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Rezension:Die gestresste Seele: Neue Kraft bei Burnout und Erschöpfung. Mit 2 CDs (Gebundene Ausgabe)

Dr. Bertold Ulsamer wartet mit einem sehr guten "Ratgeberpaket" auf, das aus 2 CDs und einem Büchlein besteht und uns hilft, unsere gestresste Seele wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Im letzten Jahr sind eine Anzahl von Büchern veröffentlicht worden, die sich mit dem Thema "Burnout" befassen. Einige davon habe ich gelesen und einige auch rezensiert, um mich stets aufs Neue zu informieren, wie man sich am besten vor Erschöpfung schützen kann. Die beiden CDs enthalten ein fundiertes Arbeitsprogramm und viele sinnvolle Übungen, dies schon mal vorab.

 Der Autor begreift Burnout als eine Grenzerfahrung. Die Erkenntnis, dass es Grenzen, Beschränkungen und auch ein Ende gibt, stellt einen Teil von Reife und auch vom Alter dar. Burnout muss man als Segen verstehen, denn er bewahrt vor Schlimmerem. Er ist sozusagen die Notbremse, die der Körper zieht. Pausenlose körperliche und geistige Überforderung gehen an die Substanz. Beim Zusammenbruch wird die Botschaft vermittelt: "Es reicht jetzt!"

Alternative zum Burnout ist ein Herzinfarkt oder ein Verkehrsunfall. Klar muss uns sein, wenn uns Burnout heimsucht, das wir kein Opfer sind. Wir müssen den gnadenlosen Antreiber in uns erkennen und unsere Psyche verstehen lernen, uns mit den verschiedenen Teilen in uns auseinandersetzen und uns dabei freundlich unserem inneren Wesen nähern. Wir müssen unsere innere Zerrissenheit beenden, um dadurch Kraft zum Handeln zur Verfügung zu haben.

Der Autor erläutert wie man den inneren Spielraum erweitert, verdeutlicht auch, wer anfällig für Burnout ist und hilft dabei den eigenen Weg zu finden und über die Kraft der Gegenwart und Bewusstheit klar zu werden.

Bei den Übungen auf den beiden CDs geht es darum zu erkennen, wie nah man dem Burnout ist, wie man mittels eines realistischen Blicks auf die eigene Situation Motivation für Veränderung schafft. Man lernt mit seinen körperlichen Beschwerden Kontakt aufzunehmen und Kraftquellen sowie Kraftdiebe zu erkennen. Man lernt des Weiteren mit der Seite Kontakt in uns aufzunehmen, die auf uns aufpasst, lernt den Mut und die Kraft dafür zu finden, ein angemessenes aktuelles Nein zu formulieren, ferner den inneren Antreiber in uns auszuloten und nimmt Kontakt mit der Anpassung, Renitenz und der Freude in uns auf. Dann geht es darum, übergroße Verantwortung loszulassen und um die Gefühle in der Tiefe, auch um Erschöpfung, um das Entspannen, das Annehmen, das Bejahen, Aufgeben, Innehalten und schließlich darum, sein Herz zu spüren.

Wir müssen erkennen, dass wir uns nicht ausbeuten dürfen, wenn der innere Antreiber auf der Matte steht. Es geht auch anders und man ist bei Weitem kreativer.

 Empfehlenswert.

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Rezension: Warum folgten sie Hitler- Die Psychologie des Nationalsozialismus- Dr. Stephan Marks

Im Zuge der Lektüre der Ausgaben GEO Epoche Nr. 57 und Nr. 58, die ich demnächst rezensieren werde, habe ich dieser Tage "Warum folgten sie Hitler?- Eine Psychologie des Nationalsozialismus" von Dr. Stephan Marks gelesen.

Der Autor zeigt mithilfe von Interviews mit ehemaligen HJ-Funktionären, SS-Offizieren und NSDAP-Mitgliedern wie die Machtmechanismen des NS-Staates funktionierten. Die Grundthesen des Buches werden in sechs Kapiteln präsentiert, die ich an dieser Stelle kurz auflisten möchte:
Magisches Bewusstsein
Hypnotische Trance
Schamabwehr
Narzissmus und narzisstische Kollusion
Das Traumata früherer Generationen
Abhängigkeit

Dr. Marks erläutert zunächst, was man unter einem Tabu zu verstehen hat. Dieser Begriff nämlich spielt beim magischen Bewusstsein eine Rolle. Das magische Denken wird von der Vorstellung beherrscht, dass Übertretungen des Tabuverbotes zu Unheil führen, sofern das Unglück nicht durch Reinigungsrituale abgewendet wird. Die Haltung großer Teile der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft gegenüber Nazi-Verbrechen bestand darin, diese zu verschweigen. Dieses Verbot, über Naziverbrechen zu sprechen, wurde schon während der NS-Zeit geschaffen, (vgl.: S.27)

Alle Deutschen wurden damals als Geheimnisträger zur Schweigsamkeit aufgefordert. Überwacht wurde diese mittels sozialer Kontrolle, ohne die der Apparat der Gestapo nicht funktionieren konnte, (vgl.: S.28). Wie Dr. Marks unterstreicht, sind Schweigegebote charakteristisch "für alle Geheimbünde, Sekten und alle Formen von emotionalem, körperlichem, sexuellem, geistigen oder Macht- Missbrauch." (Zitat: S.28). Das Sprechverbot wurde zumeist befolgt und soll so tief verankert gewesen sein, dass es noch Jahrzehnte nachwirkte. Das Tabu besteht heute noch und blockiert eine klare Benennung der Naziverbrechen, wie die Interviews dokumentieren. Dem sozialen Mechanismus der Tabuisierung entsprechen auf der individualpsychologischen Ebene Mechanismen der Abwehr, (vgl.: S.32), über die der Autor in der Folge sehr erhellend schreibt.

