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Rezension: Die seelenlose Gesellschaft: Wie unser Ich verloren geht.


Auf Seite 74 dieses lesenswerten Büchleins findet man ein Zitat von Marie Luise-Ebner Eschenbach. Dieses lautet "Die größten Feinde der Freiheit sind die glücklichen Sklaven". Der Autor Dr. med. Till Bastian kommentiert im Anschluss daran: "Diese glücklichen Sklaven der modernen Erlebnisgesellschaft und ihrer glitzergrellen Konsumwelt registrieren kaum noch, wie sehr ihnen das eigene Ich verloren geht, wie es ihnen aus der Seele gesaugt wird durch die beständig ihr Zerstörungswerk verrichtenden Vakuumpumpen des "sekundären Systems", die an Stelle seelischer Strukturen innere Leere zurücklassen und uns damit immer wirkungsvoller der "Außenleitung" überantworten." (Zitat: S.74).

Bastian zeigt in einem ersten Überblick, was unsere Seele bedroht und verdeutlicht, dass die mangelnde Übereinstimmung unserer Lebensrealität mit dem von uns selbst entworfenen Ideal-Bild, dem "Selbst-Ideal", mit seinen immanenten Wunschvorstellungen und Größenphantasien es in erster Linie ist, das uns peinigt, weitaus mehr quält als unser Gewissen, sprich das schmerzliche Gefühl gegen moralische Normen zu verstoßen. Die Kluft zwischen dem Wunschbild von sich selbst und der nicht selten als unerfreulich erfahrenen Wirklichkeit der tatsächlich eigenen Person hat zur Folge, dass die Herausbildung einer stabilen Ich-Identität erschwert wird. Im Ergebnis ziehen sich Menschen in die Passivität oder in virtuelle Welten zurück, wo sie sich nicht selten Wunschidentität schaffen, (vgl.: S.23).

Vormals innere Konflikte, die sich aufgrund von seelischer und sozialer Einschränkung ergaben, gibt es heute nicht mehr in diesem Maße, stattdessen werden lt. Dr.Bastian die Bürden neuerdings von außen auferlegt. Es sind, wie er festhält, die vielen alltäglichen Gebote, die erfüllt werden müssen, um sich alltagspraktisch zu verhalten, die Forderungen, die wir erfüllen müssen, um einer bestimmten Kultur oder Subkultur anzugehören, das pausenlose Konkurrieren, dass unsere Seele aus Dauer zerstört. Überanstrengung, Erschöpfung, Überdruss, Frustration und innere Leere kennen wir alle und keiner ist damit glücklich.

Der Autor möchte mit seinem Buch Verschüttetes, Überschriebenes und Übertünchtes freilegen, um auf diese Weise seinen Lesern neuen inneren Halt zu geben. Er bemüht in seinem Text viele kluge Leute, wie etwa den Soziologen Norbert Elias, schreibt u.a. davon, dass der Zwang zur Selbstdisziplin und Selbstkontrolle, unter dem wir dauern stehen, unser Nervensystem überaus beansprucht und wir ständig Entscheidungen treffen müssen, zu denen wir gar nicht in der Lage sind. Bas Kast, dessen Buch "Ich weiß nicht, was ich wollen soll", ich gerade zu lesen begonnen habe, bestätigt anhand von Fakten die von Dr. Bastian getroffene Aussage.

Das Ringen um Identität wird immer schwieriger. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass es mittlerweile zum modernen Einsiedlertum kommt. Die Japaner nennen dieses Phänomen "Hikkikomorie". Bei uns spricht man bei einem solchen Verhalten von "sozialer Phobie", neben "Nesthockerei" ist das ein weiteres Verhaltensmuster, um sich den pervertierten Anforderungen unserer Gesellschaft nicht zu stellen.

Dr. Bastian skizziert die Merkmale seelischer Stagnation. Dazu gehört u.a. eine oft sehr weitgehende Abkoppelung vom Tag-Nacht-Rhythmus, exzessiver Aufenthalt in virtuellen Welten, um dort beispielsweise an Computerspielen teilzunehmen, die Unfähigkeit sein Leben angemessen zu organisieren, bei einer mehr oder minder deutlichen Tendenz zur Verwahrlosung, (vgl.: S.50).

Der Autor schreibt u.a. über moralische Verwahrlosung und steigende Gewaltbereitschaft, auch über das Verschwinden von körperlicher Fitness, um sich dann mit der sogenannten Mobilitätsmaschine, Datenmaschine, Bedeutungsmaschine und der Geldmaschine, dem so genannten Sekundären System, das ich eingangs erwähnte, auseinanderzusetzen und deren systematisches Zusammenwirken aufzuzeigen. Dieses Wirkungsgefüge scheint sich in der Wechselwirkung sehr negativ auf unsere Seele auszuwirken, sodass man klug daran tut Außenreize zu reduzieren, sein Leben zu vereinfachen, sich Zeit zur Muse, Besinnlichkeit und Selbstreflexion zu gönnen und sich den nötigen Respekt für die eigene innere Ambivalenz, für die Vielschichtigkeit und Mehrdimensionalität des zu erforschenden eigenen Seelenlebens einzuräumen, (vgl: S.143.)
Sehr empfehlenswert.
  

