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Rezension: Ärger und Wut- Selbstheilungsprogramm- Dr. Ruediger Dahlke -CD

Dr. med. Ruediger Dahlke hat sich nach dem Medizinstudium zum Arzt für Naturheilwesen, zum Psychotherapeuten und zum Homöopathen weitergebildet. Gemeinsam mit seiner Frau hat er das Heil-Kunde-Zentrum in Johanniskirchen aufgebaut und leitet dieses. Ihm liegt bei seinem Tun die Entwicklung einer ganzheitlichen Psychosomatik unter Einbeziehung spiritueller Themen am Herzen.

Die Gesamtspielzeit der CD beträgt 70:48 Minuten. Untergliedert ist sie in zwei Meditationseinheiten. Die Dauer der ersten beträgt 37.19 Minuten, die Dauer der zweiten 33.29 Minuten.

Aufgestauter Ärger und Wut machen den Menschen krank. Alte verdrängte Wut und alter Ärger lassen Menschen zudem mit der Zeit verkrampfen und biestig ausschauen. Menschen, die solche alten Wutpotentiale mit sich herum schleppen, sind zumeist ungeheuer destruktiv und reagieren bei Kleinigkeiten schon wie ein wildgewordenes HB-Männchen. Für ihre Mitmenschen sind sie eine Plage und haben wirklich selten Freunde.

Dr. Dahlke verdeutlicht an einigen Beispielen, wie es sich konkret anfühlt, wenn man sehr angespannt ist und wie erlösend es sich anfühlt, die Anspannung zu verlieren. Alles wird leichter, alles beginnt zu fließen, man ist voller Tatendrang und voller Kreativität, wenn das, was mit Wut und Ärger seelisch und körperlich einhergeht, nicht mehr unser Handlungsmuster negativ bestimmt.

Wut und Ärger sind negative Aggressionsenergien, die man in positive verwandeln kann. Dr. Dahlke macht dies auf seiner CD in Bilderwelten deutlich, zeigt wie man mittels Transformationsrituale aus den ursprünglich negativen Emotionen Kraft für positive Aktivitäten ziehen kann. Man muss sich der Energiequellen einfach bewusst werden und diese für positive Projekte einsetzen, die einem in der persönlichen Selbstverwirklichung weiterbringen. Diese Selbstverwirklichung darf sich natürlich nicht gegen Dritte richten, wenn positives Fließen angestrebt wird.

Gelingt es, das Aggressionsthema entspannt und genau zu betrachten und hier ganz speziell die eigenen Aggressionen zu beobachten, wird man begreifen, dass diese uns persönlich immer schaden, wenn wir sie nicht in lebensfreudige Energie verwandeln. Menschen voller Wut und Ärger verbrennen innerlich mit der Zeit. Sie müssen es nicht, wenn sie sich anschicken, negative in positive Energie zu verwandeln. Dr. Dahlkes fikiver alter Ritualplatz auf der CD hilft dabei, alten Ärger in neue Möglichkeiten umzuwandeln.

Diese Meditationen von Dr. Dahlke machen deutlich, dass es nie zu spät ist, sich von lästiger, negativer Aggression zu erlösen. Es ist schön, unverkrampft zu sein und sich an den eigenen positiven Schwingungen zu erfreuen. Nichts, außer Ihnen selbst, hindert Sie positiv mitzuschwingen:-))

Empfehlenswert.


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Rezension: Rotraud A.Perner »Königin! Über weibliche Kraft«

"Eine Königin ist keine Amme. Sie ist eine Königin". ( Zitat: Dr. Rotraud A. Perner)
Die Autorin dieses bemerkenswerten Buches ist die Psychoanalytikerin und promovierte Juristin Dr. Rotraut A Perner, die u.a. Professorin für Gesundheitskommunikation und Prävention an der Donau Universität in Krems war. Als Konflikt- und Gewaltforscherin sowie Supervisorin ist sie eine viel gefragte Expertin in den Medien.

Worum geht es dieser Alphafrau in ihrem Buch? Es geht ihr darum, aufzuzeigen, wie sich Alphafrauen im Laufe ihres Lebens entwickeln, von einer Prinzessin hin zur Königin und schließlich zur Königinmutter, die in jüngeren Frauen keine Konkurrenz sieht, sondern Geschlechtsgenossinnen, die sie auf ihrem oft nicht einfachen Weg beratend begleiten kann.

Die hochintelligente, widerständige Autorin berichtet zunächst von ihrer persönlichen Entwicklung, bevor sie mit ihren erhellenden Betrachtungen beginnt. Ich stimme ihr zu, dass man im Leben neben Liebesfähigkeit auch Kampfgeist, die Zähigkeit, Ziele zu verfolgen, sowie die Disziplin, auf alles Unnötige zu verzichten, Friedensgeist, Diplomatie, die Kunst, Konflikte gewaltverzichtend zu lösen, und damit zu heilen, benötigt.

Gefreut habe ich mich, dass Dr. Perner gleich zu Anfang die von mir geschätzte französische Psychoanalytikerin Marie-France Hirigoyen ins Feld geführt hat, um aufzuzeigen, wie man versucht, die erfolgreiche Entwicklung von Alphafrauen (Königinnen) zu unterminieren "Man baut sein eigenes Selbstwertgefühl darauf auf, indem man andere herabwürdigt, um dann über sie triumphieren zu können" (Zitat: Seite 53)

Die Autorin zeigt auf, mittels welcher Jagd- Strategien junge Frauen (Prinzessinnen) von ihren Startplätzen vertrieben werden sollen:

Sie spricht von: Polarisieren, Zensurieren, Definieren, Veraschenputteln, Verbot des Gefühlsausdrucks, ewige "Erziehungsversuche" durch Propagieren einschränkender Leitbilder, Verwirrspiele, Berufung auf Naturgebote, Angstmachen und Verkehren. Es ist wohl wahr, dass man Personen an den Rand des Wahnsinns treiben kann, wenn man ihnen lange und intensiv genug ihre Wahrnehmung ausredet und sie isoliert, ausgrenzt, sowie sozial zu vernichten sucht. Alphafrauen (Königinnen) haben die Aufgabe, andere Frauen vor Psychopathen zu schützen, welche sich anschicken, mittels solcher Methoden den Lebensmut Dritter zu untergraben.