Dr. Marks erklärt die Wechselwirkung von Nazi-Programmen und seinen Anhängern im Hinblick auf die magischen Vorstellungen und erläutert zunächst auf welche Weise das magische Bewusstsein produziert wurde. Die magische Bewusstseinswelt des Nationalsozialismus war vor allem anti-aufklärerisch. Denk-Verbote gehörten zum Tabu und zur magischen Welt, (vgl.: S.44).

Thematisiert werden die Hypnose und der Nationalsozialismus. Hier geht es u.a. um hypnosefördernde Sprachmittel. Die Merkmale des Bewusstseinszustandes der hypnotischen Trance werden genau erläutert und im Rahmen von sechs Themen abgehandelt. Dabei ist ein wesentliches Merkmal die Regression. Der Autor zeigt wie die hypnotische Trance durch das NS-Programm produziert wurde und bringt die Mittel Propaganda, Rhetorik, Rituale und Musik zur Sprache, bevor er sich mit dem Begriff "Scham" näher auseinandersetzt und hier speziell erläutert, was man unter traumatischer und pathologischer Scham zu verstehen hat.

Die Grundlagen für traumatische Scham werden übrigens in der Kindheit gelegt, wenn die frühe Kommunikation aufgrund von Gegebenheiten, die der Autor alle benennt, gestört ist. Sofern Scham (diese hat mit Kränkung zu tun) kaum auszuhalten ist, muss sie abgewehrt werden. Das geschieht, wenn man sich der Psychologie nicht bewusst ist, u.a. durch emotionale Erstarrung, Projektion, Verachtung, dissoziales Verhalten, Zynismus und Negativismus, Arroganz, Idealisierung und Größenfantasien, Perfektionismus etc.

Wie die Nazis Schamabwehr gestaltet haben, wird sehr gut erklärt. Die Furcht als Feigling ausgeschlossen zu werden, spielte bei den Methoden der Schamabwehr eine nicht unbedeutende Rolle. Die Niederlage im 1. Weltkrieg hatte Scham zur Folge und zwar mit all den oben angeführten Abwehrmethoden, die Juden und Andersdenkende zu Opfern der Beschämten machten.

Beleuchtet wird im weiteren Verlauf nicht zuletzt der Narzissmus. Hier kommt die Charakterisierung dieses Phänomens seitens des Psychoanalytikers Otto Kernberg zur Sprache, der die narzisstische Persönlichkeit als "extrem selbstbezogen, misstrauisch, übermäßig der Bestätigung und Bewunderung durch andere bedürftig" skizziert und zusammenfasst, dass solche Personen durch Größenideen und Minderwertigkeitsgefühle zeitgleich gekennzeichnet sind, ( vgl.: S. 104).

Narzissten sind nicht bereit, die Welt mit den anderen zu teilen. Beurteilen kann man sie letztlich nach ihrer Dialogbereitsschaft und- fähigkeit. Pathologisch-narzisstische Menschen sehen, hören und spüren nicht die Präsens anderer Personen, (vgl.: S.106). Die Beziehung narzisstischer Menschen sind nur nach dem Muster "Unterwerfung und Herrschaft" vorstellbar.( vgl.: S.107).

Der Mangel an Selbstwertgefühl wurde seitens der damaligen Polit- Strategen durch Identifikation, durch die Vermittlung des Gefühls des Auserwähltseins, durch Elitebewusstsein, durch Anerkennung durch Ränge, Ehrungen, Beförderungen und Uniformen ausgeglichen.

Zur Sprache gebracht wird ferner das Trauma des ersten Weltkrieges und in der Folge die Weitergabe von Derealisierung, Gefühlskälte, Idealisierung und Heroisierung, die Groß-Gruppendynamik und wie durch Gruppenerlebnisse Abhängigkeiten geschaffen wurden.

Die sechs Themen im Buch zeigen, dass der Nationalsozialismus nicht darauf abzielte, die Menschen kognitiv zu überzeugen, sondern sie vielmehr emotional einzubinden. Der Autor verdeutlicht sehr gut, wie die Scham das Annehmen von Schuld blockierte und hat mit diesem Buch einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, die Psychologie des Nationalsozialismus zu begreifen.

 Empfehlenswert.

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Rezension:Von Natur aus kreativ: Die Potenziale des Gehirns entfalten (Gebundene

Prof. Dr. Ernst Pöppel und Dr. Beatrice Wagner stellen in ihrem Buch wissenschaftliche Erkenntnisse vor, die Mut machen sollen, die eigene Kreativität zu entdecken. Die zentrale Botschaft lautet: "Jeder Mensch ist kreativ."

