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Rezension:Bildatlas der Philosophie: Die abendländische Ideengeschichte in Bildern (Gebundene Ausgabe)

Dieses Buch über die abendländische Ideengeschichte erklärt 280 Stichworte ausführlich und wartet mit einer Fülle von Bildern auf, die mit besagten Stichworten korrespondieren.

Untergliedert ist der Bildatlas der Philosophie in: Griechenland, Vorsokratiker, Sokrates, Platon, Aristoteles, Hellinismus, Kaiserzeit, Mittelalter, Neuplatonismus, Renaissance, Wissenschaftliche Revolution, Klassischer Rationalismus, Empirismus, Zeitalter der Aufklärung, Kantianismus, Idealismus, Posthegelianismus, Antipositivismus, Die Stimme des Irrationalismus, Erkenntnistheorien, Naturwissenschaften, Humanwissenschaften, Psychoanalyse, Psychologie und Ästhetik.

Den Oberbegriffen sind die besagten Stichworte zugeordnet, die dann näher definiert werden. So wird man beispielsweise im Rahmen des Oberbegriffs Idealismus über die Stichworte: Romantik, Streben, Genie, Endlich/Unendlich, Naturphilosophie, Das Absolute, Hegels Dialektik, Hegels System, Welthistorische Indiviuen und Tod der Kunst aufgeklärt.

Bilder illustrieren die erläuterten Stichworte. Man sieht beispielsweise eine kleine Abbildung eines Gemäldes von Caspar David Friedrich "Der Wanderer über dem Nebelmeer", der mit dem Begriff des Absoluten korrespondiert und erfährt, dass der Wanderer auf dem Bild verloren sei in einer tiefen Verzauberung, oder in Erschütterung, über die Grandiosität der Schöpfung: Er sei in gewisser Weise der Unermesslichkeit des Naturschauspiels gegenübergestellt. Auch tauchen Denker wie Fichte, Schelling und Hegel bei der Erläuterung des Stichwortes "Das Absolute" auf und verdeutlichen, worum es bei dem Begriff eigentlich geht.

Das Buch erlaubt es, dass man es nicht chronologisch liest, sondern spontan seiner Neugierde folgen kann. Spannend sind dabei immer wieder die Querverweise, so etwa gleich zu Beginn bei den Stichworten "Dionysische Riten" und "Tragödien", die dem Oberbegriff Griechenland zugeordnet sind, aber auf den Philosophen Friedrich Nietzsche verweisen und diesbezüglich Zusammenhänge dezidiert erklären.

Spannend zu lesen sind auch die Erläuterungen zu dem Stichwort "Proportion". Hier wird bereits auf den "Goldenen Schnitt" hingewiesen, der im Umfeld der Phythagoreer entwickelt wurde und neben dem Kanon des Polyklet die wichtigste Theorie der Kunst der alten Griechen war. Unter dem Oberbegriff "Vorsokratiker" wird das Stichwort "Goldener Schnitt" dann ausführlich abgehandelt und anhand von Zeichnungen verdeutlicht.

Hervorrragend erläutert werden Platons "Abstufungen der Liebe", der Begriff "Androgynie" und in diesem Zusammenhang auch Platons Kugelmensch. Stichworte wie "Syllogismus", "Axiom", aber auch "Rhetorik" und "Rhetorische Figuren" sind dem Oberbegriff Aristoteles zugeordnet. Dass die rhetorische Figur der Metapher heute mehr den je Anwendung findet, wundert den Leser keineswegs.

Beim Studieren des Stichwortes "Aristotelismus/Platonismus" fällt mein Blick auf zwei beigefügte Abbildungen eines Freskos von Raffael "Schule von Athen". Die Deutung hierzu habe ich mit großem Interesse gelesen, keineswegs nur deshalb, weil sie mich in meiner Bildbetrachtung bestätigt hat.

Das Stichwort "Prädestination" verweist auf Calvin, mit dessen Denken ich wenig anfangen kann. Weit interessanter hingegen sind die Begriffserläuterungen "Kopernikanische Wende", "Helozentrismus", "Rationalismus" und "Kartesianischer Deduktionismus". Decartes Wissenschaft beruht auf Deduktion. Hier soll das gesamte Wissen durch logische Schlussfolgerungen erworben werden und zwar "ausgehend von festgelegten, intuitiven und allgemein geteilten Wahrheiten (klaren und deutlichen Vorstellungen), die als nicht diskutierbare Grundaxiome anzunehmen sind."

Unmöglich ist es an dieser Stelle alle Begriffe zu streifen oder sie gar näher unter die Lupe zu nehmen. In meinen Augen ist dieses Buch ein ausgezeichnetes Nachschlagewerk, das weit über die Erläuterungen in einem guten Lexikon hinausreicht und Begriffe der abendländischen Ideengeschichte bestens erklärt, nichts zuletzt auch den Begriff "Sublimation". Für Freud war die Sublimation der Schlüssel zu kreativen Leistungen. Weshalb er dies so sah, wird im Buch sehr gut dargelegt. Das Freuds Auffassung von künstlerischer Kreativität unter dem Einfluss Arthur Schopenhauers stand, finde ich bemerkenswert.

Dieses Buch gehört in jede gute Bibliothek. Es erläutert nicht nur ausgezeichnet die fokussierten Begriffe, sondern es erklärt auch Zusammenhänge. Grund genug es zu empfehlen.

Empfehlenswert

Helga König

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Bildatlas Philosophie: Die Geschichte der abendländischen Philosophie in Bildern: Die abendländische Ideengeschichte in Bildern

Rezension:Emotionale Erpressung: Wenn andere mit Gefühlen drohen (Taschenbuch)

Die Psychologin Dr. Susan Forward beschreibt in diesem Buch, die Ursachen, die es möglich machen, dass man den emotionalen Erpressungsversuchen Dritter Raum gibt. Bei diesen Ursachen handelt es sich in der Regel um Angst sowie im Pflicht- und Schuldgefühle.

Unter emotionaler Erpressung versteht man eine schwerwiegende Form von Manipulation bei Menschen ,die dem Opfer nahestehen und die direkt oder indirekt damit drohen, es zu bestrafen, wenn es nicht das tut, was sie wollen.

Die Botschaft des Erpressers lautet: "Wenn Du Dich nicht so verhältst, wie ich es will, wirst Du leiden"

In der Regel weiß der emotionale Erpresser wie viel seinem Opfer die Beziehung mit ihm wert ist und erkennt die Verletzbarkeit. Nicht selten sind ihm die innersten Geheimnisse seines Opfers bekannt. Unabhängig wie tief die Gefühle des Erpressers für sein Opfer sind, sobald er befürchten muss, sich eventuell nicht durchsetzen zu können, wird er das intime Wissen einsetzen, um seinen Drohungen die Form zu verleihen, die in schließlich mit dem Einverständnis des Opfers belohnt.

Die Autorin hat eine Checkliste aufgestellt, die die Leser aufmerksam lesen sollten, um sich klarzumachen, ob sie emotional durch Dritte erpresst werden.

Sie fragt:
Drohen Ihnen Menschen, die in ihrem Leben wichtige Rollen spielen, damit, Ihnen das Leben schwer zu machen, wenn Sie nicht tun, was sie wollen? Drohen sie ununterbrochen damit, die Beziehung zu Ihnen abzubrechen, wenn Sie nicht auf ihre Wünsche eingehen? Sagen sie Ihnen, dass sie sich selbst vernachlässigen oder verletzen werden oder in Depressionen verfallen, wenn Sie sich ihrem Willen nicht fügen?