Dr. Perner unterstreicht: "Eine Königin ist eine Königin, ist eine Königin, auch ohne König" (Zitat.: S. 99). Ihre Energie bedeutet Würde und diese ist begründet in der Sicherheit der übernommenen Aufgabe, der Gewissheit der dazu erforderlichen Fähigkeiten und des Bewusstseins des damit verbundenen eigenen Wertes (vgl.: S. 98). Eine Königin ist nicht auf die Anerkennung Dritter angewiesen, sondern sie weiß um ihr Können, ist standfest und ruht in sich selbst. Ihre Bereitschaft Verantwortung zu tragen, muss sie in ihrer Prinzessinnenzeit erlernt haben. Königinnen müssen konfliktfähig sein und müssen selbst bei offenkundiger Feindschaft souveräne Gelassenheit zeigen und stoisch ihren Weg weiter gehen. Ein solches Verhalten unterscheidet sie von Mägden und Knechten, die unter der Gürtellinie attackieren und ihren Fluchtinstinkten Raum geben. Steherqualitäten sind bei Königinnen ein Muss.

Die Königinnenenergie vereinen, so die Autorin, die lichten Seiten der Macht und zwar im Vollbewusstsein und in der Kontrolle der destruktiven, missbrauchenden Anteile. Dr. Perner listet auf:

- Macht der Liebe (oder nur des Begehrens oder Besitzwollens)
-Macht der Kampfgewalt (oder nur der sozialen Mordlust und Zerstörungswut)

-Macht der Entängstigung (oder nur der Angstmache und Manipulation)
-Macht der Lenkung (oder nur der Ausbeutung und Tyrannei)

Männliches wie weibliches Königinnencharisma zieht stets Bedürftige an. Merke: "Eine Königin ist keine Amme. Sie ist eine Königin".

Es gibt immer Menschen, die sich an diesem Charisma laben möchten, die sich darin sonnen oder es zerstören wollen und auch solche, die es abstreiten und auf diese Weise auch beschädigen.

Dr. Perner bezieht sich auf die schweizer Psychoanalytikerin Andrea Gysling, die in den 1990er Jahren eine Abhandlung über "wahre und fragwürdige Männlichkeit" veröffentlicht hat, in der sie die Pathologie männlicher Charakterzüge enttarnte. Die Autorin verdeutlicht, was Gysling unter:

-aufgeblähte und bodenlose Männer mit einer narzissitischen Persönlichkeitsstruktur
-gepanzterte und geizige Männer mit Zwangspersönlichkeiten
-gespaltene und gewalttätige Männer mit Borderline-Problematik
-abweisende und kalte Männer mit schizoider Persönlichkeit sowie
-unterwürfige und vorwurfsvolle Männer mit depressiv- masochistischer Persönlichkeitsstruktur
zu verstehen hat und wie diese Energievampire speziell Alphafrauen (Königinnen) plattzumachen suchen.

Eine Königin benötigt viel Achtsamkeit. "Wer achtsam in sich selbst ist- in seiner Mitte- ruht, balanciert all seine Möglichkeiten, Liebhaber, Krieger, Magier, hat also die Liebes-, Kampf- und Gedankenenergie im Gleichgewicht. Das ist Königinnenenergie: Sie macht heil- sich selbst wie andere-, gelassen, widerstandskräftig. Resilient." (Zitat: S. 163).

Diesen Zustand erreicht man nur, wenn man meditiert und psychische Leidenszustände überlebt hat. Königinnenenergie ist demnach das Ergebnis eines Reifungsprozesses, der Frauen, die diese erworben haben, natürlich im Königinnenmutteralter weise und gütig macht

Empfehlenswert, nicht nur weil es sensibilisiert im Hinblick auf Energievampire.

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Rezension: Das Buch der Tugenden- Ulrich Wickert

Ulrich Wickert hat 1995 ein sehr gutes Buch veröfffentlicht, das mittlerweile auch als Taschenbuch im Handel erhältlich ist. Dieses Buch habe ich mehrfach verschenkt, weil es eine Fülle von Textauszügen von unzähligen Philosophen, Dichtern und Schriftstellern zum Thema Ethik beinhaltet.

Mit einer Rezension zu diesem Buch möchte ich das Jahr 2011 beginnen, weil ich meine, dass es notwendiger denn je ist, sich einen Überblick über ethisches Denken im Laufe der Jahrhunderte zu verschaffen, um dessen Wert zu erkennen und zu begreifen, weshalb man tugendhaft leben sollte. Seit einiger Zeit wird seitens Personen mit betont egomanen Strukturen zynisch und geradezu vorwurfsvoll von "Gutmenschen" gesprochen, wenn Mitmenschen sich öffentlich zu ethischem Verhalten bekennen und dies auch themasieren. Stets frage ich mich, wie viel Leid Personen erfahren haben müssen, wenn sie Dritten ethisches Wollen absprechen, sowie abfällig von "Gutmenschen" reden und wie renitent sie in ihrem Leid verhaftet bleiben möchten, wenn sie das Streben nach ethisch Positivem als Farce darstellen. Solchen Menschen wünsche ich immer mehr Licht, denn ich fühle, dass sie es brauchen.


