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Rezensionen:Wie man richtig gut lebt - Rainer Erlinger

Der promovierte Mediziner und Jurist Rainer Erlinger, der den Lesern der "Süddeutschen Zeitung" durch seine allwöchentliche Kolumne "Die Gewissensfrage" bekannt sein dürfte, in der er große und kleine Ethikprobleme erörtert, ist der Autor des vorliegenden Buches. Ich kenne die Kolumnen nicht, da ich FAZ-Leserin bin und bin insofern durch das vorliegende Buch auf einen mir bislang unbekannten Autor gestoßen.

In der Einleitung habe ich erfahren, dass Dr. Dr. Erlinger bereits 500 Kolumnen in der Süddeutschen Zeitung verfasst hat, dazu kommen Radiokolumnen bei verschiedenen Sendern, Fernsehbeiträge, Lesungen, Besuche in Schulen, Podiumsdiskussionen, Talkshows und eine Gastprofessor an der philosophisch-sozialwissenschaftlichen Fakultät in Augsburg, (vgl.: S. 18). All das war mir nicht bekannt, bis vor wenigen Wochen.

Der Autor möchte keine neue Moral entwerfen, auch keine Einführung in die Ethik schreiben oder mit wissenschaftlich universitärem Anspruch eine Auseinandersetzung mit verschiedenen ethischen Theorien leisten. Stattdessen will er versuchen für die Bereiche, in denen man immer wieder vor Fragen steht, Zusammenhänge darzulegen und vermitteln, welche moralischen Grundsätze wichtig sind, (vgl.: S.19).
Sein Buch untergliedert Erlinger in:

Grundsätzliches (hier schreibt er über Egoismus, über die Lüge, über Toleranz, über ethische Theorien und über Recht und Moral)

Moral und Alltagsleben (hier geht es um: Höflichkeit und Manieren, Sexualität und Beziehung, Konsum und Geld, Soziales, Gemeingut, Familie und Freundschaft, Tiere, Umwelt und Natur)

Grundpfeiler einer zeitgemäßen Moral (Themen sind Achtung, Verständnis, Rücksicht)

Ein aufschlussreicher Epilog rundet die genannten Reflexionen des Autors dann ab.

Auf die einzelnen Punkte im Rahmen einer Rezension einzugehen führt zu weit, also hebe ich den ein oder anderen Gedanken hervor, den ich für besonders wichtig erachte. Gefallen hat mir, dass Erlinger seine Überlegungen mit Beispielen aus der Realität in Verbindung bringt und damit klar macht, dass es bei Moral nicht um ein gedankliches Konstrukt geht, sondern um sinnvolles Verhalten, das das Zusammenleben erträglicher gestaltet. Es geht insofern um Abwägungen, die immer auf der Grundlage des Respektes und der Achtung seiner Gegenüber getroffen werden sollten.

Beim Thema "Lüge" fand ich den Hinweis auf Kant (S.42-43) interessant. Kant sah in Lügnern nämlich bloße Sprachmaschinen. Erlinger hinterfragt den Gedanken und gelangt zum Ergebnis, dass die Lüge die Sprache eines Teils ihrer Funktion als Möglichkeit des Gedanken- und Informationsaustausches beraubt. André Comte Sponville betont jedoch, dass die Wahrhaftigkeit keine Pflicht sei, ganz gleich, was Kant darüber denkt. Es stimmt, setzt man die Aufrichtigkeit absolut, dann ist sie nur noch kalte, todbringende, abscheuliche Wahrhaftigkeit. Das sei nicht mehr Aufrichtigkeit, sondern Wahrhaftigkeitswahn, (vgl.: S.49).

Dieses Wahnhafte, mit der Moralapostel ihren Kreuzzug gegen alles beginnen, was nicht absolut in ihr Moralschema passt, deckt Erlinger in seinem Buch gut auf. Ihm geht es stets um Ab- und Zugeben, um einen toleranten Umgang mit Moral. Für ihn stehen die Menschen, die Tiere und die Natur im Mittelpunkt und nicht die Moral. Im Falle der Lüge meint er zu Recht, man müsse immer zwei Aspekte mit einbeziehen: "auf der einen Seite die Überlegung, dass jede Lüge den Belogenen in seiner Freiheit einschränkt und manipuliert und das Prinzip "Verletze niemand", sowie das Recht sich zu verteidigen. Dazwischen liegt die richtige Lösung für den konkreten Fall", (Zitat: S.52).

In puncto Toleranz kann es keine Toleranz gegenüber Missachtung von Grundrechten geben, damit endet die Meinungsfreiheit z.B. dort, wo Dritte verleumdet werden.

Interessant ist die kurze Abhandlung ethischer Theorien. Natürlich kann man hier auch Kants Zweckformel nachlesen, in der ich den Schlüssel für ein positives Zusammenleben sehe: "Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals als Mittel brauchest." Wenn ich merke, dass mich jemand als Mittel zu benutzen sucht, erfolgt bei mir der sofortige Kontaktabbruch. Dies halte ich moralisch vertretbar.


Gefallen hat mir, dass Erlinger John Rawls erwähnt, den ich sehr schätze und hier dessen Grundsätze der Gerechtigkeit reflektiert.


Erlingers Überlegungen zur Moral im Alltagsleben sind überaus lesenswert. Ich stimme ihm in allen Punkten zu, auch in dem Gedanken, dass Pünktlichkeit das Prinzip der Wertschätzung im wahrsten Sinne zeigt. "Wer den anderen warten lässt, schätzt ihn nicht wertvoll genug, um sich seinetwegen zu beeilen oder auch nur seine Zeit einzuteilen."(Zitat: S. 130). Mir ist im Laufe meines Lebens aufgefallen, dass geltungssüchtige Menschen andere gerne warten lassen, es ihnen also weniger darum geht, dem Wartenden die Wertschätzung zu entziehen, sondern mehr darum, dem eigenen Egovögelchen Wasser zu geben.:-)) Grundsätzlich ändert dies an der Tatsache jedoch nichts, dass Pünktlichkeit das Prinzip der Wertschätzung im wahrsten Sinne verkörpert.

Alles in allem ein gutes Buch, das verdeutlicht, dass man sich davor hüten sollte, in den Moralwahnsinn zu verfallen, an dem Moralapostel leiden, sondern sein Verhalten immer auf der Grundlage von Achtung und Respekt sich und seinen Mitmenschen gegenüber ausrichten sollte.

Empfehlenswert.


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Rezension: Wenn Kinder den Kontakt abbrechen: Hilfestellung und Strategien einer verlassenen Mutter (Taschenbuch)

Vor noch nicht allzu langer Zeit habe "Funkstille" von Tina Solimann rezensiert. Zum gleichen Thema hat die Diplompolitologin und Dozentin Angelika Kindt ebenfalls ein Buch verfasst. Kindt ist eine Betroffene. Sie wurde ohne Vorwarnung von ihrer Tochter Maya verlassen, die ihr schriftlich das "Eltern-Kind-Verhältnis" aufkündigte.

Das vorliegende Buch "Wenn Kinder den Kontakt abbrechen" ist ein Erfahrungsbericht der verlassenen Mutter, die auch die Erfahrung anderer ähnlich Betroffener schildert, bevor sie die Frage zu beantworten sucht, wer die Eltern sind, die verlassen werden und wie diese Eltern reagieren. So geben betroffene Eltern sich beispielsweise gerne gegenseitig die Schuld und nicht selten sind es die Frauen, die besagte Schuld allein auf sich laden, weil sie ein idealisiertes Bild in sich tragen, wie die perfekte Mutter auszusehen hat, (vgl.: S.83).