Wollen sie immer noch mehr von Ihnen, gleichgültig, wie viel Sie ihnen schon gegeben haben? Gehen Sie grundsätzlich davon aus, dass Sie schließlich doch nachgeben werden? Übersehen und missachten Sie grundsätzlich Ihre Gefühle und Bedürfnisse? Machen sie Ihnen großartige Versprechungen, deren Einlösung sie jedoch von ihrem Verhalten abhängig machen und sie deshalb nur selten halten? Werden Sie von diesen Menschen fortwährend als selbstsüchtig, schlecht, gierig oder lieblos bezeichnet, wenn Sie nicht einlenken?
Werden Sie von Ihnen mit Lob überschüttet, wenn Sie nachgeben, und wird Ihnen ihre Anerkennung entzogen, wenn Sie es nicht tun? Setzten Sie Geld ein, um sich bei Ihnen durchzusetzen?

Die Autorin unterstreicht, dass Millionen von Menschen emotional erpresst werden und zeigt anhand zahlloser Beispiele wie diese Erpressungen sich in der Realität gestalten. Sie verdeutlicht die Mittel der Erpressung, geht auf das Innenleben des Erpressers und der Opfers ein und diskutiert die Auswirkungen solcher emotionaler Erpressungen. In der Folge verdeutlicht sie wie man den Nebel aus Angst, Pflicht- und Schuldgefühlen durchbrechen kann und erklärt hilfreiche Strategien, zu denen nichtdefensive Kommunikation zählt.


Sie zeigt wie man mit dem erpresserischen Schweigen seines Gegenübers umgeht. Für viele Erpresste nämlich ist diese schweigsame Wut viel unerträglicher als nervenaufreibender offener Angriff. Die Psychologin listet auf, was der so Erpresste keinesfalls tun sollte, aber auch wie er vorgehen sollte. Andere Strategien sind, den Gegner als Verbündeten gewinnen, einen Tauschhandel anzustreben aber auch Humor zu zeigen.

Susan Forward macht unmissverständlich klar, dass es viele Möglichkeiten gibt, um sich emotional nicht erpressen zu lassen und bietet Lösungeswege an, wie man sich aus dem Netz von Drohung und Erpressung zu befreien vermag.

Ein sehr gutes Buch.
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Rezension: Unsichtbare Wunden heilen: Wie traumatisierte Menschen inneren Frieden finden (Gebundene Ausgabe)

Prof. Dr. med Richard F. Mollica ist Preisträger des renommierten "Human Rights Award" der "American Psychiatric Association". Mollica berichtet im vorliegenden Buch von den Folgen von Gewalt in allen nur vorstellbaren Variationen. Dabei verarbeitet er Hunderte von Interviews seiner Beratungs- und Forschungstätigkeit.


Ich verzichte an dieser Stelle darauf, konkret auf die geschilderten Gewaltanwendungen weltweit einzugehen, jeder kennt die entsprechenden Berichte aus der Presse, sondern ich möchte stattdessen in meiner Rezension die Ziele von Gewaltanwendung beleuchten. Der Autor hält fest, dass es ganz unabhängig vom Schweregrad bei der Anwendung von psychischer und psychischer Gewalt stets darum geht, den anderen zu demütigen. Die Täter - das fängt bei kleinen Demütigungen im Alltag schon an - möchten bei ihren Opfern das Gefühl entstehen lassen, sie seien absolut wertlos. Mollica konstatiert, dass überall dort, wo Gewalt verübt wird, es an jeglicher Regung von Liebe, Zuneigung und Mitgefühl fehlt.


Der Autor verdeutlicht, dass in Trauma- Geschichten von extremen Gewalterfahrungen sich die ganze Bandbreite des Gefühls der Demütigung offenbart. Das Gefühl der Demütigung ist sehr komplex. Offenbar handelt es sich weniger um eine eindeutige Regung wie Angst, stattdessen vielmehr um einen Daseinszustand, der sich dadurch auszeichnet, sich körperlich und geistig minderwertig zu fühlen, hinzu kommen Gefühle von Unreinheit und Scham, von spiritueller Leere und Schuld, nicht zuletzt auch von Gedanken, anderen gegenüber als moralisch abstoßend zu gelten.

Bereits in Situationen, in denen es an Liebe, Zuneigung und grundsätzlichem Einfühlungsvermögen mangelt, kann ein Gefühl der Herabminderung, Erniedrigung und Scham entstehen. Dies sollte man sich bewusst machen, denn auf diese Weise ist man in der Lage, Akte der Demütigung zu erkennen. Bei extremer Gewalt wie bei Folter treten demütigende Handlungen extrem zu Tage. Terrorhandlungen, wie etwa die Anschläge vom 11. September, beabsichtigten ganz eindeutig auch Demütigung und zwar in diesem Fall gegenüber der USA in ihrer Gesamtheit.

Das Maß der Demütigung variiert je nach traumatischem Ereignis. Demütigung beginnt zumeist damit, dass man öffentlich der Schande ausgesetzt wird, sei es von einer kleinen oder großen Gruppe von Beobachtern. Demütigungen sind in der Geschichte der Menschheit ein allgegenwärtiges Phänomen. Jeder weiß um die Leiden der Naziopfer, der Betroffenen in Chile, Argentinien, Kambotscha, Bosnien etc.

Der Autor zeigt in der Folge wie die Opfer Schmerzen überwinden können, wobei der Schüssel für ihn in der Selbstheilung liegt. Wie diese Selbstheilungskräfte aktiviert werden können wird während der Lektüre dieses Buches, geschrieben von einem sehr einfühlsamen Mediziners, deutlich. Die Selbstheilung vollzieht sich auf psychischer Ebene, sobald es dem Verstand gelingt, aus dem Gewalterlebnis einen neuen Sinn zu konstruieren. Dabei bildet der Kern der psychischen Komponente der Wille zu überleben und das Erlebte zu bewältigen. Der Mensch fasst den Entschluss, alles zu unternehmen, was ihm die Situation abverlangt und angesichts der Gewaltakte nicht klein beizugeben.





Rezension: Was ist der Mensch? Karl Jaspers- Piper

Der Philosoph und Psychiater Karls Jaspers( 1883-1969) entwarf vor allem von S. Kierkegaard beeinflusst seine Philosophie der Existenz. Wie dem vorliegenden Buch zu entnehmen ist, zielt diese in erster Linie auf Existenzerhellung, die in Grenzsituationen des Lebens wie Schuld, Kampf, Leid und Tod möglich wird. Angesichts dieser Situationen leuchtet der Sinn unseres Daseins auf: Gelassenheit, Verantwortung, Liebe und Glück.

In: "Was ist der Mensch?", Untertitel: Philosophisches Denken für alle, zeichnet Karl Jaspers zunächst ein feinfühliges Selbstportrait, dem sich eine kurze Beschreibung seines Weges zur Philosophie anschließt. Anschließend beantwortet der Philosoph die Frage, was Philosophie eigentlich ist, thematisiert die Wechselbeziehung zwischen Philosophie und Wissenschaft, geht auf die Ursprünge der Philosophie ein und unterscheidet hier zwischen historischen Anfängen und den Quellen aus denen der Antrieb zum Philosophieren kommt.

Es ist unmöglich auf alle Texte Jaspers und alle Kommentare Hans Saners, des Herausgebers dieses Buches,  einzugehen, weil dies den Rahmen der Rezension sprengen würde.

Mit großem Interesse habe ich Jaspers Betrachtungen zur philosophischen Lebensführung gelesen. Er sieht zwei Wege: zum einen den der meditativen Besinnung, zum anderen den der Kommunikation. Selbstreflektion, transzendierende Besinnung und Besinnung auf das, was gegenwärtig zu tun ansteht, lehrt die Macht des Gedankens. Denken selbst ist für den Philosophen der Beginn des Menschseins. Jaspers verdeutlicht, dass Philosophieren an die Grenzen der Verstandeserkenntnis drängt, um sich zu entzünden. Er konstatiert, dass derjenige, der meint alles zu durchschauen. nicht mehr philosophiert, weil derjenige, der kein Geheimnis mehr kennt, nicht mehr sucht.