Das Buch ist in fünf Teile untergliedert, in denen es um nachstehende Themen geht:

Vom Sinn der Kreativität
Bedingung der Kreativität
Vier Milliarden Jahre
Kreativität Wissenschaftliche
Kreativität in Gedichten
Kreativität in den Augen anderer

Im Anschluss an die einzelnen Kapitel hat man Gelegenheit Interviews zu lesen und zwar mit Personen, die aufgrund ihrer kreativen Leistungen sehr bekannt geworden sind.

Merkmale einer kreativen Personen sind Neugierde und eine Sensitivität für ungelöste Probleme, ein ungehemmter Gedankenfluss, der sich nicht durch Banales unterbrechen lässt, die Fähigkeit sich zu konzentrieren und mit dem ganze Herzen bei der Sache zu sein, die Fähigkeit die Dinge zusammenzufassen und sich keinesfalls in Einzelheiten zu verlieren, Flexibilität, um seine Ziele zu erreichen, die Fähigkeit zur Abstraktion und auch die Fähigkeit, Sachverhalte analysieren zu können, die Kompetenz sich etwas sehr lebendig vorstellen zu können, eine hohe Frustrationstoleranz, der Glaube an sich selbst und innere Freiheit, (vgl.: S.11).

Man ist nicht kreativ um der Kreativität willen, sondern wir sind es, um unsere Ziele zu erreichen. Kreativität hat die Aufgabe, dass wir zu unserer Mitte gelangen. Die Autoren möchten verdeutlichen, dass das kreative Herstellen einer Mitte für jeden Lebensbereich gilt, ganz konkret für das Denken, Bewerten, für die Bewegung und für das Handeln. Wissen sollte man, dass Kreativität eine persönliche Angelegenheit ist, die nicht mit Innovation verwechselt werden sollte, denn das einmalig Neue kann immer nur nur einem Gehirn entspringen, (vgl.: S.11).

Im zweiten Teil erfährt man u.a. , weshalb für unsere Kreativität ein Ort mit durchlässigen Grenzen so wichtig ist. Diesbezüglich erfährt man auch Wissenswertes von dem Stararchitekten Gunter Henn. Aufgeklärt wird man auch darüber, wie das Gehirn die Sinneswahrnehmung verändert, wie wir Zufälle kreativ anwenden und hier auch, dass es die Kreativität ist, die uns hilft unsere Erwartungen an die Gegebenheiten anzupassen und ein Gefühl der inneren Balance zu erzeugen, (vgl.: S. 40).

Man erfährt, dass innerhalb von kreativen Prozessen stets unterschiedliche Gedächtnisinhalte miteinander verknüpft werden und dass das episodische Gedächtnis bedeutsame Situationen unseres Lebens speichert. Sein episodisch bildhaftes Gedächtnis kann man sehr gut kreativ einsetzen. Darüber liest man im Gespräch mit Hubert Burda Näheres, bevor man sich mit der Lüge als Überlebensprinzip vertraut machen kann, die Aufschluss gibt über das Wesen und den Sinn von Kreativität. Neue Ideen benötigen immer Mut. Weshalb das so ist, erfährt man in der Folge und hat Gelegenheit bei Henryk M. Broder zu lesen, weshalb Kreativität für ihn ein Prozess des Staunens ist.

Kreatives Vergessen ist ein Thema und man erfährt zudem, weshalb Ethik und Biologie zusammengehören und liest des Weiteren dass nicht nur die Fenster der Vergangenheit kreativitätsfördernd sind, sondern auch der Blick aus dem Fenster, wo man tätig ist. Offenbar soll der Blick auf eine belebte Straße dabei kreativitätsfördernder sein als der Blick ins Grüne, (vgl.: S.137).

Kreativität als aktiver Prozess wird beleuchtet und man wird ermahnt, die kreative Gedankenflucht zu meiden. Immer und immer wieder wird dick unterstrichen, dass die Kreativität ein wirksames Mittel darstellt, die eigene Mitte zu finden.

Interessant zu lesen war für mich auch das vierte Kapitel, das sich u.a. mit der Frage befasst, weshalb es eigentlich Gedichte gibt.

Alles in allem ein Buch mit erfreulichem Inhalt, das uns zeigt, dass unser Gehirn uns in jeder Krise Mittel zur Verfügung stellt, diese kreativ zu bewältigen. Eine gute Nachricht, wie ich meine. Wenn wir uns schon auf sonst nichts verlassen können, so doch auf unser kreatives Gehirn.

Empfehlenswert.

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Rezension:Kleine Philosophie der Faulheit: (Fischer Klassik) (Taschenbuch)

Mit "Kleine Philosophie der Faulheit" stelle ich an diesem Wochenende das dritte und damit einstweilen letzte Taschenbuch und aus dieser bemerkenswerten Reihe vor. Herausgegeben wurde es von David Dilmaghani und Nassima Sahraoui.

