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Rezension:Dem Leben Sinn geben: Von der Lebenskunst im Umgang mit Anderen und der Welt (Gebundene Ausgabe)

"Mit dem Verlust der Sensibilität aber verliert der Mächtige die Werte, die ihn so weit gebracht haben. Das Schwinden jeglicher Ethik höhlt die Macht von innen aus, bis ihr etwas von außen entgegenschlägt, das schlimmer ist als aller Hass: Verachtung, die moralische Niederlage ist besiegelt." (Zitat S.259).

Der Philosoph Prof. Dr. Wilhelm Schmid befasst sich in diesem Buch mit Sinnfragen. Diesen nähert er sich in fünf großen Abschnitten, denen stets zahlreiche Kapitel zugeordnet sind, in denen das jeweilige Thema des Abschnitts facettenreich ausgelotet wird.

In besagten Abschnitten geht es um nachstehende Betrachtungen:
Von der Liebe in der Familie
Von der Liebe zu Freunden
Von der Liebe zu Feinden
Von der Liebe zu Wesen und Dingen, zur Welt
Von der Liebe zum Wesen und einem Darüberhinaus

Gleich zu Beginn liest man den Satz "Ein sinnerfülltes Leben ist ein Leben in Beziehung", hält inne und geht dann vielleicht nochmals einige Zeilen zurück, um abermals den Satz "Es scheint das Zueinanderhin zu sein, das Menschen mit Sinn erfüllt, das Voneinanderweg ruft Klagen über Sinnlosigkeit hervor" zu lesen. Ein mutiger Satz in Zeiten der Vereinzelung, in denen Menschen aufgrund von Egoismen ihre Partner, ihre Familien, ihre Freunde ohne große Bedenken verlassen oder sich mit allen Kräften gegen die Gemeinschaften stellen, wenn sie glauben, dass dies ihnen Vorteile brächte und dieses Handlungsmuster zum modernen und einzig richtigen Lifestyle hochstilisieren.

Im ersten Abschnitt hat mir der Beitrag "Liebe und Erziehung: Anleitung zu einem sinnerfüllten Leben" besonders gut gefallen, vielleicht deshalb, weil mir schon immer klar ist, dass eine liebvolle Erziehung die Grundlage eines sinnstiftenden Lebens ist. Erziehung benötigt Beziehung, keine Gleichgültigkeit, so der Autor. Wer lieblos erzieht, stößt auf Ablehnung. Es ist gut, dass Schmid nicht unerwähnt lässt, dass Beziehung Berührung braucht, nicht nur körperliche, sondern auch seelische. Der Philosoph verweist in diesem Zusammenhang auf Joachim Bauer und zitiert aus dessen Buch "Prinzip der Menschlichkeit": Versuche Kinder ohne emotionale Zuwendung, sondern ausschließlich 'rational" oder 'vernünftig' zu erziehen, haben schwere seelische Beeinträchtigungen zur Folge." Auch geistige Berührung durch Austausch von Gedanken und Ideen ist notwendig, wenn Erziehung funktionieren soll. Kinder zu ermutigen, Selbstvertrauen zu entwickeln, lässt diese aufblühen. Wer ewig nur kritisiert und nörgelt, lässt sie dahinwelken und untergräbt deren Kreativität.

Über Geschwisterliebe und Geschwisterhass denkt der Autor nach und sieht auch hier die Notwendigkeit, sich bewusst um eine liebevolle Beziehung zu bemühen. Eltern sollten sich früh um Verteilungsgerechtigkeit, was die Zuwendung anbelangt, bemühen, damit die Beziehungen der Kinder untereinander nicht vom Neid geprägt werden.

 Es ist erstaunlich wie viel psychologisches Wissen Schmid in sein gesamtes Buch eingearbeitet hat und wie klar es für ihn ist, dass die gelebte Liebe in allen Belangen die Grundvoraussetzung für ein sinnstiftendes Leben darstellt. Warum begreifen dies eigentlich nur so wenige Menschen?

Mittlerweile wissen ja nicht wenige Personen, wodurch wir Resilienz erlangen können, die wir für ein erfolgreiches Leben benötigen und doch ziehen viele keine Konsequenzen aus diesem Wissen. Schon sehr seltsam.

Unmöglich, an dieser Stelle die vielen guten Gedanken zu skizzieren, besonders auch zur Freundschaft, aber auch zur Feindesliebe. Interessant sind hier die Frage "Bedürfen Menschen des Bösen?" und die Betrachtungen zum Thema "Von der Sinnlosigkeit, siegen zu wollen." Wie Recht doch B. Gracián hatte als er feststellte: "Ein niederträchtiger Sieg ist kein Ruhm, vielmehr eine Niederlage." Es ist schön, dass Schmid u.a. auch verdeutlicht, dass die Liebe zu den Künsten aller Art und Büchern in jeder Form Teil einer Kunst des Liebens darstellt, aber auch die Liebe zu den Wissenschaften, die sehr viel zur Kulturgeschichte beiträgt, dazugehört. Die Kunst zu lieben, das beherzte Engagement verleiht dem Leben Sinn. Liebe sollte uns bei allem, was wird tun, durchströmen, dann ist das Leben nicht mehr sinnentleert. Einfach ausprobieren......

 Sehr lesenswert.

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Rezension:Vom rechten Maß. 21 Schritte zur Lebenskunst (Gebundene Ausgabe)

Martin Kämpchen, der Autor dieses sehr guten Buches studierte einst in Wien, Paris und Indien. Heute lebt und arbeitet er in Santiniketan (Indien), Kaliimpong (Himalaya) und in Boppard. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass er Übersetzer und Biograf von Rabindranath Tagore ist.

Das Vorwort zum Buch, das einige sehr schöne Illustrationen enthält, die auf den letzten Seiten kurz erläutert werden, hat der Abtprimas des Benediktinerordens Notker Wolf verfasst. Er weist darauf hin, dass dieses Buch kein Ratgeber ist, denn es bietet keine Lösungen an. Stattdessen fordern die Texte dazu auf, unsere Freiheit wahrzunehmen und zu entfalten. Es geht um das rechte Maß. Darin sieht der abendländische Mönchsvater Benedikt die "Mutter aller Tugenden". Wolf begreift das Werk als Buch der Weisheit, in dem der Reichtum von West und Ost miteinander verschmelzen. Diesem Urteil schließe ich mich an, nachdem ich die Texte in den letzten Stunden aufmerksam und mit großer Begeisterung gelesen habe.