Nicht unerwähnt lässt Jaspers, dass die Philosophie keine Lehre im Sinne von Vorschriften ist,  unter die die Einzelfälle des täglichen Lebens subsumiert werden können. Diesen Satz sollte man rot anstreichen, denn sein Inhalt wird oft vergessen, was nicht selten zu unergiebigen, pseudointellektuellen Diskussionen führt. Bevor Jaspers die Grenzsituationen, die ich in meiner Rezension eingangs erwähne, näher beleuchtet, definiert er die Begriffe Grenze und Situation. Grenzsituation sind für ihn immer seiende, unwandelbare Situationen, die mit dem Dasein selbst gegeben sind. Die einzelnen Grenzsituationen werden im Anschluss daran näher beleuchtet und versucht den Sinn dieser Situationen zu erhellen.

Alle Wege des philosophischen Lebens und des Denkens führen an diese Grenzen, an denen die Möglichkeiten des Menschen aufleuchten, die mehr als bloßes Dasein sind. Als Kern aller erfüllenden Möglichkeiten sieht Jaspers die "Existenz". Er definiert in der Folge, was man unter ihr zu verstehen hat und kommt zum Ergebnis, dass Existenz nur in Kommunikation von Existenzen stattfindet.

Jaspers verquickt die Philosophie der Grenzsituationen mit der Philosophie der Kommunikation und zeigt u. a. die Wechselwirkung, zwischen Einsamkeit und Kommunikation, aber auch zwischen der Liebe und Kommunikation. Ich möchte in diesem Zusammenhang einige Sätze zitieren, die viel über das einfühlsame, reflektierte Denken Jaspers aussagen: "Ohne existentielle Kommunikation ist alle Liebe fragwürdig. Wenn auch die Liebe nicht begründet, so ist sie doch keine Liebe, die nicht in Kommunikation sich bewährt. Wo Kommunikation endgültig abbricht, hört Liebe auf, weil sie Täuschung war; wo sie aber wirklich war, kann die Kommunikation nicht aufhören, sondern muss ihre Gestalt verwandeln. Kommunikation ist die von der Liebe erfüllte Bewegung im Zeitdasein, welche auf das Einswerden zu gehen scheint, aber im Einsgewordensein aufhören muss. Das Zweisein lässt die Liebe nicht zur Ruhe kommen."( S. 187)

Für Jaspers ist die Philosophie der Existenz eine Philosophie der Freiheit und zwar Freiheit im Aneignen der Grenzsituationen aber auch im Prozess der Kommunikation.

Weiter beleuchtet Jaspers, ob eine philosophische Ethik möglich sei und bejaht dieses. Für die Lüge gilt: "Du sollst dich nie selbst belügen" und "Du sollst niemals Menschen belügen, mit denen Du in Kommunikation verbunden bist". Saner verdeutlicht, dass diese Sicht letztlich in eine Doppelmoral führt, weil sie die "Binnenmoral" der Intimität von der relativen Außenmoral der Gesellschaft abspaltet.

Jaspers lotet in der Folge den Handlungsbegriff aus und befasst sich mit ethischen Sätzen und Rechtssätzen um schließlich das absolute Bewusstsein als Liebe und Phantasie als Spiel sowie als Gelassenheit zu beschreiben.

Es ist unmöglich im Rahmen der Rezension diesen Themen komplex zu erläutern. Ein Sinn der Lebens ist für Jaspers, wie eingangs bereits erwähnt die Liebe, als "die unbegreiflichste, weil grundloseste und selbstverständlichste Wirklichkeit des absoluten Bewusstseins."( S. 216) Sie ist für ihn unendlich, hellsichtig, bedeutet Aufschwung und gegenwärtige Befriedigung und ist als erfüllte Gegenwart nur Gipfel und Augenblick, sie ist als Wiederholung Treue, ist Selbstwerden und Selbsthingabe. Jaspers hält fest: "Wo ich mich wahrhaft ganz, ohne Rückhalt, gebe, finde ich mich selbst. Wo ich mich auf mich selber wende und Reserven festhalte, werde ich lieblos und verliere mich. Die Liebe hat ihre Tiefe im Verhältnis von Existenz zu Existenz."( S.217)

Diese Liebe, wie auch die Phantasie, das Spiel und die Gelassenheit zu leben sind der Sinn unseres Daseins.

Im Buch wird des Weiteren Jaspers mythisches Denken abgehandelt und die Frage nach der Transzendenz ausgelotet.

Der ethische Anspruch von Jaspers Philosophie hat bei ihm zur politischen Kritik geführt. Er wandte sich aufgrund dessen gegen totalitäre Systeme und gegen die freiheitsgefährdende Atompolitik der Weltmächte.

Mit großem Interesse habe ich Jaspers Betrachtungen zu den Schuldbegriffen zum Ende des Buches gelesen. Er untergliedert in kriminelle, politische, moralische und metaphysische Schuld. Durch diese Unterscheidung wird der Sinn von Vorwürfen geklärt. Jaspers macht dabei u. a. klar, dass beispielsweise politische Schuld zwar Haftung aller Staatsbürger für die Folgen staatlicher Handlungen beinhaltet, jedoch nicht kriminelle und moralische Schuld des einzelnen Staatsbürgers in Bezug auf Verbrechen, die im Namen des Staates begangen werden. Durch die Differenzierung des Schuldbegriffes möchte der Philosoph vor  Flachheit des Schuldgeredes" bewahren.

Er zeigt, wann politische Schuld zur moralischen wird und hält fest, dass dort, wo Macht sich nicht begrenzt Gewalt und Terror herrscht und am Ende die Vernichtung von Dasein und Seele. Deshalb müssen Bindungen gelten, damit Gewalt und Terror nicht durchbrechen, weil Bindung letztlich Verzicht auf Willkür bedeutet. Dennoch wird immer ein Rest von Gewalt bleiben, dessen muss man sich bewusst werden. Jaspers resümiert in diesem Zusammenhang: " Es ist eine Täuschung, dass das Recht als solches sich zuverlässig durchsetze. Wie auch Wahrheit, und nicht nur die Unwahrheit einen Advokaten braucht, so braucht Recht Macht, die schon die Macht des Rechts selber ist."(S.367)

Ein interessantes Buch, das folgende Fragen klug beantwortet: Was ist der Mensch? Was ist Philosophie? Was bedeutet Transzendenz und was vermag die Philosophie in dieser Welt?

Empfehlenswert. Hoffentlich wird es bald wieder neu aufgelegt.



Rezension:Der ganz normale Wahnsinn: Vom Umgang mit schwierigen Menschen (Gebundene Ausgabe)

Forschungsfeld der beiden Psychologen F. Lelord und Ch. Andre ist der Charakter eines Menschen. Sofern hier psychische Störungen auftreten, kann von einer schwierigen Persönlichkeit gesprochen werden. Die Autoren geben viele Hinweise, wie man mit problembehaftenen Charakteren umzugehen vermag, ohne dabei selbst zum Nervenbündel zu mutieren. Schwierig ist eine Persönlichkeitsstruktur dann, wenn beispielsweise paranoide, zwanghafte narzisstische oder passiv-aggressive Verhaltensmuster immer wiederkehrend zu Tage treten. Die Autoren führen aus ihrer Praxis eine Vielzahl von Beispielen für all die Schräglagen an, die im Buch breitgefächert diskutiert werden.



Um den Sachverhalt zu veranschaulichen wird auch auf präzise herausgearbeitete Persönlichkeitsmuster in der Literatur und im Film hingewiesen. In der Folge liefern die Psychologen jeweils eine Übersicht zum Selbstverständnis einer speziellen charakterlichen Spielart und zeigen auf welche Weise - aufgrund dieser abgründigen Besonderheiten - Beziehungen zu anderen Menschen geknüpft werden. So sieht sich die narzisstische Persönlichkeit als eine Art Ausnahmewesen, die außerhalb gewöhnlicher Regeln steht und Besseres verdient. Sie möchte pausenlos rauschende Erfolge erzielen und erwartet Vorrechte. Narzissten fühlen sich allerdings zu nichts verpflichtet, geraten in Rage, wenn man ihnen ihre Privilegien streitig macht, nutzen andere aus, um eigene Ziele zu erreichen und bekunden wenig Empathie.


