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Rezension: Väterlos- Matthias Stiehler

"Kurz gesagt, die "neuen Väter" sind eine Mischung aus Mutter und Spielkamerad. Sie sind alles, nur eben keine väterlichen Väter." (Dr. M. Stiehler, S.77).

Das vorliegende Buch von Dr. Matthias Stiehler wird vermutlich nicht bei allen Lesern auf Zustimmung stoßen, weil es sich mit Begrifflichkeiten befasst, die ein wenig antiquiert wirken. Da meine jahrzehntelangen Beobachtungen zum Thema Mangel an Väterlichkeit in unserer Gesellschaft, sich mit denen von Dr. Stiehler decken, bin ich natürlich hocherfreut über das aufschlussreiche Buch des Psychologen.

Der Autor teilt sein Buch in zwei große Abschnitte ein:
Väterlose Gesellschaft 
Merkmale von Väterlichkeit 

Obschon 2011 etwa 1/4 der Väter Elternzeit nehmen, die Tendenz sogar steigend ist und damit gemessen an vorangegangenen Generationen Väter in Familien wieder präsenter sind, mangelt es an Väterlichkeit. So jedenfalls die These des Autors. Dabei sollte man wissen, dass Väterlichkeit nicht dadurch entsteht, dass man Vater wird. Sie nämlich ist vielmehr die Summe der Eigenschaften, die das spezifische Vatersein ausmachen, (vgl.: S.8). Zu diesen Eigenschaften zählen, die Fähigkeit, die Eigenständigkeit und ein stabiles Selbstbewusstsein, auch die Neugierde und Lust am Entdecken zu fördern und Hilfestellung bei der Entwicklung von Freiheit und Selbstständigkeit zu geben. Ein väterlicher Vater fördert, fordert heraus und mutet zu, was über die bisherigen Lebenserfahrungen hinausgeht (vgl.: S.175) und er wirkt an der Entidealisierung wichtiger Menschen und des Lebens mit. Er erzieht zur Verantwortung, Ehrlichkeit, zu konsequentem Handeln und zur Akzeptanz der Folgen eigenen Handelns. Er lebt vor und lehrt sich dem Leben zu stellen, (vgl.: S.176).

 Überall dort, wo man einen Mangel an Prinzipienfestigkeit und am Festhalten der Wahrheit zugunsten eines kurzfristigen Vorteils feststellen kann, herrscht ein Mangel an Väterlichkeit vor. Denn es fehlt dann in Familien bzw. in Gesellschaften an eindeutiger und nachvollziehbarer Moral und am Ziehen klarer Grenzen, (vgl.: S.28).- Wenn immer nur mütterlich beschützt wird, werden die Menschen nicht eigenständig und wenn Väter nicht väterlich agieren, sondern sich muttergebunden verhalten, missbrauchen sie ihr Kind emotional. Ein solcher Missbrauch ist dann gegeben, wenn nicht klar Stellung bezogen wird und die eigenen Interessen über emotionalen Druck und verdecktes Agieren zu erreichen versucht wird, (vgl.: S.72). Die Forderung, der Mutter zu Liebe ein Tun zu unterlassen und nicht der Sache wegen, zeugt von absoluter Väterlichkeitsschwäche.

Wie Dr. Stiehler unterstreicht, ist es die mangelnde Väterlichkeit bis hin zur Ablehnung von Väterlichkeit (bei der es wohlgemerkt nicht um autoritäres Verhalten geht), die zum bestimmenden Merkmal gegenwärtiger Familienkonstellationen und daraus folgend der Gesamtgesellschaft wurde, (vgl.: S.75). Da stimme ich völlig zu.

Folgt man dem Autor, so ist väterliches Handeln in Familien und der Gesellschaft absolut notwendig, damit kein Stillstand entsteht, der das Ergebnis des Nichtabnabelnwollens aufgrund der falsch verstandenen mütterlichen Fürsorge darstellt.

Nicht nur Väter sind angehalten väterlich zu handeln, sondern auch Mütter, wenn das Kind zu einem eigenständigen und selbstbewussten Erwachsenen erzogen werden soll. Merke: Liebe bedingt mehr als bloßes "Pudern". Empfehlenswert. 

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Rezension: Moralia- 2 Bände- Plutarch

Alle Vergnügungen auf jede Weise genießen zu wollen, ist unvernünftig. Alle Vergnügungen ganz vermeiden zu wollen, ist gefühllos." (Plutarch).

Die beiden Bände der "Moralia" des griechischen Schriftstellers Plutarch (geb. um 45, gestorben um 125) umfassen nahezu 2000 Seiten. Herausgegeben wurde das vorliegende Werk von Prof. Dr. Manuel Vogel und Christian Weise. Bei den Werken handelt es sich um eine Neuauflage der deutschen Übersetzung, die zwischen 1818 und 1861 in der von Christian Nathanael v. Osiander und Gustav Schwab herausgegebenen Reihe "Griechische Prosaiker in neuen Übersetzungen" erschien. Damals war es einem breiteren Publikum hier zu Lande dann endlich möglich, Plutarchs "Moralia" zu erkunden und den beachtlichen Reichtum auf den Feldern der Geistes-, Kultur-, Philosophie- ,Religions- und Sozialgeschichte neu zu erschließen, lässt uns M. Vogel in seinem Geleitwort wissen.

Christian Weise, wartet alsdann mit einem editorischen Vorwort auf und beschreibt hier ausführlich den langen Weg der kritischen Ausgaben, informiert ausführlich über die Übersetzungen der "Moralia" Plutarchs in viele Sprachen, übrigens sogar ins Japanische und erteilt auch nützliche Hinweise zur Erschließung der Texte.

In der etwas mehr als eine Seite umfassenden Einleitung erfährt man, was man unter dem allgemeinen Namen "Moralische Schriften" bei Plutarch zu verstehen hat. Dazu gehören alle seine Schriften, die nicht zu der Klasse der Lebensbeschreibungen zählen. Ihrem Inhalt nach sind sie sehr breitgefächert, weil sie sich im Allgemeinen über Gegenstände des Lebens wie auch der Wissenschaften verbreiten und weder Geschichte, noch Mythologie, Kunde des Altertums etc. ausschließen. Einige der Texte sind pädagogisch, andere haben einen politischen Inhalt, wiederum andere sind auf die Philosophie und deren Anwendung auf das Leben bezogen oder auch auf die Bekämpfung entgegengesetzten Lebens, (vgl.: S.21).

Im ersten Band hat man u.a. Gelegenheit Plutarchs Betrachtungen über die Erziehung zu studieren, erfährt auch, was ein Jüngling lesen soll, wie man den Schmeichler vom Freund unterscheidet, wie man von seinen Feinden Nutzen ziehen kann, erfährt Aufschlussreiches über Tugend und Laster, um sich dann der Trostschrift an Apollonius widmen zu können. Ich versuche erst gar nicht all das, was auf den fast 2000 Seiten zu lesen ist, zusammen zu fassen, denn die Themenvielfalt lässt dies nicht zu und bin im Übrigen des Ansicht, dass man die Bücher nicht chronologisch lesen muss, sondern sich immer wieder in einzelne Kapitel vertiefen kann, die uns gerade beschäftigen. So hat mir vor Jahren bereits das Kapitel "Wie man von seinen Feinden Nutzen ziehen kann" sehr gut gefallen, weil Plutarch begreifbar macht, dass man jeden Angriff seiner Feinde dazu nutzen kann, in vieler Hinsicht noch mehr an sich zu arbeiten, um schließlich irgendwann unantastbar zu werden. Natürlich ist die ein langer und beschwerlicher Weg.