Rezension: Umarme deine Angst und verwandle sie in positive Lebenskräfte: Ein Selbsthilfeprogramm (Gebundene Ausgabe)

Autorin dieses Selbsthilfeprogramms gegen überbordende Ängste ist die Diplompsychologin Prof. Dr. Gina Kästele. Sie erläutert zunächst das Wesen von Angst- und Hilflosigkeitsgefühlen und macht begreifbar, dass Angst völlig normal ist und als Reaktion auf bestimmte Lebensumstände ausgelöst wird, aber auch auftreten kann, obschon es objektiv keine Gefahrensituation gibt. 

 Die Psychologin macht den Leser mit den Gefühlen von Angst und Hilflosigkeit vertraut und erläutert in der Folge realistische Lebensängste, Handlungsängste, Hilflosigkeitsängste sowie phobische Ängste und verdeutlicht, dass bei aller Unterschiedlichkeit der Ängste es auch gewisse Gemeinsamkeiten gibt. Diese bestehen in einem unangenehmen, spannungsreichen emotionalen Zustand. 

Dabei wird stets erläutert, worin die Angst besteht und es wird geschildert, was es zu begreifen gilt und wie die Heilung ausschaut. Die Autorin empfiehlt immer wieder gewisse Sachverhalte und Beobachtungen aufzuschreiben, um sie sich auf diese Weise bewusst zu machen. Sie thematisiert die körperlichen Auswirkungen von Angst und zeigt dabei wie der Herz-Kreislauf-Typ, der Magen-Darm-Typ und der diffuse Erregungstyp auf Angst reagieren. 

 Man erfährt wie sich Angstgefühle im Verhaltensbereich auswirken. Zumeist wird versucht angstauslösende Situationen zu vermeiden. Allerdings hemmt Ausweichen die persönliche Entwicklung, was zur Folge hat, dass man das Selbstvertrauen verliert und mit erhöhter Hilflosigkeit und Unsicherheitsgefühlen konfrontiert wird. 

 Kästele bringt die Auswirkungen der Gedanken und das Angsterleben zur Sprache und zeigt verschiedene Gedankenfehler auf. Zu diesen Fehlern zählt das Alles-Oder-Nichts 'Denken, das Katastrophendenken, die Selbstabwertung und handlungsblockierende Einstellungen sowie anderes mehr. Dabei zeigt die Psychologin, was man im Einzelnen begreifen muss und wie es zur Heilung kommen kann. 

 In der Folge lernt man den Angstkreislauf kennen und diesen zu verändern. Aufgeklärt wird man über unsere Angst- und Hilflosigkeitsdämonen. Hier werden die körperlichen Ursachen von Angst erläutert, traumatische Ereignisse im Erwachsenenalter lernt man kennen und begreift, dass Angst stets das Ergebnis eines Lernprozesses ist, der unter bestimmten Umständen stattgefunden hat, in denen Einsichten und Erfahrungen gemacht wurden, die Angstentwicklung begünstigen. 

 Ausführlich wird man über die in der Kindheit entstandenen Ängste unterrichtet. Hier lernt man auch den Begriff des "inneren Kindes" kennen und erfährt, dass besagtes Kind in uns zahllose Angstprogramme verinnerlicht hat und in Situationen, die das alte Programm auslösen, die damit verbundenen Gefühle gesetzt werden. 

Die Autorin zeigt, wann Eltern ungünstige Erziehungsmodelle darstellen und weshalb eine hohe Erwartungshaltung Angstgefühle begünstigt. Die Psychologin unterstreicht, dass Medikamente und Alkohol Angstgefühle nicht auflösen, sondern der beste Weg, Angst und Angstgefühle zu überwinden, darin besteht, diese "negativen" Gefühle bewusst anzunehmen. Ein Ausweg aus der Angst findet man in einer neuen Lebensphilosophie. Wie diese aussehen kann, erläutert die Autorin gut nachvollziehbar und zeigt an einem Schema wie aus der Position der Hilfslosigkeit eine Position der Handlungsfähigkeit wird. 

 Im praktischen Übungsprogramm lernt man zunächst unterschiedliche Wahrnehmungs- und Bewältigungstypen kennen und hat Gelegenheit sich Gedanken zu machen, wie man selbst tickt. Anschließend werden Veränderungstechniken erklärt und der Zweifler in uns wird ausgelotet. Man lernt einen Dialog mit dem inneren Dialog zu führen, sich durch kreatives Schreiben von der Angst zu befreien, die Sprache als Helfer zu begreifen und sich mit Bejahungstechniken vertraut zu machen. Die Psychologin wartet mit vielen hilfreichen Wahrnehmungsübungen gegen Angst auf, die man dann, wenn man sich bedroht fühlt, anwenden kann. Weitere Helfer sind innere Bilder, der Atmen und die Haltung. Dahingehend wird man auch bestens informiert. 

 Man muss lernen mit seinen Ängsten umzugehen, denn nur so gelingt es keinem, uns einzuschüchtern. Nur auf diese Weise wird man frei und handlungsaktiv. 

 Empfehlenswert.