Von Gefühlen anderer sind sie kaum berührt. F. Lelord und Ch. Andre verdeutlichen dezidiert, dass man keineswegs Opfer abgefahrener Erwartungshaltungen werden muss, selbst dann nicht, wenn man sich beruflich oder privat im Dunstkreis schwieriger Charaktere bewegt. Wohlüberlegte, im Buch genau aufgezeigte Strategien helfen in kritischen Situationen solche nicht entgleisen zu lassen. Neben insgesamt elf schwierigen Persönlichkeitsformen, die alle ausführlich besprochen werden, gibt es allerdings noch eine Reihe unerträglicher Mischformen innerhalb einzelner Persönlichkeitsstrukturen und ferner überhaupt nicht kompatible Charaktere, wie etwa soziopathische, sadistische, selbstschädigende und Borderline-Persönlichkeiten.


Die Autoren konstatieren, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale angeboren sein können, so etwa Narzissmus (64%) und Mangel an Mitgefühl (56%), wie wissenschaftliche Untersuchungen ergeben haben. Trotz allem können durch langwierige kognitive Therapien positive Veränderungen herbeigeführt werden. Möge man vom ganz normalen Wahnsinn, der hier ungeschminkt benannt wird, in jeder Hinsicht verschont werden! Anhand verschiedener Persönlichkeitstests können Sie feststellen, ob Sie eine Macke haben. Sollte es tatsächlich so sein, haben Sie die Chance aufgrund der vorliegenden Lektüre einen langen Erkenntnisprozess einzuläuten, der Sie befähigen wird, plötzlich und unerwartet erfreulich zwischenmenschliche Erfahrungen zu machen. Viel Glück. Ihre geplagten Brüder und Schwestern werden es Ihnen danken. Empfehlenswert.

Rezension:Vatermänner: Ein Bericht über die Vater-Tochter-Beziehung und ihren Einfluß auf die Partnerschaft (Taschenbuch)

Die Psychotherapeutin Julia Onken schreibt, nachdem ihre langjährige Liebesbeziehung zu ihrem Freund Fabian zu Bruch gegangen ist, diesem neun fiktive Briefe . In den Briefen überdenkt sie ihre gemeinsame Beziehung und die Gründe , die dazu führten, dass Fabian sich einer anderen Frau zugewandt hat. Innerhalb ihrer Reflektionen führen sie ihre Gedanken immer wieder zu ihrem lange verstorbenen Vater. Dabei macht Onken deutlich, welchen Einfluss Väter generell auf die späteren Partnerschaften ihrer Töchter haben und begründet dies aus psychologischer Sicht. Durch die schriftliche Auseinandersetzung mit der genannten Thematik gelingt es ihr, sich innerlich von Fabian zu verabschieden.

Onken spricht vom Übersehenwerden, vom Einfach- nicht-zur Kenntnis-genommen werden, vom Übergangenwerden, vom Desinteresse, vom Unbeantwortet-Sein, vom Gefühl kleiner Mädchen ihren Vater nicht lieben zu dürfen, was dann nicht selten den tatsächlichen Antrieb für späteres berufliches Engagement ausmacht, weil sie auf diese Weise die gefühlte Entwertung und die Vatersehnsucht zu kompensieren suchen.

Die Psychotherapeutin zeigt, dass man den Grunddialog mit dem männlichen Geschlecht durch seinen Vater erlernt, die Begegnung mit dem Vater zum erstenmal die männliche Welt eröffnet. Nur wenn ein Vater sich seiner Tochter liebevoll, sie im ganzen Wesen glaubhaft respektierend und anerkennend zuwendet, wächst bei dem kleinen Mädchen die Selbstsicherheit und das Selbstvertrauen, die für ihr späteres Leben von nachhaltiger Bedeutung sind. Leider scheinen solche Vater-Tochter-Beziehungen die Ausnahme zu sein. In der Regel, so Onken, werden Töchter von ihren Vätern offenbar übersehen.

Onken gelangt zum Ergebnis, dass es seitens kleiner Mädchen drei Varianten gibt, um den Vater, der sie nicht wirklich zur Kenntnis nimmt, auf sich aufmerksam zu machen.

1) Die Gefalltochter: Ich gefalle, also bin ich.
Die Gefalltochter versucht die Aufmerksamkeit über optische Gefälligkeit zu erreichen und durch besonders auffälliges Verhalten seine Zuneigung zu erwerben. Durch Gesehen-Werden, aus dem Gefühl nicht existent zu sein ,wird die zukünftige Verführungsfrau geboren, die im zunehmendem Alter dann in der Angst lebt: je älter ich werde, um so weniger bin ich. Diese Frau wird ihre gesamte Lebenenergie auf Äußerlichkeiten legen und ein krankhaftes Körpergefühl entwickeln. In der Sexualität geht es ihr mehr um das Begehrtwerden als um sexuelle Lust, die oftmals nur vorgetäuscht wird, um den Partner an sich zu binden. Eigene Talente und Begabungen bleiben ihnen verborgen, weil sie sich nicht wagen ihr Intelligenzpotential auszuloten. Was Meinungen anbelangt orientieren sie sich an anderen und lernen nicht selbstbestimmt zu leben. In späteren Liebesbeziehungen ordnen sich diese Frauen stets den Vorstellung ihrer Partner unter und lesen diesen die Wünsche von den Augen ab. Allerdings fühlen sie sich, sobald dieser sie optisch nicht pausenlos zu Kenntnis nimmt, als Mensch entwertet. Ein falsches Wort ein Blick für eine andere lösen in der Gefalltochter Verunsicherungen aus. Es folgen schreckliche Szenen. Durch ihre krankhafte Fixierung verliert sie den Rest an Anziehung.

2) Die Leistungstochter: Ich bin leistungsfähig und erfolgreich also bin ich.
Die Leistungstochter sucht sich Bereiche aus, von denen sie glaubt, sie könne ihren Vater damit interessieren und erfreuen. Sie scheut keine Anstrengung, investiert ihre gesamte Kraft und müht sich ab leistungsstark zu werden. Dieses Mädchen verleugnet ihre weibliche Seite und vertraut auf die Ratio als Kommandozentrale für sämtliche menschliche Belange. Da sich diese Töchter mit ihrem Vater identifizieren, beurteilen sie die Mutter aus der Sicht des Vaters. Wenn dieser die Mutter in ihrer weiblichen Rolle entwertet, wird die Leistungstochter es ihm gleichtun. Förderung ist in der Sicht dieser Mädchen ein Liebesbeweis, Drill gilt als Anerkennung. Erfolgstöchter gestatten sich im Laufe ihres Lebens keine Gefühle und Schwächen. Dafür ist im späteren der Partner zuständig, der das Gegengewicht zur ewigen Stärke bildet. Nicht selten sind diese Frauen mit antrieblosen Männern liiert, weil Leistungstöchter an sich Müdigkeit, Schwäche und Überforderung nicht zulassen können. Das anfängliche Verliebtsein in den schwachen Mann kippt allerdings mit der Zeit. Dann beginnt sie ihn zu entwerten und zu verachten.Daran gehen die Beziehungen in der Regel zugrunde.

3)Die Trotztochter: Ich spüre Widerstand also bin ich.
Die Trotztochter legt sich quer zu allem und bringt dem Vater Widerstand entgegen. Sie will sich mit ihm duellieren, sich seine Anerkennung erkämpfen. Solche Mädchen besitzen, laut Onken, eine gute Denkfähigkeit. Sie opponieren, wo sie nur können . Sie sind logisch, linkshemisphärisch und analytisch, nicht selten hervorragende Rhetorikerinnen. Sehr häufig verzichtet die Trotztochter auf jegliches Attribut, dass sie attraktiv erscheinen lassen könnte. Jeder , der sich entsetzt von ihr abwendet, ist für sie ein Erfolg. In Partnerschaften wird sie mit der Zeit immer angriffslustiger. Beziehungen werden zu unangenehmen Kampfplätzen. Onken stellt fest, dass es außerdem noch Unterformen dieser Problemtöchter gibt. Sie spricht von getarnten Gefall-, Leistungs- und Trotztöchtern. So lassen sich unter letztgenannter Problemtochter die ewigen Nein-Sagerinnen, die Negativen und Destruktiven , die Unzufriedenen, die Miesmacherinnen und Spielverderberinnen- kurz die Freudlosen vom Dienst subsumieren.