Die große Frage des Warum steht natürlich im Raum, darüber schreibt die Autorin ebenso, wie über Elternrollen, das Mutterbild, die Rolle der Väter und vieles andere psychologisch Bedeutsame mehr, um sich und den Lesern schließlich klar zu machen, was Kommunikation eigentlich bedeutet, damit man den Kommunikationsabbruch besser verstehen kann.

Kindt unterstreicht, dass Kommunikation ununterbrochen stattfindet, mit Worten, Gesten, Blicken, der Körperhaltung, dem Tonfall, den wir in unsere Stimme legen. Doch das Gesagte genügt nicht für das gegenseitige Verständnis. Diskrepanzen zwischen gesprochenen Worten und nonverbalen Äußerungen können Unsicherheit und Irritation zur Folge haben. Es ist demnach wichtig, sich klar zu machen, was man kommunizieren möchte und dies sollte man dann auch stimmig zum Ausdruck zu bringen. Konkret heißt das, sich nicht zu verstellen, sondern respektvoll das zu sagen, was man fühlt, (vgl.: S 112).

Die Autorin thematisiert Verweigerung als Form der Kommunikation und auch die Trauerarbeit als Phasen des Verlustes. Hier kommen zur Sprache:

Die Verleugnungsphase
Die Phase der Verbitterung
Die Phase der Verhandlung
Die Akzeptanz

Mir hat gefallen, wie Kindt Menschen, die Ähnliches erleben oder erlebt haben, Mut macht, Betroffene auch zur Reflektion anregt, um durch Verstehen verzeihen und loszulassen zu erlernen. Unversöhnlichkeit führt zu unnötiger Verbitterung sowie Verhärtung und wird der vormals bestandenen Beziehung nicht gerecht.

So sehr es auch schmerzt, man muss Kontaktabbrüche akzeptieren und lernen, diese hinzunehmen, auch wenn man nicht begreift, was der Auslöser für das Verhalten war. Lernen kann man nur für das Jetzt sowie für die Zukunft und hier zeigt die Autorin einen Weg. Dieser Weg ist auf Achtsamkeit begründet. Besagte Achtsamkeit sollte man m.E. in allen Interaktionen an oberste Stelle setzen, wenn man an langandauernden Beziehungen interessiert ist.


Wer schon etwas länger lebt, weiß, dass man diesbezüglich viele Fehler machen kann. Leben Eltern von ihren erwachsenen Kindern getrennt, sollten sie m.E. nicht nur über das Internet kommunizieren, sondern mit den Kindern auch telefonieren. Internetkommunikation ist sehr tückisch. Nirgendwo sonst sind die Missverständnisse so erheblich, nirgendwo sonst finden so viele abrupte Kontaktabbrüche statt.
Empfehlenswert.

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Rezension: Adel des Geistes- Rob Riemann

 Dem Klappentext ist zu entnehmen, dass Rob Riemen, der Autor dieses Buches, Gründer und Präsident des Nexus Institutes in den Niederlanden ist. Bei dem Institut handelt es sich um ein internationales Zentrum für die Debatte sozialer, philosophischer und künstlerischer Themen. Das vorliegende Buch wurde in zwölf Sprachen übersetzt. Es befasst sich mit dem so genannten "Adel des Geistes", der in den Augen des Autors weit mehr ist als ein Gelehrsamkeitsideal des 16. Jahrhunderts. Derjenige kann ihn erwerben, für den Wahrheit, Freiheit und Würde die höchsten Werte darstellen, die in seinem gesamten Tun erste Bedingung seines Handelns sein müssen.

Riemen hat vier Essays zu dem Thema verfasst. Im ersten Essay berichtet er von seiner Begegnung mit Elisabeth Mann Borgese, der jüngsten Tochter von Thomas Mann und deren Freund Joseph Goodmann. Ich möchte die Begegnung nicht episch breit nacherzählen, während der man viel über das Denken Elisabeths und des hochgebildeten Musikers aber auch über Goodmans großes Vorbild Whiteman erfährt, für den bereits klar war, dass ein System, politische Institutionen und ein Stimmrecht noch keine tatsächlichen Garanten für eine wahre Demokratie darstellen. Whiteman beschrieb, wie man erfährt, die Verluderung und Korruption der Wirtschaftselite, den mangelnden Gemeinsinn und die zunehmende Vulgarität, Heuchelei und Dummheit, die mit eine erfolgreichen materiellen Entwicklung einhergehen, (vgl. S.25). Ich kenne die Texte des amerikanischen Dichters, der von 1819-1892 lebte, nicht, werde mich mit diesem jedoch demnächst beschäftigen. Whiteman wusste offenbar, dass das Leben als Suche nach Wahrheit und Schönheit, dem Guten und der Liebe begriffen werden sollte, weil dies die Kunst des Menschwerdens, die Kultivierung der menschlichen Seele ist, (vgl.: S.25). Das sehe ich auch so.

Joseph Goodman, der, in der Art und Weise, wie ihn Riemen beschreibt, über Adel des Geistes verfügte, besaß ein ethisches Grundverständis, das weit zurückreicht und halt macht bei Spinoza, dessen Ethik Riemen hervorragend zusammenfasst. Riemen erkennt, dass die Freiheitsstatue in New York im Grunde eine symbolische Tochter von Spinoza sein könnte. Riemen schreibt von der Liebe zu Weisheit und davon, dass Spinoza bereits erkannte, dass Wahrheit und Freiheit unlösbar miteinander verbunden sind und dass derjenige, der nicht frei ist, die Wahrheit nicht leben darf, (vgl.: S. 35). Spinoza auch wusste schon, dass das wahre Denken Unabhängigkeit erforderlich macht und Macht und Geld die Freiheit letztlich nur einschränken.

Riemen macht deutlich, was Spinoza Goethe durch sein Werk lehrte und was es nach Spinoza bedeutet, Mensch zu sein. Nur wer sich weder durch Begierden, Reichtum, Ehrgeiz und Macht, noch durch Furcht beherrschen lässt, sondern sich durch das Bleibende, wahre Gute leiten lässt, hat sich geistige Freiheit und somit wahre Freiheit erworben, (vgl.: S.38). In diesem Sinne ist der Protagonist des 1. Essays Joseph Goodman, wie man ihn durch die Beschreibung Rob Riemens kennenlernt, ein Mensch, der über wahre Freiheit verfügte und insofern sich glücklich schätzen konnte, Adel im Geiste erworben zu haben.