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Rezension:Auf einen Wein mit Seneca: Gespräche über Gott und die Welt (Gebundene Ausgabe)


Dieses Buch habe ich heute Vormittag mit allergrößtem Vergnügen gelesen. Die Idee, die den fiktiven Interviews Karl-Wilhelm Weebers mit Seneca zugrunde liegt, finde ich sehr originell. Weber bringt in seinen Dialogen mit dem römischen Philosophen dem Leser diesen auf geschickte Art näher. Plötzlich lebt Seneca wieder auf und plaudert fast ein wenig amüsiert mit Weeber über Gott und die Welt.

Als Leser von Texten längst verstorbener Menschen steht man mit diesen während des Lesens ja immer in einem fiktiven Dialog, zumindest dann, wenn man sich ernsthaft mit deren Denken auseinandersetzt. Hier im Buch ist das, was ansonsten in unseren Köpfen stattfindet, für jeden nachlesbar dokumentiert.

Weeber beginnt den Dialog zu einem Thema stets mit einer Frage und Seneca antwortet. Die Antwort ist in lateinischer und in deutscher Sprache abgedruckt. Erwähnt wird auch immer, aus welchem Text die einzelnen Sentenzen Senecas sind. Die einzelnen Dialoge erstrecken sich dann zumeist auf 3-4 Seiten. Weeber entwickelt geschickt passende Fragen zu den Sentenzen zu einem Thema, die aus unterschiedlichen Texten des Philosophen stammen und erweist sich als Kenner der Gedankenwelt des alten Römers.

Gespräche über Zeitverschwendung, über die Frage, ob Geld glücklich macht, über den Sex, die Frau und die Unmoral, über Mobbing, über Solidarität, Freizeitstress, Freundschaft u.a. mehr, werden hier dem Leser präsentiert und verdeutlichen, dass sich zwar die Zeiten, aber die Menschen nicht geändert haben.

Irgendwann zum Schluss fragt Weeber Seneca: "Wie eng verbindet echte Freundschaft zwei Menschen? Seneca antwortet (ich zitiere an dieser Stelle nur die ins Deutsche übersetzte Sentenz): "Ich bin kein echter Freund, wenn nicht alles, was dich betreffend geschieht, auch meine Sache ist. Die Freundschaft stiftet eine Gemeinschaft aller Dinge zwischen uns, und weder ein Glück noch ein Unglück gibt es nur für den einen von uns: Man lebt gemeinsam: Keiner Kann glücklich leben, der nur auf sich schaut, der alles nur auf seinen eigenen Nutzen bezieht. Du musst für den anderen leben, wenn Du für dich leben willst." (Zitat: S. 166)

Empfehlenswert.

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Rezensionen: Schriften zur Politik (Gebundene Ausgabe)

Der ungarische Theaterwissenschaftler, Kritiker, Publizist und Theaterintendant Ivan Nagel (geb. 1931) ist der Autor der vorliegenden Schriften zur Politik, die er in drei große Kapitel untergliedert hat und zwar in:

Die geteilte WeltLust und Last der Vereinigung
Das Falschwörterbuch

Wie man der Einleitung entnehmen kann, entstand der erste Teil des Buches in fünfunddreißig Jahren, der zweite Teil in zehn und der dritte Teil in zwei Jahren. Nagel hat beim Verfassen der einzelnen Texte nicht an ein Buch gedacht.

Den Kapiteln vorangestellt ist seine Dankrede für den Moses-Mendelsohn-Preis, die er am 6.9. 2000 im Konzerthaus Berlin hielt. Diese Rede trägt den Titel "Toleranz und Intoleranz: Erfahrungen" und lässt den Leser hier wissen, was die Demokratie von zwei Seiten auszehrt. Als Gründe nennt er die Geringschätzung des Volkes durch die Politiker und das Misstrauen gegen Politiker im Volk. Dabei würden Politiker nicht aufhören, ihre Glaubwürdigkeit abzubauen, nicht zuletzt durch das Hersagen von Parolen, Winken mit Hintergedanken und Widersprüchen. Toleranz und Intoleranz im Volk werden von eben diesen Parolen, Winken mit Hintergedanken und Widersprüchen beeinflusst. Ivan Nagel verabsäumt es nicht, seine eigenen Erfahrungen von bald 70 Jahren mit Toleranz und Intoleranz näher zu beschreiben, bevor man dann Gelegenheit hat, sich mit seinen Texten näher zu auseianderzusetzen.

Der erste Text stammt übrigens aus dem Jahre 1957 und trägt den Titel "Wege nach der Kollaboration- Nach dem Ungarn-Aufstand" und der letzte wurde 2011 verfasst. Er beinhaltet Überlegungen zum Libyenkrieg.

Im Rahmen seiner Texte, in denen er sich gegen Unfreiheit, Unwahrheit und Zensur äußert, haben mich zwei Texte besonders beeindruckt. Die Laudatio zum Friedenspreis für Susan Sontag mit dem Titel "Töten ist konkret" hörte ich mir bereits 2003 im Fernsehen an und war als ich sie nun las, erneut sehr berührt von den eloquenten, hochsensiblen Worten dieses wirklich klugen Mannes. Im gleichen Jahr hielt Nagel eine Dankrede für den Ernst-Bloch-Preis zur doppelten Geschichte des Selbstmordes. Hier fand ich zwei Fragen, die sich beim Selbstmord stellen: "Wer ist der Mensch?" und "Wem gehört der Mensch"? Je nach dem, zu welchen Ergebnissen man gelangt, ergeben sich unterschiedliche Beurteilungen und Konsequenzen. Sind Selbstmörder feige? Meines Erachtens sind sie nicht selten sehr mutig. Doch diesbezüglich widersprechen natürlich die Pastoren seit Jahrhunderten. Das auch verschweigt Nagel nicht. Wer Verantwortung für sein Leben übernimmt, wird ebenso verantwortlich mit seinem Tod umgehen. Es ist schon interessant, dass gerade dort, wo die Freiheit des Menschen sehr beschnitten wird, die Selbstmordrate besonders hoch ist, siehe:Selbstmord im Dritten Reich
Empfehlenswert.