Leider ist festzuhalten, dass all diese Problemtöchter große Schwierigkeiten haben in einen vernünftigen Dialog miteinander zu treten und sich bedauernswerterweise nicht selten gegenseitig anfeinden und entwerten.
Damit die Schräglagen zum eigenen Geschlecht und jene, die sich in Liebesbeziehungen entwickeln behoben werden können, ist es notwendig, dass sich jede Frau mit ihrer persönlichen Vaterbeziehung auseinandersetzt und erkennt, dass mögliche Defizite nur durch nachgeholte bewusste Reifung verändert werden können.
Empfehlenswert!

Rezension: Philosophie in Italien: Eine Einführung in 20 Porträts (Gebundene Ausgabe)

Professor Dr. Thomas Hoffmann stellt in diesem Buch 20 Portraits italienischer Philosophen vor.
Nach einleitenden Worten und dezidierten Begriffsbestimmungen fasst er in knappen Worten Essentielles über das philosophische Denken in Italien zusammen, benennt Kennzeichen der Renaissance und gibt zudem wertvolle Hinweise zur Literatur. Seine Betrachtungen zur Philosophie in Italien untergliedert er in : "Neoplatoniker in Italien", "Paduaner Aristoteliker", "Humanisten und neues politisches Denken", "Neuer Annäherung an die Natur" und "Von der Geschichte zum Sein".

Neoplatonismus ist das letzte große System der griechischen Philosophie. Außer platonischen Begriffen sind aristotelische, stoische und solche der späten Mystik in der Neoplatonismus eingegangen. Höchster Begriff ist das über alle Bestimmungen Erhabene (Gott) aus dem nicht durch Schöpfung, sondern durch wesensnotwendige Ausstrahlung alle Seinsformen hervorgehen. Der neoplatonische Philosoph und Theologe Nikolaus von Kues (1401- 1464) stand an der Grenze zwischen Mittelalter und Neuzeit. Er suchte auf allen Gebieten die Versöhnung der Gegensätze auf höherer Ebene. Das Wesen Gottes sah er in der Entfaltung, dem absolut unendlichen Zusammenfall aller endlich bedingten Gegensätze.

Er begriff die Welt als Ausfaltung Gottes. Kues war der Meinung, dass Gott nur durch eine die Verstandesbegriffe übersteigernde "gelehrte Unwissenheit" erfahren werden kann. Neuzeitliches wissenschaftliches Denken vorwegnehmend entwickelte er die Erkenntnistheorie, nach der das Wissen auf Vergleichen und Messen beruht. Kues trat für eine Reform der katholischen Kirche ein sowie für ihren Ausgleich mit den Hussiten und der griechischen Kirche.

Picco della Mirandola (1463- 1494) war ebenfalls Neoplatoniker. Er lud 1486 europäische Gelehrte nach Rom zu einer Diskussion über 900 Thesen. Das hatte eine päpstliche Verurteilung zur Folge. Philosophisch von M. Ficino beeinflusst (auch dieser Philosoph wird von Hoffmann porträtiert), erstrebte Mirandola die Überhöhung des christlichen Weltbildes im Sinne eines Bildungshumanismus. Er war überzeugt, dass der Mensch ein "Mikrokosmos" sei, in dem alle Möglichkeiten angelegt sind und der sich entsprechend den Seinsstufen für das Elementarische , Tierische oder Himmlische entscheiden kann.

Aristotelismus ist der Sammelbegriff für Rezeptionen, Aus und Umbau der philosophischen Lehren Aristoteles, deren italienische Hauptvertreter ebenfalls vorgestellt werden und deren Kerngedanken gut nachvollziehbar dargestellt werden. Im Kapitel "Humanisten und neues politisches Denken" werden u.a. die Kerngedanken Francesco Petracas (1304- 1374) aufgezeigt. Humanismus ist eine auf Humanität gerichtete Geisteshaltung. In der europäischen Geistesgeschichte ist der Humanismus eine geistige Bewegung, die im Zeitalter der Renaissance aus der Bildung an dem neu entdeckten geistigen Gut der Antike ein neues Menschenbild und Selbstverständnis gewann und sich damit gegen die Scholastik des Mittelalters wandte.
Der italienische Humanist und Dichter Petrarca begeisterte sich vorübergehend für den Versuch der Wiedererrichtung der römischen Republik und überwarf sich deshalb mit dem Kardinal Colona. Petrarca ist der erste bedeutende Humanist in Italien. Er arbeitete intensiv an der Erforschung und Herausgabe der antiken Autoren und verfasste selbst an Cicero orientierte lateinische Werke, eine umfangreiche Briefliteratur, ein unvollendetes Epos "Africa" sowie philosophische Schriften, auf die der Autor kurz eingeht.

Der Denker Niccolo Machiavelli (1469-1527) ging von einem pessimistischen Menschenbild aus. Er formte den Begriff der Staatsreform vor und verwarf die Vorstellung des den christlichen Tugenden verpflichteten Herrschers. Er sah in der Macht ein konstituierendes Element der Politik. Machiavellis politische Schriften sind zwei Staatsformen gewidmet: den Republiken und den Fürstentümern. Das vierte Kapitel "Neue Annäherung an die Natur" beinhaltet u .a . die Portraits zweier Persönlichkeiten, die ich in der Rezension noch unbedingt erwähnen möchte.

Giordano Bruno (1548-1600) war ein italienischer Naturphilosoph, der vor der Inquisition ins Ausland floh. 1592 fiel er schließlich doch in die Hände der Inquisition, die ihm wegen seiner Lehren von der Unendlichkeit der Welt und der Vielheit und Gleichwertigkeit der Weltsysteme den Prozess machte. Nach siebenjähriger Haft wurde er auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Bruno vertrat das kopernikanische Weltsystem und eine pantheistische Lehre von der Weltseele. Seine metaphysische Kosmologie hatte entscheidende Konsequenzen für die Anthropologie. Der italienische Mathematiker und Philosoph Galilei Galileo (1564- 1642) trat seit 1610 öffentlich für das heliozentrische Weltsystem des Nicolaus Kopernikus ein. 1613 entwickelte er seine Vorstellungen über das Verhältnis der Bibel zur Naturerkenntnis und zum heliozentrischen System, die eine Neuinterpretation der Heiligen Schrift erforderten. Dies führte zur ersten Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche, die 1616 mit dem Verbot dieser Lehre durch den Papst antwortete. Seine Schrift "Dialogo" führte zum Prozess gegen Galileo vor der Inquisition. 1633 schwor er ab und rettete so sein Leben.

Über all diese genannten Philosophen und 14 weitere Denker berichtet der Autor. Man erfährt einiges über deren Leben und deren zentrale Gedanken. Die Portraits können einzeln gelesen werden aber auch im Zusammenhang, denn letztlich korrespondieren sie miteinander und stellen das philosophische Gesicht Italiens dar.

Ich möchte ein sehr beeindruckende Sentenz Marsilo Ficinos noch anfügen:

"Die wahre Liebe ist nämlich nichts anders als ein Aufwärtsstreben der göttlichen Schönheit entgegen." (aus: De amore sive In conviviium Platonis)

Empfehlenswert!