Die Texte stammen von Demokrit, Seneca, Aristoteles, Meister Eckhart, Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Hölderlin, Walter Benjamin, Salomo, Friedrich Schlegel, Immanuel Kant, Friedrich Nietzsche, Denis Diderot, Ernst Bloch, Theodor Adorno, Hannah Arendt, Theodor Adorno, Fernando Pessoa und vielen anderen mehr

Untergliedert sind sie in die Kapitel: 
Von der rechten Einstellung zum Leben 
Göttlicher Rausch und mystische Gelassenheit
Verteufelung der Faulheit 
(Un-)Recht auf Arbeit Schein des Müßiggangs 
Verfaulen und Faulseinkönnen 
Sich gehen lassen Physik der Faulheit 

Es ist erst einige Tage her, seit ich das Buch von Thomas Hohensee mit dem Titel "Lob der Faulheit" rezensiert habe und mich seither der Thematik nicht mehr verschließe, sondern stattdessen mehr darüber wissen möchte.

Hier im Buch wird man sensibilisiert für das Ethos der Gelassenheit, liest von der Seelenruhe, auch über die Erziehung zur Muße, vom Eifer, über die Wahrheit des Taugenichts, über die moderne Unruhe des Müßiggängers, über Oblomow und so weiter und so fort.

Von Demokrit hatte ich bislang noch nichts gelesen. Er schreibt sehr Kluges über das rechte Maß, auch von der Lust am Leben und vom rechten Gut und lässt seine Leser wissen "Nicht jede Lust, sondern nur die Lust am Schönen sollte man erstreben."

Nicht alle Autoren sehen in der Faulheit ein Laster, es gibt auch einige, die das Faulsein ohne schlechtes Gewissen als Grundbedingung für schöpferisches Tun betrachten.

Lesen Sie die eloquenten Texte am besten bequem auf der Couch und gehen Sie anschließend flanieren, wenn Sie mit kreativen Ideen zurückkehren und diese dann erfolgreich umsetzen, können Sie ein Loblied auf vorübergehende Faulheit anstimmen und werden zukünftig gewiss nicht mehr eilfertig der Sentenz zustimmen, dass Müßiggang aller Laster Anfang sei.

 Empfehlenswert.

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Rezension:Kleine Philosophie des Reisens: (Fischer Klassik) (Taschenbuch)

Die "Kleine Philosophie des Reisens" enthält Texte von Stefan Zweig, Jean –Jacques Rousseau, Platon, Leopold Berchthold, Alain de Botton, Georg Forster, Walter Benjamin, August Ludwig Schlözer, Sigmund Freud und anderen mehr.

Herausgeberin dieses Taschenbuches ist Karen Genschow. Diese Texte sind in folgende Kapitel untergliedert:
Das Reisen an sich
Theoretische Vorbereitung
Praktische Erwägungen
Abreise
Unterwegs und zwar zu Fuß, im Auto, im Zug, per Schiff, als Geschäftsmann, als Eroberer, als Leser, als Deutscher, in Gruppen und mit Schuldgefühl
Wieder daheim

 Wie die Herausgeberin anmerkt, wird in diesem Buch die Philosophie tatsächlich klein geschrieben, weil es hier keineswegs um die großen Gebäude der Philosophiegeschichte geht und darum, dass das Reisen als Thema in ihnen aufgenommen wird, sondern vielmehr darum, Fragen nach dem Sinn des Seins, durch Fragen nach dem Sinn des Reisens zu ergänzen.

Die Texte befassen sich damit, was das Reisen ausmacht, was es eventuell unterscheidet von anderen Tätigkeiten, was es mit dem Reisenden macht, auch was es zu bedenken gibt und die Unannehmlichkeiten und Besonderheiten, die damit verbunden sind etc. Dabei ist allen Autoren gemeinsam, dass sie den Lesern aus ihren Erfahrungen allgemeine Weisheiten vermitteln möchten, sei es um zu unterhalten, zu belehren, zu warnen oder um Nachahmer zu finden, (vgl.: S.243).

 Der Philosoph Jean-Jacques Rousseau reflektiert in seinem Text den Nutzen des Reisens und fragt nicht unberechtigt "Muss man nun aber, um Menschen zu studieren, die ganze Erde durchstreifen?" Franz Posselt wiederum schreibt von der Art, wie angehende Philosophen reisen sollten, während Platon sich zu den Reisen der Bürger in seinem Text ausbreitet. Sehr interessant finde ich die "13 Regeln für das Reisen" von Leopold Berchtold, so etwa die 3. Regel: "Man rede in der Fremde, und besonders mit fremden Personen, wo wenig von Religion, Politik als von seinen eigenen Angelegenheiten", (S.84). Wie Recht Berchthold doch hat. Öffne man sich stattdessen für die Schönheit.

Reisevorbereitungen sind ein Thema, auch die Kunst falsch zu reisen, Reiseerwartungen sowie die Reise selbst werden vielfältig zur Sprache gebracht und sogar die Rückkehr wird gedanklich ausgelotet.

Ein Buch, dass Sehnsucht zu wecken weiß nach einem Ort, von dem wir hoffen, dass er das Paradies auf Erden ist. 

Empfehlenswert. 

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Rezension: Kleine Philosophie der Gaumenfreuden:

Die "Kleine Philosophie der Gaumenfreuden" enthält Texte von Platon, Diogenes Laetius, Michel de Montaigne, Jean-Jacques Rousseau, Immanuel Kant, Georg Simmel, Jean Anthelme Brillant-Savarin, Carl Friedrich von Rumohr, Ludwig Feuerbach, Friedrich Nietzsche, Walter Benjamin und anderen mehr.