Martin Kämpchen erläutert in seiner Einführung, was man unter dem Begriffsbild "Vom rechten Maß" zu verstehen hat. Es geht dabei stets um zwei Gegenstände, Zustände bzw. Lebenshaltungen, die gegeneinander abgewogen werden. Dabei wird deutlich, dass es im Leben kein Entweder-oder, kein Schwarz-Weiß, Positiv-Negativ oder allgemeiner, keine sich ausschließenden Gegensätze gibt. Es geht also um das "Sowohl als Auch". Unsere Aufgabe besteht darin, diesbezüglich stets das rechte Maß zu finden.

Untergliedert sind die geistig sehr bereichernden Texte in drei Abschnitte:

Die Waagschalen auspendeln lassen, um das Maß zu finden
Lebenssattheit ist ein Zeichen, dass wir recht gelebt haben
Zuverlässigkeit ist ein Stück Himmel auf Erden.

 Immer wieder wird dem Leser nahegebracht, wie wichtig es ist, das Maß zu finden, sei es beim Sammeln und Loslassen, Reden oder Schweigen, der Angst und dem Mut etc., etc.. Es ist wohl wahr, wer nicht loslassen kann, hat die wichtigste Lektion des Lebens noch nicht gelernt. Nur wenn man das Prinzip des Loslassens begriffen hat, akzeptiert und für sich lebt, schafft man es, über sich hinaus zu denken und zu fühlen sowie den Tod zu begreifen. Reife Menschen können loslassen und auf diese Weise erahnen, was es bedeutet, uns selbst überwunden zu haben.

 Leider ist es nicht möglich, auf alle Texte im Buch im Rahmen der Rezension einzugehen. Erwähnen möchte ich aber die Betrachtungen zu "Neugier und Lebenssattheit". Nicht Stumpfheit, Apathie und Passivität ist der Gegenpol zur Neugierde, sondern Lebenssattheit. Das wird den ein oder anderen überraschen. Ja, es ist tragisch, wenn sich Neugier niemals beruhigt und man vom Leben selbst im hohen Alter nicht genug haben kann. Alles hat seine Zeit.

 Das sollte jeder begreifen und auch hier das Maß ausloten. An anderer Stelle im Buch lese ich, dass das von der Gier Gesammelte niemanden erfreuen kann, "denn Gier hat nie genug, und inmitten ihrer Opulenz fühlen sich gierige Menschen ärmer" als solche mit maßvollem Besitz. Das konnte ich auch immer wieder beobachten, denn mir sind in meinem nicht virtuellen Leben einige unendlich gierige Menschen begegnet, die unglaublich unzufrieden waren, obschon sie objektiv keinen Grund dazu hatten.

 Alle kreativen Menschen sollten sich bewusst machen, dass der Gegenpol zur Kreativität Gewöhnung darstellt. Wer im Extrem des kreativen Pols verhaftet bleibt, läuft Gefahr, sich in den neuen Räumen seiner Fantasien und Gefühle zu verirren und an kein Ende zu kommen, (vgl.: S.99). Kreativität benötigt Erdung, so der Autor und Gewöhnung ist die Form, in die sich die kreative Energie gießt. Gefallen hat mir in diesem Zusammenhang auch die Definition von Kreativität, die ich hier zitieren möchte: "Kreativität bedeutet die Entbindung von Denkgewohnheiten, von Lebenskonventionen, bedeutet die Rückkehr ins Umgeschaffene, Ungeformte und Unstrukturierte." (Zitat, S.99)

Vielleicht sollte man alte Denkgewohnheiten loslassen, um sich auf dieses Buch mit den klugen Betrachtungen, wie man sich sinnvollerweise innerhalb unterschiedlicher Verhaltenspole bewegt, entspannt einzulassen und wenn man es schafft, sich über den Gedanken:"Begeisterung entsteht also nicht aus Ich-Bezogenheit, sondern sie fegt den Egoismus hinweg. Begeisterung drängt uns, aus unserem Ego herauszutreten." (S.89) zu freuen, dann, so glaube ich, ist man auch dem Weg, der erfahrbar macht, wie man das richtige Maß in allen Dingen findet.

Sehr empfehlenswert.

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Rezension:Was der Körper zu sagen hat: Ganzheitlich gesund durch achtsames Spüren (Gebundene Ausgabe)

"Das Broken-Heart-Syndrom zeigt uns eindrucksvoll, wie eng Psyche und Körper miteinander verwoben sind. Der Zusammenbruch, das Kollabieren eines Teils des Herzens, geschieht im Zustand absoluter Hoffnungslosigkeit. Erst wenn unter Höchststress alle Möglichkeiten ausgelotet sind, kommt es zur Erstarrung und Kollabieren. Nichts geht mehr." (S.213)

Dieses Buch von Dr. Isa Grüber habe ich schon einige Monate in meinem Bestand und habe oft vorm Einschlafen darin gelesen, um mir über einen gewissen Zeitrahmen hin, wirklich Wichtiges bewusst zu machen. Wie kann man ein Trauma eventuell über den Körper auflösen? Das ist eine Frage, die mich seit langem sehr beschäftigt.

Nicht wenige Menschen leiden unter Traumafolgen, ohne dies wirklich zu ahnen. Sie haben bestimmte Symptome, die sie aber nicht mit dem Trauma in Verbindung bringen. Unverarbeitete Traumata bleiben offenbar im Körper gebunden. Dort verursachen sie eine chronische Überregung des Nervensystems. Die Autorin nennt einige Beschwerden, die Traumafolgen sind, z.B. die Neigung, von den eigenen Emotionen überwältigt zu werden, auch Panikattacken und die Unfähigkeit zu entspannen.

Der Körper kennt Wege ein Trauma zu aufzulösen, dazu allerdings ist eine achtsame Körperwahrnehmung notwendig. Man lernt u.a. anhand einer Checkliste eine Vielzahl von Übererregungssymptomen kennen. So etwa ein andauerndes Bedrohungsgefühl, Albträume und die Unfähigkeit, sich zu erholen. Es werden auch Symptome im Zusammenhang mit Übererregung und gleichzeitiger Ohnmacht aufgezeigt. Hierzu zählen Depression, ein fehlendes Gefühl von Verbundenheit mit sich und anderen, die Unfähigkeit um Hilfe zu bitten, dauerhafte Beziehungen zu entwickeln, ein mangelndes Gespür für die eigenen Grenzen und ein fehlendes Vertrauen in das Leben. Genannt werden Strategien, wie Menschen fälschlicher Weise mit diesen Symptomen umgehen. Zu Sprache gebracht werden hier u.a. Arbeitssucht, ständiger Bewegungsdrang, Alkohol, Zigaretten und Essen. Diese Formen der Entladung sind allerdings nur vorübergehend. Erlernt werden muss eine gewisse Selbstregulierung zwischen Anspannung und Entspannung. Man sollte Entspannungsphasen einfach zulassen lernen.