Rezension:Zwei Abhandlungen über die Regierung (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)

John Locke (1632-1704) ist einer der Begründer der politischen Theorie des Liberalismus, die er vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen und politischen Aufschwungs in England im 17. Jahrhundert entwickelt hat und die diesen, wie auch den Fortschrittsoptimismus und den politischen Machtanspruch des Bürgertums deutlich zum Ausdruck bringt. Auf dem Hintergrund der gedanklichen Konstruktion eines Naturzustandes entwickelt Locke seine Staatsrechtfertigung und die darin beinhaltete Legitimation der staatlich garantierten Grundfreiheiten. In seinen "Zwei Abhandlungen über die Regierung" , hat sich der englische Philosoph damit auseinandergesetzt.

Im Folgenden sollen einige zentrale Gedanken der von John Locke errichteten Konzeption dargestellt werden.

Der Naturzustand ist ein Zustand vollkommener Freiheit und Gleichheit. Das bedeutet hinsichtlich der Freiheit, dass der Mensch im Naturzustand frei über seine Person und seinen Besitz entscheiden kann. Der Mensch ist in seiner Freiheit zu handeln von keinem anderen Menschen abhängig. Er braucht sich bei keinem eine Handlungserlaubnis einzuholen, sondern kann stattdessen seine Handlungen eigenständig steuern.

Der Mensch, der im Naturzustand lebt, ist in seinem gesamten Tun an niemanden und an nichts gebunden, außer an ein "natürliches Gesetz". Dieses Gesetz allerdings ist für alle Individuen maßgebliche Handlungsvoraussetzung.

Inhalt des natürlichen Gesetzes ist das Gebot, dass alle Menschen gleich und unabhängig sein sollen; keiner soll den anderen an seinem Leben, seiner Freiheit, seiner Gesundheit und an seinem Besitz schädigen.

Dieses natürliche Gesetz wird verletzt, wenn ein Individuum das Gebot aus eigennützigen Motiven übertritt.

Mit seinem unrechtmäßigen Vorgehen demonstriert der Rechtsbrecher, "dass er nach einer anderen Regel lebt, als der der Vernunft und der allgemeinen Billigkeit, die Gott den Menschen zu Sicherheit voneinander als Maß für ihre Handlungen gesetzt hat." Strafe und Wiedergutmachung werden im Naturzustand zum Akt der Selbstjustiz, denn es gibt keine anerkannten Richter, die berechtigt sind in allen Streitigkeiten den Ausschlag zu geben und den Gesetzen entsprechend zu entscheiden, zudem ist keine zwingende Gewalt vorhanden, die imstande wäre, die Vollstreckung der Gesetze zu sichern.

Das bedeutet, dass im Falle einer Gesetzesübertretung ein Mensch einem anderen "rechtmäßig Schaden zufügen" darf, allerdings gibt es hierbei auch im Naturzustand Grenzen. So darf die Strafe nur die Höhe erreichen, die zur Abschreckung zweckdienlich ist, wobei das Recht zu strafen im Naturzustand ein allgemeingültiges Recht ist, welches von jedem Individuum ausgeübt werden kann. Die Wiedergutmachung muss im rechten Verhältnis zum erlittenen Schaden stehen und kann nur von demjenigen gefordert werden, dem der Schaden zugefügt worden ist.

Das natürliche Gesetz, aus dem die natürlichen Grundfreiheiten des Menschen hervorgehen, ist nicht schriftlich fixiert, sondern beruht auf einer bloßen Anerkennung durch alle im Naturzustand lebenden Individuen.

Diese Anerkennung ergibt sich auf der Basis der vernunftsgeleiteten Einsicht in den Willen Gottes. Besagte Anerkennung schließlich, dazu schreibt Locke ausführlich, verkörpert für ihn den Legitimationsgrund für die Grundfreiheiten, die durch Lockes politische Gesellschaft garantiert werden. Die natürliche Freiheit steht bei Locke in einem engen Zusammenhang mit der Voraussetzung die Verfügungsgewalt über materielles Eigentum zu besitzen.

Um diesen Zusammenhang zwischen der natürlichen Freiheit und dem materiellen Eigentum aufzuzeigen, bedarf es zunächst der Erläuterung des Lock`schen Eigentumsbegriffes. Obschon alle Menschen im übergeordneten Sinne Eigentum Gottes verkörpern, ist doch jedes Individuum im Hinblick auf die anderen Individuen Eigentümer an seiner eigenen Person und in dieser Beziehung auch Herr seiner Handlungen und Arbeit.

Locke weist in Kapitel V seiner Schrift mehrfach darauf hin, dass Gott zu dem Zeitpunkt als er den Menschen die Welt zum gemeinsamen Besitz gab, ihnen zu arbeiten gebot. Auf diese Weise sollten sich die Menschen die Erde untertan machen. Allerdings war es nicht nur Gottes Gebot, sondern auch die eigene Vernunft die den Menschen befahl in diesem Sinne tätig zu sein.

Die Produkte der Arbeit waren das "unbestrittene Eigentum des Arbeitenden." Arbeit und menschlicher Fleiß waren es, die zu Anfang materielles Eigentum entstehen ließen und dem Einzelnen ein Recht an dem so erworbenen materiellen Eigentum verliehen. Die Schranken solch erwerbbarem, materiellen Eigentums im Naturzustand ergeben sich durch dessen ungenutzte Anhäufung. Das bedeutet, dass der Einzelne zwar materielles Eigentum in beliebiger Menge erwerben kann, aber er muss in der Lage sein, dieses Eigentum zu verbrauchen, bevor es verdirbt. Tauschhandel zu betreiben ist grundsätzlich nicht untersagt, denn man verletzt die Grenzen rechtmäßigen Eigentums nicht durch die Vergrößerung seines Besitzes, sondern eben nur dadurch, dass man etwas ungenutzt verderben lässt.

Mit der Einführung des Geldes wurde es im Naturzustand möglich, auch unverderbliches Eigentum anzuhäufen. Dadurch wurden die Besitzverhältnisse ungleich. Locke zufolge haben die Menschen durch stillschweigende Übereinkunft mit der Einführung des Geldes der sich daraus ergebenden Folge- der Ungleichheit des Besitzes- zugestimmt. Somit ist an dieser Stelle festzuhalten, dass Geld und ungleiche Besitzverhältnisse aus der Sicht des Philosophen eine vorstaatliche Errungenschaft sind, die ihren Wert und ihre Geltung der natürlichen Vernunft des Einzelnen verdanken. Die Zustimmung der Individuen bezüglich der Transformation gleicher natürlicher Rechte in unterschiedliche natürliche Rechte verschaffen den "Fleißigeren" die Möglichkeit, ihr natürliches Recht auf Eigentum in unbeschränkte Aneignung desselben umzuwandeln. Denjenigen, die die Chance nicht nutzen konnten, blieb nur die Alternative, die Verfügungsgewalt über ihre Arbeitskraft zu verkaufen.

John Locke sieht die Arbeitskraft des Einzelnen im Hinblick auf die anderen Individuen als dessen unbestreitbares Eigentum an. Insofern ist der Einzelne in der Lage, ohne dadurch unfrei, d.h. zum Sklaven zu werden, seine Arbeitskraft für eine gewisse Zeit gegen Lohn zu veräußern. Allerdings ist die verkaufte Arbeitskraft dann Eigentum des Käufers. Dieser Käufer ist nunmehr berechtigt sich die Produkte aus dieser Arbeit anzueignen. Obschon der Naturzustand ein friedvoller ist, beinhaltet er doch die Gefahr des Übergriffes. Der Einzelne ist nicht immer bereit, die grundsätzliche Verbindlichkeit des von ihm anerkannten Naturgesetzes zu akzeptieren. Ursache hierfür ist nach Locke einerseits der persönliche Egoismus eines jeden Individuums und andererseits das Moment der mangelhaften gedanklichen Auseinandersetzung mit dem Inhalt des Gesetzes.

Leben, Freiheiten und Güter des Einzelnen werden im Naturzustand nicht durch die Gefahr des Rechtsbruches bedroht, sondern auch durch eine nicht immer klar vorhersehbare Vorgehensweise beim Akt der Selbstjustiz.