Ulrich Wickert beginnt sein Buch mit einer, seine Textauswahl erläuternden Einleitung und macht unmissverständlich klar, dass Grundvoraussetzung für ethisches Handeln tugendhafte Verhaltensmuster sind. Platon nannte vier Kardinaltugenden - Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Besonnenheit- , für das Christentum fügten Papst Gregor der Große und Thomas von Aquin die theologischen Tugenden- Glaube, Hoffnung und Liebe- hinzu. Wickert unterstreicht, was im Grunde jeder wissen sollte: "Ohne Ethik kann keine demokratische Gesellschaft bestehen."... "Eine Ethik bildet sich durch die Erkenntnis einer Gesellschaft, dass sie sich auf gemeinsame Regeln verständigen muss, weshalb sie bestimmte Verhaltensweisen und Ziele als nützlich und gut, andere aber als schädlich und schlecht bezeichnet. Inhalte von Ethik und Moral sind Werte und Tugenden." ( Zitat: Wickert, S. 31)


Primärer Wert einer jeden Ethik ist die Würde des Menschen. Das ist deshalb so, weil von ihrer Respektierung jede Entscheidung zwischen Gut und Böse ausgeht. Wickert betont, dass sich die Anzahl der ethischen Werte und Tugenden auf keiner Liste abschließend aufzählen lässt. Es ist stets vom Stand der Erkenntnis und dem Zustand einer Gesellschaft abhängig, ob sich neue Werte und Tugenden entwickeln und alte sich verändern oder in ihrer Bedeutung wandeln, (vgl.: S. 32). Für ein moralisches Wertgefüge in einer demokratischen Gesellschaft ist es notwendig, dass ethische Werte nicht autoritär festgelegt werden. Durch Werte werden ideele Ziele vorgegeben, seitens der Tugenden wird das ideale Handeln bestimmt, (vgl: S. 35).


Dem Buch sind zwei Zitate vorangestellt, die ich an dieser Stelle nicht grundlos wiedergeben möchte:


"Was du nicht willst, dass man dir tu`, das füg auch keinem andern zu." (Die Goldene Regel)


"Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich dem Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne". (Der kategorische Imperativ von Immanuel Kant)


Menschen, die kein überbordenes Ego haben, dürften bei der praktischen Umsetzung dieser Sätze kein Problem haben.

Das Buch ist untergliedert in:

1) Tugend und Sitten, Ethik und Moral

2) Wahrheit, Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit

3) Vernunft, Weisheit und Klugheit
4) Gerechtigkeit
5) Pflicht, Selbstverpflichtung und Verantwortung
6) Solidarität, Brüderlichkeit und Güte
7) Mut, Tapferkeit und Zivilcourage
8) Toleranz
9) Zuverlässigkeit und Treue
10) Demut und Bescheidenheit, Fleiß und Geduld


In den Kapiteln kommen Textauszüge von: Aristoteles, Platon, Seneca, Kant, Goethe, Schopenhauer, Nietzsche, Büchner, Camus, Spaemann, Schweitzer, Popper, Schiller, Goethe, Bloch, Kafka, Heisenberg, Pestalozzi, Marcuse, Montesquieu und vielen anderen mehr zur Sprache.


Albert Schweitzer schreibt: "Unter Humanität (Humanitas, Menschlichkeit) versteht man das wahrhaft gütige Verhalten des Menschen zum Nebenmenschen. In diesem Wort kommt zum Ausdruck, dass wir uns zu bemühen haben, gütig zu sein, nicht nur, weil ein ethisches Gebot es gebietet, sondern auch, weil solches Verhalten unserem Wesen entspricht.


Die Humanität nötigt uns, in kleinen und in großen Dingen auf unser Herz zu hören und seinen Eingebungen Folge zu leisten. Gerne möchten wir dabei stehenbleiben, nur das, was unserem vernünftigen Überlegen als gut und durchführbar vorkommt, zu tun. Aber unser Herz ist ein höherer Gebieter als unser Verstand. Es verlangt von uns zu tun, was den tiefsten Regungen unseres geistigen Wesens entspricht." (Zitat : S.127)


Ich bin mir sicher, dass unser Herz uns Folgendes abverlangt: "Was du nicht willst, dass man dir tu`, das füg auch keinem andern zu." (Die Goldene Regel).


Wir sollten 2011 auf unser Herz hören und der Goldenen Regel Folge leisten.


Empfehlenswert.


Ihnen allen ein gutes Neues Jahr wünscht Helga König :-))
Das rezensierte Produkt ist überall im Handel erhältlich.


Rezension: Erasmus von Rotterdam: Vertrauliche Gespräche

Der niederländische Theologe und Humanist Erasmus von Rotterdam (1466-1536) lebte als freier Gelehrter in den Niederlanden, in England und ab 1521 meistens in Basel. Als Textkritiker, Herausgeber und Grammatiker war er Mitbegründer der neuzeitlichen Philosophie. Seine geistvollen Schriften- unter ihnen die "Vertraulichen Gespräche" (Colloquia familiaria, 1518) und seine fein stilisierten Briefe sorgten für seine Berühmtheit in Europa. Wie man der "Biographischen Skizze" im Buch entnehmen kann, hat der Gelehrte geistig-gedanklich zur Reformation beigetragen und nahm eine vermittelnde Stellung im Hinblick auf reformatorische Bestrebungen ein.