Sehr lesenswert sind Plutarchs Gesundheitsvorschriften, die dem Leser indirekt etwas über die medizinischen Verhältnisse in jener Zeit berichten. Seine Ehevorschriften, die man ebenfalls dem 1. Band entnehmen kann, zeigen, dass Plutarchs Empfehlungen dahin gehen, gewaltfrei sein weibliches Pendant in gewisser Weise zu leiten. Für die damalige Zeit war dieser Gedanke schon recht fortschrittlich. Er plädiert dafür, dass Eheleute charakterlich harmonieren sollen, um eine zufriedenstellende Ehe möglich zu machen, (vgl.: S.237), auch dieser Gedanke war fortschrittlich.

Man liest weiter über das Gastmahl der sieben Weisen, auch über seine Betrachtungen zum Aberglauben, von dem er sagt, man müsse ihn aus verschiedenen Gründen, die er auch benennt, meiden. Dabei argwöhnt er, dass der ein oder andere, der dem Aberglauben entgehen möchte, in hartnäckigen Atheismus verfalle und die Mitte, die in der Frömmigkeit liege, überspringe, (vgl.: S.287). Um die Mitte geht es Plutarch eigentlich immer. Diese Suche nach Ausgleich zeigt, dass er ein sehr weiser Mann war.

Es folgt eine Fülle von Denksprüchen von Königen und Feldherren, Römern etc. aber auch von einigen Spartanerinnen, bevor man sich mit den Tugenden von Frauen (im Text steht  von Weibern) befassen kann. Hier thematisiert er Trojanerinnen, Perserinnen, Chierinnen und viele, viele andere Frauen, darunter auch das Weib der Pythes, das zur Zeit des Xerxes lebte und das durch seine Weisheit und Güte bekannt geworden ist, (vgl.: S. 455ff).

Über gut 80 Seiten hinweg erörtert Plutarch Fragen zu Römischen Gebräuchen. Zu den Fragen zählen solche wie etwa "Warum nennt man den Bacchus Liber pater?" (S.506).

Interessant sind die Parallelen griechischer und römischer Geschichten, die er alsdann aufzeigt und seine Reflektionen über das Glück der Römer. Im Zuge bestimmter Themenstellungen zu Orakeln überdenkt Plutarch auch den Verfall dieser Orakel, um wenig später über die moralischen Tugenden und auch über die Bezähmung des Zorns nachzusinnen. Hier zeigt er sich wie so oft als guter Psychologe. "Die Gelassenheit aber, die uns in manchen Fällen gute Dienste leistet, gereicht uns in anderen zur Zierde und vermehrt die Freude, aber durch ihre Milde besiegt sie jeglichen Zorn und Unmuth," (Zitat: S.787).

Plutarch lässt sich in der Folge näher über die Gemütsruhe, sprich die Gelassenheit, aus, schreibt dann über die Bruderliebe, aber auch über die Liebe zu den Kindern, um sich ferner zur Geschwätzigkeit und zur Neugierde äußern. All dieses dokumentiert seine große psychologische Einfühlsamkeit. Ich möchte das an einer Textstelle zum Thema Neid und Hass dokumentieren: "Wir wollen un auch den Beweggrund einer jeden dieser Leidenschaften betrachten. Bei dem Hass hat man die Absicht, (E) nach Kräften Böses zu thun, daher bestimmt man den Hass als eine Gemüthsstimmung und als einen Vorsatz, jede Gelegenheit zu beachten, um Böses thun. Bei dem Neide findet dieses nicht statt, der Neidische wünscht Manchen seiner Freunde und Bekannte weder Tod noch Unglück; er fühlt sich nur durch ihr Glück gekränkt, daher sucht er womöglich, den Ruhm und Glanz desselben zu verhindern, ohne sie in Noth und Unglück zu stürzen, sondern er begnügt sich, wie bei einem hervorragenden Hause, den Theil, der ihm Schatten verursacht, hinwegzunehmen," (Zitat.: S. 907).

Dies sind nicht alle Themen, die im ersten Band breit angelegt erörtert werden. Eine Auflistung aller Themen würde den Rahmen einer Rezension leider sprengen, speziell wenn noch ein Blick auf Band 2 mit weiteren 871 geworfen werden soll. Hier hat man Gelegenheit sich zunächst durch 200 Seiten Tischreden zu lesen. Dabei wird eine Fülle von Fragen beantwortet, beginnend mit der Frage: "Darf man beim Trinkgelage über Philosophie sprechen?" Dann folgt ein überaus lesenswertes "Gespräch über die Liebe". Hervorheben möchte ich die Worte "Jeder Liebende wird freigiebig, mittheilend und hochherzig, wenn er auch vorher karg war..," (Zitat 243), womit Plutarch deutlich macht, welche wichtige Bedeutung die Liebe im Leben eines Menschen hat.

Zudem schreibt Plutarch zu politischen Lehren Wissenswertes und porträtiert das Leben der zehn Redner, zu denen auch Hyperides zählte.

Der hochgebildete Schriftsteller äußert sich auch zu physikalischen Lehrsätzen der Philosophen und geht hier Fragen nach, was Natur sei, wie die Welt entstanden ist, mit welchen Element Gott begonnen hat, die Welt zu bilden, ob die Seele ein Körper sei und woraus ihre Substanz bestehe, um nur einige der Fragen zu nennen. Er befasst sich ferner mit der Ursache von Kälte und mit der Frage, ob Wasser oder Feuer nützlicher sei und stellt u.a. Überlegungen zum Fleischessen an

Es folgen eine Reihe so genannter platonischer Fragen, auch befasst er sich mit der Entstehung der Weltseele in Platons Timäus, mit der Widersprüchen der Stoiker, um irgendwann dann fast zum Schluss über 30 Seiten hinweg den Leser zu überzeugen, weshalb man nach Epikurs Grundsätzen überhaupt nicht vergnügt leben kann. Plutarch ist auch mit Epikurs Vorschrift "Lebe im Verborgenen" alles andere als einverstanden und hält dieser Vorschrift Argumente entgehen, an denen sich Epikur sicher die Zähne ausgebissen hätte.

Gefallen hat mir, dass auf den letzten Seiten dann noch Betrachtungen Plutarchs zur Musik nachzulesen sind, die sein Universalgelehrtsein abrunden.

Was auffällt, ist die generelle Gelassenheit, mittels der Plutarch sich allen Themen nähert und das hohe Maß an Toleranz, das es ihm ermöglicht, intellektuelle Neugierde auszuleben und sich unverkrampft über die Vorurteile und Klischees seiner Zeit gedanklich hinwegzusetzen. 

 Die "Moralia" empfehle ich gerne, heute, morgen und für alle Zeiten.

Sehr empfehlenswert.