Die Autorin zeigt, wie man ein Gespür für die eigenen Grenzen bekommt, zeigt auch, woran man ein Trauma erkennt und erläutert ausführlich die beiden Arten wie der Körper auf ein Trauma reagiert. Man lernt in der Folge ein Trauma ganzheitlich zu betrachten und zu begreifen, dass es nicht nur das erlebte Ereignis selbst, sondern in erster Linie dessen Auswirkung auf Gehirn und Körper sind. Thematisiert wird, wie man verschiedene Traumata löst und man erfährt, was man tun kann, wenn die Angst kommt, d.h. wie man aus dem Panikkarussell aussteigen kann.

Mittels der körperorientierten Methode Somatic Experiencing (Se)von Dr. Peter Levine, denn um diese geht es bei all dem oben näher Ausgeführten, lernt man Schock- und Traumaerlebnisse aufzulösen und mit Stress anders umzugehen.

Wer kennt sie nicht, die traumatischen Erlebnisse mit ihren vielen unangenehmen Folgen? Es lohnt, mit dieser Methode psychosomatischen Beschwerden die Grundlangen zu entziehen.


Empfehlenswert.

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Rezension: SOS Kinderseele: Was die emotionale und soziale Entwicklung unserer Kinder gefährdet - - und was wir dagegen tun können (Gebundene Ausgabe)

"Eine gebildete emotionale und soziale Psyche macht Kinder und Jugendliche stark. Sie können das Selbstbewusstsein entwickeln,, ihre Fähigkeiten einzusetzen und weiterzuentwickeln, ohne dabei egoistisch und schädigend für andere Menschen vorzugehen." (Michael Winterhoff, S.158).

Der Psychotherapeut Michael Winterhoff befasst sich in seinem klugen Buch mit den Gefährdungen der emotionalen und sozialen Entwicklung von Kindern und zeigt, was man dagegen unternehmen kann. Faktisch belegbar ist, dass es immer mehr Kinder gibt, die gravierende Störungen im Lern-, Leistungs- und Sozialverhalten aufweisen. Zudem scheinen immer mehr Heranwachsende nicht mehr fähig zu sein, einer geregelten Arbeit nachzugehen. Wie es aussieht, liegen die Ursachen in psychischen Fehlentwicklungen.

 Um zu verhindern, dass es in unserer Gesellschaft immer mehr Egoisten, Narzissten und beziehungsunfähige sowie lustorientierte Egoisten gibt, ist es nach Winterhoffs Ansicht, der ich ohne Wenn und Aber zustimme, notwendig, rasch gegenzusteuern.

Offenbar steigen derzeit im Kindergartenalter bei den Kleinen massive motorische und sprachliche Schwierigkeiten an. Die Kinder haben Probleme im Bereich des Lernens und auch im Hinblick auf soziale Kompetenzen. Verzeichnet wird ein Konzentrationsmangel in der Schule wie auch ein Desinteresse an Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Zudem mangelt es an Fleiß und die Kinder begreifen Strukturen und Abläufe immer weniger. Zu allem Überfluss fallen diese Kinder auch noch durch eine ausgeprägte Rücksichtslosigkeit und Leistungsverweigerung unangenehm auf. Für all dies gibt es natürlich Gründe und diese liegen in Beziehungsstörungen mit den Bezugspersonen begründet.

Winterhoff veranschaulicht die Entwicklungsstufen eines Kindes anhand einer kurzen Auflistung und macht deutlich, dass immer dann, wenn in einem bestimmten Alter ein Stillstand eintritt, es eine höhere Stufe der Entwicklung nicht erreichen kann. Das hat zur Folge, dass das Denken und die Wahrnehmung auf einer früheren nicht altersgemäßen Stufe verbleiben.

Man muss sich bewusst machen, wie ein Kind die Welt wahrnimmt und verstehen lernt, dass Kinder die Welt vollkommen anders wahrnehmen als Erwachsene. Viele Erwachsene scheinen das mittlerweile vergessen zu haben, deshalb auch kommt es zu all diesen fatalen Entwicklungsverwerfungen.

Sehr wichtig ist es, in bestimmten Entwicklungsphasen, Abläufe und Strukturen zu erkennen, um sich an Regeln orientieren zu können. Jedem, der ein wenig nachdenkt, wird schnell bewusst, dass Regeln Kinder Stabilität und Sicherheit schenken. Kinder benötigen Regeln und Strukturen, um sich orientieren zu können.

Winterhoff thematisiert sogenannte Denkverbote, um sie auszuhebeln. Es ist völlig klar, dass Kinder Grenzen aufgezeigt bekommen müssen, wenn sie sich zivilisiert entwickeln sollen. Da Höflichkeit, Rücksichtnahme und Respekt nicht angeboren sind, müssen sie erlernt werden und zwar in der Kindheit bereits. Diese erlernten Fähigkeiten sind eine notwendige Bedingung, um ein emotional und sozial ausgereifter Erwachsener zu werden, (vgl.: S.59).

Der Psychotherapeut unterstreicht, dass das Verhalten, das Eltern, Großeltern, Lehrer und Erzieherinnen heute an den Tag legen, das Verhalten der Kinder und Jugendlichen, das diese in zehn, zwanzig und dreißig Jahren als Erwachsene zeigen, maßgeblich beeinflusst. Deshalb auch lautet die entscheidende Frage: "Leisten Erwachsene die Entwicklungsbegleitung über die Beziehung noch heute im ausreichenden Maße? Die Antwort lautet immer öfter: Nein." (S.60).

Wie Winterhoff deutlich macht, mangelt es vielen Kindern an Halt aufgrund von partnerschaftlichen Konzepten der Erwachsenen, die Kinder überhaupt nicht verstehen können. Dadurch kommt es zu einer Unterentwicklung sozialer und emotionaler Kompetenz, die dann bei jungen Erwachsenen zur Unfreiheit führt, also genau zum Gegenteil von dem, was bezweckt worden ist.