Die Reformation Luthers hat Erasmus von Rotterdam abgelehnt. Sein Streit mit Luther, nachlesbar in "Über die Freiheit des Willens" von 1524, führte zur Trennung von Reformation und Humanismus. Der Gelehrte suchte ein freies, vernunftmäßiges, den sittlichen Gehalt des Neuen Testamentes betonendes Christentum, (vgl.: Seite 16-21).


Für Erasmus ist die Vorbedingung allgemeiner Versöhnung die Ausschaltung von Gewalt, speziell die Abschaffung des Krieges, der "nur dem, der ihn nicht erfahren hat, schön erscheint", wie er in "Dulce bellum inexperto" im Jahre 1517 schreibt, (vgl.: S.8). In seinem Werk, so erfährt man weiter, kommt der Gelehrte auf den Traum vom Frieden immer wieder zu sprechen. Kurt Steinmann, der Herausgeber und Übersetzer des vorliegenden Buches, erinnert in seinem Vorwort daran, dass es zwei Friedendefinitonen gibt: einen "negativen Frieden", den "Nichts-Kriegs-Zustand", welcher unmenschliche Verhältnisse nicht ausschließt und einen positiven Frieden, in dem soziale Gerechtigkeit und die Menschenrechte mit ihren Forderungen nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit realisiert werden. Für Erasmus bleibt, so erfährt man weiter, Frieden eine Einheit. Das bedeutet: er schließt Krieg aus und Brüderlichkeit ein. Für ihn ist Krieg eine Perversion und ein Verrat am Evangelium, (vgl.: S.9). Ich stimme mit Erasmus in dem Gedanken überein, dass nur eine moralische Erneuerung die Welt vor der Selbstzerstörung retten kann.

Kurt Steinemann erklärt in seinem Vorwort, dass die "Vertraulichen Gespräche" Unterhaltungsschriften hohen Ranges voll lebendigster Anschaulichkeit, praktischer Lebensweisheit, souveräner Satire und verschmitztem Schalk seien. Die Colloquia kreisen fast immer um Fragen der Moral, (vgl.: S.26/27).


Zwanzig der rund siebzig Gespräche sind im Buch abgedruckt. Diese finden zumeist zwischen zwei Personen statt. Bei ihnen handelt es sich um Schüler, Mönche, Soldaten, Kaufleute, Bettler, Wallfahrer, kurzum um Figuren des zeitgenössischen Lebens. Fragen der Bildung, der Moral und der Religion sind Gegenstand der Erörterungen. Wie Steinmann nicht grundlos konstatiert, lässt der Gelehrte die Protagonisten überzeugend sprechen, weil er sich in jede Rolle zu versetzen weiß. Dass in jedem der Dialoge ein Entwurf zu einer Komödie, einer Novelle oder Satire steckt, möchte ich bestätigen.


Folgene "Vertrauliche Gespräche" sind im Buch enthalten: Die Soldatenbeichte -Mahnworte - Die Gattin, die über die Ehe lästert oder die Ehe - Die Kunst zu lügen -Schiffbruch - Gasthäuser - Der Jüngling und die Hure - Altmännergespräch oder Das Fuhrwerk - Der Abt und die gebildete Frau - Alchemie - Bettlergespräch - Das Wallfahren - Charon - Die ungleiche Ehe - Der Frauensenat - Die Morgenstunde - Die Gedächniskunst - Der Ruhmbegierige - Schmutziger Reichtum.


In einem umfangreichen Anhang erfährt man erhellende Hintergründe zu den kurzweiligen und dabei geistvollen Texten.


Empfehlenswert.



Rezension: Über die Liebe: Ein Symposion (Taschenbuch)

Das vorliegende Buch, Ergebnis eines Symposions, das sich inhaltlich sehr differenziert mit den Begriff der Liebe auseinandersetzt, ist eines der besten Bücher, welches ich in diesem Jahr gelesen habe.
International renommierte Vertreter der Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte, Philosophie und der Anthropologie gehen der Frage nach, was Liebe eigentlich ist.

Ganz zu Ende des Buches resümiert Dr. H. Meier: - Die Liebe ist eine Macht, die Staatsgrenzen und Klassenschranken, ethische und konfessionelle Barrieren überwindet, der weder Gesetze noch Gebote gewachsen sind, die Meinungen und Vorurteile abzuschütteln versteht. Sie hat eine solche Gewalt, dass wir sobald wir mit ihr in Berührung kommen und selbst unter ihrem Einfluss stehen, mit unmittelbarer Deutlichkeit gewahr werden, wie viel archaisches in unser Leben hineinragt, das sich sozialer Kontrolle, religiöser Bezähmung politischer Herrschaft widersetzt; wie wenig unsere Empfindungen, unsere Sehnsüchte, unser Denken in Konventionen, in kulturellen Errungenschaften oder in einer gegebenen historischen Konstellation ihr Genüge finden; wie sehr wir, mit einem Wort unbeschadet aller gesellschaftlichen Prägung und alles geschichtliches Wandels natürliche Wesen geblieben sind. Die Liebe ist der Ort, an dem wir am nachdrücklichsten erfahren können, dass wir in unserer Zeit nicht aufgehen, dass es etwas gibt, das nicht zu uns gehört.-


Im Buch nimmt die Erörterung des Themas Liebe in der Malerei und in der Literatur einen breiten Rahmen ein. Anhand vieler Romane und Gedichte wird gezeigt, wie das Gefühl in Sprache umgesetzt und anhand von Gemäldeabbildungen visuell für den Betrachter erkennbar werden kann.


Die Wissenschaftlerin Helen Fischer reflektiert die Begriffe Lust, Anziehung und Verbundenheit und referiert über die drei Gehirnsysteme für die Liebe.