Helga König

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Rezension:Grundformen der Angst: Eine tiefenpsychologische Studie (Taschenbuch)

Der Psychoanalytiker Fritz Riemann (1902-1979) befasst sich in dieser tiefenpsychologischen Studie mit den Grundformen der Angst. Es handelt sich hierbei um:

 1) Die Angst vor Selbsthingabe, als Ich-Verlust und Abhängigkeit erlebt;
 2) Die Angst vor Selbstwerdung, als Ungeborgenheit und Isolierung erlebt;
 3) Die Angst vor Wandlung, als Vergänglichkeit und Unsicherheit erlebt;
 4) Die Angst der Notwendigkeit, als Endgültigkeit und Unfreiheit erlebt.

 Riemann hält gleich zu Anfang seiner Studie fest, dass Erwachsen-Werden und Reifen einhergehen mit Angstüberwindung. Jedes Alter hat seine entsprechenden Reifungsschritte mit den dazugehörenden Ängsten, die gemeistert werden müssen, wenn der Schritt gelingen soll. Der Autor verdeutlicht, dass diese Ängste gleichsam organisch zu unserem Leben gehören, weil sie mit körperlichen, seelischen und sozialen Entwicklungsschritten zusammenhängen.

In der Folge stellt Riemann Persönlichkeiten vor, die Angst überwertig erleben und zeigt jeweils auf, wodurch diese überzogenen Ängste in der Kindheit entstehen

 Ich erlaube mir die wichtigsten Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensmuster an dieser Stelle festzuhalten, damit die potentiellen Leser einen Überblick bekommen, worum es hier eigentlich geht

 Die schizoide Persönlichkeit

 Schizoide Personen haben ein übersteigertes Empfinden hinsichtlich der Selbstbewahrung und Ich- Abgrenzung. Kennzeichnend für diesen Personenkreis ist eine übersteigerte Angst vor Nähe. Sie möchten auf niemand angewiesen und niemanden verpflichtet sein. Der Schizoide strebt überhöhte Distanz an, weil er sich dauernd in seinem Lebensraum bedroht fühlt.

Auf die Umwelt wirkt ein solcher Mensch fern, kühl, unpersönlich und kalt. Auch wenn man diese Leute schon lange kennt, kennt man sie nicht wirklich. Selbst, wenn man heute einen guten Kontakt zu ihnen haben mag, verhalten sie sich morgen so als hätten sie uns nie gesehen

Mangels des Nahkontaktes entsteht eine krankhafte Eigenbezüglichkeit, wahnhafte Einbildungen und Wahrnehmungstäuschungen. Das Gefühlshafte bleibt bei solchen Menschen oft unterentwickelt.

 In der Liebe wird der Partner nur als "Sexualobjekt" gesehen, das der Befriedigung der Sinne dient, darüber hinaus allerdings nicht interessiert. Wenn die Gefühlskälte weiter fortgeschritten ist, kann es geschehen, dass auf den Partner unverarbeitet Hassgefühle und Rachehaltungen unbewusst projeziert werden, die einer ursprünglichen Person in der Kindheit gegolten haben.

Schizoide Personen reagieren beim Überschreiten ihres Schutzkreises- ihrer imaginären Grenze - durch andere mit Panik, die in wilden Angriff umschlägt. Der Angst folgt die Aggression

 Schroffheit, plötzliche verletzende Schärfe, eisige Kälte, Unerreichbarkeit und sekundenschnelles Umschlagen von Zuwendung in feindselige Ablehnung sind die häufigsten Ausdrucksmöglichkeiten der Aggression.

 Riemann zeigt an Beispielen schizoide Erlebnisweisen auf, wobei er darauf hinweist, das schizoides Verhalten ein geisteskrankes Verhalten ist

 Gefühlsabläufe und Verstandeserfahrungen laufen gleichsam getrennt, verschmelzen nicht zu einheitlichem Leben. Mit wachsendem Autismus verliert der schizoide Mensch immer mehr das Interesse an der Welt und den Menschen. Die Schwerstgestörten machen sich selbst zum Maßstab aller Dinge. Dies Kann zu größenwahnsinniger Überheblichkeit und Selbstvergottung führen. Ethik und Moral sind für Schizoide fragwürdig. Nicht selten entwickeln diese Menschen eine "Herrenmoral", für deren Angehörige andere Regeln gelten als für in ihren Augen "Schwache".

 Menschen mit stark schizoider Struktur leiden nicht an ihrem Wesen, sondern sie fühlen sich gesund. Oft ist es ihr Umfeld, das lernen muss sich abzugrenzen, um psychisch nicht auf der Strecke zu bleiben.

 Die depressive Persönlichkeit.

 Dieser Personenkreis hat Angst ein eigenständiges Ich zu werden. Den Depressiven quält die trennende Kluft zwischen Ich und Du. Alleingelassenwerden und Verlassenwerden kann ihn in tiefe Depression und Verzweiflung stürzen. Um sich vor Verlustängsten zu schützen, müssen diese Personen lernen viel Eigenständigkeit und Unabhängigkeit zu entwickeln. Distanz bedeutet für den Depressiven Bedrohung. Um anderen uneingeschränkt nahe sein zu können unterdrücken diese Menschen gerne Kritik und Zweifel am Nächsten. Ihr Persönlichkeitsbild weist überwertig Tugenden, wie etwa Bescheidenheit, Überangepasstheit, Unterordnung bis zur Selbstaufgabe, im Extremen masochistisches Hörigkeitsverhalten auf.

 Für sich selbst fordern diese Personen nichts. Riemann lässt den Leser wissen, dass es kennzeichnend für Depressive ist, dass sie schwer etwas merken können, schnell vergessen, oft Lernschwierigkeiten haben und nicht selten teilnahmslos und müde erscheinen. Aggression bei Depressiven äußert sich in Jammern, Klagen und Lamentieren. Aggression und Angst vor Liebesverlust führen oft zu Selbsthass und zur bewussten und unbewussten Selbstbestrafung und Selbstzerstörung. Auch hier macht Riemann das Krankheitsbild an Beispielen deutlich.

 Depressive versetzen sich in die Situation des anderen. Sie identifizieren sich mit ihm soweit, dass sie den eigenen Standpunkt und die eigenen Interessen darüber weitgehend vergessen. Da sie zu wenig Eigenimpulse und Eigenwünsche haben, die sie den Wünschen anderer entgegensetzen können, unterliegen sie den Impulsen und Wünschen anderer. Immer sind sie gewohnt die Erwartungen anderer zu erfüllen. Wenn ein solcher Mensch sich für alles verantwortlich fühlt, geschieht dies nicht aus Größenwahn, sondern aus fehlender Ich-Stärke, die ihn mehr den anderen leben lässt als sich selbst. Dies kann bis zur völligen mentalen Selbstaufgabe führen.

 Die zwanghafte Persönlichkeit.

Dieser Personenkreis hat eine übergroße Angst vor Vergänglichkeit. Dadurch kommt es zum starren Festhalten an Überkommenem auf allen möglichen Gebieten. Tradition, familiärer , gesellschaftlicher, moralischer, politischer, wissenschaftlicher und religiöser Art führen nicht selten zu Dogmatismus, Konservatismus, Prinzipien, Vorurteilen und zu verschiedenen Formen von Fanatismus. Je starrer diese vertreten werden, desto intoleranter sind diese Menschen anderen gegenüber, die sie angreifen oder auch nur eine Frage stellen. Je mehr diese Personen an altem festzuhalten suchen, um so mehr empfinden sie die Angst vor Vergänglichkeit. Das hartnäckige Zwingenwollen und Bändigenwollen der Gewalten des Lebens ist hier typisch.