Der Autor hält es für bedenklich, wenn Eltern bei ihren Kindern in die Rolle des Hilfslehrers schlüpfen und wenn zwischen Mutter und schulpflichtigem Kind in dieser Beziehung eine Art Symbiose entsteht, so dass die Mutter den Druck, der auf einem Schüler ruht, auf sich bezieht und sie dann so handelt als sei sie das betroffene Kind. Symbiotische Mütter haben keine Distanz und sind für die Entwicklung des Kindes nicht förderlich.

Winterhoff zeigt den Unterschied zwischen Selbstständigkeit und Selbstbestimmung auf. Oft verhalten sich Kindergartenkinder wie Säuglinge, weil die Förderung des sozialen Miteinanders nicht stattgefunden hat, aufgrund einer falsch verstandenen Freiheitsidee der Eltern.

Der Autor ist kein Befürworter autoritärer Erziehungsmethoden, wohlgemerkt, allerdings befürwortet er ein Erziehungskonzept, wonach klare Ansagen gelten und Kinder nicht dem Chaos ausgesetzt werden. Dies finde ich begrüßenswert.

 Damit ein Kind seinem Alter gemäß, lern- und leistungsfähig sein kann, sind mitunter Nachreifeprozesse notwendig. Diese können dann am besten stattfinden, wenn das Umfeld ein ruhiges ist und die Sinneseindrücke das Kind nicht überfordern.

Winterhoff zeigt Wege auf, die aus Kindern starke und selbstbewusste Erwachsene werden lassen, weil sie nicht beziehungsgestört sind. Das Buch leistet einen guten Beitrag zu einem Umdenken in Erziehungsfragen. Das kann man nur begrüßen.

 Empfehlenswert.

Rezension: Nein sagen will gelernt sein-Erfolgreich Grenzen setzen- Gabi Pörner

Die Autorin Dr. Gabi Pörner studierte Psychologie, Pädagogik und Kommunikationswissenschaften und zählt heute zu einer der gefragtesten Coaches in unserem Lande.

In der Einleitung fasst sie kurz zusammen, worum es ihr in ihrem Buch, das viele hilfreiche Übungen enthält, geht. Dann erst beginnt sie mit ihren klugen Betrachtungen und Übungen, die dem Leser helfen, mentale Muster zu erkennen und aufzulösen, wie auch Selbstwert zu entwickeln und bewusst zu leben.

Zunächst stellt Pörner die Frage "Warum Ja und nicht Nein?" und verdeutlicht den langfristigen Preís für das Jasagen. Hier listet sie eine Reihe von Punkten auf u.a. auch jenen, dass wir durch das Jasagen unsere eigenen Grenzen übergehen, uns überfordern, in Dauerstress gelangen und langfristig krank werden können und dass die Motivation, Kraft, Energie, aber auch die Lebensfreude sinken und man dabei Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein sowie Selbstachtung verliert. Genannt werden allerdings auch die kurzfristigen Gewinne fürs Jasagen, bevor die Übungen beginnen.

Verdeutlicht wird, was geschieht, wenn man zu sich selbst steht, sich abgrenzt und klar gemacht wird auch, weshalb Selbstverantwortung das grundlegende Prinzip für ein erfolgreiches Leben ist. Dargelegt wird zudem, was man unter Zielklarheit versteht und wodurch sich klar definierte Ziele auszeichnen. Pörner macht bewusst, weshalb man ja sagt, obschon man nein sagen möchte und macht begreifbar, dass vieles mit bestimmten Glaubenssätzen zusammenhängt. Diese funktionieren wie innere Gesetze und Vorschriften (S.68) und haben nicht wenig mit den vorherrschenden und tradierten gesellschaftlichen Werten und Normen zu tun.

Pörner listet eine Reihe häufig vorkommender persönlicher Glaubenssätze auf und lässt den Leser dadurch hellhörig werden. Anschließend zeigt sie, zu welchem Verhalten bestimmte Glaubenssätze konkret führen und was diese verhindern. Verdeutlicht wird wie der jeweilige Glaubenssatz äußerlich und innerlich wirkt. Nur derjenige, der sich seine Glaubenssätze bewusst macht, kann sie verändern und auf diese Weise auch verändert sich die eigene Welt. Glaubenssätze reduzieren die Realität, schreibt Pörner und sie verhindern, dass wir zur Ruhe kommen. Sie führen weg von uns selbst und verhindern, dass wir den gegenwärtigen Augenblick erleben, (S.84). Anhand eines Testes kann man feststellen, welchen Glaubenssätzen man unterliegt und was dies für uns bedeutet.

In der Folge dann lernt man Blockaden zu lösen und Glaubenssätze zu verändern. Auch hier kann wieder geübt werden. Durch solche Übungen macht man sich Sachverhalte erst richtig bewusst und schafft es auch, Blockaden zu lösen. Es führt leider zu weit,  im Rahmen der Rezension auf Details einzugehen. Wichtig ist es, auf die Forderungen des inneren Kritikers zu achten, zu ermitteln, was er möchte, woher er kommt, woran man ihn erkennen kann und in erster Linie, wie man konstruktiv mit ihm umgeht und sich durch ihn nicht schwächen lässt.

Ich habe einige Bücher zum Thema Burn-out gelesen und auch rezensiert, aber noch nirgendwo so präzise aufgezeigt bekommen, wie die fünf Phasen, die zum Burn-out führen, gestaltet sind. Nach Ansicht Pörners ist Burn-out weit mehr als ein geistiger, emotionaler und körperlicher Erschöpfungszustand. Klar aber ist, dass er sich dadurch ausdrückt, dass die Kräfte des Menschen völlig erschöpft sind und man spürt, dass man nicht mehr kann.

Burnout ist ein Problem zumeist sehr intelligenter Menschen, die über eine hohe Leistungsbereitschaft verfügen und sich selbst ausbeuten. Hinterfragt werden muss, das ewige Jasagen und es muss wieder eine Verbindung zu sich selbst hergestellt werden. Pörner macht klar, weshalb intakte Grenzen wichtig sind, auch wie man merkt, dass man an seine eigenen Grenzen stößt und wie man mit den Grenzen anderer umgeht. Sie erläutert sehr gut, was innerlich geschieht, wenn man sich gegenüber anderen abgrenzt.

Man erfährt im Buch auch wie wichtig Akzeptanz im Zusammenhang mit dem eigenen Befinden ist. Sie stellt die Grundlage proaktiver Veränderungen und den Beginn für neue Entwicklungsprozesse dar.