Die Lust- sprich der Sexualtrieb- ist durch heftiges Verlangen nach sexueller Belohnung gekennzeichnet. Der Sexualtrieb entwickelt sich in erster Linie um sich mit i r g e n d e i n e m Mitglied der eigenen Art sexuell zu vereinigen.


Das System der Anziehung (leidenschaftliche Liebe) ist charakterisiert durch gesteigerte Energie und konzentrierte Aufmerksamkeit für einen bevorzugten Geschlechtspartner. Beim Menschen geht Anziehung mit Emotionen der Hochstimmung einher, mit intensivem Nachdenken über das Liebesobjekt und ebensolch intensivem Verlangen nach gefühlsmäßiger Vereinigung mit einem bestimmten oder einem potentiellen Partner.


Das System der Verbundenheit ist durch das Gefühl der Ruhe, der Sicherheit des Behagens und des gefühlsmäßigen Einseins gekennzeichnet. Die Autorin zeigt die Interaktion zwischen Lust, Anziehung und Verbundenheit und verdeutlicht, dass die Gefühlssysteme bei jedem Menschen verschieden ausgeprägt sind und im Laufe des Lebens eine unterschiedliche Gewichtung aufweisen können.


Sehr interessant sind Fischers Ausführungen zur romantischen Anziehung, die wohl zumeist nur vorübergehend ist, es sei denn man sieht sich nur sehr selten, dann kann eine Romanze sehr lange andauern und den Serotoninspiegel viel länger als 18 Monate nachweisbar oben halten.


Ein weiterer Beitrag befasst sich mit der romantischen Liebe, der Vorschriftsheirat und den Determinanten der Partnerwahl und zeigt, dass in 148 von 166 Gesellschaften weltweit das Vorkommen von romantischen Liebesgefühlen und entsprechenden Verhaltensweisen, von denen man lange annahm , dass sie eine Hervorbringung der verfeinerten westlichen Zivilisation darstellten, durchaus ebenso vorhanden sind.


Romantische Liebe wird in unserer Gesellschaft grundsätzlich positiv bewertet. Das war nicht immer so, wie Beispiele der Literatur aus vergangener Zeit dokumentieren. Die romantische Liebe endete nicht selten tragisch, so etwa bei Anna Karenina, bei der Kameliendame, auch bei Romeo und Julia, bei Hero und Leander, etc. etc.


Bemerkenswert auch die Beiträge zur Dialektik des Eros bei Sokrates und Platon, der Liebe im Decameron des Boccacio und der Liebe des Tristan und Lancelot im 12/13. Jahrhundert.


Peter von Matt diskutiert den Absolutismus der Liebe in Goethes Wahlverwandtschaften und Ulrich Pothast schließlich den hochinteressanten Zusammenhang zwischen Liebe und Unverfügbarkeit.


Ein sehr empfehlenswertes Buch, angereichert auch mit Textstellen aus Romanen und Gedichten, wie etwa diesem:


Was ich hab`

dir möcht`ich es geben
Was ich bin

dir will ich es sein

Was mir fehlt

du fügst es zum Ganzen

War ich ein Teil

mit dir bin ich Eins.

Sehr empfehlenswert!



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Rezenion:Zwischen Gut und Böse: Elementare Fragen angewandter Philosophie (Taschenbuch)

Ekkehard Martens befasst sich in diesem Buch sehr nachhaltig mit Fragen angewandter Philosophie. In diesem Zusammenhang verdeutlicht er, dass Sokrates der Mensch war, der sich zeit seines Lebens besonders intensiv mit prinzipiellen Fragen der Lebenspraxis auseinandersetzte. In seinen Dialogen mit berühmten Politikern, Gelehrten und Dichtern, auch mit Handwerkern und einfachen Leuten seiner Zeit musste er immer wieder erfahren, dass sie alle zwar zu wissen glaubten, was für sie gut sei und was Glück bedeute, sie es gleichwohl in Wahrheit aber nicht wussten und nicht einmal danach fragten. Nicht grundlos steht in den ersten Kapiteln des Buches Sokrates im Mittelpunkt - auch mit kleinen Kostproben seiner spöttisch -provozierenden Dialoge, die er in erster Linie mit der Jugend von Athen führte-.
Martens hält fest, dass die Ausgangsfrage, wie wir heute zwischen Gut und Böse leben können, zwar nicht ohne Sokrates geklärt werden kann, gleichwohl auch nicht mit ihm alleine. Von daher muss zum sokratischen Geist der rationalen Aufklärung ein Nachdenken über unsere Zeit mit ihren drängenden Problemen aus Wissenschaft, Technik, Ökologie, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft hinzukommen. Wie dies ausschauen kann, zeigt Martens in seinen Texten gut nachvollziehbar.
Mich hat überrascht, wie differenziert er nach klugen Antworten auf die von ihm formulierten Fragen sucht. Es sind zwölf Fragen, die er sich und seinen Lesern stellt. Eine dieser Fragen lautet: "Wie ist Frieden möglich?". Bei der Beantwortung dieser Frage zieht er nicht zuletzt auch Kant Zum ewigen Frieden: Ein philosophischer Entwurf zu Rate und vergisst nicht die Präambel der UNESCO zu zitieren, die mit den Worten endet: ".... folglich muss der Friede, wenn er erhalten werden soll, auf der Grundlage der geistigen und moralischen Solidarität der Menschen errichtet werden."