In einer Liebesbeziehung will der Zwanghafte seinen Partner nach seinem Willen formen.Geld, Pünktlichkeit, Sparsamkeit, Machttrieb, Pedanterie und Starre lassen solche Beziehungen verkümmern. Das Liebesleben ist insgesamt erosfeindlich.

 Aggressionen sind hier zwanghaft, weil sie mit Machtwillen verbunden sind. Die Aggressionen der Zwanghaften dienen der Macht und die Macht der Aggression. Formen der Aggression sind Verschlagenheit, hinterhältige- feige , versteckte Aggression, die aus dem Hinterhalt zuschlägt. Auch hier erhält man wieder lebensgeschichtlich Hintergrundinformationen. Perfektionismus, Unduldsamkeit gegenüber anderen, die sich zu diktatorischen und dogmatischem Verhalten vertiefen sind bezeichnend.

Die hysterische Persönlichkeit

 Dieser Personenkreis hat Angst vor dem Unausweichlichen, vor der Notwendigkeit und vor der Begrenztheit unseres Freiheitsdranges. Grenzüberschreitendes Erleben zieht ihn an. Platzangst, Staßenangst, die Angst sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten , auch Tierphobien sind im Grunde verschobene Ängste. Die Angst, die dahinter steht, ist die Angst vor Freiheitsbeschränkung.

 Hysteriker sind in ihren Liebesbeziehungen leidenschaftlich, intensiv und fordernd. Sie sind Meister der Erotik, der Verführung, des Flirts und der Koketterie. Diese Menschen sind genussfroh, phantasiereich und verspielt. Treue ist ihnen nicht so wichtig, zumindest die eigene nicht. Heimliche Liebschaften haben einen besonderen Reiz für sie und geben ihrer romatischen Fantasie freien Raum. Das Bedürfnis bestätigt werden zu wollen nimmt bei diesen Menschen überwertige Formen an. Ihr Narzissmus, ihre Eigenliebe bedarf immerwährender Bestätigung. Einen Partner benötigten sie vor allem , damit dieser sie ihres Charmes, ihrer Schönheit, ihrer Bedeutung und sonstiger Vorzüge versichert. Schürzenjäger und Männerverbraucherinnen (so die Worte Riemanns!) sind typische Hysteriker. Aggressionen leben Hysteriker in der Intrige aus. Abwertungen eines anderen bis hin zur Vernichtung kommen seiner ausgeprägten Rachehaltung entgegen. Flammende Entrüstung, pathetische Gesten und leidenschaftliche Anklagen sind typische Aggressionsäußerungen.

Auch hier wieder werden lebensgeschichtliche Hintergründe aufgezeigt. Das zentrale Problem hysterischer Persönlichkeiten ist, dass sie die Identität mit sich selbst nicht finden. Problematisch ist, dass scheinbar ergänzende Persönlichkeitsstrukturen oft eine instinktive Anziehung aufeinander ausüben, weil sie durch den Gegentyp zur Ganzheit zu gelangen beabsichtigen. Der Schizoide ahnt von der Liebesfähigkeit des Depressiven, seiner Opferbereitschaft, seinem Sich-Selbst-zurückstellen, seinem einfühlenden Sich-bemühen. Er ahnt die Erlösung aus seiner Isolation,die Möglichkeit am Partner etwas nachzuholen. Anderseits fasziniert den Depressiven am Schizoiden , dass dieser etwas lebt, was er nicht zu leben wagt. Zudem spürt er hier jemand , der seine Liebesbereitsschaft dringend braucht. Im Zusammenleben spitzen sich dann allerdings Abhängigkeits- und Unabhängigkeitsdrang dramatisch zu. Es folgt endloses Missverstehen.

Endsprechend verhält es sich zwischen zwanghaften und hysterischen Persönlichkeiten. Auch hier enden Beziehungen in der Regel in Auseinandersetzungen.

 Gegensätzliches stößt sich am Ende ab, wenn nicht die Bereitschaft zur Erkenntnis und Reifung beidseitig vorhanden ist

 Sehr empfehlenswert.

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Rezension:Flourish - Wie Menschen aufblühen: Die Positive Psychologie des gelingenden Lebens (Gebundene Ausgabe)

Prof Dr. Martin E.P.Seligmann ist der Autor dieses Buches, das in zwei große Teile untergliedert ist und sich dabei im ersten Teil ausgiebig mit einer neuen positiven Psychologie befasst, währenddessen es im zweiten Teil dann um Wege des Aufblühens geht.

Zunächst geht der Autor der Frage nach, was man unter Wohlbefinden zu verstehen hat und erörtert die Theorie des Wohlbefindes sehr erhellend. Wohlbefinden ist ein Konstrukt und besitzt fünf messbare Elemente. Genannt werden: Positives Gefühl, Engagement, Beziehungen, Sinn und Zielerreichung, (vgl.: S.45). In der Theorie des Wohlbefindens ist das Ziel der Positiven Psychologie das Aufblühen von Menschen zu messen und zu unterstützen. Von daher muss zunächst erfragt werden, was uns eigentlich glücklich macht, (vgl.: S. 53).

Seligmann stellt eine kurze Übung vor, die das Wohlbefinden erhöhen und die Depression mindern soll, stellt weiterhin einen Überblick über 14 Sitzungen der Positiven Psychotherapie vor, zeigt auch wie man mit negativen Gefühlen umgehen soll, um dann schließlich auf unterschiedliche Lehren des Wohlbefindens einzugehen. Der Autor schreibt über den Sinn, bereits jungen Menschen Wohlbefinden zu lehren und thematisiert das Resilienzprogramm der Penn-Universität, dessen Aufgabe es ist, die Fähigkeit der Schüler zu vergrößern, mit alltäglichen Problemen umzugehen, die typisch für die Adoleszenz sind, (vgl. S.123).

Der Wissenschaftler listet die Ergebnisse des Penn-Resilienz-Programm auf und überzeugt den Leser von der Notwendigkeit, eine positive Erziehung voranzutreiben. Ein Weg dazu wäre positive Computerarbeit, da stimme ich Seligmann zu.

Im zweiten Teil dann kann man sich zunächst in eine neue Theorie der Intelligenz vertiefen, sich in diesem Zusammenhang einem Entschlossenheitstest unterziehen. Anschließend werden die Vorteile von Entschlossenheit aufgezeigt, dann weitere Elemente des Erfolgs genannt, die eine Voraussetzung des Erblühens sind.

Der Autor schreibt u.a. darüber, wie man Trauma in Wachstum verwandeln und mentale Widerstandsfähigkeit aufbauen kann, befasst sich auch mit der Biologie des Optimismus, um dann einen Test der Charakterstärken vorzulegen, der uns zeigt, wo unsere Stärken liegen, sei es im Bereich der Weisheit und des Wissens, im Mut, in der Mitmenschlichkeit und Liebe, in der Gerechtigkeit, der Mäßigung oder in der Transzendenz. Der Test ist sehr aufschlussreich und zeigt, welche Talente wir verstärkt einsetzen sollten, um mehr und mehr zu erblühen.

Lesenswert.

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Rezensionen: Revierkämpfe in der Liebe

Die Diplompsychologin und Psychotherapeutin Berit Brockhausen befasst sich in diesem Buch mit Revierkämpfen in der Liebe und geht in ihrer Grundannahme davon aus, dass es in Liebesbeziehungen unausweichlich zu Kämpfen und Feindseligkeiten aufgrund von irritierenden Grenzverletzungen kommt.