Rezension:Philosophische und theologische Schriften (Gebundene Ausgabe)

"Die Liebe ist das belebende Prinzip aller Tugenden. Wer die wahre Liebe haben will, muss alle Furcht und unvollkommene Liebe aus sich verbannen, denn wer fürchtet, liebt noch nicht vollkommen; denn die Furcht sagt, dass der Liebende noch nicht um den Geliebten willen etwas zu verlieren bereit ist, nämlich die Anhänglichkeit an das, was er nicht gerne verlöre." (Zitat, S. 612). (Eine so präzise Beschreibung der vollkommenen Liebe habe ich noch nie zuvor gelesen. Meines Erachtens trifft Cusanus genau den Punkt, indem er den letzendlichen Liebesbeweis genau definiert.)

Dieses Buch enthält philosophische und theologische Schriften des Renaissance-Philosophen Nicolas Cusanus (1401-1464). Seine Schriften basieren auf einem gedanklichen Konzept, das die Auflösung und Verschmelzung der zwischen Immanenz und Transzendenz, zwischen Verstand und Vernunft gewährt.

Herausgeber dieses umfangreichen Werks ist Eberhard Döring. Er auch hat das Vorwort und die Einleitung verfasst. Das vorliegende Buch ist eine Übersetzung aus dem Jahre 1865.

Cusanus war ein Universalgelehrter, der sich nirgendwo fest einbinden ließ. Er hat sich als Jurist aber auch als Fürst und insofern als Politiker synergetisch auf unterschiedlichen Terrains bewegt, dennoch überwiegen in seinem Gesamtwerk die theologischen Schriften, aber der intellektuelle Gehalt seines revolutionären Denkens geht aus seinen philosophischen Schriften hervor. Diese Schriften werden im vorliegenden Werk vorgestellt und kommentiert. Als Begründung für diese Auswahl führt, Döring das Argument an, dass aufgrund der philosophischen Schriften auch andere Texte von Cusanus leichter zu verstehen sind.

Das Buch ist untergliedert in die Abschnitte: Spekulative Schriften; Speziell Dogmatisch-Ethisches; Religiose Dialoge; Predigten.

Der Philosoph stellt u.a. Betrachtungen an über den Wert der Literatur, auch über den Ursprung der Seele, über Glaube, Gnade, die Sünde, über Wissen, über die Liebe im Verhältnis zu Erkennen und Freiheit, über die Kraft der Liebe und deren Wirksamkeit, um nur einige Themen zu nennen.

Vielleicht ist einer der wichtigsten Gedanken im Buch nachstehender: "Die Liebe ist stark wie der Tod. Wie dem Tode alles unter dem Himmel unterworfen ist, so auch die Liebe. Unauflösliche Bindungen knüpfen sich durch die Liebe. So lobenswert daher die rechte Liebe ist, so tadelnswert ist die verkehrte Liebe. Begehrlichkeit, Zorn und alle Leidenschaften entstehen aus dem Mangel der wahren Liebe." (Zitat. S. 615). Diesem Gedanken kann man nicht widersprechen.

Empfehlenswert.

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Rezension: Die Kunst nicht abzustumpfen- Dr. Stephan Marks

Autor dieses Buches ist der Sozialwissenschaftler Dr. Stephan Marks, der sich seit Jahrzehnten für Frieden, Gerechtigkeit und Naturbewahrung engagiert. Sein Thema ist die Hoffnung, ohne die die Zukunft keine Chance hat. Diese Hoffnung ist das Ergebnis eines Prozesses, durch den sie geschöpft werden kann, wie dies im ersten Teil des Buches herausgearbeitet wird.

Der Autor verdeutlicht, dass Optimisten und Pessimisten leider beide zur Konsequenz haben, dass die Betreffenden sich wenig engagieren und ihre Fähigkeit zur Lösung der gesellschaftlichen und globalen Probleme nur geringfügig in die Gesellschaft einbringen, (vgl.: S. 16). Weshalb das so ist, erläutert der Autor sehr gut nachvollziehbar und zeigt als Alternative einen dritten Weg auf, nämlich den der Hoffnung. Den Unterschied macht er anhand eines Wortspiels deutlich: "wonach die Optimisten ein halbvolles Wasserglas sehen, Pessimisten ein halbleeres. Demgegenüber bedeutet Hoffnung die Bereitschaft, nach seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten beizutragen, dass das Glas voller wird- ganz unabhängig davon, wie voll oder leer es jeweils sein mag. Weil diese Frage im Grunde irrelevant ist." (Zitat: S. 16).