Riemen schreibt in der Folge von Thomas Mann, der 1945 einen Sammelband mit dem Titel "Adel des Geistes. Sechszehn Versuche zum Problem der Humanität" herausgab. Im Essay Riemens "Thomas Mann und seine Zeit" lernt man Manns philosophische Entwicklung im Hinblick auf den Begriff Wahrheit kennen und erfährt von dessen "Betrachtungen eines Unpolitischen", in denen er sich nach dem ersten Weltkrieg mit der Frage auseinandersetze, ob seine Auffassungen über den Menschen, die Kunst, die Wahrheit und die Moral nicht ihre Gültigkeit verloren haben, (vgl.: S.50). Mann erkannte, dass Kultur zur Barbarei verkommt, wenn man politische-gesellschaftliche Entwicklungen ignoriert. Für Thomas Mann stellte die Wahrheit keinen empirischen oder mathematischen Begriff dar, sondern sie ist Maß und Wert, das Ideal nach dem jeder Mensch streben sollte, (vgl.: S.59). Man erfährt von Manns Anliegen in seinem "Dr.Faustus", in der es um intellektuellen Hochmut und moralische Blindheit geht. Die Rede ist von der Nachbarschaft von Ästhetizismus und Barbarei als Folge des Kultes um Kunst, der Wahnidee, dass der Mensch sich selbst erlösen könne, (vgl.: S 64). Solche Ideen führen nicht zum Adel des Geistes, der ohne Demut nicht zu erreichen ist.

Rob Riemen schreibt von Sokrates und Platon, sucht bei vielen Philosophen, Baltasar Gracian, Camus, Sartre, Nietzsche etc. nach Antworten. Ist der 11.September ein Angriff auf unsere Kultur oder die Konsequenz eines Mangels an Kultur? (Zitat. S. 85). Ich finde, dies ist eine sehr gute Frage, mittels derer man sich dem Mangel an Adel des Geistes im Hier und Jetzt bestens nähern kann.

Wenn Spaß und Genuss das Bewusstsein für Gut und Böse ersetzen, wird es schwierig sein, Adel des Geistes zu erwerben. Die Menschen sind nicht mehr durch universale Werte miteinander verbunden sein, sondern sie bestehen nur noch aus einer Ansammlung von egomanen Einzelwesen. Wir alle haben- und das macht das Buch deutlich- eine Verantwortung im Hinblick auf intellektuelle Integrität. Wir dürfen den Adel des Geistes nicht verraten, weil nur er den Fortbestand der Menschheit garantiert.

Läuten wir also das Ende der Spaß- und Genussgesellschaft ein und kümmern wir uns um die universalen Werte.

Empfehlenswert.


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Rezension: Picasso kann jeder?! Kreativität im Alltag - Martin Schuster

Der Psychologe Martin Schuster befasst sich in diesem Buch mit der Kreativität im Alltag und definiert zunächst erst einmal den Begriff: "Eine Leistung, die neu und gleichzeitig nützlich ist, bezeichnet man als kreativ. Die Person, die solch eine Leistung vollbringt, ist kreativ."


Der Autor listet in der Folge Kategorien der Innovation auf. Kreativ ist es nach seiner Betrachtung auch, für eine bereits bestehende Erfindung eine neue Anwendung zu finden. Eine interessante Betrachtungsweise, über die man im Rahmen einer Diskussionsrunde ausführlich sprechen sollte.


Schuster zeigt anhand von Skalenwerten für die Innovation, dass die Originalität des Projekts ein Gradmesser für Kreativität darstellt.



Einsteins Relativitätstheorie ist dabei ähnlich wie Darwins Evolutionstheorie ganz oben angesiedelt. Ein Zeichen mangelnder Kreativität liegt beispielweise vor, wenn ein Hobbymaler ein traditionelles Landschaftthema abkupfert oder ein Bäcker zwar immer wieder andere, aber im Grunde stets die gleichen Brötchen backt.


Interessant finde ich die Skala der Alltagskreativität. Hier gilt durchaus auch als kreativ, wenn man ein bekanntes Prinzip im Bereich des Alltags anwendet und dies dort zu neuen Ergebnissen führt.


Neben der Skala der Innovation ist wohl auch noch die Skala der Nützlichkeit für den Gradmesser der Kreativität wichtig. Diese wird deshalb ebenfalls im Buch aufgelistet. Die Alltagskreativiät habe nicht selten spielerischen Charakter. Sie sei weniger "ehrgeizig", wenn sie im Lebensvollzug auftrete, (vgl.: S.38). Für Schuster bedeutet Alltagskreativität das Ungewöhnliche zu realisieren. Für ihn trägt die Alltagskreativität verschiedene Namen: Findigkeit, Einfallskraft, Schlagfertigkeit, Improvisation, Improvisationsfähigkeit, immer einen Ausweg wissen, sich zu helfen wissen, originelle "Anmache", (vgl.: S. 39).


Schuster thematisiert eine Reihe von Beispielen für tägliche Kreativitätskraft, bevor er in der Folge deutlich macht, dass man keineswegs kreativ geboren wird, sondern jeder Mensch kreativ sein kann, wenn er dies auch wirklich möchte. Das bedeutet freilich nicht, dass in jedem ein Einstein steckt, aber es heißt, dass jeder auf seinem intellektuellen Niveau durchaus kreativ sein kann. Das setzt gegebenfalls voraus, Denkschranken zu überwinden, deren Ursachen in Unsicherheit, in der Hemmung natürlicher Neugierde, sogar durchaus auch in Aggressionshemmung liegen können.

Der Autor thematisiert alles, was Kreativität begünstigt. Dass Spontanität und Fantasie dazu gehören, dürfte jedem klar sein. Wichtig ist es, Kreativität von Kindern zu fördern. Wie das funktioniert, kann man ab Seite 176 ausführlich nachlesen.

Das Buch kann als Mutmacher begriffen werden, seine eigenen kreativen Ressourcen einzusetzen und aus den Ergebnissen seines innovativen Tuns Freude und mehr zu ziehen.
Lesenswert.


Rezension: Gewalt entsteht im Kopf.

Prof. Dr. med. Michael Günter befasst sich in diesem Buch mit dem menschlichen Grundproblem der Gewalt und verdeutlicht anhand der Filmklassiker "Spiel mir das Lied vom Tod", "Krabat", "Uhrwerk Orange", "Batman- The Dark Knight", "Terminator", und "Sleepers" sowie Falldarstellungen aus der eigenen Praxis, wie sich die psychischen Mechanismen von Gewalt offenbaren.

Im Buch geht es darum, wie Gewalt im Kopf, wie Fantasien über Gewalt entstehen, auch wie es dazu kommt, dass die Fantasien letztlich in die Ausübung der Gewalt münden, so der Autor, (vgl.: S. 9). Prof. Dr. Günter spürt dem komplizierten Zusammenwirken vorangehender, nicht selten prägender Lebenserfahrung, psychischer Dispositionen und sozialer als auch situativer Einflussfaktoren nach, die er von verschiedenen Blickwinkeln aus beleuchtet. (vgl.: S.9).

Ziel des Autors ist, den Leser auf verständliche Weise über Gewalt aufzuklären, um aufgrund eines umfassenderen Verständnisses des Problems und der psychischen Mechanismen, die Gewalt bedingen, zu einer rationaleren Diskussion in der Öffentlichkeit beizutragen, (vgl.: S.9).
Der Autor konstatiert, dass die Filme uns affektiv ergreifen und uns die Gefühle der dargestellten Protagonisten miterleben lassen. Prof Dr. Günter ist der Ansicht, dass sie im Vergleich zu Werken aus der Literatur oder der bildenden Kunst und Fotografie eine besondere Wucht entfalten, indem sie Bild, Bewegung, Sprache und Musik kombinieren und auf diese Weise ein dichtes Gewebe von Sinneseindrücken entstehe, von denen er glaubt, dass sich unsere Psyche diesen kaum zu entziehen vermag, (vgl.: S. 10).