Die Autorin verwendet in diesem Zusammenhang den Begriff "Hoheitsgebiete", weil dieser noch deutlicher als das Wort "Territorium" zeigt, worum es geht: um Souveränität, Selbstverantwortung und Grenzen, (vgl.: S.29).

Sie thematisiert Begriffe wie Besitz, Raum, Zeit, Rückzug, Aufmerksamkeit, eigene Gefühle, Gedanken, Wahrnehmungen, Verantwortungsbereiche sowie den eigenen Körper und hebt dabei hervor, dass es Nähe ohne Grenzverletzungen nicht geben kann.

Werden unsere Hoheitsgebiete absichtlich oder unabsichtlich verletzt, entsteht Irritation. Wenn man in der Folge sein Territorium verteidigt, kommt es offenbar zu Auseinandersetzungen, gibt man sein Hoheitsgebiet kampflos, um des lieben Friedens wegen auf, entstehen nicht selten feindselige Gefühle. Aufgrund solcher Territorialkämpfe bleiben Liebe und Gemeinsamkeit nicht selten auf der Strecke. Die Partner empfinden sich als bedrohlich, werden zu Gegnern, die sich in Revierkämpfe verstricken, so Brockhausen. 

 Meines Erachtens ist dies dann besonders extrem, wenn die betreffenden Personen ein sehr aufgeblähtes Ego haben. Je mehr man in der Lage ist, in Beziehungen sein Ego zu begrenzen, umso weniger wird es die Revierkämpfe in der Liebe geben, weil man einfach die Grenzen des anderen per se akzeptiert.

 Die Autorin zeigt, auf welche Weise in Beziehungen Revierkämpfe ausgetragen werden und welche Möglichkeiten es gibt, das Territorium des Liebsten zu besetzen, es ihm abzuluchsen oder abzuverlangen. Auf diese Weise wird das Selbstbewusstsein des Partners auf Dauer untergraben, aber zeitgleich auch die Liebe zueinander.

Es ist wichtig, sich aus leidvollen Verstrickungen zu lösen und eine innere Unabhängigkeitserklärung anzustreben. Diese ist die Voraussetzung für eine Partnerschaft, die langfristig beide zufrieden stellt.

Die Autorin zeigt gangbare Wege auf, wie man fair in einer Beziehung miteinander umgeht. Letztlich ist eine gute Beziehung nur auf gleiche Augenhöhe möglich und setzt voraus, dass man das Selbst des anderen vollständig akzeptiert. 

Empfehlenswert. 

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Rezension: Erlebe Deine Kraft: Lass Dein Unterbewusstsein für Dich arbeiten und erreiche alle Deine Ziele (Gebundene Ausgabe)

Der Diplompsychologe Dr. Karl Werner Ehrhardt hat gemeinsam mit dem Philosophen Dr. Thomas Schneider dieses kurzweilig zu lesende Buch auf den Weg gebracht, das dem Leser helfen soll, seine mentalen Kraftquellen zu entdecken, abzurufen und wirksam einzusetzen.

Das Buch versteht sich nicht als Ratgeber, sondern vielmehr eine Gebrauchsanweisung für unseren Kopf.

Wenn man etwas nicht mag, lehnt man es ab oder unterdrückt und vermeidet es. Das aber kostet Kraft, die uns woanders fehlt, (vgl.: S.19). Verdeutlicht wird, wie wichtig es ist, alles was Kraft kostet, zunächst einmal bedingungslos zu akzeptieren. Die Akzeptanz macht den Kopf frei, anderes zu tun, neu zu beginnen, Dinge und Gefühle aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und Lösungen zu entdecken, (vgl.: S.23). Wie man erfährt, wird man nur durch Akzeptanz erneut handlungsfähig. Neben Akzeptanz ist ein gesunder Realitätsbezug notwendig, wenn man sein Leben sinnvoll gestalten möchte. Lebensgestaltung setzt kluge Entscheidungen voraus, die letztlich im Unterbewusstsein getroffen werden. Entscheidungsprozesse durchlaufen diverse Stadien der Entscheidungsfindung.

 Man erfährt Wissenswertes über die 4 Phasen der Entscheidung in der Praxis, um sich anschließend mit seinen Stärken näher zu befassen. Wissen muss man, dass man seine Stärken erst dann wirklich einsetzen kann, wenn man die Kraftfresser, sprich die Störgedanken beseitigt hat. Das funktioniert, wenn man sich entspannt und die Fähigkeit entwickelt, in den Alphazustand zu gelangen, (vgl.: S.43). Nur dann, wenn man zur Ruhe gekommen ist, ist eine Adlerperspektive möglich. Interessanterweise gelangt das Gelernte, wenn man sich im Alphazustand befindet bereits nach zwei Wiederholungen ins Langzeitgedächtnis. Wenn man hingegen unter Zwang lernt, benötigt man zwischen 8 bis 13 Wiederholungen bis das Gelernte aus dem Langzeitgedächtnis abgerufen werden kann, (vgl.: S.51).

 Mittlere Tiefenentspannung erfolgt im Theta-Zustand. Jetzt hat man einen direkten Draht zum Unterbewusstsein. In diesem Zustand entwickeln sich geniale Ideen, welche Lösungen für Probleme sein können. Hier wird die Intuition freigesetzt, (vgl.: S.52). Den Zustand erreicht man nur durch absolute Entspannung.............. Wer sich entspannen möchte, muss sich bewusst machen, welche Verhaltensweisen kraftfressend sind. Man hat Gelegenheit, sich eine Liste von "Kraftfressern" zu Gemüte zu führen (Beispiel: "Ich muss alles kontrollieren") und sollte wissen, dass kraftfressende Verhaltensweisen, im Grunde das Nicht-Beenden von negativen Gedanken, das Nicht-Aussteigen aus negativen Gefühlen und Nichtschlussmachen mit destruktiven Gewohnheiten sind, (vgl.: S. 67).

Es geht darum, kraftfressende Gedanken und Gefühle auszuschalten und die Dauerabbuchungen auf dem Selbstwertkonto zu beenden. Negative Glaubenssätze beeinflussen ähnlich wie positive 95% unserer Reaktionen, Entscheidungen und Handlungen. Aus gutem Grund sollten wir uns von den negativen Verhaltensmustern verabschieden. Merke: "Wer viel Lacht, gute Laune liebt, vorwiegend nicht in Problemen, sondern Lösungen denkt, tut dies auch in seinen Träumen und Konfliktsituationen." (Zitat: S. 77).

Wie man Powergedanken erzeugt, wird gut erläutert und es wird sehr gut dargestellt, was man unter Kraftquellen und unter Kraftfressern zu verstehen hat. Hat man sich erst einmal dazu entschieden, die eigene mentale Kraft zu erleben, dann wird man gelassener, die Herausforderungen des Lebens annehmen und unverzagter an seinen Zielen arbeiten.

 Ein tolles Buch, das ich gerne empfehle.

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Rezension: Wilhelm Schmid - Unglücklichsein: Eine Ermutigung

Ist das Heimweh nach dem Traurigsein dem Menschen immanent?