Diese Texte sind in fünf Kapitel untergliedert. Dabei handelt es sich um folgende: Nahrung für Leib oder Seele
Fastende Heilige und zechende Narren
Vom guten Geschmack zur Symbolik des Geschirrs
Die Gastrosophie
Materialismus und hemmungsloser Genuss.

Seit Platon werden Denken und Philosophieren als vermeintlich höhere Funktionen der Seele verstanden, wohingegen der Körper in all seinen morphologischen Abläufen und Lüsten stattdessen eher als eigentümliche Akzidenz zu dieser gedacht wird. Der wahre Philosoph folgt, sofern es um das Essen und den Genuss geht, einer strengen Diätmoral, so Platon (vgl.: S.284). Zu Recht fragt Stanislawski, ob das letztlich nicht bedeute, dass die Philosophie aus lauter Kostverächtern bestehe. Er verneint aufgrund seiner intensiven Beschäftigung mit den Texten diese etwas ketzerische, rhetorische Frage sogleich, denn es gab durchaus Autoren, die den kulinarischen Genüssen große Bedeutung bemaßen und aus diesem Grunde sogar die Schule der Gastrosophie gründeten.

Hier im Buch liest man u.a. vom Fasten, aber auch von der Völlerei, von der Apologie des einfachen Geschmacks, der Soziologie der Mahlzeit, der Physiologie des Geschmacks, über Geschichtliches aus der Welt der Gastrosophie, über altväterische Tischmanieren und vieles mehr.

Im Quellenverzeichnis dann erfährt man, welchen Werken die Texte entnommen sind und erhält in diesem Zusammenhang zudem eine Auflistung weiterführender Literatur.

 Ein kurzweilig zu lesendes Buch, das ich gerne empfehle.

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Rezension:Schüchtern war gestern: Der Schlüssel zu mehr Ausstrahlung, Selbstvertrauen und Lebensfreude (Broschiert)

Dr. Petra Wüst hat ein Buch geschrieben, das ich mit viel Interesse gelesen habe. Zwar bin ich selbst alles andere als schüchtern, aber dennoch konnte ich den Gedanken der Autorin viel abgewinnen, weil ich Schüchternheit bei Menschen bislang oft fehlinterpretiert und nicht selten Verhaltensmuster fehleingeschätzt habe, da  ich keine wirkliche Vorstellung davon hatte, wie schüchterne Menschen wirklich reagieren. 

Die Autorin möchte auf anschauliche und leicht nachvollziehbare Art zeigen, was man gegen Schüchternheit unternehmen kann, wie sich Schüchterne Schritt für Schritt aus der Isolation zu lösen vermögen, auch Selbstvertrauen und Vertrauen in ihr Handeln aufbauen, wie sie auf Menschen zugehen, Freunde gewinnen und sich auf dem Parkett sicher und mit Freude bewegen.

ufgelistet werden Denkfehler schüchterner Menschen, dazu gehört eine niedrige Frustrationstoleranz, Selbstabwertung, Schwarz-Weiß-Malerei, Katastrophisieren, Positives abwerten und Negatives überbewerten etc. Hier geht es darum, sich aufgrund der verzerrten Denkmuster das Leben nicht schwer zu machen, sondern selbst zu entscheiden, was in unserem Kopf vorgeht. Man muss lernen, sich selbst zu vergessen, hinderliche Gedanken durch hilfreiche ersetzen und fröhlich auf andere zugehen. Klar werden muss man sich darüber, dass man in anderen nur Wertschätzung und Zuneigung entfachen kann, wenn man sich selbst liebt.

Die Autorin empfiehlt u.a. die eigenen Stärken zu gewichten und Blockaden zu durchbrechen, dabei die Ursachen des eigenen Sicherheits- und Vermeidungsverhaltens zu ergründen, ferner das selbstbewusste Ich zu visualisieren und täglich das Selbstvertrauen zu trainieren. Wichtig ist, sich seinen Ängsten zu stellen und zu lernen Blickkontakte auszuhalten, entspannt zu lächeln und auch spielerisch zu flirten.

Wie man Gespräche entspannt führt und wie man mit der Sprache spielen kann, erläutert die Autorin sehr ausführlich und unterstreicht, dass man Worte wie Probleme, Angst und Stress am besten vergessen sollte.

Alle Empfehlungen, die Dr. Wüst in der Folge dann noch gibt erweisen sich gewiss als nützlich für schüchterne Menschen, aber auch für Leser, die begreifen wollen, wie schüchterne Menschen ticken und wie man diesen helfen kann, die Mauer, die sie um sich aufgebaut haben, behutsam abzutragen.

Einen wichtiger Merksatz aus dem Buch möchte ich an dieser Stelle zitieren: "Sprechen Sie von sich. Werden Sie persönlich. Zeigen Sie den Menschen hinter den Worten. Denn das ist, was andere magisch anzieht: eine echte, greifbare Persönlichkeit" ,(vgl.: S.167).

 Empfehlenswert. 