Der Autor unterstreicht, dass Forschungsbefunde nahelegen, "dass der Konsum von Gewalt in Bildmedien, also in Filmen und Computerspielen, das kindliche und jugendliche Gehirn so prägt, dass einerseits ein Abstumpfen gegen Gewalt eintritt und andererseits die Hemmschwelle sinken lässt und eine entsprechende Handlungsbereitschaft erhöht wird", (Zitat. Seit 12-13). Je mehr sich Personen in Nebenrealitäten einspinnen und reale soziale Bezüge verlieren, bzw. sich von diesen ausgeschlossen fühlen, um so gefährlicher wird der potentiell antisoziale Sog, der durch die grausame Bilderwelt entsteht, (vgl.: S.14).

Gewalt in Filmen wird nicht immer als böse Macht eingesetzt und erlebt, sondern auch um Gerechtigkeit, Sicherheit und Freiheit wieder herzustellen. Obschon die Mehrzahl der Menschen diese bewusst ablehnt, werden trotz allem pausenlos Krimis, Psychothriller und Actionthriller im Fernsehen konsumiert, die, so Prof. Dr. Günter, vor Gewalt nur so strotzen, (vgl.: S.16). Liest man das Buch, beginnt man zu begreifen, weshalb dies so ist.

Der Autor interpretiert Gewalt in ihrer negativen Bedeutung als unrechtmäßige Ausübung von psychischem und psychischem Zwang auf Menschen. Dabei werden andere Menschen vorsätzlich geschädigt und in ihren Rechten beeinträchtigt. Angelehnt an diesen Gewaltbegriff ist der Begriff der strukturellen Gewalt, der im Buch ebenfalls näher erläutert, (vgl.: S. 17ff). Die subjektive Seite der Gewalt wird durch den Begriff Aggression unterstrichen. Unter Aggression versteht man ein affektbedingtes Angriffsverhalten des betreffenden Menschen, während Destruktivität in besagtem Zusammenhang die zerstörerischen Aspekte aggressiven menschlichen Verhaltens meint, die bis zur Lust an der Zerstörung sich steigern können, (vgl.: S.18).

Das Buch macht begreifbar, in welchem Ausmaß wir Gewalt in uns tragen und möchte einen Weg aufzeigen, mittels dem man das Umsetzen von Gewalt in Handlungen wirksam begrenzen kann. Dies gelingt dem Autor übrigens hervorragend.

Was hat Gewalt mit Rache-, Schuld- und Schamgefühlen zu tun?
Wie stellt sich Lust an der Macht und die Herrschaft des Schreckens dar?
Kann Gewalt ein letzter Ausweg in der Not sein?
Weshalb gehören Angst, Aggressivität und Sexualität im gewissen Sinn zusammen?
Wie gehen Männer und wie gehen Frauen mit Gewalt um?
Welche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen lösen Gewalt aus?
Fragen wie diese, werden im Buch mehr als nur zufriedenstellend beantwortet.

Dr. Günter weiß, dass die Fixierung auf Gewalt als Mittel genutzt wird, um das Gefühl der Wertlosigkeit, Ohnmacht, Hilflosigkeit und Verlassenheit zu bekämpfen. Aufgrund von Gewaltausübung vergewissern sich die Betreffenden ihrer Handlungsfähigkeit, befriedigen ihre Rache sowie Vergeltungswünsche und wehren ihre Schuldgefühle ab, (vgl.: S. 166).

Deshalb, so Prof. Dr. Günter, ist die beste Prävention gegen individuelle Gewaltentwicklung, die Gewalt und Vernachlässigung von Kindern in den Familien wirksam zu bekämpfen und Jugendlichen gute Perspektiven der Teilhabe am sozialen Leben, an Bildung, Beruf und sozialer Anerkennung sowie materieller Sicherung zu gewähren, (vgl.: S. 166). Dieser Schlussfolgerung schließe ich mich bedingungslos an.

Empfehlenswert.

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Rezension:Funkstille- Tina Soliman

Die Journalistin Tina Soliman stellt im Rahmen von sieben Lebensgeschichten das Phänomen Kontaktabbruch vor und lotet dieses mithilfe von einschlägiger Fachliteratur aus. Ich werde die Geschichten bewusst nicht verkürzt nacherzählen, um die Spannung am Buch nicht zu mindern, wohl aber möchte ich auf die wissenschaftlichen Hintergründe für "Funkstille" eingehen.

"Funkstille" ist eigentlich ein Wort aus der Schifffahrt. Inhaltlich besagt es die Einstellung des Funkverkehrs, um Notsignale - SOS - besser empfangen zu können. Die Funkstille ist also ein Schweigen, in das hinein Notsignale gesendet werden. Dieses verschlüsselte Signal bekundet, dass etwas nicht stimmt. Mittels dieses Signals wird auf eine Störung hingewiesen, hinter der alles zurückstehen muss, damit sie nicht überhört wird. Die Autorin konstatiert, dass "Funkstille" in der menschlichen Kommunikation, ebenfalls als Signal gedeutet werden muss, das besagt: "Bitte höre, was ich nicht sage."(vgl.: S.175.)

Soliman thematisiert in ihrem erhellenden Buch u.a. die Verlassenen, die Abbrecher, das Schweigen, die Motive und die Persönlichkeitsmuster der Betroffenen. In den Gesprächen mit den Verlassenen hatte die Autorin den Eindruck, dass diese Menschen Gefühle schildern, die denen von Hinterbliebenen eines Selbstmörders nicht unähnlich sind. Kontaktbruch muss man als harte Grenze verstehen, die nicht zu durchstoßen ist, (vgl.: S. 30). Das Problem besteht darin, dass die Hinterbliebenen nicht endgültig abschließen können.

Für den Verlassenen bedeutet Schweigen zunächst einmal Ablehnung. Der Verlassene sucht nach Klärung. Er möchte kommunizieren, um den Beziehungsabbruch zu verstehen. Das Schweigen schafft viel Raum für Spekulation, für Missverständnisse und Überlegungen, die letztlich einen möglich bestanden habenden Konflikt weiter befeuern, (vgl.: S.65).

Abbrecher lassen sich gerne ein Hintertürchen offen. Der Psychologe Udo Rauchfleisch, auf den die Autorin immer wieder Bezug nimmt, konstatiert, dass dies alles andere als fair sei, weil auf diese Weise beide nicht abschließen können. Nach seiner Ansicht bedeutet der Abbruch der Kommunikation, dass es innerlich noch nicht vorbei ist. Solange man schweigt, so Rauchfleisch, ist die Beziehung definitiv noch nicht beendet und die vorangegangene Verletzung noch nicht wirklich verarbeitet, (vgl. S.75).

Soliman schreibt, dass beim Thema "Funkstille" stets die gleichen Vokabeln auftauchen. Sie nennt: Schutz, Flucht, Angst, Verzweiflung, Strafe, Manipulation, Kränkung, (vgl.: S.80). Professor Rauchfleisch meint, dass "Funkstille" primär ein Zeichen von Schwäche sei, eine Kommunikationsstörung, bei der die Person, die verlässt, nicht in der Lage ist, den Konflikt vernünftig abzuschließen, (vgl.: S. 92). Die Psychotherapeutin Trin Haland-Wirth meint, dass Funkstille aggressiv und ärmlich sei. Hat jemand es nötig, derartiges zu machen, ist er nicht in der Lage es anders hinzukriegen, (vgl.: S. 95). Professor Teising ist der Ansicht, dass es bei "Funkstille" um Vernichtung geht. Er glaubt, dass das Selbstbild des Abbrechers zerstört sei und dass dieser nicht möchte, dass dieser Tatbestand für den anderen sichtbar wird. Er möchte also demnach nicht, dass das, was er selbst nicht erträgt, für den anderen erkennbar wird. Insofern versinkt er vor Scham in den Boden, (vgl.: S. 102).