Die Selbstjustiz beinhaltet die Möglichkeit der emotionalen und damit zugleich subjektiven Betrachtungs- und Handlungsweisen seitens desjenigen, dem ein Schaden zugefügt worden ist gegenüber dem Rechtsbrecher. Die Grenzen für Strafe und Wiedergutmachung könnten möglicherweise widerstandslos überschritten werden, weil sich Dritte in solchen Angelegenheiten eventuell gleichgültig verhalten. Durch die Neigung der Individuen dem natürlichen Gesetz auszuweichen wird ein Zustand erzeugt, welcher als bedrohlich empfunden wird und Reaktionen , wie etwa Furcht und Verunsicherung freisetzt. Das Wissen um die fortwährende Gefahr der Bedrohung des persönlichen Eigentums und die daraus resultierende Furcht bewirken, dass der Einzelne sich entscheidet den Naturzustand zu verlassen, um sich mit anderen zu einem Staatswesen zusammenzuschließen, welches in erster Linie dieses Eigentum schützen und jene bestrafen soll, die die aufgestellten Rechtsregeln übertreten.

Die diesem Staatswesen obliegende Schiedsfunktion soll durch anerkannte, unparteiische Richter ausgeübt werden. Diese Richter sollen in allen Streitigkeiten den Ausschlag geben und den Gesetzen entsprechend entscheiden. Außerdem soll es eine zwingende Gewalt geben, die die Vollstreckung der Gesetze sichert.

So wird der Staat zum" Schiedsrichter nach festgesetzten Regeln, unparteiisch und derselbe für alle".
Die Freiheit des Einzelnen im Staat scheint zwar im Verhältnis zur Freiheit im Naturzustand durch die Richter begrenzt zu sein, tatsächlich aber gewährt der Staat dem Eigentum des Einzelnen eine größere Sicherheit.

Jeder, der in eine politische Gesellschaft eintreten möchte, muss nach Locke hierzu seine individuelle Zustimmung geben. Der englische Theoretiker unterscheidet zwischen einer "stillschweigenden" und einer "ausdrücklichen" Zustimmung.

Die stillschweigende Zustimmung gibt jedermann, der innerhalb des Herrschaftsbereiches einer Regierung lebt, bzw. sich dort für eine gewisse Zeit aufhält. Diese Form der Zustimmung setzt Locke also bei jedermann, d.h. letztendlich bei Besitzenden und bei Besitzlosen voraus. Die stillschweigende Zustimmung genügt allerdings nicht um vollwertiges Mitglied einer Gesellschaft zu werden, denn "nichts kann einen Menschen dazu machen als sein tatsächlicher Eintritt durch positive Verpflichtung und ausdrückliches Versprechen und Vertrag".

Die vollwertigen Mitglieder der politischen Gesellschaft, d.h. die durch individuellen Vertragsabschluss, respektive ausdrückliche Zustimmung in diesselbe eintreten, bilden die Mehrheit und nur sie haben das Recht zu regieren bzw. die Regierung zu kontrollieren. Diese vollwertigen Mitglieder der politischen Gesellschaft verfügen über materiellen Besitz oder haben solchen in Aussicht, denn nach Locke kann davon ausgegangen werden, dass nur diejenigen ihre "ausdrückliche Zustimmung" geben, die ein berechtigtes Interesse an der Sicherung ihres materiellen Eigentums haben. Da die Besitzenden Steuern aufbringen , die notwendig sind, damit eine Regierung unterhalten werden kann, sollen diese besitzenden auch über den Verwendungszweck dieser Steuern entscheiden können und zudem das Recht haben in öffentlichen Angelegenheiten mitzubestimmen.

Die Mehrheit in Lockes politischer Gesellschaft bilden also diejenigen, die über materiellen Besitz verfügen. Entscheidungen, die von ihnen getroffen werden, binden aber nicht nur sie selbst, sondern auch diejenigen, über deren Arbeitskraft sie verfügen, denn die Pflicht den Gesetzen zu gehorchen und sich einer legalen Regierung unterzuordnen haben sowohl diejenigen, die ausdrücklich ihre Zustimmung gegeben haben als auch diejenigen, die stillschweigend zugestimmt haben. Alle Individuen, die durch einen individuellen Vertragsabschluss Mitglied der von Locke beschriebenen Gesellschaft werden, stimmen darin überein, dass die primäre Aufgabe ihres Staates darin besteht, die gottgewollten und von allen Individuen anerkannten Grundfreiheiten zu schützen und sicherzustellen. Dieser "christlich-religiöse Konsens" stellt die Rechtfertigung für Lockes Staat und der darin enthaltenen Grundfreiheiten dar.

Ganz abgesehen davon, dass Lockes Konsensidee hinsichtlich der Anerkennung des Staates und der durch ihn garantierten Grundfreiheiten aufgrund eines christlich-religiösen Rechtfertigungsgrundes unhistorisch und nicht empirisch ist, wäre sein Modell selbst dann nicht in die Realität übertragbar, wenn man von einer dem individualistischen Konsensmodell angemessenen Ausgangssituation ausgeht, weil nicht davon ausgegangen werden kann, dass die einzelnen Bürger, unabhängig von einem organisatorischen Prozess kollektiver Willensbildung alle das Gleiche wollen.

Eine bemerkenswerte Lektüre

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Rezension:Utilitarismus (Gebundene Ausgabe)

Der Philosoph und Sozialreformer John Stuart Mill ( 1806-1873) war einer der Hauptvertreter des englischen Utilitarismus, demzufolge das größtmögliche Glück der größtmöglichen Anzahl von Menschen das Ziel unseres Handels sein soll. Mill verdeutlicht , dass in der goldenen Regel , die Jesus von Nazareth aufgestellt hat, der Geist der Nützlichkeitsethik vollendet artikuliert worden ist. Die Forderung, sich dem anderen gegenüber so zu verhalten, wie man wünscht, dass er sich einem selbst gegenüber verhält und den Nächsten zu lieben, wie sich selbst, stellt die utilitaristische Moral in höchster Vollkommenheit dar. Dies näher zu erläutern macht sich der Philosoph in vorliegender Schrift zur Aufgabe.

Vom psychologischen Standpunkt aus, könnte man einschränkend hinzufügen, dass das moralische Verhalten stets einer zentralen ( lustbetonten) Einstellung entspringt, d.h. , dass Gedanken über Zweck und Nutzen einer Handlungsweise als Motive im Augenblick des Handelns kaum eine Rolle spielen. Im ersten Kapitel dieser Schrift lotet Mill zunächst aus, wodurch der Utilitarismus konkret gekennzeichnet ist und hinterfragt in diesem Zusammenhang den Begriff des Glücks. Was ist Glück? Wie kann man es erlangen? Weshalb ist ein Leben unbefriedigend,( sprich unglücklich) , wenn es durch Egoismus geprägt ist und ein Mangel an geistiger Bildung vorliegt? Mill konstatiert, dass die Wechselfälle des Schicksals größtenteils auf grober Nachlässigkeit, ungezügelten Begierden und schlechten oder zumindest unvollkommenen gesellschaftlichen Verhältnissen bestehen, sich jedoch durch menschliche Mühe und Anstrengung beseitigen lassen.Die Vermehrung des Glücks ist nach utilitaristischer Ethik der Zweck von Tugend. Wichtig ist für Mill stets zwischen dem Nützlichen und dem Opportunen zu unterscheiden.

Der Sozialreformer zeigt in der Folge die fundamentalen Sanktionen des Nützlichkeitsprinzips auf und macht klar, dass eine Gesellschaft unter Gleichen nur unter der Voraussetzung existieren kann, dass die Interessen aller gleichermaßen geachtet werden. Überzeugt ist der Brite , dass durch die Verbesserung des menschlichen Geistes ( gemeint durch Bildung) jene Einflüsse zunehmen, die geeignet sind , ein Gefühl der Einheit mit anderen entstehen zu lassen und die es ihm im Idealfall möglich machen, sich eine für ihn vorteilhafte Situation vorzustellen oder zu wünschen, die nicht auch für die anderen ein Vorteil wäre. Mill zeigt , welcherart Beweis sich für das Nützlichkeitsprinzip erbringen lässt und kommt nach langen Ausführungen zum Ergebnis, dass die größtmögliche Ausbildung der Liebe der Tugend in seiner Bedeutung für das allgemeine Glück von nichts übertroffen werden kann.