Der Autor zitiert Lazarus, der in einer knappen Sentenz verdeutlicht, dass Hoffnung über Zuversicht oder Optimismus hinausgeht und wichtiger als diese sei. Dem kann ich nur zustimmen. Dr. Marks stellt zunächst den Prozess der Hoffnung am Beispiel der alttestamentarischen Propheten Moses, Jeremia und Jesaja II als auch Martin Luther King jr. vor, um sich anschließend mit Trauerarbeit näher zu befassen. Hier erwähnt er eingangs den Tiefenpsychologen Carl Gustav Jung, der in seinen psychotherapeutischen Beobachtungen konstatierte, dass die menschliche Psyche die Fähigkeit besitzt, leidvolle und furchtbare Erfahrungen in Positives zu transformieren und zwar in neue Lebendigkeit, Lebensenergie und in Aufgeschlossenheit für Neues, sprich für Hoffnung. Diese Beobachtungen hat man auch in der Trauerarbeit gemacht. Hier hat man verschiedene Phasen ermitteln können, von anfänglichen nicht Wahrhaben-Wollen über Zorn und Depression bis hin zu Akzeptanz und neuer Lebendigkeit, (vgl.: S. 33).

Offenbar kann es ohne den Prozess der Trauerarbeit keine Hoffnung auf Neues geben, weil Hoffnung die Annahme und das Empfinden von Krisen auch in ihrer leidvollen Qualität mit einschließt. Erst dann, wenn man Krisen annimmt, kann es zu Veränderungen kommen, insofern setzt Hoffnung das Wahrnehmen von Leiden voraus. Die Zerstörung der Empfindungsfähigkeit kommt der Zerstörung von Hoffnung gleich, (vgl.: S. 34).

Schmerzhafte Emotionen allerdings treten nicht nur beim Tod nahestehender Menschen oder bei ungewollter Trennung von diesen auf, sondern auch dann, wenn man erschütternde Nachrichten über der Welt erfährt. Der Schmerz über die Welt ist ein Alarmsignal, das uns sagen möchte, dass etwas verändert werden muss. Leider werden solche Schmerzen verdrängt oder geleugnet. Dies führt zur Entfremdung und Vereinzelung, mit der Konsequenz, dass wir eine Art Doppelleben führen. Dies hat zur Folge, dass wir uns die inneren Quellen unserer Kreativität abschneiden.

Der Autor macht klar, dass wir alle durch die Abschaffung des Schmerzes das Bewusstsein für unsere Grenzen verlieren. Der Schmerz, so der Philosoph Volker Caysa, den Dr. Marks zitiert, zeige die Würde des Körpers. Er verdeutliche, wenn wir uns zu überfordern beginnen, möglicherweise gar zerstören. Nur wer den Schmerz ernst nehme, nehme auch sich selbst ernst- und seine Mitmenschen,(vgl.: S.45). Der Mensch, dem Schmerzen fremd sind, bleibe sich selbst der Nächste, er werde mitleidlos, weil ihm auch der Schmerz des Anderen fremd sei. Die meisten Menschen verdrängen die Emotionen über die Welt, weil sie befürchten, davon überwältigt und gelähmt zu werden, aber mehr noch, weil sie der Meinung sind, Gefühle seien Privatsache.

Privatsache sollten Gefühle nach Meinung des Autors nicht sein, wenn ihre Ursache in einer gewalttätigen, ungerechten und ökologisch gefährdeten Welt zu finden sei. Leider verhalte es sich so, dass eine falsche Privatisierung von gesellschaftlich bedeutsamen Emotionen durch unsere Wissenssysteme gefördert werden, welche die Psyche und die Gesellschaft als getrennte Phänomene betrachten.

Erste Schritte zur Hoffnung sind dadurch gehbar, indem man den Umgang mit Nachrichten verändert und begreifen lernt, dass ein Mehr an Information keineswegs eine größere Vorhersehbarkeit bedingt. Es geht um die Qualität mit dem Umgang mit Informationen, um den Prozess, den Al Góre mit einer Gärung vergleicht. Diese bedingt Zeit und zudem andere Formen der Vermittlung von Information.

Dr. Marks zeigt, wie man mit schmerzhaften Nachrichten umgehen sollte und dass es der Stille bedarf, um Nachrichten zu verarbeiten. Die Überreizung und Beschädigung des Hör-Sinnes sei mitverursachend, dass unsere Beschäftigung mit den Nachrichten über die Welt in erster Linie kognitiv geschehe, während die emotionale Bedeutung weitgehend verdrängt werde, (vgl.: S.60).

Ausführlich schreibt der Autor über Hoffnungsarbeit und in der Folge auch davon, dass Angst vor Ausgrenzung, daran hindert sich mit dem Schmerz auseinanderzusetzen und darüber auch mit anderen zu sprechen. Gewissenscham ist ein weiteres Thema in diesem erhellenden Buch, in welchem hervorgehoben wird, dass das persönliche Engagement für Frieden, Gerechtigkeit und Naturbewahrung dazu beträgt, die eigene Integrität und damit Würde zu retten.

Dr. Marks erwähnt den Begründer der Logotherapie Dr. Victor Frankl, der die Beobachtung machte, dass der Verlust von Hoffnung sich negativ auf das Immunsystem auswirkt und sogar zum Tode führen kann. Darüber schreibt auch Overbeck, den der Autor ebenfalls ins Feld führt. Hoffnungslosigkeit verschlechtert nicht selten bei Witwern und Witwen deren Gesundheit, was zu Infarktkrankheiten, Rheuma, Asthma, etc., ja sogar zur erhöhten Sterblichkeitswahrscheinlichkeit führen kann.