Bei "Funkstille" gibt es im Verhalten des Abbrechers Charakteristika, welche offenbar häufig bei narzisstischen und schizoiden Persönlichkeiten zu Tage treten, aber auch bei bipolaren Störungen, sprich bei manisch-depressiven Personen. Soliman hebt hervor, das schizoide Menschen Angst vor Hingabe haben. Wenn solchen Personen ein Mensch zu nahe kommt, stoßen sie ihn schroff weg. Hinter diesem Verhalten stecke der Versuch der Selbstbewahrung und Ich-Abgrenzung, (vgl.: S.149).

Narzisstische Persönlichkeiten neigen eher zum Kontaktabbruch als andere, weil "Funkstille" letztlich auch eine narzisstische Aufwertung ist. Wer den Kontakt abrupt abbricht, gibt den Ton an und setzt den anderen unter Druck. Der Verlassene ist zum Warten verurteilt, ist vermeintlich abhängig davon, dass der Abbrecher der Kontakt wieder aufnimmt. Professor Rauchfleisch verdeutlicht jedoch, dass letztlich der Narzisst der Abhängige ist. Der Abbrecher, der sich in eine extreme Abhängigkeit zu einer anderen Person begeben hat, erträgt diese Abhängigkeit nicht mehr, bricht den Kontakt ab, allerdings in der falschen Hoffnung, dadurch die Abhängigkeit zu überwinden, (vgl.: S.158).

Kontaktabbruch ist letztlich eine Kapitulation, aus der- das hebt die Autorin zum Ende ihres Buches hervor- immer auch ein neues Miteinander erwachsen kann, sobald Abbrecher und Verlassener ihre Irrtümer erkennen und sich die Mühe machen, verstehen zu wollen, was der andere sagen möchte, auch ohne Worte, (vgl.: S. 170).

Ein sehr gutes Buch, das mir einiges klar gemacht hat. Mir wäre nie in den Sinn gekommen, dass Ursache für einen Kontaktabbruch auch Scham sein kann.

Empfehlenswert.

Helga König

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Rezension: Die Liebe neu erfinden- Wilhelm Schmid

Der Philosoph Wilhelm Schmid spürt in diesem Buch der Frage nach, wie die Liebe glücken kann. Sein Text, das möchte ich gleich vorweg schicken, ist kein intellektueller Spaziergang, sondern eine überaus differenzierte Betrachtung des Themas, wie ich sie in anderen Büchern über die Liebe bislang noch nicht gelesen habe.

Was ist Liebe? Eine vibrierende Intensität, Kräfte, die zuströmen und schwinden, Feuer, das entzündet wird und verglimmt, eine Flamme, die lichterloh brennt, bevor sie erlischt? Was geschieht, wenn man sich im Zustand der Liebe befindet?

Schmidt schreibt, dass die gängigen Deutungen der Liebe starke Gefühle füreinander sind, das dauerhafte Einsein, das wechselseitige Verständnis, die Treue, das gemeinsame Wachsen, die beiderseitige Bereitschaft, Schwierigkeiten durchzustehen, ohne die Beziehung in Frage zu stellen, auch die Gewissheit, sich in allen Lebenslagen aufeinander verlassen zu können,(vgl.S. 49). Doch auch andere Deutungen sind zulässig. Liebe kann zur Gewohnheit werden, sie kann durchaus auch noch bestehen, wenn man zeitweilig auf Sexualität verzichtet, auch wenn man kein großes Augenmerk auf die Treue legt und wenig Scheu vor Konflikten hat. Der Philosoph verdeutlicht, dass erst zu dem Zeitpunkt, wenn die Liebe, ihre Energie und ihr Sinn endgültig entbehrt werden müssen, das Spiel von vorn beginnt und zwar mit der Sehnsucht nach Liebe, (vgl. S.49).

Der Kern jeder Interpretation von Liebe ist nach Schmid eine "implizite Idee von Liebe". Dabei handelt es sich um ein zunächst vages Verständnis und eine Art, in der jeweils vom Wort "Liebe" Gebrauch gemacht wird, die schließlich auf die zu Grunde liegende Idee schließen lässt, (vgl.S. 50). Individuellen Ideen und Begriffe sind wohl immer auch mit kulturellen vermengt, deren Wandlungen parallel zur Geschichte der Erfahrungen eine "Ideen- und Begriffsgeschichte der Liebe" hervorbringen, wie sie Helmut Kuhn es in "Liebe" thematisiert hat.

Schmid verdeutlicht u.a., dass der Begriff der Liebe als Beziehung der Zuwendung und Zuneigung so gefasst ist, dass er noch etwas sagt, jedoch nicht so viel, wie etwa in der romantischen Liebe und nicht so wenig, wie in der rein pragmatischen Beziehung, (vgl.: S.53).

Der Autor befasst sich u.a. im Hinblick auf die Liebe mit der Spannung zwischen Freiheit und Bindung, thematisiert in diesem Zusammenhang die Liebesbeziehung, die Beziehung der Freundschaft, die kooperative Beziehung, die funktionale Beziehung, die agonale Beziehung, die ausschließende Beziehung und die virtuelle Beziehung.

Ich fand Schmids Betrachtungen bezüglich virtueller Beziehungen sehr interessant. Er konstatiert zunächst, dass in einer Zeit der Funktionalität schon die geringe Bedingung, die Beziehungen dieser Art bieten, von Interesse sei. Allerdings erschwere die größtmögliche Freiheit der Beteiligten das Entstehen irgendwelcher Verbindlichkeiten. Virtuelle Beziehungen sind immer globale Beziehungen. Solche hat es zuvor noch nie gegeben. Es sind Gemeinschaften (Communities) entstanden, die beispielsweise an gemeinsamen Projekten wie Wikipedia arbeiten und Menschen finden weltweit einen Weg zueinander, der vormals nicht denkbar war. Aber ist es wirklich möglich sich virtuell zu lieben?

Man erfährt in der Folge Näheres von der Statik und der Dynamik von Beziehungen und auch etwas über die Bedeutung der Vorsicht in Liebesverbindungen. Bejahende Beziehungen der Liebe, der Freundschaft und der Kooperation benötigen als Grundlage Vertrauen, die gleichgültigen oder verneinenden Beziehungen der Funktionalität, der Auseinandersetzung und des Ausschlusses kommen ohne Misstrauen nicht aus, (vgl.: S.129). Das sehe ich auch so.

Vertrauen benötigt Geduld und Ausdauer. Das sollte jedem klar sein und das ist offenbar ein Problem in unserer schnelllebigen Welt, die Liebe so schwierig macht.