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Rezension:Lob der Faulheit: Warum Disziplin und Arbeitseifer uns nur schaden (Gebundene Ausgabe)

Der Einser-Jurist Thomas Hohensee ist Autor mehrerer sehr erfolgreicher Bücher und lehrt als Coach, wie man Gelassenheit mit persönlichem Erfolg in Einklang bringt.

Der Titel seines Buches wirkte auf mich ein wenig provozierend und löste erst mal Anti-Haltung aus, weil der Begriff Faulheit in meinem Denken sehr negativ besetzt ist. Neugierig machte mich dann aber der Untertitel "Warum Disziplin und Arbeitseifer uns nur schaden". Obschon ich den Vorteil von Disziplin bislang nie wirklich in Frage gestellt habe und vor einigen Monaten sogar ein Buch über dieses Thema voller Überzeugung positiv beurteilte, bin ich seit der Lektüre dieses Buches nachdenklich geworden.

Hohensee ist der Auffassung, dass Disziplin zu Unrecht noch immer einen guten Ruf besitzt und begründet dies recht überzeugend. Dabei erlaubt er sich einen Blick in die Geschichte und erinnert daran, dass Disziplin, Zucht und Ordnung aber auch Gehorsam vormals speziell in der Familie, in der Schule, in Betrieben und beim Militär hoch im Kurs standen und erinnert daran, dass diese Institutionen bis in jüngster Zeit juristisch gesehen besondere Gewaltverhältnisse darstellten und Disziplin, wenn es erforderlich schien, mit Gewalt erzwungen wurde, (vgl.: S 35).

Der Autor hebt hervor, dass für undemokratische Verhältnisse Disziplin wesenseigen sei und sich nicht positiv umdeuten lasse. Hohensee wirbt dafür, dass man Disziplin durch Motivation, inneren Dialog, Selbstermutigung und ähnliche Konzepte ersetzt. Dem stimme ich gerne zu, bin mir ab nicht sicher, ob diese Vorgehensweise nur einem elitären Kreis möglich ist.

Der Autor hält die Überbetonung von Pflicht und Disziplin für falsch, weil mit Zwang und Kontrolle auf Dauer keinem gedient sei. Weshalb es sehr problematisch werden kann, wenn Disziplin und Arbeitseifer zusammentreffen, erläutert er gut nachvollziehbar und stellt in der Folge kluge Überlegungen in punkto Willen an, den man nicht wie einen Muskel trainieren könne, weil er nicht der physischen Welt zuzuordnen sei, sondern vielmehr der geistigen Welt angehöre, in der es auf Bewusstheit, Motivation, Vorstellungsvermögen und dergleichen mehr ankomme, (vgl.: S. 41).

Hohensee räumt mit dem Irrtum auf, dass man gegen seinen Willen handeln könne, denn einerlei wie man sich entscheidet und aus welchen Motiven, es bleibe doch immer eine Wahl zwischen unterschiedlichen Möglichkeiten. Wohl wahr.

Weshalb Disziplin unweigerlich im Zusammenbruch endet, wird sehr schnell klar und zeigt sich übrigens an den vielen Burnout-Erkrankten, die sich zu unmenschlichen Leistungen antreiben und auf diese Weise Opfer tiefer Erschöpfung werden.

Wir müssen lernen, unser Innenleben demokratisch zu gestalten und erkennen, dass man Menschen nicht zwingen muss, sondern bereits Kinder von ganz alleine neugierig sind und es lieben, Zusammenhänge zu verstehen, (vgl.:S. 76).

Etwa neun Millionen Deutsche leiden an disziplinbedingtem Burn-out. Dass es so weit kommen konnte, hängt damit zusammen, dass man den Wert des Menschen mit seiner Leistungsfähigkeit gleichsetzt, die man glaubt mittels Disziplin erzwingen zu müssen. Menschen, die ihren inneren Gaben gemäß arbeiten, müssen sich nicht zwingen bzw. disziplinieren, denn sie agieren spielerisch. Doch auch hier kann er bedenklich werden, wenn das Ganze in Arbeitssucht ausartet und die sozialen Kontakte darunter leiden. Es ist wichtig, sich Auszeiten zu gönnen und sich nicht selbst zu versklaven........ Der Autor erwähnt nicht grundlos, den spielerischen Moment, den Arbeit haben sollte und weist darauf hin, dass das Gegenteil von Spiel nicht Arbeit, sondern Depression heißt, (vgl.:S.131).

Positive Faulheit ist für Hohensee Improvisation und keineswegs Nichtstun. Im Grunde geht es ihm um die Leichtigkeit des Seins, das von den Ordnungsfanatikern allgemein als unerträglich wahrgenommen und durch bleierne Schwere ersetzt wird, (vgl.: S.136).

Thomas Hohensee möchte, dass wir nicht länger Maus im Rad sind, sondern lustvoll unseren Begabungen gemäß leben. Dann nämlich müssen wir uns nicht mental geißeln, sondern können das Tun spielerisch erleben. Für sich selbst hat er diesen Zustand herbeigeführt und redet insofern nicht wie der Blinde von der Farbe.