Außer realpolitischer Maßnahmen und einer moralischen Aufklärung ist für den Frieden auch eine Aufklärung über die Aufklärung notwendig. Von daher fragte Albert Einstein 1932 in einem Brief den Psychologen Sigmund Freud: "Gibt es einen Weg, die Menschen von dem Verhängnis des Krieges zu befreien? Die Einsicht, dass diese Frage durch den Fortschritt der Technik zu einer Existenzfrage für die zivilisierte Menschheit geworden ist, ist ziemlich allgemein durchdrungen und trotzdem sind die heißen Bemühungen um ihre Lösung bisher in einem erschreckendem Maße gescheitert." Freud macht u.a. in seiner Antwort deutlich, dass es notwendig sei, die Gegenkräfte gegen den Aggressionstrieb zu stärken: "Alles, was Gefühlsbindungen zwischen Menschen herstellt, muss dem Krieg entgegenwirken...(...). Alles, was bedeutsame Gemeinsamkeit unter den Menschen herstellt, ruft solche Gemeingefühle, Identifizierungen hervor. Auf ihnen beruht zum guten Teil der Aufbau der menschlichen Gesellschaft."


Voraussetzung von moralischem Sollen ist faktisches Können. Deshalb sind biologische und tiefenpsychologische Erklärungen des Bösen eine notwendige Aufklärung über die Grenzen einer vernunft- und moralorientierten Friedenpolitik hinaus. Die unterschiedlichen Formen philosophischer, tiefenpsychologischer aber auch ästhetischer Aufklärung (letztere wird auch vom Autor thematisiert) sind zwar keine hinreichende, allerdings eine notwendige Bedingung, wie wir Frieden als gerechte Konfliktregelung ermöglichen können.


Auch bei der Beantwortung aller anderen Fragen, wie etwa "Warum kann ich nicht sagen, was ich will?" wird deutlich, dass die grundsätzliche Bereitschaft zwischen Gut und Böse unterscheiden zu wollen, einhergeht mit der Bereitschaft, ernsthafte Selbst- Reflektion zu betreiben.


Empfehlenswert.
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Rezension:Taschenbuchausgabe in 11 Bänden: Archetypen (Taschenbuch)

Der Archetypus ist ein von C. G. Jung eingeführter Begriff für unpersönliche und zeitlose Verhaltensmuster und Strukturen in einem von ihm angenommenen, überpersönlichen, psychischen Feld des kollektiven Unbewussten.
Jung konstatiert: "Archetypus ist nun nicht anderes als ein schon in der Antike vorkommender Ausdruck, welcher mit "Idee" im platonischen Sinne synonym ist."

Das philosophische Konzept der Archetypenlehre Jungs ist die voraristotelische Naturphilosophie Platons und dessen Lehre von den zeitlosen Urbildern als Baupläne der Schöpfung.

Naturwissenschaftlich vergleicht Jung die Archetypen mit den biologischen Instinkten von Lebewesen. Doch ebenso den präformierten Strukturmustern der Kristalle beispielsweise, die latent vorhanden sein müssen, wenn sich ein Kristall in einer übersättigten Mutterlauge bildet.

Das kollektive Bewusstsein als die Gesamtheit aller Archetypen, ist der Niederschlag alles menschlichen Lebens, bis zurück zu seinen dunkelsten Anfängen in Form von lebendigen Reaktions- und Bereitschaftssystemen, die auf unsichtbarem und daher um so wirkungsvolleren Weise das individuelle Leben bestimmen.

Archetypen sind für Jung nichts anderes als die Manifestation der Instinkte.

Die psychologische Bedeutung der Archetypen ist nach Jung darin zu erblicken, dass sie der bewusstseinsfähigen menschlichen Psyche- zwar nicht unmittelbar aber indirekt - in der Erscheinungsform der Symbole zugänglich sind.

Der Begriff des Archetypus wird aus vielfach wiederholten Beobachtung, dass z.B. die Mythen und Märchen der Weltliteratur bestimmte, immer und überall wieder behandelte Motive enthalten, abgeleitet. Die gleichen Motive begegnen wir in der Phantasie, den Träumen, Delirien und Wahnideen heutiger Individuen. Diese typischen Bilder und Zusammenhänge, so Jung, werden als archetypische Vorstellungen bezeichnet. Sie gehen hervor aus dem an sich unanschaulichen Archetypus, einer unbewussten Vorform, die zur vererbten Struktur der Psyche zu gehören scheint und insofern sich auch überall als spontane Erscheinung manifestieren kann.

Die Wurzeln der Archetypen sucht Jung im Transzendenten.


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Rezension: Lass los und werde glücklich (Taschenbuch)

Die psychologische Beraterin und Heilpraktikerin Dörthe Huth verdeutlicht in diesem Buch, dass der wirkliche Weg zum Glück nicht selten über das Loslassen führt. Um von etwas loslassen zu können, sind nach ihrer Meinung sechs Schritte notwendig. Diese werden von der Autorin allesamt ausführlich erklärt. Jedem dieser Schritte sind Checklisten, Experimente und ein erhellender Test beigefügt. Ferner wird gezeigt wie mein Protokolle zur Selbstreflektion anfertigt und anhand von Visualisierungen Veränderungen gedanklich vorwegnimmt.

Sich aufgrund eines Loslass-Prozesses auf Veränderungen einzulassen, heißt nicht zuletzt eine neue Richtung einzuschlagen. Loslassen bringt auf Dauer sehr viel Lebensqualität mit sich. Dabei hat Loslassen nichts mit Weglaufen zu tun. Loslassen bedeutet bloß seine Ziele neu zu justieren und entsprechend zu handeln. Die aktive Arbeit an einem Loslass-Prozess macht es erforderlich verbindlich und diszipliniert zu sein und Durchhaltevermögen zu besitzen.