Schmid geht u.a. der Frage nach, ob Frauen die besseren Lebenskünstler sind und reflektiert in diesem Zusammenhang das Ernstnehmen des Bedürfnisses nach dem Sinn der Sinnlichkeit im Leben seitens von uns Frauen. Der Philosoph versucht die Frage zu beantworten, ob Männer sich neu erfinden müssen und stellt Fragen, die eine neue Selbstdefinition ermöglichen:

1. Was sind meine wichtigsten Beziehungen der Liebe und der Freundschaft, über die ich mich definieren möchte?
2. Was sind die wichtigsten Erfahrungen, die fester Bestandteil meiner selbst bleiben sollen?
3. Was ist mein Traum, mein Glaube, mein bestimmter Weg und vielleicht mein Lebensziel, meine fixe Idee, meine Sehnsucht, die womöglich geschlechtsspezifisch geprägt ist?
4. Was sind die bestimmten Werte, die ich besonders schätzen und pflegen möchte und welcher Wert soll im Zweifelsfall Vorrang haben, wenn ich etwas zwischen Freiheit und Bindung, Risiko und Sicherheit, Konsequenz und Nachgiebigkeit beim Gebrauch von Macht wählen muss?
5. Welche besonderen Charakterzüge will ich stärken, die mir männlich (oder weiblich) erscheinen?
6. Was ist meine Angst, die einfach da ist, die Verletzungen, die ich erfahren habe, gar das Trauma, an dem das männliche (wie das weibliche) Selbst anhaltend leiden kann?
(vgl. hierzu die Seite 177 ff.. Hier werden diese Fragen Schmids ausführlich von ihm erläutert.)

Behandelt Schmid im ersten Teil des Buches das Thema "Von der Liebe und anderen Beziehungen", so befasst er sich im zweiten Teil mit "der Liebe der Liebenden". Hier geht er zunächst der Frage nach, ob das Leben erfüllter ist, wenn man alleine oder zu zweit lebt und reflektiert in der Folge die Frage, ob die Liebe ein Spiel sei und vertieft sich in den Gedanken des Bejahtwerdens durch die Liebe und den Auswirkungen dieses Angenommenseins. Hingabe und Hinnahme werden alsdann überdacht und hier hebt der Philosoph hervor, das die Kunst im richtigen Maß des Schenkens liegt. Beleuchtet werden auch die Widersprüche in der Liebe. Hier geht es u.a. um die Gründe und Abgründe der Eifersucht, um Ursachen für Verrat u.a.m..


Was heißt es, Glück in der Liebe zu haben? Wie verhält sich die "atmende Liebe"? Worum bemüht sie sich? Wie ist es um die Kunst der körperlichen Liebe bestellt? Auf Seite 283 habe ich einen Satz gelesen, den ich unbedingt zitieren möchte, weil ich ihn für überaus aussagekräftig in puncto Liebe halte und fast meine, dass er das Wesen der Liebe am besten zum Ausdruck bringt: "Lebbar wird die Liebe mit der Atmung zwischen Ekstase und Askese, zwischen willfähriger Lüsternheit und willentlicher Keuschheit, um zwischen den Extremen einer Dominanz des Eros, die jeden Logos auslöscht, und einer Dominanz des Logos, die jeden Eros vernichtet, einen gangbaren Weg zu finden."


Wilhelm Schmid spürt auch der seelischen Kunst des Liebens nach und weiß, dass Fühlen eine Möglichkeit ist, den unfassbaren Reichtum der Seele wahrzunehmen, und dass in der Liebe dieser Reichtum in anderem Maße fühlbar ist als in jeder anderen Beziehung. In seelischer Beziehung geht es darum, Liebe zu fühlen, deren Energie in anregenden, aufregenden und erregenden Gefühlen ihren Ausdruck findet, (vgl.: S.294).


Der Philosoph weiß, dass Menschen in Beziehungen gesunden, aber auch erkranken können und zwar dann, wenn die Energie blockiert. Sich mit dieser Tatsache auseinanderzusetzen, finde ich sehr wichtig. Wichtig aber auch ist, sich Gedanken über die transzendente Kunst des Liebens zu machen, die in heutiger Zeit leider oft vernachlässigt wird.


Fragen der Macht bleiben in diesem Buch nicht ausgespart, wenn es um die Liebe geht, wobei zu der Idee der atmenden Liebe die Wechselseitigkeit der Machtausübung gehört. Die grundsätzliche Umkehrbarkeit der Macht ist ein Kennzeichen demokratischer Macht. Nur unter dieser kann Liebe dauerhaft gedeihen. Glückliche Liebesbeziehungen setzen das Prinzip der Fairness voraus. Das sollte jedem eingängig sein.


Und was ist, wenn die Liebe endet? Auch hier weiß Schmid Rat.

Beinahe hätte ich es vergessen: auf den Seiten 30ff, nachdem der Philosoph sich zuvor ausgiebig mit dem Phänomen des Sehnens befasst hat, wartet er mit einem kleinen Abriss über die Geschichte der Liebe auf und beschreibt die Sichtweisen in der Antike, im frühen Christentum, im Mittelalter, und der Renaissance, in der frühen Neuzeit, in der Frühromantik, der fortgeschrittenen Moderne und der anders modernen Zeit. Dabei vergisst er nicht die Geschichte aus Platons "Symposion" zu erwähnen, von den Menschen die einst Kugelwesen waren und die aufgrund ihres Hochmutes entzweit wurden. Seither suchen sich die jeweiligen Teile und hoffen auf erneutes Einssein, das sie nur in der Liebe erfahren können und das auch nur für Momente. Vielleicht ist die Sehnsucht letztlich die Strafe für vorangegangenen Hochmut.

Ein sehr erhellendes, empfehlenswertes Buch.

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Rezension: Liebe in Gefahr- Walter Riso

Der in Kolumbien lebende Autor dieses Buches, Walter Riso, arbeitet als Psychotherapeut mit dem Spezialgebiet der kognitiven Verhaltenstherapie. Riso studierte übrigens Psychologie, Theaterwissenschaften, Philosophie und Bioethik. Der gebürtiger Italiener lebte lange in Argentinien, bevor er in Bogotá ansässig wurde.

Das Buch wurde von Stephanie von Harrach exzellent vom Spanischen ins Deutsche übersetzt. Dafür ein großes Lob.
Riso thematisiert in "Liebe in Gefahr" die Fallstricke in Beziehungen und untergliedert sein Buch in:

1) Die erdrückende Liebe
2) Die misstrauische Liebe
3) Die subversive Liebe
4) Die egoistische Liebe
5) Die perfektionistische Liebe
6) Die gewalttätige Liebe
7) Die teilnahmslose Liebe
8) Die chaotische Liebe

Für den Autor ist eine gute und stabile Liebesbeziehung eine solche, in der beide Partner zufrieden sind, ihre Lebensvorstellungen umsetzen zu können und sich beide nicht in ihren Rechten beschnitten sehen, (vgl.: S.12). Dieser Definition stimme ich gerne zu.

In negativen Beziehungsstilen gibt es ein oder zwei Antiwerte, die einer gesunden Beziehung entgegen stehen. Bestimmte Liebesbeziehungsmuster, wie etwa chaotische oder subversive treten eher bei Frauen, andere eher bei Männern auf. Unter dem Begriff Beziehungsstil versteht Riso eine bestimmte Art und Weise, mit affektiver Information umzugehen: sie zu fühlen, sie einzuschätzen und sie ins Beziehungsleben einzubinden, (vgl.: S.17).