Der Denker differenziert stark zwischen dem Begriff des Willens und des Begehrens und weist nach, dass der Wille , wie alle anderen Bestandteile unserer Natur der Gewohnheit unterworfen ist und wir aus bloßer Gewohnheit etwas wollen können, was wir nicht mehr um seiner selbst willen begehren, wie wir es wollen. Dennoch ist der Wille ursprünglich das Produkt des Begehrens, darin eingeschlossen die Anziehungskraft der Lust und die Abstoßungskraft der Unlust. Mill lässt den Leser wissen, dass man Menschen dazu bringen muss, die Tugend zu begehren, indem man das Rechttun mit Lust und das Unrechttun mit Unlust verknüpft. Im fünften Kapitel zeigt er die Zusammenhänge zwischen Gerechtigkeit und Nützlichkeit auf und unterstreicht hierbei, dass Gerechtigkeit weiterhin die geeignete Bezeichnung für einen Bereich sozialer Nützlichkeit verkörpert, der dringlicher und unbedingter ist als alle anderen Bereiche und deshalb im utilitaristischen Denken eines John Stuart Mill den höchsten Wert einnimmt.

Eine bemerkenswerte Lektüre, die einen Ausgleich zwischen Individuum und Gemeinschaft auf der Basis utilitaristischer Ethik herbeizuführen sucht und hierbei wirklich zu überzeugen versteht.

Wie man dem Text entnehmen kann, hat Mills Philosophie mit der landläufigen Vorstellung von utilitaristischem Denken nichts gemein, wonach jedes Mittel recht ist ein egoistisches Ziel zu erreichen.

Rezension:Mächtiger als das Schicksal: Ein Brevier (Taschenbuch)

Das vorliegende Brevier zu Senecas Werken umfasst folgende philosophische Schriften dieses bedeutenden Stoikers:

Von der Kürze des Lebens
Von der Vorsehung
Moralische Brief an Lucius
Vom zurückgezogenen Leben
Die Trostschrift an Marcia
Von den Wohltaten
Naturwissenschaftliche Untersuchungen vom Zorn

Den Texten ist eine erhellende Einführung vorangestellt, die das Leben des großen Philosophen näher beleuchtet.

Lucius Annaeus Seneca gehört neben Kaiser Marc Aurelius und dem Sklaven Epiket der jüngeren Schule der Stoa an, nach deren ethischen Vorstellungen der Mensch seiner Natur nach ein Vernunftswesen ist, für das naturgemäßes Leben vernunftsgemäßes Leben verkörpert.In dieser Betrachtungsweise besteht die einzige Tugend. Sie ist die einzige Glückseligkeit.Ihr gegenüber gibt es ein einziges Übel : die Schlechtigkeit, die im nichtvernunftmäßigen und damit nicht tugendmäßigen Leben angesiedelt ist.Alles andere: Leben, Gesundheit, Besitz, Ehre, die von anderen hochgeschätzt werden, sind für Stoiker weder gut noch schlecht, sondern gleichgültig.

Es kommt demnach also darauf an zu erkennen, was gut , was schlecht und was gleichgültig ist.Sowohl in der Erkenntnis der richtigen Werte, wie in unserem Bestreben und Handeln uns nach den anerkannten Werten zu richten, werden wir durch Affekte ( Triebe, Leidenschaften) behindert. Diese beirren die Vernunft, gaukeln uns Gleichgültiges und Schlechtes als Wertvoll vor und veranlassen uns ihm nachzustreben.Aufgabe des Menschen ist deshalb, der fortwährende Kampf gegen die Affekte.Das Ziel der Tugend ist erst dann erreicht, wenn die Seele völlig frei von Leidenschaften ist.

In seinen Betrachtungen " Vom Zorn" zeigt der Stoiker, wie verderblich dieser Affekt sich für den Einzelnen darstellt und differenziert hier nochmals zwischen bloßem Zorn und Zornsucht, die eine Steigerung davon ist.
Seneca verdeutlicht, dass die Seele kein abgesonderter Platz ist, insofern die Leidenschaften nicht von außen her beobachtet werden können, um ihnen ein ungehöriges Fortschreiten zu verwehren, sondern dass sich die Seele selbst in Leidenschaft verwandelt und deshalb außerstande ist ,jene ihr nützliche und heilsame, aber nun schon preisgegebene und geschwächte Kraft wieder voll zur Geltung zu bringen.

Der Philosoph sagt wörtlich: " Wer sich zum Sklaven einer Leidenschaft macht, der ist sein Lebtag ein Tyrannenknecht"Sehr lesenswert sind die vielen Briefe Senecas an seinen Freund Lucilius.Hier überdenkt er u.a. den Wert der Zeit, die Wahl der Lektüre und differenziert zwischen vermeintlicher und wirklicher Freundschaft.Er unterstreicht in einem der Briefe, dass das Streben nach Weisheit der beste Schutz vor Todesfurcht sei und wirbt für die praktische Philosophie, indem er deren Nutzen aufzeigt.Der Stoiker empfiehlt seinem Freund in allen Belangen des Lebens Gelassenheit zu entwickeln und sich selbst zu genügen, um auf diese Weise seinen Seelenfrieden zu erlangen.

Der Römer lehrt niemals vorzeitig unglücklich zu sein, sondern die Dinge auf sich zukommen zu lassen.
Man möge sich nicht quälen mit Zukünftigem, weil es keinen sicheren Beweis für zukünftiges Unglück gäbe. Deshalb möge man Angst stets durch Hoffnung mäßigen.Philosophie beruhe nicht auf bloßen Worten, sondern auch auf Handlungen.Sie solle den Menschen vor allem schützen, wenn der Zufall die eigenen Angelegenheiten willkürlich antreibe und durcheinander wirbelt.Niemals möge man sich durch Reichtum und Luxus blenden lassen, denn alles kann einem genommen werden.Wer sich ernsthaft mit Philosophie beschäftigt, so Seneca, werde im Materiellen sein Seelenheil nicht mehr suchen, sondern Glückseligkeit einzig im ethischen Denken und Handeln finden.

Immer möge man sich bewusst machen, dass die ewige Dauer der Dinge im Wechsel der Gegensätze bestehen. Von daher möge man Veränderungen stets gelassen hinnehmen. Nur so nämlich habe man eine wirkliche Chance die stoische Gemütsruhe zu erlangen und langfristig auch beizubehalten.

Bemerkenswert ist, was Seneca im Hinblick zu Wohltaten sagt. Für ihn ist es ein Zeichen von hoher Gesinnung schlechte Erfahrungen zu machen und dennoch damit fortzufahren zu geben.Vergessen sollte man dabei nie, dass beharrliche Güte auch über schlechte Menschen schließlich siegt.

Aus seiner Schrift " Von der Kürze des Lebens" möchte ich abschließend folgende Worte zitieren:"Jetzt, solange das Leben noch frisch ist und wir noch auf der Höhe der Kraft stehen, sollten wir uns dem Bessern zuwenden! Es wartet Deiner bei solcher Lebensart eine Fülle wissenschaftlicher Einsichten, die Liebe zur sittlichen Vollkommenheit und Möglichkeit ihrer praktischen Betätigung. Deine früheren Leidenschaften wirst Du vergessen, du wirst lernen zu leben und zu sterben, du wirst eine erhabene Ruhe allen irdischen Dingen gegenüber gewinnen."

Senecas Schriften zeigen wie man sich innere Ruhe zu Eigen machen kann.

Weitere lesenswerte Schriften von Seneca finden Sie u.a. :