Was es bedeutet guter Hoffnung zu sein, erläutert Dr. Marks dann im dritten Teil seines Buches und geht hier auf die drei Denkblockaden ein, die er die Kausalitäts-Brille, die mathematische Brille und die Brille des linearen Denkens nennt. Um guter Hoffnung zu sein, ist es notwendig sich in nicht zynisch-ausgerichteten Nachrichten-Magazinen zu informieren, sondern sich dort Informationen zu holen, wo man sachlich und positiv mit gesellschaftlichem Wandel hin zu Frieden, Gerechtigkeit und Naturbewahrung informiert, ohne dabei die rosa Brille vor Augen zu haben. Das dies möglich ist und uns gesunden lässt, das macht Dr. Stephan Marks deutlich.

Empfehlenswert.
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Rezension:Tao-Te-King. Das Buch vom Sinn und Leben (Gebundene Ausgabe)


Der Verfasser des vorliegenden Buches, Laotse (ca 570- 490 v. Chr.), ist der wohl berühmteste Philosoph des Taoismus. In der Einleitung hat man Gelegenheit Wissenswertes über dessen Persönlichkeit in Erfahrung zu bringen und sich allgemeine Kenntnisse über das Werk, die historische Stellung Laotses und den Inhalt des Taoteking anzueignen. Anschließend erfährt man von Dr. jur. Harald Gutherz Aufschlussreiches im Hinblick auf Laotses Gedanken zur menschlichen Gesellschaft.

Das Buch ist in zwei Teile untergliedert. Der erste Teil trägt den Titel Sinn, der zweite den Titel Leben.

Laotse zeigt im Rahmen seiner Sprüche, die den beiden Teilen untergeordnet sind, auf, dass die Menschen und die Welt eine natürliche Einheit bilden. Diese harmonische Geschlossenheit zerbricht dann, wenn Wettstreit, Gier und Selbstsucht ihr Tun bestimmt. Die philosophischen Überlegungen Laotses verhelfen dem Leser, auf den Weg zur harmonischen Geschlossenheit zurückzufinden, der sich dem öffnet, der einem genügsamen, gewaltlosen und nachsichtigen Leben zustimmen kann.

Das Buch ist heute so aktuell wie zu dem Zeitpunkt als es geschrieben wurde.

Empfehlenswert. 

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"Menschenliebe ist die natürliche Gesinnung des Menschen." (Mengzi), 20. Mai 2012 Rezension bezieht sich auf: Von der Freiheit des Menschen Aufgrund des Engagements des chinesische Philosophen MENGZI (um 370 v. Chr. -um 290 v. Chr.) wurde der Konfuzianismus zur Staatsreligion unter der Han-Dynastie. Seine Lehren befassen sich primär mit der Ordnung der Welt, wobei aufgrund des fortschreitenden Verfalls die Lehre der Ordnung der Welt eine andere Tonart als bei Konfuzius erhält, der noch bestrebt war, diese zu erhalten.

Auf moralischen Sektor strebt Mengzi ein doppeltes Ideal an, als da sind Liebe und Pflicht, wobei ihm die Liebe eine ruhende Grundeigenschaft ist,während die Pflicht der Inbegriff der Normen der Welt darstellt. Mitunter treten an die Seite dieser beiden Begriffe die Ordnung des Ausdrucks und Weisheit als die beiden übrigen Grundtugenden der Menschen.

Nach Auffassung Mengzis ist der Mensch an sich gut, da das eigentliche Wesen von Gott stammt. In seinen Gesprächen verteidigt der Philosoph deshalb die Güte des ursprünglichen Menschenwesens. Für Mengzi gibt es keinen wesentlichen Unterschied unter den Menschen. Was ein Heiliger erreichen kann, vermag jeder zu erreichen, wenn er sich entsprechend verhält. Das Gute ist demnach ein Ideal, das im Kampf mit sich selbst gewonnen werden muss. Besagter Kampf ist die Rückkehr des verloren gegangenen guten Herzens.


 Sofern der Mensch schlecht ist und Fehler hat, besteht seine Pflicht lediglich darin, sich in moralischer Beziehung zu bessern. Jeder, der es möchte, kann sich bessern. Damit zeigt Mengzi, dass er keinem Menschen den Weg zum Guten verbauen möchte.

Von seinen Büchern sind heute noch sieben erhalten. In den ersten drei enthalten sind die Reden und Gespräche, die übrigen enthalten Aphorismen verschiedenen Inhaltes. Die Texte sind im vorliegenden Buch alle nachzulesen. Sie handeln vom milden Regieren, der Macht der Musik im alten China, von den Wegen zur individuellen Selbstverantwortung, von der Verantwortung in Regierungsgeschäften, davon, wie man ein guter Regent wird, vom Wege zum rechten Fürstendienst, vom Wege zur Menschlichkeit, von Fürstendienst, Thron- und Erbfolgefragen, von Weisen, Fürsten und Ministern, von der menschlichen Natur, den Spielarten des Verfalls, den Wegen zur Wahrheit und den sechs Stufen der Sittlichkeit.