Riso unterstreicht, dass dann, wenn der Umgang mit der Information gestört ist, wenn sie von negativen Rastern in Bezug auf uns selbst, auf die Welt und die Zukunft gesteuert wird, sich dies schädlich auf die emotionale und geistige Gesundheit auswirken kann und zwar die eigene und die des Partners, (vgl:.S.17).

Bei acht psychologischen Profilen (histrionisch-theatralisch, paranoid -überwachend, passiv-aggressiv, zwanghaft, antisozial-streitsüchtig, schizoid-einsiedlerisch und emotional instabil) werden jeweils die wichtigsten Merkmale und ihre Auswirkungen auf das Paarleben aufgezeigt. Thematisiert werden des Weiteren die persönlichen Dispositionen, die erklären, wieso sich Menschen auf Beziehungen dieser Art einlassen. Aufgezeigt wird, bis wohin und um welchen Preis es möglich ist, eine gesunde Beziehung mit jemand zu führen, der einen krankhaften Beziehungsstil aufweist. Ferner wird gezeigt, wie man Liebesmuster erkennt, bevor man sich verliebt und man erhält Hilfe, wenn man selbst die erwähnten Charakterzüge aufweist.

Auf alle psychologischen Profile im Rahmen einer Rezension einzugehen, führt zu weit. Besonders enervierend scheint mir ein paranoid-überwachender Partner zu sein, bei dem man pausenlos Treue- und Loyalitätsbeweise liefern muss. Das Problem ist, dass Argwohn zur Lebensform wird. Riso verdeutlicht, dass der paranoide Stil sich in Erinnerungen an negativen Vorkommnissen suhlt, absurde Schlüsse zieht und schließlich gnadenlos urteilt. Der Psychotherapeut verdeutlicht, dass bei sehr eifersüchtigen und rachdurstigen Menschen die Zeit keine Wunden heilt, sondern sie vielmehr verschlimmert und ewig offen hält. Wer mit einem Kontrollmenschen eine Beziehung eingeht, fühlt sich wie bei einem KGB-Verhör. Am Ende wird man, so Riso, vor allem eine große Leere verspüren und das unangenehme Gefühl, mehr gegeben als empfangen zu haben nicht mehr leicht los werden.

Mit einem Narzissten in einer Beziehung zu leben, dürfte auch wenig spaßig sein. Die meisten Narzissten wollen lieber verehrt als geliebt werden, von daher betört sie ein Kniefall eher als eine Umarmung. Applaus ziehen Narzissten einer zärtlichen Berührung vor, (vgl.S. 139). Wer eine gute Beziehung mit einem Narzissten haben möchte, muss ihn dauerhaft bewundern. Für eine solche Verbindung sind nur ich-schwache Menschen tauglich und solche, die sich mit Vorliebe grenzenlos hingeben. Eine untergeordnete Position einzunehmen, damit die Selbstzufriedenheit des Partners nicht gefährdet ist und jeden Tag auf Selbstbehauptung zu verzichten, ist gewiss nicht einfach.

Der absolute Horror jedoch scheint mir, eine Liebes-Beziehung mit einem unerbitterlichen Pedanten einzugehen. Das ist Hölle pur, wie die ausführlichen Schilderungen des Psychotherapeuten klar machen. Riso bringt es auf den Punkt: "Trägt dir jemand eine solch genaue, knauserige, unflexible, skrupulöse, strenge, moralinsaure, formale, rechtschaffene, strukturierte und organisierte Liebe an, dann suche das Weite!" (Zitat S. 168) Das Beziehungsmuster ist ein solches, bei dem ein Partner sich vom "Fehlerausräumer" immer mehr zum Buchprüfer steigert und eine Art Inquistionstribunal schafft. Da man zwanghafte Menschen sehr leicht erkennt, geht man ihnen besser aus dem Weg.

Mit antisozialen Menschen sollte man sich per se nicht abgeben und mit schizoid-einsiedlerischen ebenfalls nicht. Allerübelst auch sind Borderliner, deren emotionale Instabilität zu ertragen, ich mir qualvoll vorstelle.

Ich teile mit Riso die Meinung, dass eine gesunde Liebe auf Menschenwürde basiert und beide Partner davon ausgehen, dass Liebe das menschliche Potential fördert und entwickelt. Irrationale Beziehungsmuster lassen die beglückende Liebe zerbrechen, weil Werte wie etwa Einfachheit, Grundvertrauen, der gute Glaube, Selbstbehauptung, emotionale Offenheit, Bescheidenheit, Solidarität, Einfühlungsvermögen, Flexiblität, Respekt, Sanftheit, Friede, Zärtlichkeit, Selbststeuerung und Empathie nicht gelebt werden können.

Das Buch verdeutlicht sehr gut, was in Beziehungen schief laufen kann, woran es liegt und welche Maßnahmen zu ergreifen sind, um eine Veränderung herbeizuführen. Ob die Hinweise auf die Schräglagen einen jungen, verliebten Menschen dazu bringen können, einen großen Bogen um ein Beziehungsmonster, wie im Buch beschrieben zu machen, möchte ich allerdings in der Regel bezweifeln. Dies hängt nicht mit der Qualität des Buches zusammen, sondern mit den Hormonen, die den Kopf bei jungen Menschen lahmlegen und nicht nur bei jungen.
Dennoch, empfehlenswert. 

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Rezension: Friedrich Nietzsche- Das große Lesebuch

Ich hatte lange ein Abneigung, mich mit Texten von Nietzsche zu befassen. Die Abneigung beruhte auf Vorurteilen, die ich erst im Laufe der letzten Jahre zu reflektieren begann. Erst dann habe ich den ein oder anderen Nietzsche-Text gelesen und auch rezensiert.

Das vorliegende Buch enthält eine Fülle höchst eloquenter Texte des Philosophen, die verdeutlichen, zu welch philosophischen Höhenflügen dieser Mensch fähig war. Nach einem mehrseitigen Essay des Herausgebers Ludger Lütkehaus mit dem Titel "Friedrich Nietzsche, die umfangreichste Seele der Philosophie" hat man Gelegenheit, sich mit Texten des Philosophen zu Schopenhauer, zu Wagner, zur Tragödie, zur Historie, der Wahrheit, dem Unbewussten, zum freien Geist, zu der These, "Gott ist tot", zum Nihilismus, zur Umwertung der Werte, zum Willen zur Macht, zum Übermenschen, zur Amor fati und der Ewigen Wiederkunft und mit seinem Text "Ecco homo" näher zu befassen.

Die einzelnen Textstellen im Rahmen einer Rezension analytisch aufdröseln zu wollen, ist ein unmögliches Unterfangen. Ich denke die Texte Nietzsches kann man in ihrer Gesamtheit nur ansatzweise begreifen, wenn man keinen Mentor an seiner Seite hat. Es tauchen zu viele Fragen auf, obschon doch Vieles sich sehr einfach liest und zeigt, wie realistisch dieser Denker die Wirklichkeit wahrnahm: "Der Intellekt, als Mittel zur Erhaltung des Individuums, entfaltet seine Hauptkräfte in der Verstellung; denn diese ist das Mittel, durch das die schwächeren, weniger robusten Individuen sich erhalten, als welchen einen Kampf um die Existenz mit Hörnern oder scharfem Raubtier-Gebiss zu führen versagt ist. Im Menschen kommt diese Verstellungskunst auf den Gipfel: hier ist die Täuschung, das Schmeicheln, Lügen und Trügen, das Hinter-dem Rücken-reden, das Repräsentieren, das im erborgtem Glanze leben, das Maskiertsein, die verhüllende Convention, das Bühnenspiel vor den Anderen und vor sich selbst, kurz das fortwährende Herumflattern um die eine Flamme der Eitelkeit so sehr die Regel und das Gesetz, das fast nichts unbegreiflicher ist, als wie unter den Menschen ein ehrlicher und reiner Trieb zur Wahrheit aufkommen konnte. Sie sind tief eingetaucht in Illusionen und Traumbildern, ihr Auge gleitet nur auf der Oberfläche der Dinge herum, sieht nur "Formen", ihre Empfindung führt nirgends in die Wahrheit, sondern begnügt sich Reize zu empfangen und gleichsam ein tastendes Spiel auf dem Rücken der Dinge zu spielen."(Zitat. S. 189).

