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Rezension: Haltung ohne Hass –Ahmad Mansour –Berlin Verlag

Ahmad Mansour, der Autor dieses Buches, ist ein Diplompsychologe, der sich seit Langem mit Radikalisierungsprozessen befasst. In diesem Zusammenhang berät er Schulen, Sicherheitsbehörden, auch Familien und engagiert sich gegen Antisemitismus. Für seine Arbeit und damit auch für seine Bücher hat er zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Menschenrechtspreis der Gerhart und Renate Baum Stiftung und das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 

Sein Werk "Haltung ohne Hass" versteht Mansour als eine Aufforderung und teilt es nach dem Prolog in vier Abschnitte ein:

- Markus 
1.Wie Radikalisierung entsteht 
- Javad 
2. Die Brandbeschleuniger 
- Jonas 
3. Radikalisierung der Mitte 
4. Was jetzt zu tun ist 

Mansour zeigt, wie man Mechanismen erkennen kann, die in den Medien, den sozialen Netzwerken und im eigenen Denken subtil auf uns wirken. Es gehe darum, bei all dem Haltung zu zeigen, ohne andere zu entmenschlichen und anderen mit Offenheit und Respekt zu begegnen. Andere anders sein zu lassen, sei eine Voraussetzung, dass Demokratie funktioniert.

Anhand der Lebensgeschichten dreier Personen- Markus, Javad und Jonas - wird gezeigt, wie man sich in Verschwörungsgeschichten, digitale Desinformation und Populismus verlieren kann. 

Der Autor vermittelt im Buch sehr gut, wie Radikalismus entsteht. Es müsse eine innere Anfälligkeit auf ein Angebot treffen, das Entlastung, Bedeutung und Zugehörigkeit verspräche. Als Auslöser nennt er eine Krise, ein Milieu, das wenig andere Weltsichten kenne, auch die Erfahrung, nicht dazu zu gehören. Entscheidend sei, was innerlich geschehe. Darüber schreibt Mansour sehr verständlich und auch über die Muster, die stets auftauchen, wenn es um Radikalismus geht: als da sind Kontrollverlust, Empathiedefizit und Ambiguitätsdefizit sowie Zugehörigkeit und Abgrenzung. 

Diese Muster, nicht immer gleich ausgeprägt, seien gewissermaßen universell feststellbar. Der Autor erläutert die einzelnen Muster bestens. Er erklärt auch gut nachvollziehbar, weshalb Spaltung als Brandbeschleuniger wirke und wie Spaltung funktioniert. Zudem verdeutlicht er wie Kommentare im Netz die Polarisierung verstärken und was Trollfarmen bewirken. Bei diesen Trollfarmen handele es sich um organisierte Netzfarmen mit bezahlten Mitarbeitern, die koordiniert falsche Profile einsetzten, um Debatten zu verzerren und den Eindruck einer Mehrheitsmeinung zu erzeugen.

Des Weiteren wird man u. a.  über das Phänomen der Delegitimierung anstelle von Debatten aufgeklärt, erfährt zudem wie Delegitimierung funktioniert und was getan werden muss, um bei allem Haltung zu bewahren. 

Schon Kinder werden beeinflusst. Wie man Jugendliche stärkt? Etwa durch Medienkompetenz, emotionale Bildung, Debattierfähigkeit, Empathiefähigkeit und Ambiguitätstoleranz. Dies wird breitgefächert und gut erläutert. Gezeigt wird auch wie Eltern und Lehrer gestärkt werden können und welche Veränderungen im Netz notwendig sind, um dem Spuk der Radikalisierung ein Ende zu bereiten. 

All das ist gut erläutert. Es erfordert allerdings Offenheit von allen Beteiligten, an der es meist hapert.

Demokratische Kommunikation benötige Sprache, die konkret wird. Sie mache erforderlich, dass man Menschen ernstnehme und unter Druck nicht ins Schimpfen verfalle. Vor allem: Wer nur sende, belehre oder moralisch sortiere, verliere Vertrauen! 

Für Mansour ist klar, dass demokratische Parteien sich nicht über Abgrenzung und Empörung definieren dürfen, weil sie so das Vertrauen in die Demokratie beschädigten.

Demokratie brauche Politiker und Politikerinnen, die u.a. zuhören und auch Niederlagen hinnehmen können, "ohne daraus eine Frage von Anstand, Verrat oder demokratischer Legitimität zu machen."

Vertrauen werde zerstört durch Skandalisierung, Dauererregung und Dramatisierung.

Die Zivilgesellschaft müsse gestärkt werden. Hierfür müssen langfristige Bedingungen geschaffen werden. Auch das wird näher erläutert. Bei allem müsse begriffen werden, dass Radikalität nie ganz verschwinde, aber es sei auch klar, dass man sie minimieren könne. "Räume stärken, die Halt geben, und jenen widersprechen, die aus Unsicherheit Hass machen." Darum geht es. 

Sich mit dem Inhalt dieses Buches auseinanderzusetzen, verhilft zu Lösungswegen, Radikalisierung zu minimieren in allen Gesellschaften weltweit. Insofern: Ein Werk der Erkenntnisförderung.

Helga König

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