Nach Ansicht der Autorin geht es darum, eine Situation umfassend anzunehmen und mit ihr auch die unliebsamen Gefühle, die Empfindungen, Gedanken und Handlungen als auch die Annahme der eigenen Grenzen und Begrenztheit unseres eigenen menschlichen Daseins, (S.166). Man kann nur das ändern, was in der eigenen Macht steht, alles andere muss man akzeptieren, hat aber die Chance seine persönlichen Konsequenzen daraus zu ziehen.

Neben Akzeptanz ist auch Achtsamkeit wichtig, denn durch beides ändern sich Gedanken und Gefühle, lösen sich Spannungen, gewinnen wir Abstand zu bestimmten Gedanken, Gefühlen und Empfindungen und können besser mit Stress umgehen. Wie das funktioniert, erlernt man im diesem Buch ebenso, wie das Stärken der inneren Kraftquellen und des Selbstvertrauens. Bis zum Ende des Buches warten immer wieder Übungen auf den Leser, der stets besser lernt nein zu sagen und Konflikte erfolgreich zu lösen.

Pörner zeigt nicht zuletzt, wie man Manipulationsversuche anderer erkennt. Gibt man einem Manipulator immer wieder nach, so belohnt man ihn. Er weiß, auf welche Weise er seinen Willen durchsetzen kann. Er testet immer wieder aufs Neue unsere Grenzen und schaut wie weit er gehen kann. Je mehr Macht man ihm einräumt, umso leichter ist das Spiel für ihn, (S.247). Wir sollten achtsam sein und genau analysieren, wo wir manipulierbar sind. Genau dort nämlich müssen wir an uns arbeiten.

Mitgefühl mit sich selbst sollte man lernen, wenn man sich vor einem Burn-out schützen will und man sollte auch vergeben können und eine dynamische Balance von Ja und Nein schaffen. Wie das geht, zeigt Dr. Gabi Pörner in ihrem wirklich klugen Buch allen, die den Wunsch haben, neue Wege zu gehen, um wieder freier atmen zu können.

Sehr empfehlenswert.

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Rezension:Kleine Schule der Emotionen: Wie Gefühle uns bestimmen und was unser Leben lebendig macht (Gebundene Ausgabe)

Der von mir hoch geschätzte Benediktinermönch Pater Anselm Grün hat in diesem Jahr erneut eine große Anzahl von Büchern vorgelegt. "Kleine Schule der Emotionen" ist eines davon. Es erinnert mich ein wenig an Texte antiker Philosophen, zeitgleich aber auch an Bücher kundiger Psychologen aus dem Hier und Jetzt.

Pater Anselm reflektiert die Gefühle Angst, Antipathie, Ärger, Beleidigtsein, Bitterkeit, Eifersucht, Ekel, Emotionale Dürre, Enttäuschung, Ergriffenheit, Feindseligkeit, Freude, Gelassenheit, Gier, Gleichgültigkeit, Glück, Hass, Heiterkeit, Hoffnung, Kränkung, Kummer, Langeweile, das Gefühl der Leere, Liebe, Lust, Mitleid, Neid, Ohnmacht, Rachsucht, Resignation, Reue, Schadenfreude, Scham, Schuldgefühl, Sehnsucht, Sorge, Staunen, Stolz, Zufriedenheit, Trauer, Überraschung, Vertrauen, Verwirrung, Verzweiflung, Vorfreude, Zorn und Wut, Zuversicht. Dabei lädt er den Leser ein, all diese Gefühle zu überdenken und sich ihre Sinns bewusst zu werden.

Heute vor 75 Jahren fand die sogenannte Reichskristallnacht statt. Mit diesem fürchterlichen Ereignis begann die systematische Vertreibung, Enteignung und Vernichtung der Juden. Der Hetzredner Goebbels appellierte zuvor immer und immer wieder an die Gefühle Neid, Gier, Schadenfreude und Hass seiner Zuhörer und brachte auf diese Weise große Teile der deutschen Bevölkerung dazu, den Juden gegenüber feindselig, zornig und wütend und auch gleichgültig zu sein. Dieses emotionale Klima wurde von dem Nazí-Gesindel bewusst herbeigeführt, um sich an den Juden zu bereichern und schließlich sechs Millionen Menschen zu ermorden, um sich deren Besitz endgültig anzueignen. Das Nazí-Gesindel nutzte bestimmte Gefühle der Menschen im Land der Dichter und Denker und schürte diese ganz gezielt, um ihre perfiden Pläne durchsetzen zu können.

Woran es vielen Deutschen mangelte war Mut, Mitgefühl, zudem scheint bei vielen eine emotionale Dürre vorgelegen zu haben, deren Ursache meines Erachtens in den Erziehungsmethoden des Wilhelminischen Reiches zu suchen ist.

Es gibt Menschen, die nichts mehr empfinden können, schreibt Pater Anselm in seinen Betrachtungen zur "Emotionalen Dürre". Solche Menschen sind im Blick auf andere unempfindlich. Solche Menschen hören nur die Worte, aber sie haben keinen Zugang zu den Gefühlen anderer. Nicht selten wollen solche Menschen andere verletzen und sprechen voller Verachtung von jenen, die diesen Gefühlsmangel nicht haben. Sie lenken, so Pater Anselm, mit ihrem Tun von ihrer emotionalen Dürre und Unempfindlichkeit ab, (vgl.: S. 42).

 Der Benediktinermönch zeigt in seinem Buch, wie man einzelne Gefühle positiv zu nutzen vermag, wie man dadurch, dass man sich der Gefühle bewusst wird, sie zur positiven Veränderung der eigenen Persönlichkeit einsetzen kann.

 Ich empfehle allen, nicht nur die Lektüre des hervorragenden Buches von Pater Anselm, sondern zum heutigen Tage den bemerkenswerten Beitrag von Wikipedia "Novemberpogrome 1938" zu lesen, sich eventuell der eigenen emotionalen Dürre bewusst zu werden oder auch zu erfühlen, welche Ängste, Einsamkeit, Enttäuschung, Kränkung, welche Ohnmacht, welchen Kummer und welch unsägliche Trauer all diese geschunden Juden erlitten haben, bevor man sie ermordet hat.

Unsere Aufgabe besteht darin, sich unserer Gefühle bewusst zu werden und unsere emotionale Intelligenz als auch unsere emotionale Kompetenz zu schulen, damit wir nicht in die Fänge von Hetzrednern geraten. Dazu eignet sich Pater Anselms Buch ganz hervorragend.

Dieser kluge Autor schreibt "Achten Sie beim Lesen meiner Gedanken immer auf die eigene Reaktionen in Ihrem Herzen."

 Ja, das sollte man.