Ich habe aus dem 421 Seiten umfassenden Buch gezielt diese Textstelle zitiert, weil sie wie keine zweite Nietzsches Blick auf uns Menschen zum Ausdruck bringt. Die Eitelkeit ist die Triebkraft für die Verstellung, die uns daran hindert, die Dinge an sich zu erkennen. Leider.

Auf Seite 243 lese ich den Satz Nietzsches :" Unter friedlichen Umständen fällt der kriegerische Mensch über sich selbst her." Das entspricht auch meinen Beobachtungen. Destruktive Menschen agieren immer so, weil ihre Angst,- der Motor ihres Verhaltens-, außer Aggression nichts zulässt.

"Der schöne Schein der Traumwelten, in deren Erzeugung jeder Mensch voller Künstler ist, ist die Voraussetzung aller bildenden Kunst, ja auch, wie wir sehen werden, einer wichtigen Hälfte der Poesie", schreibt Nietzsche in seiner "Geburt der Tragödie." (Zitat.S. 109)

Den schönen Schein der Traumwelten kann ich in folgendem Vers nicht erkennen und doch drücken diese Zeilen Nietzsches etwas aus, das mich veranlasst, es hier wiederzugeben:
Mein Freund, was hier
Mich hemmt und hält ist dein Verstand,
Mitleid mit dir!
Mitleid mit deutschem Quer-Verstand!
(vgl. S. 261)

In Nietzsches nachgelassenen Fragmenten finde ich einen Satz, mit dem ich diese Rezension beenden möchte, die nicht mehr sein soll, als ein Versuch des Neugierigmachens auf die beeindruckenden Texte: "Eine Seele, in welcher die Weltweiseheit wohnt, muss durch ihre Gesundheit auch den Körper gesund machen", so sagt es Montaigne und ich gebe heute gerne mein Jawort dazu, als einer, der auf diesem Bereich Erfahrung hat."(Nietzsche)

Lesenwert. Sehr zu empfehlen.
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Rezension: Dr. Ruediger Dahlke- Angstfrei Leben

Dr. med. Ruediger Dahlke hat sich nach dem Medizinstudium zum Arzt für Naturheilwesen, zum Psychotherapeuten und zum Homöopathen weitergebildet. Gemeinsam mit seiner Frau hat er das Heil-Kunde-Zentrum in Johanniskirchen aufgebaut und leitet dieses. Ihm liegt bei seinem Tun die Entwicklung einer ganzheitlichen Psychosomatik unter Einbeziehung spiritueller Themen am Herzen.

Die CD "Angstfrei Leben" trägt den Untertitel "Selbstheilungsprogramm". Im Hintergrund vernimmt man asiatische Meditationsmusik. Dr. Dahlke suggeriert dem Zuhörer eine warme, geborgene Atmosphäre und veranlasst durch seine angenehme Stimme und das, was er sagt, dass man in Trance gerät. Man befindet sich im Bereich der Bilder und Fantasien, weit weg von seinem Körper. Man spürt im Grunde nur noch Wärme.

Dr. Dahlke entwickelt ein Bild nach dem anderen, zeigt Landschaften der Wärme und Weite. In einer dieser Landschaften steht ein alter Tempel oder ein Bauwerk aus alter Zeit, von dem man magisch angezogen wird. Über dem Gebäude steht mit großen Lettern "Zentrum der Selbsterkenntnis". Dieses Gebäude betritt man, lässt sich auf einer Art Ruhebett nieder und entspannt weiter im Gefühl absoluter Wärme. Man steigt gedanklich in einen Seelenbereich, in der eventuell Angst und Enge verborgen sind.

Doch man befindet sich im Bereich der Weite und Wärme durch die Trance und vermag der Enge die Stirn zu bieten, Dinge zu betrachten, denen man sich ansonsten nicht stellt. Man spürt die Angst nur ganz entfernt, erlaubt dennoch dem Angstgefühl sich auszubreiten, aber lässt sich davon nicht gefangen nehmen. In diesem Zustand kann man reflektieren, wie man mit der Angst umgeht, sieht wie die Angst die Gedanken gefangen nimmt und erkennt, wie sich Angst zum Widerpart von Weite, Wärme macht.

Man erkennt bewusst, welche Verhaltensmuster der Angst erst den Boden bereiten. Flucht und Vermeidungshaltungen vergrößern die Angst, das begreift man in dieser Situation. Man erforscht nun die eigenen Angstmuster, spürt, was sie körperlich mit uns machen.

Wo sitzt die Angst, wenn sie da ist? Dr. Dahlke fragt im Einzelnen, wo die Angst im Körper oder in der Seele gewissermaßen Enge auslöst? Diese Enge wird dann durch eine Wärmeoffensive gelockert und beseitigt.
Man begreift, dass Ängste bloße innere Muster sind. Nun nimmt man sich Zeit für eine Reise durch die verschiedenen Angstmuster des Lebens. Angst, die man sich bewusst vorstellt, ist nicht so schlimm, wie die Angst, vor der man flieht. Es steht schlecht um die Angst bestellt, wenn man nicht mehr vor ihr flieht, sondern sie stellt. Man begreift, dass sie dann flieht. Man sieht die Ohnmacht der Angst und begreift ihr Geheimnis. Dies verändert die Einstellung zur eigenen Angst nachhaltig

Auf der Ebene der Entspannung, des Loslassens und des Reichs der inneren Mitte begibt man sich immer wieder gedanklich in die Situationen von Offenheit, Wärme und Weite. Das führt zu weiterer Enspannung. Zeit und Raum verlieren immer mehr an Wichtigkeit.

Den Gedanken an Leichtigkeit und Weite soll man in bestimmten Köperregionen schicken. So kommt es bespielsweise zum Gefühl von Offenheit und Weite am Hals, in der Brust und im Herzen. Das sind Bereiche, wo man gemeinhin die Angst körperlich als Enge wahrnimmt.

Im Bereich der Seelenmuster geschieht durch die Atmung dann Entprechendes. Das Atmen entfernt immer mehr von ängstlicher Enge. Immer mehr begreift man, dass Weite und Wärme die Gegegenpole von Angst sind und man in der Lage ist, Wärme und Weite als Korrelativ gedanklich aber auch ganz real zu produzieren. So kann man Angst in ihre Schranken verweisen oder sie sogar auflösen.

Mit Wärme, die auch immer ein Synonym für Geborgenheit und Liebe ist, gegen Angst vorzugehen führt stets zu guten Ergebnissen. Schön, dass Dr. Dahlke dies auf der CD verdeutlicht.

Empfehlenswert.
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