedrungen ist, können wir nicht mehr ruhig sein. Unser Denken verarmt und unsere Handlungen werden rigide, damit trocknet der positive Dialog aus." Sind die Prozesse des Vertrauens erst einmal labilisiert, ist der Beginn für dämonisierende Beschreibungen gegeben.

Anhand zahlreicher Fallgeschichten zeigen die Psychologen wie diese Prozesse ablaufen aber auch wie man sie beenden kann. Wichtig ist zu erkennen, dass je akuter und heißer Konflikte werden, man um so intensiver dazu tendiert, die Welt in "wir" und "die andern" zu polarisieren. Die Erkenntnis, dass die Handlungen eines Menschen nicht notwendigerweise Ausdruck seiner guten oder schlechten Eigenschaften sind, kann Empathie auslösen. Mitgefühl ist die Basis dafür dem unheilvollen Dämonisierungsprozess Einhalt zu gebieten. Der andere ist uns ähnlich.

Die Autoren zeigen wie entdämonisierende Dialoge aussehen können und verdeutlichen auch zu welch negativen Ergebnissen destruktives Konfliktmanagement führt. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Beschreibung des Drangs nach totaler Kontrolle seitens der Personen, die von ihren Feindbilder geradezu "besessen" sind. Der Wunsch den "Feind" zu kontrollieren, auszuweisen oder zu eliminieren, lässt keinen klaren Gedanken mehr zu.

Es empfiehlt sich diesen destruktiven Handlungen nicht aggressiv zu begegnen, sondern Entspannungsmaßnahmen einzuleiten. Wie diese aussehen können, zeigen die Autoren ebenfalls an Fallbeispielen. Transparenz und Öffentlichkeit mindern die Gewalt und gestatten Unterstützung für das gewaltlose Lager zu mobilisieren.

Man sollte sich klar machen, dass gewaltloser Widerstand ein kulturelles Produkt ist. Durch Kapitulation oder durch Reden oder durch Besänftigen kann man einem Aggressor nicht Einhalt gebieten. Es funktioniert nur in dem man Grenzen aufzeigt und dem Aggressor begreifbar macht, dass ein Miteinander immer nur dann funktioniert, wenn man sich nicht mit gewetzten Messern gegenübersteht. Es funktioniert letztlich nur, wenn der andere erkennt, dass er mit seiner aggressiv- dämonisierenden Haltung keinen Boden gewinnen kann und außer verbrannter Erde nichts bleibt.

Ein sehr interessantes Buch, das mir aufgrund der vielen anschaulichen Fallbeispiele gefällt. Sie verdeutlichen wirklich sehr gut nachvollziehbar wie negativ dämonische Bewertungen und destruktives Kämpfen sind.

Empfehlenswert, auch um Schuldzuweisungen und deren fatale Folgen innerhalb von Familien zu überdenken.

Sehr empfehlenswert.

Überall im  Fachhandel erhältlich.