Fragen Sie sich: Was empfinde ich, wenn ich das Leid anderer sehe? Was empfinde ich, wenn ich auf der Straße sehe, wie eine Mutter ihr Kind verprügelt? Gleichgültigkeit? Schadenfreude? Mitgefühl? Wie steht es um die eigenen sozialen Fähigkeiten? Ducke ich mich weg?

Sehr empfehlenswert.

Rezension:Erfolgreich streiten: Wie man seine Ziele durchsetzt und trotzdem alle gewinnen. Mit der Tit-for-Tat-Strategie. (Gebundene Ausgabe)

Dies ist das zweite Buch des Diplompsychologen Dr. Karl Werner Ehrhardt, das dieser gemeinsam mit Dr. Thomas Schneider auf den Weg gebracht hat und ich nun mit großer Neugierde gelesen habe. In diesem Werk erlernt man eine neue Streitkultur, bei der es keine Verlierer mehr gibt.

Die Tit-for-Tat-Strategie der beiden Autoren basiert auf einem wissenschaftlichen Computerprogramm für Konfliktlösungen. Die Autoren haben dieses Programm an philosophische und psychotherapeutische Erkenntnisse gekoppelt und auf diese Weise eine Tit- for-Tat-Strategie für den Alltag entwickelt. Um diese Strategie erfolgreich umzusetzen, ist es notwendig, dass man zehn Streitregeln beherrscht. Diese werden im Buch sehr gut erläutert.

Bevor ich auf diese Streitregeln in der Rezension eingehe, möchte ich kurz die neun Stufen eines jeden Konflikts auflisten, die der Wiener Konfliktforscher Friedrich Glasl näher beschreibt und die man hier im Buch nachlesen kann. Ich finde die Beschreibung überaus erhellend, weil sie klar macht, dass der klassische Ablauf eines Streites nur Zerstörung und Untergang zum Ergebnis hat.
Stufe 1: Verärgerung, Verstimmung, Verhärtung 
Stufe 2: Debatte, Streit, Polemik 
Stufe 3: Taten statt Worte 
Stufe 4: Koalitionsbildung 
Stufe 5: Öffentliche Demontage bis zum totalen Gesichtsverlust
Stufe 6: Direkte Drohungen 
Stufe 7: Begrenzter Schaden 
Stufe 8: Zerstörung
Stufe 9: Gemeinsam in den Untergang. 

Kein Mensch mit Verstand kann Derartiges wollen und doch geschieht es Tag für Tag. Es macht von daher viel Sinn,  sich den Vorteil der Tit-for-Tat-Regeln klar zu machen und sie auch anzuwenden, nicht nur bei Standartkonflikten und den Lieblingsstreitthemen der Deutschen sowie der Menschheit, aber dort möglichst immer.

Die Autoren nennen fünf typische Streitgründe und erläutern diese näher. Die Streitgründe sind untergliedert in:
-nicht erfüllte Bedürfnisse 
-nicht gelebte Werte 
-nicht erreichte Ziele und Ziel-Ziel-Konflikte
-Zeitnot und Stress
-Rollenkonflikte

Hat man sich Streitgründe und den klassischen Streitverlauf erst einmal bewusst gemacht, erkennt man, wie notwendig das Erlernen einer neuen Streitstrategie ist. Vorab sollte man sich aber auch klar machen, weshalb wir unter Umständen Angst vor Streit haben und wieso es wichtig ist, gesunde Aggressionen von Aggressivität und Feindseligkeit zu unterscheiden.

Mittels einer gesunden Aggression kann man seine emotionale Power leben, ohne dadurch andere vernichten zu wollen. Dies zu wissen, erscheint mir wichtig.

Wie bereits erwähnt setzt sich die Tit-for-Tat-Strategie aus zehn Elementen zusammen. Ich werde diese zehn Elemente an dieser Stelle nicht alle aufführen, denn ich möchte die Neugierde auf das Buch nicht dadurch mindern, dass ich die Hauptelemente hier ausplaudere.

Alle zehn Regeln werden in einzelnen Kapiteln und anhand von Beispielen genau erläutert, so dass man den Vorteil der Gesamtstrategie bei Konfliktlösungen sehr gut erkennen kann. Sollte eine Gegenüber nicht Tit-for–Tat–fähig sein, so die Regel Nummer 10, sollte man dies akzeptieren und die Beziehung beenden.

Mich überzeugt all das, was die Strategie beinhaltet. Sie in Konflikten einzusetzen,  ist zumindest einen Versuch wert. Ich bin schon immer davon überzeugt, dass Beziehungen jedwelcher Art nur dann gelingen, wenn es eine langfristige Ausgeglichenheit von Geben und Nehmen gibt und meine auch, dass man stets- auch im Streit- niemals das Positive einer Beziehung vergessen sollte.

Sehr empfehlenswert.

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Rezension:Wenn gut nie gut genug ist: Wie man sich gegen Perfektionisten wehrt (Gebundene Ausgabe)

Prof Dr. Neil J. Lavender und Prof Dr. Alan Cavaiola sind die Autoren dieses exzellenten Buches, das aufzeigt, wie man sich gegen Perfektionisten erfolgreich zur Wehr setzt.

Untergliedert ist das Werk in zwei Teile:
Zwanghafte Perfektionisten verstehen
Praktische Strategien entwickeln

Zunächst zeigen die Autoren, wie man zwanghafte Perfektionisten erkennt und beschreiben Arten und Unterarten dieser Personengruppe. Die Rede ist von den Pflichtbewussten, den Puritanischen, den Bürokratischen, den Knausrigen, den Zaudernden, den Elitären, den religiös Fanatischen und den von Berufs wegen Perfektionistischen.

Nach Ansicht der beiden Professoren hier im Buch ist das Verhalten von Perfektionisten gestört. Ursachen dafür sind in der Kindheit zu suchen, wenn beispielsweise stark kontrollierende Eltern die Eigeninitiative ihrer Kinder unterbinden. Perfektionisten sind in der Regel nicht kreativ und letztlich angstbesetzt.

Neben dem Faktor Erziehung spielen auch irrationale Überzeugungen und Umweltfaktoren eine Rolle. Man lernt zwanghaft-perfektionistische Persönlichkeiten in drei Umgebungen kennen. Diese werden im Buch beschrieben. Die Autoren skizzieren sehr gut das Aussehen, das moralische Verhalten und die Zuverlässigkeit eines solchen Zwangscharakters. Viele werden zunächst erst einmal meinen, ein solcher Mensch sei doch eigentlich begehrenswert und werden schnell eines anderen belehrt, denn wie man in der Folge erfährt, sind diese Menschen emotional unterkühlt, zudem sind sie überkritisch und nörgeln pausenlos am Gegenüber herum.