Eine Welt, in der alle Menschen ihren Interessen nachgehen, ihr Geld mit ihren Lieblingsbeschäftigungen verdienen und dabei die gesamte Zeit motiviert sind, ist ein paradiesischer Zustand. Ob sich dieser allgemein herbeiführen lässt, sei dahin gestellt. Darüber nachzudenken, ob es sinnstiftend ist, sich selbstdiszipliniert auszubeuten oder sich stattdessen lieber Auszeiten zu gönnen, um über Wege nachzudenken, die nicht zum plötzlichen Tod durch Überarbeitung führen, halte ich für notwendig in einer Zeit, in der das gestresste Herz die Haupttodesursache vieler Menschen ist, die noch nicht einmal das sechzigste Lebensjahr erreichen.

Empfehlenswert.

Überall im Buchhandel erhältlich. 

Rezension: Kunst als Philosophie: Hegel und die moderne Bildkunst (Gebundene Ausgabe)

"Das Kunstwerk ist der schöne Schein der Idee." (Georg Wilhelm Friedrich Hegel) Der Autor dieses Buches ist der Philosophieprofessor Dr. Robert B. Pippin, der sich hier in seinen Frankfurter Adorno-Vorlesungen 2011 mit einem sehr kleinen Ausschnitt aus der heute üblicherweise als modern bezeichneten europäischen und amerikanischen Bildkunst beschäftigt, die ihrerseits bloß einen Teilbereich der Moderne, der als modern klassifizierten Lyrik, der Romane, Dramen, Musik, des Tanzes und der Architektur ausmacht.

Pippin geht mit dem Philosophen Hegel auf eine Zeitreise, weil dieser in seinen 1820 gehaltenen "Vorlesungen über die Ästhetik" der Kunst ihren Platz in seinem philosophischen System zugewiesen hat und zwar als das unmittelbar sinnliche Wissen des absoluten Geistes. Nach Hegel sollen die Errungenschaften der modernen Kunst (Beispiele des Autors sind Manet und Cézanne) als philosophische "Errungenschaften eigener Art" verstanden werden. Für Hegel verkörperte die Kunst einen bestimmten Modus der Intelligibilität des Absoluten, den er zunächst als vollständigen und zufriedenstellenden Ausdruck philosophischer Weisheit verstand.

 Der Hegelkenner versucht u.a. aufzuzeigen, dass Hegel von einer tiefen Verbindung zwischen den Bedingungen der Möglichkeit eines richtigen Verständnisses von manchen Körperbewegungen als Taten, nicht nur als bloßen Ereignissen und den Bedingungen, die für das Begreifen von Kunstwerken notwendig sind, ausgeht. Für Hegel war der eigentliche Inhalt der Malerei die "empfindende Subjektivität". In seinen Vorlesungen von 1818 bestimmte er bemerkenswerter Weise den Grundzug der Malerei als Liebe. Wie das zu verstehen ist, erläutert der Autor gut nachvollziehbar. Wenn man die Malerei als Hinwendung zum anderen versteht, muss sie ein Bestreben nach Gemeinsamkeit und Reziprozität verkörpern, das in seinem reinsten und paradigmatischen Ausdruck die Liebe darstellt, so der Gedankengang des Philosophen.

In den Kapiteln: Philosophie und Malerei: Hegel und Manet Politik und Ontologie: Clark und Fried Kunst und Wahrheit: Heidegger und Hegel hat man Gelegenheit sich ein umfangreiches Bild über das Thema Kunst als Philosophie zu machen, sich in eine hochinteressante kunsthistorische Debatte zu vertiefen und auch Wissenswertes zur Geschichte der philosophischen Ästhetik von Kant bis Adorno und Heidegger zu erfahren
In den abschließenden Bemerkungen hat man dann die Chance, sich nochmals klar zu machen, weshalb Hegel zur Auffassung gelangen konnte, dass die Kunst ein unverzichtbarer Bestandteil für das Verstehen des 
Absoluten ist.
Empfehlenswert. 

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Rezension: Trauma Angst und Liebe

Prof. Franz Ruppert ist der Autor dieses bemerkenswerten Buches, das von der Prämisse ausgeht, dass Traumata die Hauptursachen für psychische und physische Schwierigkeiten darstellen.

 Das Buch hat er in neun Kapitel untergliedert. Dabei lotet der Autor im ersten Kapitel zunächst die Frage aus, wo die Wurzeln psychischer Probleme zu suchen sind und worum es ihm in diesem Buch hauptsächlich geht. Anschließend erläutert er, was er unter dem Begriff "Psyche" versteht. Für diesen Psychologen ist sie ein Zusammenwirken von Materie, Energie und Information, (vgl.: S.26).

 Zur Sprache gebracht werden die Merkmale der Psyche, auch die psychischen Leistungen, Bewusstsein und Wille sowie Psyche und Realität aber auch die Realitätsausblendung. So ist es beispielsweise eine Aufgabe der Psyche, die Realitäten von einem Organismus fernzuhalten, die ihn überfordern oder die ihm schaden könnten. Deshalb werden Realitäten sowohl bewusst als auch unbewusst ausgeblendet, (vgl.: S.44).