 An dieser Stelle möchte ich eine Sentenz aus dem Buch zitieren, die deutlich macht, dass Mengzi viele Jahrhunderte vor anderen uns bekannten Philosophen auch schon wusste, wie sinnvoll es ist seine Wünsche gering zu halten. Er sagt "Um sein Gemüt zu bilden, gibt es nichts besseres als seine Wünsche wenig zu halten. Ein Mann, der wenig Wünsche hat, wird wohl auch einmal die Gewalt über sein Herz verlieren, aber doch selten. Ein Mann, der viele Wünsche hat, wird wohl auch einmal Gewalt über sein Herz behalten, aber doch selten." (Zitat: S. 264). Ein empfehlenswerter Autor in Zeiten der Gier, der deutlich macht, dass der Weg zum Guten jedem Menschen jederzeit möglich ist.


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Rezension:Imagination - Zugänge zu inneren Ressourcen finden (Gebundene Ausgabe)


Professor Dr. Verena Kast ist die Autorin dieses Buches, das sich mit Imaginationen, den Zugängen zu unseren inneren Ressourcen auseinandersetzt. Dabei versteht sie den Raum der Imagination als den Raum der Freiheit und der Möglichkeiten, als einen Raum, in dem auf ganz natürliche Weise Grenzen überschritten, Raum relativiert, Möglichkeiten, die wir nicht mehr oder noch nicht besitzen, erlebbar werden. Den Raum der Imagination begreift Kast als den Raum der Erinnerung, vielmehr noch als Raum, der aktuell in die Gegenwart hereingeholten Zukunft.


Wie die Autorin den Leser wissen lässt, bildet sich in unseren Imaginationen die Seele mit ihren Wünschen, ihren Ängsten, ihren Sehnsüchten und ihren schöpferischen Möglichkeiten ab. Imagination schenkt uns die Möglichkeit, bereits Erlebtes nochmals nachzuerleben und uns in das Gefühlsleben anderer Menschen hineinzuversetzen. Sie helfen uns auch veränderte Situationen vorzustellen und zu zeigen, wie man zu solchen gelangt. Imagination gibt uns die Möglichkeit Kontakt mit dem Fremden in unserer Psyche aufzunehmen und sich damit vertraut zu machen als auch das Fremde zu integrieren.

Imaginative Fähigkeiten zu besitzen heißt, dass es dem Menschen gegeben ist, mehr oder weniger anschaulich ein Bild von etwas zu haben, das nicht mehr präsent ist bzw. möglicherweise niemals präsent sein wird.

Die Vorstellungen können bildhaft sei. Farbe und Form kann dabei eine Rolle spielen. Es kann sich auch um Geruch, Berührung, akustische Erinnerungen oder gedankliche Vorstellungen handeln. Wissen muss man, dass Vorstellungskraft der Motor für schöpferische Gestaltung ist und dass die Sehnsucht nach dem "Ganz anderen" so groß werden kann, dass das an sich befruchtende Zwiegespäch zwischen der Alltagswelt und der Welt der Imagination aus dem Gleichgewicht geraten kann.

Erkennt man die Imagination als Ressource an, versteht man, dass man mittels ihrer die Lebensqualität zu verbessern vermag. Sofern man Vorstellungen mit anderen teilt, bewirken diese Imaginationen Nähe und können die emotionale und soziale Bindung verstärken.

Wahrnehmung und Vorstellungskraft ergänzen einander. Das wird besonders deutlich, wenn wir ein Wahrnehmungsbild kreieren. Sobald man Emotionen, starke Effekte, Gefühle, Stimmungen in Vorstellungen übersetzt, macht man sie der Imagination zugänglich und vermag seelische Verletzungen hierdurch zu heilen. Therapien, die das Verstehen von Träumen als bedeutsam ansehen, arbeiten mit Imagination, aber auch Verhaltenstherapien tun dies, die an verändernde Möglichkeiten glauben, die in der Vorstellungskraft begründet sind.

Die Autorin erläutert in der Folge die Methoden der Imagination. Hier geht es um die Konzentration auf die inneren Bilder, um das Festhalten dieser Bilder, das bewirkt, dass wir uns mit ihnen auseinandersetzen und darüber nachdenken können, was sie bedeuten.

Kast verdeutlicht wie sinnvoll es ist, die Bilder zum Fließen zu bringen, weil dies zur Entspannung führt und sie lehrt mit dem Bilderfluss gewinnbringend umzugehen. Dabei thematisiert sie "geführte Imaginationen". Das sind solche, in denen der Therapeut Anregungen gibt. Sie schreibt über Bilder der Entspannung sowie über das Selbstbild im Spiegel der Imagination und zeigt, welche Chancen uns Imaginationen, die wir uns bewusst machen, in diesem Zusammenhang bieten.

Imaginationen bilden leider auch Hindernisse ab, die das Verhindern zum Thema haben. Solche Imaginationen muss man sich bewusst machen, um sie überwinden zu können. Bei Krísenintervention geht es darum, zu eruieren, welcher Lebensbereich tatsächlich in die Kríse geraten ist, denn selten ist die Situation, die die Kríse ausgelöst hat, der Grund, weshalb ein Mensch in die Krise geraten ist,(vgl.: S.156)

Sich den inneren Bildern, den Tagträumen bewusst zu werden, sie positiv für sich zu nutzen, darin liegt unsere Chance und auch unsere Verantwortung uns selbst gegenüber.