Das A und O dieser Zwangscharaktere ist Kontrolle und das Unerträglichste für einen solchen Menschen ist Kontrollverlust. Diese Personen sind in der Regel detailbesessen und wenig flexibel. In der Gesamtbeschreibung empfinde ich solche Zeitgenossen als Alptraum und bin froh, dass ich niemals mit einem solchen Menschen habe in  einer Wohnung gemeinsam leben müssen.

Man erfährt, auf welche Weise Perfektionisten das eigene Leben prägen können und wie erschreckend sich dies auf die Gefühle und das Denken der Betroffenen auswirken kann. Zwanghafte Perfektionisten versuchen auf ihre Umwelt dauernd Druck auszuüben. Alle sollen sich letztlich ihrer Kleinkariertheit unterwerfen. Das allerdings darf man nicht zulassen. Eine schwarze Spinne es harmlos im Verhältnis zu einem solchen Zwangsgestörten.

Sehr gute Hilfe bietet der 2. Abschnitt: Man muss erkennen, dass sich zwanghafte Perfektionisten nicht ändern lassen. MERKSATZ: Es handelt sich um Getriebene, die ständig andere kontrollieren wollen und ihnen die Perfektion, zu der sie selbst nicht in der Lage sind, abverlangen möchten. Hier hilft nur ein klares Nein.

Notwendig ist es Grenzen aufzuzeigen und das eigene Selbstwertgefühl zu stärken. Dazu bieten die Autoren sehr gute Übungen an. Gezeigt wird auch, wie man mit solchen persönlichkeitsgestörten Menschen besser kommunizieren kann, speziell am Arbeitsplatz, wo man diesen leider Personen nicht immer aus dem Weg zu gehen vermag.

Ich empfehle dieses Buch allen, die mit solchen Gestörten zu tun haben. Meine aufrichtige Anteilnahme gilt jenen, die aus welchen Gründen auch immer, mit solch einer Person zusammenleben müssen. Das ist Vorhölle. Eindeutig.

Empfehlenswert.

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Rezension:Woher kommt die Liebe?: All unsere klugen Gefühle - von Angst bis Vertrauen- Claus Peter Simon

"Auge um Auge- und die ganze Welt wird bald blind sein."(M. Gandhi, S.186), 

Claus Peter Simon, der Autor dieses brillant geschriebenen Sachbuches ist der geschäftsführende Redakteur des Magazins GEO WISSEN. Er hat sich bereits vielfach mit Themen aus den Bereichen Entwicklungspsychologie und Lebenslaufforschung auseinandergesetzt und befasst sich in diesem Werk mit unseren Gefühlen. Nach einer mehrseitigen Einleitung fragt er zunächst, wann die Gefühle entstanden sind und weshalb es sie überhaupt gibt.

Emotionen sind, der Autor verschweigt es nicht, die wohl wichtigsten Motoren und Motivationen des Menschen und es verhält sich offenbar so, dass die Menschheit ohne sie, sowohl im Guten wie im Bösen nicht dort stehen würde, wo sie es heute tut. Ohne Neugierde, wäre die Welt nicht erkundet worden, ohne Ärger, würde es vermutlich keine Problemlösungsbereitschaft geben, um zunächst mal bloß auf zwei der vielen Emotionen, die wir unser Eigen nennen, hinzuweisen.

Für die emotionale Menschwerdung ist das komplexe Gefühl der Empathie notwendig. Schon der Neandertaler scheint sie gehabt zu haben, wie man an einem 1,77 Millionen Jahre alten Schädel nachweisen kann. Wie man weiter erfährt, hat sich das Gefühlsrepertoire in der Steinzeit dann noch mehr ausdifferenziert. Vorformen der Emotionen werden übrigens "Präemotionen" genannt. Sie prägen sich dann in Basisemotionen aus. Zu diesen zählen Angst, Freude, Traurigkeit und Ärger, (vgl.: S.25). In der nächsten Stufe dann entstanden die "primären, kognitiven Emotionen". Bei ihnen dann kam es zu einer Bewertung der Basisemotionen. Als Beispiel nennt Simon u.a. den Ärger, der zur Verärgerung oder Frustration führt, (vgl.: S.26).

Simon fragt, ob alle Menschen ähnlich fühlen und bringt die Spiegelneuronen in diesem Zusammenhang zur Sprache. Schon Darwin erkannte übrigens, dass das Mienenspiel als Königsweg zum Verständnis der Emotionen gilt, (S.28). Die Fähigkeit seine Miene zu verändern benötigt man, um in Gefühlskommunikation mit anderen Menschen zu treten und interessanter Weise können Mimik und das vermittelte Gefühl ansteckend wirken.

Man erfährt Wissenswertes im Hinblick auf die Erkenntnisse des Psychologen Richard Davidson, der an tibetischen Menschen Hirnforschungsstudien betrieben hat und liest von sechs Dimensionen, die für den persönlichen emotionalen Stil entscheidend sind. Ein Faktor ist im Übrigen die Resilienz.

Weiter fragt der Autor, ob wir auf Gefühle verzichten können und gelangt zu dem Ergebnis, dass wir erst im Zusammenspiel der Verstandeskräfte mit den Gefühlen erfahren, was gut und richtig ist, (vgl.: S.46).Ferner beantwortet der Autor die Fragen, ob wir schon immer so gefühlt haben wie heute und ob wir möglicherweise im Zeitalter der Gefühligkeit leben?

In der Folge dann bringt Claus Peter Simon dem Leser sehr anschaulich in zehn Kapiteln die großen Gefühle näher. Es handelt sich hierbei um: Angst, Einsamkeit, Ekel, Glück, Liebe, Neid, Rache, Trauer, Vertrauen und Zorn.

Es lohnt sich, sich mit den einzelnen Gefühlen näher auseinanderzusetzen und zu begreifen, wozu sie eigentlich notwendig sind. Dass hochreaktive Menschen schon anatomisch ein etwas anderes Gehirn haben als relativ angstfreie, finde ich ebenso bemerkenswert, wie die Tatsache, dass gerade ängstliche Menschen in der Kunst und Wissenschaft besonders erfolgreich sind, (vgl.: S. 83).