 Der Autor nennt die Voraussetzungen für die Entwicklung einer gesunden Psyche und unterstreicht dabei, dass es nicht genügt, psychische Gesundheit nur über die Abwesenheit von Krankheitssymptomen zu definieren. Ausführlich erläutert er die Leistungen einer gesunden Psyche, die sich mit den Resilienzfakoren von Michelin Rampe in vielem decken:
 Optimismus und die Erwartung von Selbstwirksamkeit
Akzeptanz und realistische Einschätzung der eigenen Situation
Lösungsorientierung und Suche nach konstruktiven neuen Wegen
Nicht in der Opferrolle hängen bleiben
Verantwortung übernehmen und den eigenen Täteranteil erkennen
Sich stabile und wohlmeinende Netzwerke aufbauen
Die Zukunft umsichtig planen (S.61)

Aus Sicht von Prof. Dr. Ruppert sind die eigenen gesunden psychischen Strukturen die wichtigste Ressource um Traumata zu bewältigen. Gesunde psychische Strukturen entwickeln sich aus dem Inneren heraus und können nicht durch äußere Vorgaben und Hilfsmittel ersetzt werden, (vgl.: 62).

Thematisiert werden erfüllte Symbiose- und Autonomiebedürfnisse. Gesunde Autonomie kann sich nur aus der Basis der Befriedigung der symbiotischen Bedürfnisse ergeben. Menschen, die eine gesunde Autonomie entwickeln, haben keine Angst vor Abhängigkeit. Das bedeutet, man kann entspannt in einer Beziehung leben, ohne befürchten zu müssen, von anderen bevormundet, kontrolliert und dominiert zu werden, (vgl.: S.70).

 Man erfährt, weshalb Traumata eine Ursache psychischer Störungen sind. Das Wort Traumata hat im Griechischen seinen Ursprung und bedeutet Wunde und Verletzung. Wissen muss man, dass die menschliche Psyche drei elementare Zustände hervorbringt: Wohlfühlzustände, Stress und Trauma. Diese Zustände werden ausführlich erklärt. Nach Prof. Dr. Ruppert findet eine Traumatisierung dann statt, wenn in einer Gefahrensituation alle Stressverarbeitungsmechanismen und –strategien ihren Dienst versagen, um dieser Situation zu entkommen, (vgl.: S.77). Folgen des Traumas sind das Abschalten des psychischen Gesamtsystems oder das Aufspalten desselben.

Angst und Träume wirken nicht selten zusammen. Man erfährt mehr über die verschiedenen psychischen Zustände von traumatisierten Menschen und hier von den gesunden und den traumatisierten Anteilen, wie auch den Überlebensanteilen. Sehr lesenswert ist die Auflistung der Möglichkeiten, die traumatisierte Menschen haben, die Spaltung in ihrer Psyche zu etablieren und aufrechtzuerhalten. Klar muss sein, dass Trauma-Überlebensstrategien der eigenen Psyche Fesseln anlegen, weil sie nicht in dem Umfang wahrnehmen, fühlen und denken darf, wie ihr das möglich wäre, (vgl.: S.86).

Überlebensstrategien schädigen den Betreffenden, weil früher oder später das eintritt, was er befürchtet: Ohnmacht und Hilflosigkeit.

 Wichtig zu wissen, wenn die Liebe nicht aus gesunden Strukturen herrührt, sondern aus Überlebensanteilen, dann ist die Vorstellung von Liebe beispielsweise wichtiger als die gelebte Realität und die Reaktionen des Menschen, auf die sich die Liebe richtet, (vgl.: S.89). Die Folgen sind in diesem Fall nicht erfreulich, wie man sich denken kann.

Man erfährt Näheres über soziale Rollen als Überlebensstrategien und über die vier Arten von Traumata, die da heißen:
Existenztraumata
Verlusttraumata
Symbiose-/ Bindungstraumata
Bindungssytemtraumata

 Nachdem man über diese Traumata hinreichend aufgeklärt worden ist, wird man über die Wissenschaft der mehrgenerationalen Psychotraumatologie unterrichtet, bevor man Wissenswertes über die Psychotherapie auf der Grundlage der Aufstellungsmethode erfährt. Prof Dr. Ruppert arbeitet seit 1994 nach dieser Methode, gibt in der Folge einen kurzen historischen Abriss über die Arbeit mit der Aufstellungsmethode und zeigt viele Fallbeispiele aus Einzel- und Gruppentherapien auf.

 Der Autor macht auch deutlich wie Traumatisierte wieder gesund werden können. Vier Schritte dienen hier der Heilung: -das Wachsen der gesunden Strukturen -das Aufgeben von Überlebensstrategien und das Erkennen von Illusionen -die Begegnung mit den abgespaltenen traumatisierten Anteilen und -das Ausfüllen der gewonnenen Autonomie mit selbst gesetzten Lebenszielen (vgl.: S. 297) Wie das funktioniert wird ebenfalls an Fallbeispielen verdeutlicht

Zum Schluss erörtert der Autor dann noch die sozialen und kulturellen Rahmenbedingungen für psychische Gesundheit. Man kann spätestens nach der Lektüre des Buches Prof. Dr. Franz Ruppert nur beipflichten: "Wir sollten als Menschen endlich damit aufhören, uns gegenseitig zu traumatisieren!" (Zitat: S.337) Empfehlenswert.

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