Empfehlenswert.  
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Rezension:Über Gott und die Welt: Eine Autobiographie in Gesprächen (Gebundene Ausgabe)

Diese Autobiographie des Philosophen Prof. Dr. Robert Spaemann, der am 5. Mai 85 Jahre alt wird, besteht aus autobiographischen Texten und Interviews, die Stephan Sattler mit dem Jubilar führt. Zwölf Sitzungen und eine lange Abschrift haben sich aus den Gesprächen ergeben. Dabei waren viele Kürzungen und Dialoge über Streichungen notwendig bis das Buch schließlich Gestalt annehmen konnte.

Zu Beginn berichtet der Philosoph von seiner Kindheit, dann erfolgt das erste Gespräch, das Spaemanns Jugend im Dritten Reich und sein Hinwenden zur Philosophie thematisiert. Hier erfährt man, wodurch Spaemanns Interesse für Philosophie geweckt wurde und liest Näheres zu seinen Eltern, die zwar gebildet waren, aber keineswegs philosophische Interessen besaßen. Hier auch schreibt der Philosoph, dass er schon als Kind während der Nazizeit den Nationalsozialismus als abstoßend empfand.

Man liest, dass seine Eltern zum katholischen Glauben konvertierten, liest wie er in einem Keller in Köln zwar um sein Leben zitterte, wenn die Bomben fielen, aber er in Augenblicken der Ruhe Nachtigallen hörte, (vgl.: S. 35) und ahnt, wie positiv dieser Mensch in seiner Grundhaltung ausgerichtet ist.


Er berichtet des Weiteren von dem dunkelsten Augenblick seines Lebens, den er im gescheiterten Attentat gegen Hitler am 21. Juli 1944 sieht. Damals stellte er sich die Frage, ob sich das Reich des Bösen über ganz Europa ausdehnen würde. Für ihn stand fest, dass er in diesem Fall Gärtner werden wollte, weil er wusste, dass an der vegetativen Natur der politische Totalitarismus endet, (vgl.: S.36).


Im Wechsel von Lebensabschnittsberichten und Interviews gewinnt der Leser einen sehr guten Eindruck über das Leben und Denken des Philosophen. Man erfährt Näheres zum Studium in der Nachkriegszeit, seinen Eindrücke um das Jahr 1950, liest über die Rückkehr an die Universität Münster, seine Professuren in Stuttgart und Heidelberg, über seine Ankunft in München, das Bewusstsein der Zeit, über Glück und Wollen, sein Leben nach der Emeritierung und den beiden Interessen der Vernunft.


Man erfährt u.a , welche Bücher Spaemann einst zum Philosophieren angeregt haben und wann er selbst seinen ersten philosophischen Text verfasste. Es folgt bei den Fragen ein steter Wechsel von persönlichen Fragen, wie etwa "Wie sehr fühlten Sie sich dem Westfälischen verbunden?" und Fragen zum Thema Philosophie, wie etwa "Hegel hat in seiner Philosophie versucht, Systeme Kants, Fichtes und Schellings zu integrieren, und seinen Versuch als Schlusspunkt einer gedanklichen Entwicklung gesetzt. Wäre das ein Beispiel für einen übermäßigen Anspruch?"

Für Spaemann ist Philosophie übrigens so wenig eine Geisteswissenschaft wie Mathematik. Sie denke nach über das Verhältnis von Geisterwissenschaft und Naturwissenschaft und könne insofern selbst keine Geisteswissenschaft sein, (vgl.: S.237). Dabei könne Naturwissenschaft nicht verstehen, was Intention sei. Sie vermöge etwas über das Denken, nicht aber über Gedanken sagen. Sie könne darstellen, wie der Prozess des Denkens bestimmte Areale im Gehirn involviert, doch was gedacht wird, das könne sie nicht aufklären, (vgl.: S. 240).


Im Rahmen der Interview lernt man das philosophische Denken Spaemanns auch durch Hinweise auf seine Bücher kennen, so etwa, durch die Thematisierung von "Glück und Wohlwollen"" In diesem Zusammenhang erfährt man, dass Wohlwollen seiner Ansicht nach verschiedene Stufen haben kann. Hier betont er, dass das Wohlwollen einem fremden Menschen gegenüber, mit dem man nichts zu tun hat, darin besteht, dass man ihn nicht schädige. Wohlwollen sei gestuft. Man müsse jedem Menschen wohlwollen, jedoch nicht im gleichen Maße. (vgl.: S.268)

Spaemann erläutert, weshalb die Anerkennung für ihn ein so wichtiges Thema ist. Er hält fest:"Im Grunde jeder Erkenntnis liegt ein Akt der Anerkennung. Und in diesem Akt der Anerkennung realisiert die Person ihre eigene Personalität. Nur dadurch ist sie wahrheitsfähig, dass sie zu dieser Selbstentäußerung imstande ist. Als bloßes Naturwesen muss der Mensch gar nichts anerkennen." (Zitat: S.296).

Ein Buch, das neugierig macht auf die Werke des Philosophen und ihn als sehr sympathischen Menschen dem Leser sehr nahe bringt.
Empfehlenswert.
 
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