Loslassen birgt- das sollte jedem bewusst sein sowohl Vor- als auch Nachteile. Es ist hilfreich diese einander gegenüberzustellen, um auf diese Weise eine bewusste Entscheidung für oder gegen das Loslassen zu fällen. Wer in seinem Leben permanent das Gefühl hat, Veränderung zu wollen, aber nicht zu können, leidet vermutlich an erlernter Hilflosigkeit. Diese muss kein Dauerzustand sein.

Die Autorin zeigt u.a. wie man die eigene Gefühlswelt in Einklang bringt und wie man mit negativen Gefühlen wie Wut, Selbstzweifel und Enttäuschung am besten umgeht. Es ist immer günstig innere Bilder zu nutzen, um auf gute Gefühlszustände umzuschalten, hilfreiche Gedanken abzurufen und sich durch Aktivitäten abzulenken und neu zu motivieren. Bei allem sollte man sich stets fragen, was einem die eigenen Gefühle sagen wollen. Übrigens bereitet das genaue Hinschauen und Anerkennen was ist, den Lösungsprozess vor. Die Annahme von Enttäuschungen, das Betrauern, Verabschieden sowie das Verzeihen setzt eine körperliche und geistige Lösungsaktivität in Gang.

Sofern es die Aufgabe ist, eine desolate Beziehung loszulassen, oder aber anders zu gestalten, bringt es nichts in Abwehr zu verharren. Was man benötigt, ist eine Auseinandersetzung auf Gefühlsebene. Mache man sich bewusst, dass verdrängte Gefühle in unserem Gepäck bleiben und uns auf unserer Lebensreise unnötig belasten.

Die Autorin rät, auf die Signale des Körpers zu achten und alles , was im Leben stört, genau zu betrachten und es nicht einfach wegschieben. Stellt man fest, dass man das Störende nicht mehr akzeptieren möchte, ist es sinnvoll loszulassen. Die Belohnung für den Mut zum Loslassen ist eindeutig die Freiheit.

Ein überzeugender Text, der dazu verhilft, recht bald gelassen auf dem eigenen Glückplateau zu stehen und vollkommen im Einklang mit sich selbst zu sein.


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Rezension:Liebe und du leidest nicht: Fallstricke in der Beziehung erkennen und vermeiden (Gebundene Ausgabe)

Der Autor untersucht zunächst den Eros, der das sexuelle Begehren, Besitzergreifen, Sichverlieben, die leidenschaftliche Liebe verkörpert. Das Wichtigste ist in diesem Falle das Ich, das fordert und begehrt. Riso verdeutlicht, dass das Gegenüber, das Du, kaum in Betracht gezogen wird. "Eros" ist die egoistische, lüsterne Komponente der Liebe. Sie ist von Natur aus streitbar und dualistisch. Letztlich ist Eros die Liebe, die schmerzt und die mit Wahnsinn und Kontrollverlust assoziiert wird. Bei allem kann aus "Eros" in der Liebe nicht verzichtet werden, weil das Begehren die vitale Antriebskraft einer jeden Beziehung ist, völlig unabhängig davon, ob es als reiner Sex oder Erotik in Erscheinung tritt.

Philia, ein weiterer Untersuchungsgegenstand Risos, ist die freundschaftliche Komponente, die über das Ich hinausgeht, um den anderen als Subjekt mit einzubeziehen. "Ich und Du", auch wenn das Ich noch im Vordergrund steht. Der Autor hält fest, dass bei allem das gegenseitige Wohlwollen noch immer begrenzt ist, weil nach seiner Ansicht Freundschaft mithin auch eine Form von Selbstliebe verkörpert: Man liebt sich durch den Freund. Allerdings ist das zentrale Gefühl nicht die Freude am Besitzen, sondern am Teilen: die Gegenseitigkeit, das Gut-miteiander-Auskommen, die Seelenruhe.

"Agape" ist die Liebe, die sich über das erotische "Ich will" genauso hinwegsetzt, wie über das freundschaftliche "Du und Ich", um restlos im Du aufzugehen. Agape ist selbstlose Liebe, die sich bedingungslos gibt und sich für den anderen opfert.

Comte-Sponville sagt dazu: "Man geht von der Selbstliebe zur Liebe zum anderen über, dann von der berechnenden Liebe zu einer selbstlosen Liebe, von der Sinnlust zum Wohlwollen, dann zur Nächstenliebe, kurz vom Eros zu Philia, dann manchmal, zumindest ein wenig, zumindest in der Ferne, von Philia zu Agape."

Riso bleibt dabei, dass es wahre Liebe nur dann geben kann, wenn Begehren, Freundschaft und Mitgefühl vorhanden sind und sich miteinander verbinden. Er unterstreicht, dass unvollständige Liebe schmerzt und krankt macht.

In den folgenden Kapiteln thematisiert er die Idealisierung des geliebten Menschen, die Ausschließlichkeit und vollkommene Treue, intensive Gefühle von Verbundenheit und sexueller Anziehung, die Überzeugung, dass eine Liebe ewig hält, das zwanghafte Denken an das geliebte Wesen, den Wunsch nach Vereinigung und völliger Verschmelzung und die Bereitschaft jedes Risiko einzugehen, um eine Beziehung aufrecht zu halten.

Wie wichtig es ist, die Verliebtheit zu genießen, ohne sich in seiner Individualität und seelischen Gesundheit beeinträchtigen zu lassen, zeigt Riso ebenso deutlich, wie das Faktum, dass man sich dafür hüten soll, die geliebte Person zu idealisieren. Der Autor vernüftelt keineswegs, wenn er empfiehlt, dass man nicht zulassen darf, dass die Person, die man liebt, die eigene Seele beherrschen kann wie ein Virus. Lässt man es nämlich zu, endet die Liebe.