Dass Einsamkeit eine ansteckende Emotion ist, wäre mir nie in den Sinn gekommen, doch beobachtet habe ich auch bereits, dass einsame Menschen negativ über andere sprechen, einen ablehnenden Gesichtsausdruck haben und eine defensive Körpersprache aufweisen, (vgl.: S.87).

Immer wieder gibt es zu den einzelnen Kapiteln, in denen man über die oben angeführten Kapitel Näheres liest, Exkurse so etwa den Exkurs "Langeweile" bei dem Kapitel über Einsamkeit oder den Exkurs "Eifersucht" bei dem Kapitel über Neid. Bereits Schopenhauer sagte "In Deutschland ist die aufrichtigste Form der Anerkennung der Neid". Mit dieser interessanten Sentenz beginnt übrigens das entsprechende Kapitel und hier auch liest man, dass der Neider den Beneideten als potentiell gefährlich ansieht, (vgl.: S.166). Neid ist nach den Forschungsergebnissen des Primatenforschers Ch. Boehm ein Werkzeug der Evolution, denn er sei notwendig, damit genetische Weiterentwicklung gelinge, (S.172ff.). Was allerdings aufgrund des Unterlegenheitsgefühls geschehen kann, wir ziemlich rasch klar, wenn man dieses Kapitel aufmerksam liest.

Alle Kapitel, auch jene über die Liebe und das Glück sollte man ganz bewusst lesen und vielleicht auch mit Freunden über das Gelesene sprechen, denn es ist so wichtig, sich seiner Emotionen bewusst zu sein. Es stimmt, spätestens nach der Lektüre dieses Buches wird klar: "Gefühle sind alles andere als irrational. Denn sind sie ausgeschaltet, handeln die Menschen keineswegs vernünftig, sondern im höchsten Maße unvernünftig.", (Zitat: S. 263).

Wer seine Gefühle genau anschaut, wird mit ihnen besser umgehen lernen und klüger handeln. Klüger zu handeln bedeutet auch, dazu beizutragen, dass nicht über kurz oder lang die ganze Welt blind sein wird. Ein wichtiges Buch.

Sehr empfehlenswert.

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Rezension:Liebe: The World Book of Love (Broschiert)

Herausgeber und Autor des Buches ist der Journalist und Autor Leo Bormans, der in seinem umfangreichen Inhaltsverzeichnis dem Leser bereits aufzeigt, um wie viele Facetten der Liebe es im Buch geht.

Die Leistung des Autors und seines Teams besteht darin, im Laufe von zwei Jahren die internationale Forschung zum Thema Liebe studiert zu haben und in der Folge die besten Forscher und Nachwuchswissenschaftler zu gewinnen, ihre Botschaften auf jeweils etwa 1000 Wörtern zu übermitteln.

Die Erkenntnisse der Wissenschaftler, die stets kurz vorgestellt werden, sind in diesem Buch nachzulesen. In Form von Merksätzen wurden aus den jeweiligen Erkenntnissen nach jedem Text Liebesformeln entwickelt, die den Lesern helfen zu begreifen, wie die Liebe funktioniert.

Zu Sprache gebracht wird u.a., was leidenschaftliche Liebe ist, wie lange bereits es sie gibt und ob sie Bestand hat. Gleich zu Beginn erfährt man die Forschungsergebnisse der Professorin Dr. Elaine Hatfield, die erkannt hat, dass nicht nur leidenschaftliche, sondern auch kameradschaftliche Liebe im Laufe der Zeit tendenziell (und gleichermaßen) abnehmen. Demnach ist es also unsinnig, auf ewige Liebe zu hoffen. Auch hier gilt: Nichts ist von Bestand.

Selbst wenn man weiß, dass die Liebe zu einer Person nicht ewig andauert, ist es natürlich immer noch interessant, mehr über die Liebe zu erfahren.

Prof. Dr. Epstein nennt als wichtigste Bestandteile der Liebe: Begehren, Inspiration, Schmerz, Zärtlichkeit und Mitgefühl und der Psychoanalytiker Robert M. Gordon hebt hervor, dass Anteilnahme und Zärtlichkeit notwendig ist, damit die Liebe andauern kann.

Sehr gut gefällt mir der Ansatz des Soziologen Prof. Dr. Wolfgang Glatzer, der sieben Grundsteine für einen sozialen Zusammenhalt nennt. Liebe gilt nach Sicht der Soziologen nicht primär als schönes Gefühl, sondern als soziale Beziehung. Das sehe ich ganz ähnlich.

Interessant fand ich die sechs Farben der Liebe. Hierbei geht es um ein Liebesmodell, welches sechs Liebesmuster vorstellt- Eros, Ludus. Storge, Mania, Pragma und Agape- und diese auch kurz skizziert.

Fast ein wenig verwirrt von der Fülle von Untersuchungsergebnissen, sind mir doch immer wieder Liebesformeln entgegengebracht worden, denen ich aus Erfahrung zustimme. Eine der schönsten Formeln stammt übrigens den Psychologen Jean- Pierre van de Ven, der und wissen lässt "Liebe ist die Kraft, die uns antreibt, aber wir können die Liebe nicht antreiben.“ (S.221).

Vom Glück des Gebens schreibt Stephen G. Post. Ich teile seine Ansicht, dass Freundlichkeit und Mitgefühl die Formen wahrer Liebe sind und dass Liebe die äußere und innere Harmonie fördert. Liebe in diesem Sinne beschränkt sich nicht auf wenige Personen. Falsch ist ein Liebesgefühl dann, wenn wie Prof. Dr. Frank Ochberg aufzeigt, wenn Menschen ihren Peinigern positive Gefühle entgegen bringen. Dieses Phänomen wird übrigens "Stockholm-Syndrom" genannt.

Ich schließe mich der Meinung Prof. Dr. Ochbergs an, dass reife Liebe nur in Freiheit und Würde gedeihen kann und finde es persönlich sehr schade, dass in unserer vom Egoismus durchdrungenen Gesellschaft, es für viele so schwer geworden ist, Liebe zu verschenken. Der Psychologe John K. Rempel zeigt, wozu Liebe in der Lage ist, sie lässt uns aktiv werden, um das Wohlergehen eines anderen zu fördern und zu erhalten. Darin sehe ich etwas sehr Positives, umso mehr wenn dies gegenseitig geschieht. Wenn unabhängige Individuen auf diese Weise zueinander stehen, glaube ich, dass eine Chance für lang andauernde Liebe möglich ist, auch wenn daran einige Wissenschaftler zweifeln.

 Ein erhellendes Buch, das ich gewiss noch oft zur Hand nehmen werde. 

 Sehr empfehlenswert.

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