Der Philosoph Prof. Dr. Wilhelm Schmid hat mit diesem gehaltvollen Büchlein eine Ermutigung für Menschen verfasst, die sich unglücklich fühlen. Wie er in seinem Vorwort schreibt, lässt die Diktatur des Glücks, die uns derzeit allen droht, keinen Raum übrig, um unglücklich zu sein. 

Das Anliegen des Autors besteht darin, die absolut werdende Bedeutung des Glücks für menschliches Leben ein wenig zu relativieren, weil die eigentliche Herausforderung nach seiner Ansicht nicht darin besteht glücklich zu sein, sondern vielmehr mit dem Unglücklichsein zurecht zu kommen, es aufzunehmen und auszuhalten, (vgl. S.13). In den Augen Prof. Dr. Schmids ist genau ein solches Leben heroisch zu nennen.

 Man muss sich darüber klar werden, dass Glück in erster Linie Zufallsglück darstellt und Zufall das ist, was uns zufällt, woher auch immer, günstig oder auch ungünstig, (vgl.: S.15). Wie man erfährt, wurde in älteren Kulturen die Zufälligkeit des Glücks in diesem Doppelsinn als Göttin verehrt und gefürchtet, währenddessen moderne Menschen nur den günstigen Zufall als Glück annehmen. Bleibt das Zufallsglück aus, stellt dies ein Grund dar, um unglücklich zu sein. Zufallsglück kann sich durchaus in das Gegenteil verkehren, denn der Zufall der günstig ausfällt, kann sich als ungünstig erweisen, (vgl.: S.17). 

Die Schattenseite des Glücks als gegeben hinzunehmen, ist nicht immer leicht und erfordert von einem Betroffenen nicht selten sehr viel Kraft. Doch es stellt sich die Frage, ob Glück tatsächlich immer auch glücklich macht. Der Autor erinnert daran, dass je mehr ein Mensch sich auf das Wohlsein festlegt, desto größer wird sein Potential für den Gegenpol, (vgl.: S.23). Wir alle benötigen offenbar ein Quantum an Unglücklichsein, konstatiert Prof. Dr. Schmid und bekommen es in der Liebe zuverlässig geliefert. 

Wir sollten wissen, dass die Chemie des Glücks unglücklich macht, wenn sie überstrapaziert wird. Offenbar werden wir auf diese Weise zum Opfer der Lustwut und sind froh und endlich der Unlust hingeben zu dürfen, die uns nicht die Anstrengung des dauernden Frohsinns abverlangt.

 Erinnern sollten wir uns, dass in vielen Ländern Menschen sich schon glücklich sehen, wenn sie überleben. Klar werden müssen wir uns darüber, dass es nicht die Bestimmung des Menschen ist, immer zufrieden zu sein. Nicht wenige Kulturleistungen sind realisiert worden, weil ihre Vollbringer unzufrieden waren. Wenn wir erst einmal begriffen haben, dass die Fülle des Lebens nicht dem Positiven gehört, sind wir schon ein Stück weiter, denn es ist die Eindimensionalität des Positiven wie des Negativen, die der Mehrdimensionalität des Lebens nicht gerecht werden kann, (vgl.S.47). 

Wissenswertes schreibt Professor Dr. Schmid über die Melancholie, die nach seiner Definition eine Seinsweise der Seele darstellt, die wesentlich zur Existenz des Menschen gehört, ohne dass sie in irgendeiner Weise als krankhaft gelten könne, (vgl.: S. 51) Gerade denkende und kreative Menschen werden von der Melancholie erfasst und psychologische Studien zeigen, dass Menschen mit melancholischer Stimmung offenbar Denkaufgaben gründlicher angehen und klügere Entscheidungen treffen, (vgl.: S.55). 

 Neben der Melancholie thematisiert der Autor auch die Depression als Krankheit, um schließlich eine Anleitung zum Leben mit dem Unglücklichsein zu erteilen. Hier wird dann deutlich, dass Glück im Leben zwar wichtig ist, aber weit wichtiger scheint der Lebenssinn zu sein. Nicht nach Glück, sondern Lebenssinn gilt es zu streben. So sorgt bereits ein vertrautes Gespräch für geistigen Sinn, der gestärkt wird vom Interesse an anderen Sichtweisen und Möglichkeiten der Deutung. Kunst, Literatur, Bildung und Weiterbildung halten ein unerschöpfliches Material für Deutungen und Interpretationen, die unabschließbar sind, bereit und halten uns offen für weitere, nie gesehene, unerhörte Zusammenhänge, (vgl. S. 82). 

Es stimmt, die gedankliche Beschäftigung mit dem Leben, kann zu der Auffassung führen, dass zu den Zusammenhängen, die dem Leben Sinn verleihen, auch Polarität gehört. Prof. Dr. Schmid vermutet, dass die Bedeutung der Melancholie in der kommenden Zeit wachsen wird. Es ist uns also geraten, das Unglücklichsein als Möglichkeit des Menschsein zu akzeptieren und uns mehr mit dem Lebenssinn zu befassen, denn wer seinem Leben sind verleiht, ist erfüllt und fragt nicht mehr nach dem Glück. Empfehlenswert.

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Rezension: Vorgeburtliches Bewusstsein

Autor dieses Buch ist der Psychologe Dr. Arthur Janov, der durch seinen Bestseller "Der Urschrei" weltweit Bekanntheit erlangte. In seinem Buch verdeutlicht er, dass die Weichen für die psychische und physische Gesundheit eines Menschen im Mutterleib und in den ersten fünf Lebensmonaten gestellt werden. 

Der erste Teil des Buches befasst sich mit dem Leben vor der Geburt. Hier berichtet der Autor von der "Uterus-Sprache", in der eine werdende Mutter mit ihrem Kind kommuniziert. Obgleich diese Sprache eine Sprache ohne Worte ist, verfügt sie über viel Macht, möglicherweise die größte, die wir in unserem Leben erfahren haben, (vgl. S.15). Offensichtlich hat jede Äußerung der Mutter eine bedeutende Auswirkung. Aus neurologischer Sicht, haben Zuneigung und Ruhe der Mutter während der Schwangerschaft die Stärkung des kindlichen Hirns zur Folge und fördern zudem die Bildung von Rezeptoren für körpereigene Opiate, die dem Kind dazu verhelfen, mit Schmerz besser zurechtzukommen, (vgl.: S.17).

Ein Kind benötigt in seinen ersten Jahren viel Zuneigung und Förderung, aber das Bedürfnis beginnt schon früher. In der Schwangerschaft teilen sich neben hormonellen Unregelmäßigkeiten der Mutter auch deren Lebensrhythmus und Stimmungsschwankungen dem Gefühlszentrum des Kindes mit. Dabei fördert die Entwicklung und Reifung diese neurologischen Strukturen. Diese haben eine direkte Auswirkung auf die Ausschüttung von Hormonen, (vgl.: S.17). 

Der Autor stellt in der Folge in seinem Werk die Erforschung der pränatalen Entwicklung vor, thematisiert hier u.a. das Hormon der Liebe sowie das Leben vor der Geburt in Bezug auf die Serotonin-Ausschüttung. In der allerersten Lebenszeit besitzt Serotonin beim Aufbau der kindlichen Anatomie eine steuernde Funktion. Sinkt der Spiegel, kann man Veränderungen der Körperstruktur erwarten. Die niedrige Serotonin-Ausschüttung geschieht infolge einer Prägung, die offenbar während des späteren Lebens unverändert bleibt. Durch einen den Mangel wird die Bewältigung unserer täglichen Arbeiten erschwert, (vgl.S.126). 