Man liest in der Folge u.a. über die Kunst der Verführung, die notwendig ist, um den Eros dauerhaft am Leben zu halten. Beispiele emotionaler Ermüdung werden aufgezeigt, auch wird die Sucht nach leidenschaftlicher Liebe fokussiert und die die Delirien des Eros, wie etwa den Eifersuchtswahn oder die krankhafte Eifersucht ausgelotet.

Liebende Freundschaft ist der lebendige Kern einer Beziehung. Weshalb dies so ist, wird ausführlich erklärt. In intakten Liebesbeziehungen ist man sich stets über Grundlegendes einig. Solche Beziehungen begünstigen Nähe und Intimität und sind von Grund auf befriedigend. Beide können sicher sein, dass sie sich niemals absichtlich Schaden zufügen werden.

Der Austausch von fördernden und verstärkenden Elementen ist für Philia bestimmend, wie im Buch aufgezeigt wird. Die Lust ist für den Eros unentbehrlich. Das Einverständnis, damit Agape zum Motiv des Glücks werden kann, lautet: Ich werde dir keine Leiden verursachen, du mir auch nicht.

Mitgefühl zu besitzen heisst, den Schmerz zu teilen, sich mit fremdem Leid zu identifizieren, es zu seinem eigenen zu machen.

Jede der Komponenten kann aktiviert werden und damit ermöglichen ganzheitliche und funktionierende Liebe zu erleben. Es ist im Grunde überhaupt nicht schwer, wenn man bereit dazu ist, alle Facetten der Liebe zu leben.


Das rezensierte Produkt ist überall im Handel erhältlich.




Rezension: Vom Sinn des Lebens- Ein Lesebuch für alle Lebenslagen

Dieses Lesebuch wird alle begeistern, die an philosophischen Gedanken Freude haben und dem Sinn des Lebens immer wieder nachspüren. Thematisiert werden u.a. der Lebenswille, die Selbstlostigkeit, der Rückzug, das Glück, die Disziplin und die Liebe.

Weit mehr als 60 Texte berühmter Dichter und Denker aus vielen Jahrhunderten kommen zur Sprache.

Viele der Texte kannte ich schon, zu einigen habe ich Rezensionen verfasst. Sentenzen aus Baltasar Gracians "Hand-Orakel und Kunst der Weltklugkeit" sind dabei. Diese Gedanken wurden sehr gut gewählt und befassen sich mit dem Glück, mit dem man tunlichst nie prahlen sollte, weil man dadurch Neid auf sich zieht,(vgl.S. 163).


Man hat Gelegenheit, sich mit einer Textstelle aus Freuds "Das Unbehagen in der Kultur" zu befassen und Freuds Gedanken zur "Vergänglichkeit" zu lesen. Das Gedicht von Andreas Gryphius "Menschliches Elende" ist inhaltlich so wahrhaftig, wie zu dem Zeitpunkt als der Dichter es schrieb.


Als Tochter preußischer Vorfahren bin ich überzeugt davon, dass Disziplin im Leben ungeheuer wichtig ist. Deshalb auch teile ich mit Kant die Meinung, dass das einzige sichere Mittel, seines Lebens froh und dabei auch noch lebenssatt zu werden, das Ausfüllen der Zeit durch planmäßig fortschreitende Beschäftigungen ist, die einen großen beabsichtigten Zweck zur Folge haben, (vgl: S. 218) und glaube, dass Wilhelm von Humboldt recht hat, wenn er sagt, dass das Erste und Wichtigste im Leben ist, dass man sich selbst zu beherrschen sucht, (vgl.: S. 217).


Mit Spinoza teile ich die Meinung, dass Vernunft ein Genuss ist und das Ziel, wonach man streben sollte, Heiterkeit und Freude darstellt. Diese findet man in der Liebe, wie ich meine.


Ich gehöre zu den Menschen, die über Vergänglichkeit aufgehört haben nachzudenken, weil Vergänglichkeit eine Tatsache ist, an der es nichts zu rütteln gibt. Weitaus ergiebiger ist es, über die Liebe nachzudenken und sich jeden Tag zu bemühen, Liebe zu schenken.


Es ist schön, dass man aus Platons Symposion u.a. nachstehende Textstelle lesen kann: "Jeder von uns ist also ein Stück von einem Menschen, da wir ja zerschnitten, wie die Schollen, aus einem zwei geworden sind. Also sucht nur immer jedes sein anderes Stück"(Zitat: S.243).


Der schönste Text von allen in diesem Buch ist m.E.: "Das Hohelied der Liebe", der mit den Zeilen endet:"Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen."


Nach meiner Ansicht gibt es nur einen Sinn im Leben und der besteht in der Liebe zwischen allen Menschen.


Goethe fasst es weise zusammen:


Woher sind wir geboren?


Aus Lieb


Wie wären wir verloren?


Ohne Lieb


Was hilft uns überwinden?


Die Lieb


Kann man auch Liebe finden?


Durch Lieb


Was lässt nicht lange weinen?


Die Lieb


Was soll uns stets vereinen?


Die Lieb.


(siehe Seite 251)


Die Autoren im Buch sind übrigens u.a.: Dostojewskij, Sartre, Kafka, Schopenhauer, Nietzsche, Freud, Epiktet, Seneca, Rousseau, Thoreau, Horaz, Wittgenstein, Thomas Mann, Goethe, Stifter, Raabe, Rilke, Ortega Y Gasset, Hiob, Gryphius, Moritz, Kierkegaard, Tolstoi, Aristoteles, Gracian, Camus, Montaigne, Freud, von Hoffmannstal, Epikur, Aurel, Franklin, von Humboldt, Kant, Spinoza, Fichte, um nur einige zu nennen, hochkarätige Denker, die es sich zu lesen lohnt.

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