 Der Autor beleuchtet u.a. auch frühe Auslöser zu Suchtkrankheiten. Sofern eine Frau während der Schwangerschaft Alkohol trinkt, kann dies den Serotoninhaushalt eines Kindes nachhaltig beeinflussen. Die Folge sind eine geringere Verdrängungsfähigkeit und schwächere Abwehrmechanismen. Ein solcher Mensch kann unter chronischen Ängsten leiden und benötigt dann u.U. ebenfalls Alkohol, um sich entspannen zu können, (vgl.: S.157). 

 Teil drei behandelt die Hintergründe psychischer Störungen und Krankheiten. Zur Sprache gebracht wird nicht zuletzt Sauerstoffmangel bei der Geburt und Verhalten im Erwachsenenleben. Offenbar ist noch nicht genügend untersucht wie Sauerstoffmangel zu Störungen des Immunsystems und zu Persönlichkeitsstörungen beiträgt, (vgl. S. 200). 


Man liest ferner über Ängste, deren Ursprünge schwer zugänglich sind. Das Wesen der Angst wird hier breitgefächert erläutert. Wenn die Mutter während der Schwangerschaft an Ängsten litt, war deren Serotoninspiegel niedrig, was zur Folge hat, dass das Kind von Geburt an über geringe Abwehrmöglichkeiten gegen Schmerz verfügt. 


 Bei Psychopathen sind offenbar die Nervenverbindungen, die Gefühle auf höherer Ebene vermitteln, gestört. Wenn nicht aufgrund eines pränatalen Traumas die Nervenverbindungen zwischen Gefühl und Verstand gestört wären, könnte ein Mangel an Körperkontakt und Zuwendung nach der Geburt nicht solch verheerende Folgen haben, (vgl.:S.256). 

Weiter aufgeklärt wird man über die Zusammenhänge vorgeburtlicher Schwierigkeiten in Bezug auf das Hyperaktivitätssyndrom und auf Alzheimer sowie schwere Depressionen, um im vierten Teil einen Entwurf einer neuen Gefühltherapie vorgestellt zu bekommen und sich schließlich zum Schluss in das Manifest für eine neue Psychotherapie zu vertiefen, wonach biologische Wahrheit primäre Bedeutung haben und eingeprägte Gefühle nicht durch Gedanken beeinfluss werden können, jedoch Gefühle sehr wohl ihrerseits Gedanken zu beeinflussen vermögen und dies auch tun, (vgl.: S.328).

 Empfehlenswert.

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Rezension: Seeleninfarkt- Dr. Rüdiger Dahlke

Dr. Rüdiger Dahlke, der Autor dieses bemerkenswerten Buches, ist Ganzheitsmediziner und Psychotherapeut. 60 Millionen Einträge bei Google und alleine 100 deutschsprachige Publikationen  in Sachen Burn-out zeigen die Brisanz dieses Themas. Dr. Dahlke möchte durch seine tiefgehenden Betrachtungen betroffenen Menschen aus dem Seeleninfarkt heraushelfen, bzw. diesen verhindern, u.U. sogar das Lebensgefühl völlig verwandeln. Gelingen kann dies aber nur, so der Autor von insgesamt 50 Büchern, wenn man sein bisheriges Weltbild infrage stellt und einer Revision unterzieht.

Der Seeleninfarkt ist eine Eskalation von Burn- und Bore-out. Die Depression in der Folge zeigt an, dass alle Systeme zusammenbrechen. Burn-out (von engl. ausbrennen) und seine Kehrseite, Bore-out (von eng. Bore Langweiliges Lästiges) kommen im Buch ausgiebig zur Sprache. Beleuchtet wird, wer vom Burn-out betroffen ist. Hier auch liest man, dass die Betroffenen nicht selten Defizite im Selbstbild wie mangelnde Eigenakzeptanz bei gleichzeitig übersteigertem Bedürfnis nach Anerkennung, überzogenem Idealismus mit Selbstüberschätzung und Perfektionismus zu verzeichnen haben. Hinzu kann erschwerend eine verringerte Widerstandskraft bezüglich Druck und Stress kommen, (vgl.: S.27).

Dr. Dahlke beschreibt die sieben Stufen in den Seeleninfarkt, nennt individuelles Erleben und Fallbeispiele und zeigt, wie man Infarkten vorbeugen kann. Vorbeugung ist möglich. Dazu ist es wichtig, die Grundsituation zu analysieren, um die Weichen entsprechend stellen zu können. Wissen sollte man, dass Ermahnungen, Drohungen und Vorhaltungen keine Besserung herbeiführen, selbst dann nicht, wenn die innere Flamme bereits schwächelt, (vgl.:S.42).

Gegenpol des Burn-out ist der Bore-out. Wer sich nicht mehr engagiert, langweilt sich, schlägt die Zeit tot und schadet hierdurch ebenfalls der Seele. Bore-out-Menschen sind satt, haben genug Zeit und Geld und wenden sich der Spaßgesellschaft zu. Ihr Verhalten führt zu Überdruss und tödlicher Langeweile. Unterforderung kann zu deprimierender Leere führen und Betroffene in eine ernste Krise stürzen. Dieses kann bis zu anspruchsvollen Krankheitsbildern wie Krebs führen, die das Leben wieder herausfordern wollen. In Deutschland sind übrigens psychosomatisch gesehen die Verwaltungsbeamten die kränkste Bevölkerungsgruppe. Ihre Seele soll geradezu beleidigt aufgrund der Unterforderung und Missachtung bei der Arbeit reagieren, (vgl.: S.45-46).

Dr. Dahlke lotet drei Faktoren als Hauptursachen für Seeleninfarkte aus: den Umgang mit der Zeit; den Wertewandel und das Arbeitsumfeld, den Lebenssinn und Lebensinhalt. Unter den typisch anerkannten Burn-out-Patienten findet man überwiegend Männer im Leistungsstress, (vgl.: S.57). Solange man von seiner Arbeit überzeugt ist, kann Burn-out nicht entstehen. Arbeit muss Freude bereiten. Nur dann kann man sich völlig darauf konzentrieren und im Hier und Jetzt völlig aufgehen.

70% aller moderaten seelischen Störungen bleiben heute in Industriestaaten laut OECD-Daten unbehandelt. So kommt es auch nicht zu einer rechtzeitigen Diagnose, wenn sich Frühwarnzeichen für den Seeleninfarkt zeigen. Solche können sein: Frustration, Antriebslosigkeit, Motivationsmangel, Empfinden von Monotonie, Unlust beim Gedanken an die Arbeit, auch Konflikte mit Vorgesetzten und Kollegen oder in der Hierarchie zu erduldende Respektlosigkeiten am Arbeitsplatz, (vgl.: S.63.)

Man verausgabt sich, wenn sich alles nur noch um Quantität, so etwa bei der Industrieproduktion und Gewinnmaximierung dreht, wenn die Frage der Quantität ebenso zurück tritt, wie die Moral, ( vgl.: S.69). Die Seele tritt in den Streik. Sie macht auf Dauer das Spiel nicht mit 

Dr. Dahlke listet im Hinblick auf den Wert der eigenen Arbeit Fragen auf und verdeutlicht, dass in einer Schadenswirtschaft die der Seele schadende Arbeit nicht selten sehr hoch bezahlt wird. Doch die hohe Entschädigung schützt keineswegs vor dem Seeleninfarkt. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Es führt zu weit auf die Betrachtungen Dr. Dahlkes in punkto Beruf und Berufung einzugehen. Ich bezweifele es nicht, wenn er schreibt, dass ein Leben ohne sinnstiftende Beschäftigung potentiell gefährdet ist. Die Seele ist ausschließlich darauf bedacht zu lernen und sich zu entwickeln und durchschaut Rationalisierungen und Verführungstricks (vgl.: S.111).

Der Autor schreibt über die Gefahren durch Informationsüberflutung und Multitasking, schreibt wie wichtig es ist Grenzen zu setzen, denn wer Entgrenzung zulässt, stellt die Weichen auf Burn-out, weil er absehbar in Rollenkonflikte gerät, (vgl.: 121).

Man erfährt, was die Seele und damit das Wohlbefinden nährt und wie sich der Mangel an sinnstiftenden Instanzen auf uns auswirkt. Zudem schreibt Dr. Dahlke über die hermetische Philosophie als Basis und Hilfe und unterstreicht die Kraft der Hoffnung. Aus seiner Erfahrung als Arzt weiß er: „Solange die Hoffnung lebt, ist alles möglich.“(Zitat: S.159).

Der Autor thematisiert auch die Burn-out-Verstärker Ernährung, elektromagnetische Felder, Störzonen. Dies sind die äußeren Einflüsse. Innere Einflüsse kommen aber auch zur Sprache. Hier handelt es sich um Angst, Mobbing, Energielöcher, emotionale Problemfelder, und um die Tatsache, im Widerstand mit sich und der Welt zu leben, (vgl. S. 160-187).

Der zweite Teil des Buches befasst sich mit praktischen Schritten in ein erfülltes Leben. Hier auch kann man nachlesen wie das Ideal eines vom Seeleninfarkt nicht bedrohten Lebens ausschaut. Am liebsten würde ich die Seite vollständig zitieren. Doch das führt zu weit. Dr. Dahlke vergisst nicht zu erwähnen, dass die Gefahr des Seeleninfarkts desto größer wird, je mehr Abstriche man machen muss im Hinblick auf das beschriebene Ideal.

Anhand eines Tests kann man checken, on man Burn-out-gefährdet ist und Dr. Dahlke zeigt sehr gut nachvollziehbar Auswege aus dem arbeitsbedingten Seeleninfarkt auf. Wie man wieder zu Kräften kommt und kraftvoll leben kann, beschreibt der Autor bestens.

Es ist sinnvoller mit Energiespendern in Resonanz zu treten, als zu jammern, zu klagen zu streiten und zu prozessieren, weil die Erfahrung von Leid oder Schwere nicht leichter wird, wenn man sie auf andere abzuladen sucht. Letztlich verbiestert man nur sein eigenes Lebensumfeld und die eigene Stimmung, (vgl.: S.219). Dr. Dahlke verdeutlicht wie man bewusst in einer Welt aus Schwingungen und Feldern leben kann und wie man es schafft,sich in ein positives Schwingungsfeld zu begeben. Es ist überhaupt nicht schwer und im Ergebnis ganz ungemein wohltuend.

Empfehlenswert.

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Rezension: Ich hasse dich - verlass mich nicht: Die schwarzweiße Welt der Borderline-Persönlichkeit - Komplett aktualisierte und erweiterte Neuausgabe

Prof. Dr. Jerold J. Kreismann und der Journalist Hal Straus haben dieses Buch auf den Weg gebracht, das die schwarzweiße Welt der Borderline-Persönlichkeit sehr gut aufzeigt. Der Leser lernt zunächst auf Seite 26 die neun Symptome kennen, die auf eine Borderline-Persönlichkeit hinweisen. Ich gebe diese nicht grundlos wortgetreu für Grenzgänger wieder: 

-Verzweifelte Bemühungen, die reale oder eingebildete Angst vor dem Verlassenwerden zu verhindern.
-Unbeständige und unangemessen intensive zwischenmenschliche Beziehungen 
-Das Fehlen eines klaren Identitätsgefühls 
-Impulsivität bei selbstschädigenden Verhaltensweisen, beispielsweise Drogen
- und Alkoholmissbrauch, Sex. Ladendiebstahl, rücksichtsloses Fahren, übermäßiges Essen 
-Wiederkehrende Selbstmorddrohungen oder –versuche oder Selbstverstümmelungen 
-Starke Stimmungsschwankungen und extreme Reaktionen bei situationsbedingtem Stress.
 -Chronische Gefühle von Leere und Langeweile
 -Häufige und unangemessene Wutausbrüche. 
-Vorübergehende stressbezogene Gefühle von Irrealität und Paranoia. 

Stimmungsschwankungen sollen bei Borderlinern schnell und explosiv auftreten und die Unfähigkeit, die Ursachen zu erkennen, soll zu Selbsthass und Depressionen führen. Dabei ist die Welt der Borderline-Persönlichkeit wie die Welt des Kindes in Idole und Bösewichte aufgeteilt, (vgl.S.29). 

Wenn für einen Borderlinern ein vormals idealisierter Mensch zur Enttäuschung wird, dann muss er sein eindimensionales Denken drastisch umstrukturieren. Dies führt dazu, dass er sein Idol gewissermaßen ins Verließ verbannt oder aber sich selbst verbannt, um das Image seines Idols aufrechtzuerhalten.

Die Beziehung von Borderlinern halten nie sehr lange, weil der Borderliner durch Nähe zu ersticken droht. Erlebt der Borderliner aber Distanz, erinnert er sich an das Gefühl des Verlassenseins, das er als Kind erlebte und reagiert in beiden Fällen extrem stark, (vgl.: S.31). Aufgezeigt werden in der Folge Borderline-Persönlichkeitsstörungen in verschiedenen Altersgruppen, auch das Borderline-Verhalten bei berühmten Persönlichkeiten und Romanfiguren. Es werden die oben angeführten Symptome ausführlich erläutert und genetische sowie neurobiologische Wurzeln erörtert. 

Schwere Traumata in den ersten Jahren der Entwicklung können übrigens zu einer Borderline-Persönlichkeitsstörung führen. Man hat Gelegenheit, u.a. mehr über die recht problematische Kommunikation mit Borderlinern in Erfahrung zu bringen. 

Die Ausbrüche der Borderline-Persönlichkeit sind in der Regel angsterregend und geheimnisvoll, (vgl.: S. 155). Diese Wutanfälle kommen ohne Vorwarnung und erscheinen Dritten in der Situation als unangemessen. "Je lauter und wütender eine Borderline-Persönlichkeit wird, umso ruhiger und besänftigender sollte der andere sein", (Zitat: 159). Der Zorn von Borderlinern lässt sich nicht mittels vernünftigen Argumenten lösen. Jede Form von Debatte verschlechtert die Situation. 

 Die Autoren informieren sehr gut über therapeutische Möglichkeiten und über spezifische psycho-therapeutische Ansätze. Betroffene sollten sich hier kundig machen, denn eine Therapie hilft nicht zuletzt zu erkennen, welche positive Auswirkung Veränderungen auf sich und andere haben können. 

 Empfehlenswert.

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